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Old Shatterhands Geburtstag

von Onlyknow3
OneshotFamilie, Freundschaft / P16 / MaleSlash
Old Shatterhand Winnetou
08.05.2021
08.05.2021
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Hallo ihr lieben es ist wieder so weit, der nächste Kindheitsfreund und Karl May – Held hat seinen Geburtstag heute am: 08. 05. 2021. Geboren am * 08. 05. 1919 Gestorben am 11. 05. 1973 #.
Deshalb heute zu seinen ehren dem 102ten Geburtstag diesen kleinen Onshot, hoffe das er euch gefällt. Viel Freude beim lesen beim lesen.
LG
Onlyknow3

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Scharlihs Geburtstag
Vor wenigen Tagen war ich von meiner letzten Orientreise zurückgekommen. Ich hatte mit Winnetou besprochen, dass ich erst im Herbst wieder zu ihm kommen würde. Doch gestern kam dieser mehr als kryptische Brief von ihm. Er schrieb mir, dass er mir etwas Dringendes sagen und zeigen müsste. Es wäre ein großes Geheimnis, das er aber nur mir persönlich sagen wolle.
Es wäre nichts Schlimmes, ich würde mich darüber vielleicht sogar freuen.
Mehrfach hatte ich den Brief gelesen und wurde nicht schlau daraus. Um mehr zu erfahren, hatte ich Henry ein Telegramm geschickt, doch von ihm kam nur die Antwort, dass er Winnetou das letzte Mal gesehen habe, als er vor sechs Monaten meinen Sattel und den Anzug brachte. Seitdem waren immer nur seine Boten dagewesen, die für den Stamm einkauften.
Darum hatte ich mich heute mit meinem Verleger getroffen, dem ich mitteilte, dass ich dieser Tage nun endgültig in den Westen auswandern würde und von dort aus schreiben und ihm meine Scripte zusenden würde. Er war damit einverstanden und drückte mir ein größeres Kuvert in die Hand. Beim Zählen der Scheine konnte ich es nicht fassen, es war mehr, als ich erwartet hatte.
„Wundern Sie sich nicht, Herr May, wir haben den ersten Band Ihres Winnetou in Englisch übersetzt und schon die zweite Auflage davon verkauft. Die dritte Auflage befindet sich im Druck.“
Gerade saß ich wieder an meinem Schreibtisch, da klopfte es an der Tür. Es war ein Bote vom Telegrafenamt. Er sagte: „Herr May, dieses Telegramm kam eben für Sie an. Der Schreiber scheint es eilig zu haben.“
„Warten Sie einen Augenblick!“, erwiderte ich aufgeregt und las die Botschaft sofort.

Lieber Scharlih – Stopp
Winnetou hofft, dass Du seinen Brief erhalten hast - Stopp
Bitte komm schnell, Winnetou braucht dich hier - Stopp
Es ist nötiger, als er dir jetzt sagen kann - Stopp
Winnetou erwartet dich voller Sehnsucht - Stopp
Winnetou

„Kam sonst noch eine Nachricht?“
„Nein Herr May.“
„Dann schicken Sie das als Antwort: Bin auf dem Weg – Scharlih – Stopp.“
Der Bote ging, und für mich hieß es, jetzt sofort aufzubrechen. Wenn Winnetou es so dringend machte, musste es im Pueblo schlimm stehen. Dabei war ich nicht mal lange weg gewesen, da ich von New Orleans mit Emery direkt nach Mosul gereist war, wo wir einige Tage blieben, aber dieses Mal ließ ich mich nicht auf Abenteuer ein, es ging nur ums Verabschieden.
Winnetou und ich waren von Nekatama getraut worden, und da wir in New Orleans mehrere Tage auf das Schiff hatten warten müssen, hatten wir da unsere Hochzeitsnacht nachgeholt. Das war jetzt vier Monate her, doch was war es dann, was er mir zeigen wollte? Ich wurde aus dem Brief und Winnetous Telegramm nicht schlau.
So hieß es für mich, den Koffer zu packen, und zwar alles, was ich mitnehmen wollte. Denn ein Zurück hierher gab es für mich nicht mehr. Mein Lebensmittelpunkt würde von nun an im Westen bei den Mescaleros sein, bei Winnetou, dem mein Herz und meine Seele gehörte.
Ich horchte in mich hinein, doch heute hörte ich ihn nicht, er versteckte sich wahrscheinlich, um sein Geheimnis zu wahren.
Jetzt war meine Neugierde erst recht geweckt, weshalb ich mich beeilte. Danach begab ich mich zu meinem Vermieter, der ein trauriges Gesicht zog, als ich ihm den Grund für die Kündigung der Wohnung nannte.
Ich sah mich ein letztes Mal um, ob ich alles hatte. Mein Rasiermesser musste ich noch einstecken, Winnetou mochte meinen Bart nicht, er kratzte ihm zu stark. Was mich schon des Öfteren um einen Kuss gebracht hatte. Am Abend war ich dann frühzeitig am Bahnhof, um mein Zugticket zu holen und meine Schiffspassage zu buchen, auch diese bezahlte ich gleich. Dieses Mal nahm ich mir eine Kabine, um etwas Ruhe zu haben.
Ich betrachtete den Kalender an der Wand. Wenn nichts dazwischen kam, wäre ich zu meinem Geburtstag bei Winnetou im Pueblo. In St. Louis musste ich die Ringe noch holen, die ich noch vor meiner Abreise in Auftrag gegeben hatte und von denen Winnetou nichts wusste.
Auf die Uhr sehend, nahm ich meine große Reisetasche, in der nicht nur meine Kleidung, sondern auch alle meine Waffen lagen. Auch der Tomahawk mit dem Messer, weshalb der Koffer nicht so leicht war wie angenommen, dann verließ ich meine Wohnung – für immer.
So schritt ich zum Bahnhof, immer noch mit dem Versuch, Winnetou über unser inneres Band zu erreichen. Doch es gelang mir nicht, so stur kannte ich den Apachen nun doch nicht, aber gut, er wollte sein Geheimnis hüten, dann würde ich mich eben überraschen lassen.


Über die Zugfahrt nach Hamburg gibt es nichts zu berichten, auch die Reise auf dem Schiff ging ereignislos zu Ende. Das einzige, was ich sagen kann, war, dass ich keine zwei Wochen gebraucht hatte, es waren nur acht Tage gewesen. Als ich an Land ging, spürte ich sofort, dass ich beobachtet wurde, darum ließ ich den Blick über die Umgebung gleiten.
Und wirklich, dort stand Winnetou, doch wie sah er aus? Täuschte ich mich, oder hatte er zugenommen? Er sah gut aus mit etwas mehr Gewicht, mir gefiel er so. Jetzt hatte er mich entdeckt und kam langsam auf mich zu, als ich vom Schiff kam und amerikanischen Boden betrat. Sein liebevoller Blick, und diese Sehnsucht nach Nähe berührten mich tief und weckten dieselben Gefühle in mir. Und was war das: Er lächelte, wirklich, er lächelte mich an!
„Scharlih, mein Scharlih ist gekommen! Nun kann Winnetou sich freuen auf das, was er dir sagen und zeigen will. Aber nicht hier, Winnetou hat ein Zimmer genommen, Scharlih ist doch einverstanden? Scharlih sagt nichts, stimmt etwas nicht? Gefällt ihm der Gedanke mit dem Hotel nicht? Dann lass uns zu den Pferden gehen und wir reiten gleich weiter.“
Irgendwie war Winnetou anders als sonst, jetzt sah ich Tränen in seinen Augen glitzern. Schnell beruhigte ich ihn: „Winnetou, es ist alles gut! Komm, gehen wir erst mal ins Hotel, ich nehme doch an, dass du bei Henry warst und meine Sachen mitgebracht hast?“
Er nickte. So verließen wir den Hafen, um ins Hotel zu gehen, wo ich mich dann auch umziehen konnte. Die Tür zu unserem Zimmer hatte ich gerade hinter mir geschlossen, da hing Winnetou auch schon an mir, und jetzt spürte ich es, er hatte wirklich einen kleinen Bauch bekommen!
„Scharlih ist schon wieder weit fort mit seinen Gedanken!“, beschwerte er sich jetzt.
„Und doch bin ich bei dir, mein lieber Mann. Denn dein Scharlih ist hier bei dir. Wirst du deinem neugierigen Mann jetzt sagen, mit welchem Geheimnis du mich hier hergeholt hast? Es muss ja was äußerst Wichtiges sein, dass du mich abholen kommst?“
„Winnetou wird es Scharlih sagen, doch er sollte sich dazu erst setzen, nicht dass er umfällt, so wie Winnetou, als er es erfuhr.“ Oha, das klang ja gar nicht gut, leichte Unruhe machte sich in mir breit. Wir setzten uns also auf die Couch, Winnetou im Schneidersitz mir gegenüber, und es schien mir so, als ob er nach den richtigen Worten suchte.
„Winnetou weiß nicht, wie er es dir schonend sagen soll, darum sagt er es direkt und hofft, dass es Scharlih nicht schadet. Winnetou ist schwanger, wir werden Eltern.“
Erst sah ich ihn ungläubig an, dann zog ich ihn an mich, fest in meine Arme.
„Bist du ganz sicher?“, fragte ich ihn. „Das sind ja herrliche Neuigkeiten!“
„Nicht so fest, Scharlih! Wir haben nie darüber gesprochen, aber jetzt... Wir werden auf viele Monde an das Pueblo gebunden sein!“
„Psst, alles gut Winnetou, zusammen schaffen wir das. Jetzt habe ich auch eine Überraschung für dich. Es wird keine Reisen mehr geben, ich bleibe für immer bei dir, diesen Entschluss hatte ich schon gefasst, als ich von hier aufbrach. Es war meine letzte Reise, von Halef und Emery, der uns


hier besuchen kommen will, habe ich bereits Abschied genommen, und auch meine Zelte in Deutschland habe ich abgebrochen.“
„Scharlih weiß gar nicht, wie glücklich er Winnetou mit seinen Worten macht! Dann darf er dir zeigen, was er dir zeigen wollte? Scharlih muss mir dazu seine Hand geben.“
Vorher stand Winnetou auf und legte den breiten Gürtel ab, der bisher den Bauch kaschiert hatte, und in der Zwischenzeit hatte auch ich meine Stiefel ausgezogen, um mich anders hinsetzen zu können. Nun setzte sich Winnetou zwischen meine Beine, und lehnte sich leicht zurück an mich, danach griff er nach meinen Händen, um sie auf seinen leicht gewölbten Bauch zu legen. Lange wusste ich nicht, was er damit bezwecken wollte, doch dann spürte ich es, es muss ein Tritt gewesen sein!
„Scharlih hat es gespürt, dass unser Sohn ihm guten Tag sagt?“
„Ja, das habe ich, Winnetou. Leicht nur, doch ich habe es gespürt.“ Das Gefühl war unvergleichlich! Wir bekamen ein Kind!!
„Nekatama und Pauwau sagen, dass die Bewegungen noch zunehmen, je größer das Kind wird. Winnetou ist aber froh, dass Scharlih sich freut. Winnetou hatte erst Sorge, dass dem nicht so wäre, da wir ja annahmen, dass wir nie welche haben würden.“
„Winnetou, ich liebe dich, und ich werde auch unsere Kinder lieben. Dennoch wird es etwas dauern, bis das bei mir so richtig angekommen ist. Ich liebe euch beide, sehr sogar, und ich freue mich darauf, Vater zu werden!“
Was war das, waren das Tränen? Weinte Winnetou? Warum vergoss er Tränen?
„Winnetou, habe ich was Falsches gesagt? Haben dich meine Worte verletzt?“
Doch er schüttelte den Kopf, kuschelte sich eng an mich, das war jetzt das, was er brauchte. Es vergingen noch einige Minuten, ehe er sich wieder gefangen hatte. Als er nun den Kopf hob, konnte ich lesen, was es war, er hatte befürchtet, ich würde ihn und das Kind ablehnen.
Ja, es waren meine Worte, die ihn zum Weinen gebracht hatten, aber nicht weil er traurig war, sondern es waren Freudentränen, die er vergoss, weil er wohl mit allem, nur nicht mit meinem Zuspruch gerechnet hatte. Durch die Aufregung konnte ich unser Kind jetzt sogar noch deutlicher spüren, wie es sich bewegte.
„Wir schaffen das zusammen, so wie wir immer alles zusammen geschafft haben, Winnetou. Ich werde bei euch bleiben, bei dir, den Mescaleros und bei dir und unserem Kind. Daran gibt es nichts mehr zu rütteln, das verspreche ich dir.“
„Winnetou sagt dir danke! Seine Sorge war unbegründet, er hätte dir mehr vertrauen sollen. Verzeih mir, Scharlih, die letzten Wochen waren nicht einfach für Winnetou, als er im Pueblo ankam, hatte er so viel zu tun. Dann war da plötzlich morgens beim Erwachen diese Übelkeit, und als die dann weg war, musste ich mich von den Kochfeuern fernhalten, weil mir die Gerüche nicht bekamen. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und habe Nekatama zu mir gebeten. Doch auch er konnte mir erst nichts sagen. Wenige Tage später saß ich dann am Beratungsfeuer, als mir schwarz vor
Augen wurde, und als ich wieder das Bewusstsein erlangte, stand nicht nur Nekatama an meinem Bett, sondern er hatte Pauwau mitgebracht. Auf meine Frage, warum es der Hebamme bedurfte, kam die Antwort, Winnetou werde sie die nächsten Monde noch brauchen.“
Pauwau erklärte mir dann, dass alles, was die letzten Tage geschehen sei, eindeutig auf eine Schwangerschaft hinwies, die ganzen Symptome hätte jede Squaw, die guter Hoffnung war.“
„Warum hast du mir das dann nicht geschrieben? Ich wäre doch noch viel früher gekommen, Winnetou! Aber egal, ich bin ja jetzt da und weiß jetzt Bescheid und dann ist es gut. Nie wieder lasse ich dich allein, alles was jetzt kommt, machen wir zusammen. Das ist mein Versprechen an euch beide.“
Da meine Hand noch immer auf seinem Bauch lag, konnte ich wieder eine Bewegung fühlen darum schloss ich die Augen und ließ meine Seele sehen. Ja, da war es, es war ein Junge und er würde Winnetou ähnlich sehen, jedenfalls wünschte ich mir das. Als ich meine Augen wieder öffnete, war Winnetou an mich gelehnt eingeschlafen. Darum trug ich ihn hinüber zum Bett und zog ihm die Leggins aus und deckte ihn zu. Wie erschöpft er wohl durch seine Sorge gewesen war, ich könnte ihn und das Kind ablehnen.
Wenig später lag ich neben ihm, hielt ihn im Arm, und in der Nacht kuschelte er sich so eng an mich, dass ich die Bewegung des Kleinen spüren konnte. Es war heller Tag, als ich aufwachte, Winnetou lag neben mir und sah mich an. Er strahlte vor Freude, es schien, als ob ihm gerade erst richtig bewusst wurde, dass ich wirklich da war und ihn nie wieder allein ließ. Ich schenkte ihm erst mal einen Kuss, der ihn seufzen ließ. Ach, da war es wieder, sein Lächeln, wie schön das war! Das hatte ich so sehr vermisst.
Wir genossen den Morgen und ließen uns Zeit. Später machte ich Winnetou den Vorschlag, einige Tage für uns zu nehmen, um unser Glück zu genießen. Darum verließen wir gegen Mittag dann New Orleans und ritten in Richtung St. Louis. Wir jagten über die weite Ebene, als die Häuser endlich hinter uns lagen.
Winnetou war so gelöst und ausgeglichen, es tat richtig gut, ihn so zu sehen. Nichts schien ihn im Augenblick zu belasten, es tat ihm gut, dass ich bei ihm war, das machte ihn frei. Wir gönnten uns zwei Wochen, Winnetou schien es wirklich zu genießen, dass wir endlich mal für uns waren. Als wir an einem dieser Tage aufwachten, lagen neben mir im Gras zwei kleine Päckchen.
„Winnetou wünscht seinem Mann alles Gute zum Geburtstag! Winnetou hat in seinem Kalender den Eintrag gelesen.“
Ich öffnete sie. Das eine war ein Kugelbeutel, den ich jetzt allerdings brauchen würde. Das andere war ein neues Rasiermesser mit wunderschönen indianischen Verzierungen.
„Weiß Winnetou, welches mein schönstes Geschenk ist?“
Als er nun den Kopf schüttelte, sah er mich doch wieder ängstlich an.
„Das bist du, und unser noch ungeborener Sohn. Dennoch freue ich mich auch darüber“ und hielt seine Geschenke lächelnd hoch.


Wir hatten uns zwei Wochen ganz für uns allein gestohlen, doch heute wollten wir weiter nach St. Louis reiten, das nur noch einige Stunden von uns entfernt war. So brachen wir nach dem Frühstück auf und kamen zum Sonnenuntergang dort an. Noch bevor wir in einem Hotel unsere Zimmer bezogen, meldeten wir uns bei Henry.
Nun war auch er beruhigt, als ich ihm erklärte, dass ich ab jetzt nur noch bei den Mescaleros sein würde. Über die Nachricht, dass Winnetou und ich Eltern wurden, schüttelte er erst ungläubig den Kopf. Da wir aber beide ernst blieben, begriff er schließlich, dass wir keinen Scherz machten.
Also gratulierte er uns, zuerst noch sehr verblüfft, aber dann doch mit einem herzlichen Lächeln. Er drückte Winnetou sogar an sich. Danach begaben wir uns ins Hotel und nach dem Essen gingen wir auf unsere Zimmer. Am nächsten Morgen nach dem Frühstück verließ ich das Hotel. Von da ging ich erst zur Bank und danach zum Juwelier, der lächelte, als er mich sah. Sofort holte er die Ringe, und als ich sie sah, kamen mir dann doch fast die Tränen. Ich fand sie wunderschön. Nachdem ich sie bezahlt hatte, steckte ich sie ein.
Wir blieben drei Tage in St. Louis, ehe wir aufbrachen zum Pueblo, auch da ließen wir uns Zeit, wir hatten es nicht eilig. Außerdem machten wir öfter Rast, da ich auf Winnetou mehr Rücksicht nahm als zuvor und er es auch geschehen ließ. Winnetou lächelte jedes Mal, wenn ich schon wieder nach einem Rastplatz suchte, doch sagte er nichts dagegen. Ich wiederum vermutete, dass ihn die weite Strecke doch anstrengte, er das aber von sich aus nie gesagt hätte.
So brauchten wir statt der sechs Tage eben zehn, aber das störte uns nicht. Im Gegenteil. An dem Blick, den Winnetou mir immer wieder zuwarf, sah ich, dass er sich nach wie vor darüber freute, mit mir allein zu sein. Darum kamen wir erst nach insgesamt sechs Wochen im Pueblo an.
Was das für einen Jubel auslöste, als wir zusammen ins Pueblo einritten, brauche ich nicht zu erwähnen! Winnetous Augen glitzerten, ich wusste, wie gerührt und emotional er gerade war, weshalb ich neben ihm halten blieb, dann zog ich ihn zu mir auf Hatatitla, sein Gesicht an meine Brust drückend, damit er sich beruhigen konnte. Ungesehen von allen reichte ich ihm eines meiner Taschentücher, das er sich in den Ärmel des Jagdrockes steckte, erst dann stieg ich vom Pferd.
Winnetou ließ sich nur noch in meine Arme fallen, so standen wir noch einen Moment, erst dann ging es weiter zum Beratungsfeuer zur Begrüßung. Da wurde dann auch besprochen, was die nächsten Tage anläge, zu welchen Stämmen man reiten müsste, und dass ich beschlossen hatte, ab nun für immer bei den Mescaleros zu bleiben.
Den Ritt zu den Stämmen würde ich übernehmen, da für Winnetou mit zunehmender Schwangerschaft diese weiten Ritte nicht mehr machbar waren, schon allein wegen der Gefahr, die unterwegs zu groß für ihn war. Da er mich aber nicht gehen lassen wollte, machte ich den Vorschlag, doch alle Häuptlinge, die etwas zu besprechen hatten, hierher zu uns einzuladen. Lange wurde darüber gesprochen, das Für und Wider abgewogen. Doch am Ende bekam ich recht und so wurden Boten ausgesandt, mit der Nachricht, dass man im Pueblo ein Palaver abhalten würde, und wer etwas vorbringen wollte, konnte kommen und vortragen, welche Sorgen und Probleme er hatte. Von Winnetous Aufgaben im Pueblo übernahm ich mehr und mehr.


In den letzten Wochen hatte ich noch einiges dazugelernt, doch um ja nichts falsch zu machen, besprach ich mich mit Winnetou, der mir auch den einen oder anderen Rat zu allen möglichen Angelegenheiten gab. So lernte ich auch, wie man Pfeile aus verschiedenen Materialien herstellte, und es machte mir richtig Freude, da immer mehr mit hineinzuwachsen und zu erleben, wie die eine oder andere Aufgabe mit jedem Mal leichter wurde.
Auch waren wir umgezogen, in die Räume von Intschu tschuna, da wir dort mit dem Kind mehr Platz haben würden. Das war auch deshalb geschehen, weil mit zunehmender Schwangerschaft für Winnetou das Steigen auf die Plateaus schwerer wurde. So wurde auch unser Schlafplatz erweitert, damit wir weiter nebeneinander liegen konnten.
So verging die Zeit, und ich hatte mich inzwischen informiert, wie wir das Kind auf die Welt bringen würden. Darum war ich noch mal im Eiltempo nach St. Louis geritten, um mich von einem Arzt beraten zu lassen. Der hatte mir auch alles mitgegeben, was wir für einen möglichen Kaiserschnitt brauchen würden. Außerdem hatte er mir ein Buch überlassen, in dem dieser Eingriff genau beschrieben wurde. Gut gerüstet für den Ernstfall saß ich nun also vor unseren Räumen und las das Buch. Pauwau sagte mir, dass es nun nur noch drei Wochen bis zur Geburt seien und fragte, ob ich denn wüsste, wie ein Mann ein Kind gebären solle. Ich erklärte ihr alles, wie ich es in dem Buch gelesen hatte, zeigte ihr die Bilder, und sie nickte. Sie versprach mir zu helfen.
Der Tag der Geburt war für Anfang September errechnet, doch Winnetou fühlte sich nicht mehr wohl, jeden Tag tat es an einer anderen Stelle weh. Dazu kam, dass er ständig Wasser lassen musste, so hatte mir Nekatama Gefäße gegeben, damit Winnetou nicht irgendwann von der Leiter stürzte, da er seine Beine durch den enormen Bauchumfang schon nicht mehr sah.
Gerade saßen wir am Pecos, auch da ließ ich ihn nicht mehr allein. Er war ein sehr guter Schwimmer, aber nicht mehr so beweglich und schnell wie damals, als wir uns kennen lernten.
Winnetou fragte: „Scharlih sitzt heute nur da! Will er nicht auch ins Wasser kommen?“
So tat ich ihm den Gefallen und zog mich aus, um auch ins Wasser zu steigen.
„Scharlih ist richtig braun geworden! Winnetou gefällt das. Wie fühlt sich Scharlih? Ich habe in den letzten Tagen gesehen, dass er sich mit schweren Gedanken quält. Kann Winnetou ihm helfen? Was beschäftigt Scharlih? Kann Winnetou ihm helfen, diese Gedanken loszulassen?“
„Winnetou, meine ganze Sorge gilt dir und unserem Kind. Ich muss dir den Bauch aufschneiden, um unserem Kind auf die Welt zu helfen. Ich bin kein Arzt, habe so was noch nie gemacht. Das ist es, was mich beschäftigt.“
„Scharlih wird das schaffen, da ist Winnetou sich sicher, er vertraut dir, das weiß Scharlih doch!“
„Nekatama und Pauwau werden mir helfen. Jetzt bitte ich dich aber aus dem Wasser, es sieht nach Regen aus.“
„Scharlih macht sich Sorgen, aber mehr als nass kann Winnetou nicht werden.“
„Winnetou weiß, warum ich das sage, wir wissen beide, wie reißend der Pecos wird, wenn es regnet. Also bitte Winnetou, komm aus dem Wasser.“

Winnetou belächelte meine Sorge, dennoch stieg er jetzt hinaus, und bald schon kam die erste Flutwelle angerollt. Ich hatte gerade noch Zeit, die Kanus alle an Land zu ziehen, sonst wären sie fortgespült worden. In der Zwischenzeit hatte Winnetou sich abgetrocknet, und nun zogen wir die Kanus noch weiter herauf, was nun schneller ging, da uns einige Krieger behilflich waren.
Danach brachte ich Winnetou in unsere Räume, damit er sich ausruhen konnte. Kaum dass er lag, schlief er auch schon ein. Aber sowohl Nekatama als auch Pauwau hatten mir erklärt, dass er alles tun dürfte, solange er sich dabei wohlfühlte. So saß ich wieder an dem Buch, schrieb mir einige Notizen heraus, um mir alles besser merken zu können.
Winnetou wälzte sich jetzt unruhig hin und her und so trat ich zu ihm an unser Lager und griff nach seiner Hand. Sofort lag er still, vielleicht träumte er einfach nur schlecht. Doch nach einer Weile drückte er mir die Hand fast schon schmerzhaft. Das hielt einige Momente an, dann entspannte er sich wieder. Ich holte nun meinen Reisewecker aus dem Koffer und schrieb mir die Zeit auf. Eine ganze Weile geschah nun nichts mehr, dennoch blieb ich bei ihm.
Noch war ich mit meinen Notizen nicht ganz fertig, da setzte sich Winnetou mit schmerzverzerrtem Gesicht auf unserem Lager auf. „Scharlih, was ist das? Was zieht so stark in meinem Rücken?“
„Ist es nur der Rücken, wo du es spürst, oder auch im Bauch, da wo unser Kind liegt?“
„Jetzt wo Scharlih es sagt, es zieht dahin.“
„Wir müssen noch abwarten, es könnte sein, dass sich das Kind in das Becken senkt, das nennt man auch Senkwehen, die gehören mit dazu und deuten auf eine baldige Geburt hin.“
„Das alles hat Scharlih aus dem Buch, in dem er seit drei Wochen jeden Tag liest? Dann ist Winnetou beruhigt, auf Scharlih kann er sich verlassen.“
Damit legte er sich wieder hin und war, wie es schien, wieder eingeschlafen, doch dieses Mal lag er auf der Seite, mir zugewandt. So blieb ich sitzen, und kurze Zeit später brachte Mineota das Essen. Ich bat sie, Pauwau und Nekatama Bescheid zu sagen, und sie nickte nur. Sie wusste warum, war sie doch auch vor einigen Wochen erst wieder Mutter geworden.
Ich weckte Winnetou, doch er wollte nichts essen, nur trinken. Ich ließ ihn gewähren, er war erschöpft und schlummerte wieder ein. Plötzlich griff er nach meiner Hand. Er sah mich erschrocken an, was hatte er?
„Scharlih, ich spüre das Kind nicht mehr, was ist da passiert?“ Schnell holte ich die Hebamme und den Medizinmann.
„Das Kind will kommen, es macht sich auf die Entbindung bereit. Unser Häuptling sei ohne Sorgen“, sprach da Pauwau. „Ungeborene werden oft ganz still, wenn sie sich für die Geburt bereitmachen. Winnetou sollte jetzt tief einatmen, damit das Kind genug davon bekommt.“
Pauwau tastete Winnetous Bauch ab, während er das Gesicht verzog.
„Seit wann hat der Häuptling dieses Ziehen?“


„Es begann vor drei Stunden, mit großen Unterbrechungen. Müssen wir schon alles richten, oder dauert es noch?“
„Old Shatterhand sollte schon alles vorbereiten. Auch Nekatama sollte seinen Schlaftee richten, damit auch dieser bereit ist.“
„Wir werden viel Wasser brauchen, zum einen, um das Messer zu reinigen, zum anderen, um unsere Hände zu waschen, dann brauchen wir Tücher und Tupfer, um das Blut abzuwischen.“
Alles andere hatte ich in meiner Satteltasche, die holte ich mir jetzt aus dem Regal und legte alles so hin, dass es nur eines Handgriffes bedurfte, um alles parat zu haben. Der Arzt hatte mir außerdem Nadel und einen Faden zum Verschließen der Wunde mitgegeben. Dann hieß es warten, es zog sich hin und sah erst einmal nicht danach aus, dass es weitergehen würde. Winnetou hielt meine Hand, jetzt drückte er sie so fest, dass ich wusste, er hatte wieder eine Wehe, wieder schrieb ich mir die Zeit auf.
Viertelstündlich kamen die Wehen, und Pauwau sagte mir, dass wir erst eingreifen dürften, wenn die Abstände kürzer waren. Das wurden sie aber nur langsam, und es dunkelte draußen bereits, als sie immer noch im Abstand von zehn Minuten kamen.
Ich war auf eine schlaflose Nacht gefasst, wir hatte auch mehrere Kerzen besorgt, damit ich dann genug Licht hatte, wenn ich den Schnitt setzen musste. Bis zehn Uhr zog es sich hin, Winnetou lag auf der Seite, wie schon die ganze Zeit über. Bisher war noch kein Ton der Klage über seine Lippen gekommen, einzig am Drücken meiner Hand spürte ich, was in ihm gerade vorging.
Als meine Uhr halb elf zeigte, drückte Winnetou meine Hand so fest, dass ich befürchtete, er würde sie zerdrücken, das waren sieben Minuten zur letzten Wehe. Von da an kamen sie immer schneller und es wurde Zeit, das Wasser zu erhitzen. Kangee bereitete alles vor, auch Seife zum Händewaschen war vorrätig.
„Scharlih, kann er mir helfen?“
So reichte ich ihm das Gefäß, in das er sich erleichterte. Als ich ihn reinigte, sah ich Blut, woraufhin mir Pauwau eine Hand auf die Schulter legte. So wusste ich, dass es dazugehörte und machte mir keine weiteren Gedanken darum.
Eine weitere Stunde später schlief Winnetou durch den Tee, Kangee saß am Kopfende, um auf die Atmung zu achten, und darauf, dass der Häuptling mir mit seinen Händen nicht in die Wunde fasste, falls er doch vorzeitig aufwachen sollte.
Nach mehrmaligem Ein- und Ausatmen setzte ich den Schnitt drei Fingerbreit unter dem Bauch. Das war die richtige Stelle, und es gelang mir. Nekatama kniete neben mir, wischte mir immer wieder den Schweiß von der Stirn. Meine Uhr, die neben mir lag, zeigte Mitternacht, als unser Sohn seinen ersten Schrei von sich gab, er sollte „Kishi“ heißen, wenn Winnetou einverstanden war.
Jetzt half mir Nekatama erst einmal, das Blut zu stoppen nach dem die Nachgeburt sich gelöst hatte, danach begann ich die erste Hautschicht zu nähen, während Nekatama sich auflösende Kräuter in die Wunde brachte, um Entzündungen zu vermeiden. Unterdessen war Pauwau damit beschäftigt, den Knaben zu waschen und zu wickeln.

Eben brachten wir den Stützverband an, als Winnetou aus seiner Betäubung erwachte. Sein Blick suchte den meinen, so griff ich nach seiner Hand, mein Lächeln beruhigte ihn anscheinend, denn er schloss die Augen gleich wieder. Doch als er das Wimmern hörte, riss er sie wieder auf. Da reichte Pauwau uns auch schon den Kleinen. „Kishi“, flüsterte Winnetou mit Tränen in den Augen. „Unser Sohn soll Kishi heißen.“
„Das war auch mein Gedanke, Winnetou. Weißt du eigentlich, wie sehr ich euch beide liebe, und was für ein schönes Geschenk du mir heute gemacht hast!“
Den Kleinen in seine Arme nehmend, schloss Winnetou die Augen und war wenig später eingeschlafen, das Baby ruhte genauso friedlich auf seiner Brust und ich strich ihm sanft über das noch feuchte schwarze Haar. Ich konnte es kaum fassen, es war alles gut gegangen und wir hatten einen Sohn!
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