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Ein Leben für die Drachen Bd 2: Dunkle Schatten

von Ladria
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
Heidrun Hicks der Hüne OC (Own Character) Ohnezahn Windfang
04.05.2021
07.06.2021
5
6.462
3
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
08.05.2021 1.735
 
Hey erstmal.
Schon vier Favos, ich bin echt glücklich. Es ist einfach ein tolles Gefühl, zurück zu sein. Jetzt kommt das erste richtige Kapitel, ich hoffe, es gefällt euch, es gibt auch ein Wiedersehen mit einigen Drachen aus dem ersten Band... Viel Spaß damit, wir lesen uns hinterher in meiner Anmerkung.
                   
                                                                                                                   *

Kapitel 1: Alltag
„Fang uns doch!“, ruft Enia und treibt Dunkelschimmer noch mehr an. Das blaue Nachtschattenweibchen rauscht schnell wie ein Blitz über das Meer hinweg. „He, das ist unfair! Wir sind nicht so schnell wie ihr“, beschwert sich Hicks. Ohnezahn brummelt: „Aber wir versuchen!“ Hicks streicht seinem besten Freund über den Hals. „Wenn du meinst, klar. Die werden sehen, was sie davon haben, wenn sie sich mit uns anlegen! Also los!“ Der schwarze Nachtschatten antwortet nicht sondern beschleunigt direkt und setzt Dunkelschimmer nach. Elegant fliegt das Nachtschattenweibchen, dessen Schuppen in der Sonne in allen nur denkbaren Blautönen schimmern, einige Kurven. Sie scheint Enias Gewicht auf ihrem Rücken nicht zu spüren.
Hicks bemüht sich, Ohnezahns lederne Schwanzprothese immer in die richtigen Stellungen zu bringen, was in diesem Tempo gar nicht so leicht ist. „So holen wir sie nie ein...“, seufzt Hicks leicht resigniert. „Wir müssen uns etwas anderes ausdenken, irgendeinen Trick!“ Ohnezahn wird nur wenig langsamer und brummt zustimmend. „Eine Idee: Runter! Direkt über Wasser. Lassen wie Sturz aussehen...“ Hicks grinst. „Und wenn sie denken dass wir abstürzen... Genial! Das könnte funktionieren!“ Er bringt das Pedal und damit die Prothese in die richtige Stellung. Ohnezahn fliegt steil und scheinbar leicht unkontrolliert nach unten. Als Enia und Dunkelschimmer die scheinbaren Probleme ihrer Verfolger bemerken, werden sie langsamer. „Alles ok bei euch? Gibt es wieder ein Problem mit der Steuerung?“ ruft sie mit aufrichtiger Besorgnis. Doch darauf haben Hicks und Ohnezahn nur gewartet. Er fängt den Sturz ab und schießt in vollem Tempo auf Dunkelschimmer und Enia zu. „Jetzt haben wir sie!“ ruft Hicks zufrieden. Doch auch Dunkelschimmer beschleunigt bereits wieder. Allerdings haben sie dadurch ihren Vorsprung fast vollständig verloren! „Das war fies!“, ruft Enia empört. Hicks lacht nur und Ohnezahn stimmt mit ein. Mit einigen geschickten Kurven und sehr schneller Beinarbeit von Hicks Seite holen sie Enia und Dunkelschimmer schließlich ein. „Das Spaß gemacht!“, bemerkt Ohnezahn. „Manchmal kann ich es echt nicht glauben...“, faucht Enia, aber ihre Augen funkeln eher belustigt als verärgert. „Ihr habt euch ja schon vieles einfallen lassen, aber das... Ich dachte, ihr würdet abstürzen!“ „ Wir waren besorgt. Aber trotzdem lustig“, meint Dunkelschimmer. „Ja, es war lustig, aber ich muss mit meinem Fuß noch schneller werden. Wenn ich schneller schalten kann, muss Ohnezahn weniger Rücksicht darauf nehmen und wir kommen besser um die Kurven“, meint Hicks kritisch. „Ihr müsst einfach mehr üben. Das wird noch!“, ermutigt Enia ihn. „Sagt die, die davon eigentlich keine Ahnung hat. Meinst du, das wäre immer so einfach?“, fragt Hicks ein wenig bitter. „Aber stimmt: Wir brauchen mehr Übung. Dann werden besser!“, stimmt Ohnezahn dem Mädchen zu. „Vielleicht mehr von Dunkelschimmers Tricks versuchen“, schlägt er vor. Hicks überlegt einen Moment. Dunkelschimmer ist eine unglaublich gute Fliegerin, die sich schon einiges an teilweise sehr komplizierten Flugmanövern ausgedacht hat. „Vielleicht. Aber nicht heute, ich habe Rumpel versprochen, dass ich auf die Kleinen aufpasse, weißt du nicht mehr?“, erinnert Hicks seinen Kumpel.
Rumpel ist ein befreundetes Gronckelweibchen, das in der selben Klippe wohnt wie Hicks und Enia. Sie und ihr Gefährte Fels sind sehr damit beschäftigt, drei sehr lebhafte Junge aufzuziehen. Sowohl Enia als auch Hicks spielen sehr gerne mit den drei Halbwüchsigen und passen hin und wieder auf die Kleinen auf, damit die beiden stolzen Eltern sich mal erholen können. Die kleinen Gronckel sind aber auch zu niedlich, um sie nicht zu lieben.
„Ich mache nachher noch einen Ausflug mit Inferno, sie meint, ihre Kleinen sind jetzt alt genug, um alleine zu bleiben“, erzählt Enia von ihren eigenen Plänen. Auch Inferno ist ein Drache, ein Riesenhaftes Albtraumweibchen, alleinerziehende Mutter von vier Kindern und Enias beste Freundin. Der Vater ihrer Jungen ist ein umherziehendes Männchen, dass sie verlassen hat noch bevor Inferno überhaupt die Eier gelegt hatte.
„Viel Spaß,“ meint Hicks. Er weiß, wie selten Inferno und Enia Zeit zu zweit verbringen können. „Dir auch viel Spaß. Aber lass dich diesmal nicht wieder von Jola anknabbern“, entgegnet Enia und lacht. „Was kann ich dafür, dass Jola solche Einfälle hat?“ Hicks muss ebenfalls lachen. Auch wenn es nicht besonders angenehm gewesen ist, es war schon niedlich, wie das Gronckelmädchen an seinem Bein herum gekaut hat. „Ich sag ja nur, lass es ihr nicht zur Angewohnheit werden, wenn du dein Bein behalten willst. Du weißt ja, je älter sie werden, desto mehr Kraft bekommen sie...“ „Ist schon gut, ich lasse es ihr nicht mehr durchgehen. Und Ohnezahn ist ja auch noch dabei“, gibt Hicks zurück. „Wenn ich dich wieder retten muss, du mir Fisch geben, Hälfte von Abendessen!“, knurrt Ohnezahn. „Immer denkst du nur ans Essen!“, gibt Hicks zurück. „Nein!“ „Doch!“ „Nur Hälfte von Zeit!“ „Mindestens drei viertel!“ „Höchstens zwei drittel!“ „Glaube ich dir nicht!“ „Ist aber so!“ „Es ist ganz sicher mehr!“ „Ok, du gewonnen. Drei viertel“, gibt Ohnezahn schließlich zu.
Als sie bei der Insel angekommen sind, verabschieden sich die Freunde voneinander. Dunkelschimmer bringt Enia weiter in Richtung Infernos Bau, während Ohnezahn in der Gronckelhöhle landet.
In der Höhle ist es warm, viel wärmer als draußen, wo noch immer hoher Schnee liegt. In dem Moment, als Hicks von Ohnezahns Rücken springt, wird er auch schon von drei jungen Gronckeln umflattert. „Hallo, kleinen ihr!“, begrüßt Hicks sie in der Drachensprache. Er weiß, dass seine Grammatik nicht die beste ist, aber er lernt die Drachensprache auch erst seit ein paar Monaten. „Und ich dachte sie ruhiger nach spielen im Schnee“, meint Fels, der Vater der Kleinen.  „Wir schon klar kommen“, entgegnet Hicks ein wenig amüsiert.
Hicks und Ohnezahn spielen den ganzen Nachmittag mit den Jungdrachen, während Fels und Rumpel Zeit zu zweit verbringen. Vor dem Schlafen gehen fliegen sie noch eine Runde mit Enia und Inferno zusammen um die Insel, bevor Hicks in die kleine Höhle geht, die er sich mit Ohnezahn und dem Nachtschrecken Martvid teilt. Hicks hat Martvid kennen gelernt, als er in dieses Gebiet gezogen ist. Erst seit einem Monat leben er und Ohnezahn auf derselben Insel wie Enia. Nachdem er seine damalige Heimat verlassen musste, hat er vier Monate lang auf einer nahegelegenen Insel gewohnt, die er sich mit einem Schwarm Nachtschrecken geteilt hat. Einer der kleinen Drachen, Martvid, hat Hicks gegenüber eine ziemliche Anhänglichkeit entwickelt und ist zu seinem ständigen Begleiter geworden. Heute jedoch hat der kleine Drache seinen Schwarm besucht.
Martvid wartet bereits in der Höhle, er sitzt auf dem Schlafplatz, den Hicks sich mit seinen beiden Drachenfreunden teilt.
Nachdem Hicks und Ohnezahn den schwarzvioletten Nachtschrecken begrüßt und etwas zum Abend gegessen haben, ist es Zeit zum Schlafen.
Der Abend und die Nacht sind für Hicks der schlimmste Teil des Tages, der Grund, warum er sein sonst so perfektes Leben nicht richtig genießen kann.
Tagsüber, wenn es hell ist, kann er seine Vergangenheit und damit den Schatten, der immer über ihm liegt, fast vergessen. Aber sobald er sich abends auf seinen Schlafplatz legt, ist alles wieder da und er spürt den Schatten wieder wie eine starke Strömung, der er nicht entkommen kann und die ihn langsam, aber stetig nach unten zieht wie Treibsand. Er weiß, er kann ihr, er kann Berk, niemals ganz entkommen. Nachts ist alles wieder da, in seinen Gedanken, in seinen Träumen. Sein ewig enttäuschter Vater, für den er nie gut genug war. Der Kampf in der Arena mit dem Riesenhaften Alptraum und seine darauf folgende Flucht von Berk. Seine Angst, Ohnezahn zu verlieren. Seine Schuldgefühle dem Nachtschatten gegenüber, weil er es war, der ihn damals abgeschossen hat, wodurch Ohnezahn seine Schwanzfinne verloren hat. All diese düsteren Gedanken verfolgen ihn noch immer.
Tagsüber ist er stärker, aber kaum ist der Tag vorbei, sind sie wieder da und rauben ihm den Schlaf oder quälen ihn mit Alpträumen, aus denen er oft schreiend aufwacht. Enia weiß nichts davon. Hicks hat ihr nie von seinen Schuldgefühlen und den Albträumen erzählt und im letzten Monat ist er oft aus seinen schlimmen Träumen aufgewacht, bevor er zu der Stelle gekommen ist, bei der er immer schreit.
Außerdem hat Hicks ihr nicht mehr von seiner Vergangenheit erzählt als nötig. Viele Sachen sind noch immer zu schmerzhaft, um darüber zu reden, selbst nach fünf Monaten noch. Sie weiß, wie Hicks sich mit Ohnzahn angefreundet hat, dass er es war, der den Drachen verletzt hat und dass er sein Dorf verlassen musste, weil es Ohnezahn nicht akzeptiert. Das ist alles. Sie weiß nichts von seinem Vater, dem Stammesoberhaupt, für dass er nie gut genug war, und sie weiß nicht, dass er während dem Versuch, dem Dorf die Wahrheit über Drachen zu zeigen, geflohen ist. Sie weiß so vieles nicht und Hicks will auch nicht, dass sie mehr erfährt, denn es ist zu schmerzhaft, über seine Vergangenheit zu sprechen.
Wunderschöne Tage. Schreckliche Nächte. Das ist Hicks Alltag. Aber... das ist ok. So ist das Leben nunmal.

                                                                                                          *
Das ist Kapitel 1. Im nächsten Kapitel gibt es dann Heidrun, die natürlich auch in diesem Band wieder dabei sein wird.
Ich habe die Rohfassung dieses Kapitels schon vor fast 2 Jahren geschrieben, und es hat sich in der Endfassung nicht viel geändert. Ich mag es einfach, wie dieses Kapitel von einer fröhlichen Stimmung am Anfang zu einer eher düsteren am Ende wird, außerdem musste ich die drei Gronckel einfach rein bringen, ich hab die Kleinen einfach zu lieb und sie werden garantiert noch öfter vorkommen.
Viel mehr gibt es hier gerade nicht zu sagen, wir lesen uns nächsten Samstag, jegliche Rückmeldung und Kritik ist jederzeit willkommen.
Einen schönen Tag euch noch, eure Ladria
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