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Horizonte

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Captain Jack Sparrow Elizabeth Swann James Norrington Lord Cutler Beckett OC (Own Character) Will Turner
04.05.2021
16.05.2021
5
12.827
1
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3 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
04.05.2021 2.904
 
Ahoi Pirat* innen und Landratten ; )
Wir haben eine Fanfiction für euch geschrieben, und hoffen, dass sie euch gefällt! Um niemanden zu verwirren:( ACHTUNG!!! Spoilergefahr!) die Geschichte beginnt, in der Mitte des 1. PotC Teils. Wir wünschen viel Spaß beim lesen!!! Und freuen uns über jeden einzelnen Review.
Liebe Grüße und bleibt gesund :D,
Grashalm von Gras und Merry van Mare

PS: Für Rechtschreibfehler übernehmen wir keine Verantwortung!!!! Word war schuld! ; )







                           

„ …und der Kraken bäumte sich über dem gigantischen Schiff auf, und wollte es verschlingen. Holz splitterte, und Wellen, hoch wie Kirchtürme brachen über dem demolierten Schiff, dem Captain und seiner Crew zusammen, panische Schreie, und…“ „Wann sind wir endlich daaaaa?“ fragte Lukas, mit trotzig vorgeschobener Lippe, die Arme vor der Brust und dem Anschnallgurt verschränkt.
Entnervt schlug ich den Roman zusammen. Wie konnte man nur so ungeduldig sein? Vielleicht lag es daran, dass ich sechs Jahre älter war, vielleicht aber auch daran, dass ich von ewigen Schulstunden in stickigen Klassenzimmern abgehärtet war, was diese elende Langeweile betraf. Doch ehe ich mal wieder meinen Senf dazugeben konnte, antwortete meine Mutter. „Mensch Lukas, es erst fünf Minuten her, dass du gefragt hast, und es ist immer noch eine Stunde!“ „Och Menno!“  rief Lukas um sich dann beleidigt gegen das kalte Autofenster zu lehnen und böse nach außen zu starren.
Auch ich wandte mich dem kleinen Fenster unseres Autos zu, um wenigstens ein bisschen des überfüllten Innenraums und der schlechten Stimmung zu entkommen. Aber die stickige Luft legte sich weiterhin wie ein warmes Tuch über meinen Mund und die Nase. Ich öffnete das Fenster einen Spalt breit. Die kühle Luft wehte mir angenehm ins Gesicht, ich hätte am liebsten das Fenster ganz geöffnet aber dann hätte sich meine Mutter wieder beschwert, da sie seit gestern Morgen leichten Schnupfen hatte.
Bäume rauschten an uns vorbei und der Asphalt raste unter den Autoreifen dahin. Von oben brannte die helle Sonne herab. Eigentlich ziemlich großes Pech, dachte ich, sich kurz vorm Sommerurlaub in Dänemark einen Schnupfen einzufangen. Das eintönige Rauschen der Autos und der Autobahn um uns herum machten mich schläfrig, fast taub. Ich dachte an den anstehenden Strandausflug. Das Meer und die kreischenden Seemöven. Einzig allein die Vorstellung an das glitzernde, weite Blau und dem warmen Sand unter meinen Füßen, durchbrach die Grenze zwischen Realität und Fantasie, bis mein Kopf auf die Brust sackte, und ich einschlief.
Ich stand in einem dunklen Raum.
Aber es war kein Raum. Es war eine Höhle. In der Decke klafften große Löcher, Triumphgeheul erfüllte die Luft. Ein blutverschmiertes, goldenes Medaillon fiel sanft in eine steinerne Truhe, in der weitere Goldstücke lagen. Ein Affe wuselt durch die Höhle. Und durch die verschleierte Sicht sah ich weitere Gestalten. Die Umrisse wurden schärfer und mein Atem stockte. Es sah aus als hätten die Kreaturen vor mir, man konnte nicht sagen, ob es lebende Menschen oder Leichen waren, jahrelang keine Sonne gesehen. Ich folgte mit den Augen dem Äffchen, das den Arm eines Mannes emporkletterte und sich auf seine Schulter niederließ. Der große, schwarze Hut des Mannes warf einen langen Schatten auf sein vernarbtes Gesicht, sodass Augen und Nase verdeckt waren.
Plötzlich fiel das Licht auf die Meute, und sie verwandelten sich in Skelette. Mir brach der kalte Schweiß aus. Ich unterdrückte einen panischen Aufschrei, war mir aber nicht sicher, ob ich zum Schreien überhaupt fähig gewesen wäre, mir gefror das Blut in den Adern. Eines der Skelette verlor sein Holzauge und es kullerte über den Boden. Als die Skelette sich mir zu wanden verlor ich die Beherrschung.
Ich schrie laut auf und wollte davonrennen, obwohl ich keinen Weg kannte, keinen Ausgang. Jemand sprang aus einem Schatten, einen gezückten Degen in der Hand. Ich hielt inne.
Etwas sagte mir, dass diese Person mir nicht schaden würde. Ich blieb stehen. Die Gestalt stellte sich vor mich, ich konnte ihr Gesicht nicht sehen, aber was ich sah verwunderte mich. Es schien als hätte sie eine Karnevalkiste geplündert.
Sie trug eine blaue Uniform, seltsam geformte Schuhe und auf dem Kopf einen Dreispitz, unter dem eine weiße Perücke hervorlugte. Ich machte einen Schritt nach hinten und stolperte über den langen Saum meines Kleides. Noch bevor ich mich über meine Kleidung, die ich auf einmal trug, wundern konnte, schlug ich hart auf den Boden auf.
Ein pochender Schmerz…und plötzlich lag ich an Deck eines schwarzen Schiffs. Panische Schreie…wirbelnde Fangarme fegten über das Deck und rissen alles mit sich, was sie erreichen konnten. Arme packten mich von hinten und rissen mich auf die Beine. Eine junge Frau, nicht viel älter als ich, vielleicht sogar im selben Alter schaute mich besorgt an.
Sie klopfte mir auf die Schulter, drückte mir einen Degen in die Hand und rannte über die Planken des Schiffes, um es gegen den Kraken zu verteidigen. Ich wusste, dass ich helfen musste, hatte aber keine Ahnung wie ich helfen konnte. Ich konnte weder mit einem Degen umgehen, noch kannte ich mich mit einem Schiff aus, das offensichtlich aus dem 17. Oder 18. Jahrhundert entflohen war. Zittert stand ich da, hilflos, verängstigt, denn es war eine Welt, die ich nicht kannte und mir völlig fremd war. Das Schifft machte einen fürchterlichen Ruck!...

Von fernem hörte ich Möven, die um die Wette kreischten. Es roch nach Salz und Algen. Verschlafen öffnete ich die Augen. Das Genick tat mir verdammt weh.
Als ich vorsichtig den Kopf hob bemerkte ich, dass ich immer noch im Auto saß. Die Türen waren weit geöffnet ,sodass der Wind mir sanft meine Haare ins Gesicht wehte. Ich löste den Gurt und konnte gleich freier atmen. Als ich wackelig aus dem Auto stieg wäre ich fast in meinen Vater hineingelaufen, der einen der großen Reisekoffer aus dem Jetpack holte. „Auch wieder wach?“ fragte er grinsend „Dein Bruder ist gerade am Ausrasten, weil im Ferienhaus ein riesiges Bücherregal steht. Ich glaube er wird sich die zwei Wochen nur in den Wohnzimmersessel verkriechen.“ Ich lachte. Ja, das sah der kleinen Leseratte ähnlich. Kaum ein Buch gesehen, schon in die Abenteuer von 5 Freunde oder Harry Potter gestürzt.
Ich hatte mit Büchern nicht so viel am Hut. Ich las zwar gerne mal eins, wenn wir länger Auto fuhren. Aber ich dachte mir lieber eigene Geschichten, die immer mit einen Sonnen Untergang am Meer zu enden schienen. Okay, vielleicht war ich auch einfach Meerverrückt. Nach einem Jahr tat es einfach gut, das vertraute Kreischen der Möven zu hören, das ferne glucksen der Wellen. Aber am meisten freute ich mich auf die Besichtigung der Stadt. Wir waren zwar schon oft in Ebeltoft, aber immer wieder erstaunte es mich, wie wunderschön diese verschlafene, gleichzeitig blühende Stadt sich präsentierte.
Das alte, trockengelegte Schiff war aber mein absolutes Hylight. Mit unzähligen Kabinen, der Geruch nach Buchenholzteer und die große Kajüte der Königin und des Königs. Einfach herrlich. Jedes mal, wenn wir die Frygatte Jylland wieder besuchten, verspürte ich den Drang, hoch hinauf in die Masten zu klettern, und von oben zu sehen, wie die Touristen, schwankend, verängstigt oder interessiert die Treppen hoch an Deck stiegen. Und obwohl wir schon oft das alte Kriegsschiff besucht hatten, kannte ich mich unter Deck einfach nicht aus, ein Gewirr aus Gängen und Kanonen, irgendwann wusste man nicht mehr, ob man in Richtung Bug oder Heck lief…

Ein Rufen riss mich aus den Gedanken. „Komm schon, Mey! Das musst du einfach sehen!“ Ich folgte Lukas Schrei und ging ins Haus. Es roch nach Holz und Salz. Wie es eben in einem Haus das sich in Meerreichweite befand riechen musste. Im Eingangsflur, der mit weiß gestrichenem Holz verkleidet war, hing ein altes Fischernetz und eine große Spiegelscherbe deren scharfe Kannten glatt geschliffen waren, als wäre er zu lange im Salzwasser gelegen. Kurz schaute ich mein Spiegelbild an und versuchte das Wirrwar an blondem Haar zu richten. Meine blauen Augen sahen mich ein bisschen verzweifelt an und ließen es bleiben.
Zwei Türen eine links, eine rechts führen in weitere Räume. Am Ende der Ganges öffnete sich ein großer, heller Raum mit Küche, Essgelegenheit und Wohnzimmer. Eine Holztreppe ins nächste Stockwerk. Ich ging die Treppen hoch. Weitere Türen an der einen Seite, der Rest des Raums sah aus, als hätte man alles mit den Sachen dekoriert, die man je am Strand gefunden hat. Eine Wand bestand nur aus Glas und zeigte in der Ferne das Meer.
In die Fensterscheiben waren kleine Muscheln eingelassen. Es störte die Aussicht kein bisschen. Im Gegenteil. Es rundete das Bild herrlich ab. In der Mitte des Zimmers stand ein riesiger Stamm Treibholz, welches den Boden mit der Decke verband. In das Holz waren kleine Bücherregale geschraubt, auf denen Bücher aller Art standen. Kleine, dicke, riesige Schicken, kleine Handbücher über Meerestiere, Schiffe, und Geschichten von dänischen Städten.
Mehrere gemütliche Sitzsäcke und Sessel für 4 Personen standen in den Ecken unter Lampen, die die Form von Fackeln hatten. Es war herrlich. Hell, geborgen und gemütlich. In einer der Sessel, entdeckte ich Lukas. Unter einem großen Steuerrad, das an der Wand aufgehenkt war. Eines seiner Bücher aufgeschlagen und völlig vertieft. „Hey! Was ist jetzt so wichtig, dass du durch die halbe Straße brüllen musst?“
Lukas zuckte dermaßen zusammen, dass er fast von Stuhl gekippt wäre. Er schaute mich eine Sekunde verwirrt an, als wäre ich ein Alien, dann „Na das!“ Er deutete auf die Bücher. „Habe ich schon gesehen!“ sagte ich, fast ein bisschen genervt, da ein Bücherregal echt kein Grund war, um durch die Gegend zu schreien.

Ich ging zurück zum Auto und nahm mir meinen Rucksack. Dann lief ich zurück ins Haus und öffnete alle Türen, um das Zimmer von mir und meinem Bruder zu finden.
Mit der letzten Tür hatte ich Erfolg. Es war ein kleiner, aber gemütlicher Raum mit zwei Betten und einem großen Fenster, dass hinaus aufs Meer zeigte. Aber ich begutachtete das Zimmer nicht weiter, sondern pfefferte meinen Rucksack auf das Bett und rannte hinaus.
In der Einfahrt fing mich meine Mutter ab „Wo hin so schnell junge Dame?!“ „Ähhhh…an den Strand.“ Sie zog eine Augenbraue hoch. Der Blick gefiel mir gar nicht. „Dein Vater besteht darauf, dass wir erst das Auto ausräumen, und dann in die Stadt gehen.“ ,,aber der Strand-” ,,Der Strand läuft dir nicht weg” ,,aber-”setzte ich an, ,,Nein! Komm jetzt.” Mit einem letzten mahnenden Blick drehte sie sich um und verschwand im Flur. Ich stand einfach nur da und konnte nicht verhindern, dass leichte Wut in mir aufwallte.
Da war man schon mal am Meer und dann war es einem verboten es zu genießen. Mit geballten Fäusten stapfte ich missmutig auf den Flur hinaus. Motivation war gleich null.

Ich spürte jeden Pflasterstein unter meinen Füßen, als wir durch die langen Reihen von Fachwerkhäusern schlenderten. Ich musste mir eingestehen: ich war beeindruckt, obwohl ich die Idee mehr oder weniger abgelehnt hatte. Es war nicht so, dass ich es nicht mochte durch die verwinkelten Straßen zu bummeln, aber ich zog das offene Meer vor. Als wir an der großen Färberei vorbeigingen, fiel mir ein kleiner heruntergekommener Laden auf, den ich die Jahre zuvor, noch nie bemerkt hatte.
Abblätternde Goldbuchstaben hatten einst den Ladennamen gezeigt, doch jetzt war er nicht mehr zu entziffern. Das breite Schaufenster war an manchen Stellen mit Straßenstaub überzogen. Soweit ich erkennen konnte, waren mehrere alte Bücher und allerlei Krimskrams ausgestellt. Obwohl der runtergekommene Laden den Eindruck machte, als hätte ihn seit Jahren niemand mehr betreten, wirkte er lebendig und geheimnisvoll. Aus irgendeinem Grund weckte er mein Interesse. Deshalb wandte ich mich bittend an meine Mutter. ,, Könnten wir uns kurz da drinnen umsehen?”, ich deutete auf besagten Laden. Sie beantwortete meine Frage mit dem üblichen Mutterblick, der entweder das-reicht, muss-das- sein, oder Todesblick bedeuten konnte. ,,wenn du meinst, aber beeil dich. Wir warten an der Eisdiele auf dich.” Ich nickte und wandte mich mit etwas Vorfreude und einem mulmigen Gefühl dem Laden zu.

Als ich den kleinen Laden betrat, schlug mir staubige abgestandene Luft entgegen, die nach altem Pergament und Buchenholzteer roch. Ich hörte nur das Klopfen meines Herzens und das Knarren der Holzdielen unter meinen vorsichtigen Schritten.
Der gesamte Raum war vollgestopft mit Regalen ,deren Böden sich manchmal bedenklich durchbogen. Ich hatte das Gefühl, als hätte ich die Rumpelkammer der Hotten Totten betreten. Am Ende des überschaubaren Raumes stand eine hölzerne fast schon morsche Teke auf der eine noch ältere Kasse stand, die den Eindruck erweckte als wäre sie aus dem 19. Jahrhundert entsprungen.
Eine kleine Nebentür hinter der Theke führte offensichtlich in einen Hinterraum. Ich überlegte, ob ich nach dem Verkäufer rufen sollte, ließ es aber dann doch lieber bleiben. Keine Ahnung wieso. Interessiert, gleichzeitig etwas verunsichert begann ich die Regale zu inspizieren.
Mein Blick bleib an einer Kommode hängen, auf der sich anscheinend nur Dinge befanden, die mit dem Meer und dem Strand in Verbindung standen. Gerade als ich einen hölzernen Delfin berühren wollte, erklang eine kratzige Stimme hinter mir:
,, Gefallen dir diese Sachen?” Aufgeschreckt wirbelte ich herum und fand mich einem etwas pummeligen kleinen Mann gegenüber, der mich warmherzig lächelnd, interessiert musterte. Ohne, dass ich gefragt hatte, begann er zu erzählen: ,,Weißt du, jedes Ding hat seine eigene faszinierende gleichzeitig geheimnisvolle Geschichte. “ Ich nickte nur etwas verwirrt. ,,Wenn du willst darfst du dir eines davon aussuchen. Ich spüre von dir geht eine strahlende Energie zum Meer aus.” Ich schaute ihn perplex an. Was zum…? Ich kam grad nicht ganz mit. Der alte Kauz vor mir fragte mich einfach so ob ich mit etwas aussuchen wollte?
Wozu hatte er denn ein Geschäft? Damit er Dinge verschenken konnte? Ganz sicher nicht. Er lächelte mir nur aufmunternd zu und verschwand wieder im Hinterzimmer.
Eine ganze Minute lang starrte ich ihm wie starrgefroren hinterher. Dann endlich schien mein Gehirn seine Arbeit wieder aufzunehmen.
Langsam drehte ich mich erneut dem Regal vor mir zu. Ich schaute mir jede Sache genau an, weil es ihm ja wichtig schien, dass ich mit Bedacht wählte.
Da fiel mein Blick auf eine verstaubte hölzerne Truhe, die allein gelassen in der Ecke stand. Automatisch führten mich meine Füße zum alten Gegenstand. Verträumt ließ ich meine Finger über das marode Holz streifen, das mit eisernen Spiralmustern verziert war, die sich wie geschwungene Wurzeln über den Deckel zogen. Wie von selbst schob ich meine Fingernägel unter das Holz, um die Truhe zu öffnen.
Knarzend klappte die Kiste auf und offenbarte mir ihren Inhalt. Mein Blick glitt über mehrere alte Münzen, Muscheln einem vergilbten Fernrohr und einem…warte was? Einem angebissenen giftgrünen Apfel?
Doch meine Augen verfingen sich an einem anderen Gegenstand, der halb verdeckt unter diesem blöden Apfel verborgen lag. Wie in Trace nahm ich das runde Medaillon in meine Hand und lies die lederne Kette durch meine Finger gleiten. Der runde Stein lag kalt in meiner Hand und als ich ihn gegen das spärliche Licht hielt, das in den kleinen Laden vordrang, schimmerte die eine Hälfte fast bernsteinartig auf, während die andere undurchdringlich braun blieb.
Fasziniert von diesem Lichtspiel haftete mein Blick längere Zeit auf dem Gegenstand in meiner Hand, so dass ich gar nicht bemerkt hatte, dass der Ladenverkäufer leise wie ein Mäuschen an mich herangetreten war. So zuckte ich völlig erschrocken zusammen, als er zu sprechen begann: „Schön nicht?“ Ich fuhr aufgeschreckt herum und stand überstürzt auf, das Medaillon immer noch in meiner Hand haltend. Hatte es sich dieser Mann zur Aufgabe gemacht, mich zu erschrecken?
„Ich wollte Sie nicht erschrecken junges Fräulein“, meinte er sichtlich bestürzt. „A-alles gut“, brachte ich noch etwas durch den Wind hervor. Ich bemerkte wie der Blick des Verkäufers interessiert zum Medaillon in meiner Hand schweifte. „Ist das ihr gewünschter Gegenstand?“ „Äh ja-nein, also-ich weiß nicht“, gab ich unschlüssig zurück. „Ich sehe Sie sind noch unentschlossen. Aber ich kann es ihrer Aura entnehmen, dass dieser Gegenstand…wie soll ich sagen…zu ihnen passt? Nein, viel eher: Dass sie dieser Aufgabe gewachsen sind.“ Er zwinkerte mir vertraulich zu, ehe er zwischen all dem Krimskrams wieder verschwand. Äh-WTF? Ich fragte mich zunehmend allen Ernstes ob er nicht etwas Falsches gegessen hatte, das seinen Geist vernebelt hatte oder so.
Trotzdem schaute ich wieder auf den Stein in meiner Hand herab.
Auf der einen Seite stimmte es schon was dieser Mann gesagt hatte: Ich wollte das Medaillon schon irgendwie. Wieso? Das wusste ich nicht so genau. Unschlüssig hängte ich mir die Kette um.
Plötzlich spürte ich ein eigenartiges Kribbeln in meinen Fingerspitzen, als hätte ich gerade einen Elektrozaun angefasst. Ich zuckte kurz zusammen, empfand es aber nicht als unangenehm. „Und? Haben Sie ihre Entscheidung getroffen?“ Da war er schon wieder. Dieser Verkäufer, der immer auftauchte, wenn man tief in seinen Gedanken versunken war.
Und wieder einmal fuhr ich überrascht von seinem Auftauchen zusammen. Er lugte mir gespannt über die Schultern, so dass ich ihn mit hochgezogenen Augenbrauen von der Seite musterte. Ich erkannte seine schon leicht ergrauten Bartstoppeln am Kinn und die leichten Lachfältchen um seine Mundwinkel. „Ich äh-ich glaub ich nehme die Kette“, erwiderte ich. „Ach wirklich? Hervorragend!“
Er klatschte freudig in die Hände und wuselte an die Theke zurück. Immer noch leicht verwirrt runzelte ich die Stirn, folgte ihm aber dann. Am Verkaufstisch angekommen legte ich das Medaillon auf den hölzernen Tresen. „Das kostet doch nichts“ „Ach ja-stimmt- Äh danke.“ „Keine Ursache meine Liebe.“ Ich wandte mich gerade zum Gehen, als er noch in einer nun etwas geheimnisvolleren Stimme hinzusetzte:
„Pass auf dich auf.“ Etwas verstört verließ ich den Laden. Der hatte sie echt nicht mehr Alle.
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