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Die Außerirdische

von Hopy1x2y
GeschichteSci-Fi / P12 / Gen
15.05.2021
15.06.2021
95
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11.06.2021 1.214
 
Mirelle und Talomar sahen immer noch sprachlos in das Innere der Truhe. Schließlich erwachte Mirelle wieder zum Leben. Sie griff in den Kasten und entnahm ihm eine kleine, leuchtende Kugel.

»Was haben die Dreckskerle mit meiner Tochter gemacht«, flüsterte Talomar erschüttert. »Dafür werde ich diese Echsentypen leiden lassen!«

»Stell dich nicht noch dümmer, als du ohnehin schon bist!«, fuhr ihn Mirelle an. »Das ist doch nicht Samantha.«

»Und wer ist es sonst? Es ist doch eindeutig die Signatur meiner Tochter. Gut, es ist unsere Tochter. Du brauchst mir deswegen keine giftigen Blicke aus deinen treuen Reptilienaugen zuzuwerfen.«

Bevor Mirelle darauf etwas erwidern konnte, flog die Tür zu der Hütte krachend auf. Ein halbes Dutzend Echsen betraten den Innenraum und hielten vorsintflutliche Speere in die Richtung der beiden Eindringlinge. Der vordere der Echsenkrieger rief etwas in einer ziemlich misstönenden Stimme, was weder Mirelle noch Talomar verstanden. Letzterer hatte ohnehin kein Interesse an Konversation.

»Da sind ja schon die ersten Mistkerle!«, zischte er wütend, während er drohend ein paar Schritte auf die Neuankömmlinge zuging und seine Augen gleichzeitig hell aufleuchteten. »Da kann ich ja unserer Tochter bei der Erfüllung ihrer Aufgabe ein wenig zur Hand gehen.«

Die Echsenkrieger ließen einige schrille Rufe ertönen und wichen sicherheitshalber etwas zurück.

»Nun beruhig dich, Talomar!«, ermahnte ihn Mirelle. »Wir müssen herausbekommen, was eigentlich los ist. Das wird uns aber nicht gelingen, wenn du alle zuerst umbringst und danach deine Fragen stellst.«

Mirelle konnte es kaum glauben, aber ihr Begleiter schien tatsächlich auf sie zu hören. Jedenfalls nahmen seine Augen wieder eine normale Färbung an und er kam an ihre Seite.

»Also schön«, sagte er. »Machen wir es zunächst auf deine Weise. Aber wenn dabei nichts herumkommt oder wenn sie Samantha auch nur schief angesehen haben, werde ich diese Echsen ein bisschen massakrieren!«

Mirelle zischte nur verächtlich, hielt die leuchtende Kugel etwas in die Höhe und lächelte herzlich - zumindest hoffte sie, dass das Lächeln so wirkte. »Wir Freunde!«, radebrechte sie. »Suchen Freund!«

Dabei gestikulierte sie und deutete auf die Energiekugel. Ein besonders mutiger Krieger kam auf sie zu und hielt seinen Speer bedrohlich vor ihr Gesicht. Dabei fauchte er etwas Unverständliches und zeigte mit seiner freien Hand auf die Truhe.

»Sollst du dich jetzt in den Kasten legen?«, erkundigte sich Talomar spöttisch und verschränkte die Arme. »Mach nur weiter, ich seh dir gerne noch ein bisschen dabei zu, wie du mit diesen Lederlieferanten auf zwei Beinen plauderst.«

»Er will wahrscheinlich, dass ich die Kugel wieder zurücklege.«

Langsam bewegte Mirelle ihre Hand mit der Energiekugel in Richtung der offenen Truhe und ließ sie hineinfallen. Scheinbar hatte der Echsenkrieger nichts dagegen. Sie schloss den Kasten und stellte sich aufrecht hin. Nun traten auch die übrigen Echsen in Aktion. Sie hoben drohend ihre Speere und gaben den Ausgang frei.

»Wir sollen wohl die Hütte verlassen«, spekulierte Mirelle.

Sie hatte die Aufforderung wohl richtig gedeutet, denn als sie und Talomar sich nicht unverzüglich in Bewegung setzten, wurden die Gesten der Echsenkrieger energischer.

»Schon gut, schon gut!«, spottete Talomar. »Wir beugen uns ja der Gewalt. Nur benutzt bitte nicht eure Furcht einflößenden Waffen.«

Mirelle und ihr amüsierter Begleiter wurden quer durch die Siedlung zu einer anderen Hütte geführt, deren Fenster mit stabilen Holzgittern versehen waren.

»Also schön, Mirelle«, begann Talomar, nachdem die Tür hinter ihnen abgesperrt worden war. »Wir sind jetzt deinem Plan gemäß im Gefängnis von ein paar Steinzeitechsen gelandet. Was hast du nun vorgesehen? Sollen wir noch abwarten, bis sie uns ihren merkwürdigen Göttern opfern wollen, oder sollten wir nicht lieber aus ihnen herausquetschen, wo sich unsere Tochter befindet? Ich meine mich zu erinnern, dass dies unser ursprüngliches Vorhaben war, oder nicht?«

Mirelle winkte entnervt ab. »Um etwas herauszufinden, müssen wir deren Sprache beherrschen. Also hör auf zu reden, damit ich unseren Gastgebern zuhören kann.«

Talomar machte es sich auf einer der beiden Liegen bequem. »So hoch entwickelt, wie diese Zivilisation ist, haben die bestimmt eine ausgefeilte Sprache.«

*****

Es dauerte gar nicht lange, bis die Tür zu Mirelles und Talomars Gefängnis geöffnet wurde und vier Bewaffnete den kleinen Raum betraten.

»Hoch mit euch! Xo-Limara will euch sehen!«, zischte der offensichtliche Anführer barsch.

»Die Sprache ist noch einfacher, als ich es vermutet habe«, grinste Talomar.

Das überhebliche Lachen verschwand aber von seiner Miene, als ihn eine der Echsen mit dem Schaft des Speeres in den Rücken schlug. Grimmig wandte er sich um und sah mit hell erleuchteten Augen dem überraschten Echsenkrieger ins Gesicht. »Mach das noch ein einziges mal und ich werde dir diesen Speer so tief in den Arsch schieben, dass er oben wieder herauskommt!«

»Hör auf damit!«, fuhr Mirelle ihren Begleiter an, der der erschrockenen Echse noch einen weiteren warnenden Blick zuschoss, bevor er Mirelle folgte und die Gefängnishütte verließ.

Der Weg, auf dem Talomar und seine Begleiterin von den Wachen geführt wurden, war von den Bewohnern der Siedlung gesäumt. Hin und wieder sah Mirelle ein paar kleinere und offensichtlich sehr junge Echsenwesen, die furchtsam in ihre Richtung blickten. Dann versuchte sie sich an einem freundlichen und - wie sie hoffte - beruhigenden Lächeln.

Die Hütte, zu der man sie führte, war deutlich größer als die Gebäude, die sie bisher gesehen hatten. Im Inneren thronte auf einem erhöhten Podest eine Echse, der man ihr Alter überdeutlich ansah.

»Wir bringen dir die Fremdlinge, ehrwürdiger Xo-Limara!«

Während die vier Wachen am Eingang Aufstellung bezogen, herrschte in der Hütte gespannte Ruhe. Außer den Wachen und Xo-Limara konnte Mirelle noch ein weiteres Dutzend dieser Wesen an den Wänden aufgereiht stehen sehen.

»Man hat mir berichtet, dass Ihr in die Hütte unserer verehrten Heilerin eingebrochen seid und versucht habt, das heilige Licht zu stehlen!«, begann die alte Echse, deren Stimme an das Knarren einer nicht geölten Tür erinnerte. »Wer hat euch geschickt und wieso habt Ihr diesen Frevel begangen?«

»Verzeiht unser Unwissen, ehrwürdiger Xo-Limara, aber wir kommen von sehr weit her und sind auf der Suche nach meiner Tochter«, erwiderte Mirelle.

»Unserer Tochter«, ergänzte Talomar. »Und wenn Ihr nicht einer Zukunft als Handtaschen entgegensehen wollt, dann solltet Ihr jetzt schleunigst ausspucken, wohin ihr sie verschleppt habt!«

Die alte Echse brachte das ärgerliche Gemurmel, das sich nach den drohenden Worten Talomars erhoben hatte, mit einer Geste zum Verstummen.

»Wie heißt eure Tochter, die Ihr hier zu finden hofft und warum wart Ihr dann in der Hütte unserer verehrten Heilerin?«

»Das heilige Licht enthält die ... es ist ein Signal unserer Tochter. Es bedeutet, dass sie hier war«, erwiderte Mirelle, bevor ihr Begleiter die Anwesenden noch mehr verärgern konnte.

»Meint Ihr ... Al-Shoshanna ist eure Tochter?«, erkundigte sich ein Echsenwesen, das bis dahin nur ruhig dem Auftritt zugesehen hatte. »Seid Ihr ... Lichtwesen, so wie sie?«

»Ich denke, so kann man sagen.«

Vorsichtig trat das Wesen zu Mirelle. »Könnten wir es sehen? Das Licht?«

Mirelle wechselte einen Blick mit ihrem Begleiter, bevor sie eine Hand hob und ihre Energiestrahlen ausfuhr. Wie vom Blitz getroffen sanken die Echsenwesen auf die Knie und beugten tief ihre Köpfe hinunter. Sogar Xo-Limara hatte sich von seinem Podest begeben und sich in die Reihe der Dorfbewohner eingereiht.

Talomar sah sich kopfschüttelnd um. »Was hat deine Tochter hier bloß angestellt?«, fragte er Mirelle.

»Ach, jetzt ist es auf einmal wieder nur meine Tochter?«, erkundigte sie sich spöttisch. »Jedenfalls war sie hier, so viel dürfte sicher sein. Und sie hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen.«
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