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Neues aus Siebental

von JoKey
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Joachim "Joko" Winterscheidt Klaas Heufer-Umlauf
05.05.2021
22.07.2021
24
55.157
85
Alle Kapitel
352 Reviews
Dieses Kapitel
12 Reviews
 
 
22.07.2021 2.072
 
Hallo, Leutis!

Ich bin euch so dankbar für euer Feedback und euren wahnsinnigen Support! Bitte, bitte verzeiht mir, wenn ich momentan nicht so ausführlich auf eure Reviews antworten kann, wie ich es mir wünschen würde. Sobald es mir gesundheitlich wieder besser geht, wird sich das hoffentlich schnell ändern!

Großes Dankeschön an JanieSivery, SSnape, Nessiiix, WillowSilverstone, vananas, Jure, summer2011, Lienchen98, KlakoGloria, Fasellini, probably my fate und Lara25 <3

Alles Liebe, alles Gute,
JoKey

PS: Fasellini - Ich bin dir so dankbar für deine Worte!




Kapitel 24: Regen in der Nacht





„Die hast du selber gemacht?“

„Ja. Sagte ich doch schon.“

„Schwindelst du?“

„Klaas, also bitte. Nein!“

Klaas schwieg, nahm einen weiteren Löffel der Gulaschsuppe und blickte Joko dann über den Esstisch hinweg halb skeptisch, halb beeindruckt an.

„Falls es stimmt und du diese Suppe ernsthaft alleine gekocht hast, lade ich mich hiermit offiziell selber zum Essen ein. Mindestens einmal die Woche“, grinste er und schaufelte sich direkt noch einen Löffel in den Mund.

Joko stieß ein leises, angenehmes Lachen aus, nahm einen Schluck der Limonade und lehnte sich dann auf seinem Stuhl zurück, während er hinaus in den strömenden Regen blickte.

„Sieht nicht so aus, als würde sich das heute noch beruhigen“, murmelte er.

Klaas folgte seinem Blick und musste dem Älteren im Stillen Recht geben. Er saß jetzt schon seit fast drei Stunden bei Joko und obwohl die Blitze seltener geworden waren, schien der Regen einfach nicht vergehen zu wollen.

Der Himmel war tiefschwarz geblieben und auch die Luft hatte sich deutlich abgekühlt. Joko hatte seine Verandatür und alle Fenster weit aufgerissen und immer wieder wehte ein angenehm milder Windhauch zu ihnen herein.

Unauffällig schielte Klaas zur Wanduhr über der Küchenzeile. Es war bereits nach sieben. Nachdenklich nahm er den letzten Löffel der Gulaschsuppe und lehnte sich dann ebenfalls in seinem Stuhl zurück.

Bereits drei Stunden saß er hier. Er hatte mit Joko gelacht, geschwiegen, sie hatten gegessen und Klaas hatte ihm eine Weile dabei zugesehen, wie er weiter an der Mundharmonika geschnitzt hatte.

Und dennoch verspürte Klaas nicht einmal den Hauch eines Wunsches, wieder zu sich nach Hause zu fahren. Er fühlte sich wohl. Er fühlte sich sicher. Und wenn er Joko ansah und ihn stumm betrachtete, dann fühlte er noch eine ganze Menge mehr.

Doch konnte er dessen Gastfreundschaft noch weiter strapazieren? Schließlich hatte er sich ihm auch schon in vergangenen Tagen immer wieder ungefragt aufgedrängt. Verlegen räusperte er sich und als hätte Joko seine Gedanken vernommen, wandte er den Blick vom Regen und sah Klaas wieder an.

„Ich kann dir ein T-Shirt von mir leihen, wenn du möchtest.“

Klaas hatte mit vielem gerechnet. Doch nicht damit.

Irritiert legte er die Stirn in Falten.

„Wie bitte?“

„Na, ich denke nicht, dass du in dem Hemd schlafen willst, oder ist das so ein Ding von dir?“, schmunzelte Joko und nickte mit dem Kinn auf das blaue Hemd, das Klaas sich heute Morgen noch übergeworfen hatte.

„Schlafen?“, echote Klaas.

„So langsam bezweifle ich, dass du wirklich die erste Wahl für den Bürgermeisterposten gewesen bist, Hase. Gibt sicher einige in Siebental, die schneller schalten als du“, lachte Joko.

Er erhob sich, nahm seinen und Klaas' leeren Teller und trug sie hinüber zur Spüle. Klaas starrte ihm hinterher und legte seinen Arm auf der Stuhllehne hinter sich ab.

„Wovon zum Teufel sprichst du überhaupt, Winterscheidt?“

Joko warf ihm einen belustigten Blick über die Schulter zu.

„Wovon wohl? Ich hab dir vorhin schon gesagt, dass ich es nicht zulasse, dass du in dem Unwetter noch nach Hause fährst. Also wirst du keine andere Wahl haben, als bei mir zu übernachten. Sorry.“

Klaas klappte der Mund auf und ihm lagen bereits tausende Gegenargumente auf der Zunge, als ein so lautes Donnergrollen die Wände und Decken zum Erzittern brachte und jegliche Gegenwehr blieb Klaas im Hals stecken.

Er schluckte und nickte langsam.

„Ja, das...das wäre wahrlich sehr unverantwortlich“, murmelte er, während er nun auch in den Regen hinaussah.

„Siehst du? Und weil ich heute ausnahmsweise auch mal ein guter Gastgeber bin, überlasse ich dir den Vortritt im Badezimmer“, sagte Joko, tat so, als würde er eine einladende Geste Richtung Bad machen und erntete darauf nur ein ungläubiges Schnauben von Klaas.

Mit einem weißen, einfachen T-Shirt von Joko bewaffnet, betrat er schlussendlich doch das Badezimmer und hüpfte unter die Dusche. Und noch während er sich das Shampoo aus den Haaren wusch, kam er nicht drum herum festzustellen, wie sauber und reinlich selbst die engsten Ecken im Bad waren.

Joko schien wirklich darauf zu achten, Ordnung zu halten und mit einem leichten Lächeln auf den Lippen stellte Klaas das Wasser aus und schlüpfte in das geliehene T-Shirt.

Es roch nach Waschmittel und ein ganz kleines Bisschen nach Joko.

Klaas' Herz stolperte, als es ihm mit Leichtigkeit gelang, Jokos Eigengeruch unter dem präsenten Waschmittelduft wahrzunehmen und hastig rubbelte er seine Haare trocken, bevor er das Bad verließ.

Schweigend sah er hinaus in den Regen, während sich nun das Rauschen der Dusche erneut dazumischte.

Sein Herz in seiner Brust war vor lauter Glück angeschwollen.

Klaas konnte es nicht leugnen. Es machte ihn glücklich, hier sein zu dürfen. Es machte ihn stolz. Er trug Jokos T-Shirt. Und Joko trug seine Armbanduhr. Sie aßen zusammen Jokos gekochte Suppe, sie neckten sich gegenseitig und doch schien da jedes Mal etwas Sanftes mitzuschwingen, das Klaas' Herz aus dem Takt brachte.

Er schluckte.

Ja, er mochte das hier. Was auch immer das hier war.

Seine Gedanken wurden je unterbrochen, als sich die Badezimmertür öffnete. Klaas drehte seinen Kopf und sah, wie Joko jetzt ins Wohnzimmer gelaufen kam. Er trug nur noch seine schwarze Schlafshorts, drehte sein T-Shirt gerade auf rechts und erstarrte dann, als sein Blick auf Klaas fiel.

Für den Bruchteil einer Sekunde flammte da diese Angst in seinen Augen auf, diese bodenlose Panik, die Klaas mittlerweile schon öfter in ihnen gesehen hatte.

Im nächsten Moment verschwand sie auch schon wieder und dennoch waren Jokos Bewegungen etwas zu gehetzt, zu hektisch, als er sich das Shirt jetzt über den Kopf zog und mehrmals glattstrich.

Ein schwerer Kloß bildete sich in Klaas' Hals, als ihm bewusst wurde, wie tief diese Angst vor Ablehnung in Joko verwurzelt sein musste.

Langsam erhob sich Klaas vom Küchenstuhl, auf dem er die ganze Zeit über gesessen hatte und ging auf Joko zu.
Dieser fuhr sich jetzt ein paar Mal durch die Haare und machte eine vage Handbewegung auf die Trennwand zum Schlafbereich.

„Wenn du willst, kannst du dir auch die Seite aussuchen, auf der du schlafen willst“, witzelte er, doch seine Stimme war immer noch leicht atemlos.

Klaas kam vor ihm zum Stehen und schüttelte langsam den Kopf. Sein Blick huschte über Jokos Gesicht, nahm alles in sich auf und mit einem plötzlichen Anflug von Mut streckte er seine Hände aus und legte sie an Jokos Handgelenke.

„Joko“, wisperte er und urplötzlich war es so still im Haus, dass nur noch das Plätschern des Regens zu hören war.

Vorsichtig geisterten Klaas' Finger an Jokos Armen hinauf, strichen über den Ansatz seiner Schulter und wieder zurück, bevor er sie sanft um den Saum seines T-Shirts schloss.

„Du musst das nicht vor mir verstecken. Du musst rein gar nichts vor mir verstecken. Das weißt du, oder?“, flüsterte Klaas.

Joko schluckte. Seine Lippen öffneten sich einen Spalt breit und als Klaas ganz langsam sein T-Shirt anhob, entließ er einen zittrigen Atemzug.

Klaas sah nicht auf seine Hände. Sah nicht auf das T-Shirt. Er sah direkt in Jokos Augen und beobachtete jede noch so winzige Reaktion des Anderen.

„Darf ich?“, flüsterte er, wie schon einmal zuvor.

Jokos Augen huschten unruhig zwischen Klaas' hin und her. Doch schließlich nickte er zaghaft und streckte seine Arme sogar unterstützend über den Kopf, als Klaas ihm das T-Shirt in einer fließenden, sanften Bewegung auszog.

Mit einem leisen Rascheln landete es auf den hellen Dielen.

Noch immer fokussierte Klaas Jokos Gesicht und ganz langsam breitete sich ein zärtliches Lächeln auf seinen Lippen aus.
Ihre Hände verschränkten sich wie von alleine miteinander und Klaas konnte hinterher nicht mehr sagen, wer den Anderen zum Bett geführt hatte.

Joko schob die Trennwand hinter sich wieder zu und nur einen Wimpernschlag später kletterte er neben Klaas in die weichen Kissen.

Der Regen trommelte gegen die Fensterscheiben. Jokos Augen wirkten in der Dunkelheit beinahe schwarz und Klaas' Herz schlug wild und kraftvoll gegen seine Rippen.

Vorsichtig streckte Klaas seine Finger aus und ließ sie in federleichten, kaum spürbaren Berührungen über Jokos Kieferpartie wandern. Dieser bohrte seinen Blick in seinen, dunkel und aufgewühlt, doch vertraut und tief.

„Klaas“, entkam es Joko atemlos, fast schon geseufzt.

Klaas schluckte und als er spürte, wie Joko ihm nun eine Hand in den Nacken legte, gab er auf. Er gab einfach auf.
In einer Bewegung war er über Joko, der sich nun auf den Rücken drehte und ihn aufmerksam musterte.

Klaas schluckte, ließ seine Finger über Jokos Kinn wandern, hinab zu seinem Hals und schließlich zu seiner Brust.
Unendlich sanft strich er die Konturen seiner Narbe nach, immer wieder. Ein Blitz jagte durch das Zimmer und Klaas nahm einen bebenden Atemzug.

Er spürte den versichernden Druck von Jokos Hand in seinem Nacken. Ganz langsam beugte er sich herab, schloss die Augen und streifte mit seinen Lippen die vernarbte Haut neben seinem Herzen. Erst ganz sachte, er konnte Joko keuchen hören, bevor er den Druck seiner Lippen erhöhte und einen liebevollen Kuss auf die Narbe setzte.

Langsam hob er den Kopf und ihre Blicke trafen sich.

„Lass dir niemals von irgendwem einreden, du seist nicht anziehend genug.“

Seine Stimme war leise und zitterte leicht und als Klaas jetzt höher rutschte, traf sein Atem Jokos Gesicht beim Sprechen.

„Du hast keine Ahnung, wie schön du wirklich bist, oder?“, stieß er aus, halb verzweifelt, halb ungläubig lachend.

Klaas schloss die Augen, konnte Joko schlucken hören und atmete einen bebenden Atemzug aus.

Und als ein weit entferntes Donnergrollen das Ende des Gewitters ankündigte, bildete sich Klaas für einen Augenblick ein, Jokos weiche Lippen würden seine eigenen streifen.







Mitten in der Nacht wachte Klaas auf, als das sanfte Trommeln des Regens zu einem lauten Rauschen angeschwollen war.
Im ersten Moment blinzelte er verwirrt, bevor die letzten Ereignisse auf ihn einprasselten.

Er biss sich auf die Lippe, um keinen verräterischen Laut entweichen zu lassen, als sein Blick auf Joko fiel.

Wie schon in der letzten Nacht, die Klaas vor wenigen Tagen bei Joko verbracht hatte, hatte er den Älteren fest in seine Arme geschlossen und ihn in gar schützender Manier an sich gezogen.

Jokos Augen waren geschlossen, seine Brust hob und senkte sich in tiefen Atemzügen und der feine Schnitt an seiner Schläfe, der schon gar nicht mehr so bedrohlich rot leuchtete, wurde von ein paar Haarsträhnen verdeckt.

Bedächtig ließ Klaas seinen Blick über Joko schweifen. Über sein Gesicht, seinen Hals, seine Brust und die Ansätze seiner Lenden, die von der Decke und seiner Schlafshorts verschluckt wurden.

Sein Herz flatterte, seine Brust pochte und in seinen eigenen Lenden machte sich ein helles, unterschwelliges Ziehen breit.

Er konnte es nicht länger leugnen.

Joko war ein attraktiver Mann. Ein schöner Mann. Charmant. Witzig. Schlau. Talentiert. Liebevoll.

Klaas schluckte und begann mit seinen Fingern sanfte, formlose Muster auf Jokos nackten Oberarm zu zeichnen.

Er hasste es, sich zu lange in der unmittelbaren Nähe anderer Menschen aufzuhalten. Niemanden würde er je so nah an sich heranlassen wie Joko jetzt gerade in diesem Moment.

Es gab nur eine Erklärung.

Klaas wusste das.

Es konnte nur eine Erklärung dafür geben.

Er atmete tief durch, zog Joko noch etwas dichter an sich, schloss die Augen und vergrub seine Nase im weichen, warmen Haar des Älteren. Demut überkam ihm in einer mächtigen und überwältigenden Welle, weil er, ausgerechnet er, derjenige war, den Joko so an sich heranließ.

Der ihm allem Anschein nach sogar so viel Vertrauen entgegen brachte, dass er sich ohne jegliche Bekleidung für seine Narbe neben ihn legte und schlief.

Er zeigte sich Klaas auf gleich zwei Arten so unfassbar verletzlich und schutzlos und Klaas konnte sich nicht länger zurückhalten.

„Scheiße, Joko“, wisperte er in sein Haar, „ich glaube, ich...“

Er brach ab. Musste schlucken. Er kniff die Augen fester zusammen und plötzlich war da nur noch das Rauschen des Regens und die sanften, gleichmäßigen Atemzüge Jokos.

Klaas nahm einen tiefen Atemzug, spürte, wie sich sein Herz allmählich wieder beruhigte und glitt nur wenige Minuten später zurück in einen festen, erholsamen Schlaf.
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