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Umbra in Lucem

GeschichteAbenteuer, Romance / P18 / Het
Kakashi Hatake
04.05.2021
04.05.2021
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2.094
 
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„Bring das bitte zum Tor.“
Eine junge, maskierte Frau stand vor einem großen Schreibtisch. „Sofort, Meister Hokage.“
Sie nahm den Stapel Dokumente und verließ das Büro. Das rege Treiben, mit kommenden und gehenden Shinobi war ein angenehmes, vertrautes Gefühl. Die Lampen in den Fluren waren mit einem dicken Glas umschlossen, welches viel Licht verschluckte und alles dunkler machte. Sie seufzte und dachte darüber nach, dass sie Kakashi, ihren Kindheitsfreund, lange nicht mehr gesehen hatte. Es wurde vorhin im Büro des Hokage über ihn gesprochen. Man hatte Wetten abgeschlossen, ob er sein Team zu Chuninprüfung zulassen würde.
Das passiert wohl, wenn man als Jonin die Jugend von morgen ausbildet, dachte sie sich.
Sie verließ das Hauptgebäude, welches unter einer großen Felswand stand. Ihr Blick fiel, wie immer, wenn sie das Gebäude verließ, auf die Steingesichter der ehemaligen Hokage. Sie waren das Wahrzeichen des Dorfes. Ein leichter Windhauch wehte ihr entgegen, als sie das Tor zur Straße passierte. Rauch stieg ihr in die Nase und sie erkannte die Marke sofort. Direkt danach stieß sie mit der Person zusammen. Der Chakrastoß, der durch Berührungen ausgelöst wurde, war angenehm und kitzelte auf ihrer Haut. Dabei war nicht jeder angenehm, einige schmerzen sogar.
„Oh, tut mir leid.“ Sie blickte zu ihm hoch, ein vertrautes Gesicht zeigte sich vor ihr. „Schon wieder am Rauchen, Asuma?“ Ihr Gesicht, mit einer Maske bedenkt, legte sie ihren Kopf schief und begutachtete sein Team, welches hinter ihm stand.
„Du kennst mich doch.“ Er lachte auf und sein Blick fiel auf die Dokumente. „Hat er dich zum Boten degradiert?“
Sie lachte leise. „Es ist mal etwas anderes, als immer außerhalb des Dorfes zu sein.“ Suki schlich an ihm vorbei. „Viel Glück auf eurer Mission.“ Winkend drehte sich zum Gehen weg, die Gruppe sah ihr verwundert hinterher.
Sie schlenderte durch das Dorf und bummelte etwas. In den Schaufenstern lagen die Waren aus, Bücher und die neuste Hose, waren nur einige wenige Dinge, die ihr auffielen.
Als sie am Tor ankam, ging sie zu der kleinen Hütte, die direkt daneben stand.
„Oh, Suki.“ Ein junger Mann, mit stachligem Haar begrüßte sie.
„Soll ich euch vom Meister Hokage bringen.“ Sie legte die Dokumente auf den Tresen. „Besser als nichts tun.“ Er griff danach und blätterte sie durch. „Oh, Kakashi und sein Team kommen gerade aus dem Wellenreich wieder.“
Suki, die sich nichts anmerken lassen wollte, drehte sich gelassen um. Ein junger Mann mit weißem Haar, der einen Großteil seines Gesichtes verhüllte, stand dort und diskutiere mit seinen Schülern.
„Er hat es mit diesem Team auch nicht einfach.“ Leicht gegen den Tresen gelehnt, beobachtete sie das Geschehen weiter. Einer der Männer sagte: „Der Fuchsjunge soll einige Probleme machen.“
Suki verzog das Gesicht. „Er hat es nicht leicht, ohne Eltern und mit diesem Schicksal.“
Die beiden Männer, die heute Dienst hatten, blickten sie verdutzt an.
„Wenn du das sagst.“
Sie schüttelte den Kopf, verdrehte ihre Augen. „Wenn ihr aufhören würdet ein Monster aus einem Kind zu machen, würdet ihr sehen, dass er sich mehr Mühe gibt als alle anderen. Außerdem ist er ganz alleine, er hat keine Eltern oder anderen Verwandten, die ihn ermutigen.“
Mit geballten Fäusten und Wut im Bauch lief sie auf Kakashi und sein Team zu. „Yo, wie war das Wellenreich?“
Er drehte sich zu ihr um. Der untere Teil seines Gesichtes war mit einer Stoffmaske bedeckt und über sein linkes Auge war sein Stirnband gezogen. Seine hellgrauen Haare standen in alle Richtungen ab und ließen ihn noch größer wirken, als er war. „Yo, statt Rang C hatten wir Rang A.“
Stutzig zog sie ihre Brauen zusammen. „Wie konnte das passieren?“
Seine Schüler blickten Neugierig hinter ihm her. „Lange Geschichte, aber es hat sich alles aufgeklärt.“ Mit erhobenem Finger deutete er auf den Sitz des Hokage, der am anderen Ende des Dorfes lag. „Wir müssen Bericht erstatten.“
Sie nickte und wandte sich ebenfalls in diese Richtung.

Zusammen liefen die Fünf durch die Stadt. Die Schüler redeten übers Essen und fielen deshalb ein Stück zurück.
„Erinnerst du dich noch an Zabuza?“ Er stupste sie mit dem Ellenbogen an. Sie zuckte kurz zusammen, der Chakrastoß war mollig warm und sie fühlte wie ihre Wangen anfingen zu glühen.
Mit leiser Stimme sagte sie: „Ja, einer der sieben Schwertninja. Er hat vor langer Zeit sein Dorf verlassen.“
Eine Windböe tat sich auf und rauschte durch die Gasse, in der sie gerade waren. Sukis Haare wurde aufgewirbelt und sanfte Glockentöne waren zu vernehmen. Ihre schwarze Mähne folgte den sachten Berührungen des Windes, bauschten sich auf, fielen herab und ließen die Glöckchen an den schmalen Bändern, verflochten im Haar, sanft erklingen. Die weiße Strähne, die sich einem Mahnmal gleich von alldem abhob, begleitete die Melodie mit Stille. Es glich einem Windspiel, zaghaft, doch eindringlicher als die Einsamkeit, und für einen Moment schien die Welt in ihrem Klang zu versinken. Kakashi bemerkte es in stoischer Ruhe, hielt inne, um zu lauschen, um sie in den seichten Zügen wahrzunehmen.
„Ihr solltet Meister Hokage nicht warten lassen.“ Schnellen Schrittes lief sie weiter, ignorierte die Details, das Chaos, die Unruhe im Inneren zusammen mit dem Wissen darüber, was er soeben getan hatte. Das Kribbeln im Bauch blieb dennoch. Heimisch und warm breitete es sich aus, löste wohliges Empfinden in ihr aus, das sie nicht missen wollte. Nicht in einer Welt wie dieser, in der Nähe schrecklich fremd wirkte. Ihm gegenüber war das nicht nötig. Er hatte schon immer einfach hinter ihre Fassade gesehen, sie wahrgenommen, wie sie wirklich war.

Ein Schaufenster neben ihr erregte ihre Aufmerksamkeit. Es war ein Laden für Gewürze und Kräuter. „Ich komm gleich nach.“
Ehe eine Antwort kam, hatte sie das Geschäft schon betreten. Düfte von verschiedenen Kräutern, die neben dem Eingang lagen, drangen in ihre Nase. Pfefferminz und Salbei, womit sie gern Tee aufkochte. Als sie am Tresen ankam, tauchte eine kleine, alte Frau auf. „Suki-chan, wie immer?“
Sie wollte sich schon an die Arbeit machen und die üblichen Zutaten zusammenpacken, als Suki sich an sie wandte. „Kannst du mir noch Pfefferminz, Salbei, Lavendel, Kamille und Fenchel dazu packen?“ Die Stimme, die sie vorhin fast verloren hatte, war wieder da.
„Aber natürlich, Liebes.“ Die alte Dame machte sich an die Arbeit und packte die üblichen Zutaten mit den dazu gewünschten zusammen und stellte Suki eine große Papiertüte hin. „Hier, den Rest kannst du behalten.“
Das Klingen der Glocke an der Tür ließ beide herumfahren.
„Es riecht himmlisch hier.“ Mitten in diesem kleinen Laden, zwischen den Schalen voller Gewürze, stand Kakashi und schaute sich um.
„Wolltest du nicht zum Hokage?“ Suki winkte der Oma zu und machte sich auf den Weg zur Tür. Gerade als sie diese erreicht hatte, stand schon wieder Kakashi dort und hielt sie ihr auf.
Der Geruch seines Körpers drang ihr in die Nase, eine Mischung aus Schweiß und Parfüm, welches sie ihm zum letzten Geburtstag geschenkt hatte. Sie verzog ihre Lippen zu einem Lächeln und eine leichte Gänsehaut schauerte über ihre Haut. Sie legte ihre Hand auf seine Brust und lief an ihm vorbei. „Habt dank, edler Ninja.“
Sein sichtbares Auge schloss sich und man konnte durch die Stoffmaske hindurch erkennen, dass er lächelte. Sie sog noch einmal vorsichtig seinen Geruch ein und trat dann auf die Straße.

Als sie beim Hokage ankamen, verließ Suki die Gruppe und lief weiter ins Archiv – sie hatte dort noch einige andere Dokumente anzugeben, die sie noch bei sich hatte. Das Archiv befand sich in einem der Nebengebäude, es war ein kleines, flaches Haus. Wenn man hinein ging, sah man nur eine Tür, an welcher man einen Code eintippen musste, um sie zu öffnen. Dahinter befand sich eine Treppe, die in den Untergrund führte. Danach folgte ein kleiner Flur, der in an einer weiteren Tür endete. Beim Öffnen dieser, stieg ihr ein vertrauter Geruch in die Nase. Der Duft von all den Büchern, sie liebte ihn und sie war gerne dort. Der Raum war hell erleuchtet und wirkte einladend, wie eine gemütliche Bibliothek. Massive Holzschränke türmten sich bis zur Decke und an manchen Stellen standen Leitern gelehnt. Suki hatte die Berechtigung alle Dokumente einzusehen, selbst die verbotenen, welche kaum jemand kannte. Meister Hokage erlaubte es nicht vielen, alles einzusehen, aber durch Sukis besondere Kräfte, konnte er es ihr nicht verweigern.
Die Archivarin kam zu ihr, es war eine junge Frau mir wirrem Haar und einer sehr dicken Brille auf der Nase. „Was kann ich für dich tun?“
Suki war öfter hier und man kannte sie bereits. „Ich habe noch einige Dokumente von Meister Hokage.“ Die Schriftrollen, die sie überreichte, waren dunkelrot und hatten somit die zweite Geheimhaltungsstufe. „Ich werde sie sofort nach hinten bringen, sie sind nach wie vor versiegelt?“ Sie schaute sich die Rollen genau an, die Banderole darum war unbeschädigt.
Leise Schritte kamen auf sie zu. „Dass du das immer fragen musst.“ Ein älterer Mann mit strenger Miene trat zu ihnen. „Suki, du kannst gehen, wir kümmern uns darum.“
Mit einem Nicken verabschiedete sie sich. Als sie an der Tür war, hörte sie die beiden noch diskutieren.
Im Flur war es still und etwas stickig. Die Teppiche, die schon seit ewigen Zeiten hier lagen, taten ihr Übriges. Das Moosgrün passte gut zu den dunklen Holzvertäflungen an den Wänden. Gerade als Suki eins der Fenster öffnen wollte – ihr war die Luft zu stickig – kam die Archivarin herausgerannt. Sie hatte Tränen in den Augen und schniefte. Komplett ignoriert schaute Suki ihr hinterher. Mit einem Schulterzuckten machte sie sich wieder ans Fenster, es war nämlich schon normal, dass sich die Zwei nicht leiden konnten und sie meistens weinend wegrannte.

Die Straßen waren voll mit Menschen, viele hatten Feierabend. Schnell noch was einkaufen oder ein gemütliches Treffen unter Freunden, war um diese Uhrzeit normal. Suki nahm Geheimwege zu ihrem Haus, welches am westlichen Dorfrand lag.
Ein Gefühl, dass sie beobachtet wurde, beschlich sie. Immer wieder warf sie einen Blick über die Schulter. Es gab Menschen in diesem Dorf, denen sie auf gar keinen Fall begegnen wollte. Ihre Haut fing an zu brennen, ihre Nackenhaare stellten sich auf und sie ging nun nicht mehr, sie rannte die Gassen entlang. Magenschmerzen bereiteten sich aus, das ungute Gefühl wurde stärker und all ihre Sinne waren in Alarmbereitschaft.
An einem Waldstück hielt sie inne, sie ließ Chakra durch ihre Finger strömen und drückte gegen eine mit Ranken bewachsene Wand. Eine kleine Tür öffnete sich. Suki schlüpfte hindurch und ehe man sich versah, war der Durchgang verschlossen.
Endlich konnte sie durchatmen, hier konnte niemand hin. Ein schmaler Weg, der aus Holzbrettern bestand und von Pflanzen umringt war, führte zu einem kleinen Haus, welches hinter einigen Bäumen stand. Ein Schnurren war zu hören und es wurde lauter, als drei kleine Fellknäule aus dem Haus zu ihr kamen. Die Tür war, wie immer, einen kleinen Spalt offen, damit die Katzen hinaus konnten.
„Kommt, ich gebe euch Abendessen.“
Die kleinen Kätzchen spitzen ihre Ohren und tapsten schnell wieder hinein. Sanftes Licht fiel in den Garten, welches von kleinen Gartenleuchten herrührte – es machte den Weg irgendwie magisch.
Am Haus angekommen, zog Suki ihre Schuhe aus und schob die Schiebetür ganz auf. Nachdem sie den Lichtschalter betätigt hatte, ging sie in die Küche und gab den Katzen frisches Futter.
Erneut am Eingang angekommen, legte sie ihre Maske ab und schaute in den Spiegel, der dort hing. Sie ließ die Schultern hängen, denn ihr wurde wieder bewusst, dass andere Angst vor ihr hätten, würde sie ihr Gesicht zeigen. Ihre schwarzen Haare umrahmten ein blasses Gesicht, das voller Narben war, zudem waren ihre Augen so schwarz wie ihre Mähne. Man hatte mal zu ihr gesagt, dass es wäre, als würde man ins Reich der Toten starren. Man betrachtete sie als Monster und einige behaupteten sogar, sie würde den Tod bringen.
Sie fing an zu lachen, so sehr, dass der Schmerz, der sich in ihr auftat, wieder verschwand. Sie verhüllte den Spiegel und ging ins Schlafzimmer, entledigte sich ihrer Kleidung und noch mehr Narben kamen zum Vorschein.
„Wir sind vom Leben gezeichnet in den buntesten Farben. Und wir tragen sie mit Stolz, unsere Wunden und Narben.“ Ein Mantra, welches ihre Schwester ihr beigebracht hatte, als Suki die ersten Verletzungen bekommen hatte. Sie biss sich auf die Lippen und blickte erneut in einen Spiegel, der an der Wand angelehnt stand. „Ich lasse mich nicht als Monster darstellen, nicht einmal von ihnen!“ Sie fuhr mit den Fingern über ihre Haut, die leichten Erhebungen waren weiß, einige von ihnen, die noch jünger waren, hatten einen rosa bis rötlichen Ton. „Ich bin stärker als ihr glaubt.“  Mit gestrafften Schultern und erhobenen Hauptes trat ins Badezimmer, das direkt neben ihrem Schlafzimmer lag, dort stieg sie unter die Dusche.
 
 
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