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Sing To You

OneshotRomance / P12 / MaleSlash
Bruce Wayne / Batman Clark Kent / Superman
04.05.2021
04.05.2021
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2.961
 
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„Jetzt möchte ich bitte den Mann auf die Bühne bitten, der diesen Abend überhaupt möglich gemacht hat – Mr. Bruce Wayne.“
Mein Herz schlug schneller, als ich Mr. Wayne sah – als ich Bruce sah. Wie war ich nur in dieser Situation gelandet? Da stieg gerade der Mann auf die Bühne, in den ich verliebt war, und dieser wusste nicht mal, wer ich war. Also er wusste, wer ICH war – aber er wusste nicht, wer ich war. Es klang paradox, dennoch war es die Wahrheit. Eigentlich war diese Beziehung ein Sinnbild für mein gesamtes Leben.
„Sieht er nicht unfassbar gut aus?“
Lois leise Stimme und ihr Ellbogen zwischen meinen Rippen holten mich fürs Erste zurück in die Gegenwart. Ich nickte benommen, während meine Augen dem reichsten Mann von Metropolis folgten. In diesem Moment war ich unfassbar froh, dass ich ihn erst vor kurzen in genau diesem Anzug gesehen hatte und somit auf den Anblick vorbereitet war…

Ich setzte Bruce sanft auf dem Boden ab, wobei er meinen Blick gefangen hielt.
„Wir sollten aufhören, uns so zu treffen.“
Ein charmantes Lächeln umspielte seine Lippen, ehe er mein Kostüm an den Oberarmen unnötigerweise glatt strich. Wie jedes Mal in diesen Situationen versuchte ich, nicht zu viel in sein Flirten hineinzuinterpretieren. Wahrscheinlich tat das Metropolis' bekanntester Junggeselle mit jedem - vor allem wenn derjenige gerade sein Leben gerettet hatte. Mittlerweile hatte ich aufgehört zu zählen, wie oft ich ihn aus derlei Situationen gerettet hatte.
„Dann solltest du vielleicht aufhören, dich Hals über Kopf in Gefahr zu stürzen.“
Natürlich war es nicht immer seine Schuld, wenn er zwischen die Fronten geriet. Manchmal hatte er auch Pech und als Person des öffentlichen Lebens einfach eine Zielscheibe auf dem Rücken. Außerdem lastete ein unglaublicher Druck auf einem, wenn man ihn retten musste. Immerhin war er einer der beliebtesten Söhne der Stadt - dabei war er nicht mal hier geboren. Eigentlich kam seine Familie aus Gotham, doch nach dem schrecklichen Tode seiner Eltern hatte Alfred, sein Butler/Ziehvater, ihn nach Metropolis gebracht, um ihn vor den schmerzhaften Erinnerungen zu schützen.
All das hatte ich nur erfahren, weil wir im Zuge meiner ständigen Rettungsmissionen viel zu viel Zeit miteinander verbracht hatten. Des Weiteren war er natürlich mein Boss beim „Daily Planet”, welchen er - ohne Witz - aus ethischen Gründen erworben hatte. Danach hatte er mit jedem*r Mitarbeiter*in von der Reinigungskraft bis zum*r Chefredakteur*in ein Einzelgespräch geführt. Offensicht hatte mich persönlich das vollkommen fertig gemacht. Wenn er mich als Clark Kent erkannt hätte, wäre alles zu Ende gewesen, was wir hatten - das redete ich mir zumindest ein.
„Dann sollte unsere Stadt einfach sicherer sein. Ich kann doch nicht wegsehen, wenn jemand in Gefahr ist.”
Das Hier und Jetzt holte mich schlagartig wieder ein, was in mir gemischte Gefühle auslöste. Denn grundsätzlich verstand ich ja vollkommen, was ihn antrieb. Nichts anderes ließ mich eingreifen, um Menschen zu schützen und für Gerechtigkeit zu sorgen. Allerdings war ich nahezu unkaputtbar und er war nur ein Mann in einem sehr gut geschneiderten Anzug. Natürlich war mir nicht entgangen, dass diese öfter von perfekt gearbeiteten Kevlar-Hemden abgerundet wurden.
„Es ist nicht wegsehen, wenn du Hilfe rufst”, erwiderte ich unbedacht.
Daraufhin blinzelte er mich finster an, was er fast noch nie getan hatte. Innerlich verfluchte ich mich dafür, überhaupt mit diesem Thema angefangen zu haben.


Bei unserem letzten Treffen waren wir leider in einer Art Streit auseinander gegangen, weil ich mir Sorgen um ihn machte. Normalerweise passierte sowas zwischen uns nicht. Obwohl das daran liegen könnte, dass unsere Beziehung - wenn man das so nennen kann - in einem sehr abgekapselten und zugleich abstrakten Raum standfand. Wir begegneten uns ausschließlich, wenn ich als Superman unterwegs war, wobei ihm sicher klar war, dass ich genauso ein normales Leben führte. Manchmal zweifelte ich, ob diese Sachen zwischen uns überhaupt als real bewertet werden konnte.
Das Bühnengeschehen und Lois begeisterte Kommentare konnten mich nur bedingt von meinen ernsten Gedanken ablenken. Nichtsdestotrotz war dort ja noch immer der Mann zu finden, der der Grund für ebenjene Überlegungen war. Das ahnten nur weder meine gute Freundin noch er, weswegen ich diese Veranstaltung wohl schlicht durchstehen musste. Eigentlich wusste ich nicht so recht, warum ich überhaupt eingeladen worden war. Für einen Benefizgalagast fehlten mir Prestige und Geld.
„Geht es dir gut?”, wurde ich von der Seite gefragt.
Lois betrachtete mich eingängig, weshalb ich mich genötigt sah, mich zusammen zu reißen. Heute war nicht der Abend, wo ich das „Ich bin in Bruce Wayne verliebt, aber der kennt mich nur als Superman”-Gespräch mit ihr führen wollte - beste Freundin hin oder her.
„Ja, mir ist nur etwas warm. Das ist alles.”
Zur Untermalung meiner Worte setzte ich ein Lächeln auf, welches hoffentlich halbwegs überzeugend wirkte. Tatsächlich wandte sich meine Sitznachbarin wieder dem Bühnengeschehen zu, sodass ich wieder freier atmen konnte. Ich tat es ihr gleich und probierte zu ignorieren, wie gut Bruce aussah und was für ein ausgezeichneter Redner er war.
Obwohl ich ihn offensichtlich schon öfter bei solchen Events und öffentlichen Reden gesehen hatte, war heute irgendwas anders. Heute zog er mich noch mehr in seinen Bann, aber ich konnte nicht herausfinden, woran das lag.
„Zum Abschluss des Abends werden Sie uns also noch mit einer ihrer raren musikalischen Darbietungen beehren?”
„Ganz richtig. Jedenfalls hoffe ich, dass es eine Ehre ist und ich Ihnen alle danach kein Schweigegeld zahlen muss, weil es so schlecht war.”
Sein kleiner Witz bewirkte wohlwollendes Gelächter im Publikum. Während die restlichen Gäste noch damit beschäftigt waren, verfolgte ich jede seiner Bewegungen. Wie er sich elegant auf der Klavierbank niederließ und seinen Anzug zurecht zupfte. Wie er sein Mikrofon ausrichtete und seine Finger probeweise in der Luft über die Taste tanzen ließ. Auch diese Szene war für mich keine gänzlich unbekannte…

Ich konnte das Klavier schon leise spielen hören, als ich draußen auf dem Balkon landete. Eigentlich konnte ich nicht so recht sagen, was mich nach dieser langen Nacht ausgerechnet hierher getrieben hatte. Denn Bruce war in die heutigen Geschehnisse nicht im Mindesten verwickelt gewesen. Trotzdem hatte ich daran denken müssen, dass er - wie ich zufällig herausgefunden hatte - den Polizeifunk abhörte. Dementsprechend hatte ich mir selbst eingeredet, dass ich ihm lediglich Entwarnung geben wollte, damit er schlafen gehen konnte.
„Guten Abend, was verschafft mir diese Ehre? Wurde ich entführt und habe es nur nicht mitbekommen?”
Er saß noch immer am Klavier und hatte mir lediglich den Kopf zugewandt. So leger und privat wie jetzt im Pyjama und Morgenmantel traf ich ihn normalerweise nicht an. Allerdings änderte dies rein gar nichts an seiner imposanten Erscheinung.
„Hey, ich dachte nur, ich...ich sage dir Bescheid, dass in der Stadt wieder alles in Ordnung ist, ehe du dich unnötig sorgst.”
Vor kurzem hatte er mir das „Du” angeboten, was mir sehr schwer von den Lippen ging. Immerhin waren wir keine Freunde, sondern eher notgedrungene Bekannte - im wahren Leben war er mein Boss. Diese ganze Angelegenheit war dermaßen verzwickt, dass ich am liebsten nicht weiter darüber nachdachte.
„Das ist sehr aufmerksam von dir. Möchtest du dich setzen?”
Mit einer großzügigen Geste bedachte er alles von dem Sofa bis hin zu dem kleinen Stück freie Klavierbank neben ihm, was jedoch ebenso sein Schoß gewesen sein könnte. Schnell schüttelte ich den Kopf, während ich noch immer überlegte, was genau mein Ziel bei diesem Besuch gewesen war.
„Na gut”, er zuckte mit den Schulter.
Ohne zu zögern, fing er wieder an Klavier zu spielen. Ich war sicher kein Experte, aber für mich hörte es sich unglaublich schön an. Dennoch war das alles ein wenig zu viel - ein wenig zu intim. Ich war tief zerrissen von dem Wunsch, mehr über ihn zu erfahren, und der Angst, mich ihm nie richtig öffenen zu können. Als Superman war ich nämlich sicher, konnte meine Distanz waren. Als Clark war ich demnach verletzlich, konnte jedoch Nähe zulassen.
„Bist du okay? Ich kann dich bis hierhin denken hören.”
Erneut unterbrach er sein Klavierspiel, um mich über die Schulter anzublicken. Tatsächlich ehrlich besorgt aus, was mir ein schlechtes Gewissen machte.
„Ja, bin ich. Es war einfach eine lange Nacht.”
Ich rieb mir übers Gesicht, damit ich seinem Blick kurz entkommen konnte. Manchmal vergaß ich, wie aufmerksam er sein konnte. Das lag wohl vor allem daran, dass ich mir schwer tat den Playboy der Öffentlichkeit mit diesem Mann hier im Privaten zu einem stimmigen Bild zusammen zu setzen.
„Möchtest du dich doch setzen oder willst du dich hinlegen? Alfred könnte dir ein Zimmer--”
Unhöflicherweise unterbrach ich ihn: „Nein, das ist wirklich ein nettes Angebot. Aber ich werde jetzt einfach aufbrechen.”
Schnell erhob er sich, ohne dabei den Anschein zu machen, dass er mich aufhalten wollte. Dennoch bildete ich mir ein, dass er etwas geknickt wirkte. Für einige Sekunden blinzelte er mich abwartend an, ehe er verständnisvoll nickte.
„Dann gute Nacht.”
„Gute Nacht”, erwiderte ich.
Nachdem ich ihm unbeholfen zugewunken hatte, trat ich schnell auf den Balkon und flog weg. Diese merkwürdige Stimmung würde mir sicherlich für die nächsten paar Stunden nachhängen.


Seine Stimme riss mich aus der Erinnerung. Im Nachhinein hätte ich die folgenden Worte sehr gerne nicht mitbekommen: „Dieser Song ist für einen ganz besonderen Mann.”
Augenblicklich versetzte mir die Eifersucht einen Stich in die Brust. Wahrscheinlich hatte ich gar kein Recht auf dieses Gefühl, aber das änderte nichts an der momentanen Situation. Nur zu gerne wüsste ich, von wem er da sprach. Mir gegenüber hatte er nie jemanden erwähnt - nicht dass er dazu verpflichtet war. Ich versuchte, mich zusammen zu reißen, und wollte mir gerne einreden, dass es so besser war. Bruce Wayne in einer Beziehung mit Superman klang schlicht zu absurd, um je Realität zu sein. Dasselbe galt für Bruce Wayne in einer Beziehung mit Clark Kent. Mal ganz davon abgesehen, dass einer hypothetischen Beziehung zwischen uns schon vor ihrem hypothetischen Beginn viel zu viele Lügen im Weg standen.
Die Melodie, die er spielte, erkannte ich sofort von diesem einen Abend wieder. Außerdem kam sie mir vage bekannt vor, aber ich war bereits damals nicht drauf gekommen, woher ich sie kannte. Als Bruce zu meiner großen Überraschung begann zu singen, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Es war „I Want to Know What Love Is” von Foreigner, welches er in einer wunderschönen Piano-Version spielte. Schon nach der ersten Strophe musste Lois neben mir sich die Augen trocken tupfen. Natürlich ließ es mich ebenso wenig kalt, obwohl er es für einen anderen vortrug und nicht für mich - wie sehr wünschte ich mir in diesem Moment, dass er für mich sang.
Für den Bruchteil einer Sekunde fragte ich mich, ob er mir in dieser Nacht mit diesem Song etwas hatte sagen wollen, ohne es aussprechen zu müssen. Allerdings war diese Vermutung offensichtlich an den Haaren herangezogen. Er war mit großer Sicherheit ein Mann, der es einem direkt ins Gesicht sagen konnte, wenn Interesse an einem hatte. Um den Rest seiner Performance besser genießen zu können, unterdrückten ich nach Möglichkeit all diese Gedanken. Statt Luftschlösser zu bauen, hörte ich ihm genau zu und spürte alle Emotionen, die er in seinen Vortrag steckte. Am Ende kullerte mir ebenfalls eine Träne die Wange hinunter, woraufhin mir meine Freundin ein Taschentuch reichte.
Wir waren noch dabei uns leicht anzulächeln, als das Unmöglich geschah. Denn Bruce wisperte nach dem letzten Ton einen mir nur allzu vertrauten Namen ins Mikrofon: „Für Clark Kent.”
Mein Herz blieb definitiv für einige Sekunden stehen. Verzweifelt schnappte ich nach Luft, während sich Lois’ Blick in meine Seite brannte. Unglücklicherweise konnte ich ihr nicht erklären, was hier gerade los war, da ich es selbst nicht wusste. Er ließ mir auch nicht wirklich Zeit, um die Sache vernünftig zu verarbeiten. Seine nächsten Worte richtete er nämlich direkt an mich: „Darling, könntest du bitte aufstehen?”
Ich konnte nur darüber spekulieren, ob ich mich überhaupt erhoben hätte, wenn meine Sitznachbarin mich nicht energisch aufgescheucht hätte. In jedem Fall richteten sich ein blendender Scheinwerfer und alle Blicke im Saal auf mich. Ich für meinen Teil probierte, souverän zu wirken, was mir sicherlich absolut misslang. Zu allem Überfluss kam der Gastgeber nun direkt auf mich zu, wobei mir etwas flau im Magen wurde. Trotz allem schaffte er es mir mit seinem Lächeln ein Stück Sicherheit zu geben.
Ich ließ ihn nicht aus den Augen, bis er endlich bei mir angekommen war. Noch immer hatte ich keine Ahnung, was für ein Spiel er hier spielte. Kurz hielt er inne, bevor er mich in eine Umarmung zog, die ich zögerlich erwiderte. Dabei flüsterte er mir ins Ohr: „Denkst du wirklich, meine Gesichtserkennungssoftware lässt sich von einer Brille überlisten?”
Zur Untermalung seiner Worte warf er mir ein kokettes Grinsen zu. Zu meiner Erleichterung schien er mir nicht böse zu sein - tatsächlich war er anscheinend eher amüsiert. Nichtsdestotrotz war es für ihn noch nicht genug Überraschungen für einen Abend gewesen. Erneut lehnte er sich zu mir vor und fragte: „Ist es in Ordnung, wenn ich dich küsse?”
Ehe ich zu lange darüber nachdenken oder Panik schieben konnte, nickte ich ihm zu. Vorsichtig nahm er mein Kinn in seine Hand. Mit großer Sicherheit sah ich dabei aus wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Jedoch führte sein Mund auf dem meinen dazu, dass ich mich entspannte und mich ganz dem Kuss hingab. Ich war mehr oder weniger Wachs in seinen Händen, was ich tatsächlich sehr genoss. Im Anschluss musste ich ihn noch eine gute halbe Minute einfach nur anschauen, wofür ich ein spitzbübisches Grinsen erntete.
„Du musst atmen, Clark“, raunte er mir ins Ohr.
Seine Lippen kitzelten meine Schläfe und ich wusste noch immer nicht, wie mir geschah. Allerdings fühlte es sich in wenig so an, als wäre das von Anfang an seine Intention gewesen. Scheinbar war Bruce mit den Überraschungen auch noch nicht durch.
„Ich würde Ihren Begleiter jetzt gerne entführen, Ms. Lane. Also wenn ich das darf.“
Bei seinem letzten Satz blickte er zuerst zu Lois, die nickte, und dann zu mir, der ebenfalls nickte. Fest umschloss er meine Hand mit seiner, sodass er mich Richtung Ausgang ziehen konnte.

Offenbar war ich nicht der Einzige, der an besagtem Abend nicht sehr geistesgegenwärtig gewesen war. Denn obwohl die Crème de la Crème der Journalisten*innen unserer Stadt anwesend gewesen war und sich natürlich zudem Paparazzis ins Gebäude geschlichen hatten, hatte nicht eine*r daran gedacht, ein Foto von uns zu machen. Lois meinte im Nachhinein, dass die Stimmung von einem ungläubigen Raunen geprägt war - nach dem Motto: „Das ist so absurd, dass uns das ohne Beweise niemand glauben wird.“ Dafür hätte Bruce, der unser Telefonat mit anhörte, nur ein selbstzufriedenes Lächeln übrig, was ihn noch attraktiver aussehen ließ.
Dieser Eindruck wurde auch nicht davon geschmälert, dass alle Aktionen dieses Abends spontan gewesen waren. Während ich mir eingebildet hatte, dass er das alles von langer Hand geplant haben musste, war er schlicht einem Instinkt gefolgt. Im Moment probierte er, mir das zu erklären.
„Ich hab es halt nicht mehr ausgehalten, okay? Ich hab dir so viele Hinweise an den Kopf geworfen und mit dir geflirtet. Aber nichts ist bei dir angekommen, obwohl du scheinbar genau dasselbe empfindest.“
Es war etwas surreal über derlei Dinge mit ihm in einem Diner mitten in Metropolis zu reden. Auf der einen Seite wollte ich so viel mit ihm besprechen. Auf der anderen wollte ich nur nach Hause.
„Tut mir leid. Aber du kannst doch hoffentlich verstehen, dass das alles nicht so einfach für mich ist, oder?“
Sanft verwob er seine Finger mit meinen.
„Natürlich, aber--“
„Du hattest doch genug Gelegenheiten, um mich privat anzusprechen. Warum musste es ausgerechnet vor so einer großen Veranstaltung sein?“
Ich entzog ihm meine Hand und nahm einen großen Schluck von meinem Milchshake, was meine Autorität eventuell etwas untergrub.
„Ich hab doch schon gesagt, dass ich es so nicht geplant hatte. Außerdem wollte ich letztes Mal mit dir reden, allerdings haben wir uns dann ja gestritten.“
„Du hast dich gestritten“, murmelte ich in meinen Becher hinein, was mir einen auffordernden Blick meines Begleiters einbrachte.
Normalerweise ging ich derlei Diskussionen gerne aus dem Weg, aber heute würde uns das nicht weiterbringen. Also atmete ich tief durch und schaute ihm fest in die Augen.
„Du hast dich gestritten, Bruce. Ich hatte lediglich Angst um dich, was mir wohl durchaus zusteht.“
Ich konnte von außen genau mit ansehen, wie er mit sich selbst rang. Grundsätzlich erwartete ich nicht sonderlich viel Einsicht von ihm - dafür kannte ich ihn bereits zu gut, bildete ich mir ein.
„Wahrscheinlich habe ich da etwas überreagiert“, gab er nicht einmal kleinlaut zu.
Übertrieben überrascht blinzelte ich ihn an, was er wiederum mit einer hochgezogenen Augenbrauen beantwortete. Zaghaft legte ich meine Hand auf die seine, wobei er sich merklich entspannte.
„Vielleicht sollten wir diese Sache erst ausdiskutieren, wenn wir beide eine Nacht darüber schlafen konnten.“
Das hier war trotz allem eine sehr komplizierte Angelegenheit, bei der man nichts überstürzen sollte, wenn man wollte, dass sie funktionierte. Ich wünschte mir nichts mehr, als das es funktionierte.
„Das klingt vernünftig… Alfred macht ein hervorragendes Frühstück, bei dem es sich wunderbar diskutieren lässt--“
„So verführerisch das auch klingt, ich würde lieber nach Hause. Aber vielleicht können wir uns morgen so zum Frühstücken treffen“, bot ich nicht ganz uneigennützig an.
Daraufhin nickte er und mir fiel ein Stein vom Herzen, da er nicht enttäuscht wirkte. Bald machten wir uns auf den Weg zu meiner Wohnung, wobei wir weitestgehend schwiegen - für heute war scheinbar alles Entscheidende gesagt. Letztendlich ließ Bruce es sich nicht nehmen, mich bis an meine Wohnungstür zu begleiten. Obwohl es nicht nötig war, fühlte ich mich geehrt.
„Darf ich dir einen 'Gute Nacht'-Kuss geben?“
Ich nickte, ohne mir der Konsequenzen vollends bewusst zu sein. Denn im nächsten Moment nahm er mich nochmal ganz ein, indem er mich gegen die Tür presste und leidenschaftlich küsste.
„Damit die Grübelei heute Nacht nicht allzu langweilig wird“, raunte er gegen meine Lippen, „schlaf gut.“
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