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Schulsport mit Hindernissen

GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Boris Saalfeld Tobias Ehrlinger / Saalfeld
12.05.2021
22.07.2021
9
12.083
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22.07.2021 1.266
 
„So Flo, Du kommst jetzt mal erst mit zu mir und dann werden wir beide uns mal ganz ausführlich unterhalten.“ Tobi legte den Arm um die Schulter des Jungen und ging mit ihm in seine Wohnung. Dort setzte er sich mit ihm auf die Couch und fasste ihn an den Händen. „So Flo, jetzt sag mir mal ganz genau, was Dich so bedrückt. Was ist passiert und wie kann ich Dir helfen, und wo ist denn eigentlich der Max?“
„Der soll mich bloß in Ruhe lassen, der hat mich so sehr enttäuscht,“ schluchzte Flo und schon wieder flossen die Tränen.
„Na komm Flo, das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass der Max Dich enttäuscht haben soll. Ihr seid doch sonst ein Herz und eine Seele. Was ist denn bloß geschehen?“
Flo wischte sich mit einer Hand die Tränen aus dem Gesicht. „Weißt Du, Tobi,“ begann er stockend, „ in der Theater-AG proben wir doch Romeo und Julia. Ich bin der Romeo und sollte heute in einer Szene die Julia küssen. Die wird von der Emma gespielt und Emma ist ja auch ein ganz liebes nettes Mädchen. Aber als ich sie küssen sollte, ging das einfach nicht. Ich weiß ja auch nicht, warum. Und als ich dann zurückgezuckt bin, haben mich alle ausgelacht. Und dass auch der Max gelacht hat, das hat mich am meisten getroffen. Und dann hat noch einer gerufen, ob ich vielleicht schwul wäre, weil ich kein Mädchen küssen kann, ich soll es doch mal mit Max probieren, der wäre doch mein bester Freund. Du hättest mal das Gesicht von Max sehen sollen, wie der mich angeschaut hat, so hab ich den noch nie gesehen. Ja, und dann bin ich einfach aus dem Saal rausgerannt. Ach Tobi, was soll ich denn jetzt machen. Ich kann denen doch nicht mehr unter die Augen treten.“
Flo saß ganz zusammengesunken auf dem Sofa und die Tränen liefen ihm unaufhörlich über das Gesicht.
Tobi nahm ihn ganz fest in den Arm und strich ihm beruhigend über den Rücken. „Ja Flo, das ist nicht schön, was deine Mitschüler da gemacht haben, aber die haben es doch bestimmt nicht böse gemeint. Wenn es einem anderen passiert wäre, hättest Du da vielleicht nicht auch gelacht? Und das Verkehrteste was Du jetzt machen kannst, ist Dich zurückzuziehen. Du gehst jetzt wieder zurück und trittst denen selbstbewusst unter die Augen. Und was den Max betrifft, der war vielleicht im Moment etwas überfordert von dieser blöden Bemerkung. Wie ich ihn kenne, tut es ihm bestimmt schon längst wieder leid. So, wir wischen jetzt Dein Gesicht ab und dann gehst Du wieder zurück. Wenn Du willst, komme ich mit.“
„Nein Tobi, aber vielen Dank. Das muss ich jetzt alleine hinkriegen. Und der Max, der soll sich mal ganz warm anziehen, der muss sich meine Freundschaft erst wieder verdienen.“
Er wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, dann stand er auf, straffte seine Schultern und ging dann entschlossen auf die Tür zu. „Vielen Dank Tobi, dass ich Dir alles erzählen konnte. Jetzt geht es mir schon wieder etwas besser.“
'Tapferer kleiner Kerl,' dachte Tobi. Laut sagte er: „Du darfst immer zu mir kommen, Flo. Egal mit welchen Problemen, ich bin immer für Dich da.“

********
Als Tobias und Flo die Haustür hinaustraten, sahen sie, dass Max ganz aufgeregt über den Schulhof rannte und sich hektisch nach allen Seiten umsah.
Plötzlich sah er Tobi und Flo und rannte direkt auf sie zu. „Sag mal Flo, spinnst Du?“ schrie er seinen Freund an, „warum bist Du einfach weggerannt. Ich such Dich schon überall.“
„Und warum suchst Du mich?“ Flo sah ihn aus rotgeweinten Augen an, „damit Du mich wieder auslachen kannst, so wie die anderen?“
„Du Doofkopp, ich habe Dich doch nicht ausgelacht, ich habe nur über Dein Gesicht gelacht, als Du ganz entsetzt von der Emma zurückgezuckt bist. Das sah so komisch aus, da musste ich einfach lachen. Und als der Tim so eine blöde Bemerkung gemacht hat, habe ich vielleicht etwas komisch geguckt, denn das war wirklich unter der Gürtellinie. Aber wegen so was kannst Du doch nicht einfach davonrennen. Du hättest mitlachen sollen, dann wäre das alles nicht so hochgekocht. Erst Dein Fortrennen hat die ganze Sache interessant gemacht.“
Er stieß Flo seinen Daumen in die Seite, „so jetzt komm wieder mit in den Saal und dann übst Du den Kuss mit Emma nochmal. Und wenn Tim es wagt, wieder so eine blöde Bemerkung zu machen, bekommt er es mit mir zu tun. Und glaub mir, das wird er nicht wagen.“
So langsam breitete sich auf Flo`s Gesicht wieder ein Lächeln aus.
'Na also,' dachte Tobias, 'ich wusste doch, dass nichts diese tolle Freundschaft zerstören kann.'
Die Jungs wollten gerade gehen, da kam Boris über den Hof gelaufen. Als er die beiden Schüler bemerkte, verwandelte sich sein Lächeln in ein gereiztes Grinsen. „Herr Ehrlinger, wie wäre es, wenn sie sich mal die Geräte in der Turnhalle vornehmen würden. Bei einigen müssten die Schrauben nachgezogen werden. Nicht, dass sich die Schüler daran verletzen. Da hätten Sie auch mal selbst drauf kommen können. Und übrigens,“ wandte er sich an Max und Flo, „was macht Ihr beiden während des Unterrichts bei unserem Hausmeister? Verschwindet sofort in Eure Klasse!“
Während Max und Flo sich eiligst aus dem Staub machten, sagte Max: „Du Flo, ich glaube Du hast recht, mit Tobi und Herrn Saalfeld stimmt etwas nicht. Der Saalfeld hat den Tobi so komisch angeschaut, obwohl er ihn angepampt hat. Da war so ein Leuchten in seinen Augen, das im totalen Widerspruch zu seinen Worten gestanden hat.“
„Siehste, ich hab`s Dir ja gesagt,“ grinste Flo, „mein Gefühl hat mich noch nie getäuscht.“ Und gemeinsam gingen sie zufrieden zurück in den Saal, in dem die Schüleraufführung geprobt wurde.

********
Inzwischen hatten sich Boris und Tobias in die Hausmeisterwohnung begeben. Kaum war die Tür hinter ihnen ins Schloss gefallen, drückte Tobi seinen Geliebten dagegen und küsste ihn ausgiebig.
„Hm, das hab ich gebraucht, Schatz,“ grummelte er zwischen zwei Küssen, „aber trotzdem hättest Du mich nicht gleich wieder so angehen müssen.“
„Ach weißt Du, ich war in Gedanken schon wieder ganz bei Dir und habe erst im letzten Moment gemerkt, dass Max und Flo da gestanden haben. Da musste ich ganz schnell umschalten und mir ist im Moment halt nichts Besseres eingefallen. Was wollten die zwei denn während des Unterrichts bei Dir?“
Tobi erzählte Boris von dem Problem, das Flo bei den Proben gehabt hat und dieser kratzte sich nachdenklich am Hinterkopf.
„Hm, die beiden Jungs hängen ja immer wie zwei Kletten zusammen, es könnte doch sein, dass wenigstens einer von ihnen in unserer Liga spielt?“
„Boris, in dem Alter kann man das gar nicht so genau wissen, da ist man doch weder Fisch noch Fleisch. Das kann sich in der nächsten Zeit noch in ganz verschiedene Richtungen entwickeln. Ich nehme an, das wird die Zeit schon zeigen.
Aber nun zu uns zweien, ich würde leidenschaftlich gern mal mit Dir tanzen gehen. In der Kreisstadt hat ein Schwulen-Club aufgemacht, in dem man ganz toll tanzen kann, hab ich mir sagen lassen. Hättest Du Lust, dort mit mir hinzugehen? Da kennt uns bestimmt keiner.“
„Okay, da habe ich nichts dagegen. Aber was ist mit Deinem Bein?“ Boris schaute Tobias skeptisch an.
„Na, für einen Stehblues wird es schon gehen, und da kann ich mich dann ganz eng an Dich drücken, Du weißt doch wie sehr mir das gefällt.“
„Oh ja, und ob ich das weiß.“
Sie alberten noch eine ganze Weile herum. Gut, dass sie nicht wussten, dass ihre unbeschwerte Zeit bald vorbei war.
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