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Auswege

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Albus Dumbledore Draco Malfoy Harry Potter Hermine Granger Ronald "Ron" Weasley Severus Snape
08.05.2021
22.07.2021
25
65.207
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22.07.2021 2.323
 
Hallöchen,

Erst mal danke für eure liiiiiieeeeeben Reviews, meine Augen waren bestimmt so rosa wie die von Draco !! Und auch für die neuen Sternchen und Favo-Einträge. Ihr seid mega!

Sooo meine Lieben, bevor er losgeht: Habt ihr gedacht, jetzt ist alles gut? Sorry, dem ist nicht so. Heute habe ich ein bisschen Drama mit dem Namen Ginny im Gepäck : )! Lest selbst.


Kapitel 25 - Besuch

Leises Stimmengewirr weckte Draco. Als er die Augen öffnete blendete ihn helles Sonnenlicht, das durch das hohe, schmale Fenster fiel über seinem Bett fiel. Für einen Augenblick war er verwirrt. War es schon Mittag?
Der Vorhang, der von Madame Pomfrey um sein Bett gezogen worden war, bevor sie ihm mit einem Schlaftrank ins Reich der Träume geschickt hatte, dämpfte die Worte der Sprechenden. Draco vermutete, dass ein schwacher Schweigezauber auf dem Stoff lag.

Er konzentrierte sich auf die Stimmen. Es klang, als würden mindestens fünf Personen durcheinander sprechen. Hatte Dumbledore nicht gesagt, dass er niemand hereinlassen würde? Nervosität und Ärger keimten in ihm auf. Er versuchte diese Empfindungen beiseitezuschieben, denn sie waren LÄCHERLICH. Harry gehörte ihm nicht alleine und er sollte sich für ihn freuen, dass offenbar so viele den kleinen Helden sehen wollten.

Inzwischen hatte er zumindest die Stimmen von Ron und Hermine erkannt. Als eine kleine, funkensprühende Rakete über seinen Kopf hinwegflog, wusste er, dass auch die Zwillingswiesel anwesend waren. Dann erklang ein helles Kichern und Draco versteifte sich unwillkürlich.

Diese alberne kleine Weasley war also auch gekommen.

Natürlich waren sie alle da. Es war Harrys Familie. Draco freute sich wirklich, dass Hermine und Ron offenbar aus St. Mungos entlassen worden waren.

Und doch. Beklemmung griff nach seiner Brust und ein zähes Geräusch entstand in seiner Kehle. Er würgte es müßam herunter. Das dunkle Loch der Einsamkeit brach so plötzlich in ihm auf, dass es ihm kurz den Atem raubte. Zitternd versuchte er sich zu beruhigen. Er würde jetzt nicht heulen, nur weil Harry Besuch hatte und er nicht. Es war alles in Ordnung. Er hatte nur gedacht, er hätte mehr Zeit mit Harry alleine. Nur das war es.

Wütend rieb er sich die Augen und presste die Lippen aufeinander. Was war nur los mit ihm? Irritiert fuhr er sich über Arme und Beine, die sich seltsamerweise etwas taub anfühlten. Mit einem Mal sehnte er sich schrecklich nach Harrys Geruch.

Okay, cool bleiben.

Draco setzte sich leise auf, ordnete sich mit einem Zauber die Haare und führte einen Zahnreinigungszauber aus. Dann wiederholte er das ganze. Er würde jetzt nicht feige sein. Er stand jetzt einfach auf, ging hinüber, begrüßte Hermine und setzte sich zu den anderen an Harrys Bett. Voldemort war durch seine Hand gefallen verdammt, was sollten ihm da ein paar Wiesel antun?

Den Vorhang einen Spalt zur Seite geschoben, sah er seine Vermutung bestätigt. Harry saß aufrecht und strahlend in seinem Bett. Massenhaft Weasleys hatte sich um ihn versammelt und schnatterte fröhlich. Rons Vater hatte in dem Sessel Platz genommen, in welchem Draco gestern gesessen war. Er sah müde aus, blickte Harry aber liebevoll an. Auf der Bettkante saß Hermine, blass und dünn, ihre Hand mit Harrys verschlungen. Ein weiteres Bett war herangeschoben worden, auf welchem die Zwillinge zusammen mit ihrer Mutter saßen. Zu Harrys Füßen saß Ron, den Mund voller Schokofrösche (Offenbar funktionierte Dracos Nachfüllbox noch).

Direkt neben Harry saß Ginny. Harry hatte – Draco kniff die Augen zusammen – ja, Harry hatte einen Arm um sie gelegt. Draco versuchte sein wummerndes Herz zu beruhigen. Das hieß nichts! Der Schwarzhaarige hielt ja auch Händchen mit Hermine.

Sei mutig. Du gehst hin, setzt dich dazu - und alles ist gut.

Draco sagte sich diese Worte noch dreimal in seinem Kopf, bevor er den Vorhang vollends beiseiteschob.

Harry sah ihn als erstes, da ihre Betten sich fast direkt gegenüber standen. Draco lächelte zaghaft und hob die Hand zu einem, wie er hoffte, unverkrampften Gruß.

In diesem Moment küsste Ginny Harry auf den Mund.


Draco taumelte wie unter einem schweren Schlag. Seine Gedanken zerstoben zu Rauch, während das Bild des küssenden Pärchens sich auf seine Netzhaut einbrannte. Aufgeregtes Plappern erfüllte den Raum und Ron war aufgesprungen. Sein breiter Rücken verdeckte die Sicht auf die Harry und Ginny. Draco war unendlich dankbar dafür.

Er schaffte es noch, Hermine zuzunicken, die ihn mit weit aufgerissenen Augen anblickte, bevor er hastig aus dem Raum stolperte.

Als die Türe hinter ihm ins Schloss fiel, zwang er sich zu rennen. Seine Beine protestierten, doch er könnte es jetzt nicht ertragen, hier zusammenzubrechen und dann mit Hermine oder noch schlimmer, irgendeinem Weasley konfrontiert zu werden.

- Luft - war alles, was er denken konnte und er lenkte seine Schritte Richtung Eingangshalle. Aus den Augenwinkeln sah er Hagrid vorbeistapfen, doch er ignorierte ihn.

Seine Brust war inzwischen zu eng, um richtig atmen zu können und er presste die Luft mit angestrengtem Keuchen aus seiner Lunge. Sein Gehirn war vollkommen betäubt und die Marmorstufen zum Eingangsportal schwankten unter seinen Füßen. In der Eingangshalle stand Filch. Draco fluchte innerlich. Natürlich durfte er sich frei im Schloss bewegen, doch er konnte dem Hausmeister jetzt nicht gegenübertreten, nicht in seiner geistigen Verfassung und nicht im Pyjama und ohne Schuhe. Er machte er auf dem Absatz kehrt und nun führten ihn seine Schritte nach oben, immer nach oben.

Stufe um Stufe erklomm er einen Turm, er wusste nicht, welchen. Mehrmals musste er innehalten, seinen Körper gegen die raue, kühle Steinmauer gestützt, um dem stechenden Schmerz in seinem Körper Herr zu werden. Mehr als einmal stolperte er und schlug sich die Knie und Ellenbogen blutig. Dann endlich.

Ein kalter Wind erfasste ihn, als er das Plateau des Turmes erreichte. Hier gab es keine Fenster, nur eine halbhohe Brüstung aus grobem Stein, gegen die Draco sich erschöpft sinken ließ. Gierig sog er die kühle Luft ein und presste sich ganz fest gegen den Fels. Langsam, ganz langsam beruhigte sich sein rasendes Herz. Und ganz langsam begann sein Gehirn wieder zu arbeiten.

Er hatte völlig überreagiert.

Die Erkenntnis stand groß und schmerzhaft vor seinen Augen und er verzog wütend das Gesicht. Wie hatte er nur denken können, er wäre jetzt mit Harry ZUSAMMEN oder so etwas. Merlin.

Hatte er sich die Intimität gestern Abend war nur eingebildet? Hatte Harry es nur zugelassen, weil er überfordert war? Er spürte die Tränen auf seinen Wangen.

Harry nur zu halten - für jemanden da zu sein! - war so neu für Draco und hatte sich verboten gut angefühlt. Aber scheinbar war es für Harry etwas Normales? Obwohl seine Eltern so früh gestorben waren, obwohl die Muggel ihn wie Dreck behandelt hatten, hatte er offenbar etwas geschafft, was für Draco nie möglich gewesen war. Er hatte Freunde und eine Familie, die ihn in den Arm nahm, wenn es ihm schlecht ging. Die ihn trösteten und ihn mit Süßigkeiten fütterten.

Und Draco hatte sich Wunder was darauf eingebildet, so etwas EINMAL mit dem Sonnenschein erleben zu dürfen.

Es hieß nicht, dass Harry ihn nicht mochte, dass war ihm klar. Aber eben auch nicht mehr. Dass sie sich in den Tagen davor geküsst hatten – wie nah sie sich gekommen waren! bedeutete dem kleinen Helden offenbar nicht viel. Glühende Scham brodelte in Dracos Magen. Wie hatte er nur annehmen können…- So etwas passierte ihm doch normalerweise nicht! Er war immer noch Draco Malfoy und kein verdammtes Hufflepuff-Fangirl! Immer und immer wieder hatte er sich selbst gesagt, dass alles eine Ausnahmesituation war. Und doch er fühlte sich in diesem Moment schrecklich verraten. Verraten und hintergangen. Fallengelassen wie eine heiße Kartoffel.

Erneut wurde die Luft um ihn zäh, und mit einiger Verzögerung realisierte er, dass er hyperventilierte. Was war nur los mit ihm? Warum reagierte sein Körper so stark auf seine Enttäuschung? Er wollte über sich selbst lachen, doch ihm war als würge er Rasierklingen.

Dann sank er auf die Knie und kippte zur Seite. Bevor sein Kopf am Boden aufschlug, verstand er plötzlich, was los war.

Dieser verdammte Trank fing an zu wirken.

….

Als Ginny sich von ihm löste sah Harry Sterne. Er blickte in ihre warmen braunen Augen, die im Licht der einfallenden Sonne hoffnungsvoll glitzerten. Ihr Mund war leicht geöffnet und nervös fuhr ihre Zuge über ihre Lippen.

Harry wurde schlecht.

„Ginny…ich…“ Gott, er wollte nicht unfair sein. Er wollte Ginny (und auch alle anderen!) nicht vor den Kopf stoßen. Er war so unendlich dankbar, dass sie gekommen waren. Sein Magen hatte Saltos geschlagen, als er endlich Ron und Hermine in die Arme hatte schließen können.

Aber das hier war falsch!

Ginny bemerkte sein Zögern und blickte nun erschrocken. Ihre Wangen hatten sich gerötet und ihre Augen schimmerten verdächtig. Fuck, wie sollte er aus dieser Nummer wieder rauskommen? Harry suchte Dracos Blick, doch der Slytherin wurde von einem aufgebrachten Ron verdeckt.

Dann hörte er die Türe ins Schloss fallen. Der dumpfe Schlag fuhr ihm bis in die Knochen und plötzlich war alles egal. Ohne weiter nachzudenken, zog er seine Hand aus Hermines, drückte Ginny von sich und stolperte aus dem Bett.

Seine Beine wickelten sich um die herunterhängende Bettdecke und er fiel unsanft vor Freds Füße. Dieser sah ihn mit einer hochgezogenen Braue an und grinste wissend. Harry ignorierte ihn, rappelte sich auf und hastete zur Tür. Gerade als er sie aufstoßen wollte, flogen die beiden Flügel auf und Hagrid stand vor ihm. „Harry!“ donnerte er, und versuchte den Gryffindor in seine prankengleichen Arme zu schließen. Harry wandt sich aus seinem Griff und sah seinen Freund verzweifelt an. „Hagrid! Hast du Draco gesehen?“

Die schwarzen Augen verengten sich erst, dann weiteten sie sich verstehend. „Klar! Er ist gerade Richtung Ausgang gestürmt! Was…-“

„Danke!“

Harry rannte, nein flog die Marmorstufen hinunter. Fast hätte er Filch umgerannt, der den völlig sauberen Boden der Eingangshalle wischte und ihn ansah, als wäre er ein Stück Dreck und nicht DER Retter. Er stürmte an ihm vorbei, schlug das große Schlossportal auf und blieb keuchend stehen. Die Luft war kühler als in den letzten Tagen und die Landschaft wirkte wie frisch gewaschen. Zu seiner Rechten glitzerte der See und die dunklen Tannen an seinem Rand schluckten alles Sonnenlicht. Links von ihm führte ein schmaler Pfad durch das von der Sonne ausgebleichte Gras, an den Gewächshäusern vorbei bis zu Hagrids Hütte. Harry konnte einen Bussard schreien hören.

Keine Spur von Draco.

Plötzlich fühlte er sich ganz schwach. Wohin war der andere gelaufen? In den verbotenen Wald? Das konnte er einfach nicht glauben. Fluchend setzte er sich wieder in Bewegung.


Nichts.
Draco war wie vom Erdboden verschluckt. Harry hatte die Ländereien abgesucht, hatte gerufen und (ein bisschen) geheult. War zum Quiddichstadion gerannt, sogar zur peitschenden Weide gelaufen. Auf dem Weg dorthin hatte sein Herz vor Angst beinahe versagt und er war vor Erleichterung zusammengesackt, als er Dracos Körper NICHT zerschmettert unter den Ästen hatte liegen sehen.

Gerade, als er sich doch in Richtung der düster aufragenden Bäume aufmachen wollte, hörte er seinen Namen rufen. Er wirbelte herum - es war Hermine. Die Haare windzerzaust und mit gerötetem Gesicht kam sie auf ihn zugelaufen. In der Hand wedelte sie mit einem Stück Pergament. Harry benötigte einen kurzen Augenblick, bis er verstand. Die Karte der Rumtreiber.

„Er ist auf dem Astronomieturm!", keuchte Hermine und hielt ihm die Karte hin. Erleichterung und Schrecken durchfuhren Harry wie Blitz und Donner. Warum der Astronomieturm?

„Danke Hermine“, würgte er hervor - und lief wieder los.

Später war er sich sicher, dass er sich noch nie so schnell durchs Schloss bewegt hatte wie in den nächsten zehn Minuten. Und noch nie waren ihm die Treppen so endlos vorgekommen. Endlich, als er den letzten Aufstieg zum Turm erreicht hatte, blieb er stehen. Seine Lunge stach und sein Gesicht glühte vor Anstrengung. Sein Shirt war vollkommen nassgeschwitzt.

Mit einem Mal war er unsicher. Seit dem Kuss mit Ginny hatte er nur daran gedacht, Draco zu finden um diese ganze Sache zu klären. Doch Draco war schließlich nicht ohne Grund weggelaufen. Was, wenn er ihn gar nicht sehen wollte? Wenn er nicht zuhören würde? Ihm nicht glauben?

Harry schnaufte und versuchte das Chaos in seinem Kopf zu ordnen. Er war so schrecklich schlecht in solchen Sachen! Lieber würde er Draco jetzt vor einem Drachen retten, oder einem Werwolf. Aber das? Er dachte an die peinlichen Momente mit Cho. Er hatte bewiesen, dass er ein Trottel in solchen Angelegenheiten war! Was wenn er es schlimmer machen würde?
Ein klägliches Wimmern beendete abrupt seine verworrenen Gedanken. Er stürzte die Treppe nach oben, kam schlitternd auf dem Plateau zum Stehen und erblickte Draco, der sich mit geschlossenen Augen und völlig wirrem Haar gegen eine Wand gekauert hatte.

„Draco!“ Harry realisierte, dass der andere nur mit Mühe die Augen öffnen konnte. Im nächsten Augenblick war er bei ihm und hatte den größeren An den Armen gepackt. „Gott Draco, was ist denn los?“

Der Slytherin war eiskalt und protestierte schwach.

Harry konnte sich nicht erklären was geschehen war. Er hatte gedacht, Draco sei wütend! Und jetzt fand er ihn halbtot am Boden liegen.

Panik kroch sein Rückgrat hinauf und stellte seine Nackenhaare auf. Verzweifelt versuchte er, rational zu bleiben. Unwillkürlich schoben seine Hände den linken Ärmel nach oben, doch das dunkle Mal war weder geschwollen noch bewegte es sich. „Ist es das Mal, Draco?“ fragte er dennoch zur Sicherheit.

Der andere schüttelte unwillig den Kopf und wehrte sich gegen Harrys Griff. Draco war deutlich größer und kräftiger als Harry, allerdings war er so geschwächt, dass Harry ihn mit einiger Anstrengung festhalten konnte. Es brauchte einige Minuten, bis Dracos Körper aufgab und in sich zusammensackte. Harry rauschte das Blut in den Ohren und vor Anstrengung keuchte er stoßweise.

Er spürte Wut in sich aufwallen. Warum war alles schon wieder so dramatisch? Mit einer groben Bemerkung auf den Lippen blickte er in Dracos Gesicht und erschrak. Zorn und Kälte sprangen ihn förmlich an. Die grauen Augen hatten sich in Eis verwandelt, der Mund war ein schmaler Strich.

„Draco, sag mir was los ist!“

„Fick dich, Potter!“

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Entschuldigt den „harten“ Cut, aber das nächste Kapitel kommt ja schon am Samstag oder Sonntag. Eine Rückmeldung freut mich immer sehr : )!
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