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Von Alkohol, Russen und Geheimnissen

von Pamillia
OneshotFreundschaft / P12 / Gen
05.05.2021
05.05.2021
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Die Metagurken wollten, dass ich das schreibe und verlangten auch, dass ich diese Geschichte hochlade. Viel Spaß also! (Feedback ist wie immer erwünscht, egal ob positiv oder negativ)

"Vot eto pizdets!", murmelte Büschlov vor sich hin und beschleunigte seinen Gang ein wenig.
Das passierte, wenn man nur eine Sekunde auf sein Handy sah und sich ablenken ließ. Wie konnte ein betrunkener Mann bloß so schnell sein?!
Er eilte die leere Straße entlang in der Hoffnung, dass er den Mann noch nicht komplett verloren hatte und er nur an der nächsten Kreuzung abgebogen war.
Wenn ihm etwas passieren würde... er war sich nicht sicher, ob er sich das verzeihen könnte.
Glücklicherweise entdeckte er die doch recht schmale Figur des blondhaarigen Mannes um die Ecke, er torkelte die Straße entlang, schien nicht wirklich darauf zu achten, wo er hinging.
Büschlov atmete aus, es war schon beinahe ein Seufzen.
Er hatte sich den Abend doch recht anders vorgestellt, als er irgendwann nach Mitternacht das PD verlassen und sich auf den Weg zu einer Bar gemacht hatte.
Der Tag war anstrengend gewesen, es war, wie eigentlich immer, sehr viel zu tun gewesen und er wollte sich mit einem (oder eher drei) Vodkas entspannen und dann auch schon wieder nach Hause, um zu wenig ein bisschen Schlaf zu bekommen.
Als er dann bei der Bar angekommen war und auch schon ein Glas in Rekordzeit getrunken hatte, war der Chief eingetroffen.
Es war nichts zu Überraschendes, der Mann war schließlich auch nur ein Mensch, der nach der vielen Arbeit auch mal Entspannung brauchte. So viel Zeit wie er teilweise im Büro verbrachte... das konnte sich Büschlov absolut nicht vorstellen.
Überraschend war jedoch, dass er allein kam.
Nach dem was die Kollegen so erzählt hatten trank der Chief nicht oft und wenn waren eigentlich andere Personen dabei. Er hatte wohl auch in den letzten Wochen viel Zeit mit dieser Honey Marshall verbracht, er hatte sie ja auch schon mehrmals zusammen gesehen. Die meisten waren sich ziemlich sicher, dass da was lief, und er könnte es dem Chief wohl kaum verübeln, wenn der Mann sich bei dem ganzen Stress gerne mit einer hübschen Frau ablenkte. Da war er ja auch kein Fremder, auch wenn der
Chief sich wohl gerne eher an eine Person hielt.
An diesem Abend aber war der Mann allein und war direkt zu der Bar gelaufen und hatte sich einen Whiskey bestellt.
Nichts Verwerfliches, auch wenn er recht fertig und nicht wirklich konzentriert aussah.
Als aus dem einen Whiskey dann jedoch ein paar mehr Drinks wurden entschloss Büschlov sich den Mann ein wenig im Auge zu haben. Betrunkene waren am Ende doch ein wenig mehr in Gefahr als sonst und es war kein Geheimnis, dass der Chief viele Feinde hatte.
Also blieb es am Ende doch bei dem einen Vodka und dann einem Glas Wasser, auch wenn die Bedienung, die es gewohnt war, ihm oft nachzuschenken, ihm leicht komische Blicke zuwarf. Das Wohl des Chiefs war wichtiger.
Irgendwann, es war schon nach ein Uhr, stand der Mann auf, knallte ein paar Geldscheine auf den Tisch, lallte "Vielen Dank für ihren Service" zu laut und torkelte aus dem Laden.
Leute, die ihn kannten kicherten leise als er gegen die Glastür stolperte und mehrere Anläufe brauchte, um die Bar zu verlassen.
Der Mann war komplett besoffen.
Sehnsüchtig sah der Russe auf sein leeres Vodka Glass und seufzte laut "Blyat".
Dann stand er auf, zwinkerte der Bedienung zu, die leicht rot anlief und beinahe gegen einen Kunden lief, der sich direkt lautstark beschwerte und schlüpfte hinaus in die Nacht.
Es dauerte nur wenige Sekunden, bis er den Chief entdeckte, der auf der anderen Straßenseite sich an der Hauswand entlang hangelte. Er schien sich kaum auf den Beinen halten zu können und drohte alle paar Schritte hinzufallen.
Büschlov wollte den Mann nicht belästigen, es war nun mal sein Chef, aber er konnte ihn auch nicht in diesem Zustand allein lassen... also entschied er sich ihm einfach zu folgen, bis er sicher da ankam, wo er hinwollte. Nicht, dass ihm irgendetwas passierte.
Und somit verbrachte er die nächste halbe Stunde damit dem Mann in einer gewissen Entfernung hinterherzulaufen und dabei darauf zu achten, dass er nicht verfolgt wurde.
Hin und wieder zuckte er leicht, wenn ein schwarzes Auto ein bisschen zu langsam an ihm vorbeifuhr und sogar kurz zum Stehen kam.
Glücklicherweise passierte nichts, aber Büschlov bereute es mehrmals, dass er seine Dienstwaffe nicht dabei hatte.
Er war sich unsicher, ob der Chief ein Ziel hatte. Zumindest lief er nicht im Kreis und er hatte die Hoffnung, dass sie bald bei seiner Wohnung ankommen würden. Dann könnte er sich ein Taxi rufen und endlich auch zu seiner fahren.
Doch dann waren sie plötzlich in der Nähe des PDs und er wusste, dass der Chief nicht dort wohnte und begann sich zu fragen, wo sie überhaupt hinliefen.
"Blyat, wie lange soll es denn noch so weitergehen?!", fluchte der Russe unter seinem Atem und sah kurz auf sein Handy als er eine Nachricht bekam. Ein wenig in der Hoffnung, dass man ihn brauchte, damit er guten Gewissens jemand anderem den Babysitting Job geben konnte.
Leider war es nur eine Erinnerung von Mila, dass seine Aussage in einer Akte fehlte.
Und so war es am Ende dazu gekommen, dass Büschlov nun dem Chief dabei zusah, wie er eine Treppe runterstolperte und sich mehrmals beinahe auf die Schnauze legte. Er war kurz davor ihm zur Hilfe zu eilen, obwohl es schon sehr lustig aussah, aber irgendetwas hielt ihn zurück.
Er war sich unsicher, ob es so clever war jemand betrunkenen so nah an den Kanal zu lassen, aber er war in der Nähe und ein recht guter Schwimmer, also sollte dem Chief nichts passieren.
Hoffentlich.
Der blonde Mann setzte sich auf eine Bank, direkt am Wasser, kramte unbeholfen in seiner Tasche und zog eine Zigarette und ein Feuerzeug hervor.
Ein leises Klicken war zu vernehmen und er hörte, wie der Mann einen Zug nahm.
Still und leise beobachtete der Russe wie der Chief eine Zigarette rauchte und dabei auf das Wasser starrte. Er war komplett ruhig, schien nicht wirklich auf seine Umgebung zu achten, zu sehr in Gedanken versunken.
Es dauerte einige Minuten bis der Mann in seine Tasche griff und etwas hervorholte. Es war ein Zettel, wie aus einem Notizblock gerissen. Er konnte die Schrift nicht erkennen, aber es schien etwas auf dem Papier zu stehen.
Büschlov beobachtete, wie der Mann den Zettel las und dabei schnaufte und eine zweite Zigarette
anzündete.
Nach einigen Sekunden faltete der Chief den kleinen Zettel wieder zusammen und stopfte ihn zurück in seine Jackentasche, holte stattdessen sein Handy hervor und stoppte.
Er schien nachzudenken, wieder komplett versunken zu sein. Der Russe war sich recht sicher, dass er da gerade etwas sah, was nicht für seine Augen bestimmt war, aber er konnte den Chief nicht so einfach allein lassen. Es ging einfach nicht.
"Blyat", murmelte erneut, so leise, dass der Mann es nicht hören würde. Er musste ja nicht wissen, dass gerade jemand anderes Zeuge von diesem sehr persönlichen Moment wurde.
Der Mann im grauen Anzug wählte eine Nummer, hielt sich das Handy ans Ohr und schien jemanden anzurufen.
"Hi", der Chief lallte immer noch, die Worte waren schwer auszumachen: "Sorry, dass ich dich so spät anrufe, du schläfst schon, ich weiß. Aber ich bin gerade an dieser Bank am Kanal und musste an dich denken... also... ich weiß nicht, warum ich dich anrufe, sorry. Ich hab vielleicht ein klitzekleines bisschen getrunken. Aber nur ein bisschen, du weißt ja, dass ich nicht mehr so viel trinke... wo war ich? Ach ja, ich
bin an der Bank und ich schaue so auf das Wasser und da hab ich an dich gedacht. Wie ist es so in Detroit? Oder schon Philly? Ist es schöner? Es kann ja nur schöner als Los Santos sein, nicht? Diese Drecksstadt"
Der Mann lachte. Es war kein glückliches Lachen.
"Es ist viel passiert, seit du weg bist, weißt du? Ob das wohl alles passiert ist, weil du weg bist? Hast du etwa den Stein ins Rollen gebracht?? ... Sorry, ich weiß nicht was ich da sage. Ich hab wohl doch ein bisschen zu viel getrunken.... ich wollte dir nur sagen, du bist heute genau einen Monat weg, weißt du das? Einen Monat ohne Isabel Collins... es fühlt sich länger und kürzer an. Macht das Sinn?" Er lachte erneut, zog lange an der Zigarette, sah in den Himmel und kniff die Augen zusammen.
".. isse.. dich", der Chief murmelte stark lallend und obwohl Büschlov den genauen Wortlaut nicht ausmachen konnte begann er in diesem Moment sich nach hinten zu bewegen. Er hatte schon zu viel gehört.
Es dauerte noch etwa eine Minute, bis eine laute Stimme ihn plötzlich aufschreckte.
"Sind Sie sicher, dass Sie diese Nachricht löschen wollen?", ertönte die leicht blecherne Stimme viel zu laut an diesem stillen Ort.
Nach einigen Sekunden kompletter Stille sprach die Stimme weiter. "Ihre Nachricht wurde gelöscht".
Es dauerte noch eine halbe Stunde bis der Chief sicher Zuhause ankam und Büschlov sich ein Taxi rufen konnte, das ihn zu seiner Wohnung fuhr, wo er auch relativ schnell einschlief.
Zwei Tage später kam er das nächste Mal mit dem Mann in Kontakt.
Es war in seinem Büro, er und Santi hatten einen Termin mit ihm und sie redeten, ohne wirklich Details zu nennen, über eine Idee, die sie bezüglich der Pacinos gehabt hatten.
"Sie können doch ein Geheimnis eher privater Natur bewahren, si?", hatte Santi gefragt als es darum ging Privatgespräche mit bestimmten mächtigen Personen zu führen.
"Natürlich, Herr Mosquera", hatte der Chief geantwortet. Und dann hatten sich seine Augen auf Büschlov gerichtet: "Und Sie, Herr Büschlov? Können Sie Geheimnisse privater Natur bewahren?"
Ah, damit hatte sich seine Frage beantwortet. Der Chief hatte ihn also bemerkt, an jenem Abend. Er war sich unsicher gewesen.
„Da“ antwortete der Russe: "Geheimnisse sind meine Expertise, Chief".
Die Mundwinkel des Mannes zuckten in stiller Wertschätzung nach oben.
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