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Momente

von Mindy
Kurzbeschreibung
SammlungAllgemein / P16 / MaleSlash
Alexander "Alec" Lightwood Andrew Underhill Isabelle "Izzy" Lightwood Lorenzo Rey Magnus Bane Simon Lewis
12.05.2021
31.10.2021
8
21.190
19
Alle Kapitel
61 Reviews
Dieses Kapitel
8 Reviews
 
 
12.05.2021 1.472
 
Hallo zusammen!^^
Ich hatte Lust was zu posten, aber für den regulären Rhythmus der FF ist es zu früh, also dachte ich, ich lasse euch an einem meiner momentanen Projekte teilhaben - eine One Shot Samlung.

Vor ein paar Monaten hatte ich eine ganz fiese Schreibblockade bei „Pakt mit dem Teufel“ und TessaGray88 hat mir geraten, es mal mit Writing promts zu versuchen; man bekommt ein Thema oder Begriffe genannt und schreibt dazu einfach in kurzer Zeit was auf, um wieder in den Fluss zu kommen.
Ich dachte ja nicht, dass das was für mich ist, aber es hat funktioniert XD

Seither habe ich Gefallen dran gefunden und ab und zu lasse ich mir solche Stichwörter geben, wenn ich einfach was Kurzes, Einmaliges runterschreiben will.

Ein paar dieser One Shots existieren bereits und ich veröffentliche sie immer mal, wenn was ansteht. Vermutlich wird’s hauptsächlich Malec-lastig sein, aber ich will eigentlich nichts ausschließen XD
Falls jemand sich beteiligen will, einfach 3 Wörter/Halbsätze (und ev. die Personen) ins Review schreiben, vll setze ich das bei der nächsten Sperre dann um. Je nach Zeit^^°

Wie immer gehören die wunderbaren Charas und die Welt nicht mir!

Viel Spaß!

Vorgabe: perlmuttfarbene BlumenRegenFriedhof (Malec)

Widmung: TessaGrey88

________________________________________________________________________

~*~


Ein unangenehmes Frösteln kroch über Alecs Nacken, seine Wirbelsäule hinunter und breitete sich auf seinem ganzen Rücken aus, als hätte ihn eine Woge kaltes Wasser getroffen. Fahrig strich er sich über die linke Schulter, den Arm entlang bis zum Ellbogen, als könne die reibende Bewegung die innere Kälte vertreiben.

Sie konnte es nicht.

Zu dem Duft unzähliger Pflanzen, Bäume, verschiedener Blumen und Sträucher, gesellte sich zart, aber unverkennbar der süßliche Geruch von Verwesung.
Als Shadowhunter war er unheimliche und düstere Orte gewohnt; alte Keller, Gewölbe, Tunnel, Kanalisationen und Gruften, denn hier lebten die meisten Dämonen. Die Kälte und Dunkelheit dort entsprach am ehestem ihrem Wesen und je finsterer und feindseliger die Umgebung war, desto eher schienen sich die Schattenwesen dort zusammenzurotten und heimisch zu fühlen.

Ein Friedhof gehörte eigentlich nicht in diese Kategorie.

Zwar lagen hier Kummer und Schmerz erdrückend wie ein zweiter Himmel über dem ganzen Areal, doch die Grabsteine, manchmal verwittert, manchmal gut gepflegt, umgab ebenso ein Hauch von Ruhe, Frieden, fast Trost.
Hier konnte man Abschied nehmen, hier konnte man mit seinen verstorbenen Lieben noch einmal sprechen, ihnen all das mitteilen, das sie – so der Glaube vieler Mundie – vom Jenseits aus nach wie vor beobachteten.

Wieso man es ihnen dann dennoch erzählte?

Wie das eigene Leben verlief, wie es den Verwandten ging, wie man sich fühlte?

Vielleicht, weil manche Sachen zu Lebzeiten ungesagt geblieben waren.

Vielleicht, weil man durch das laute Reden die Illusion aufrecht erhalten konnte, der Tote wäre doch noch nicht für immer vergangen.

Vielleicht, weil der Friedhof alle Geräusche zu schlucken schien und der Klang der eigenen Stimme etwas Tröstliches hatte.

Obwohl sie so etwas in der Shadowhunter-Tradition nicht kannten, verstand Alec, wieso Mundie ihre Toten auf diese Weise bestatteten, wieso sie immer wiederkommen und an die Gräber treten, hier gedenken, verweilen, weinen und sprechen wollten. Dies hatte er, bei allem Unverständnis für Mundie, noch nie als lächerlich empfunden.

Hexenmeister hatten ebenfalls Friedhöfe, wie er seit kurzem wusste.
Magnus war einige Wochen sehr schweigsam und nachdenklich gewesen und Alec hatte ihn sanft, aber bestimmt gebeten, seine Sorgen mit ihm zu teilen.
Ein bestimmtes Datum war näher gerückt: Ragnor Fells Todestag.
Alec hatte den Hexenmeister niemals kennengelernt und Magnus hatte nicht lange Zeit gehabt, um seinen langjährigen Freund und Weggefährten zu betrauern, da er sich um Alecs Aufmerksamkeit hatte bemühen müssen.

Bemühen wollen.

Doch jetzt, da der erste Todestag näher rückte, schien der Schmerz des Verlusts wie ein Geschwür in Magnus zu wachsen und ihm den Schlaf zu rauben. Vor allem verabscheute Magnus Friedhöfe, sie erinnerten ihn nur an Trauer und unendlich viele Abschiede.
Dennoch wusste Alec, dass sein Liebster es bereuen würde, wenn er Ragnor an diesem Tag nicht die Ehre eines Besuches zuteilwerden ließ.
„Ich werde mit dir gehen“, hatte Alec gesagt und Magnus‘ Hand ergriffen.
Ein schwaches Lächeln war über Magnus‘ Gesicht gezuckt. „Wirklich? Du kanntest ihn nicht einmal.“
„Aber er war wichtig für dich, also ist er wichtig für mich.“
Magnus hatte ihn zur Antwort geküsst.


Jetzt standen sie hier, an einem einsamen Grab, das gut gepflegt wurde, obwohl vermutlich niemand sich um all die Gräber kümmerte. Dafür, dass Hexenmeister unsterblich waren, sah Alec sehr viele Gräber. Er nahm an, dass die Grabstellen mit Magie in diesem ordentlichen Zustand gehalten wurden.
Ragnors Grab befand sich unter einer mächtigen Eiche, deren Baldachin sich schützend über ihre Köpfe ausstreckte.
Alec stand etwas hinter Magnus, der seit einigen Minuten auf den schlichten runden Stein starrte, in den Ragnors Namen und Daten eingraviert waren.
Alec schwieg und blieb ebenso reglos, denn er wollte Magnus in seiner stillen Andacht nicht unterbrechen.

Welchen Gedanken er auch immer nachhing, er sollte es tun.

Der Wind frischte auf und trug den klaren, würzigen Geruch nahenden Regens in sich.
Dennoch sagte Alec nichts.
Eine Regung kam in Magnus, als er die Hände plötzlich zu Fäusten ballte und die Lippen fest aufeinander presste.
„Es war nicht gerecht, dass er sterben musste. Hätte ich Valentines Schergen nicht zu ihm geführt…“
„Magnus…“ Tröstend legte Alec ihm eine Hand auf die Schulter. „Niemand konnte ahnen, dass Valentine euch so schnell folgt. Zudem war es nicht deine Schuld, sondern unsere, denn der Verräter befand sich in unseren Reihen. Und er hat dafür gebüßt.“
„Aber das ist nicht genug! Er war so lange mein Freund, mein Mentor, mein Vertrauter…und ich war zu langsam, zu leichtsinnig, zu schwach ihn zu heilen…es ist nicht richtig!“

Donner krachte so laut über den Himmel, dass Alec zusammenzuckte.

„Magnus“, sagte er, dieses Mal mit einer bittenden Nuance, die sich in seine tröstenden Stimme mischte, als Blitze hell über sie hinweg zuckten. „Niemand versteht deinen Groll besser als ich. Wie es ist, wenn man sich für einen Tod verantwortlich fühlt.“
Jocelyn…
Alec legte die Hände an Magnus‘ Schultern und drehte ihn vorsichtig zu sich, damit er ihn ansehen konnte.
Tränen glänzten in Magnus‘ Augen und es brach Alec das Herz.

Ein weiterer Blitz erhellte den dunkel gewordenen Himmel, begleitet von tiefem Donnergrollen.

Alecs Blick war ungebrochen zärtlich. „Du sagtest mir, es sei nicht meine Schuld, obwohl ich mich für meine Schwäche schämte.“
„Du warst nicht schwach.“
„Und du bist es ebenso wenig.“

Ein Blitz schlug in der Eiche ein.

Das Laub fing Feuer, doch Alec blickte nur flüchtig auf. Die grellen roten Flammen ignorierend, die sich durch das Geäst zu fressen drohten, gab er Magnus einen Kuss.
Vorsichtig, tröstend, liebevoll – das stumme Versprechen, ihm beizustehen, ihn zu halten und aufzufangen, ihn aus dem Meer aus Kummer zu ziehen, ehe er darin ertrinken konnte.
Magnus schluckte hart und noch härter, als Alec ihn in die Arme schloss, ohne etwas zu sagen.

Keine Mahnung, sich zusammenzureißen, vernünftig zu sein, sich nicht so gehen zu lassen.

Nur Verständnis.

Und Nähe.

Magnus schloss die Augen, atmete Alecs Duft ein, als ein Sturzregen einsetzte und die Flammen löschte.
Vorsichtig drehte Magnus die Finger hinter Alecs Rücken, so dass sie unter dem Baum von dem Vorhang prasselnden Regens verschont blieben.

Eine blau funkelnde Oase, die ihnen Schutz versprach, als könne sie hier kein Leid der Welt berühren.

Ginge es nach Magnus, würde er dies für Alec ermöglichen: Kein Leid dieser Welt sollte dem Nephilim jemals widerfahren.
„Ich liebe dich, Alexander“, sagte er leise an Alecs Ohr, was den Nephilim lächeln und sich lösen ließ.
„Ich liebe dich auch.“ Sein Blick fiel auf Ragnors Grab. „Und ich bin dir dankbar, Ragnor, dass du Magnus all die Jahre beigestanden hast. Ich kann dich nicht ersetzen, werde aber alles tun, damit er sicher und glücklich leben kann.“
Eine Träne rann aus Magnus‘ Auge. Eilig wischte er sie weg, während Alec weiter sprach.
„Es tut mir leid, dass ich keine Gabe bei mir trage.“
„Das muss es nicht.“ Magnus hob die Hand: Unter einem feinen Sprühen hellblauer Magie sprossen perlmuttfarbene Blumen aus der saftigen Erde des Grabes. Dutzende von ihnen bedeckten schließlich das gesamte Grab und verliehen ihm einen fast freundlichen Ausdruck.
„Das ist wunderschön“, sagte Alec andächtig, während um sie herum der Regen die Szenerie mit einer Symphonie aus Trommeln, Prasseln und Rauschen untermalte.
„Ragnor mochte es stilvoll, das hätte ihm vermutlich gefallen“, stimmte Magnus zu. „Ich würde es ja bunter wollen. Bei mir bitte Blumen in allen Regenbogenfarben.“
„Soweit wird es nie kommen“, sagte Alec mit der unerschütterlichen Gewissheit eines Liebenden, der alles und jeden opfern würde, um niemals ein Grab besuchen zu müssen, das Magnus‘ Namen trug.
Magnus spürte dies und erlaubte sich ein liebevolles Lächeln.
Schweigend griff er nach Alecs Hand und blieb neben ihm stehen.

Nur sie, der Regen, die Blumen.

Und das Frösteln, das Alec anfangs überkommen hatte, war zu einem warmen Schauer geworden.

~*~
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