Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Gegen die Zeit

von So-Ro
GeschichteKrimi, Familie / P12 / Gen
Daniel "Danny" Reagan Erin Reagan Francis "Frank" Reagan Jameson "Jamie" Reagan
12.05.2021
14.06.2021
11
17.973
2
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
12.05.2021 701
 
„Wo ist mein Bruder?“ Dannys Stimme ist rau und hart, das einzige, was seine Verzweiflung verrät, sind die Falten auf seiner Stirn.

Die Luft im Verhörraum ist stickig und stinkt nach Schweiß. Das Brummen der grellen Lampe dröhnt in seinen Ohren, und er ballt die Fäuste. Da Silva hat hier das Sagen; wenn er von ihr Informationen haben will, wird er sein Temperament zügeln müssen.

Da Silva blickt zu ihm rüber, ohne sich zu bewegen. Ihre dunklen Augen blicken ungerührt in die seinen. Sie schweigt.

Ich könnte mit einer Wand reden. Es wäre dasselbe, denkt Danny bitter.

„Da Silva, ich brauch’ Ihnen nicht zu sagen, wie schlecht es für Sie aussieht. Wenn Sie mir…“

„Wollen Sie mich jetzt wirklich aufklären?“ Ihre dunklen Augenbrauen heben sich. Das leichteste Lächeln durchzuckt ihre Lippen. Es ist aber kein freundliches Lächeln. Nein, sie ist angewidert. Und er kann es ihr nicht verübeln. Auch er wäre es, wenn jemand so lächerlich bettelnd zu ihm käme.

Doch Stolz kann er sich jetzt nicht leisten. Er kann es ertragen – muss es ertragen.

Danny schluckt und lehnt sich nach vorn. „Na gut“, meint er schulterzuckend. „Was wollen Sie dann? Was wollen Sie von ihm?“

Ihre Augenbrauen sind weiterhin leicht erhoben. Er fühlt sich wie eine zerbrechliche Gartenhütte, die von einem Berg überschattet wird.

„Gerechtigkeit, natürlich.“

„Sie meinen wohl eher Rache.“

Sie zuckt mit einer Schulter. „Die Grenze zwischen den zwei lässt sich leicht verwischen.“

„Ach ja?“ Dannys Stimme wird wieder laut, er kann einfach nicht anders. „Wissen Sie, was sich nicht verwischen lässt? Das Gesetz! Und Entführung ist eine schwere Straftat. Und wenn es um einen Cop geht–“ Er bricht ab und zeigt mit dem Finger auf sie. Die Drohung, sein Tonfall - nichts scheint da Silva einzuschüchtern. „Sie kommen ins Gefängnis, das verspreche ich Ihnen“, raunt er. „Ich bringe Sie ins Gefängnis, und es wird für Sie kein Entkommen geben. Und wenn mein Bruder… wenn er tot sein sollte,  nicht einmal Gott selbst wird Sie dann retten können.“

Da Silva lässt sich zu einem Hauch eines Lächelns ab. „Fühlen Sie es, Reagan?“ Ihre helle Stimme ist ganz weich, wie die Bettlaken, die Linda neulich gekauft hat. Sie lehnt sich nach vorn, die gekreuzten Arme auf dem Tisch gestützt. Sie hat ihre Armbänder abgenommen.

„Es ist mehr als Angst und Hass – aber das ist Ihnen doch klar, oder?“ Sie beobachtet ihn ganz genau, wie er sich abwendet, seine Lippen zusammenpresst, und seine Fäuste auf seinem Schoß ballt. Da Silva lächelt.  

„Es ist Verzweiflung, was Sie gerade fühlen. Diese Enge in der Brust, die Ihr Herz zerquetschen könnte. Jeder Atemzug fällt schwer. Ich sehe, Sie schwitzen stark: Keine Dusche wird da helfen können, Sie werden danach nur frieren.“

Ihre Miene wird nachdenklich. „Ihr Vater, weiß er es schon?“

Danny antwortet nicht.

„Also doch. Und er hat Sie mit der Befragung beauftragt? Ihre Kollegen, haben sie Sie versucht aufzuhalten? Haben sie Angst, Sie könnten die Ermittlungen stören?“

„Was wollen Sie?“ Dannys Augen wirken trüb, doch das Feuer lodert noch im Hintergrund.

„Ich möchte Sie ruinieren.“ Ihre Stimme ist ein Flüstern, das zischend im stickigen Raum zu hallen scheint. „Und ihr kleiner Bruder–“

„Was auch immer ich Ihnen getan habe, da Silva“, donnert er, „ist zwischen Ihnen und mir. Mein Jamie hat da nichts zu tun!“

„Oh doch, das hat er.“ Sie faltet ihre Hände. „Er ist ein Problem. Sie wissen es nur nicht.“

„Er ist unschuldig!“

„Niemand ist unschuldig!“, faucht sie. „Sie sind doch Detective, einer der berüchtigtsten sogar. Sie haben es nur dank Ihres Vaters soweit geschafft! Und der einzige Grund, weshalb Sie noch im Dienst sind, ist, weil Ihre Methoden sich bis weil gewährt haben.“ Da Silva atmet tief durch. „Diese Zeiten sind jetzt aber vorbei.“

„Was wollen Sie?“, fragt er wieder, mit der Miene eines Mannes, der alle Karten, die er in der Hand hatte, verloren hat. „Von mir, von ihm - was wollen Sie? Ich habe Geld…“

„Nicht genug, um mich zu kompensieren“, fällt sie ihm ins Wort. „Was ich will, ist wertvoller als Geld.”

Ihre Augen funkeln, als sie ihn direkt ansieht. „Was ich will”, haucht sie und bleckt dabei die Zähne, „ist Ihnen eine Lektion erteilen, von der Sie sich niemals erholen werden.”
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast