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Neues aus Siebental

von JoKey
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Joachim "Joko" Winterscheidt Klaas Heufer-Umlauf
05.05.2021
12.09.2021
31
69.877
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05.05.2021 2.683
 
Hallo, Hallöchen und Willkommen!

Ich will diesmal auch gar nicht so lange rumquatschen. Die Idee zu dieser Geschichte kam mir sehr spontan, so spontan, wie einem Ideen eben so nachts kommen können :D
Wer Lust hat, mich bei dieser serienartigen AU-Geschichte der beiden zu begleiten, ist herzlich dazu eingeladen, ich würde mich sogar sehr darüber freuen <3

Ansonsten wünsche ich euch ganz viel Spaß beim Lesen, alles Liebe und eine schöne Rest-Woche,
JoKey




Neues aus Siebental




Kapitel 1: Das Kleinkind und der Senior





„...und aus diesen dargelegten Gründen würde ich mir für uns, für die Gemeinde dieses Dorfes wünschen, dass der Streit mit Ratinghausen so bald wie möglich geschlichtet werden kann. Dankeschön.“

Beifall ertönte, über Klaas' Gesicht huschte ein kurzes Lächeln und mit einem knappen Nicken in die Runde, ließ er sich auf seinem Stuhl hinter dem Rednertisch nieder.
Noch im selben Atemzug wurde ihm klar, dass sich dies als ein großer Fehler herausstellte.

Ein langgezogenes, dumpfes Geräusch schallte durch den Ratsraum und mit einem resignierten Zischen schloss Klaas die Augen. Er musste nicht erst aufstehen und auf seinen Stuhl sehen. Er wusste auch so, dass er sich soeben auf ein Furzkissen gesetzt hatte.

Mit zusammengepressten Zähnen öffnete er die Augen und sein Blick huschte durch den Raum. Er sah die Erwachsenen, die verhalten versuchten, gar nicht erst in Gelächter auszubrechen. Er sah Steven Gätjen, den Besitzer des kleinen Dorfladens an der Ecke, der sich zwar die Hand vor den Mund hielt, doch eindeutig Lachtränen in den Augen hatte.

Und er sah die Kinder in den letzten Reihen, die sich vor lauter Lachen kugelten, die Bäuche hielten und sich gegenseitig abklatschten.

Klaas nahm einen tiefen Atemzug und zwang sich zur Ruhe. Sein Blick glitt weiter durch die Ränge, doch von ihm war natürlich mal wieder keine Spur zu sehen. Natürlich. Er war sich mal wieder zu fein für diese Versammlungen.

Klaas schnaubte, sortierte seine Gedanken und gleichzeitig die Dokumente auf seinem Tisch und räusperte sich.

„Nun gut, also wie bereits gesagt...“







Mit großen Schritten hastete Klaas durch den Mittelgang, wimmelte jegliche Gespräche mit einem kurzen Lächeln und einer raschen Handbewegung ab und folgte dann den ersten Besuchern aus dem kleinen Ratsgebäude.

Sein Blick geisterte über den Marktplatz, auf dessen Mitte ein steinerner Brunnen stand, der jetzt friedlich vor sich hin plätscherte.
Am Rand des Brunnens lehnten die Fahrräder der Kinder, die zielstrebig und laut lachend darauf zuliefen.

Klaas straffte seine Schultern, zog an seinem schwarzen Jackett, das er sich extra für die Versammlung übergeworfen hatte und lief mit hastigen Schritten auf die Kinder zu, die jetzt den Brunnen erreichten.

„So, hab ich euch!“, stieß er aus, machte einen Satz nach vorne und packte den kleinen Emil am Ohr.

Dieser schrie überrascht auf, drehte sich um und sofort blitzte eine Mischung aus Sorge und Schadenfreude in seinem Blick auf, als er Klaas erkannte.

„Die Sache mit dem Kissen ist doch auf eurem Mist gewachsen, nicht wahr?“, röhrte Klaas.

Lily und Sina, die beiden Mädchen, die jetzt hinter Emil standen, warfen sich einen amüsierten Blick zu und versteckten ihr Kichern hinter vorgehaltener Hand.

„Nein, Herr Heufer-Umlauf, das war nicht unsere Idee“, sprudelte es aus Emil heraus, der sich nicht einmal mehr die Mühe machte, sein Lachen zu verbergen.

Klaas knirschte mit den Zähnen, ließ den Jungen los und beobachtete, wie dieser sein Rad schnappte und sein Bein über den Sattel schwang.
Seine Hände ballten sich automatisch zu Fäusten.

„Ach, nicht eure Idee, was? Wessen Idee war es denn dann?“, rief er.

Doch die Kinder lachten nur, stiegen auf ihre Räder und winkten ihm zum Abschied über die Schulter zu. Klaas schnaubte, verschränkte die Arme vor der Brust und spürte, wie sein Herz schneller gegen seine Rippen klopfte.

Natürlich. Natürlich war diese Idee nicht auf dem Mist der Kinder gewachsen. Es gab nur einen Menschen, der die Kinder zu solch einem Unfug anstiften würde.

„Na warte, Winterscheidt...“, knurrte Klaas leise, drehte sich auf dem Absatz um und lief zu seinem Wagen, den er hinter dem Ratsgebäude geparkt hatte.






Manchmal beschlich Klaas das Gefühl, dass das Dorf Siebental so winzig war, dass er die Einwohner an zwei Händen abzählen könnte.
Es gab einen Gemischtwarenladen, es gab eine Kirche, ein Ratsgebäude und eine Schule. Und natürlich einen großen Sportplatz, auf dem die Kinder und oft auch ein paar der Erwachsenen Fußball oder Kegeln spielten.

Seit einiger Zeit arbeiteten Thomas Schmitt und Jakob Lundt daran, sogar einen waschechten Radiosender für Siebental auf die Beine zu stellen. Immer wieder verkrochen sich die beiden in einem selbst zusammengezimmerten Studio und taten so, als wären sie doch tatsächlich Radiomoderatoren.

Klaas war sich sicher, dass sie oft nicht einen einzigen Zuhörer hatten, außer vielleicht Steven Gätjen, der den Radiosender die meiste Zeit in seinem Laden laufen ließ.

Siebental war sogar so klein, dass Klaas mit einem Anflug von Stolz behaupten konnte, als Bürgermeister jeden einzelnen Dorfbewohner beim Namen zu kennen.

Sie lebten in einer friedlichen Gemeinschaft und das Aufregendste, was seit langem hier passiert war, war der neue Porsche, den Klaas sich gekauft hatte. Schnelle und vor allem teure Autos waren für die meisten Siebentaler ein Fremdwort.

Es gab nur einen einzigen Menschen, der außerhalb des Dorfes wohnte.

Joachim Winterscheidt war vor einem Jahr nach Siebental gezogen. Klaas war bemüht gewesen, ihm einen freundlichen und herzlichen Empfang zu bereiten, doch schon sehr bald war ihm klar geworden, dass dieser Joachim Winterscheidt anders war als der Rest der Siebentaler.

Er nannte sich selbst Joko und obwohl er eine aufgeschlossene Art besaß, zog er sich doch meistens zurück. Mit all seinem Geld, was er damals besessen hatte, hatte er sich das kleine Grundstück nahe des Waldes gekauft und dort doch tatsächlich eine Hütte gebaut.
Eine Hütte, in der er wohnte und die er nur äußerst selten verließ.

Seit einem Jahr übernahm Joko nun schon den Job als Dorflehrer und seit einem Jahr erwischte sich Klaas nun schon dabei, wie er jeden Morgen in der Woche einen Blick aus seinem Bürofenster warf, das direkt gegenüber der Schule lag und beobachtete, wie Joko auf seinem Fahrrad zur Schule kam.

Es war ihm ein Rätsel, wieso dieser Mann überhaupt in ein Dorf wie Siebental gekommen war.

Er wirkte nicht wie ein Dorfmensch.

Letzten Dienstag hatte Klaas gesehen, wie er eine dunkle Cap falsch herum auf dem Kopf getragen hatte. So kleidete man sich doch nicht als Erwachsener.

Während Klaas jetzt das Gaspedal durchdrückte und über die Landstraße Richtung Wald fuhr, schoss ihm ein nächster Gedanke durch den Kopf, der ihn nur noch wütender stimmte.

In seinen Augen war Joko kein normaler Lehrer. Die Kinder hatten zwar noch nie so viel Spaß und Freude am Unterricht gehabt, das musste Klaas einräumen, aber das war ja auch kein Wunder.

So viele Unterrichtsstunden hatte Joko schon im Freien mit ihnen verbracht. Hatte ihnen anstatt von Algebra und Zahlen und Kurven zu erzählen, das Angeln beigebracht und pfiff mit ihnen alte Lieder, anstatt Zeitformen der deutschen Sprache durchzugehen.

Die Idee, ein Furzkissen auf den Stuhl des Bürgermeisters zu legen, konnte nur von ihm stammen. Dessen war sich Klaas sicher!

Endlich kam die kleine Waldhütte in Sicht. Er sah den silbrigen Rauch, der aus dem Schornstein emporstieg schon von weitem und mit einem Brummen parkte er seinen Wagen auf dem Gras neben der Hütte.
Dass der Winterscheidt auch keinen Parkplatz haben konnte!

Für einen kurzen Moment versuchte sich Klaas noch zu beruhigen, dann zog er den Zündschlüssel aus dem Zündschloss, verstaute ihn in seiner Hosentasche und stieg aus dem Porsche.

„Ah, verdammt“, entfuhr es ihm, als er seinen Fuß geradewegs in die matschige Pfütze setzte.

Mit einer kritischen Falte auf der Stirn betrachtete er die braunen Schlammspritzer an seinem Hosenbein und stieg dann umsichtig über die weiteren Matschkuhlen.

Entschlossen richtete er seinen Blick auf die Eingangstür des kleinen Holzhauses und stieg die wenigen Treppenstufen empor.
Er hatte schon die Hand gehoben, um zu klopfen, als er sich noch einmal räusperte, sich in glättender Absicht über den Bart fuhr und dann sein Jackett richtete.

Erst dann klopfte er.

Stille.

Er klopfte noch einmal, diesmal lauter.

Augenrollend zog Klaas sein Handy aus der Hosentasche, wollte schon die Nummer Jokos heraussuchen, als leise Musik und gleich darauf ein knirschendes Geräusch an seine Ohren drangen. Verwirrt stieg er die Stufen wieder herunter und umrundete die Hütte.

Sein Blick landete auf den vielen Holzspänen, die im grünen Gras verteilt lagen und auf dem kleinen Kofferradio, das auf dem Geländer der Veranda stand und fröhliche Musik vor sich hin dudelte.

Wie angewurzelt blieb er stehen, als Joko so plötzlich hinter dem Holzblock auftauchte, auf dem mehrere Werkzeuge verstreut lagen.

Seine Strähne fiel ihm in die Stirn. Das tat sie ständig, wie Klaas bereits aufgefallen war. Wieso Joko sich nicht einfach mal die Haare schneiden ließ, fragte er sich immer wieder.

Eher unbewusst wanderte sein Blick an dem Größeren auf und ab. Er trug ein schwarzes Hemd, dessen Ärmel er aufgerollt hatte, eine schlichte, blaue Jeans und weiße Sneaker. Aus einem ihm unerklärlichen Grund trug Joko ständig diese weißen Schuhe.

Mit einem erschöpften, aber zufriedenen Seufzen fuhr sich Joko jetzt mit dem Unterarm über die schweißnasse Stirn, rieb sich unter der Brille über die Augen und hob dann den Blick.

Für einen Augenblick sahen sie sich einfach nur an und irgendetwas in Klaas fühlte sich bei diesem Blick auf einmal sehr taub an. Er schluckte, leckte sich über die Lippen und schüttelte dann den Kopf, um dieses taube Gefühl in ihm wieder loszuwerden.

Langsam trat er näher und als er sah, dass Jokos Mundwinkel nun amüsiert zu zucken begann, räusperte er sich hastig.

„Ich hab geklopft, aber du hast nicht geantwortet“, stieß er aus, als müsse er sich rechtfertigen, dass er jetzt einfach so ungefragt in Jokos Garten stand.

Dieser musterte Klaas weiterhin stumm, doch das warme Glänzen in seinen Augen und das Zucken um seine Mundwinkel blieben.
Klaas knetete seine Hände und weil er sich unter diesem intensiven Blick plötzlich mehr als unwohl fühlte, lehnte er sich gegen das Geländer der Veranda, um nicht tatenlos in der Gegend herumzustehen.

„Du warst heute nicht bei der Versammlung“, fuhr Klaas fort.

Joko sah ihn an, zuckte mit den Schultern und widmete sich dann wieder dem seltsam geformten Holzstück auf seiner Werkbank.
Klaas legte unauffällig den Kopf schief, doch selbst dann konnte er nicht erkennen, an was genau der Ältere da herumbastelte.

„Und du kannst dich auch nicht rausreden. Ich weiß ganz genau, dass Frank die Post immer pünktlich zustellt. Die Einladung solltest du also schon vor zwei Wochen bekommen haben.“

Obwohl Joko Klaas nicht ansah, konnte dieser das schmale Schmunzeln auf dessen Lippen erkennen.

„Eine Einladung zwei Wochen vor dem eigentlichen Event? Ganz schön unter Druck setzend, findest du nicht auch?“, sagte Joko, griff mit konzentriertem Blick nach einem Putzhobel und ließ ihn ein paar Mal über die Holzoberfläche gleiten.

Klaas schnaubte und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Nein, finde ich nicht. Im Gegenteil. So hat jeder aus dem Dorf die Möglichkeit, sich darauf vorzubereiten und sich diesen Tag auch freizuhalten.“

Joko hielt in seinem Tun inne und warf Klaas einen belustigten Blick mit gehobener Augenbraue zu.

„Natürlich. Dieses Dorf quillt vor lauter Ereignisse ja auch fast über, da wird es schwer, sich für eine zehnminütige Rede des Bürgermeisters Zeit zu nehmen.“

Hinter Klaas' Brust brodelte es.

„Hör mal zu, Winterscheidt. Du hast noch nie an einer Versammlung teilgenommen, also hast du auch nicht das Recht, so über die terminlichen Strukturen des Dorfes zu reden. Außerdem bin ich aus einem ganz anderen Grund hierher gekommen.“

Joko richtete sich auf, legte das Werkzeug beiseite und fuhr sich dann mit den schlanken Fingern durchs Haar, sodass ihm die Strähnen abermals in die Stirn fielen.
Klaas' Augen folgten dieser Geste und als er sich bewusst wurde, was er da gerade eigentlich tat, wandte er den Blick rasch ab und tat so, als würde er sich für die Knöpfe am Kofferradio interessieren.

„Ach wirklich? Ich hoffe sehr, dass du für diesen kurzen Weg nicht wieder dein Abgase-Monster genommen hast.“

Klaas' Kopf wirbelte herum und er warf Joko einen giftigen Blick zu. Dass der Ältere sich strikt gegen jegliche Art der Umweltverschmutzung wehrte, war schon lange kein Geheimnis mehr. Dass er Klaas wegen seines Porsches aufzog, ebenfalls.

„Das geht dich nichts an“, polterte er.

„Nun, wenn du ihn auf meinem Grundstück parkst, dann geht es mich sehr wohl etwas an“, erwiderte Joko unbeeindruckt.

Klaas sog die Luft scharf ein und mahnte sich zur Ruhe. Er war nicht hierher gekommen, um nach jedem Satz einen nächsten Streit vom Zaun zu brechen.

„Ich verbiete mir, dass du den Kindern solche Flausen in den Kopf setzt“, sagte er nun also bemüht ruhig.

Joko runzelte die Stirn, trat nun um den Werktisch herum und kam auf ihn zu. Wieder leckte sich Klaas über die Lippen, die sich in diesem Moment furchtbar trocken anfühlten.

„Flausen? Was denn für Flausen?“, sagte Joko jetzt, lehnte sich dicht an Klaas vorbei und griff nach der metallenen Wasserflasche, die er dort stehen hatte.

Klaas knackte mit den Knöcheln, während er Joko dabei zusah, wie dieser nun einen tiefen Schluck nahm.

„Das Furzkissen in meiner Versammlung.“

Er sah, wie Joko während des Trinkens das Lachen unterdrücken musste. Dann setzte er die Flasche wieder ab und seine Mundwinkel zuckten verräterisch, doch ansonsten blieb er ernst.

„Ich weiß nicht, wovon du redest, Klaas.“

„Natürlich weißt du das. Lüg' nicht, Winterscheidt! Du hast den Kindern gesagt, sie sollen mich während meiner eigenen Versammlung vor dem gesamten Dorf bloßstellen!“

Da erlosch das amüsierte Glitzern aus Jokos Augen und das Zucken um seine Mundwinkel verschwand.

„Das habe ich ihnen nie gesagt. Und ich denke, dass du auch ganz genau weißt, dass ich ihnen so etwas nicht sagen würde.“

Klaas schluckte und verzog das Gesicht. Wenn er ehrlich war, dann wusste er es wirklich. Joko war kein Mensch, der andere bloßstellte.

„Aber die Idee kam von dir, oder nicht?“, fauchte er nun also.

„Nun, ich will nicht bestreiten, dass Emil und ich letztens noch eine Auseinandersetzung darüber hatten, welcher Streich sich denn am besten für die Auflockerung einer politischen Debatte eignen würde, aber...“

Jokos Worte verloren sich und stöhnend verdrehte Klaas die Augen.

„Manchmal habe ich echt das Gefühl, ich würde mit einem Kleinkind sprechen, wenn ich dir gegenüberstehe“, seufzte er.

„Und ich mit einem Senioren“, erwiderte Joko so schlagfertig, so locker, dass Klaas' Lippen empört auseinanderglitten und doch kein Ton seinen Mund verlassen wollte.

Für ein paar Sekunden funkelten sie sich in vollkommener Stille an, die nur vom Zwitschern der Vögel in den umliegenden Ästen und der sanften Musik aus dem Radio unterbrochen wurde.

Dann hob Klaas den Finger und tippte ein paar Mal mit der Spitze gegen Jokos Brust. Wieso sein eigenes Herz dabei ein wenig aus dem Takt geriet, konnte er sich selber nicht wirklich erklären.

„Das nächste Mal wirst du bei der Versammlung erscheinen. Ein bisschen Politik würde dir nicht schaden“, murmelte er.

Ein schiefes Grinsen breitete sich auf Jokos Lippen aus und für einen Moment vergaß Klaas seinen Finger wieder von dessen Hemd zu nehmen.

„Ach, so nennst du den Zirkus, den du da veranstaltest?“

Klaas knurrte leise, drehte sich um und stapfte mit hochrotem Kopf zurück zu seinem Porsche.

„Klaas?“

Sein Herz stolperte, als Joko noch einmal seinen Namen rief. Seit einiger Zeit tat es das schon, wann immer der Ältere seinen Namen aussprach.
Eher widerwillig wandte sich Klaas um und stellte überrascht fest, dass Joko ihm fast bis um die Hütte gefolgt war.

Da lag ein Funkeln in seinem Blick, das Klaas ganz schwindelig werden ließ. Etwas Neckendes, etwas Freches und doch gleichzeitig etwas...Weiches.

„Was ist?“, brummte Klaas.

„Du hast Dreck an deiner Hose. Ich sag's dir nur, falls du vorhast, heute noch ein anderes politisches Treffen zu organisieren“, grinste Joko.

Klaas hob den Arm und zeigte ihm den Mittelfinger, dann drehte er sich um und stürmte zu seinem Porsche.

Den ganzen Weg hatte er das Lachen des Älteren im Ohr und als er endlich wieder hinter seinem Lenkrad saß und die Landstraße entlangbretterte, fiel ihm nicht einmal auf, dass sein eigenes Ich im Rückspiegel am Lächeln war.
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