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Nur einen Moment

von ailimaFaL
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Dr. Martin Gruber Dr. Roman Melchinger Elisabeth Gruber Hans Gruber Lilli Gruber OC (Own Character)
07.05.2021
19.05.2021
3
2.918
 
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08.05.2021 1.080
 
Die Nacht fühlte sich sehr kurz an, und am liebsten würde sie weiter schlafen. Doch es war bereits kurz nach  12 Uhr. Auf dem Hof hätte sie niemals so lange schlafen können. Schon gar nicht jetzt, wo Oma sich doch schonen muss. Sie hat sich wieder mal überanstrengt, und sich eine kleine Erkältung zugezogen.  Obwohl sie als Sturkopf bekannt war, wenn Martin etwas sagt, dann sollte man damit nicht scherzen. Denn Martin kann gemein werden, wenn man sich nicht an seine ärztlichen Anweisungen hält.  Das hat Lilli bereits aus nächster Nähe erfahren dürfen.  

Bevor sie aber abreist, und sich mit ihren Koffern auf den Weg zum Bahnhof macht, entscheidet sie sich noch für einen kleinen Spaziergang. Von ihren Freunden hat sie sich bereits verabschiedet, und sich für die tollen Tage bedankt.


Während sie durch die kleine Allee spaziert, und dem trockenem Laub lauscht, welches sich über den gesamten Weg gebettet hat und ein schönes Geräusch gibt bei jedem Schritt abgibt, muss sie sich eigestehen das die Luft in Tirol um einiges besser ist. Die Sonnenstrahlen kämpfen sich an vereinzelten Stellung durch die dichten Baumkronen, und hinterlassen einen schönen Schimmer.
Ein Stück weiter vorne, auf einer Parkbank sitzt eine zarte Person.  Bei genauerem hinsehen, erkennt Lilli das es sich um das Mädchen von gestern handelt. Sie sitzt ruhig da mit einem Blatt in der Hand, welches sie in kleine Stücke zerteilt.

"Hey." spricht Lilli sie an und jagt ihr einen kleinen schrecken ein.
"Hallo." murmelt sie, und wartet auf die Reaktion. In ihren Augen war Lilli eine Touristin, welche sich verirrt hat und nach dem Weg fragt. Oder einfach eine furchtbar nette Person, die sie in kürze fragen wird, ob noch Platz auf der langen Bank wäre. Als hätte sie keine Augen im Kopf.
" Ich glaube ich hab dich gestern im Freizeitpark gesehen..."fängt Lilli an, und setzt sich zu ihr.  

Eine vereinsamte Touristin also, das kann sie gerade gar nicht gebraucht, im Grunde genommen kann sie das nie gebrauchen. Da es aber die Höflichkeit erfordert, setzt sie sich jetzt ordentlich hin.
" Ja kann gut sein, gestern waren ja alle im Prater..." ihr war nicht ganz klar worum es genau jetzt geht. Sie hatte gestern hunderte von Menschen gesehen, die Touristin wird doch nicht von ihr verlangen sie wiederzuerkennen. Schnell lässt sie den gestrigen Tag nochmal abspielen, aber ihr würden keine bemerkenswerten Ereignisse einfallen.

Die Augen des jungen Mädchens waren immer noch etwas errötet, die Augenringe blieben ihr über die Nacht. Sie macht generell keinen fitten Eindruck.  

"Ich habe dich gestern bei einem Imbiss sitzen sehen, und wollte dich fragen ob es dir gut geht. Aber ihr wart dann so schnell weg..." erklärt sich Lilli.
"Ja, wir müssen um 23:00 in der Anlage sein. Gestern war eine Ausnahme, da mussten wir unseren tollen Feiertag gemeinsam im Prater absitzen. " schnauft sie. Dabei wäre sie viel lieber in ihrem Bett geblieben, und hätte am liebsten den Tag verschlafen.
" Du bist aber nicht aus Wien, oder?" fügt sie beiläufig hinzu.
Lilli schüttelt ihren Kopf, " Nein. Ich komme aus Tirol, aus Ellmau. Meine Familie hat dort einen Hof." erklärt sie.
Das Mädchen nickt nur, sie ist nicht geübt in der Kommunikation mit fremden Leuten. Schon gar nicht wenn sie den Grund nicht weiß. Fragen kann sie gut beantworten, und hilft gerne Menschen weiter mit ihren Wissen, aber Small-Talk mit Fremden war dann doch außerhalb ihres alltäglichen Lebens.

"Ich bin die Lilli!" mit entgegengestreckter Hand wartet sie darauf den Name der Unbekannten zu erfahren. Zögernd streckt sie schließlich auch ihre Hand entgegen, und drückt sie leicht. " Lucy." murmelt sie.
Sie werden von einem Jogger unterbrochen, der sich alle Mühe gibt nicht umzukippen. Das röchelnde Stöhnen das er von sich gibt, schallt noch lange nach , bis es immer leiser wird und auch der Jogger hinter Bäumen verschwindet.

"Was man nicht kann sollte man besser lassen." wirft Lucy schulterzuckend in die Stille. Sie kennt den Mann, welcher sich  hier jeden Tag um die selbe Uhrzeit abmüht. Seine Kondition lässt zu wünschen übrig, und er scheint sie auch nicht zu verbessern. Armer Kerl.
"Naja, ich denk das jeder Mensch alles kann, manche besser andere nicht so gut. Ob man es trotzdem probiert, darauf kommt es doch an..." kontert Lilli.
Sie unterhielten sich noch ein wenig über das Für und Wieder solcher Situationen. Und über die Herkunft von Lucy.
Das sie in einer betreuten Wohngemeinschaft wohnt, weil sie ihre Eltern verloren hatte. Bis Lilli plötzlich wie von Bienen gestochen aufspringt." Oh Man. mein Zug fährt in einer Stunde!"  ruft sie panisch.
Die Vorfreude gegenüber ihrer Familie schwindet ein wenig, sie würde viel lieber weiter bei Lucy bleiben. Sie haben viel mehr gemeinsam als sie anfangs dachte, und in den wenigen Stunden, trotz der ernsten Themen viel Spaß gehabt.
"Soll ich dich begleiten?" fragt Lucy sie lächelnd. Dankbar nahm Lilli dieses Angebot an.
Am Bahnhof angekommen, bleiben ihnen noch etwa zehn Minuten.
" Du kannst mich ja mal in Ellmau besuchen kommen, wir haben nen großen Hof, da findet sich bestimmt ein Platz für dich. Oder du kannst bei Susanne im Gasthof übernachten, dann kann ich dir mal mein Dorf zeigen, und du bist die ahnungslose Touristin. " beide lachen laut auf.
"Das klingt verlockend, leider darf ich nicht einfach so wegfahren. Schon gar nicht kurzfristig. Ich dachte schon an abhauen, aber mit der Grippe komm ich nicht weit. Ich fühle mich als könnte ich jeden Moment einschlafen." witzelte sie.

Der Zug fährt ein, und die beiden Mädchen nehmen sich einmal in den Arm. Dann steigt Lilli, auch wenn etwas wehmütig in den Zug, der sie in ihre Heimat bringt.

Die Fahrt über dachte sie an Lucy. Obwohl sie sie kaum kennt, fühlt sie sich so sehr vertraut an. Anfangs war sie so schüchtern, und fast schon abweisend. Sie hatte nie gedacht, das sie so viel Spaß haben könnten. Mit welcher Leichtigkeit sie Lilli zum lachen brachte, und für jede Situation etwas passendes zu sagen hatte. Trotzdem hatte sie sich eigebildet, etwas Einsamkeit zu fühlen. Sie scheint nicht viele Freunde zu haben, und bezeichnete sich selbst als "Menschenumgeher". In großen Menschenmassen, oder bei Fremden bekommt sie Panik, so hätte sie es Lilli anvertraut. Das sie sich nicht wohl fühlt wo sie gerade wohnt, das ist doch furchtbar.
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