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Shadowrun: Hail Columbia

Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Sci-Fi / P16 / Mix
OC (Own Character)
11.05.2021
05.06.2021
6
7.862
1
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11.05.2021 706
 
Unermüdlich prasselte der saure Regen gegen die Fensterscheiben des Greyhound-Busses. Gischt wurde von den schweren Reifen nach oben geschleudert und erschwerte die Sicht zusätzlich. Durch den Regenvorhang waren die fernen Lichter einer gigantischen Stadt, eines Sprawls (wie man in der 6. Welt zu sagen pflegte) zu erkennen. Dieser funkelende, stählernere Teppich breitete sich über die gesamte Länge des Archipels zwischen dem Puget Sound und Lake Washington aus. Aus der Entfernung waren nur vereinzelte Strukturen des Seattle-Sprawls zu erkennen. Die Space Needle, das Wahrzeichen der Stadt lag in unmittelbarer Nähe zur bedrohlich aufragenden Pyramide von Aztechnology, dem größten Con für Nahrungsmittel der Welt. Die smaragdgrünen Neonfarben von Downtown warfen lange verschwommene Lichter auf die umliegenden Bezirke. Nur Redmond im Osten und Puyallub im Süden lagen in völligem Schatten.

„Meine sehr verehrten Damen und Herren“, drang es blechern aus der halb von der Wand hängenden Sprechanlage, „Wir erreichen in circa einer Stunde die Seattle Enklave der Vereinigten Staaten von Nordamerika und Kanada, bitte halten Sie Ihre System Identifikationsnummer zur Passkontrolle bereit. Vielen Dank, dass Sie sich für eine Reise mit Greyhound-Ares Machrotechnology entschieden haben“. Die Sprechanlage verstummte und erneut waren nur das Regenprasseln und die monotonen Motorengeräusche zu hören. Bis auf den Fahrer und zwei weitere Passagiere war der Greyhound leer. Eine junge Elfe afroamerikanischer Herkunft hatte ihre Stirn gegen das kühle Glas der Scheibe gelegt. Angestrengt versuchte sie unter halb geschlossenen Augenlidern den eindringlich blinkenden, roten Punkt am linken Rand ihres Blickfeldes zu ignorieren, welcher 16 verpasste Anrufe in den letzten 24 Stunden anzeigte. Schließlich nahm die Frau die Brille ab und das Licht erlosch. Ein leises Seufzen durchfuhr ihre dunkel geschminkten Lippen und die Scheibe vor ihr beschlug. Das erste was durch die Spiegelung der Scheibe wieder zu erkennen war, waren ihre smaragdgrünen Augen gefolgt von ihrer mittellangen Afro-Frisur. Die Geräuschfilter ihrer Horizon-Zero-Pod In-Ear Kopfhörer registrierten eine Bewegung zur ihrer Rechten und regelten die Lautstärke herunter, sie selbst bewegte sich nicht.

„Ihr Kontakt ist ein Zwerg namens Ashes. Er betreibt eine kleine Bar in Puyallub-City nördlich des Mercer Parks. Bringen Sie ihm das Paket und er hilft Ihnen weiter. Wir beobachten Sie“.

Der Bus wurde langsam und begann sich begann sich sanft nach rechts zu lehnen. Ein hydraulisches Zischen lies vermuten, dass sich die Türen des Greyhounds geöffnet haben mussten. Dazu gesellte sich das rhythmische Klackern polierter Lackschuhe auf Metall, wanderte Richtung Ausgang und verstummte kurz darauf. Im selben Moment wurde die Musik auf der rechten Seite wieder lauter. Something in the Way von Nirvana. Noch 20km bis zur Grenze. Der Juckreiz wurde stärker.

Der Grenzposten, der das Salish-Shidhe Gebiet von den UCAS trennte war nur spärlich besetzt. Weder Salish noch UCAS rechneten mit irgendwelchen Aggressionen und nur die wenigsten Metas kamen über den Landweg in den Plex, so überraschte es wenig, dass nur zwei Grenzbeamte den Greyhound kontrollierten. Einer der Beamten, ein Mensch mittleren Alters mit Bürstenhaarschnitt und einem Geruch nach billigem Rasierwasser warf nur einen kurzen Blick auf die SIN, welche ihm präsentiert wurde. „Cassandra, Miriam Lloyd. UCAS-Staatsbürgerin. Meta-Typ: Elfe. Sprach er gemurmelt mehr zu sich selbst, denn zu der Frau, die vor ihm stand uns streckte ihr die SIN entgegen. „Willkommen zuhause“. Cass nickte nur und streckte die Hand nach ihrem Ausweisdokument aus. Ein stechender Schmerz durchfuhr ihren Unterarm und lies sie dabei unweigerlich zusammenzucken. „Alles in Ordnung Miss Lloyd?“ erkundigte sich der Grenzbeamte und musterte sie eindringlich. „Alles okay Officer“, entgegnete Cass und versuchte dabei so gut wie möglich den Schmerz in ihrem Unterarm zu ignorieren, „Ich habe auf der Fahrt wohl nur etwas ungünstig gelegen“. Der Beamte runzelte die Stirn und zuckte dann mit den Schultern. Cass nahm darauf ihre SIN entgegen und steckte sie in die Innentasche ihrer Synthlederjacke. Dabei blickte sie über ihre Schulter und konnte nur noch die roten Rücklichter des Greyhounds erkennen, der immer mehr im regnerischen Dunst verschwand. Zurück nach Hause. Zurück nach DeeCee. Drei Tage war sie nun unterwegs gewesen, hatte 3800km hinter sich gebracht, zwischen sich und ihr Appartement in Adams Morgan um jetzt auf der anderen Seite des Kontinents im Regen zu stehen. Cass seufzte und rieb sich den linken Unterarm, während sie an der Wachstation vorbeiging und die Smaragdstadt betrat.
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