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Alternative Universe

GeschichteRomance, Sci-Fi / P16 / MaleSlash
Joachim "Joko" Winterscheidt Klaas Heufer-Umlauf
16.05.2021
11.06.2021
5
25.354
24
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18 Reviews
Dieses Kapitel
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11.06.2021 3.612
 
Da ich heute in meinen wohlverdienten Urlaub starte, habe ich mir gedacht, gibt es das neue Kapitel schon zwei Tage früher als geplant. Viel Spaß damit.

***


Neue Realität




Es vergingen zwei weitere Wochen und Klaas war mit den Nerven am Ende. Nachts suchten ihn seine anderen Leben heim, triezten und verspotteten ihn. Erinnerten ihn in jeder ruhigen Minute an das Gefühl von Jokos Haut unter seinen Fingern, seinen Lippen auf den eigenen und es machte ihn schier wahnsinnig.

Doris konnte er davon natürlich nichts erzählen. Was hätte er auch sagen sollen? Es fühlte sich viel zu sehr nach Betrügen und einer Affäre an, als nach einem einfachen Experiment mit den packungsversprochenen Nebenwirkungen, wie Albträume und Flashbacks, die sich so verflucht real anfühlten, dass es Klaas kurzzeitig die Luft aus der Lunge boxte. Auch wenn die Frau an seiner Seite alles andere als einfach gestrickt war, bemühte sich der Moderator seinen Schlafmangel nicht allzu sehr anmerken zu lassen. Manchmal stand er auf, ging in das Zimmer seiner Söhne und betrachtete die beiden, während sie schliefen und ihm langsam seinen eigenen inneren Frieden wieder gaben, um dann wenigstens noch zwei Stunden Schlaf zu finden.

Joko hatte er in all der Zeit gekonnt ignoriert. All die Anrufe, WhatsApp Nachrichten und sogar Emails ebbten ab der zweiten Woche langsam ab, nachdem er wohl den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden hatte. Dass der Blonde seinen Heimatsitz in München und nicht in Berlin hatte und außerhalb von Drehs und sonstigen Floridaangelegenheiten auch dort blieb, spielte ihm dabei sehr gut in die Karten. Andernfalls hätte er den Winterscheidt mit Sicherheit schon vor der Wohnungstüre stehen gehabt.
Zwar hatte er deswegen irgendwo tief in seinem Magen ein schlechtes Gewissen – aber nicht zu sehr um sich doch noch bei seinem Co-Moderator zu melden.

Gedankenverloren saß Klaas also Montagmorgen in der Florida und sortierte stupide die Emails ab, welche sich über das Wochenende in seinem Postfach angesammelt hatten und schlürfte genüsslich an seiner Tasse Kaffee, als plötzlich Thomas neben ihn trat.

„Na, hast wohl nicht viel geschlafen die letzte Zeit was?“ murrte der Ältere und zog sich einen Stuhl heran, um sich, ebenfalls mit Kaffee in der Hand, zu seinem Freund zu gesellen. „Deine Augenringe sind echt gruselig.“

Durch den Schlafmangel leicht reizbar zuckte Klaas nur mit den Schultern, ohne seinen Blick von dem Bildschirm abzuwenden. Er mochte Schmitti – wirklich. Er kam mit fast jeden aus seiner Firma klar, aber für Thomas war immer ein besonderer Platz in seinem Herzen reserviert. Nur leider hatte er manchmal einfach unglaublich schlechtes Timing und wusste nicht wann es besser war einfach die Klappe zu halten. „Gibt’s einen bestimmten Grund warum du hier bist?“ knurrte er nur.

Thomas lupfte eine Augenbraue, ging aber nicht weiter auf die schlechte Laune seines Kumpels ein. „Die Auswertungen sind da.“ Zack. Mit einem Mal war Klaas‘ Herzschlag wieder bei 180. Kurz räusperte er sich, bevor er unbeeindruckt von seinem Computerbildschirm aufsah. „Und?“

Der Dunkelhaarige reichte ihm eine schmale Mappe. „Jede Gruppe hat anscheinend abgeschnitten wie erwartet. Jeder ist seinem Partner in den drei verschiedenen Szenarien begegnet mit positiven, negativen, oder sogar gar keinen Auswirkungen auf das eigene weiterführende Leben. Anscheinend gab es sogar einen Testlauf bei dem sich zwei nur kurz auf der Straße getroffen haben. Dürften höchstens fünf Minuten gewesen sein, stehen nur leider keine Namen dabei.“

„Ist ja faszinierend.“ bemerkte Klaas monoton. Er wollte von dem ganzen Prozedere nichts mehr hören. Nicht jetzt und auch in 10 Jahren nicht.

„Eine Gruppe allerdings, hat nicht so agiert wie erwartet. Aus der sind sie nicht schlau geworden.“ die kurze Pause die Thomas dabei machte, sagte dem Moderator bereits alles was er wissen musste. Schließlich war er nicht von gestern. „Euch zwei. Eure… Begegnungen in allen drei Universen waren sich...“ er grübelte nach dem richtigen Wort. „… zu ähnlich, denke ich. So steht es zumindest da drin. Naja, nicht so. Im üblichen Fachjargon versteht sich. Kommt aber aufs selbe raus.“ er kratzte sich nervös am Kinn. „Deshalb wollen sie mit euch noch einen weiteren Versuch starten. Ein weiteres Universum, sozusagen.“

„Auf gar keinen Fall.“

„Klaas, jetzt hör doch mal zu-“

Der Jüngere erhob sich aufbrausend von seinem Stuhl und bäumte sich vor seinem Freund auf. „Nein Thomas, du hörst zu! Ich werde mich nicht noch einmal dieser Farce unterziehen. Schon schlimm genug, dass wir die Leute an unserem Gehirn rumpfuschen haben lassen. Du hast keine Ahnung was das mit einem macht.“ Klaas Atem ging schwer, während er sich mit klopfenden Herzen über seinen Bart fuhr. Langsam aus und einatmen, erinnerte er sich. Nicht den Kopf verlieren. „Ich habe das Gefühl, als würde ich noch drei andere Leben führen. Das zerreißt mich innerlich, verstehst du? Mein Gehirn sagt mir immer wieder, dass Joko…“ er zögerte, bevor er weitersprach. „Die können uns nicht zwingen, diese Prozedur noch einmal zu durchleben.“

Schmitti schwieg einen Moment, sichtlich überrascht von dem übertrieben emotionalen Ausbruch seines Freundes, bevor er leise hinzufügte. „Ich dachte ihr habt keine Nebenwirkungen?“

„Es sind… keine Ahnung, es sind glaube ich auch keine Nebenwirkungen per se. Mir ist jetzt nicht schlecht, oder so.“ der Moderator ließ sich zurück auf seinen Stuhl fallen. Die letzten schlaflosen Nächte zerrten an seinen Kräften. Geistig wie körperlich.

„Sondern?“

„Wie ich bereits sagte, es fühlt sich einfach an, als hätte ich nicht nur ein Leben. Als wüsste meine Seele nicht wohin sie gehört.“ so laut ausgesprochen klang es, als hätte er vollkommen den Verstand verloren. Vielleicht war es aber auch nur eine Frage der Zeit, bis es wirklich so weit war.

„Also geht es um Joko?“ sprach Thomas ernst.

„Auch.“

„Weil du in drei von vier möglichen Leben mit ihm zusammen bist.“ fügte er hinzu.

Klaas nickte stumm. Was sollte er auch dazu sagen. Es war alles eine einzige Freakshow. Er hätte auf sein Bauchgefühl hören und das Experiment lassen sollen, Geld und Neugierde hin oder her. Schließlich hatte er in seiner Existenz schon genug unmögliche Sachen getan und ertragen. Das hier war nur noch die Spitze auf einem schon extrem ungewöhnlichen Eisberg, der sich sein Leben nannte.

„Fühlt es sich falsch an, dass du in diesem Leben bei Doris bist und nicht bei Joko?“ fragte Thomas weiter und holte Klaas somit aus seiner Starre zurück. Der Jüngere schnalzte verärgert mit der Zunge. „Werde nicht albern.“

„Klaas, rede doch mal mit ihm. Möglicherweise geht es ihm genauso.“

„Was soll das bringen, mhm? Am Ende kommen wir beide zur selben Erkenntnis und dann sitzen wir richtig in der Scheiße.“ Nicht auszudenken, sollte das irgendwie an die Öffentlichkeit gelangen.

„Wäre es denn so schlimm…“

„Thomas, diese Gefühle, oder was auch immer das ist, ist nicht echt. Joko und mein Leben, egal in welchem Szenario, ist nicht echt.“

„Wenn davon nichts echt ist, warum kümmert es dich dann?“

„Weißt du, darüber reden ist einfach. Stell dir mal vor du und Jakob wärt in derselben Situation, wie Joko und ich. Würdest du dir dann das Gleiche raten?“

Er sah Thomas kurz überlegen, dessen Augen gen Deckenbeleuchtung wanderten. „Könnte mir jemand schlimmeres vorstellen, als Lundt.“ bemerkte er schließlich. „Müsste mir nur genug Kaffeevorräte zulegen, damit der Herr nicht grummelig wird.“

„Du bist mit Absicht so unhilfreich, oder?“

Kurz stieß er ein erschöpftes Lachen aus. „Ich hab weder Frau noch Kinder, Klaas. Eine zufriedenstellende Antwort werde ich dir nicht geben können.“ er nahm den letzten Schluck seines Kaffees und erhob sich. „Nach wie vor denke ich aber, dass mit Joko reden hier die beste Lösung ist.“

„Sicher. Joko ist bei dem Thema bestimmt auch sehr realistisch. Dafür ist der Winterscheidt ja bekannt, dass er selten Emotionen zeigt. Da hab ich mir all die Jahre sein Geheule bei den Edeka Weihnachtswerbungen nur eingebildet.“

„Du hast Angst, oder?“

Der Moderator schwieg und starrte zurück auf seinen Monitor. Drei neue Emails. Keine von Joko.

„Angst, dass da wirklich was ist zwischen euch.“ fuhr Schmitti fort.

„Rede keinen Schwachsinn, Thomas! Da muss wirklich noch einiges mehr in meinem Gehirn schief laufen, dass ich dem Winterscheidt hinterher fröne.“

„Ich glaube dein Kopf ist hierbei ausnahmsweise mal nicht entscheidend.“ und mit dieser Aussage drehte er sich auf dem Absatz um und verschwand im Flur.

Sackgesicht!


***


Natürlich musste er seinem Co-Moderator irgendwann einmal wieder unter die Augen treten. Das war bei ihnen beiden nun mal unvermeidlich. Jedoch hatte Klaas gehofft, dass bis dahin etwas mehr Zeit verstrichen war.

Als Joko dann eine Woche nach dem Gespräch zwischen ihm und Schmitti plötzlich in der Bürotür stand, rutschte Klaas‘ Herz ihm buchstäblich in die Hose. Die Arme verschränkt, hatte sich der Blonde demonstrativ in den offenen Türrahmen gelehnt, während seine braunen Augen vertraut grimmig funkelten. Diesen Blick hatte der Jüngere in den vergangenen Jahren immer mal wieder erhalten, wenn sie sich in üblicher Fernsehmanier wieder die schlimmsten Dinge angetan hatten. Damals hatten sie sich fast schon professionell gefetzt, nur um sich wenig später wieder zu vertragen.
Manchmal hatte es etwas gedauert die Bogen wieder zu glätten, wenn eine Grenze zu drastisch überschritten wurde. Klaas konnte sich noch genau an die Funkstille nach dem Helikoptersturz erinnern, die dem Ereignis nicht überraschenderweise gefolgt war. Joko hatte es ihm damals wirklich schwer gemacht sich zu entschuldigen, da er jedes Mal wenn Klaas mit ihm reden wollte, die Flucht ergriffen hatte. Aber selbst das hatten sie mit der Zeit überstanden.

„Willst du gar nichts sagen?“ unterbrach Joko schließlich die Stille, rührte sich jedoch nicht vom Fleck.

Der Jüngere sah ihn an und legte den Kopf schräg. „Was willst du denn hören?“ etwas passiv Aggressives lag in seiner Stimme. Das konnte er am besten. Joko so lange auf die Palme bringen, bis dieser freiwillig ging.

„Vielleicht eine Entschuldigung, dass du mich die letzten Wochen ignoriert hast.“ der Zorn in seiner Stimme war deutlich zu hören, er vibrierte schon fast durch seinen Körper, bedrohlich und aufbrausend, was selten vorkam bei jemandem wie Joko. „Und vielleicht sogar eine Erklärung warum du dich wie ein kompletter Vollarsch aufführst.“

„Sach ma!“ rief Klaas aus.

„Klaas, rede doch mal mit mir. Ich habe dir jetzt genug Freiraum gegeben.“ versuchte der Blonde erneut, während er ein Stück näher ins Zimmer trat und die Tür hinter sich schloss. Vermutlich in kluger Voraussicht, dass ihr Gespräch noch etwas lauter werden würde.

„Genug Freiraum“ murrte der Jüngere. „Hörst du dich eigentlich selber reden? Ich bin dir keine Rechenschaft schuldig, Winterscheidt!“

Jokos Blick wurde traurig. „Darum geht es doch gar nicht.“

„Worum dann?“

„Dir geht es doch genauso, oder? Das muss sich doch gleich anfühlen für dich.“ sein Co-Moderator trat weiter in den Raum hinein. Das war zu nah. Viel zu nah!

Ruckartig stand Klaas auf. Er hatte keine Nerven dafür. Nicht jetzt, nicht irgendwann anders. „Ich weiß nicht wovon du redest.“ gab er monoton zurück und versuchte an dem Blonden vorbei zu Tür zu gelangen, doch dieser blockte seinen Weg.

„Natürlich. Deswegen hast du mich auch ignoriert die letzten Wochen. Weil dich das ja alles so kalt lässt.“ schnarrte er.

„Schon mal darüber nachgedacht, dass ich beschäftigt war und deshalb nicht geantwortet habe?“ blaue Augen funkelten stürmisch.

„Das hat dich früher auch nie davon abgehalten.“ kam es kleinlaut zurück.

„Joko, rede endlich Klartext.“

„Fein. Du willst Klartext? Bitteschön.“ der Blonde holte tief Luft. „Diese Universen, diese Leben die wir da irgendwo führen, oder uns vielleicht doch nur eingebildet haben, wie auch immer, die… die lassen mich nicht los. Ich habe oft das Gefühl von Déjà-vus, die ich eigentlich nicht haben dürfte. Dinge an die ich mich erinnere, die ich nie wirklich erlebt habe. Emotionen die…“ er schluckte. „… die sich so krass real anfühlen, dass ich denke meine Herz zerspringt vor Sehnsucht.“ braune Augen sahen zu ihm hinunter. „Letztens bin ich in Berlin zu deinem Frisör gegangen. Den gibt es wirklich, Klaas. Deinen Laden, oder zumindest war es dein Laden… irgendwo. Sieht natürlich anders aus, femininer irgendwie, aber die Stelle ist die Gleiche. Verrückt, oder? Ich stand also davor und habe mir für einen Augenblick so sehr gewünscht, dass du mit Schere und Kamm durch den Laden läufst, mich siehst und mir dann dieses besondere Lächeln schenkst, dass nur für mich reserviert ist, dass ich dachte ich…“ er raufte sich frustriert die Haare. Mitleid schwappte wie eine Welle über Klaas. „Bitte sag mir dass ich nicht verrückt bin. Bitte sag mir, dass ich nicht alleine in diesem Strudel gefangen bin.“ flehte Joko dann.

„Bist du nicht.“ murmelte der Jüngere und zuckte resigniert mit den Schultern. „Mir… mir geht es ähnlich.“ eine fast schon beängstigende Stille legte sich über den Raum. Klaas fuhr sich verlegen in den Nacken und starrte auf seine Schuhe. Konnte seinem Co-Moderator nicht ins Gesicht sehen. Dass er das zugab war eigentlich nicht auf dem Plan gestanden.

„Klaas“ flüsterte Joko sanft, den Kopf etwas heruntergebeugt. „Warum hast du nicht früher etwas gesagt?“

„Was würde das ändern?“

„Alles! Ich habe die letzten Wochen gedacht ich werde wahnsinnig und dass es nur mir so geht. Ich dachte ich muss jetzt allein damit klar kommen. Ich dachte wenn es dir nur ähnlich gehen würde, könnten wir zumindest zusammen eine Lösung finden.“

Der Braunhaarige schnaubte. „Ja sicher.“

„Klaas.“ Joko trat auf ihn zu. „Wir können das nicht ignorieren. Glaub mir ich hab es versucht.“

„Ja, für zwei Wochen.“ schnappte der Jüngere. „Und deswegen würdest du was? Lisa verlassen?“

„Nein, ich…“ Joko stockte. „…ich bin einfach verwirrt okay. Das alles, das fühlt sich verdammt eindeutig an.“ er griff nach Klaas Händen, die er dem Älteren nicht entzog. „Verdammt nach Liebe halt.“

„Hast du mir nicht erst vor zwei Wochen mit einer Arschruhe erzählt, dass es doch nur drei Universen sind, dass das Alles nichts zu bedeuten hat, dass ich mich wieder einkriegen soll und jetzt stehst du hier, als wärst du bei dieser ganzen Tortur nicht die beschissene Ruhe selbst gewesen.“ Der ehemalige Oldenburger seufzte müde. Er hätte von Anfang an wissen müssen, dass es keine kluge Idee war seinen Co-Moderator in so etwas zu involvieren. „Das ist nicht echt, Joko.“

„Woher willst du das wissen?“

„Weil es nicht echt sein kann, okay? In ein paar Monaten, wenn Gras über die Sache gewachsen ist und wir wieder klar im Kopf sind wird dir das sonst wie der größte Fehler deines Lebens vorkommen.“ versuchte er seinen Freund damit zu überzeugen und gleichzeitig wohl auch sich selbst.

„Und was wenn nicht?“

„Wie, wenn nicht?“ Klaas stutzte.

„Was wenn die Gefühle nie weggehen. Wenn es diese komische, verkorkste Teilnahme an dieser Studie gezeigt hat was wir einfach nie gesehen haben? Nie sehen wollten?“ sanft strich Joko mit seinem Daumen über Klaas‘ Handrücken. Das wurde ihm langsam zu bunt.

„Ist mir irgendwie in den letzten Jahren entgangen, dass du zum anderen Ufer gewechselt bist?“ schnappte er.

„Klaas“

„Was? Das kann doch bitte nicht dein Ernst sein.“ er entriss Joko seine Hände. „Ich sollte da gar nicht zuhören. Ganz ehrlich, was soll das bringen? Das hier?“ er wedelte mit seinen Händen zwischen ihnen hin und her. „Das ist lächerlich.“

„Warum bist du dann noch hier?“

„Weil ich nicht will, dass du dir komische Gedanken einredest und die dann womöglich in die Tat umsetzt.“

„Hast du einen bestimmten Gedanken im Sinn.“ zwinkerte Joko scherzhaft, doch dem Jüngeren blieb kurz der Atem weg. Dieser verdammte Mistkerl!

„Joko, ich warne dich!“ zischte Klaas. „Ich hab dir schon mal eine gescheuert, das kann ich gerne wiederholen.“

„Jetzt werde hier mal nicht hysterisch.“ sagte Joko abwinkend und trat einen Schritt zurück, während er sich die Brille mit seinem rechten Zeigefinger wieder höher auf die Nase schob.

„Ich bin nicht-“ Klaas senkte inmitten des Satzes seine Stimme. „- ich bin nicht hysterisch. Ich will nur klarstellen, dass was auch immer du dir in den letzten Wochen zusammengeträumt hast nicht der Wirklichkeit entspricht, klar?“

Für eine Sekunde huschte Enttäuschung und Scham über das Gesicht des Älteren, bevor er seine Fassung wieder erlangte, schluckte und seine Schultern strafte. „Verstanden“ er räusperte sich gedrungen. „Ich denke ich gehe jetzt besser. Habe noch was mit Jakob zu besprechen.“

„Joko jetzt-“ Klaas umschloss mit einer schnellen Bewegung das Handgelenk seines Freundes. „jetzt warte kurz okay. Wir müssen eine Lösung für das hier finden, denkst du nicht? Oder wie soll das mit unserer Zusammenarbeit in Zukunft klappen, wenn du jedes Mal in meiner Nähe pissig wirst?“

„Du hast mit dieser Farce angefangen, wenn jemand für die schlechte Stimmung zwischen uns verantwortlich ist, dann ja wohl du!“ Touché.

„Wir sind doch Freunde, oder nicht?“

Joko runzelte irritiert die Stirn. „Natürlich sind wir Freunde, Klaas. Das wird sich auch nie ändern.“

„Doch, dass wird sich ändern und zwar wenn du mit dieser Vorstellung weitermachst.“ sprach der Jüngere ruhig. „Denk bitte einmal mehr als eine Sekunde darüber nach, was das für Auswirkungen hat, wenn wir plötzlich einen auf verliebtes Pärchen machen. Denk an unsere Arbeit, an unsere Familien, an unser ganzes verficktes Umfeld und dann sieh mich an und sag mir ob du immer noch glaubst, dass es das Alles wert wäre.“

Der Blonde leckte sich über die Lippen, aus denen ein kurzes, heiseres Lachen drang. Es schien allmählich von seiner Wolke herunter zu kommen. „Eins muss ich dir lassen, Klaas. So pragmatisch bin ich noch nie abserviert worden.“

Sein Co-Moderator zuckte mit den Schultern. „Gekonnt ist gekonnt.“ scherzte er halbherzig, auch wenn ihm der Gesichtsausdruck seines Gegenübers einen tiefen Stich versetzte. Er war es gewohnt Joko weh zu tun, aber diesmal, fühlte es sich alles andere als gut an.

„Ich weiß, dass ist jetzt vielleicht ziemlich kontraproduktiv, aber darf ich dich um eine Sache bitten, bevor ich gehe?“ setzte der Blonde erneut an.

„Sicher“

„Darf ich dich küssen?“ Klaas hielt inne. Hatte er gerade richtig gehört? „Klaas?“ hakte Joko nach.

„Du…“ stotterte der Jüngere. „Du willst was?“ das konnte unmöglich sein Ernst sein.

„Ich habe deine Ansprache schon verstanden und weiß, dass du Recht hast, aber ich will wenigstens einmal wissen wie es ist, verstehst du? Ohne in irgendeinem anderen Universum zu stecken und ohne tausende von Kameras um uns herum. Einfach nur du und ich. Jetzt. Hier. Erlaubst du mir das?“

Der Braunhaarige strich sich kopfschüttelnd mit einer Hand über das Gesicht. Gott, der Kerl gab wohl nie auf. Irgendwie kam ihm diese ganze Situation seltsam vertraut vor. Da spürte er plötzlich dieses bekannte Gefühl eines Déjà-vus, das ihm die Kehle zuschnürte. „Versprichst du mir dann, dass wir hierüber nie wieder ein Wort verlieren?“ murmelte er kleinlaut, so das Joko ihn fast nicht verstanden hätte.

Der Ältere lächelte triumphierend und legte wohlwollend eine Hand über sein Herz. „Versprochen, Klausi.“

„Okay, also dann…“ stammelte der sonst so selbstsichere Berliner, als Joko ihn auch schon an der Hüfte zu sich gezogen und die Stirn an seine gelegt hatte. „Schließ die Augen.“ warme Luft streifte Klaas Lippen, als er aufsah und in die warmen Augen seines Freundes blickte. Das war eine furchtbare Idee.
Schnell fanden seine Hände den Weg in den Nacken des Blonden und zogen ihn die letzten Zentimeter herunter. Es traf Mund auf Mund, Angst, Vorfreude und Lust, alles in allem verschmolz und knallte mit einer fast schon übermenschlichen Geschwindigkeit aufeinander.
Innerer Frieden. So fühlte es sich an Joko zu küssen. Da war kein Druck mehr in seinem Kopf, kein ungutes Gefühl in seinem Magen und die Klammer, die sich um sein Herz gelegt hatte löste sich Stück für Stück, als Jokos Zunge zögerlich gegen seine Lippen stupste. Klaas öffnete wie in Trance seine Lippen, schmeckte Koffein und leckte in Jokos Mundhöhle, als wäre er kurz vor dem Ertrinken, während seine Hände durch das kurze Haar unter ihnen fuhren.

Ein tiefes aufgeregtes Stöhnen riss ihn aus seinen Gedanken. „Joko, ich…“ räusperte sich Klaas, wenige Zentimeter von den Mund seines Freundes entfernt, dessen aufgeregten, warmen Atem er an seinem eigenen spüren konnte. „Ich weiß.“ flüsterte sein Co-Moderator und küsste Klaas‘ Mundwinkel sanft. Leise lachte der Jüngere, während der Blonde sein Gesicht immer mehr liebkoste. Das fühlte sich viel zu gut an. Viel zu richtig. Er wollte sich nie wieder von seinem Freund lösen, nie wieder diese innige Vertrautheit missen. Was hatte er sich dabei nur gedacht, ja zu sagen. Nun würde er für den Rest seines Lebens an nichts anderes mehr denken können.

Nach einer gefühlten Ewigkeit lösten sie sich wieder voneinander. Schon misste er die Wärme, die von Joko ausging und fuhr sich selbst innerlich an sich zusammen zu reißen.

„Jetzt sag mir bitte, dass du auch was gefühlt hast?“ wisperte Joko, als er sich wieder gerade hinstellte. So viel Verzweiflung lag in diesen Worten, dass es Klaas kurz die Luft abschnürte. Wie waren sie hier gelandet? Vor ein paar Wochen hätte er noch gelacht, wenn ihm jemand gesagt hätte, dass er mit dem Winterscheidt knutschend im Büro stehen würde, während ihm das Herz fast aus der Brust sprang.

„Das tut hier nichts zur Sache.“ Klaas räusperte sich. „Du hast deinen Kuss bekommen, jetzt halte dich auch an dein Versprechen.“

Er konnte regelrecht sehen wie Joko seine Gesichtszüge entglitten. Er hatte angesichts des aufgeheizten Kusses mit einer etwas positiveren Antwort gerechnet. Ein kurzer Augenblick verstrich, in dem seine Mundwinkel zuckten, bevor er nickte und sich zur Tür drehte. Joko war nicht dumm, er wusste dass er Klaas nicht mit einem einzigen Kuss umstimmen konnte.

„Klar, kannst dich auf mich verlassen.“ bevor er jedoch ganz aus seinem Sichtfeld verschwand drehte er sich noch einmal zu dem Jüngeren um. „Nur um eins klarzustellen, Klaas. Du wärst es auf jede Fall wert.“ dann schnappte die Tür ins Schloss.



FIN.

***

So meine Lieben, wir sind am Ende angelangt (ohne Happy End). Wie bereits angekündigt, war dies als Kurzgeschichte gedacht, auch wenn man natürlich eventuell noch eine Fortsetzung schreiben könnte... wer weiß.
Auf jeden Fall ein großes Dankeschön an die Menschen, die mir eine Empfehlung geschenkt und sich die Zeit genommen haben ein Review dazulassen.
Much appreciated!

Also Cheers und bis zum nächsten Mal,
Stefanie
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