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All The Way Down

von mindfire
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Action / P16 / Gen
07.05.2021
13.10.2021
3
4.620
1
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07.05.2021 1.567
 
Hallo ihr Lieben,

ich habe seit Jahren nicht geschrieben. Nun will ich mich wieder versuchen. Lasst mich wissen, ob ihr mehr wollt.

Viel Spaß

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Ich drehe meinen Kopf und spüre die Nackenwirbel knacken. Ein kurzer Blick durch das Visier um mich zu vergewissern, dass sich mein Ziel immer noch an Ort und Stelle befindet.

Dort sitzt ER, Darius Marinow. Mit diesem selbstgefälligen Blick und dem süffisanten Grinsen. Auf einer riesigen grauen Eckcouch, zwischen seinen Lemmingen, die alles dafür tun nur um etwas von seinem Ansehen abzubekommen und irgendwelchen knapp bekleideten Callgirls und Stipperinnen. Ich kneife die Augen zusammen und mache ich mir noch einmal bewusst, warum ich das hier immer noch tue.

Vor meinen Augen taucht seine Anzeige auf.

Darius Marinow

Geboren am 17.04.1972 in Minsk, Weißrussland

Status:    US Amerikanischer Staatsbürger

   Seit 01.05.1991

Vorstrafen:

Keine Eintragung   -


Durch Auftraggeber nachgewiesene Straftaten:

   Menschenhandel

   Freiheitsberaubung

   Verkauf und Konsum div. illegaler Substanzen

   vorsätzliche und fahrlässige Tötung

   vorsätzliche Körperverletzung

   Organhandel

Auftraggeber: Unbekannt

Belohnung: 1 Millionen US $


Dieser Mann, der dort sitzt und sich selbst feiert, als wäre er Gott, ist niemand anderes als eines der Schweine, die hier in New York die Strippen ziehen, wenn es um Menschenhandel und Drogen aller Art geht. Unzählige Menschenleben hatte er auf dem Gewissen und wenn ich ihn jetzt nicht stoppen würde, würde dies niemals enden. 1 Millionen Dollar waren auf seinen Kopf ausgesetzt. 1 Millionen Gründe für DAS hier. 1 Millionen, die Ich sehr gut gebrauchen konnte um irgendwann ein ruhiges und normales Leben führen zu können. Doch bei so einem Schwein hätten mir auch wesentlich weniger ausgereicht, denn diese Menschen hatten es nicht verdient, überhaupt in der Nahrungskette aufzutauchen.

Von meinem Standpunkt aus, hier auf dem Balkon einer von mir unter einem Decknamen angemieteten Luxus Suite, im 74. Stock des Four Seasons Hotels im 30. Park Place Tower, habe ich einen perfekten Blick auf sein Loft in der Spitze des Woolworth Buildings. In dieser luftigen Höhe, zwischen seinen Kleiderschränken, die er Bodyguards nennt, fühlt er sich sicher und ahnt nicht, was auf ihn zukommt.

Ich öffne meine Augen und atme tief durch bevor ich mein Ziel ein letztes Mal durch meine G22 anvisiere. Die offene Balkontüre und die halb offenen Vorhänge machen es mir mehr als nur leicht ihn genau anzupeilen. Durch den leichten Wind, ist der Vorhang permanent in Bewegung und verhindert, dass mein aufgeklapptes Visier spiegelt und mich womöglich verrät, bevor ich fertig bin.

Ein letzter tiefer Atemzug, die Augen weit geöffnet, drücke ich den Abzug. Der Schalldämpfer verhindert, dass die Bodyguards den Schuss über diese Entfernung frühzeitig hören und mir einer von ihnen in die Flugbahn rennt. Die nach oben gerichteten Bohrungen im Mündungsaufsatz, reduzieren zwar den Rückstoß, können aber nicht ganz verhindern, dass ich mein Ziel für eine Sekunde aus den Augen verliere. Eine Sekunde nach dem Schuss habe ich zur Kontrolle mein Ziel wieder im Blickfeld. Treffer. Knapp über dem rechten Auge sehe ich kurz das Eintrittsloch, bevor mir einer seiner Gorillas die Sicht versperrt. Die Frauen laufen panisch und kreischend durch den Raum, während die Bodyguards mit geladenen Waffen im Anschlag versuchen mich irgendwo in den Fensterreihen des Gebäudes, in dem ich mich befinde, ausfindig zu machen.

Ich atme schwer aus und klappe das Visier zu. Im Schutz der Balkonbrüstung baue ich eilig meine Waffe auseinander und verstaue sie in meinem kleinen schwarzen Trolley. Geduckt gehe ich zurück in das dunkle Hotelzimmer und bewege mich direkt auf die Tür zu.

Nachdem ich die Suite gegen Mittag bezogen hatte, hatte ich mich meiner aschblonden Echthaarperücke, unter der es mit dem Haarnetz langsam wirklich heftig anfing zu jucken und meiner High Heels entledigt. Ich setzte mich an den großen Kirschholzschreibtisch, der direkt vor einem der riesigen Gardinen behangenen Fenster stand. Das Haarnetz ließ ich allerdings dort wo es war, um keine ungewollten DNA Spuren, in Form von meinen schulterlangen schwarzen Haaren dort zu lassen.

Ich zog meinen Laptop aus dem Koffer um meine Spuren auf den Kameraaufnahmen der öffentlichen Verkehrsmittel, der Straßen und des Hotels verschwinden zu lassen. Die Aufnahmen überschrieb ich mit denen des letzten Tages und heftete direkt einen PostIt an den Bildschirm, um nicht zu vergessen, nach getaner Arbeit, meine Reservierung aus dem Hotel Computer zu löschen. Um mir die Zeit bis zum Eintreffen der Zielperson, so gegen 21 Uhr,üöö in seinem Loft zu vertreiben, setzte ich mich auf die riesige rote Couch und zappte durch die Kanäle.

Die Suite besaß zusätzlich zum Wohnbereich drei Schlafzimmer, ein kleines und ein großes Bad. Die Wände und der Teppich waren in einem hellen Cremeton gehalten und die Möbel in einem dunklen Nussholz.

In so edlen Umgebungen hielt ich mich bei meinem Job eher sehr selten auf. Meistens erledigte ich meine Jobs in dunklen Gassen oder auch im Dreck liegend hinter einem Hügel, je nachdem was meine, meist über Wochen verlaufende, Vorort Recherchen ergaben. Dieses Mal war es eben eine wunderschöne Suit in einem der größten Wolkenkratzer New Yorks, da sich Mr. Marinow eher selten in der Natur oder ähnlichem aufhielt und natürlich schon gar nicht ohne seine Bodyguards flächendeckend um sich herum zu verteilen.

Für die anderen Zimmer außer dem Wohnbereich, interessierte ich mich reichlich wenig, denn es sollte den Anschein erwecken, als wäre ich nie hier gewesen. Auch, wenn ich mich nur zu gerne in eines der riesigen weichen Betten geworfen hätte, um ein paar Stunden zu schlafen oder auch einfach nur dort zu entspannen. Auf die Toilette zu gehen vermied ich in den meisten Fällen. Für den Notfall hatte ich allerdings immer eine Flasche Bleiche dabei, um auch nur die winzigsten Spuren verschwinden zu lassen. Und natürlich trug ich permanent feine schwarze Lederhandschuhe, um keine Fingerabdrücke zu hinterlassen.

Im Wohnbereich setze ich mich noch einmal an meinen Laptop und lösche meine Reservierung. Ich bereite noch einmal die Löschung der Kameraaufnahmen vor, klappe den Laptop wieder zu und stecke ihn zur Waffe in den Koffer. Ich ziehe meine High Heels an, die ich vorsorglich immer ausziehen, um im äußersten Notfall schnell verschwinden zu können und natürlich um nicht den ganzen Tag damit umherlaufen zu müssen, richte vor einem der großen Spiegel im Flur, meinen schwarzen Stiftrock, meine pinke Bluse, den schwarzen Blazer und setze meine Perücke wieder auf. Kurz überprüfe ich, ob die Polsterung an meinem Hintern und meiner Oberweite noch an Ort und Stelle sitzt und kontrolliere noch einmal meine Beretta, die in einer eingenähten Tasche in meinem Blazer steckt, bevor ich meinen Trolley hole und noch einmal den roten Lippenstift nach ziehe. Als letztes sehe ich mich noch einmal im Zimmer um, kontrolliere, ob ich etwas vergessen habe und öffne nach einem tiefen Seufzer die Tür. Vorsichtig werfe ich einen Blick in den Flur und vergewissere mich, ob jemand dort ist. Als ich niemanden entdecke, gehe ich vorsichtig aus der Tür, ziehe sie hinter mir zu und spaziere zu den Aufzügen.

Ich höre, wie zwei männliche Gäste, scherzend hinter mir aus ihrer Suite heraus treten. Jeder Muskel in meinen Körper spannt sich automatisch an. Bereit, jeder Zeit meine Beretta aus der Tasche zu ziehen. Ich senke den Kopf und ziehe die Haare etwas ins Gesicht. Das hatte mir gerade noch gefehlt, Menschen die mich im Ernstfall beschreiben könnten. Auch wenn ich in meiner Verkleidung nicht ansatzweise aussehe, wie im realen Leben, macht mich so etwas doch immer ein wenig unsicher. Doch es hilft alles nichts, ich stehe nun hier und kann mich nirgends verkriechen, ohne unnötig aufsehen zu erregen. Ich atme tief ein und straffe die Schultern, damit meine Körperhaltung wieder das ausstrahlt, was mein Aussehen aussagen soll. Selbstbewusstsein, Arroganz, Oberflächlichkeit. Geschäftsfrau auf der Durchreise.

Die Fahrstuhltür öffnet sich mit einem *Pling*. Gefolgt von den beiden Männern trete ich ein und bleibe direkt vorn links an der Tür stehen, damit die Herren mein Gesicht nicht länger sehen als nötig. Als sie an mir vorbeigehen, werfe ich einen kurzen Blick zur Seite, um mir einen Eindruck von ihnen zu verschaffen. Beide sind etwas älter, ca. 55 bis 60. Anwälte, Bänker, Geschäftsleute auf dem Weg in die Bar, wenn ich richtig liege. Oder auf dem Weg zu einem späten Abendessen. Sie grüßen mich höflich und ich lächle knapp nickend zurück. Die Fahrstuhltür schließt sich. Die gesamte Fahrt hinunter in die Lobby fühle ich ihre Blicke auf mir. Keiner redet ein Wort. Ich kann mir gut vorstellen wie sie sich gegenseitig mit den Ellenbogen anstoßen wie kleine Jungs und sich über meinen wohlgeformten, ausgestopften Körper freuen. Ich streiche mir durchs Haar, weil ich nicht weiß, was ich sonst mit meinen Händen machen soll. Die Fahrt fühlt sich wie eine Ewigkeit an. Ich will doch nur endlich aus diesem Hotel raus und erst recht aus der Gefahrenzone. Als ich auf die Anzeige schaue, sind wir auch schon in der Lobby angekommen. Ich schnappe mir meinen Trolley und gehe etwas zu hastig auf die Schwingtür zu. Einfach nur raus hier. Der Portier hält mir die Tür auf und verabschiedet mich freundlich. Ich nicke ihm höflich im Vorbeigehen zu und bleibe kurz vor der Tür stehen.

Als ich nach rechts schaue, sehe ich wie 3 große, breite, in Schwarz gekleidete Männer aus der Lobby des Woolworth Buildings stürmen und in meine Richtung rennen. Ich ziehe meine Perücke ins Gesicht und gehe ruhig und unauffällig, meinen Koffer hinter mir herziehend, nach link, in Richtung der nächsten U-Bahn-Station.
 
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