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Roxanne - Das Leben ist wie dunkle Schokolade

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
Molly Weasley jr. OC (Own Character) Roxanne Weasley
14.05.2021
23.06.2022
27
53.970
5
Alle Kapitel
52 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
23.06.2022 1.585
 
Heyhey!
Ich muss mich leider schon wieder für die lange Pause entschuldigen. Das Schreiben ist etwas, das ich während diversen Lockdowns für mich entdeckt habe in den letzten Monaten leider gemerkt, dass in meinem normalen Alltagsleben leider relativ wenig Platz für längere Schreibprojekte ist. Nichtsdestotrotz werde ich diese Geschichte beenden und viele Kapitel habe ich sowieso nicht mehr geplant. Ich rechne damit, diese Geschichte bis zum Herbst abschließen zu können, kann aber keine regelmäßigen Updates der letzten Kapitel versprechen und entschuldige mich schonmal im Voraus ;)
Tausend Dank an alle, die noch dabei sind.
Liebe Grüße, Mia


Für einen Moment war die Zeit im sonnengelben Haus stehen geblieben. Mariella und Ivy umarmten sich, während Roxanne mit einem breiten Grinsen im Gesicht nach Mollys Hand griff. Die beiden Cousinen tauschten einen glücklichen Blick aus.
Ein schrilles Türklingeln ließ alle zusammenfahren – das kreischende Geräusch wollte so gar nicht zu dem Haus passen.
Mariella runzelte die Stirn. „Oh“, sagte sie, „das wird wohl Summer sein. Quasi meine Großmutter, sie wollte zum Mittagessen vorbeikommen…“ Sie schaute Ivy fragend an. „Soll ich sie sie fragen, ob sie wann anders –„
„Ist schon gut“, fiel Ivy ihr ins Wort. „Wir würden Summer sehr gerne sehen. Ich glaube, wir haben ein paar Fragen…“
„Und gegen etwas zu essen hätte ich auch nichts“, warf Roxanne ein und ignorierte Mollys Augenrollen.
Mariella nickte. „Natürlich, ihr müsst hungrig sein. Und was die Fragen betrifft, von denen habe ich auch einige. Dann... dann werde ich Summer mal hereinlassen.“
Während sie hörten, wie Mariella die Tür öffnete, flammte in Roxanne plötzlich wieder die Aufregung auf, die in den letzten fünf Minuten etwas abgeklungen war. Summer hatte Isabella noch persönlich gekannt – ebenso wie Charlotte. Sie hatte all die Dinge, die Roxanne, Molly und Ivy sich über Monate mühsam erschlossen hatten, selbst miterlebt: der Hogwarts-Abschluss der Schwestern, Daisys Geburt, ihr Leben in Launceston, Mariellas Zwiespalt und Ivys Geburt. Summer verband alle vier Generation, sie war wie der Schlüssel zur Familiengeschichte. Und jetzt würden sie sie endlich kennenlernen.
Mariella betrat als Erste das Wohnzimmer und gab dann den Blick auf eine alte, winzige Frau frei, die ihr folgte.
Eine Frau, die Roxanne seltsam bekannt vorkam. Während Molly neben ihr schon nach Luft schnappte, registrierte Roxanne erst den lindgrünen Schal und die durchdringenden schwarzen Augen. Dann fiel der Groschen: es war dieselbe Frau, die sie nach dem Weg zu Mariellas Haus gefragt hatten.
Summers faltiges Gesicht verzog sich zu einem Lächeln. „So sieht man sich wieder, nicht wahr? Ich habe mich schon gefragt, ob ich euch hier begegnen würde.“
Mariella hob eine Augenbraue. „Ihr kennt euch schon?“
„Wir sind uns vor wenigen Stunden begegnet.“
„Tatsächlich?“ Mariella lächelte. „Was ein Zufall. Summer, das sind Roxanne, Molly und... meine Tochter Ivy.“
Da war immer noch ein leichtes Beben in ihrer Stimme, doch kein Vergleich zu dem Zittern, mit dem sie vorhin gesprochen hatte. Langsam schien sich die Realität in ihrem Kopf festzusetzen wie Schneeflocken, die zunächst vereinzelt hinabfielen und schließlich einen dichten Teppich bildeten. Ein dichter Teppich der Gewissheit, dass ihre Tochter zurückgekehrt war.
Summer lachte auf. „Natürlich! Wer sonst würde nach Mariella Moore fragen? Ja, das ist deine Tochter.“
Roxanne musste lächeln. Wie einfach Summer diese Tatsache hinnahm, als hätte sie bereits morgens beim Aufwachen gewusst: Heute kehrt Mariellas Tochter zurück. Und mit der gleichen Selbstverständlichkeit umarmte sie Ivy herzlich und deutete dann auf das Sofa.
„Setzten wir uns doch. Ich glaube, wir haben uns eine Menge zu erzählen.“
„Allerdings“, warf Mariella ein, während sie sich niederließen. „Ich habe immer noch nicht die leiseste Ahnung, wieso ihr gerade in meinem Wohnzimmer steht.“
Ivy zuckte hilflos mit den Schultern. „Ehrlich gesagt, wir haben auch eine Menge Fragen. Molly – möchtest du vielleicht anfangen? Ich glaube, du erzählst das deutlich besser als Roxy und ich.“
Molly lächelte. „In Ordnung. Aber erst hätte ich noch eine Frage.“ Sie wandte sich an Mariella. „Leben deine Eltern noch hier in Launceston?“
„Oh – ja, das tuen sie. Auch wenn sie sich gerade auf einer Reise durch Irland befinden.“
Molly nickte. „Danke. Ich dachte nur, da Daisy quasi der Grund dafür ist, dass wir jetzt alle hier sitzen… aber vielleicht hatten wir auch genug Familienzusammenführungen für einen Tag und es ist gar nicht schlecht, dass wir erstmal nur im kleinen Kreis die Geschichte aufarbeiten.“
Und dann erzählte Molly.
Wie sie bei ihrer Strafarbeit auf die Namen Charlotte und Isabella Moore gestoßen waren. Wie sie Charlottes Haus durchsucht hatten, wie sie das Kästchen gefunden hatten und in den alten Schwarz-Weiß-Fotos und den Briefen geblättert hatten. Wie sie im Raum der Wünsche nach einem Denkarium gesucht hatten und Charlottes Erinnerung angeschaut hatten. Wie sie in der Bibliothek die Daten der Familie Moore durchsucht hatten und schließlich in einem abgelegenen Zimmer Mariellas Tagebuch gefunden hatten.
An dieser Stelle hielt Molly inne. „Wir konnten aber nicht herausfinden, wie es dahin gekommen ist. Mariella war doch nie in Hogwarts, oder?“
Mariella, die bis dahin stumm gelauscht hatte, stützte den Kopf in die Hände und fuhr sich durch die Haare. „Nein, war ich nie. Mein altes Tagebuch...“ Sie lachte hell auf. „Das hab ich ja total vergessen. Ich hab es nach Ivys Geburt in den kleinen Schrank im Keller geschlossen. Aber als ich nach einer Weile wieder reingeschaut habe, war es wie vom Erdboden verschluckt.“
Ratlos schauten sie sich an, als Summer sich plötzlich eine Hand vor den Mund hielt und anfing zu kichern – ein Geräusch, das man aus ihrem alten Körper gar nicht erwartete. „Mariella, Liebes, du meinst doch nicht etwa das quadratische Schränkchen mit den Pflanzen-Schnitzereien?“
Verwirrt sah Mariella sie an. „Doch, genau das meine ich. Du hast es mir doch mal reingestellt, weil du keinen Platz mehr dafür hattest.“
„Ich habe aber nie damit gerechnet, dass du es benutzten würdest! Ihr müsst wissen, das ist kein normaler Schrank - das ist ein Verschwindekabinett.“
Roxanne ging ein ganzer Kronleuchter auf. „Und das Gegenstück steht in Hogwarts!“
„Genau“, bestätigte Summer. „Ich habe es vor vielen Jahren bei einem Flohmarkt in Exeter erworben. Die Besitzerin wusste, dass es ein Verschwindekabinett ist, aber nicht mehr, wo das Gegenstück steht. Ich dachte mir, es kann nicht schaden, so etwas für Notfälle zu haben.“ Sie grinste verschmitzt.
Mariella dagegen runzelte die Stirn. „Tut mir leid, aber könnte mir bitte irgendjemand erklären, was ein Verschwindekabinett ist? Und in wessen Hände mein Tagebuch gelangt ist?“
„Ein Verschwindekabinett ist ein verschließbares Gefäß beliebiger Größe, das seinen Inhalt zufällig in andere Gefäße verschwinden lässt. Wenn man sie mit einem entsprechenden Zauber belegt, kann das Verschwindekabinett ein Gegenstück haben, in das die Gegenstände dann übertragen werden.“ Alle starrten Molly an, die sich offensichtlich nicht zurückhalten hatte können.
Summer nickte leicht. „Genauso ist es. Und wie es der Zufall wollte, ist dein Tagebuch, Mariella, ausgerechnet in Hogwarts gelandet.“
Mariella starrte auf ihre Hände. „Verrückt.“ Dann bedeutete sie Molly, weiterzuerzählen. Wie sie sich aus Hogwarts rausgeschlichen hatten, mit magischen und nichtmagischen Zügen durch England gefahren waren und schließlich mit Summers Hilfe Mariellas sonnengelbes Haus gefunden hatten.
Als Molly mit den Worten „Und jetzt sind wir hier.“ abschloss, herrschte Stille im Wohnzimmer. Die Stimmung war fast andächtig, und die Wundersamkeit der Geschichte schwang in allen Gedanken mit.
Summer schien das erste Mal aus der Fassung gebracht zu sein. Ihre Augen glitzerten über dem lindgrünen Schal. Schließlich stand sie auf und nahm Roxannes Hände in ihre eigenen. „Du bist Charlottes Enkelin.“
Roxanne nickte und spürte, wie ein Lächeln sich auf ihrem Gesicht ausbreitete.
Summer atmete langsam aus. „Dass ich das noch erlebe... niemals hätte ich das gedacht. Als Mariella Ivy weggegeben hat, da habe ich gespürt, dass sie zurückkehren würde. Ich wusste nicht wann oder wie, aber ich hatte eine Ahnung, dass ich sie wiedersehen würde. Ich wusste aber nicht, dass sie eine Nachfahrin von Charlotte mitbringen würde.“
Sie streichelte Roxannes Hände. „Die Familie Moore hat mein ganzes Leben bestimmt. Seit ich zwölf Jahre alt war, habe ich für sie gearbeitet. Meine Familie war arm, wir haben das Geld gebraucht. Meine Eltern konnten es sich nicht leisten, mich nach Hogwarts zu schicken. Deshalb bin ich mit Charlotte und Isabella aufgewachsen - ich war zwei Jahre jünger als Isabella. Es gab Zeiten, da hing ich wie eine Klette an den beiden, habe sie bewundert und verehrt. Ich habe den Ferien entgegengefiebert, in denen sie endlich aus Hogwarts kamen. Und deswegen habe ich gesehen, was niemandem sonst aufgefallen ist: dass Isabella schwanger war. Als Daisy geboren wurde, war ich siebzehn. Ich war die Einzige, die davon wusste. Isabella hatte gar keine andere Wahl, sie musste mich fragen. Wie gesagt, ich hätte alles für sie getan, selbst wenn es bedeutete, dass ich mein Leben riskieren und weder Charlotte noch Isabella jemals wiedersehen würde. Und so nahm ich Daisy und machte mich auf den Weg in ein neues Leben. Es ist gut geworden, dieses neue Leben. Aber trotzdem denke ich oft an Charlotte und Isabella. Ich habe ihre Todesanzeigen gelesen, und ich habe versucht abzuschließen mit meinem jugendlichen Ich, mit meinen Träumen und Wünschen, die so sehr an die Moore-Schwestern gebunden waren.“
Summer brachte ein vorsichtiges Lächeln zustande. „Aber... ich denke, die Moore-Familie war zu lange ein Teil meines Lebens, als dass ich sie einfach so loslassen könnte. Und gerade macht es mich sehr glücklich, dass endlich wieder ein Mitglied aus Charlottes Zweig der Familie vor mir sitzt. Die Moores mögen ihre Fehler haben, aber letztendlich haben sie doch eine Menge herzensguter Menschen hervorgebracht.“
Roxanne schluckte. „Danke“, flüsterte sie. „Ich denke, die Moores können sehr froh sein, dass sie dich haben. Ohne dich wäre diese Familie schon längst zerbrochen.“
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