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eagle eye

von Foody
Kurzbeschreibung
GeschichteSchmerz/Trost / P16 / Gen
Alvin Olinsky Hailey Upton Henry "Hank" Voight Jay Halstead
07.05.2021
04.02.2023
378
512.035
19
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
24.01.2023 3.240
 
Gerade als Voight hinter dem Krankenwagen Richtung Krankenhaus startete, klingelte sein Telefon. Ein Blick auf den Anrufer ließ ihn Böses erahnen. „Atwater, was ist los?“

„Ich konnte Hailey nicht erreichen, aber ich wollte jemandem Bescheid geben, dass sie Jay gerade ins MRT stecken. Sie vermuten wohl eine Halswirbelverletzung.“, berichtete Kevin besorgt. Er bezweifelte, dass Will in seiner Besorgnis um Jay daran gedacht hatte, Hailey zu informieren.

Voight atmete tief durch. Der Junge machte wirklich keine halben Sachen. „Serge? Können sie Hailey informieren?“, fragte Kevin, dem nur Stille entgegen schlug. Voight räusperte sich. Er musste sich zusammenreißen, dass er nicht wütend jeden anging.

Es ärgerte ihn verdammt doll, dass sie Pigston verpasst hatten und ihm damit eine weitere Möglichkeit eröffnet hatten erneut zuzuschlagen. Wären sie nur etwas früher gestartet, hätten sie ihn vielleicht noch bekommen und Flip hätte…

Er stoppte seine Gedanken an dieser Stelle. Es brachte nichts mehr, das 'Was wäre wenn' -Spiel zu spielen. Vielmehr sollte er sich auf die Zukunft konzentrieren und die stand für ihn ohne Zweifel fest: Er würde Pigston fertig machen, sobald er ihn hätte. Pigston war zu weit gegangen mit allem. Es war Zeit dem endlich ein Ende zu setzen.

„Machen wir.“, erklärte Al jetzt und warf Hank einen besorgten Blick zu. Ihm gefiel gar nicht, dass er die Zornesfalte auf Hanks Stirn sehen konnte.  Das hieß normalerweise nichts Gutes und bei Hank konnte das zu gefährlichen und unüberlegten Dingen führen, wie das eine Mal, als Jay ihn davon abhielt einen Täter gefesselt im Fluss zu entsorgen.

Hank schüttelte sich aus seinen Gedanken. Er musste Kevin noch warnen: „Hey Atwater, halt die Augen jetzt dreifach auf. Ich befürchte Pigston könnte auf dem Weg zu euch sein.“

„Ja, Adam hat schon angerufen und Kim hat auch geschrieben. Wir stehen direkt vor dem MRT, hier kommt gerade keiner rein.“, beruhigte ihn Kevin.

„Mist, Kim…“, fluchte Voight, dem gerade Kims Ausruf einfiel, bevor die ganze Sache mit Flip passiert war. Er trat gleich noch stärker auf das Gaspedal, während er erklärte: „Geh davon aus, dass Pigston einen Komplizen hat, der für das Krankenhaus arbeitet. Ich versuche gleich mehr heraus zu bekommen.“.

Im gleichen Atemzug wie er auflegte, wählte Al auch schon Kims Nummer und machte den Lautsprecher an. Noch ehe sie sich melden konnte, begann Voight zu fragen: „Wer ist der Typ aus Pigstons Akten, der im Krankenhaus arbeitet?“

Kim zuckte erschrocken z.usammen. Sie hatte das Thema über die Aufregung um Flip völlig vergessen.. „Der Hilfshausmeister Karl Sanchez oder nein warte.… er heißt Carlos Sanchez.“, schoss sie sofort heraus.

Wenn Voight gehört hatte, wie erschrocken sie gerade war, dass sie das vergessen hatte, dann sagte er jedenfalls nichts dazu. Stattdessen war er völlig auf die nächsten Aufgaben fokussiert.

„Ruf Atwater an und dann Will, der weiß vielleicht wie der Typ aussieht und kann Atwater warnen, wenn er auftaucht. Fahrt zurück zum Revier und gucke die Akten weiter durch, ob noch jemand heraussticht, der gerade akut gefährlich werden könnte für Jay oder die anderen Zeugen. Wir fahren ins Krankenhaus und suchen den Typen .“

Kaum hatte Voight aufgelegt, stöhnte Kim entsetzt auf: „Oh Gott, wie konnte ich das vergessen?“. Sie war so sauer auf sich. Was war, wenn Jay jetzt etwas passieren würde, nur weil sie zu langsam gewesen war, jemanden zu warnen?

Adam konnte ihre spiralenden Gedanken geradezu hören. „Kim…“, flüsterte er und legte seine Hand auf ihr Bein. Doch Kim schüttelte nur mit dem Kopf und wählte Kevins Nummer. Erst einmal durfte sie keine weitere Zeit verplempern, dann konnte sie immer noch ausflippen. Adam ließ dennoch beruhigend seine Hand über ihr Bein streichen.

Kevin zog die Stirn kraus, als er Kim Ausführungen am Telefon hörte. „Der Hausmeister?“ Er stieß Sean mit der Hand an: „Ist er etwa zwischen 50 bis 60 Jahre alt, hat schwarzes lockiges Haar, ist etwas fülliger im Gesicht und ist relativ klein?“

Sean sah amgespannt auf. „Kev!“ Er nickte zur anderen Seite des Flures, an dem besagter Mann stand und mit Will sprach.

„Er ist hier!“, flüsterte Kevin und legte unmittelbar auf. Seine Hand ging sofort zu seiner Waffe. Auch Sean hatte seine bereits gezogen. Beide rannten sie zu Carlos, der vor etwa fünf Minuten Will angesprochen hatte und nun mit ihm vor einem Fenster stand und sprach. Wie im Chor brüllten sie: „Chicago PD, nehmen sie die Hände hoch.“

Erschrocken riss Carlos sofort die Hände hoch. Doch Will schob sich vor ihn. „Nicht! Er ist ein Freund.“ „Nein, ist er nicht Will! Er wird von Pigston erpresst. Geh aus dem Weg!“, brüllte Kevin.

Entgegen Kevins Erwartung sah ihn Will jedoch nicht im Geringsten erstaunt an, sondern nickte nur: „Ja und er war gerade da, um mir das zu erzählen.“

„Was?“, fragte Kevin nunmehr überrascht.
„Nehmt die Waffen runter, Kevin. Er wollte mich gerade warnen, dass…“

Im Augenwinkel sah Kevin wie seitlich hinter ihm auf einmal die Tür aufging. Kevin handelt sofort und riss die Waffe in diese Richtung, in der Vermutung, dass jemand durch die hiesige Ablenkung gerade versuchte zu Jay zu kommen.

„Woah!“, brüllte jedoch April und riss jetzt auch die Hände hoch. „Ich… ich wollte nur Jay herausholen. Wir sind jetzt fertig.“

Kevin schlug der Puls bis zum Hals. Das hier ließ definitiv sein Herz schneller schlagen. Schnell ließ er die Hand, in der er die Waffe hielt, wieder herunter sinken. „Entschuldige  April.“ Die nickte nur eingeschüchtert. Der Schreck saß auch ihr noch in den Gliedern.

Kevin wandte sich wieder Carlos zu, der nunmehr neben Will stand, doch noch immer Seans Waffe auf sich gerichtet vorfand. „Ich schwöre, ich würde Jay niemals etwas antun. Er hat meine Frau einmal gerettet. Ich verdanke ihm das Leben meiner größten Liebe.“

Unsicher blickte Sean zu Will, der eifrig nickte. Kevin deutete Sean an, die Waffe wieder weg zu stecken und zeigte auf die Stühle vor dem MRT: „Okay, setzen sie sich und erzählen sie, was hier vor sich geht."

Karlos stieß Will an. Auch wenn er wirklich aufgeregt war und froh war, dass Will ihm zur Seite stand, hatte er Wills nervösen Blick zum MRt gesehen. „Geh nach deinem Bruder gucken. Ich mache das schon.“

Nervös sah Will zu Kevin und Sean. „Er ist wirklich ein guter Kerl.“, beteuerte er. Kevin klopfte ihm auf die Schulter: „Wir berücksichtigen das, okay?“

Nachdem Will in dem Raum verschwunden war, drehte sich Kevin wieder zu Carlos um: „Also, wovor wollten sie warnen?“

„Vor dem ehemaligen Anwalt meines Sohnes.“, erklärte Carlos ohne lange gefragt werden zu müssen. „Er… Er kam vor etwa einer viertel Stunde zu mir und…“

Alarmiert rief Sean dazwischen: „Pigston? Pigston ist hier?“ Keiner von ihnen hatte wirklich damit gerechnet, dass Pigston es tatsächlich wagen würde, direkt hierher zu kommen, wenn er doch bisher immer versucht hatte, keine Spuren zu hinterlassen. Hier gab es doch viel zu viele potentielle Zeugen und vor allem in den Eingangsbereichen Kameras, die jede seiner Bewegungen auf Band halten würden.

„Ja, ja, genauso hieß er.“, bestätigte Carlos aufgeregt. Bis eben war ihm dessen Name nämlich entfallen gewesen. „Er muss mich beim Ausladen des Putzzeugs an meinem Auto gesehen haben. Jedenfalls stand er plötzlich vor mir an den Kellertüren.“

Kevin nahm sofort sein Handy in die Hand und wählte Voights Nummer. Er ließ diesem keine Zeit zum Antworten, sondern erklärte gleich: „Serge, wir haben Carlos Sanchez. Allerdings ist Pigston hier im Krankenhaus. Er war bei den Kellerräumen.“

„Wir kommen gerade an. Bleibt bei Jay, wir schauen uns hier um.“, kam unmittelbar die Antwort, bevor Voight auch schon wieder aufgelegt hatte.

Kevins Aufmerksamkeit ging zurück zu Carlos, der schon von Sean weiter befragt wurde: „Was hat er gegen sie in der Hand?“

Carlos sah zum Boden, bevor er kleinlaut erklärte: „Ähm, ich… ich schätze jetzt kommt es eh heraus, nicht wahr?“ Er atmete tief durch, bevor er zugab: „Ich bin illegal in den Staaten.“

„Wusste Jay das?“, fragte Sean routinemäßig, bevor er sich auf die Lippe biss. Das hätte er besser nicht fragen sollen. Carlos schaute schnell weg. Sowohl Kevin als auch Sean konnten deutlich erkennen, dass er hin und her gerissen war, Jay nicht in Schwierigkeiten bringen, als auch nicht lügen zu wollen.

„Vergessen sie die Frage.“, erklärte Kevin schnell, der vermeiden wollte, dass Jay deswegen irgendeinen Ärger bekam. Er sollte es später aber Voight erzählen, falls es doch irgendwie heraus kommen sollte, dass Jay es nie gemeldet hatte.

Doch Carlos schüttelte mit dem Kopf. „Nein, sie verstehen das nicht. Er darf keinen Ärger bekommen. Er ist ein guter Mensch. Ich bin mir sicher, er hat es nie überprüft und ich habe es auch nie bestätigt. Ich… ich denke, er hatte einen Verdacht, dass meine Frau oder ich illegale Einwanderer waren, allein schon weil wir auf jeden Fall Kontakt mit der Polizei und ihm vermeiden wollten. Ich habe ihn das heftig spüren lassen, aber er hat es einfach so hingenommen und dennoch geholfen.“

„Wie meinen sie das?“, fragte Kevin jetzt selbst neugierig geworden. „Es fing alles mit einem Überfall auf meine Frau vor unserem Haus an….“


„Geld her, du Schlampe.“, knurrte hinter Maria Sanchez eine dunkle Stimme, als sie die Einkäufe aus dem Anhänger ihres Fahrrades nehmen wollte. Erschrocken versuchte sie sich umzudrehen, doch der Mann hielt sie fest und presste ihr etwas Hartes in den Rücken.

„Dios mio!“, flüsterte sie entsetzt. „Nehmen sie was sie wollen, aber bitte tun sie mir nichts.“

Das gehässige Lachen, das erklang, würde sie nie wieder vergessen. Viel schlimmer als das war jedoch die Hand, die plötzlich über ihre Hüfte lief und ein Ekelgefühl in ihr verursachte. „Alles? Na wenn du dich schon so anbietest.“, flüsterte der Mann ihr dabei viel zu nah an ihr ins Ohr.

Gerade als seine Hand weiter wandern wollte, riss sie jemand abrupt zurück. „Lass sie los, du Schwein.“ Und schon fiel sie leicht zur Seite, während neben ihr ein Kampf ausbrach.

Ängstlich kauerte sie sich an die Hauswand. Ihr Herz klopfte wie wild. Doch sie war starr vor Angst. Und auch wenn sie rational wusste, dass sie weg rennen sollte, gehorchte ihr Körper ihr absolut gar nicht.

Mit weit aufgerissenen Augen sah sie, dass der Mann, der ihr zur Hilfe geeilt war von irgendetwas Glänzendem an der Brust getroffen wurde und auf die Knie fiel. Nur Sekunden später sprang er jedoch schon wieder auf und schlug dieses Etwas aus der Hand des Angreifers.

Ein Scheppern erklang, als der jetzt von ihr als Eisenstange identifizierte Gegenstand, den der Mann ihr scheinbar vorher in den Rücken gepresst hatte, auf den Boden fiel. Das Geräusch wurde jedoch von einem wütendem Zischen übertönt: „Ich mach dich fertig, du Affe. Das war das letzte Mal, dass du dich in meine Angelegenheiten einmischst.“

Doch kaum hatte der Angreifer das gesagt, hatte er eine Faust im Gesicht. „Rennen sie ins Haus.“, riss die Stimme ihres Retters sie aus ihrer Starre.

Die grünen Augen, die dabei über sie liefen, als würde er schnell checken, ob sie unverletzt sei, blieben nur Sekunden einfühlsam bei ihren Augen hängen, als er ihr auch schon einen Schlüssel hin warf: „3. Etage 2. Wohnung. Rennen sie!"

Verwirrt sah sie ihn kurz an, bevor sie den Schlüssel vom Boden schnappte und los rannte, als hätte sie nur auf irgendeinen Befehl gewartet.

Sie hatte gar nicht weiter nachgedacht, dass sie selbst eine Wohnung in dem Haus hatte, sondern war direkt dorthin gerannt, wo der Mann mit den grünen Augen sie hingeschickt hatte. Es wurde ihr erst bewusst, als sie in dieser fremden Wohnung saß und ängstlich zur Tür starrte, als könnte jeden Moment, der Angreifer zu ihr kommen.

Die Zeit verging erst gar nicht, doch dann klopfte es plötzlich an der Tür und Maria zuckte zusammen. Erneut lähmte sie die Angst.

Ein neues jetzt sanfteres Klopfen erklang: „Keine Angst, ihr Angreifer wurde festgenommen. Ähm… ich weiß, sie haben Angst, aber sie haben meinen Schlüssel daher wäre es toll, wenn sie aufmachen könnten.“

Maria zog ihre Beine näher zu sich und umschlang sie mit ihren Händen. Ihr Herz klopfte ihr bis zum Hals. Sie hatte solche Angst, dass das dort vor der Tür nicht derjenige stand, der er behauptete zu sein. Konnte sie sich hier ewig verstecken?

Erneut erklang die Stimme. „Es ist okay, wenn sie noch nicht aufmachen wollen, aber… könnten sie vielleicht sagen, ob sie verletzt sind? Ich meine, wenn nicht dann könnte ich mit einem Polizisten in Uniform wieder kommen, wenn sie sich dadurch sicherer fühlen?“

„Keine Polizei!“, rief sie entsetzt aus.
Kurz folgte Stille, doch dann sprach Jay erneut: „Aber wenn sie medizinisch versorgt werden müssen, würde ich ihnen Sanitäter holen.“

Maria sah überrascht auf. Der Mann war offensichtlich nur über ihre Gesundheit und Sicherheit besorgt, er machte nicht einmal Druck, um zurück in seine Wohnung zu kommen oder die Polizei zu involvieren. Konnte das wirklich wahr sein?

„Miss? Sind sie okay?“, erklang wieder die Stimme, dieses Mal noch besorgter und Maria erwischte sich, wie sie nickte. Doch schnell begriff sie, dass er das nicht sah. Leise, aber laut genug, dass er es hörte, antwortete sie: „Ich.. ich bin nicht verletzt.“

„Gut!“, hörte sie erleichtert die Stimme vor der Tür murmeln. Dann hörte sie ein komisches Geräusch, als würde eine Jacke an der Tür entlang rutschen. Die Erklärung kam kurz darauf: „Ich setz mich einfach hier vor die Tür, bis sie bereit sind, okay? Haben sie einen Namen? Ich bin Jay.“

Maria atmete etwas entspannter ein, auch wenn die Angst sie noch immer auf dieser Couch hier festhielt. „Ma..ria.“, antwortete sie mit bebender Stimme.

„Gut, Maria, wenn sie irgendetwas brauchen, bedienen sie sich. Sie können auch gern das Telefon nutzen und jemanden anrufen, der sie abholen kommt.“, erklärte Jay und legte seinen Kopf an die Türzarge.

Er war müde nach seiner Nachtschicht und seine Rippen schmerzten von dem Kampf, aber die Frau da drinnen war jetzt wichtiger. Er wusste allzu gut, wie es sich anfühlte, wenn man ängstlich in einem Raum den nächsten Angriff abwartete. Auch wenn er in seinen Erinnerungen eher in seinem Kinderzimmer gehockt hatte, dessen Tür er nicht gewagt hätte zu verschließen und sein Vater statt eines Fremden sein Nemesis war.

„Ich weiß die Nummer nicht auswendig.“, erklärte Maria leicht verzweifelt, als ihr klar wurde, dass sie ihren Mann Carlos nicht einfach anrufen konnte.

Jay schaute an die Decke. Das hier würde wahrscheinlich noch viel länger dauern, als er befürchtete. Er überschlug kurz in Gedanken, wann Will zurück vom Dienst sein würde und hier mit einem Schlüssel auftauchen würde. Immerhin wohnte Jay gerade vorübergehend bei Will, nachdem Erin ihn verlassen hatte. Doch er bezweifelte, dass Will zeitnah hier wäre.

Als sein Blick auf den Spion fiel, kam er jedoch auf eine Idee. „Maria, würden sie mich wieder erkennen?“ „Ich… ich denke schon.“, flüsterte diese. „In der Tür ist ein Spion, sie müssen nur durchgucken. Können sie das für mich machen?“

Er zog sich qualvoll wieder in eine stehende Position und versuchte sich nicht allzu bedrohlich vor die Tür zu stellen. Als er schon dachte, sie würde nicht kommen, hörte er jedoch jemanden an der Tür.

Er setzte sein freundlichstes Lächeln auf und winkte, als endlich ein Klicken erklang und die Tür einen Spalt breit öffnete.

Tränenüberströmte Augen schauten vorsichtig um die Ecke, während ihre Hand an der Tür offensichtlich zitterte. Jay hob leicht die Hände. „Hey alles gut, ich tue ihnen nichts.“, erklärte er sanft.

„Entschuldigung.“, flüsterte Maria verlegen zurück, dass sie ihn aus seinem eigenen Zuhause ausgesperrt hatte, nachdem er ihr doch geholfen hatte. „Nicht so schlimm. Ich verstehe ihre Reaktion.“, erklärte Jay leise.

Erleichtert nickte sie. Dabei fiel ihr Blick auf die Wand gegenüber. Erstaunt stellte sie fest, dass Jay ihre Einkäufe offenbar von ihrem Fahrrad genommen und sie vor die Tür gestellt hatte.

Jay folgte ihrem Blick. „Ich dachte, sie würden ungern dort noch einmal hinlaufen wollen, um es zu holen.“ Maria schoss ihm einen dankbaren Blick hin. „Grazias.“

Jay überspielte schnell seine eigene Verlegenheit und rieb sich den Nacken. „Ähm, wollen sie noch kurz bleiben oder soll ich sie irgendwo hin bringen?“

Maria liefen erneut Tränen über die Augen, die sie schnell mit der Hand weg wischte.„Könnten… könnten sie mich zu meiner Wohnung  bringen?“ Sie fühlte sich überraschend sicher bei diesem fremden Mann.

„Natürlich.“, antwortete Jay und rückte gleich zur Seite, so dass sie aus der Wohnung treten konnte, ohne dass er ihr zu nahe kam. Dann zog er hinter ihr die Tür zu und sah sie fragend an: „Wo wohnen sie?“ Maria lächelte scheu: „In der 4. Etage.“


„Als ich heim kam, lag meine Frau friedlich  schlummernd auf der Couch und Jay saß halbschlafend vor der Couch, als würde er Wache über sie halten. Ich bin im ersten Moment auf ihn losgegangen, weil ich dachte, er hätte ihr etwas getan. Doch er hat mir schnell erklärt, was passiert war, dass Maria aber meinte, sie sei unverletzt. Keine Sekunde hat er darüber geredet, dass er sie gerettet hatte oder er verletzt war. Das habe ich erst später von Maria erfahren.“, erzählte Carlos noch immer beeindruckt von Jays Zurückhaltung über seine eigene Helfentat.

„Er hatte mir noch zusätzlich seine Karte gegeben und gesagt, sie müsse keine Aussage machen, wenn sie nicht wolle. Ich denke er hatte meinen nervösen Blick gesehen, als ich las, dass er von der Polizei war. Er sagte, das sie den Täter hätten und er das auch ohne ihre Aussage schon irgendwie regeln würde und dann war er auch schon wieder verschwunden.“, erklärte Carlos.

„Aber er kam wieder?“, fragte Kevin interessiert. Karlos nickte, bevor er weiter ausführte: „Ja, er hat sich erkundigt nach ihr, aber ich war immer kurz angebunden und habe ihn nervös abgewimmelt. Ich weiß, dass es gemein war, weil ich ihm wirklich dankbar war für die Rettung von Maria, aber ich hatte solche Angst, dass er herausfindet, dass ich illegal hier lebte.“

Jetzt lachte Carlos leicht auf: „Er war aber so verdammt stur und hat dennoch einen Weg gefunden zu helfen, ohne das wir ständig in Angst vor ihm leben mussten.“

„Wie?“, fragte Sean überrascht. Carlos grinste: „Er hat einfach seinen Bruder geschickt, der gleich klar gestellt hat, dass er nicht von der Polizei sei. Ich weiß, dass Jay Maria sogar ein paar Mal zum Einkaufsladen um die Ecke begleitet hat, als er sie draußen gesehen hatte. Er hat ihr aber nie Fragen gestellt, außer wie es ihr ginge. Naja und Will? Er hat mir den Job hier besorgt und Maria überredet in eine Selbsthilfegruppe zu gehen, wo sie ihre Angst von dem Überfall verarbeiten konnte.“

Carlos sah Kevin und Sean ernst an, bevor er beteuerte: „Ich bin den Beiden wirklich dankbar. Ich würde ihnen nie etwas Schlechtes antun und als dieser Mann verlangte, dass... dass ich Jay etwas verabreiche, da... da wusste ich, das egal war, was mir passierte, ich musste ihn warnen."

„Jay hat ihre Namen nie irgendwo vermerkt, deswegen wusste Pigston auch nicht, dass Carlos ihn kannte.“, flüsterte Kevin Sean zu. „Ein Glück, wer weiß, was sonst hätte passieren können.“, antwortete Sean.

Kevin nickte nachdenklich. Er hoffte, sie konnten Carlos auch irgendwie helfen, denn das hier konnten sie unmöglich verschweigen. Pigston würde es garantiert öffentlich machen, wenn sie den Vorfall auch zur Anzeige bringen würden.

Dieser Gedanke brachte ihn gleich zu dem nächsten Problem. Wenn Jay erfahren würde, dass Carlos auch wenn nur indirekt wegen ihm die Abschiebung drohte, würde er sich garantiert wieder neue Vorwürfe machen, obwohl die völlig haltlos waren.

Doch mittlerweile hatten alle mitbekommen, dass Jays Schuldkomplex kaum zu kontrollieren war. Zu sehr war er von seinem Vater und Onkel und noch zu vielem mehr in ihn eingeprügelt worden.
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