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Frühlingsversprechen

von Yozora
OneshotDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Chuya Nakahara Osamu Dazai
15.05.2021
15.05.2021
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Chibi!"

Es war nur dieser Schrei, der den Mafioso Nakahara Chūya vor der nächsten Aktion warnte.

Dazai Osamu, der jüngste Mafiaunterboss der Geschichte, welcher gleichzeitig sein zu Tode nervender Partner war, schmiss sich auf sein Bett und somit auch, mit voller Breitkante, auf ihn.

Chūya, der bis Dato noch geschlafen hatte, riss die Augen auf und beförderte das unbekannte Objekt mit einem gezielten Tritt von sich, was dazu führte, dass Dazai nun Kopfüber am Fußende vom Bett hing.

Einige Male blinzelte der Orangehaarige. Sah von seinem Partner zum Boden und schließlich zu seinem Bett, wiederholte dies. Doch als sein Hirn wach genug war, um den vollen Ausmaß der Situation zu erfassen, brauste er auf.

„Was zur Hölle Dazai! Willst du mich erschlagen?! Wenn ja, war das ein guter Versuch! Du bist verdammt nochmal schwer!"

Dazai, der wieder aufs Bett gekrabbelt war und nun auf Chūyas Beinen saß, die dadurch unter der Bettdecke feststeckten, lächelte nur und blickte in die blauen Seen des Kleineren.

„Aber, aber! Keineswegs war das ein Anschlag auf dein wertes Leben, lieber Chibi~ Ich wollte dich lediglich wecken, um dir etwas zu zeigen."

Chūya nahm die Worte allerdings nur zweitrangig wahr. Viel zu sehr warfen ihn Dazais Gesten aus der Bahn. Natürlich hatte ihn der Braunhaarige schon öfters angelächelt. Doch immer war es ein spottendes, höhnendes Lächeln.

Jedoch... jenes welches Dazai ihm nun schenkte, war durch und durch sanft und... mitfühlend?

Auch der Blick des Größeren war, wie sollte er sagen, seltsam... ungewohnt.

Denn weder war sein Auge, das Gegenpaar steckte wie gewohnt unter dem Verband, kalt und matt, noch triefte es vor Hohn und Spott.
Es glänzten warm und blickte liebevoll in Chūyas. Es war, wie eine Stimme tief in seinem Inneren meinte zu sagen, wunderschön.

Für einen Augenblick vergaß er, dass vor ihm eigentlich ein Mafiamitglied saß. Vergaß er, dass dort auf seinem Schoß eigentlich sein Bester Feind und doch Freund hockte.

Doch in einem anderen Augenblick wiederum realisierte Chūya es. Dazai saß auf ihm!

Die Knie lagen auf seinen Schienenbeinen auf, die Hände waren auf seine Knie gestützt und das Gesicht hatte er nah bei sich, weil Dazai sich nach vorn gelehnt hatte.

„Vermaledeiter Bastard!" schrie Chūya und warf die Bandagenverschwendung nun endgültig aus seinem Bett, ehe er mit einem gegrummelten „Was fällt dir eigentlich ein, Idiot. Dafür hättest du mich auch anders wecken können!" selbst aufstand.
Während der Braunhaarige sich nun auf dem Boden hockend seine entstehende Beule rieb, machte der Blauäugige sich frisch. Nach einer Ewigkeit von 10 Minuten, wie Dazai es sagen würde, war der Ginger dann auch endlich fertig.
In voller Montur stand er vor dem jungen Boss und sah auf ihn herab.

,,Was wolltest du mir jetzt ach so wichtiges zeigen?"
Es war kaum zu überhören, wie genervt Chūya war, doch Osamu ignorierte dies gekonnt. Viel lieber besah er sich den Chibi aufs Genauste.

Der Blick glitt über die Hose, welche das perfekte Maß an Bewegungsfreiheit bot, die schwarzen Lederhandschuhe, das weiße, lockere Shirt mit dem roten Muster an den Seiten, über welchem er seine Lederjacke anhatte, hoch zu seinem Hals, wo sein Choker lag und zum Schluss zu seinem geliebten Fedora, welcher fein platziert seine orange Haarpracht schmückte. Chūya selbst fühlte sich unter dem musternden Blick gleichermaßen wohl als auch unwohl. Und er wusste nicht weshalb dies so war.

Mit einem ,,Tzz." drehte sich der Ginger zu der Türe um und ging auf diese zu. Wenn die Mumie ihm doch nichts zeigen wollte, sein Pech. Er hatte ohnehin besseres zu tun.

Doch bevor der Ältere das Zimmer verlassen konnte, wurde er am Handgelenk gepackt und zurück gezogen. ,,Na na, wohin des Weges? Ich wollte dir was zeigen und dies tu ich nun auch~" Ein Grinsen breitet sich auf dem Gesicht des Braunhaarigen aus, als er aufsprang und los lief, Chūya hinter sich herziehend.

Dieser, durch den schnellen Bewegungswechsel leicht aus dem Gleichgewicht geraten, stolperte kurz etwas, bevor er sich an die Schritte Dazais anpasste. ,,Oi! Nicht so schnell Bastard!" Eine Aussage getätigt aus dem Affekt heraus. Nie hätte Chūya gedacht, dass sie überhaupt wahrgenommen wurde.

Drum so überraschter war er, als Osamu mit einem spitzbübischen Funkeln in den Augen sich zu ihm drehte und ein trällerndes ,,Muss ich mich doch echt der Schnecke anpassen~" von sich gab, ehe er tatsächlich etwas langsamer lief.

Perplex blinzelnd blickte Chūya auf den Hinterkopf seines Partners. Nie im Traum hätte er daran Gedacht, dass Dazai seine versteckte Bitte befolgen würde.

Ein neckendes ,,Halt die Klappe Makrele." verließ seine Lippen, während er nur ruhig mit Osamu zusammen das Quartier der Mafia verließ. Fragen strömten durch seinen Kopf, doch hatte Chūya nicht vor die Stille zu durchbrechen. Die Stille, welche zwischen den beiden Jungen herrschte und tatsächlich angenehm war.

Der Wind blies lau durch seine Haare während die warmen Strahlen der Frühlingssonne auf seiner Haut tanzten. Ein angenehmes kribbeln überzog seine Haut, während er zusammen mit Dazai durch ein Waldstück ging.

„Was willst du mir überhaupt zeigen?" murrte der Kleinere vergleichsweise zahm während er stetig weiter ging. Der andere kicherte und lächelte dann breit. „Du wirst es bald sehen mein Lieber~"

Chūya runzelte seine Stirn. Schon wieder... Schon wieder etwas komisches. Was hatte dieses Kichern und Lächeln zu bedeuten? Es war erschreckend ehrlich... Und dann war da noch diese ,Lieber'.
Dazai... er... „Du verhältst dich seltsam Bastard..."

Ein sanftes Schmunzeln breitete sich auf seinen Lippen aus. „Ach, tu ich das?"

„Ja!"

Chūya blinzelte ein paar Mal. „Wer zur Hölle bist du?!" Es konnte nicht die scheiß Makrele sein. Das war nicht möglich. Aber wer sonst war er?

Lächelnd doch schweigend ging Dazai nur ruhig weiter, Chūya noch immer an einer Hand festhaltend. Ihn hinter sich her führend bahnte er sich seinen Weg durch ein wenig Gestrüpp.

Der Orangehaarige starrte lediglich auf den Boden und folgte. Doch irgendwann konnte er nicht mehr still halten „Verdammt! Antworte gefälligst, wer bist du?!"

Dazai schwieg und ging weiter.

„Wer bist du?"

Schritt für Schritt lief er voran.

„Antworte!"

Chūya riss sich los.

Wer bist du?!"

Dazai blieb stehen.

Mit einem traurigen Lächeln auf dem Gesicht drehte er sich um. „Wer ich bin? Ach komm schon, die Frage kannst du dir selbst beantworten."

Der Ginger blickte auf und sah eine wunderschöne Lichtung mit einem Baum in der Mitte. Die Grashalme tanzten im Wind und die Melodie des Meeres konnte man aus der Ferne heraus hören.

„Warum.... Hast du mich hier her gebracht...?"

Ein klares Lachen erklang. „Chibi hat wirklich außerordentliche Stimmungsschwankungen~"

Ach halt doch deine Fresse!"

Murrend sah der Kleinere zu dem Größeren hoch. „Beantworte lieber meine zwei Fragen!"

Belustigt jammernd schlug der Braunhaarige sich eine Hand vor die Stirn. „Wie gemeeeeeein~ Aber gut. Dann beantworte ich dir Mal deine Fragen."

Mit einem Mal nahm sehr Wind zu und wirbelte Dazais Haare auf.

„Wer ich bin? Ganz einfach. Mein werter Name ist Dazai Osamu, doch darauf spielst du nicht an, wenn du ehrlich bist. Denn dein Inneres kennt die Antwort bereits."

Verwirrt blinzelte der Ginger, während der Andere näher auf ihn zu kam. Warm blickte Osamu auf ihn herab und strich zärtlich über seine Wange. Ohne es wirklich zu bemerken, lehnte sich Chūya in die seltsam bekannte Berührung und hing wie gebannt an den Lippen seines Gegenübers, als jener sie erneut öffnete.

„Deine Frage sollte lauten, wie alt bin ich? 15, 16, 17, 18 oder 22. Und die Antwort ist ganz leicht. Ich bin der, wen auch immer du dir wünschst."

„Huh? Was laberst du denn jetzt für einen Scheiß?"

Sanft, ja beinah liebevoll strich der Braunäugige ein paar der orangen Strähnen hinter das Ohr ihres Besitzers und trat einen Schritt zur Seite.

„Sieh selbst..."

Mit gerunzelter Stirn folgten seine Augen dem Größeren. „Was soll ich bitte selbst seh-" stockend stoppte er, als ein Husten erklang. Sofort drehte der Kleine sich in die Richtung des Geräusches und erstarrte. ,Was....?'
Da saß er.

Auf einer Bank im Schatten des großen Baumes, dessen Blätterdach nur schwer ein paar Lichtstrahlen durch ließ.
Wortwörtlich er.

Die langen Haare zu einem seitlich Zopf gebunden, welcher über seiner Schulter hing. Ein langer, dunkler Mantel um seine Schultern gelegt und seine Markenzeichen, der Choker um seinen Hals und der Fedora auf seinem Kopf waren auch da. Nur die Handschuhe fehlten.

Älter und größer, doch wiederzuerkennen.

So anders und doch eindeutig er. Die roten Male auf seiner Haut, welche sich wie Ranken um seinen Körper schlangen waren Beweis genug.

„W-was..." brachte Chūya heraus, während er ein paar Schritte nach vorn stolperte.
„Was soll der Scheiß?"

„Fällt dir nichts dazu ein?" Langsam schritt Dazai zu dem Blauäugigen und stellte sich neben ihn. „Fällt dir keine Situation zu diesem Bild ein?"

„Ich wüsste nicht, was mir hierzu einfallen sollte?!" Spie der Ältere aus und doch... irgendwas klingelte in seinem Kopf.
Seine Sicht wurde schwammig und sein Kopf dröhnte, als er seine Augen schloss.

____

Alles roch nach Blut. Der kalte Wind wehte über das Schlachtfeld und ein unheilvoller Schrei durchbrach die Stille der Nacht. Doch so schnell wie die gesamte Mission ausgeartet war, so schnell war es auch wieder vorbei.

„Es reicht, Chūya." Sprach eine kühle und gefasste Stimme seinen Namen aus, bevor eine recht warme, bandagierte Hand nach seinem Handgelenk griff. Ein blaues Leuchten erschien und die feurigen Male auf seiner Haut begannen nach und nach sich zurück zu ziehen. Ein schmerzerfülltes Keuchen entkam seinen mit Blut benetzen Lippen und ein letzter Schwall Blut verließ seinen Mund, ehe er auf seine Knie fiel.

Seine Glieder schmerzten und er fühlte sich mehr tot als lebendig, während er mit jeder vergehenden Sekunde etwas mehr Kontrolle über seine einzelnen Sinne zurück erlangte. Er wollte seinen Mund öffnen und fragen, was geschehen ist, doch wurde er aufgehalten.

„Verschone uns lieber alle mit deiner Stimme."

Leicht verzog der Orangehaarige das Gesicht. Natürlich musste der Bastard bei ihm sein, wenn es ihm dreckig ging. Die Situation war schließlich nicht schon schlimm genug.

„Wir mussten den Plan abändern und du warst gezwungen, Korruption zu verwenden. Also sei ein braves Hündchen und bleib."

Am liebsten hätte Chūya Dazai eine verpasst, doch war er generell nicht wirklich in der Lage dazu, sich zu bewegen. Demnach verweilte er einfach in seiner Position.

„Außerdem hast du dieses Mal echt lange gebraucht. Ich hätte nicht gedacht, dass es für dich so schwer sein würde, drei verbündete Organisation auseinander zu nehmen. Es waren schließlich alles nur Käfer. Du hättest..."

Während der Braunhaarige nun jedes kleinste Detail des Geschehens schilderte und alle Fehler des Kleineren auflistete, driftete dieser immer mehr und mehr in die erholsame Schwärze.

Das eine Hand die gesamte Zeit bis zur erlösenden Bewusstlosigkeit fürsorglich durch seine Haare gestrichen hatte, war dem Ginger gänzlich entgangen.

____

Ein Schnipsen gegen die Stirn riss Chūya mehr oder minder sanft aus der Erinnerung. Sich schimpfend über die rote Stelle reibend, sah er Dazai funkelnd an. „Was sollte das?!"

„Die falsche Erinnerung, Chibi."

„Hast du sie noch alle beisammen? Von was für einem Blödsinn redest du eigentlich?! Ich hab keinen Bock mehr! Wir sehen u-" sich ein erneutes Mal selbst unterbrechend, stockte er, als blaue Augen Dazai musterten.

Erst würde es wohl niemandem auffallen. Nichts hatte sich groß geändert. Doch wenn man auf die kleinen Details achtete, solche wie die minimal längeren Haare und den leicht melancholischen Ausdruck in den rot-braunen Irden, fiel die Veränderung auf. Nicht zu vergessen die dazugewonnene Größe, welche Chūya nur mit einem bitteren Beigeschmack realisierte.

„Wer...-"

Osamu unterbrach ihn mit einem empörten Ausruf. „Nein! Immer noch die falsche Frage. Nicht wer, sondern wann ist das Rätsel."

„Gott, du nervst! Aber gut, wenn ich anders keine Antwort bekomme, dann eben wann?!"

Zufrieden lächelte sein Gegenüber und legte ihm einen Arm um die Schulter. „Wenn ich auflösen darf, 18~"

„18?"

„18~"

Der Ginger runzelte die Stirn leicht. „Verarschen kann ich mich selbst!"

Der Jüngere blies die Wangen auf. „Ich verarsche dich nicht, ich sage die Wahrheit." Der Hutträger lachte auf. „Was eine Ironie. Wann bitte hat jemals die Wahrheit deinen Mund verlassen?"

Perplex blinzelnd sahen rot-braune Augen auf ihn runter. „Wie gemein... ich sage oft die Wahrheit."

Eigentlich wollte Chūya etwas schlagfertiges darauf erwidern, doch hinderte ein ertönendes Schluchzen ihn daran. Sofort richtet sich seine Aufmerksamkeit wieder der Person auf der Bank. Langsam ging er zu dieser rüber und blickte auf sie herab.

„Was soll das überhaupt sein?"

„Wie, was soll das sein? Das bist du." Fragende Augen bohrten sich in verwirrte blaue. „Ich bin ich und kann nicht vor mir sitzen. Immerhin habe ich keinen Klon."

„Doch doch, dass bist du schon, glaub mir." erwiderte Dazai darauf nur und betrachtete ebenfalls die auf der Bank sitzende Figur, welche nur einige Sekunden zuvor angefangen hatte, zu weinen.

Immer wieder öffnete und schloss sich der Mund des Weinenden und wenn man genau hin hörte, waren - neben dem immer wieder entkommenden Schluchzen – Wörter zu verstehen. Und Chūya war jemand, der ganz genau zu hörte, wenn die Situation ihn interessierte.

Allein... erneut allein... warum?"

Ihm wurde schwindelig.

___

Alles hatte gut angefangen. Der Morgen war herrlich und das Wetter wunderbar, abgesehen von dem kleinen Regenschauer am Nachmittag.

Die Solo Mission, eine seit langem erwünschte, schließlich musste er sich nicht mit Dazai rum schlagen, verlief wie in einem Märchenbuch beschrieben und die Berichterstattung ging flüssig von statten.

Anders beschrieben, Chūya musste von morgens bis etwa mittags arbeiten und hatte danach frei. Ein Tag, wie jeder sich ihn wünschen würde.

Doch was ist mit diesem perfekten Tag geschehen, dass er nun so in seiner Wohnung hockte?

Glas um Glas leerte sich, während die süßliche Flüssigkeit beinahe durchgehend seine Geschmackssinne betörte.
Seine Augen brannten und seine Sicht war verschwommen. Doch interessierte es ihn? Nein, nicht wirklich. Viel mehr konzentrierte der Ginger sich ganz allein auf das wirbelnde, feurige Gefühl seiner Wut.

Alles hatte mit einer Textnachricht vom Boss angefangen.

Es waren lediglich fünf Wörter, doch der Ausmaß ihrer Bedeutung war unbeschreiblich.

»Dazai-kun hat die Mafia verraten.«

Es lag ihm schwer im Magen.

Der Bastard hatte es doch tatsächlich gewagt! Dieser Verräter! Er hatte ihn allein gelassen, nach allem was sie durchgemacht hatten! Nie würde er es ihm verzeihen... niemals... nein...

Seine Wut auf diese Mumie war so unermesslich, dass er keine guten Worte zur Beschreibung fand.

Ein Schluchzen entfloh Chūya und er fasste sich ungläubig an die Wange ,Was zum Teufel?'
Träne um Träne stahl sich aus seinen Augenwinkeln und die salzige Flüssigkeit fing an seine gesamte Wange zu benetzen.
Jetzt heulte er auch noch vor Wut, na super. Dazai hatte seinen ganzen Tag verdorben. Natürlich, wenn nicht er, wer dann?
Wer dann...?

Er war weg, es gab niemanden mehr in der Mafia, der ihn nerven würde. Alle waren höflich oder schweigsam. Sie hatten alle Respekt vor ihm. Nicht nur wegen seinem Status als Executive, sondern auch aufgrund seiner Fähigkeit.

Zwar bestätigten Ausnahmen die Regel, doch war diese eine Ausnahme nun weg...

Dazai Osamu war weg...

Die Person, welche er seit seinem 15 Lebensjahr auf dem Kicker hatte und sich damals schwor eines Tages umzubringen.
Er war gegangen, ohne ein Wort.

Doch aus welchem Grund konnte er sich nicht freuen? Eigentlich müsste er doch eine Party schmeiße, auf welcher er sich lachend mit Kouyou unterhielt. Er müsste mit einem freudigen Grinsen durch die Gassen ziehen und verschiedene Clubs besuchen.

Doch weshalb tat er es nicht?

Immer leerer und leerer wurde die gute Weinflasche, sein Verstand war mittlerweile benebelt und er konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen.

Chūya lächelte schief, er hatte es geschafft. Er hatte seine Trauer, warte, nein, seine Wut erfolgreich im Alkohol ertränkt. Nun fühlte er nichts mehr bis auf die sagenhafte leere in seinem Herzen - welche natürlich nicht wirklich existierte - und die Müdigkeit welche ihn langsam einlullte.

Mit dem Handy in seiner Hand, ließ der Blauäugige seinen Kopf auf den Tisch fallen. Es war doch alles nutzlos.
Jede Bemühung eine Person nah bei ihm zu behalten, ging nach hinten los. Es war immerhin nicht das erste Mal, dass er verlassen wurde.

Langsam seine Augen schließend, erhellte allein das Display seines Handys die dunkle Wohnung.
Die Nachricht, welche er im Nebel des Suffs verfasst hatte, verweilte weiterhin allein mit der Antwort »Diese Nummer ist leider nicht vergeben.«

___

Als er das nächste Mal seine blauen Seen öffnete, wurde er von zwei Armen festgehalten.

„Das war noch immer die falsche Erinnerung, Chūya." sagte eine Stimme sanft, während eine Hand liebevoll durch sein Haar strich.

„Huh...?" murmelte dieser nur verwirrt und lehnte sich etwas mehr an die Person, welche ihn fest hielt. Doch kaum war er wieder gänzlich dazu im Stande, seine Umgebung wirklich wahr zu nehmen, schubste er Dazai von sich weg.
„Was zur Hölle?! Halt mich nicht einfach im Arm."

Er wollte noch einiges ergänzen, doch nahm das Erscheinungsbild Dazais ihm die Worte aus dem Mund. Noch ein Stückchen größer als zuvor – wie groß wollte der Bastard bitte noch werden?! - in einem hellbraunen Trenchcoat, einer hellen Hose, einem hellblauen Hemd mit weißen Streifen und einer schwarzen Anzugweste gekleidet, stand er da. Die schwarze Krawatte wurde durch einen Bolo Tie mit einem blaugrünen Stein ausgetauscht und der Verband ums Auge fiel weg.

Alle anderen Verbände lagen jedoch wie eh und je.

„We-" Chūya stockte und schüttelte den Kopf. „Wie... alt bist du jetzt?"

Dazai blickte ihn positiv überrascht an und lächelte verschmitzt. „Da lernt der Chibi es ja doch noch~"

Ein genervtes ,Tzz' von sich gebend, sah der Ginger die Mumie lediglich eisern an. Diese besagte Mumie hob entschuldigend die Hände und lächelte unschuldig. „Nun, um dich nicht länger im Dunklen tappen zu lassen, ich bin 22."

Chūya blinzelte „22..."

Der Braunhaarige nickte nur. „Yup, ganz Recht. Aber schau doch Mal an dir runter."

Skeptisch seine Augenbrauen zusammen ziehend, tat der Ginger wie gesagt und blickte an sich runter. So überrascht er auch von seinem Aussehen war, so gewohnt war er es.

,Ich sehe aus wie....' Noch mitten in seinem Gedanken, wanderten blaue Augen zu der Bank und musterten sein Double. Yup, er sah genau so aus wie die Figur vor sich. Die einzigen Unterschiede waren, dass er seine Handschuhe noch trug und nicht in Korruption festhing.

„Er wird bald sterben..." Sprach er seine Gedanken aus und betrachtete... sich selbst.

„Möglich" murmelte Dazai nur und stellte sich neben den Älteren. „Er ist schon sehr lange in diesem Zustand."

„Wie lange?"

Keine Antwort.

Sag mir wie lange?!"

„Ich darf nicht, Chūya. Ich würde es dir gerne sagen, doch ich darf und kann nicht."

Argh!"

Wütend packte er Dazai am Kragen und zog ihn kräftig zu sich runter. „Was soll dieses verdammte Spiel?! Gib mir endlich Antworten du Bastard und hör auf so kryptisch zu sein!"

„Chūya..."

„Ja ja, ist klar!" Grob schubste er den Brünetten von sich weg und widmete sich der Person auf der Bank. „Und reagieren tut er auch nicht."

„Nein, er weiß nicht, dass wir hier sind."

„Ah ja..." genervt rollte er mit den Augen und beugte sich runter, „Wofür ist er überhaupt hier....?"

„Er stellt nur etwas dar." Murmelte Dazai und sah mit einem verletzten Ausdruck auf die Person. „Aber lange wird er wohl wirklich nicht mehr durchhalten..."

Verwirrt runzelte der Gravitationsmeister seine Stirn. „Also muss ich mir selbst beim Sterben zu sehen, oder wie?" „Nein, keineswegs. Du musst nur nachdenken und...."

„Und was?!"

Der Brünette schüttelte nur den Kopf und signalisierte ihm so, dass er selbst darauf kommen sollte. Gereizt fuhr der Executive durch seine Haare und starrte auf das Bild vor sich. Worüber sollte er schon nachdenken?

Der Schmerz von Dazais Verrat brannte noch immer in seinen Gedanken und er konnte sich kaum auf etwas anderes fokussieren. Was hatte es auch schon für einen Sinn? Mittlerweile war ihm bewusst, dass das ganze hier nur ein Traum sein konnte. Ein schrecklicher, quälender Traum...

Alles wurde schwarz.

___

Es war ein Traum, ein purer Traum. Ein glückliches Lächeln bildete sich auf seinem Gesicht, als er hinab auf seine Hand blickte. Vor ein paar Jahren hätte er noch jeden umgebracht, der so etwas behauptet hätte. Doch jetzt...

Alles begann an einem Herbsttag vor etwa eineinhalb Jahren. Die Mafia hatte mit der Armed Detective Agency ein zuerst temporäres Bündnis geschlossen, um einen Feind zu besiegen, welcher für beide Organisationen alleine zu gewaltig war.
Die beiden Anführer der jeweiligen Gruppen berieten sich gemeinsam und bildeten Teams, welche zusammen eine Aufgabe zum Ausschalten der Bedrohung hatten.

Somit gab es das Team aus Yosano, Ranpo, Kenji, Kouyou und Hirotsu zusammen mit dem Rest von Black Lizard, welche die Kommunikation unter den einzelnen Mitgliedern aufrecht erhalten und die feindliche Organisation in die Irre führen sollten.
Dann gab es Kunikida und Higuchi, welche für die Sicherheit der Unschuldigen sorgen sollten.

Kyouka, Atsushi und Akutagawa, welche den Strippenzieher ausschalten sollten.

Und zu guter Letzt war dort das berühmt berüchtigte Duo Soukoku, bestehend aus Dazai Osamu und Nakahara Chūya, welche dafür zuständig waren, die Elite Gruppe der Feinde auszulöschen.

An sich bildete dies kein großes Problem. Zusammen mit Dazais Intellekt und Chūyas Angriffskraft war es ein Einfaches, die besprochene Strategie umzusetzen. Jedoch traten kleine Komplikationen auf und somit mussten sie auf Plan C zurückgreifen und Chūyas Korruption war von Nöten.

Damit hatten sie auch alles geschafft. Sie waren siegreich aus dem Kampf geschritten, doch brach das Gebäude letzten Endes über ihnen ein und schottete sie somit von der Außenwelt ab.

Natürlich, für Chūya wäre es kein Problem gewesen, sie beide zu befreien. Doch durch den geschwächten Zustand in welchen er nach der Benutzung von Korruption immer gelangte, saßen sie einige Stunden fest.

Stunden, in welchen sie sich das erste Mal seit Jahren wirklich unterhalten hatten. Diese Unterhaltung, geschmückt mit vielen dummen Sprüchen und provozierenden Bemerkungen, sorgte dafür, dass sie ein wenig von der Partnerschaft welche sie einst hatte, zurück erlangten. Doch bei weitem war ihr Band noch nicht so stark, wie damals.

„Duuu, Chibi, wollen wir uns demnächst vielleicht in einer Bar treffen?"

Der Ginger murrte nur müde, aber wesentlich fitter als vor ein paar Stunden noch. „Warum sollten wir, huh?"
„Ach..." Der Braunäugige kratzte sich am Hinterkopf. „Nur um der alten Zeiten Wille."

Skeptisch zog der Executive eine Augenbraue hoch und musterte den Detektiven. „Ist klar..." Ein Seufzen entfuhr ihm. „Aber da ich keine Lust habe, von dir mit Nachrichten zu gespamt zu werden... Meinetwegen."

Dazai grinste siegreich und gab nur ein fröhliches „Yay~" von sich, welches Chūya dazu brachte, perplex zu blinzeln.
Am Abend dieses Tages trennte das Duo sich mit unterschiedlichen Launen. Der eine war seltsam fröhlich, während der andere zu Tode erschöpft und verwirrt war.

Doch eines war keinem von Beiden bewusst. Nämlich das die Verabredung zum gemeinsamen Trinken den Grundstein einer Beziehung legte, welche die Vertrautheit und Intimität ihrer bisherigen um Längen übertreffen würde.

Etwas mehr als ein halbes Jahr verging, in welchem sich die Beiden auf regelmäßiger Basis hin trafen.

Und dann, Mitte Mai als sie in Tokio unterwegs waren und nach ihrer Mission ihre Freizeit auf dem Kanda-Matsuri Festival verbrachten, da geschah es.

Es war sehr warm für einen Frühlingsabend, als Chūya und Dazai gemeinsam mit ein paar Snacks am Flussufer saßen und zusahen, wie der durch die Dämmerung rosa-orange Himmel sich in ein wunderschönes, tiefblau färbte.

Sie waren nach der traditionellen Parade noch ein wenig übers Fest geschlendert und hatten sich neugierig umgesehen. Keiner der Beiden war besonders oft auf einem Fest und somit war es ein besonderes Erlebnis für sie.

Chūya lehnte sich mit einem seichten Lächeln auf den Lippen an den Größeren und murmelte leise. „Danke für den Tag... Er hat mir gefallen..."

„Hm~ Das freut mich aber, dass ich den hohen Ansprüchen des kleinen Chibis gerecht werde~" Ein kräftiger Schlag in die Seite sorgte dafür, dass Dazai sofort anfing zu jammern. ,,Auuuuu"

Zum Trost bekam der Jammernde lediglich ein gezischtes „Hast du verdient, Idiot!"

Stille kehrte wieder zwischen ihnen ein und beide Augenpaare waren auf den Himmel gerichtet, an welchem nach und nach immer mehr Sterne aufblitzten.

Nach einer Weile die sie in der angenehmen Stille verweilten, erhob Chūya dann erneut seine Stimme. „Wie bereits gesagt... ich fand den Tag schön und..."

Der Brünette legte den Kopf schief. „Und was?"

Rot-braun traf auf blau, als der Ginger leise fortfuhr. „Ich denke, ich muss dir etwas wirklich lächerliches sagen."
Dazai runzelte die Stirn. „Und das wäre?"

Der Kleinere blickte starr in den Himmel. „Der Mond leuchtet so schön heute, nicht...?"

Braune Augen weiteten sich, als er diesen Satz hörte und fokussierten sich auf seinen Sitznachbarn. Er musste die Bedeutung der Wörter erst Mal wirken lassen.

Chūya währenddessen schluckte nur nervös und starrte regelrecht die Sterne an. Was hatte er sich nur dabei gedacht? Dazai würde zu 100% bald anfangen laut los zu lachen. Schließlich war es doch absolut lächerlich!

Doch die wahre Reaktion des Braunhaarigen überraschte ihn. Dieser fing nämlich nur an zu lächeln und blickte ebenfalls in den Himmel der Nacht. „Ja, der Mond leuchtet wahrlich wunderschön."

Nun war der Executive an der Reihe, seine Augen ungläubig zu weiten und seinen Partner anzustarren.
„Bitte was?"

Dazai schmunzelte belustigt und blickte ihn an „Bin ich zu weit oben, sodass du meine Worte nich hören konntest, oder was? Ich sagte ja, der Mond leuchtet wahrlich schön heute Nacht."

Viel zu erfreut über diese Antwort, um die provozierenden Worte als solche wahrzunehmen, zog Chūya den Anderen am Kragen zu sich runter und platzierte einen seichten Kuss auf die warmen Lippen.

Doch erst als Dazai schmunzelnd diesen Kuss mit der gleichen Sänfte erwiderte, ließ der Ginger es zu, dass seine Augen sich schlossen.

Der Tag, an welchem sie sich ihre Liebe gestanden hatten, lag nun bereits schon ein Jahr in der Vergangenheit.
Heute an ihrem Jahrestag, hatten sie beschlossen, erneut nach Tokio zu fahren.

Wie geplant so gemacht, Chūya und Dazai hatten einen wunderbaren Tag auf dem Festival verbracht und waren danach schön essen gegangen.

Doch nun lagen sie im Bett ihres Hotelzimmers und sahen aus dem Fenster raus, um den Wechsel zur Nacht mitverfolgen zu können.

„Es war wieder Mal ein wunderbarer Tag mit dir, Chibi." murmelte der Bandagierte sanft und blickte ruhig raus.
Ein Lächeln schlich sich auf die Lippen des Mafiosos, ehe er schlagfertig antwortete „Wie schön deinen hohen Ansprüchen gerecht geworden zu sein~"

Erst ein paar Mal blinzelnd, fing der Detektiv dann an zu lachen. „Da packt er einfach die Uno Reverse Karte aus~"
„Aber klar." sanft boxte der Ginger dem Ex-Mafioso gegen dir Brust. „Habe schließlich ein Jahr auf diesen Moment gewartet~"
Dazai kicherte dann einfach nur und drückte Chūya etwas mehr an sich. Dieser ließ den Größeren einfach gewähren und lauschte dem Lachen, seinem Lieblingsgeräusch mittlerweile.

Es unterschied sich so stark von dem Lachen, welches der Brünette damals in der Mafia an den Tag legte. Im Gegensatz zu damals war es einfach nur herrlich mit anzuhören und wunderbar ehrlich.

Ganz langsam ebbte das Lachen ab und eine Hand strich durch weiche, lange Haare.
„Der Frühling ist meine Lieblingsjahreszeit, weißt du?"

Überrascht blickten zwei Augen hoch „Nein, das ist mir neu. Warum denn?"

„Mhm~" Sanft schmunzelte er. „Zum einen, weil ich in dieser Jahreszeit mit dir zusammengekommen bin. Zum anderen, weil Frühlingsversprechen den Ruf haben, immer zu halten."

„Huh?"

„Chūya, ich möchte dir etwas versprechen."

Zärtlich strich er über Chūyas Wange und sah ihn genau an.

„Ich habe dir in der Vergangenheit schon so viel Leid angetan... habe dich verraten... dich verlassen und es tut mir unbeschreiblich Leid."

Ehrlich blickten rot-braune Seelenspiegel in gegensätzliche blaue.

„Es wird sich nie mehr etwas ändern, Chūya. Das verspreche ich dir am heutigen Tage hoch und heilig, es bleibt immer."
Der andere lachte auf.

„Du bist witzig Osamu, dabei steht der Frühling doch für den Wiederbeginn und nicht für das ewige Bestehen."

Er schmunzelte, als der andere ein paar Mal blinzelte. „Oi, musst du die ganze Stimmung kaputt machen?"

Ein Lachen entfloh dem Kleineren. „Nein nein, tut mir Leid, rede ruhig weiter."

Dazai räusperte sich leicht. „Nun, wie ich bereits vor der äußerst netten Unterbrechung gesagt habe... Es bleibt immer wie es ist. Ich an deiner Seite und du an meiner, bis hin in die Ewigkeit."

„Hast du dir den Magen verdorben oder weshalb bist du gerade so kitschig?"

Während der Braunhaarige nun jammerte, lachte der Chibi nur herzlich. Erst als Osamu ihn losgelassen und sich auf die andere Seite gedreht hatte, hörte er damit auf.

Ist er jetzt beleidigt...?' dachte er still zu sich und sah dem anderen zu, welcher etwas in der Schublade des Nachtschrankes rum kramte.

„Wenn du hier nach noch immer lachst, dann springe ich aus dem Fenster..."

Das mysteriöse Objekt, welches er sich geholt hatte gut versteckend, drehte der Jüngere sich mit aufgepufften Wangen um.
Wie süß' dachte der Ältere nur und sah ihn neugierig an. „Hau raus und du wirst sehen, ob ich lache."

Tief atmete Dazai durch und sah Chūya ernst aber liebend an „Ich liebe dich Chūya, etwas das ich nie erträumt hatte sagen und fühlen zu dürfen. Aber ich durfte es, du hast es mir erlaubt und ich... ich möchte wirklich alle Ewigkeit mit dir verbringen."
Langsam schielte er runter und holte eine kleine schwarze Schachtel aus ihrem Versteck.

„Daher..."

Vorsichtig öffnete er die Schachtel.

„Möchtest du mich..."

Chūya, der alles mit großen Augen beobachtet hatte, konnte nicht mehr still halten, als er den goldenen Ring sah und somit platzte es aus ihm heraus.

„Ja! Aber klar doch!"

Dazai lächelte breit, als Chūya ihm um den Hals fiel und drückte ihn fest an sich.

„Ich liebe dich so sehr, Chūya."

„Und ich dich, Osamu."

Was folgten waren Wochen voller Freude. Sie neckten sich, ärgerten sich, verfluchten sich und doch liebten sie sich jeden einzelnen Tag. Besser hätte es für beide nicht sein können, sie lebten einen Traum von einem Leben und waren endlich glücklich.

Doch andauernder Frieden war doch langweilig. Was bitte war schon eine Welt ohne Nervenkitzel?

Angefangen hatte es mit verschiedenen Bombenanschlägen. Erst quer durch Tokio sich seinen Weg bahnend nach Yokohama. Zu Beginn waren es nur kleine Explosionen, doch je weiter sie sich Yokohama näherten, desto größer wurden sie.

Sofort als die Polizei sich an die ADA gewandt hatte, saßen Ranpo und Dazai grübelnd über dem Fall. Sie brauchten auch nicht lange, um den nächsten Anschlagort zu bestimmen. Was ihnen alleridngs auffiel, war, dass die Explosionen nur als Ablenkung dienten.

Es hat niemand großartig mitbekomme, hauptsächlich geschah es auch nur in der Unterwelt, wodurch die reguläre Polizei nie benachrichtigt wurde. Jedoch verschwanden mit jeder hochgegangenen Explosion immer wieder Leute.

,,Die Mafia kümmert sich schon darum, also lass den Fall einfach gut sein!" Chūya knabberte schwer auf seiner Lippe und blickte Osamu an. ,,Wir sind der Detektei sehr dankbar, dass sie den Ort der nächsten Bombe herausgefunden haben, doch ab hier übernimmt die Port Mafia, also lass gut sein."

,,My my..." Der Brünette kratzte sich leicht am Nacken und sah auf seinen Verlobten runter. ,,Sag mir nicht, dass der gute Chibi Angst um mich hat."

,,Ich habe Angst um dich, ja!" Blaue Augen fokussierten sich aufgebracht auf den Größeren.

,,Der Befähigte muss seine Opfer nicht berühren, dass heißt du kannst sie nicht neutralisieren und bist anfällig dafür!"

,,Pío Baroj. Fähigkeit ‚Der Baum der Erkenntnis'." Ein leises Seufzen entkam ihm. ,,Die Früchte des Baumes machen süchtig und hat man einmal von ihnen gekostet, erkennt man seinen wahren Meister. Er nutzt seine Fähigkeit, um fähige Leute um sich zu sammeln und ihre absolute Loyalität zu bekommen."

Ein Applaudieren erklang. ,,Bravo, du kennst dich ja fabelhaft aus. Allerdings hast du vergessen, dass niemand weiß, was diese Früchte sind!"

Tief atmete der Ginger durch. ,,Du wirst nicht mitkommen." ,,Ach und du willst mir das vorschreiben? Tut mir Leid Chūya, aber nein. Ich lasse dich nicht alleine gehen."

,,Ich muss aber gehen!"

,,Dann komme ich mit..."

,,Argh!"

Fest zogen ihn zwei Arme an eine Brust. ,,Lass mich los!" brauste der Kleine auf, doch ignorierte der Ex-Mafioso dies.

,,Wenn du gehst, dann gehe ich mit. Ich hatte es dir versprochen, ich werde dich nie wieder alleine lassen."

Der Jüngere hatte sich dies fest vorgenommen und was jeder wusste, war, dass wenn Dazai Osamu sich etwas vorgenommen hatte, er dies auch durchziehen würde.

Doch was am Tag der Mission geschah... was dort geschah... dort... nein... was...

Was geschah damals? Er wusste es nicht... Aber diese...

Diese Schmerzen... diese...

___

Hektisch atmend riss Chūya seine Augen auf. Nein nein nein, was war dieses Gefühl? Er konnte es nicht ertragen, er wollte es nicht ertragen.

Dieses Gefühl der kompletten Leere und Zerrissenheit... er wollte es nicht!
Zärtlich strichen lange Finger über seine warme Wange.

„Du bist leider noch immer bei den falschen Erinnerungen, Liebling."

Als diese liebevollen und doch traurigen Worte erklangen, blinzelte Chūya ein paar Mal durcheinander. Langsam sich wieder in die Situation ein findend, trafen verzweifelte blaue Augen, auf sanfte rot-braune.

„Was erzählst du die ganze Zeit von falschen Erinnerungen Osamu... Sind das nicht meine Erinnerungen? Sind das alles nur Lügen?"

„Was? Nein, natürlich nicht!" langsam kniete der Braunhaarige sich vor Chūya und nahm seine beiden Hände in seine. „Es ist alles die Wahrheit, was du siehst, aber sie führen dich nicht zum Ziel."

„Zu welchem Ziel?" Erst jetzt bemerkte der Ginger, dass er den Platz seines Doppelgängers eingenommen hatte. Nun auf der Bank sitzend, mit einem knienden Dazai vor sich, betrachtete er sie roten Male auf seiner Haut, welche noch immer anwesend waren.

„Warum... hänge ich in Korruption fest? Du berührst mich doch...?" Er hustete schwer und hielt sich die Hand vor den Mund. Das Blut, welches er beim Husten verlor, sammelte sich in seiner Hand und rann langsam in die Richtung des goldenen Ringes an seinem Finger.

„Mir ist schlecht..." murmelte der Ältere schwach und sah müde zu dem Größeren.
„Ganz ruhig Schatz, wir schaffen das noch..."

„Was schaffen?" Nur halb anwesend beobachtete er Dazai dabei, wie dieser mit seinem Mantel das Blut von Chūyas Händen wischte.

„Warum du in Korruption fest hängst hattest du gefragt... Genau das musst du herausfinden."

Der Ginger biss sich auf die Lippe. „Warum sagst du es mir nicht einfach? Warum tust du mir diese Qual an? Ich möchte nicht mehr... ich kann nicht mehr..."

„Ich kann es dir nicht sagen Chūya..."

Sanft strich der Brünette ihm eine Strähne aus dem Gesicht.

„Bitte gebe noch nicht auf, du wirst es bald geschafft haben und dann wird alles gut."

„Ich will nicht mehr 'samu... Ich will nicht mehr. Alle meine Instinkte schreien mir zu, aufzuhören und es gut sein zu lassen. Warum soll ich nicht auf meine Instinkte hören? Warum willst du, dass ich weiter mache?" Ein erneuter Hustenanfall überkam ihn und der krümmte sich leicht. All seine Glieder taten weh.

Als zwei Hände sein Gesicht umschlossen und es anhoben, fokussierten sich seine Augen sofort wieder auf den Bandagierten.
„Du vertraust mir doch Schatz, oder nicht?"

Chūya nickte schwach „Natürlich vertraue ich dir..."

Ein gequältes Lächeln bildete sich auf Dazais Gesicht, als er sich leicht nach vorne beugte.

„Dann erinnere dich, Chūya." murmelte er traurig und platzierte einen liebenden Kuss auf die Stirn des Gingers.

___

Langsam lösten sich die Lippen von seiner Stirn und rot-braune Irden blickten liebevoll auf den Ginger. „Es wird alles gut gehen, Chibi. Wir werden uns strickt an den Plan halten. Du schaltest Pío Baroj aus und ich passe auf die Umgebung auf und versuche die Früchte ausfindig zu machen."

,,Na klar, du versuchst die Früchte ausfindig zu machen. Scheiße Osamu, seine Fähigkeit kann einen Affekt auf dich haben!"
,,Ganz recht, die Früchte, welche auch auf dich eine Wirkung haben können. Also tu Mal nicht so."

,,Aber ich bin daran gewöhnt, dass Fähigkeiten einen Effekt auf mich haben. Du bist das nicht und verhältst dich auch immer dementsprechend!" Chūya schluckte schwer. „Ich habe ein ganz ganz schlechtes Gefühl dabei, Osamu..."

Der Größere grinste nur breit und wuschelte ihm durchs Haar. „Das brauchst du nicht haben, es wird alles gut gehen~"

Skeptisch beztrachteten blaue Augen ihn. ,,Na gut... wenn du das sagts..."

Dazai nickte eirfig ,,Yup~ Ganz genau das sage ich, alles wird gut gehen.

Ja, es wird alles gut gehen.

Warum noch gleich hatte der Orangehaarige ihm dies geglaubt!? Nun stand er hier, der Regen prasselte heftig auf ihn und sorgte dafür, dass er kaum etwas sehen konnte. Der eiskalte Wind zischte ihm um die Ohren und stach in seine Haut wie tausende von Nadeln, während er immer weiter in die Enge getrieben wurde.

Der Baum der Erkenntnis, seine Früchte machten süchtig und ließen dich deinen wahren Meister erkennen.
Chūya ließ seinen Tränen freien Lauf, während er verloren in die matten braunen Augen blickte.

Doch wer hätte ahnen können, dass diese besagten Früchte aus der Pistole Píos kamen? Eine Wunde und du warst in seinem Bann.

Der Orangehaarige lief keine Gefahr, erwischt zu werden. Seine Gravitation beschützte ihn. Dazai hingegen war vollkommen ungeschützt und somit war es ein leichtes gewesen, ihm in einem günstigen Moment eine Schusswunde zuzufügen.

Zuerst war gar nichts passiert und das Duo machte so weiter wie eh und je. Doch kaum hatten sie besprochen, Korruption zu verwenden, brach der Detektiv wimmernd in sich zusammen. Seine Wunde am Arm haltend zischte er auf, als ein grüner Schimmer die Stelle umgab und ein Mal sich in seine Haut brannte.

Der Mafioso war sofort zu seinem Verlobten geeilt, doch hatte er auf nichts reagiert. Auf keine Berührung, kein Wort, keine Geste.

Erst als die widerlich schleimige Stimme Píos erklang und den Befehl erteilte aufzustehen, kam wieder Leben in Brünetten.
Und nun stand er hier, wurde von Dazai immer weiter und weiter an den Rand der Klippe gedrängt.

Natürlich könnte er ganz leicht abhauen, doch wäre es dazu von Nöten, ihn auszuschalten.

Ihn niederzuschlagen oder ihm anderweitig das Bewusstsein zu rauben. Doch konnte er es? Konnte er ihm weh tun? Es zeriss ihn von Innen, es schmerzte seinen Partner so willenlos zu sehen und es machte ihn unglaublich wütend.

Er wollte dieser Wut nur noch freien Lauf lassen.

Kurzerhand zog er Osamu zu sich, gab ihm einen Handkantenschlag und legte ihn vorsichtig auf den Boden. ,Schlaf Osamu...' dachte er sich verbittert, erhob sich und fing an seine Handschuhe auszuziehen.

,,Oh Spender der finsteren Verdorbenheit..."

Schwer biss er sich auf seine Lippe und schmiss den ersten Handschuh zur Seite. Auch sein zweiter musste bald darauf dran glauben und er beobachtete, wie die roten Male anfingen sich zu bilden.

,,... erwecke mich nicht erneut."

Sein Blick viel auf seinen Ring und eine Träne stahl sich aus seinem Augenwinkel. Er würde wohl nicht mehr erwachen... Wer wusste schon, wie es um Dazai stehen würde, wenn Chūya Pío erst ein Mal aus dem Weg geräumt hatte.

Immer mehr verlor er die Kontrolle über seine Sinne und seine Wut nahm mit jeder Sekunde zu.

Wer wusste schon, ob Osamu überhaupt rechtzeitig erwachen würde? Es schmerzte so sehr... Der leere Ausdruck in den rot-braunen Augen verfolgte ihn, als er sein Augenmerk furios auf den Strippenzieher legte.

Nie würde er dem Kerl verzeihen. Wie konnte er es nur wagen, dies zu tun?!

Ein schmerzerfüllter, verbitterter Schrei ertönte, während der Regen zunahm und es blitzte.

...

Sein Schädel dröhnte und sein Arm schmerzte. Sein ganzer Geist war müde, doch kämpfte er dagegen an. Er hasste es, nicht klar denken zu können, nicht in der Kontrolle zu sein.

Sich zwingend seine Augen zu öffnen, stemmte er sich auf und ließ seinen Blick schweifen.
Alles war so dunkel und so verschwommen. Wo war er?

Ein Krachen erklang und die Erde erzitterte, Risse bildeten sich in dem steinigen Boden und das Rauschen des Flusses unter der Klippe klang wild und kräftig.

Was war geschehen?

Den Blick vom tobenden Fluss abwendend, suchten seine Augen nach seiner zweiten Hälfte. Seine zweite Hälfte... Sein Gefühl schrie, dass etwas nicht mit ihr stimmte.

Das etwas geschah, etwas ganz schreckliches mit dem liebreizenden Ginger, dessen Temperament so unglaublich riesig war, bedachte man seine Körpergröße.

Er sammelte seine Kräfte und brachte sich röchelnd auf seine Beine. Ein wenig schwankte er, doch was kümmerte es ihn? Ihm fehlte wer, Chūya fehlte ihm, wo war er?

Ein ganz und gar verrücktes Lachen ließ ihn erschaudern und sich umdrehen.

Und da stand er. Das Blut lief aus seinem Mund und seinen Augen, die roten Male zierten seinen gesamten Körper und der schwarze Ball, welchen er auf den Boden schmiss, ließ den Boden der Klippe immer poröser werden.

,,Ch-chūya... nein..."

Schnell lief er in die Richtung des Älteren, doch stolperte er aufgrund seines durcheinander geratenen Orientierungssinnes.

,Fuck!'

Wie lange war er ohnmächtig gewesen? Wie lange war Chūya bereits in diesem Zustand?

Sich einmal schüttelnd lief Dazai weiter. Er hatte keine Zeit, sich darum zu sorgen. Er musste den Orangehaarigen an sich reißen, ihn an seine Brust drücken und ihn aus dem schrecklichen Zustand in welchem er sich befand befreien. Doch dafür musste er zu ihm.

Manisch lachend spuckte der Mafioso einen Schwall Blut vor sich auf den Boden. Der Boden unter ihm brach immer mehr, wurde von der Gravitation die ihn umgab geschwächt und zerstört. Das reißende Wasser des Flusses stieg an und es donnerte bei jeder Gravitationskugel, welche er durch die Gegend schoss.

Gerade als er eine erneute Kugel loslassen wollte, schlangen sich zwei Arme von hinten fest um ihn.
,,Chūya es reicht!"

Das warme Kribbeln von ,No longer Human' überzog seine Haut und sein gehobener Arm viel schlaff nach unten, während sich die Male wie Schlangen zurück zogen. ,,O-osamu..." brachte Chūya brüchig heraus, bevor alles um ihn herum schwarz wurde.

Sicher drückte der Braunhaarige den Kleineren an sich. ,,Es ist alles gut." Eine kleine Träne schlich sich aus seinen Augen. ,,Wir haben es geschafft Liebling, alles ist gut gegangen." Seine Augen betrachteten die Risse im Boden kalkulieren, ehe er vorsichtig einen Schritt setzte.

,,Wir müssen nur noch hier..."

Ein Knarzen warnte ihn vor dem nächsten Geschehen, doch war sein Körper zu geschwächt, um noch rechtzeitig zu reagieren.
,,... weg..." murmelte Dazai, als der Boden unter seinen Füßen weg brach und sie in den Fluss fielen.

Chūya fest an sich pressend, wurde Dazais Sicht immer schlechter und sein Verstand immer trüber. Er spürte nur noch das stechend kalte Wasser des wild gewordene Gewässers, welches sie mitriss und die schwach atmende Figur seines Verlobten.

___

Schwer nach Luft schnappend krallte der Ginger sich an seinen Partner.

,,Nein!"

Ihm über den Rücken streichend nuschelte er ,,Das war endlich die richtige Erinnerung."

,,Halt deine Klappe! Nein, dass ist nicht passiert! Es ist alles gut gegangen, bitte sag mir, dass alles gut gegangen ist!"

,,Hey..." Der Braunhaarige strich über seine Wange, über welche Tränen wie ein Wasserfall flossen. ,,Natürlich ist alles gut gegangen, dass hatte ich dir versprochen. Nur schläfst du seit damals und dies langweilt mich."

,,Ach, ich langweilige dich?!" Ein verzweifeltes Schluchzen entfloh ihm. ,,Warum fühle ich mich so leer Osamu? Was bedeutet diese Zerissenheit in mir?!"

,,Beruhige dich." meinte der andere sanft und streichelte ihn. ,,Die letzte Erinnerung von dir ist verschwommen, oder nicht?"
,,Ich... ich..." Der Ginger malträtierte seine Unterlippe und nickte. ,,Das letzte an was ich mich wirklich klar erinnere, ist diese unbeschreibliche Zerrissenheit welche ich auch jetzt noch spüre und... der Blick in deine leeren, willenlosen Augen." Leise schniefte er.

,,Hey Süßer, sieh mir in die Augen, wirken diese auf dich leer willenlos?"

Chūya blickte in die rot-braunen Irden. In diese wunderbaren, funkelnden warmen Augen, welche liebevoll bis tief in seine Seele blickten. ,,N-nein... tun sie nicht."

,,Na siehst du, es ist alles gut."

,,Warum habe ich dann Angst... Diese Angst dich zu verlieren..."

,,Du erinnerst dich nicht an den Ausgang des Geschehens. Du erinnerst dich nicht daran, wie ich dich in meine Arme gezogen habe und alles gut ausging. Ich fühle mich echt geschmeichelt, dass dein Inneres trotz des positiven Ausgangs so eine Angst um mich hat~"

Fest boxte der Orangehaarige ihn in den Magen ,,Du bist echt ein Bastard! Ziehst das einfach ins Lächerliche!" Erneut schluchzte er und schlang seine Arme um Dazais Nacken, als dieser ihn näher an sich zog.

,,Ich ziehe nichts ins Lächerliche, ich möchte dir nur deine Angst nehmen."

Vorstichtig drückte der Brünette Chūya von sich weg und strich ihm eine Strähne hinters Ohr, ehe er sich vor beugte und seine Lippen mit den weichen seines Partners verband.

Sich fest an den Größeren krallend, erwiderte er den Druck zärtlich und schloss seine geröteten Augen.

Die Wärme welche ihn umgab, die Sicherheit, welche Osamu ausstrahlte. Er liebte es, er liebte es ganz und gar.
Wie lange sie diesen liebevollen Kuss aufrecht hielten, wusste der Mafioso nicht.

10 Sekunden, 30, Sekunden, eine Minute, zwei Minuten? Er wusste es nicht. Es fühlte sich so zeitlos an und er genoss es einfach.

Vorsichtig den Kuss lösend, verbanden rot-braune Irden sich mit den Blauen seines Partners. „Es wird langsam Zeit aufzuwachen, Chūya..."

„Ich... will dich nicht verlieren Osamu! Du hast es mir versprochen!"

„Ich habe dir versprochen, dass sich nichts ändern wird. Meine Liebe wird ewig bei dir sein. Nie wird sich etwas daran ändern. Ich werde immer bei dir sein, egal was kommt. Du wirst mich nicht verlieren, mir geht es gut. Du bist hier das Sorgenkind."
Liebevoll streichelte der Braunhaarige über die tränennasse Wange des Orangehaarigen.

„Alles bleibt wie es ist."

Ein gebrochenes Schluchzen entkam dem Gravitationsmeister. „Ich habe dennoch Angst Osamu... Sie will einfach nicht verschwinden..."

Ihn aufmunternd anlächelnd erwiderte der Andere nur. „Du brauchst keine Angst haben, Liebling, wirklich nicht. Wach auf und alles wird wieder gut, das sagte ich dir doch bereits."

Schwach nickte er und betrachtete Dazai „Wir... sehen uns, ja?"

„Aber natürlich sehen wir uns. Ich werde immer auf dich warten."

„G-gut..." erschöpft gähnend rieb er sich über die Augen und hielt sie gezwungen offen.

„Ich bin Müde..."

Der Größere schmunzelte lediglich. „Gib dich dieser Müdigkeit hin und wir sind bald wieder vereint."

„Na dann..." Dazai noch einmal liebend anlächelnd schloss Chūya die Augen und begab sich in die geborgene Wärme, welche die Arme seines Verlobten versprachen. „Ich liebe dich, Osamu..."

Fürsorglich durch die Haare seines Liebsten streichelnd, wachte er aufmerksam über ihn. Sobald Chūya eingeschlafen war und die Szenerie begann sich aufzulösen, murmelte er ein trauriges „Ich liebe dich auch, Chibi... und..." Leise murmelte er den Satz zu Ende und platzierte einen letzten Kuss auf Chūyas Schopf, ehe alles verschwand.

,,... es tut mir Leid."

___

Ein regelmäßiges Piepen ertönte und das grelle Licht der Sonne sorgte dafür, dass er aufmurrte. Alles schmerzte ihm.
Sein Hals, sein Kopf, sein ganzer Körper pochte schmerzhaft und fühlte sich so wund an. Er wollte es nicht fühlen...

,,O-osamu...?" bekam er krächzend heraus.

Sofort hörte er, wie ein Stuhl sich verschob. Eilige Schritte kamen auf ihn zu und eine warme Hand nahm die seine.

,,Du bist wach, was ein Glück."

Schwächlich drehte er seinen Kopf in die Richtung, aus welcher die Stimme erklang.

,,Osamu... wo..." Die Hand welche seine festhielt war so warm, aber sie war viel zu weich und zart um Dazais zu sein. Das Gleiche konnte man über die Stimme sagen. Sie war weich und viel zu hoch, nicht zu vergleichen mit Dazais samtiger, manchmal etwas rauen Stimme.

,,Wo... wo ist Osamu...?"

Er spürte wie Tränen sich in seinen Augen sammelt und sein Hals sich zuschnürte.

,,Wo ist Osamu?" er hustete stark und ein metallischer Geschmack breitete sich in diesem aus. ,,Er- er hat versprochen hier zu sein." Mühsam öffnete er seine blauen Seen und blickte zu der an seinem Bett sitzenden Person.

,,Wo ist er Ane-san, wo ist er?" Ein Schluchzen entkam ihm und er fing bitterlich an zu weinen, als das Gefühl der Einsamkeit ihn übermannte.

,,Chūya-kun, er..."

,,Nein! Nein sag es nicht! Es ist mir egal! Sag mir nur wo er ist!" Er wimmerte.

,,Sag mir wo er ist, Ane-san. Sag mir wo der Bastard ist!" Sein Magen drehte sich um. ,,Ich will in seine Arme. Ich will ihn boxen für die seelische Qual, durch die er mich gerade gehen lässt! Ich will ihn küssen und nie wieder loslassen!"

Verzweifelt schloss er seine Augen und ließ die Tränen laufen. ,,Bring mich zu ihm Ane-san!"

Vorsichtig legte Kouyou seine Arme um ihn und drückte ihn fest an sich. ,,Das kann ich nicht, Chūya."

,,Hör auf zu lügen!" Fest krallte er sich an sie und verkrampfte sich leicht. ,,Er hat mir gesagt, dass es ihm gut geht! Er hat mir gesagt, dass er auf mich warten würde!"

Die Qualen seiner Seele standen in Konkurrenz mit den Schmerzen seines Körpers, als er gebrochen wimmerte.
,,E-er hat mir versprochen, mich nie mehr allein zu lassen..."

Schwach vergrub er seinen Kopf und weinte vor sich hin. Das letzte was er hörte, bevor die Schwärze ihn wieder in Besitz nahm, war das traurig gemurmelte ,,Es tut mir so Leid, Chūya. Er ist..." von Kouyou.  

»Dazai Osamu starb damals am 13. Juni im Tsurumi River, spezifischer ausgedrückt ertrank er.

Als man ihm am Ufer fand, hielt er schützend seinen Partner, seinen Freund, seinen Verlobten in seinen Armen. Dieser selbst war nicht bei Bewusstsein im Moment des Fundes und erlangte dieses auch erst zwei Monate nach dem tragischen Vorfall wieder.«

Verzweifelt ballte er seine Hand zur Faust und zerknüllte somit den Zeitungsausschnitt von vor zwei Jahren.

Leidend blickten zwei blaue Augen auf den Grabstein vor sich. Die Tränen welche unaufhörlich über seine Wangen liefen blieben unbemerkt, während seine Finger zitternd über den eingravierten Namen strichen.

„Hättest du damals nicht dafür gesorgt, dass ich aus der Traumwelt in meinem Unterbewusstsein komme, wären wir jetzt vereint..."

Ein Schniefen entkam ihm. „Warum hast du nur mein Leben gerettet... Ich möchte doch nur bei dir sein Osamu..."

Chūya hatte damals ein paar Tage nach seinem Erwachen den Grund für sein zwei Monate anhaltendes Koma erfahren. Sein Bewusstsein hatte sich tief in sich selbst zurück gezogen, konnte es doch nicht mit den Schmerzen des Verlustes umgehen.
Dies hatte wiederum dafür gesorgt, dass der Zustand der Korruption nie gänzlich gestoppt wurde und ihn von innen heraus langsam zerfraß.

Wie Chūya aus dieser Situation herauskam, hatte er bisher allen verschwiegen. Es war sein Geheimnis, dass Dazai ihn in seinem Geist dazu bewegt hatte, wieder aufzuwachen.

Während alle anderen somit das Wunder feierten, verfluchte und dankte der Orangehaarige seinem Geliebten.

Ein schweres Seufzen entfloh ihm, als er zaghaft seinen linken Handschuh auszog und den goldenen Ring von seinem Finger nahm.

„Ich werde auf dich warten und du auf mich, ja?" Schluchzend knotete er den Ring an dem roten Band fest, an welchem bereits schon Dazais hing. „Wenn du es schon nicht... gehalten hast... dann halte wenigstens dein Versprechen, auf mich zu warten."

Zitternd stand er auf und verkroch sich mehr in dem viel zu großen Trenchcoat. Einen letzten Blick auf die zwei Ringe am Grabstein werfend drehte er sich um und ging weinend davon.

Das Versprechen, von ihm getätigt im Frühling, blieb für immer unerfüllt.

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