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Neues aus Siebental

von JoKey
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Joachim "Joko" Winterscheidt Klaas Heufer-Umlauf
05.05.2021
12.09.2021
31
69.877
95
Alle Kapitel
429 Reviews
Dieses Kapitel
13 Reviews
 
14.07.2021 2.159
 
Heyho!

Da es zur Zeit etwas stressiger ist, werde ich nicht alle zwei oder drei Tage etwas hochladen können. Wundert euch deswegen nicht, es wird dennoch natürlich weitergehen, schließlich habe ich auch so gut wie die ganze Geschichte vorproduziert :)

Vielen, vielen Dank an Sunny5678, JanieSivery, Nessiiix, summer2011, KlakoGloria, vananas, Bartolomeus, Jure, Lienchen98, Jazminetta1, Fasellini und probably my fate <3

Alles Liebe, alles Gute,
JoKey



Kapitel 23: Auf frischer Tat ertappt




„Und das Teil ist auch wirklich sicher?“, sagte Klaas mit skeptisch gerunzelter Stirn.

Thomas Martiens warf ihm einen fassungslosen Blick zu, als würde er nicht glauben können, dass Klaas diesen Fakt tatsächlich in Frage stellte.
Er streckte seine Arme aus und deutete auf das Fahrrad, das er extra auf Klaas' Bitte hin aus seinem alten Schuppen geholt hatte.

„Natürlich ist das sicher. Es hat sogar eine Rücktrittbremse und ja, bevor du fragst, sie funktioniert noch einwandfrei“, verkündete Thomas stolz.

Klaas hob eine Augenbraue, ließ Gesagtes aber unkommentiert. Langsam trat er näher und strich mit den Fingern vorsichtig über den Lenker.

„Wann bist du das Teil denn zuletzt gefahren?“, fragte er mit einem schiefen Schmunzeln, als er die vielen Spinnenweben an den Pedalen entdeckte.

Thomas zuckte mit den Schultern und verbarg sein verlegenes Grinsen, indem er sich auf die Lippe biss.

„Weiß nicht. Ist schon etwas länger her.“

„Ja, das sehe ich“, lachte Klaas.

„Hey, du hast gesagt, du brauchst übergangsweise ein Fahrrad und ich stelle dir meins großzügig zur Verfügung“, tadelte Thomas ihn sogleich.

Klaas lachte erneut, winkte ab und schwang dann ein Bein über den Sattel.

„Ist ja gut. Danke dir, Thomas.“

Er verstaute den Brief mit der Gute-Besserungs-Karte der Mädchen im Korb, der mehr schlecht als recht vorne am Lenker hing und wollte bereits in die Pedalen treten, als Thomas ihn noch einmal zurückhielt.

„Versteh' ich das richtig? Du verzichtest wegen Joko einen Monat auf deinen Porsche?“

Klaas wandte den Kopf und erstarrte, als er das breite, das viel zu breite Grinsen Thomas' aufschnappte.

„Einen ganzen Monat?“, setzte dieser nun hinterher, als Klaas ihm keine Antwort gab.

Klaas schnaubte, verdrehte demonstrativ die Augen und stieß sich rasch ab, um loszurollen.

„Einen ganzen Monat nicht hinterm Steuer deines heißgeliebten Porsches?“, rief Thomas ihm lauthals lachend hinterher, sodass Klaas eine Hand hob und ihm, ohne sich umzudrehen, den Mittelfinger zeigte.

Er hörte, wie Thomas' Lachen in ein wildes Prusten und Husten überging, rollte abermals mit den Augen und bog dann um die nächste Häuserecke, um auf die Landstraße Richtung Wald zu kommen.

Fahrradfahren war definitiv nicht seine Lieblingsbeschäftigung. Und er war sich auch sicher, dass das Fahrrad wohl niemals zu seinem bevorzugten Transportmittel werden würde.

Aber der kühle Fahrtwind tat an diesem warmen Julitag wirklich gut und da auf dieser Straße sowieso kaum Autos unterwegs waren, ging Klaas hin und wieder dazu über, ein paar gewagte Schlangenlinien auf der Straße zu fahren.

Als Jokos Hütte jedoch in Sicht kam, stand ihm der Schweiß auf der Stirn und seine Knie und sein Hintern taten ihm weh, als wäre er gerade bis nach Paris geradelt.
Innerlich fragte er sich, wie Joko es jeden Tag schaffte, diese Strecke mehrmals auf und ab zu fahren.

Außer Atem lehnte er das Fahrrad an die Hauswand, schnappte sich den Brief aus dem Korb und blieb einen Moment stehen, um seine leicht zerzausten Haare zu richten und wieder zu Atem zu kommen.

Ein schiefes, seliges Lächeln trat auf seine Lippen, als er das leise Pfeifen im Takt der Radiomusik hörte, das beides aus Jokos Garten zu kommen schien.

Ein letztes Mal glättete Klaas seine Haare, bevor er die Hütte umrundete.

Kaum kam Jokos Veranda in Sicht, wurde aus Klaas' anfänglich mildem Lächeln ein größeres, ein weicheres und er konnte das Funkeln in seinen Augen schon so gut wie spüren.

„Hey, Winti“, rief er.

Joko, der mit einem ausgestreckten, einem angewinkelten Bein auf den Stufen seiner Holzveranda saß, hob den Kopf und ein ebenso warmes, weiches Lächeln glitt über seine Züge, als er Klaas entdeckte.
Er hob die Hand, in der er ein feines Schnitzmesser hielt und winkte ihm zu.

„Was für eine Ehre, dass mich der Herr Oberbürgermeister an einem so schwülen Tag wie diesem besucht“, grinste er.

Klaas lachte und runzelte die Stirn, während er das Holzstück in Jokos Händen betrachtete, an dem der Ältere allem Anschein nach gerade arbeitete.

„Kannst von Glück reden, dass die Kleinen dich so verehren. Ansonsten hätte ich mich nicht bei dieser Hitze aufs Rad geschwungen und wäre bis hier raus gefahren“, erwiderte Klaas und ließ sich schließlich mit einem leisen Ächzen neben Joko auf der Treppe nieder.

Dieser hob nun wieder den Kopf und betrachtete ihn mit einem verdutzten Blick.

„Moment. Stopp. Du bist mit dem Fahrrad gekommen?“

Klaas runzelte die Stirn, lachte dann und streckte seine schmerzenden Beine aus.

„Ja, natürlich, du Trottel. Denkst du, ich laufe bis zu dir?“, rief er und tippte sich schnaubend gegen die Stirn.

„Du bist wirklich mit dem Fahrrad hier?“, wiederholte Joko.

Klaas verdrehte die Augen, gab ihm dann einen leichten Schubser gegen den Arm und nickte. Der erstaunte Ausdruck in Jokos Blick verschwand und wurde ersetzt durch eine faszinierte Wärme. Das Braun in seinen Augen wurde so weich, dass Klaas eine schwerelose Leichtigkeit hinter seiner Brust fühlte.

Hastig räusperte er sich und wandte den Blick ab, um auf das Holzstück in Jokos Händen zu nicken.

„Woran arbeitest du?“

Es dauerte einen Moment, bevor Joko ihm antwortete. Dessen Blick war nach wie vor auf Klaas' Gesicht gerichtet, das liebevolle Glänzen in seinen Augen blieb und fast schon geistesabwesend strich er sich die Strähne aus der Stirn.

„Ne' Mundharmonika.“

Klaas runzelte die Stirn und warf Joko einen überraschten Blick zu.

„Spielst du?“, fragte er.

Joko lachte, schüttelte den Kopf, legte Werkzeug und Holzstück neben sich und erhob sich. Mit beiden Händen klopfte er sich die Holzspäne von der Jeans.

„Wird ein Geschenk für Emil. Er hat doch in einer Woche Geburtstag, oder?“

Klaas nickte und drehte sich dann umständlich auf den Stufen um, als Joko Anstalten machte, die Verandatür aufzuschieben.

„Wo gehst du hin?“

Joko blieb im Türrahmen stehen und lächelte ihn halb amüsiert, halb beschwichtigend an.

„Ich dachte, nach so einer ungewohnt harten Radtour hast du sicher Durst auf eine erfrischende, eisgekühlte Limonade.“






Es war schon fast beängstigend, wie vertraut und heimisch es sich anfühlte, mit Joko auf dessen Veranda zu sitzen, in den Wald und auf die Lichtung hinauszustarren und an dem Glas eisgekühlter Limonade zu nippen, deren Zitronen laut Jokos Aussage selbst ausgepresst worden waren.

Hin und wieder wurde die friedliche Ruhe von den Schnitz-Geräuschen unterbrochen, während Joko an der Mundharmonika arbeitete.
Als das Reh seinen Kopf wieder zu den Sträuchern hinausstreckte, fiel Klaas wieder ein, weshalb er überhaupt hierher gekommen war.

„Hier. Bin ja nicht ohne Grund hierher gefahren“, sagte er und hielt Joko den Umschlag entgegen.

Dieser runzelte die Stirn, nahm ihn jedoch entgegen und schlitzte ihn mit der Spitze seines Messers auf.

„Selbst ohne einen Grund könntest du hierher kommen“, murmelte er dabei leise.

Klaas spürte, wie sich seine Wangen rot färbten und sein Herz begann von ganz alleine, verräterisch schnell auf diese Worte zu klopfen.

Joko zog die Karte der Mädchen heraus, begann sie lächelnd zu lesen, obwohl der Inhalt hauptsächlich aus gemalten Blumenwiesen, Tieren und einer grinsenden Sonne mit Sonnenbrille bestand und reichte Klaas den Umschlag, damit dieser sich die Fotos aus der Polaroid-Kamera ansehen konnte.

Einige von ihnen waren zwar leicht verwackelt, aber die meisten waren doch recht gut geworden.

Es gab Fotos von den Kindern, wie sich in den Vordergrund in die Kamera drängten, Grimassen schnitten und ein Peace-Zeichen in die Linse zeigten.

Es gab Fotos von den Rennwagen.

Auf einem Foto klaute Jakob Schmittis Kappe. Klaas schmunzelte, als er das zerzauste Haar von Thomas sah und dessen erbosten Blick, der sich eindeutig gegen Jakob richtete.

Und es gab zahlreiche Bilder vom Rennen.

Klaas' Schmunzeln wurde zu einem Lächeln, als er ein Foto entdeckte, auf dem sein Auto neben Jokos parkte. Er erinnerte sich an diesen Moment. Kurz bevor die letzte Runde einberufen wurde, hatte Joko sich neben ihn gestellt und ihn angegrinst.

Klaas war schon drauf und dran, das Foto wieder zu den anderen in den Umschlag zu stecken, als er perplex innehielt. Sein Grinsen erstarb. Seine Augen weiteten sich.

Urplötzlich saß er kerzengerade auf dem Stuhl, verschüttete einen Teil seiner Limonade und tat einen scharfen Atemzug.

„Klaas? Was ist los?“, fragte Joko neben ihm alarmiert.

„Ich...ich wusste es“, kam es Klaas atemlos über die Lippen.

„Was? Wovon redest du?“

Klaas beugte sich über den Beistelltisch zwischen ihnen, legte das Foto in die Mitte und deutete auf Jokos Wagen.

„Das Foto, Joko! Sieh dir das Foto an!“

Joko verengte die Augen zu schmalen Schlitzen und musterte das Bild. Noch bevor er überhaupt die Gelegenheit bekam, etwas zu sagen, platzte es aus Klaas heraus.

„Sieht du den Mann, der neben deinem Wagen hockt? Ich hab dir gleich gesagt, dass dein Unfall gar kein Unfall war! Es war Sabotage und das Foto hier ist der Beweis!“

Joko kaute nachdenklich auf seiner Unterlippe herum und hob dann ganz langsam den Blick.

„Du hattest nicht nur damit recht, Klausi“, sagte er leise.

„Was?“

„Erkennst du den Mann nicht?“

Klaas zog das Bild wieder näher zu sich heran und das Herz schien ihm in die Hose zu rutschen.

„Thore Schölermann!“, stieß er aus.

Joko nickte, seufzte und lehnte sich zurück, während er sich mit einer Hand durchs Haar fuhr.

„Du scheinst recht gehabt zu haben. Hätte nur nicht gedacht, dass er so sauer auf mich ist, dass er gleich an meinen Bremsen herumspielt“, nuschelte er und ging wieder dazu über, am Holz zu schnitzen.

Klaas betrachtete noch einen Moment fassungslos das Bild, bevor er es neben den Umschlag und die Karte auf den Tisch legte.

„Du musst ihn anzeigen.“

„Auf keinen Fall“, lachte Joko.

„Joko. Der Kerl hat versucht, dich umzubringen.“

Da hielt Joko in seiner Bewegung inne und warf Klaas einen amüsierten Blick zu.

„Jetzt übertreibst du, Hase.“

„Er konnte nicht wissen, dass dein Unfall so glimpflich ausgeht.“

Joko seufzte und ließ seinen Blick tief in Gedanken versunken über die Lichtung schweifen. Für eine Weile schwieg er und Klaas betrachtete aufmerksam die nachdenkliche Falte zwischen seinen Augen.

„Weißt du, Klaas“, begann er schließlich langsam, „ich hatte in der letzten Stadt, in der ich gewohnt habe, schon so viel Stress wegen...naja, du weißt ja, wieso. Ich will...ich will einfach nur hier sitzen, mir vielleicht mal ein Brot bei Katha im Dorf kaufen und meine Ruhe haben. Verstehst du?“

Seine letzten Worte klangen fast schon verzweifelt und langsam verrauchte die Wut auf Thore Schölermann in Klaas. Stattdessen wurde sie von kaltem Schmerz ersetzt und sich selber auf die Lippe beißend, nickte er.

Er streckte seinen Arm aus und legte seine Hand für den Bruchteil einer Sekunde über Jokos.

„Ja. Das versteh' ich sogar sehr gut, Winti.“

Joko schenkte ihm ein sanftes Lächeln, drehte seine Hand und schob seine schlanken Finger ganz langsam, ganz vorsichtig zwischen die von Klaas. Klaas tat einen zittrigen Atemzug, erwiderte Jokos Lächeln und verschloss seine Finger schließlich mit seinen.

„Keine Anzeige?“, wisperte er also.

Joko schüttelte den Kopf und drückte seine Hand.

„Keine Anzeige.“







Im Minutentakt jagten die Blitze über den inzwischen pechschwarzen Himmel. Dicke, schwere Regentropfen prasselten unnachgiebig auf das Veranda-Dach und das Reh war längst im tiefen Wald verschwunden, als das Donnergrollen immer lauter geworden war.

Die Luft hatte sich abgekühlt und fühlte sich frisch und angenehm kühl auf Klaas' Armen an.

Er sah hinaus in den Regen, während er hinter sich aus dem Inneren der Hütte hörte, wie Joko das dreckige Geschirr wusch. Er hatte die Tür zur Veranda aufgelassen und so konnte Klaas sogar hören, wie er ab und an leise vor sich hin summte.

Ein seliges Lächeln machte sich auf seinen Lippen breit und er faltete gerade die Hände vor seinem Bauch, als ein besonders greller Blitz im Zick-Zack-Muster über den Horizont jagte.

„Tut mir leid, dass du meinetwegen jetzt hier bleiben musst.“

Jokos Stimme ertönte hinter Klaas und als dieser jetzt leicht den Kopf drehte, fiel sein Blick auf den Älteren, der mit dem Geschirrtuch in der Hand im Türrahmen lehnte und in das stürmende Unwetter hinaussah.

„Hier bleiben?“, wiederholte Klaas die Stirn runzelnd.

„Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich dich allen ernstes bei dem Wetter noch zurück ins Dorf schicke, oder? Mit nichts als einem Fahrrad?“, erwiderte Joko.

Klaas biss sich auf die Lippe. Richtig. Das hatte er nicht bedacht.

Er sah, wie Joko sich wieder umdrehte und im Haus verschwand. Klaas blickte ihm nachdenklich hinterher, während er spürte, wie das Kribbeln in ihm zu einem Inferno anschwoll. Einem Inferno an Wärme und Aufregung und...seliger Freude.

Entspannt lehnte er sich wieder zurück, lauschte weiter dem Regen und Jokos Summen, während er sich doch tatsächlich dabei erwischte sich zu wünschen, dass das Gewitter sich liebend gerne Zeit lassen konnte, bevor es weiterzog.
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