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Die Bedrohungslage

von LaLea
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
12.05.2021
22.06.2021
13
19.172
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12.05.2021 1.505
 
„Morgen Chief“, klang es aus der Ecke als Walter das LSPD betrat. Die Augen verborgen durch seine Sonnenbrille, wanderten kurz nach links zu Herrn Tanaka, welcher eine Zeugenaussage aufnahm. Ein leichtes Nicken wanderte in seine Richtung. Ob er auch schon geschlafen hat, fragte sich Walter und ging auf geradem Wege an der Leitstelle vorbei direkt auf Etage 3. Dort entnahm er sein Holster aus dem Spind und steckte seine Pistole und seinen Taser hinein. Seine Schutzweste trug er nun sogar innerhalb des PDs aufgrund der aktuellen Bedrohungslage. „Was eine Scheiße“, flüsterte Walter leise. Von gegenüber hörte man nur ein kurzes Schmunzeln. Hörte sich nach Herrn Mosquera an. Walter schenkte ihm jedoch keine Beachtung und verließ mit seinem Funkgerät in der Hand den Umkleideraum mit schnellem Schritt in sein Büro. Vor seinem Büro warteten bereits Herr Pearson und Frau Marshall. In seinen Gedanken versunken gab es nur ein leises „Hallo“. Walter setzte sich an seinen Computer und trug sich in den Dienst ein, damit auch niemand ihn wieder an den Pranger stellen konnte, weil er es schon wieder vergessen hat. Ein kurzer Blick auf seine Emails: Nichts Neues. „Pearson, reinkommen!“ Er betrat den Raum und schaute Walter an. „Alles in Ordnung Herr Weiß?“ Er nickte zustimmend. Pearson bemerkte, dass etwas nicht stimmte, sprach jedoch nichts aus. „Wie kann ich Ihnen helfen?“ „Es geht nur um die aktuellen Ereignisse. Wegen der Bedrohungslage kommt Frau Crown auf sie zu.“ Walter atmete genervt aus. „Sonst gab es nur Schüsse in der South und einige Missstimmungen unter den Mitarbeitern.“ „Gut. Mit den Streitigkeiten möchte ich mich nicht groß beschäftigen müssen. Um wen handelt es sich? In der South bitte mal ordentlich reinhalten, jetzt. Ich habe da keine Lust mehr drauf, auf das ständige Rumgeballere. Pearson! Einsatzleitung. Go!“, wurde Walter energisch. „Ja, sir. Es handelt sich um Frau Sorkin und Herrn Poppmeyer. Aber das sollten die schon hinkriegen. Die sind ja nicht blöd.“ Walter hatte Herrn Pearson tatsächlich noch nie so schnell reden gehört. „Raus!“, schrie Walter. „Schicken sie die Frau Marshall rein.“
Sie betrat das Büro. „Hallo Walter. Du hast in 30 Minuten ein Gespräch mit Frau Crown und Frau Labelle. Für den restlichen Tag sind keine Termine festgelegt.“ Walter stimmte ihr zu und schickte sie nun wieder ihre Arbeit nachgehen. So schnell hatte Walter sie noch nie wieder abgeschüttelt, aber irgendwie fühlte er sich falsch in ihrer Gegenwart. Dieses ganze Alibi-Beziehung-Zeugs fand er mittlerweile gar nicht mehr gut und diese Bedrohungslage kam auch noch dazu.

Walter hatte noch ein paar Minuten bis die DTU zu seinem Büro kommen würde und gerade war auch niemand in der Nähe der Etage zu sehen. Er setzte sich auf seinen Stuhl und stütze seine Ellbogen auf den Schreibtisch und vergrub sein Gesicht in seinen Händen. Walter stöhnte laut auf und war komplett in Gedanken versunken. Dann richtete er sich auf und ging mit seinem Blick zurück in sein E-Mail-Postfach. Unter seinen Favoriten steht immer noch eine bestimmte Person. Frau Collins. Isabel. Der alte Panzer. Aber gerade war Walter nicht zum Scherzen. Er drückte auf das Isabel Collins Symbol und begann eine kurze Mail. Ohne nachzudenken, schrieb Walter drauf los. "Ich vermisse dich" und "Ich brauche dich", waren die Wörter, die er einfach niedertippte. Walter drückte ohne nachzudenken auf Absenden. Dann bemerkte er erst, was er da eigentlich schrieb.

Das ist völlig aus dem Kontext gerissen, dachte Walter sich und ärgerte sich zugleich über die Mail. Er hatte nun schon seit zwei Monaten keinen regelmäßigen Kontakt mehr mit Frau Collins.

Draußen wartete schon Frau Crown mit ihrer Kollegin. Schnell versuchte Walter noch Frau Nava von Venture zu erreichen. Doch sie ging einfach nicht ran. Da muss ich jetzt wohl durch, dachte sich Walter.

„Ja!“, rief Walter zu Frau Crown. Die beiden betraten den Raum und es begann ein Gespräch über Walters Bedrohungslage. Frau Labelle war jedoch eher der ruhige Part der Besprechung und versuchte Walter immer wieder auf ein entspanntes Level zu bringen, damit er nicht gleich an die Decke geht. „So ein Scheiß“, kam es von Walter. Gerade erfuhr er, dass es einen weiteren Zettel zu seiner Bedrohungslage gab, dass es am nächsten Tage möglicherweise wieder zu einem Überfall kommen soll. Walter war schon wieder auf 180. „Nun, Chief. Wie lange sind Sie heute im Dienst? Wir werden sie dann persönlich von der DTU nach Hause bringen. Ein Plan liegt schon vor und Herr Anderson ist auch bereits eingeplant, damit es zu keinen Fehlern kommen wird“, erklärte Frau Crown. „Gibt es noch etwas?“ Die beiden verneinten dies und verließen das Büro.

Nun war Walter wieder allein. Wie immer also eigentlich.
Walter schaute unbeeindruckt auf die Gemälde an seiner Wand. Dann wanderte sein Blick zu den Auszeichnungen, welche auf seinen Regalen standen. Ich bin ein guter Mensch, dachte Walter, ich habe so viel erreicht, aber irgendetwas fehlt noch. Erneut schaute Walter auf seinen Computer und in sein Postfach. Er sah die Nachricht an Frau Collins und seufzte.

Der restliche Tag verging wie im Fluge. Walter war die ganze Zeit in Trance. Irgendwie hatte er den Tag kaum gearbeitet und die ganze Zeit mit seinen Gedanken gespielt. Es handelt sich hierbei zwar um den Chief, aber auch dieser ist ein Mensch und hat Gefühle und manchmal weiß eben auch der Chief of Police nicht weiter. Sein Blick wanderte auf das Handy mit dem Hintergrundbild seines heißgeliebten Oracles. Wann er wohl mal wieder mit diesem fahren könnte.

Er klickte auf seinen letzten Anruf. Es ertönte ein „Crown“ aus dem Lautsprecher. „Ich möchte nach Hause“, sagte Walter verdutzt. Frau Crown machte sich sofort auf den Weg, um alle Einheiten, die hierfür benötigt werden zu arrangieren. „Auch die Frau Marshall muss mit“, schrieb Walter eine Nachricht hinterher. Neuerdings wohnen die beiden ja zusammen und lebten in einer Alibi-Beziehung. Seltsam fand Walter das weiterhin. Walter schaute wiederholt auf sein Handy. Es ist gerade einmal Mitternacht. Die heutige Schicht war halt mal kürzer. Damit müssen die Kollegen leben müssen. Walter ging aus seinem Büro, sich ausstempeln und verließ mit seiner Waffe in der Hand das PD. Mehrere Minuten musste Walter noch warten, bis die Streifen vollständig vor dem PD ankamen. Genervt stieg er bei Frau Crown ins Auto und fing darüber an zu meckern. Da diese ihren Chief kannten, kam keine patzige Antwort zurück und es ging langsam weiter mit Frau Marshall und dem Chief im Schlepptau in die Meteor Street. Es war sehr dunkel, der Mond war kaum zu sehen. Vor den Appartements sah man mehrere dunkle Gestalten, welche aber nur Bewohner des Hauses waren und sich sehr schnell vom Acker machten als sie die Polizei erblickten. Walter hielt Frau Marshall zu ihrem Schutz sehr nah an sich. Er wollte nicht, dass ihr etwas passiert und das Tuscheln untereinander im PD sollte gerne weitergehen. Die beiden verabschiedeten sich und betraten das Appartement. „Ich hoffe, du hast den Kühlschrank gefüllt“, scherzte Walter. „Ja, ich gehe ja auch meinen Versprechungen nach.“ Der zweite offizielle WG-Abend der beiden startete. Aber Walter war nicht in der Laune, um den Abend mit einem Rotwein zu verbringen, wie es der Jerry bestimmt gerade machte.

Frau Marshall bekam für heute das Bett versprochen, damit Walter sich noch etwas im Wohnzimmer an seinen Schreibtisch setzen konnte, um noch ein paar Mails zu lesen. Dabei fiel ihm wieder die Mail an Isabel auf. Plötzlich klingelte sein Handy. Walter war verdutzt und hoffte, dass er Honey nicht aufweckte. Er nahm das Handy in die Hand und akzeptierte den Call, wobei er noch einmal rechts über seine Schulter schaute, um sicherzugehen, dass Honey schlief.
Eine bekannte Stimme begrüßte ihn. „Hallo Walliraffe.“ Walter erstarrte kurz. Oh Gott. Dies war wohl eine seiner unangenehmsten Situationen, in die er je geriet. „Isa…bel?“, stotterte Walter. „Du hast mir eine Mail geschrieben. Schon etwas frech, dass du dich zwei Monate nicht gemeldet hast“, Collins lachte. Walter erzählte ihr, dass es ihm gerade echt nicht gut geht und diese Bedrohungen gegen ihn herrschten. Collins verstand dies und äußerte die Anmerkung unterschwellig, ihn einmal wieder zu besuchen.

Nach ungefähr einer Stunde wurde Walter sehr müde und wollte das Gespräch langsam beenden. Als er den Auflegen-Button drücken wollte, hörte er noch kurz vor Ende ein „Ich vermisse dich auch“ und legte dann aus Reflex auf. Irgendwie berührten ihn diese vier Wörter. Mit einem Grinsen auf den Lippen legte Walter sich auf sein Sofa und schlief ein.

Am nächsten Morgen wurde Walter von Honey geweckt. Er hatte verschlafen. Mit Schlaf im Auge stand Walter auf, zog sich an und machte sich fertig. Die WG-Partner verließen die Wohnung. „Mit wem hast du gestern gesprochen?“, fragte Honey Walter als die beiden gerade in die Abholung von Frau Labelle stiegen. Frau Labelle schien ebenfalls sehr interessiert. „Es geht Ihnen nichts an, was ich unternehme und mit wem ich telefoniere“, sagte Walter. „Muss dann ja wohl eine Dame gewesen sein. Entschuldigen Sie Frau Marshall“, warf Labelle ein. „Ach, schon gut. Unsere Beziehung ist sehr offen“, lachte Honey. Walter schüttelte den Kopf und befahl Labelle aufs Gas zu drücken.
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