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Mit Rosie Hüttinger unterwegs in Mittelerde

GeschichteHumor / P12 / Gen
Aragorn Frodo Meriadoc / Merry Brandybock Peregrin / Pippin Tuk Rose "Rosie" Hüttinger/Gamdschie Samweis / Sam Gamdschie
16.05.2021
04.08.2021
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16.05.2021 1.156
 
Ich finde, es ist höchste Zeit, dass Frau was unternimmt. Ja, die Filmemacher haben die Männerlastigkeit dieser Geschichte erkannt. Éowyn war denen nicht genug, obwohl sie dem Herren der Ringgeister getrotzt hat, was sich sonst keiner getraut hat. Naja, mit dem Mut der Verzweiflung oder aus dieser Todessehnsucht heraus, die sie damals befallen hatte. Da kann man das Unmögliche schon mal versuchen. Kurzerhand haben die Filmemacher also auch Arwen zur Heldin hochstilisiert. Herr Tolkien hat das so nicht geschrieben. Wundert einen doch nicht zu seiner Zeit. Und außerdem war es auch gar nicht so. Woher ich das weiß? Ja ganz einfach: Ich war dabei, auch wenn das im Roten Buch verschwiegen wird. Also hätte man nur mal mich, Rosie Hüttinger, ins rechte Licht zu rücken gebraucht. Dann hätten sie ihre Heldin gehabt. Aber ich bin ja nur eine einfache Hobbitfrau. Und Hobbitfrauen kann man schminken und stylen wie man will. Sie sehen nie so schön aus wie die Elbinnen.



Ich würde nicht zurück bleiben. Nein, ich nicht. Ich gehöre nicht zu denen, die sich gerne lenken lassen und immer das tun, was von ihnen erwartet wird. Das macht zu wenig Spaß. Wie weit kommt man denn damit? Von Hüttingers Hof in Gamdschies Höhle vielleicht. Falls er wohlbehalten zurück kommt, woran ich nicht zweifle.

Also packe ich meinen Rucksack.
Ich packe meinen Rucksack und lege mir zwanzig Paar warme Socken hinein.
Ich packe meinen Rucksack und lege mir zwanzig Paar warme Socken und zehn Garnituren warme Unterwäsche hinein.
Ich packe meinen Rucksack und lege mir zwanzig Paar warme Socken und zehn Garnituren warme Unterwäsche und eine mit Daunen gefütterte Winterjacke hinein.
Ich packe meinen Rucksack und lege mir zwanzig Paar warme Socken und zehn Garnituren warme Unterwäsche und eine mit Daunen gefütterte Winterjacke und meinen Kulturbeutel mit allem, was eine Frau auf einer beschwerlichen Wanderung durch die Wildnis von Mittelerde so braucht, hinein.

Oben drauf packe ich mir ein paar Stiefel. Was? Sie glauben, ein Hobbit braucht das nicht? Ja, da mögen Sie recht haben. Ein Hobbit braucht das nicht. Durch Schnee und Eis kann er auch in großen Höhen über einen Gebirgspass wandern, barfuß natürlich. Aber wenn er denn Stiefel hat, dann fühlt er sich trotz allem wohler. Da geht es einem Hobbit nicht anders als einem Menschen. Und einer Hobbitfrau sowieso. Das wichtigste sind für mich warme Füße.

Für das Essen ist bestimmt gesorgt. Die anderen denken ja vor allem immer an das Essen. Sollen sie ihre Rucksäcke nur ordentlich mit Futter füllen. Dann wird es auch für Viere reichen. Zumindest bis Krickloch. Aber etwas passt ja noch in meinen Rucksack. Also selbst ist die Frau. Die sollen schon mal diese Trivialitäten nicht als Vorwand ins Feld führen können. Ich sorge schon für mich selbst.

Ob sie sich wohl auch Gedanken zu den praktischen Dingen, die man auf so einer Wanderung brauchen kann, gemacht haben? Nein, nicht der närrische Pippin und auch nicht der vornehme junge Herr Merry. Frodo, dieser liebenswürdige Träumer, schon gar nicht.
Aber mein Sam. Der weiß, was unterwegs wichtig werden kann. Sam ist einer, der anpacken kann. Und der auch anpackt, wenn es nötig ist. Aber man muss auf ihn aufpassen, diesen lieben Schussel. Sagt er selbst oft, dass er gerne über seine eigenen großen Füße stolpert.
Aber ich bin ja dabei. Ob er sich schon erklärt hat? Nicht in Worten. Dazu ist er dann doch zu schüchtern. Aber in Taten. Ich sag ja: Er ist einer, der anpackt. Auch in diesen Dingen, soweit ich ihn lasse. Also, was soll er sich noch erklären? Wir gehören zusammen und deshalb gehe ich mit. Wenn er nicht zurück kommt, will ich wenigstens an seiner Seite gewesen sein, so lange es möglich war. Ja, ich weiß, dass Sams Herz auch für Herrn Frodo schlägt. Da kann man nichts gegen machen, es ist einfach so. Es ist eine andere Liebe, durchgeistigt würde ich sagen, nicht konkret, ziellos. Sam behauptet, Herr Frodo sei eben sein Herr. Sein Chef, würden Sie sagen. Aber es ist doch eine Art Beziehung, meine ich, eine Männerfreundschaft. Phh. Na gut, es braucht mich jedenfalls nicht zu stören.

Jetzt kann es von mir aus losgehen. Natürlich werden sie erst mal versuchen, mir die Sache auszureden. Das Wetter ist doch eh nichts. Wir gehen nur die altbekannten Wege, nichts Neues. Wird bestimmt ganz langweilig. Ach, was weiß ich, wie sie mir das Wandern durch Felder und Wälder, über Wiesen und Heide, werden madig machen wollen.
Von der Gefahr sagen sie natürlich nichts. Ist ja alles ganz geheim, dass Frodo wegzieht. Wegen diesem Ring. War mir schon immer nicht geheuer, dieses Ding. Viel zu mächtig nach meinem Geschmack. Mächtig und dazu geheim. Männerkram eben.
Aber ich lasse mich nicht vergraulen. Also werden sie mich bis Krickloch wohl oder übel mitschleifen müssen. Und dort wird man ja sehen und Frau auch.

Das einzige, was mich stört, sind Vater und Mutter Hüttinger. Sie werden sich grämen, wenn sie hören, dass ich das Auenland verlassen habe. Aber sie wissen ja, dass mein Herz Sam gehört. Es wird die einzige Gelegenheit meines Lebens sein, einmal die Welt zu sehen. Wenn Sam zurück kommt, wird er nicht mehr lange zögern und dann? Heißt es Kinder, Kinder, Kinder. Ich will ja auch Kinder, aber einmal im Leben die Grenzen des Auenlandes überschreiten, sollte doch möglich sein. Ich gehe mit. Ich werde nicht zurück bleiben.



„Aber Rosie“, stammelt Sam. Wie gerne würde er Hand in Hand mit Rosie durch die Wälder ziehen. Aber es ist doch kein Sonntagsspaziergang, zu dem sie jetzt aufbrechen.
„Das wird sicher ganz langweilig, Rosie. Die gehen mit Frodo nur die altbekannten Wege seiner Heimat. Und sie brauchen Sam. Er kann sich unterwegs nicht um dich kümmern“, behauptet Merry.
„Du kannst nicht mitkommen, Rosie Hüttinger! Wir schlafen draußen und das Wetter sieht nach Regen aus. Das ist nichts für ein Mädchen“, erklärt Herr Frodo.
„Da hörst du es Rosie“, versteckt sich Sam hinter Herrn Frodo. Er kann ihr nicht einfach irgendetwas auftischen, dass sie überzeugt hätte. Er kann ihr nur die Wahrheit sagen und das geht nicht, da es geheim bleiben muss.
„Sei einfach ein vernünftiges Mädchen und geh nach Hause. Wir brauchen dich nicht, wir brauchen nur Sam“, wird Pippin schließlich grob.
„Rosie, Sam kommt ja in ein paar Tagen wieder. Lass ihn mir doch für ein paar Tage. Nur bis nach Krickloch, bis er den Garten auf Vordermann gebracht hat“, bittet Herr Frodo. Er ist wirklich ein ganz Lieber.

„Nein, ich gehe mit. Was kann euch denn daran stören? Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ihr was verschweigt? Warum besteht ihr so darauf, dass ich nicht mit darf, wo meine Eltern es doch erlaubt haben?“

Nun sind sie endlich still. Merry fährt mit Fredegar Bolger voraus und Herr Frodo gibt das Zeichen zum Abmarsch. Das wollten sie dann doch nicht riskieren, dass ich noch mehr nachbore.
Wir gehen los, aus Hobbingen hinaus und die Sonne scheint. Ein herrlicher Tag zum Wandern. Das Abenteuer beginnt.
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