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Das Versprechen

OneshotRomance, Schmerz/Trost / P12 / MaleSlash
Chuya Nakahara Osamu Dazai
13.05.2021
13.05.2021
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A/N: https://youtu.be/2DaRhiCKGMk - Das ist das Lied, aus dem ich die ein oder andere Textzeile eingebaut habe. Ich habe "girl" und "she" durch "boy" und "he" ausgetauscht, damit es passt.


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Der Mond thronte bereits hoch am Himmel und warf sein schwaches Licht, welches alles in einen dünnen Schleier einzuhüllen schien, über Yokohama. Es war eine angenehme, kühle Sommernacht und die hochrangigeren Mitglieder der Port Mafia feierten eine große, prunkvolle Party. Dies taten sie jedes Jahr; zur selben Zeit und am selben Ort. Man könnte sagen, dass es ihr eigener und spezieller Feiertag war, den der Boss eingeführt hatte.
So sehr Chuuya dieses Fest auch eigentlich mochte, so sehr hasste er es auch. Na ja, nicht das Fest an sich, sondern eher diesen speziellen Tag an dem es stattfand. Damals, vor genau fünf Jahren, hatte er sich ebenfalls heimlich von der Party geschlichen und sich auf das Dach des Veranstaltungsgebäudes zurückgezogen. Und auch heute saß Chuuya einfach alleine da, beobachtete die Sterne. Wobei er damals nicht lange alleine gewesen war, denn irgendwann hatte Dazai sich zu ihm gesellt. Er erinnerte sich noch deutlich an das Gespräch, welches sie geführt hatten und dass nun immer – wie ein grauer Schatten - über dieser Nacht schweben würde. Wegen des Versprechens, dass Dazai ihm gegeben und gebrochen hatte.

***

»Ich dachte mir schon, dass du hier sein würdest«, sagte Dazai, während er sich langsam näherte.
»Verdammt... Musst du mich so erschrecken?!«
Angesprochener kicherte bloß leise und blieb neben Chuuya stehen, der auf dem Boden des Daches saß und bis eben noch die Sterne beobachtet hatte. Es war tatsächlich nicht Dazais Absicht gewesen, ihn zu erschrecken, aber amüsant fand er es dennoch.
»Kann ich mich zu dir setzen?«
»Habe ich denn eine Wahl?«
Dazai antwortete nicht, sondern setzte sich einfach neben Chuuya, der daraufhin langgezogen seufzte. Er hatte gewusst, dass sein Partner sich ohnehin zu ihm gesetzt hätte, selbst wenn er mit einem klaren und deutlichen Nein geantwortet hätte.
»Wieso bist du hier?«, fragte Chuuya missmutig.
»Ohne dich ist es langweilig, weil dann niemand da ist, den ich nerven kann«, erwiderte Dazai schwach grinsend und zuckte mit den Schultern.
»Ich bin mir sicher, dass du jeden mit deiner bloßen Anwesenheit nervst.«
»Vielleicht hast du recht...«
Es herrschte für einige Minuten eine etwas unangenehme Stille, in der die beiden bloß die Sterne am Himmel betrachteten, ehe Chuuya zu sprechen begann.
»Kannst du mir etwas versprechen?«
»Was denn?«, hakte Dazai interessiert nach. Er war ein wenig verwundert, dass sein Partner so eine Bitte äußerte.
»Versprich mir, dass du mich nicht verlässt. Ich glaube nicht, dass ich ohne dich mit dem Leben in der Mafia umgehen könnte«, murmelte Chuuya verlegen, »Aber versteh mich nicht falsch, ich bin dennoch stärker, schlauer und besser als du... Doch ohne dich wäre es einfach nicht dasselbe.«
»Ich wusste nicht, dass du mich so sehr liebst, Chibi«, säuselte er neckend.
»Halt die Klappe, ich hasse dich... verdammte Mumie.«
Erneut herrschte für einige Minuten ein unangenehmes Schweigen zwischen ihnen und Dazai konnte deutlich sehen, wie angespannt sein Partner war. Dieses Versprechen, um welches er bat, war ihm offensichtlich sehr wichtig, weshalb der Braunhaarige ihn nicht länger auf die Folter spannen wollte.
»Ich verspreche es dir, Chuuya.«
Chuuya lächelte bloß schwach und erwiderte darauf nichts. Doch auch ohne Worte wusste Dazai, dass sein Partner ihm gerade sehr dankbar war. Er wusste zwar nicht, aus welchem Grund Chuuya plötzlich diese Bitte an ihn gerichtet hatte, aber eines wusste er: Er wollte den kleinen, hitzköpfigen und temperamentvollen Rotschopf ohnehin nicht verlassen. Und so saßen sie die gesamte Nacht, bis zum Sonnenaufgang, einfach zusammen auf diesem Dach und genossen schweigend die Anwesenheit des Anderen.

***

Genau ein Jahr, nachdem Dazai dieses Versprechen gegeben hatte, hatte er die Mafia und somit auch Chuuya verlassen. Er hatte sein Versprechen gebrochen, sich nicht verabschiedet und nie erklärt, weshalb er einfach gegangen war. Nicht, dass Chuuya je nachgefragt oder etwas dergleichen geäußert hätte, wenn sie sich gezwungenermaßen über den Weg gelaufen waren. Aber nichtsdestotrotz wäre es das Mindeste gewesen, wenn Dazai sein Handeln erklärt und sich entschuldigt hätte. Doch offensichtlich war das wohl zu viel verlangt. Sogar nach all dem, was sie zusammen durchgemacht und miteinander geteilt hatten...
Seufzend nahm Chuuya seinen Hut ab und legte ihn neben sich, ehe er sich einfach hinlegte und seinen Blick auf die Sterne richtete. Er begann leise die Melodie eines Liedes zu summen, welches ihm schon eine ganze Weile nicht aus dem Kopf ging. Da er alleine war und sich das mit höchster Wahrscheinlichkeit auch nicht ändern würde, fing er kaum hörbar an, den Text des Liedes zu singen.
»Years ago when I was younger, I kinda liked a boy I knew. He was mine and we were sweethearts. That was then, but then it’s true.«
Chuuya schloss die Augen, blendete alles um sich herum komplett aus und dachte an die Zeit zurück, in der Dazai noch an seiner Seite gewesen war. All die Gespräche, die sie geführt hatten. Wie viel sie zusammen gelacht und ebenso gelitten hatten. Wie nah sie sich gewesen waren und was er dabei empfunden hatte. Was er immer sagen wollte, aber nie ausgesprochen hatte.
»I’m in love with a fairytale, even though it hurts. ‘Cause I don’t care if I lose my mind, I’m already cursed.«
Wie sehr es geschmerzt hatte und wie verloren er gewesen war, als Dazai ihn allein gelassen hatte und einfach verschwunden war. Wie zerbrochen und verflucht er sich gefühlt hatte, dass er wieder jemanden verloren hatte, der ihm viel bedeutet und Halt gegeben hatte. Wie menschlich er sich in seiner Gegenwart gefühlt hatte und wie unmenschlich er sich ohne ihn fühlte.
»Every day we started fighting; every night we fell in love. No one else could make me sadder, but no one else could lift me high above. I don’t know what I was doin’, but suddenly we fell apart.«
Wie sie sich immer wieder, sogar wegen Kleinigkeiten, gestritten und kurz darauf versöhnt hatten. Wie traurig Chuuya manchmal gewesen war, weil Dazais verletzende Worte ihn tief getroffen hatten. Und wie fröhlich er gewesen war, wenn sein Partner es wieder gutgemacht hatte. Wie tief das Loch war, welches Dazai hinterlassen hatte, als er gegangen war und wie leer sich Chuuya seitdem fühlte. Wie sehr es ihn zerstört hatte, dass nun der einzige Mensch, der ihn wirklich verstanden hatte, weg war. Denn Chuuya war wie ein Gedicht, dass nur Dazai lesen konnte. Sie waren wie eine Seele, die auf zwei Körper aufgeteilt worden war. Zuerst vereint und schließlich auseinandergerissen.
Chuuya unterbrach seinen Gesang, da seine Stimme immer brüchiger wurde und sich Tränen in seinen Augen sammelten. Er setzte sich auf und blinzelte einige Male, wodurch eine einzelne Träne über seine Wange floss.
»Ich dachte mir schon, dass ich dich hier finde.«
Diese Stimme... Sie löste so viel und gleichzeitig nichts in Chuuya aus. Gerade jetzt, in diesem Augenblick und in diesem Zustand, konnte er Dazais Anwesenheit am wenigsten gebrauchen. Doch das hielt den Braunhaarigen nicht davon ab, sich ihm einfach zu nähern und sich neben ihn auf den Boden des Daches zu setzen. Chuuya wandte automatisch sein Gesicht von ihm ab, damit er nicht sehen konnte, was er wahrscheinlich ohnehin schon wusste. Und als Dazai seine Hand nach ihm ausstreckte, schlug er sie kraftvoll fort. Allerdings hinderte ihn das nicht daran, es immer und immer wieder zu versuchen, bis es Chuuya schließlich genügte und er ihn mit wütend funkelnden Augen, in denen sich ebenso sein Schmerz widerspiegelte, ansah. Daraufhin legte Dazai seine Hand auf die Wange des Rothaarigen und strich mit dem Daumen sanft über dessen weiche Haut. Chuuya seufzte langgezogen und wandte den Blick ab, wehrte sich aber nicht gegen die Berührung seines Gegenübers. Denn so sehr es ihn auch schmerzte, so sehr hatte er sich auch nach Dazais Nähe und Wärme gesehnt. Ein Fakt, denn Chuuya zwar verdrängen und verstecken wollte, aber es einfach nicht länger konnte.
»Wieso bist du hier?«, fragte der Rothaarige tonlos.
»Ohne dich ist es langweilig... Wen soll ich denn nerven, wenn du nicht da bist?«
Chuuya schnaubte verbittert, denn dieses Gespräch... Genauso hatte es auch damals begonnen, doch heute würde er Dazai nicht darum bitten, ihn nicht zu verlassen. Chuuya wusste nämlich, dass es bloß eine Frage der Zeit war, bis er erneut verschwand. Er legte seine Hand auf Dazais und entfernte sie von seiner Wange, aber er ließ sie nicht los. Im Gegenteil, er hielt sie fest. Denn bevor er wieder verschwand, wollte Chuuya ihn so lange festhalten, wie er konnte.
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