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The Last Of Us 2 - Fortsetzung Teil III

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P18 / Mix
Abby Anderson Ellie
13.05.2021
16.09.2021
28
41.462
4
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11.07.2021 1.597
 
„Nimm den Kopf runter.“ Alex zog an Floyds Rucksack. Seit einigen Minuten drückte sie sich an die gut einen Meter hohe Betonmauer auf der obersten Etage eines Parkhauses direkt vor der gesicherten Zone der Fireflies. Von hier aus konnten sie tatsächlich einen Blick in das Innere werfen.
„Es ist so ruhig“, flüsterte Floyd und setzte sich zurück zu Alex und Lee auf den kalten Betonboden.
Alex rieb sich die Augen und öffnete ihren Rucksack. Gut eine Stunde schlugen sie sich bei untergegangener Sonne durch die Etagen des Parkhauses. Oben angekommen, schoben sie ein parkendes Auto vor die schmale Auffahrt und verriegelten die Tür zum Treppenhaus.
„Mit dem Gewehr wäre es deutlich einfacher gewesen“, sagte Floyd und legte die alte Waffe auf den Boden.
Alex ekelte sich vor den blutigen Fetzen in ihrer Stahlkette und legte sie neben sich. Dann trank sie einen Schluck warmes Wasser aus der alten Plastikflasche und zog ein Seil heraus, dass sie im Erdgeschoss neben einer Leiche gefunden hatte. Krabbelnd mit dem Ende des Seils in der Hand überquerte sie einen Teil des Parkhauses, bis das andere Ende aus dem Rucksack fiel. Dann setzte sie sich in den Schneidersitz und blickte zurück. „Fünfzehn Meter“, dachte sie und krabbelte zurück zu Floyd und Lee.
„Stabil sieht es aus“, murmelte Lee.
„Ich bin total fertig.“ Alex rutschte tiefer an der Betonmauer herunter und schloss für einen Moment die Augen. Dann schrak sie aus dem Sekundenschlaf. „Müssen sie finden. Haben keine Zeit zu verlieren.“
„Mit dem Seil?“ Wieder riskierte Floyd einen Blick über die Mauer. Das sind bestimmt zehn Meter bis zur Mauer.
„Ich geh rüber.“ Alex zog ein Seilende zu sich und begann, eine Schlaufe zu knoten. „Zehn Meter also?“
„Wir kommen mit“, sagte Lee.
„Wirfst du?“ Alex sah zu ihm rüber.
„Wohin?“
„Siehst du die Stahlstreben, die oben aus der Mauer ragen?“ Alex beobachtete Lee, wie er über die Mauer blickte.
„Schlecht. Es ist echt dunkel.“
„Versuchs.“ Alex reichte ihm die Schlaufe.
Lee richtete sich auf. Dann zog Alex ihn zurück. „Wachen vor der Mauer.“
„Laufen die jetzt Patrouille?“
„Spazieren gehen die sicher nicht“, flüsterte Floyd und beobachtete, wie zwei bewaffnete Wachen langsam am Parkhaus vorbeischlichen und hinter der nächsten Ecke verschwanden.
„Jetzt sollten wir einen Augenblick Zeit haben.“ Wieder stand Lee auf und warf die Schlaufe über die Straßenschlucht. Die Schlaufe prallte vor die Mauer und dann vor die Außenseite des Parkhauses. Rasch zog Lee das Seil zurück, beobachtete erneut die Straße und warf erneut. Jetzt erwischte er eine der Stahlstreben. Die Schlaufe zog sich zu.
„Yes“, jubelte Alex und nahm das andere Ende entgegen. Hektisch suchte sie einen passenden Ort am Parkhaus, um es zu verknoten. Doch sie konnte nichts finden. „Dann klettern wir halt von unten hoch.“
„Jetzt noch?“ Floyd
„Floyd!“, mahnte Alex, ließ das Seil los und beobachtete, wie es vor die Mauer prallte. Dann schloss sie ihren Rucksack, drückte sich hoch und lief über das Parkhaus. Lee und Floyd folgten ihr.


Unten angekommen spähte Alex hinter einer Säule auf die Straße. Von den Fireflies war keine Spur und das Seil baumelte gut zweieinhalb Meter über dem Erdboden.
„Glück gehabt“, flüsterte sie. „Mit einer Räuberleiter sollte ich das Seil erreichen. Mit einem letzten Blick nach links hastete sie über die Straße und drückte sich an die Wand. Von hier aus wirkte sie wesentlich höher als noch vor wenigen Minuten vom Parkhausdach. Floyd neben ihr formte mit seinen Händen eine Stufe für die Räuberleiter. Mit einem Ruck schwang er Alex in die Höhe. Mit einer Hand ergriff sie das Seil, packte mit der anderen nach und begann sogleich, sich mit den Beinen an der Mauer abzustützen. Schritt für Schritt erklomm sie die Mauer, während Floyd unter ihr die Umgebung bewachte. Nach gut zehn Metern wagte sie einen Blick nach unten. Schlagartig wusste Alex, dass sie das besser nicht hätte machen sollen. Würde sie nun abstürzen, wäre sie sofort tot. Sie atmete tief durch und spürte, wie ihre Hände brannten. Schließlich erreichte sie die Kante der Mauer, schwang sich darauf und legte sich flach auf den Bauch. In etwa einhundert Metern Entfernung sah sie Taschenlampen, die aus einem Wachturm in eine andere Richtung gehalten wurden. So viel Zeit würde sie nicht haben, bevor sie entdeckt werden würde. Erneut riskierte sie einen Blick in die Tiefe. Hier war Lee Floyd zur Hilfe geeilt. Noch bevor er Floyd helfen konnte, das Seil zu erreichen, erfasste sie das Licht einer Taschenlampe. Floyd wandte sich um und sah die Wachen auf sie zurennen.
„Zum Auto“, rief Floyd und Alex verstand, was er ihr damit sagen wollte. Nie hatten sie darüber gesprochen, wo sie sich treffen sollten, würden sie getrennt werden. Dann lief Floyd zurück zum Parkhaus und Lee folgte ihm. Die Wachen rannten ebenso hinein, wurden aber langsamer als befürchteten sie, in eine Falle gelockt zu werden. Dann drehte sich eine Wache um und leuchtete vor die Wand. Doch nichts war zu sehen. Geistesgegenwärtig hatte Alex das Seil zu sich hochgezogen, auf der anderen Seite heruntergelassen und war bereits mit dem Heruntergleiten beschäftigt.
Unten angekommen sah sie ein letztes Mal hinauf zum Seil. Nun hatte sie keine Chance, es zu beseitigen. Zudem hatten die Wachen aus dem Wachturm begonnen, mit einem großen Suchscheinwerfer Parkhaus und Mauer abzusuchen.
„Ellie holen und zum Auto“, murmelte Alex und drehte sich um 180 Grad. Stockfinster war es am inneren Rand der Zone. Schnellstmöglich sollte sie sich von dem Ort entfernen, an dem das Seil herunterhing.  

Vorsichtig schlich sie um die nächste Häuserecke und sah sogleich eine belebte Straße. Mit orangefarbenem Licht beleuchtet schienen Händler Waren anzubieten. Alex sah auf ihre Hände. Blutig durch das Töten der Infizierten auf der anderen Seite der Mauer schien sie zu auffällig zu wirken. Vor allem dann, wenn ein Alarm alle auf sie aufmerksam machen würde, sobald die Fireflies das Seil auf der Innenseite der Mauer fanden. Schnell verstaute sie ihre Stahlkette mit dem Vorhängeschloss in ihrem Rucksack, setzte ihn wieder auf, wusch sich grob das Blut aus dem Gesicht und drückte ihre Hände tief in die Taschen ihrer Jeans. Dann nahm sie einen tiefen Atemzug und mischte sich unter das Volk der Zone.
Bunte Lichter und ein wildes Durcheinander von Stimmen trieb Alex wie in einem Strom durch die enge Gasse der Innenstadt Chicagos. Stände mit Lederwaren, rohem Fleisch, Waffen und Gemüse rasten an ihr vorbei, ohne dass sie den Hauch einer Chance hatte, die zu verkaufenden Gegenstände näher zu betrachten. Die Gasse endete vor zwei gepanzerten Militärfahrzeugen. Sogleich wurde es dunkler und stiller. Ein paar dunkel gekleidete Personen saßen am Rand der Gasse in den Pfützen des letzten Regenschauers. Nicht alle hatten das Glück, in dieser Zone auch einen Job und die damit die finanziellen Mittel zu besitzen, sich Waren kaufen zu können. Ohne großes Aufsehen erregen zu wollen stellte sich Alex vor einen der Wagen und drückte sich auf ihre Zehenspitzen. Auf der anderen Seite erkannte sie einen Platz, auf dem zwei Helikopter standen. Dahinter lag ein Gebäude in dem diffuses, rotes Licht hinter Vorhängen im Erdgeschoss zu erkennen war.
„Suchst du was, Mädchen?“ Alex drehte sich um und sah in das Gesicht eines Mannes ohne Zähne. „Für nur eine Lebensmittelmarke verrate ich dir alles, was du wissen willst.“
„Hab heute keine dabei. Verzeih. Aber was ist das für ein Gebäude?“
„Das Hotel? Du bist noch nicht lang hier, oder?“ Er schien zu Lächeln ob der vermutlich albernen Frage.
„Das Hotel?“ Alex musterte den Mann von oben bis unten.
„Mit nur einer Lebensmittelmarke verrate ich es dir. Ich weiß alles darüber.“
„Was ist mit deiner Hand?“
„Die Finger hat man mir abgebissen.“ Wieder lächelte er. „Aber glaubst du, die Fireflies helfen?“
„Ich hab Verbandzeug im Rucksack. Ich helfe dir.“
„Das ist mindestens so viel wert wie eine Lebensmittelkarte. Folg mir.“
Alex blickte ein letztes Mal auf das Hotel, dann schob sie sich hinter dem verwahrlosten Mann in eine Gasse.

„Fünf Tage ist es nun her“, sagte er, setzte sich und band ein dreckiges Tuch ab.
Alex kramte nach dem kleinen Etui mit Näh- und Verbandzeug. Zudem goss sie reinen Alkohol über die Wunde, um sie zu desinfizieren.
„Hast du dich geprügelt?“, fragte der Mann und sah auf ihre blutigen Hände.
„Kann man so sagen“, sagte Alex konzentriert.
Kaum hatte sie den Verband angelegt, begann ein ohrenbetäubender, schriller Alarm.
„Was ist das?“, log sie.
„Ich würde lügen, um meine Schuld zu begleichen“, sagte der Mann und begutachtete Alex` Arbeit.
Hektisch sah sie sich um und bemerkte einige Wachen, die sich durch die Menge der Gasse schoben. Scheinbar hatten sie nun das Seil entdeckt. Doch niemand schien sie und den Mann in der Seitengasse zu registrieren.
„Also das Hotel.“, begann Alex erneut.
„Immune leben dort.“
„Immune?“
„Menschen, denen Bisse von Infizierten nichts anhaben können.“
„Weiter.“
„Die Fireflies sammeln sie im ganzen Land. Dann werden sie im Hotel untergebracht und verschwinden irgendwann.“
„Woher weißt du das?“
„War selber dort. Vor einigen Stunden noch.“ Er grinste und offenbarte einige faule Zähne. Dann hob er die Hand mit dem frischen Verband nach oben.
„Hast du ein Mädchen gesehen? So groß wie ich, dunkles Haar.“ Alex säuberte ihre Hände mit dem Rest des Alkohols aus der Flasche.
Der Mann überlegte. „Kann schon sein. War in Begleitung eines starken jungen Mannes.“ Jetzt sah er sie schräg an. „Kennst du sie?“
„Ja.“
„Der Alarm?“
„Bitte.“ Alex sah ihm in die Augen.
„Keine Sorge. Seit Tagen hat mir niemand mehr geholfen. Ich schweige wie ein Grab.“ Er lächelte.
„Sind sie noch dort?“
„Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht. Zuletzt sah ich sie im Treppenhaus. Waren auf dem Weg zum Frühstück. Danach bin ich eingeschlafen und irgendwann hier aufgewacht.“
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