Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

eagle eye

von Foody
GeschichteSchmerz/Trost / P16 / Gen
Alvin Olinsky Hailey Upton Henry "Hank" Voight Jay Halstead
07.05.2021
26.10.2021
174
201.143
8
Alle Kapitel
219 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
07.05.2021 1.133
 
„Alle mal ruhig.“, rief Seargent Voight mit seiner rauchigen Stimme in die Runde. Die Mitglieder der Intelligence verstummten augenblicklich in ihrer ausgelassenen Stimmung nach der erfolgreichen Festnahme eines Bosses einer Menschenhändlerorganisation.

„Gerade habe ich die Info bekommen, dass wir zu einer großen Kooperationsübung zwischen der Elite-Polizei und -Armee von Canada und den USA eingeladen wurden.“
„Ähm, ich will uns ja nicht schlecht machen, aber warum wir?“, fragte Adam in den Raum.
„Hey, wir sind Elite.“, rief Antonio dazwischen, was Gelächter von allen herbei führte.

„Wir sind eingeladen Officer Ruzek, weil Chicago nun einmal derzeit eines der gefährlichsten Orte der USA ist und wir im letzten Jahr die spektakulärsten Festnahmen hatten. Mit zwei ehemaligen Veteranen..“, er zeigte auf Al und Jay, „…sind wir prädestiniert eine gute Verbindung zwischen Polizei und Armee herzustellen.“

„…Und hoffentlich auch einen guten Eindruck für die USA und speziell Chicago zu machen.“, ergänzte Commander Ron Perry, der hinter Hank Voight auftauchte und Richtung  Voight seine Augenbraue hob. Jeder im Raum wusste, dass Voight seine eigenen Methoden hatte, um seine Stadt vor dem Abschaum zu bewahren, der die Stadt unsicher machte und diese nicht immer die legalsten waren, weswegen alle die Warnung sich zu benehmen durchaus verstanden.

„Wie läuft das ab, wann geht’s los und wo findet das statt?“, warf Detektiv Jay Halstead ein, um die immer leicht bestehende Spannung zwischen Voight und dem Commander zu beenden.

Commander Perry wandte sich Jay zu: „Die Übung beginn in zwei Tagen in Borden/Canada, das ist etwa 100km von Toronto entfernt. Sie haben bis dahin Zeit ihren Bericht zu der heutigen Festnahme zu schreiben und alles einzupacken, was sie brauchen, Sportzeug, Uniform, ihre Waffen und Schutzwesten inklusive. Die Übung geht zwei Wochen, sie werden direkt in der Kaserne in Boden untergebracht. Der leitende General der JTF-2, das ist die Sondereinheit der kanadischen Armee, die spezialisiert ist auf Terrorismus, leitet die Übung.“

„Was genau ist das für eine Übung?“, warf Al als nächstes ein. Nun richtete sich Perry an Al: „Es geht im Wesentlichen um den Austausch von neusten Techniken der Verbrechens- und Terroristenbekämpfung sowie um Grenzangelegenheiten zwischen der USA und Canada, insbesondere aber auch um Geiselbefreiungsübungen auch an Flugzeugen.“

Adam unterbrach den Vortrag in seiner saloppen Art: „Cool, vielleicht erzählen die uns ein paar krasse Kriegsgeschichten, die haben doch sicher viel action gesehen.“

Kim stieß Adam in die Seite, während Al besorgt zu Jay herüber schielte, der weiß Gott genug in seiner Zeit in Afghanistan oder wo er auch sonst so war, erlebt haben dürfte und im letzten Jahr mit einigen Fällen, die ehemalige Militärangehörigen betrafen, schwer zu kämpfen hatte, auch wenn er hiervon nichts erzählte und versuchte sich zudem nichts anmerken zu lassen.

Al merkte sich, Adam vor der Abfahrt noch ein wenig dahingehend zu sensibilisieren, dass viele der Soldaten traumatische Erfahrungen hatten und sicher nicht unbedingt dazu ausgefragt werden wollen.

Jay versuchte währenddessen Adams Kommentar zu ignorieren und starrte nur auf einem Punkt auf dem Boden.

Commander Perry warf Adam nur einen strengen Blick zu, ignorierte jedoch ebenfalls dessen Kommentar und fuhr fort: „Ich denke, es kann nicht schaden, auch ein paar der angebotenen Vorträge zu Nahkampftechniken und für Scharfschützen zu besuchen.“

Dann wandte sich Commander Perry wieder an Jay: „Halstead, speziell ihre Fähigkeiten scheinen bei letzterem angefragt worden zu sein, sie scheinen bei irgend jemandem Eindruck hinterlassen zu haben, also zeigen sie, was sie drauf haben.“

Jay hob überrascht den Kopf. „Was? Von wem?“ Commander Perry schaute noch einmal auf seine ausgedruckte E-Mail und zuckte sodann nur mit den Achseln: „Darüber wurde ich nicht informiert, die Anfrage scheint aber aus Kanada zu kommen.“

„Oh", war alles, was Jay heraus brachte, bevor er anfing in Gedanken verloren nervös mit seinem Kugelschreiber zu spielen.

Sowohl Al als auch Voight hatten Jays Reaktion bemerkt, der sonst nie so offen sein Unwohlsein zeigen würde. Voight hob seine Augenbraue Richtung Al, der unschlüssig mit den Schultern zuckte.

Al war der einzige, der mehr über Jays Armeezeit wusste, aber auch dieses Wissen war dünn besiedelt. Jay hatte in einer Eliteeinheit der US-Armee, den Army Rangers, gedient. Er hatte zwei Touren in Afghanistan hinter sich gebracht, wurde aber nach einem Humvee-Minenanschlag zusammen mit seinem besten Freund Mouse ehrenhaft entlassen. Weder Mouse, der mittlerweile wieder zu den Rangers zurück gekehrt war, noch Jay wollten oder konnten darüber reden.

Klar war nur, dass Jay und Mouse schwer verletzt zurück kamen, anders als die anderen aus ihrer Einheit, die ihr Leben verloren hatten. Jay hatte bei seiner Rückkehr eine schwere Zeit durchlebt, als er sowohl mit den letzten Tagen seiner sterbenden Mutter konfrontiert wurde, als auch mit konstanten Albträumen und der Überlebendenschuld. Von letzterem wusste Al erster Hand, als Jay ihm dies einmal im Vertrauen nach einem rauen Fall anvertraut hatte.

Al hoffte, die ganze Aktion würde keine alten Wunden aufreißen.

Commander Perry hatte sich gerade nach den letzten Anweisungen zu Flug und Unterkunft von Voight verabschiedet, als Voight im Augenwinkel Jay im Umkleideraum verschwinden sah. Bevor er etwas sagen konnte, war Al bereits aufgestanden und folgte Jay.
----
„Hey, bist du okay?“, fragte er sanft, als er sah, wie Jay seit ein paar Minuten seinen Kopf unter den laufenden Wasserhahn hielt.

Jay zuckte fast unmerklich zusammen, drehte dann aber schnell das Wasser ab und wischte es sich von seinem kurzen Militärhaarschnitt. „Ja, nur ein wenig Kopfschmerzen.“, kam kurz darauf als Antwort ohne Al dabei in die Augen zu schauen.

Al zog die Augenbraue hoch. Wenn Jay Schmerzen zu gab, war er üblicherweise entweder schwer verletzt und nicht mehr in der Lage irgendetwas zu überspielen oder er verdeckte etwas schwerer Wiegendes.  

Er war durch und durch Soldat, hasste Krankenhäuser und schien schon seit Kindesbeinen gelernt zu haben, seine Gefühle zu unterdrücken, dank eines doch sehr gewaltbereiten Vaters. Nicht das Jay letzteres zugegeben hätte, Al erkannte jedoch die kleinen Anzeichen hierfür.

Al wusste auch, dass Jay nur von sich aus reden würde, Druck brachte meist nur ein völliges Abschotten seinerseits. „Okay, aber wenn du reden willst, du weißt, du kannst dich jederzeit melden.“

Jay zwang sich ein Lächeln aufzusetzen, dass aber nicht seine Augen erreichte. „Danke Al, ich denke, ich fahr einfach nach Hause und leg mich hin.“

Al überlegte kurz, ob es gut war, ihn allein heim fahren zu lassen, ließ Jay jedoch passieren und sah ihm besorgt nach.
Voight gesellte sich zu ihm: „Ist er okay?“
Normalerweise gab Voight nicht zu, dass er Jay mittlerweile wie einen Sohn sah und sich um ihn sorgte, aber Al kannte ihn lange genug und wusste dies bereits seit langem.

„Ich denke nicht, aber er braucht wahrscheinlich nur ein wenig Zeit.“, antwortete Al selbst nicht ganz überzeugt.

„Wir sollten ihn im Auge behalten.“ Voight grunzte seine Zustimmung. „Soll ich seinen Bericht beenden?“ „Nicht nötig, der Junge hat bereits alles auf meinen Schreibtisch gepackt.“
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast