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Damals, heute und für immer

OneshotFreundschaft, Schmerz/Trost / P12 / Gen
Chuya Nakahara Osamu Dazai
10.05.2021
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Es war ein verschneiter Freitagabend im Dezember, als Chuuya nach einer gescheiterten Mission seine Stammbar aufsuchte und sich auf einem der freien Barhocker niederließ. Sein lockiges, kupferrotes Haar war wie immer zu einem lockeren Zopf gebunden, der über seine linke Schulter hing, während ihm einige kürzere Strähnen ins Gesicht fielen. Er trug einen weißen Anzug, darunter ein gleichfarbiges Gilet, ein weinrotes Hemd und eine schwarze Krawatte. Natürlich durfte auch sein geliebter, schwarzer Hut, sein Choker und seine ebenfalls schwarzen Handschuhe nicht fehlen, ohne die er nie das Haus verließ. Chuuyas adrettes und viel zu auffälliges Aussehen war wohl auch der Grund gewesen, weshalb sich beim Betreten der Bar alle Augen auf ihn gerichtet hatten. Er hatte die Blicke der tuschelnden Gäste förmlich gespürt, wie sie ihn angestarrt und gemustert hatten, als ob er von einem anderen Stern käme. Einige von ihnen taten dies auch jetzt noch, doch Chuuya ignorierte es einfach. Denn seine Mission war schon nervenaufreibend genug gewesen, da wollte er sich nicht auch noch mit so etwas herumschlagen müssen. Er war mit Kouyou nämlich auf einer dieser extravaganten Veranstaltungen gewesen, auf denen vor allem viele wichtige Geschäftspartner der Port Mafia anwesend gewesen waren. An sich war dies nichts Neues und eigentlich genoss er derartige Festivitäten sogar, aber die heutige war wahrlich ein Desaster gewesen. Ihre einzige Aufgabe war es gewesen, einen der einflussreichsten und reichsten Männer dieser Stadt davon zu überzeugen, mit ihnen zu kooperieren. Anfangs war auch alles hervorragend und vielversprechend verlaufen, jedenfalls so lange, bis der ältere Herr etwas aufdringlich geworden war. Dieser hatte jedoch nicht, wie es meist üblich gewesen war, ein Auge auf Kouyou geworfen, sondern auf Chuuya. Es hatte mit harmlosen Bemerkungen und Komplimenten begonnen, die er gespielt lächelnd und dankend ertragen hatte, obwohl ihm dabei unwohl gewesen war. Doch als der ältere Mann ihm schließlich an den Hintern gefasst hatte, war seine Geduld am Ende gewesen. Chuuya hatte ihm fluchend ins Gesicht geschlagen und dabei die Nase gebrochen, wodurch die Mission logischerweise beendet und gescheitert war. Kouyou war deswegen nicht wütend gewesen und hatte seine Reaktion sogar verstanden, was man von seinem Boss allerdings nicht behaupten konnte. Denn Mori war ziemlich erzürnt gewesen und auch wenn er dies nicht allzu offensichtlich gezeigt hatte, hatte Chuuya es dennoch überdeutlich gespürt.
Als der Barkeeper ein Weinglas, welches mit einem ihrer besten und teuersten Rotweine gefüllt war, vor Chuuya abstellte, nickte er und sprach ihm leise seufzend seinen Dank aus. Er nahm das Glas mit einer seiner behandschuhten Hände und schwenkte den Inhalt ein wenig, ehe er es an seine Lippen ansetzte und einen großen Schluck daraus nahm. Dabei genoss er das seidig-weiche Gefühl, welches sich in seinem Mund ausbreitete, sowie das frische, fruchtige Aroma und den schier endlos wirkenden Abgang des Weins, der sowohl seinen Geschmackssinn, als auch seine Seele betörte. Schwach lächelnd stützte Chuuya mit einer Hand seinen Kopf, während er mit der anderen weiterhin sachte das Glas schwenkte und gedankenverloren in die rote Flüssigkeit blickte. Dadurch hatte er nicht bemerkt, dass sich jemand einfach neben ihn gesetzt hatte und es wäre ihm vermutlich auch weiterhin nicht aufgefallen, wenn diese bekannte Stimme ihn nicht direkt angesprochen und somit aus seinen Gedanken gerissen hätte.
»Ein schönes und sehr unauffälliges Erscheinungsbild, Chibi. Wie eine weiße Rose, die inmitten von Unkraut wächst und sinnbildlich äußerst passend«, säuselte Dazai etwas belustigt.
Chuuya zuckte augenblicklich zusammen, weshalb er beinahe seinen Wein verschüttet hätte, während er sich zu dem Störenfried wandte und anschließend genervt seufzte.
»Halt deine Klappe und verschwinde wieder... Lass mich einfach in Ruhe, Makrele«, murrte er unzufrieden, während er Dazai skeptisch musterte, »Was willst du hier? Verfolgst du mich, du Bastard?«
»Ich bin rein zufällig hier und möchte nur etwas trinken«, antwortete er scheinheilig lächelnd.
»Natürlich, du bist bloß zufällig am anderen Ende der Stadt und auch nur, weil du etwas trinken möchtest«, sagte Chuuya in einem sarkastischen Tonfall und schnaubte, »Wenn du mich schon belügst, dann gib dir wenigstens etwas mehr Mühe... also damals warst du besser darin.«
Dazai erwiderte darauf nichts, grinste und sah bloß kopfschüttelnd zu, wie Chuuya sein Glas in einem Zug leerte und gleich das nächste forderte. Indessen hatte der Barkeeper auch ihm schon sein übliches Getränk gebracht – einen doppelten Whisky, in dem ein etwas größerer und runder Eiswürfel schwamm.
Stillschweigend saßen die beiden Männer einfach nebeneinander, tranken ihre alkoholischen Getränke und tauschten immer wieder den ein oder anderen Blick untereinander aus. Die Zeit verging und Dazai wusste, dass Chuuyas Toleranz für Alkohol ziemlich niedrig war. Deswegen wunderte es ihn auch nicht, dass dieser nach ein paar Gläsern bereits angetrunken war, während er selbst nicht einmal die geringste Wirkung verspürte. Immerhin waren sie damals Partner gewesen und es war nicht selten der Fall gewesen, dass sie nach einer Mission genau in dieser Bar gesessen und zusammen getrunken hatten. Und heute war Dazai bloß hier, weil er von der fehlgeschlagenen Mission erfahren hatte und wusste, dass Chuuya sich betrinken würde und dabei eigentlich nicht alleine sein wollte, auch wenn der Mafioso viel zu stolz war, um das zuzugeben. Im Gegenzug dazu würde Dazai auch nie zugeben, dass er eigentlich nur gekommen war, um auf Chuuya aufzupassen und ihm Gesellschaft zu leisten.
Nach einer Weile, als alle anderen Gäste die Bar schon längst verlassen hatten und diese bald schließen würde, lag Chuuya mit dem Oberkörper bereits auf dem Tresen und schlief seelenruhig, während Dazai den letzten Schluck seines Whiskys trank und anschließend ihre Getränke bezahlte. Der Barkeeper sagte nichts dazu, denn er kannte die beiden schon lange und es war nicht unüblich, dass ihr gemeinsamer Barbesuch auf diese Art und Weise endete.
Ein wehmütiges Lächeln schlich sich auf Dazais Lippen, während er Chuuya hochhob, um ihn nach Hause und in sein Bett zu tragen – so wie er es damals immer getan hatte und wie er es wohl immer tun würde. Selbst jetzt, wo sie eigentlich Feinde waren und vorgaben, sich zutiefst zu hassen.
»Einige Dinge ändern sich wohl doch nie, Chuuya. Genauso wenig, wie wir uns großartig verändert haben oder allgemein das Leben...«
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