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ST Voyager (8. Staffel): Neue Abenteuer IV

von VoyGirls
GeschichteSci-Fi / P12 / Gen
B'Elanna Torres Chakotay Der Doktor Kathryn Janeway Owen Paris Seven of Nine
04.05.2021
19.09.2021
13
92.596
6
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Dieses Kapitel
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04.05.2021 6.559
 
12. Januar 2381

Kathryn
Ich saß in meinem Bereitschaftsraum und griff nach meinem Glas Whisky. Mal wieder. Mit stoischer Miene schüttete ich den Inhalt des Glases in mich hinein und scrollte auf dem Bildschirm weiter. Das Glas verschwand in meiner Schreibtischschublade. Auf Fragen oder einen herumschnüffelnden Ersten Offizier bzw. Ehemann hatte ich kein gesteigertes Interesse. Eigentlich überhaupt keines. Nach meiner Offenbarung meinem Mann gegenüber Ende letzten Jahres war ich tags darauf zu Lieutenant Commander Tuvok gegangen und hatte um die Lösung der Blockaden gebeten. Der Vulkanier war meiner Bitte auch in mehreren Sitzungen nachgekommen, überwacht vom Doktor. Weshalb ich auch keinen Moment lang mein Pokerface hatte fallen lassen können. Was ich durch die Lösung der Blockaden erfahren hatte, hatte ich mit Tuvok, dem Doktor und meinem Mann erläutert, um es 'aufzuarbeiten'. Allerdings hatte ich eine Kleinigkeit weggelassen. Eine winzig kleine Kleinigkeit - die mich aus dem Gleichgewicht gebracht hatte. Durch die Arbeit mit Amal war ich auf vieles vorbereitet gewesen, aber nicht darauf.
Der Doktor hatte mich wieder in den Dienst gelassen, auch wenn es nur einfache Schichten betraf und ich mich jemanden 'anvertrauen' musste. Die Ehre hatte ich Amal zu Teil werden lassen. Ich wollte nicht, dass meine Abgründe zu viel in meiner Beziehung präsent waren, deshalb war die Entscheidung gegen meinen Mann gefallen.
Aber auch mit Amal sprach ich über diese kleine Nuance nicht. Ich konnte nicht. Innerlich war ich wie gelähmt.


Chakotay
Ich trat auf Deck fünf in den Turbolift und ließ mich zur Brücke fahren. Die letzten zwei Wochen waren wie im Flug vergangen und wir schrieben mittlerweile das Jahr 2381. Im Normalfall ist die Silvesterfeier am Ende eines Jahres ein besonderes Ereignis, aber wir sind seit fast zehn Jahren allein auf einem Raumschiff im Delta-Quadranten unterwegs... Was ist da schon normal? Die Silvesterfeier war schön, aber nicht so unbeschwert wie in den Jahren zuvor. Kathryns private Situation lag wie ein dunkler Schatten auf allem. Sie hatte noch im alten Jahr die Blockaden von Tuvok lösen lassen. Die Tage danach waren schlimm gewesen. Und die Nächte erst recht. Immer und immer wieder hatte sie Flashbacks durchlebt, in denen Erinnerungen zurück kamen. In den Nächten war ich an ihrer Seite, ansonsten Amal. Kurzzeitig hatte ich an dem Brocken zu schlucken gehabt, dass sie meinen Bruder als Vertrauten gewählt hatte und nicht mich als ihren Ehemann. Letztendlich zählte aber, dass sie sich überhaupt jemandem anvertraut, was sie sonst nie tat. Momentan lief es mal gut, mal weniger gut. Wenn es gut lief, war sie wie wir sie kennen. Wenn es schlecht lief, war sie in sich gekehrt, abwesend und roch nach Whisky. Letzteres kam jedoch nicht in regelmäßigen Abständen vor und ich tat so, als würde ich es nicht bemerken. Noch. Ich hielt gedanklich inne, weil ich merkte, dass meine Beine nicht mehr in Bewegung waren. Ich hob meinen Blick und stand vor der Tür vor Kathryns Bereitschaftsraum. Und ich konnte die Blicke der Brückencrew in meinem Rücken spüren. Ich drehte mich um und sah in die fragenden Gesichter von Tom, Tuvok, Harry und den andern Offizieren. Ups... Ich lächelte.
"Kein Grund zur Sorge. Kleiner Jahresrückblick in Gedanken", erklärte ich mein kommentarloses, stoisches Betreten der Brücke, ehe ich den Türmelder betätigte und Kathryns Raum betrat.


Kathryn
Ich brütete vor meinem Schreibtischcomputer und hatte nach dem Piepen des Türmelders ein kurzes 'Herein' von mir gegeben, ehe ich weiter arbeitete. Arbeit. Arbeit. Arbeit. Das Einzige, was konstant war. Nicht einmal die Kinder konnte mir Halt geben... Ich schluckte und widerstand dem Drang nach dem Whiskyglas in meiner Schublade zu greifen. Halt, nein. In weiser Voraussicht hatte ich es mittlerweile recycelt. Nun ja. Es war nicht so, als ob ich es brauchen würde. Nein, es war nur so, dass es gut tat.
Die Schotts meines Raumes glitten beiseite und Chakotay trat ein. Mein Mann. Nein, mein Erster Offizier.
"Commander."
Ich richtete mich aus der leicht nach vorn gebeugten Haltung auf.
"Was kann ich für Sie tun?", wollte ich wissen.
Meines Wissens nach hatten wir keinen Termin. Und Padds trug er auch nicht bei sich.


Chakotay
Ich hob leicht meine Augenbrauen. Commander? Wann genau sind wir wieder auf diese Ebene zurückgerutscht, wenn wir allein sind?
"Störe ich Sie, Captain?", verfiel auch ich in den Dienstton und blieb an der Tür stehen, anstatt wie sonst an ihren Schreibtisch zu gehen.
"Ich hatte gerade ein Gespräch mit Neelix. Ich kann darüber aber auch einen Bericht schreiben und einen Termin machen", bot ich an.


Kathryn
Okay, er war angefressen. Er war schon immer schlecht darin gewesen, seine Emotionen zu verbergen.
"Das sollte nicht nötig sein."
Ich erhob mich und holte mir an Replikator einen Kaffee.
"Auch einen?", hakte ich nach und kehrte an meinen Schreibtisch zurück als er verneinte.
"Das Gespräch mit Neelix", nahm ich den Faden auf und nippte vorsichtig am Kaffee.
"Worum ging es?"
Und warum wollte er wegen einem Gespräch mit Neelix mit mir sprechen?


Chakotay
Ich legte meine Hände hinter meinen Rücken.
"Neelix hatte mich um ein Gespräch gebeten. In Funktion des Moraloffiziers. Er sagte mir, dass er grundsätzlich zufrieden sei mit der Nach-Weihnachts- und Silvester-Stimmung."
In vier Monaten jährt sich der Beginn unserer Odyssee zum zehnten Mal. Zehn Jahre Delta-Quadrant und die Heimat noch immer so fern... Gerade nach Weihnachten und Silvester machte sich die Crew verstärkt Gedanken darüber.
"Er gab jedoch zu, dass er sich in diesem Jahr besonders viel Mühe mit der Speiseauswahl gegeben hat. Was zur Folge hat, dass sich unsere Nahrungsmittelvorräte dem Ende neigen. Neelix bat darum, dass wir nach Klasse M Planeten Ausschau halten, um die Vorräte aufzufüllen."
Wir haben zwar genug Energie für die Replikatoren zur Verfügung, aber frische Nahrung ist frische Nahrung.
"Seven beginnt in zwei Tagen wieder ihren Dienst."
Sie hatte zusammen mit Mike Urlaub.
"Wenn es ausreichend ist, würde ich sie mit der Suche nach entsprechenden Planeten beauftragen. Oder soll sich Gret-... Professor Janeway darum kümmern?", korrigierte ich meine private Anrede von Gretchen.


Kathryn
Ach ja, die Feiern. Neelix und Tom hatten sich wirklich selbst übertroffen! Es waren schöne Feste gewesen.
"Beauftragen Sie den Professor."
Ich schloss beide Hände um die Tasse.
"Nicht, dass uns ein geeigneter Planet entgeht."
Schließlich waren zwei Tage an Strecke für ein Raumschiff und dessen Sensorreichweite nicht zu unterschätzen.
"Danke, Commander."
Ich schenkte meinem Mann ein Lächeln und stellte die Kaffeetasse ab.


Chakotay
Ich nickte und beschloss gleich persönlich in der Astronomie bei Gretchen vorbeizuschauen. Sie vertrat Seven und würde sich freuen, einen offiziellen Auftrag erledigen zu können.
"Ich gebe Ihnen Bescheid, sobald ein oder mehrere geeignete Planeten gesichtet werden."
Ich wollte wegtreten, drehte mich dann aber nochmal um.
"Da wäre noch etwas... Aru hat mich gefragt, ob wir beide heute Abend zusammen etwas kochen. Für dich", verfiel ich dann doch in den Privatton, weil es mir gelinde gesagt zu affig war, Kathryn dienstlich von ihrem Sohn zum Abendessen einzuladen.
"Bist du heute Abend im Quartier und hast du einen Wunsch?"
Kara war noch zu klein, um die derzeitige schwierige Situation mitzubekommen. Aber Aru war mit seinen fast fünf Jahren viel weiter als menschliche Kinder in diesem Alter. Er spürte, dass mit seiner Mommy etwas nicht in Ordnung ist.


Kathryn
Ich hatte mich wieder meiner Arbeit zugewandt als Chakotay in den persönlichen Ton fiel.
"Essen? Ja, ich bin nach der Alpha-Schicht fertig und habe dann noch ein paar Rundgänge vor mir. "Als er nach einem Wunsch fragte, überlegte ich einen Moment.
"Nein, habe ich nicht. Das, was er am Besten kann."
Dann würde Aru noch stolzer sein, weil er es beinahe allein gemacht hatte.
"Ich werde pünktlich sein", schob ich nach, bevor er mich daran erinnern konnte oder sonst etwas in der Richtung anfügte.


Chakotay
Ich nickte erneut.
"Okay, dann sehen wir uns heute Abend."
Ich lächelte leicht und verließ dann den Bereitschaftsraum, um mich auf den Weg zur Astronomie zu machen. Kaum hatte ich den Turbolift betreten, atmete ich tief durch. Hoffentlich findet Gretchen schnellstmöglich einen Klasse M Planeten, den wir ansteuern können. Ich verspürte dieses Gefühl nur selten, aber momentan war es mal wieder so weit. Ich musste dringend von diesem Schiff runter. Raus an die frische Luft. Richtige frische Luft! Keine Holo-Luft, die nicht real ist! Ein Leben ohne Harmonie ist einfach nichts für mich. Und von Harmonie waren wir derzeit genauso weit entfernt wie von der Erde. Kathryn ging es nach wie vor nicht gut. Sie hatte zwar keine Panikattacken und Aussetzer mehr, dafür aber nächtliche Albträume. Und sie hatte eine neue Form der Distanz entwickelt. Entweder zog sie sich sich persönlich komplett zurück oder war geistig abwesend. Und ich war wieder einmal dazu verdammt, es einfach nur hinzunehmen, es zu ertragen und wegzustecken. Wirklich helfen konnte und durfte ich ihr nicht. Das so etwas eine unglaubliche Belastung für eine Ehe und für einen selbst ist, brauchte ich niemandem zu erzählen. Also galt es weiterhin, freundlich zu lächeln und das Beste aus der Situation rauszuholen. Vor allem für unsere Kinder. Ich massierte mir die Nasenwurzel und als der Lift auf dem Deck der Astronomie stoppte, straffte ich meine Schultern und machte mich auf den Weg zu Gretchen.



Wenig später in der Astrometrie

Gretchen
Ich war allein in der Astrometrie und arbeitete an den aktuellsten Datensätzen. Ohne Seven. Die war im Urlaub, was mich und Lieutenant Ayala - und schlussendlich Chakotays Machtwort - einiges an Überredung gekostet hatte. Die Ex-Borg war ein richtiger Workaholic. Wie meine Tochter.
Leise seufzte ich. Meine Tochter. Ich war gegen diese Blockadenlösung gewesen. Aber nein. Und jetzt hatten wir den Salat! Meine Tochter war ... komisch, wenig herzlichen und lächeln hatte ich sie lange nicht mehr gesehen. Aber immerhin: zusammengebrochen war sie nicht.


Chakotay
Ich betrat die Astrometrie und sah Gretchen hinter der Hauptkonsole stehen. Den Blick auf den Sichtschirm gerichtet. Ich begrüßte sie, aber es kam keine Antwort. Ich krauste leicht meine Stirn. Sie war offensichtlich in Gedanken. Ich räusperte mich.
"Gretchen?"
In dieser Haltung, die sie eingenommen hatte, ähnelte sie Kathryn sehr. Oder Kathryn ihr? Auf jeden Fall war es unverkennbar, dass es Mutter und Tochter sind.
"Hast du einen Moment oder soll ich später wiederkommen?"
Normalerweise sind das keine akzeptablen Worte von einem Ersten Offizier zu einem Crewmitglied. Aber ich besaß Taktgefühl.


Gretchen
Ich riss aus meinen Gedanken als die markante Stimme meines Schwiegersohnes mich aus meinen Gedanken riss.
"Chakotay, oh tut mir leid", entschuldigte ich mich.
"Ich war in Gedanken. Was kann ich für dich tun?"
Besorgt sah ich ihn an.
"Ist etwas mit Kathryn oder den Kindern?"


Chakotay
Ich hob leicht meine Hände.
"Ich wollte dich nicht erschrecken. Ich habe gesehen, dass du in Gedanken warst."
Ich schmunzelte und schüttelte meinen Kopf.
"Nein, es ist nichts mit den Kindern und Kathryn. Ich bin dienstlich hier."
Ich gesellte mich zu ihr an die Station.
"Ich habe einen Auftrag für dich. Wie wäre es mit einem Tee? Oder für dich eher Kaffee?"
Auch diese Leidenschaft teilten sich Mutter und Tochter.


Gretchen
Erleichtert atmete ich auf.
"Dienstlich? Ist etwas mit Seven of Nine?"
Es hatte einige Argumente gebraucht, die schlanke Blondine zum Urlaub zu drängen.
"Kaffee klingt gut."
Ich trat wieder an die Konsole und speichere die Daten und Ergebnisse meiner letzten Arbeit ab. Wer weiß ob ich sie nicht versehentlich löschte. Das fehlte mir noch!


Chakotay
Ich hob leicht eine Augenbraue.
"Es gibt auch Zeiten an Bord dieses Schiffes, in der nicht eine Katastrophe die Nächste jagt. Seven ist noch im Urlaub. Und somit bist du meine Ansprechpartnern, wenn es um Langstreckenscans geht."
Ich ging zum Replikator und replizierte Kaffee Schwarz und Kräutertee.


Gretchen
Ich schenkte meinem Schwiegersohn ein Lächeln.
"Langstreckenscans."
Also ging es darum. Ich atmete auf und setzte mich auf die Stufen vor dem großen Sichtschirm. Ich war keine 20 mehr und die letzten Tage waren kräftezehrend genug gewesen.
"Und wonach soll ich suchen?"
Ich streckte Chakotay meine Hand entgegen, um ihm den Kaffee abzunehmen.


Chakotay
Ich brachte Gretchen den Kaffee.
"Unsere Nahrungsmittelvorräte werden knapp. Wir benötigen demnächst frische Vorräte. Bitte scanne nach entsprechenden Klasse M Planeten", bat ich und nippte am Tee.
"Am Besten wären unbewohnte Planeten und wenn bewohnt, dann möglichst Planeten mit einer Spezies, die uns technisch gleichgestellt ist. Damit Landgänge stattfinden können."
Die Crew würde es sicher freuen. Der letzte Landgang war auf Bojo möglich gewesen und das war fünf Monate her.
"Wenn du etwas findest, dann kannst du mich darüber informieren. Kath..."
Ich hielt kurz inne. "Der Captain ist darüber informiert", verbesserte ich ganz automatisch, weil mir das Zusammentreffen mit Kathryn noch nachhing.


Gretchen
Zustimmend nickte ich als Chakotay mir den Auftrag gab. Dazu brauchte ich Seven nicht. Überraschend geduldig hatte sie mir erklärt, was ich tun musste.
"Der Captain?"
Ich hob eine Augenbraue. Deshalb der Kaffee! Ich klopfte neben mich.
"Setz dich und erzähl", forderte ich ihn auf und nippte an der Tasse.
Fragend sah ich den Indianer an. Ihm lag doch etwas auf der Seele. Das konnte ich ihm ansehen.
"Du hast doch irgendwas. Du siehst aus wie ein begossener Pudel."
Der großgewachsene Mann wirkte wie ein Häuflein Elend.


Chakotay
Ich verschluckte mich beinahe am Tee. Ich sehe aus wie was?!!
"Besten Dank. Solche Komplimente bekomme ich selten."
Ich lächelte leicht und räusperte mich leise. Das Gespräch schlug eine Bahn ein, die ich nicht vorgesehen hatte. Aber Gretchen ist Gretchen. Sie hat ihre eigenen Sensoren. Was mir normalerweise sehr gut gefiel.
"Ich habe nichts. Heute war nur viel los. Ich bin fast das halbe Schiff abgelaufen."
Ich schmunzelte.
"Das beste Training, wenn man alle zwei Monate die Berichte persönlich von den Stationen einsammelt."
Das tat ich tatsächlich. Um die Nähe zu den Crewmitgliedern nicht zu verlieren.
"Wie geht es dir und Owen? Wir könnten die Tage mal wieder zusammen essen. Im Kasino vielleicht?"


Gretchen
Dezent war ich dazu geneigt, beleidigt zu sein. Mein Schwiegersohn lenkte ab! Er vergaß wohl, wen er neben sich sitzen hatte! Aber gut, scheinbar hatte er selbst einen bestimmten Plan, da er direkt ein Treffen vorschlug.
"Uns geht es gut. Diese Blockaden-Sache und dass diese Knock-out Box an allem schuld ist ... das beschäftigt uns viel", gab ich zu.
Ich war mehr als geschockt gewesen, als ich all das erfahren hatte! Mein Mann hatte keinen Fehler gemacht. Diese verdammten Cardassianer hatten ihm nach dem Leben getrachtet! Einerseits war ich froh, dass ich es wusste. Somit war endlich geklärt, dass Edward keine Schuld traf. Aber andererseits machte es die Geschehnisse noch schlimmer, da sie vermeidbar gewesen wären.
"Ein Essen im Kasino. Klingt gut", willigte ich ein und lächelte.
"Und aus welchem ... Anlass?", hakte ich sanft nach.


Chakotay
Ich nickte leicht.
"Das glaube ich dir. Ich bin froh, dass der Name von Edward reingewaschen wird. Ich habe ihn als sehr fähigen Offizier und Dozenten und angenehmen Menschen in Erinnerung. Obwohl ich ihn nur wenige Male persönlich getroffen habe. Ich habe nie etwas darauf gegeben, dass Admiral Janeway quasi durch die Blume die Schuld an dem Unfall gegeben wurde. Weil die Terra Nova angeblich eine Fehlkonstruktion war."
Das sie es nicht war, ist jetzt ja bewiesen!
"Aber für euch ändert es nicht wirklich viel. Weil es die Geschehnisse nicht rückgängig macht."
Ich nippte am Tee.
"Anlass? Brauchen wir einen Anlass, um als Familie gemeinsam zu essen?"
Es gab keinen Anlass. Zumindest nicht bewusst. Oder doch?
"Die Kinder würden sich sicher freuen, ihre Großeltern zu sehen", umschrieb ich die Tatsache, dass sich Kara und Aru garantiert über eine warmherzige Begegnung mit ihren Großeltern freuen würden. Kathryn war zwar für sie da, als Mommy, aber ein Lächeln legte sich kaum auf ihre Lippen.


Gretchen
Ich schenkte ihm ein warmes Lächeln. Mein Mann wäre mit Chakotay als Schwiegersohn voll und ganz zufrieden gewesen. Und mit Amal.
"Nein, das nicht. Es macht nichts rückgängig."
Viel mehr wirbelte es Altes wieder auf. Man musste sich nur meine Tochter ansehen...
"Würden sie?"
Wieso hatte ich nur das Gefühl, dass das nicht alles war?
"Wie ... wie ist es?", fragte ich zögernd.
"Mit Kathryn."


Chakotay
Ich ließ die letzte Frage von Gretchen erstmal sacken. Ich war darauf vorbereitet gewesen. Irgendwie. Aber es war es nicht meine Art, hinter Kathryns Rücken mit jemandem über sie zu sprechen.
"Nicht gut", kam es ebenso leise über meine Lippen und ich nahm noch einen Schluck Tee.
"Sie gibt sich den Kindern gegenüber Mühe, keine Frage. Sie ist für sie da... Bringt sie ins Bett. Macht Frühstück..."
Sie gab sich wirklich Mühe.
"Aber Aru hat mich heute gefragt, bevor ich ihn zum Unterricht gebracht habe, ob ich heute Abend mit ihm zusammen für seine Mommy etwas kochen würde."
Mein Herz zog sich leicht zusammen.
"Das hat er mich noch nie gefragt. Er spürt, dass etwas nicht stimmt."


Gretchen
Ich tätschelte meinem Schwiegersohn das Knie.
"Solange sie sich Mühe gibt, ist noch nichts verloren."
Nicht so wie damals...
"Kathryn war schon immer jemand, der Dinge erst mit sich selbst ausmachen muss, bevor sie sich an andere wendet. Schon als Kind!"
Ich nippte am Kaffee.
"Nimm es nicht persönlich."
Dennoch schmerzte es mich, dass die Kinder es wohl bemerkten.
"Kinder sind schlau. Und auf seine Art will er euch glücklich machen. Kommt sie zum Essen?"


Chakotay
Ich sah in die Teetasse und nickte leicht.
"Ich weiß. Ich kenne Kathryn nicht anders."
Und das würde sich auch nie ändern.
"Ich nehme es nicht persönlich."
Ich hielt kurz inne.
"Ich versuche es zumindest immer wieder. Es ist verdammt schwer, jedes Mal nur daneben stehen zu müssen und ihr nicht helfen zu können beziehungsweise zu dürfen. Es vermittelt einem das Gefühl, nutzlos zu sein."
Und das ist ein verdammt mieses Gefühl als Ehemann. Ich atmete tief durch.
"Wenigstens hat sie sich dieses Mal jemandem zum Reden anvertraut. Ich hoffe, dass zumindest Amal ihr irgendwie helfen kann."
Ich hob meinen Blick und sah Gretchen an.
"Ich habe es ihr gesagt. Mit dem Abendessen. Und sie hat zugesagt. Hoffentlich kommt nichts dazwischen."
Ich sah mich schon mit Kara und Aru allein am Tisch sitzen.


Gretchen
Leise seufzte ich.
"Ich weiß was du meinst. Ihr Vater war nicht anders. Es saß nach einer stressigen Woche in seinem Sessel und knabberte an diesen Sachen. Ich habe ihn in Frieden gelassen - und irgendwann kam er dann zu mir."
Ich lächelte leicht in Erinnerung daran.
"Das wundert mich. Durch ihren Job hatte sie nie viel Kontakt zu Amal."
Mit mir hatte Kathryn auch nicht gesprochen.
"Sie wird schon kommen", ermutigte ich ihn.
Kara und Aru brauchten ihre Mutter.


Chakotay
Ich schmunzelte leicht.
"Manchmal wäre es mir lieber, sie hätte deine Offenheit geerbt."
Gretchen sagte in der Regel, wenn sie etwas auf der Seele hatte.
"Ich mache ihr keinen Vorwurf deswegen. Es ist nur schwer, in diesen Situationen immer zurückzustecken. Auf andere wirkt das, als wäre man... wie nanntest du es... ein begossener Pudel."
Aber das war ich nicht. Ich wusste nur zu gut, dass es rein gar nichts bringt, Kathryn auf die Nerven zu gehen oder sie zu drängen.
"Ich glaube, Amal ist ein guter Gesprächspartner aufgrund seiner Vergangenheit. Er kann mitreden, wenn es um traumatische Erfahrungen geht. Und er ist verschwiegen. Ich weiß nicht, wie er einen Zugang zu Kathryn gefunden hat, aber ich bin froh, dass er ihn hat."
Ich trank meinen Tee aus.
"Wir werden sehen, ob es besser wird. Ich habe so ein merkwürdiges Gefühl in mir."


Gretchen
Ich grinste Chakotay an.
"Da hast du dir die falsche Tochter geangelt. Und da ihr verheiratet seid und Kara und Aru habt ist der Umtausch ausgeschlossen", witzelte ich.
"Sie wird sich öffnen. Wenn sie es soweit verarbeitet hat", versprach ich.
Dann runzelte ich die Stirn.
"Merkwürdiges Gefühl? Wie meinst du das?", wollte ich wissen.


Chakotay
Ich rang mir ein Lächeln ab. Das Witzeln war vielleicht gut gemeint, um mich aufzumuntern, aber mir war nicht nach witzeln.
"Keine Sorge, ich habe mir genau die richtige Tochter geangelt."
Und ich kannte Kathryn gut genug, um zu wissen, dass ich das einfach stillschweigend ertragen musste. Ich erhob mich.
"Ich weiß auch nicht. Ist vielleicht nur Einbildung, weil es gerade so ist wie es ist", wich ich aus, denn ich wollte Gretchen nicht noch mehr Sorgen um Kathryn aufbürden. Und die würde sie sich definitiv machen, wenn ich ihr sage, dass ich das Gefühl hatte, dass Kathryns Gemütsstimmung nicht zur Situation passte. Ich konnte es mir selbst nicht erklären.
"Wir werden sehen, was passiert. Ich melde mich bei dir wegen dem Essen. Und wenn du einen Planeten findest, auf dem man sich an frischer Luft die Beine vertreten kann, dann gib mir Bescheid."
Ich brachte meine Tasse zum Recycler.


Gretchen
Sanft lächelte ich ihn an.
"Ja, der Meinung bin ich auch", versprach ich und musterte ihn.
Wenn ich eines gemerkt hatte seit ich hier war, dann, dass mein Schwiegersohn meine Tochter besser als jeder andere Mensch kannte.
"Denkst du wirklich es ist Einbildung?"
Ich erhob mich ebenfalls und leerte die Tasse.
"Tu das. Vielleicht bringe ich Amal dazu, zu kochen."
Ich grinste leicht und nickte.
"Mache ich. Schon allein damit meine Enkel wie richtige Kinder im Dreck toben können."
Holodeck hin oder her.


Chakotay
Ich schmunzelte, ehe ich Gretchen die leere Tasse abnahm und sie ebenfalls recycelte.
"Ich wette, dazu brauchst du Amal nicht zu überreden."
Mein Bruder stand noch immer gern in die Küche und mittlerweile konnte sogar ich von ihm lernen.
"Kara und Aru würden sich sicher freuen. Sie kommen selten von Bord. Ich hoffe, du findest einen passenden Planeten."
Ich verabschiedete mich von Gretchen und machte mich auf den Weg, um Aru abzuholen. Ich wollte mit ihm zuerst in den Hydroponischen Garten, um frisches Gemüse für das Abendessen auszusuchen. Er freute sich auf das Essen und ich hoffte, dass Kathryn es pünktlich schaffte.



Wenig später auf der Brücke

Amal
Ich betrat in Uniform die Brücke, sah, dass die Kommandosessel leer waren und erfuhr sogleich von Tuvok, dass der Captain in ihrem Bereitschaftsraum und Chakotay unterwegs sei. Ich nickte, ging die Treppe zur unteren Ebene hinunter und betätigte den Türmelder. Bob hatte mir aufgetragen, den Jahresabschlussbericht vom vergangenen Jahr beim Captain abzugeben, ehe ich Dienstschluss hatte. Und auf den freute ich mich schon. Phoebe und ich wollten uns einen gemütlichen Abend im Quartier machen und dafür wollte ich noch für uns zwei... oder eher uns drei kochen.


Kathryn
Ich war in meine Arbeit vertieft als mein Türmelder piepte. Zuerst dachte ich es wäre der Computer, den ich programmiert hatte mich rechtzeitig an das Abendessen zu erinnern. Ich wollte meine Kinder nicht enttäuschen.
"Ja bitte."
Ich scrollte auf dem Padd und sah dann zum Computerbildschirm. Das sah gut aus.


Amal
Ich betrat den Bereitschaftsraum und sah Kathryn an ihrem Schreibtisch sitzen. Sie war völlig vertieft in ihre Arbeit.
"Captain..."
Ich trat näher an den Schreibtisch und hob die drei Padds, die ich dabei hatte.
"Der Doktor hat mich gebeten, die Jahresabschlussberichte vorbeizubringen."
Normalerweise machte Bob das persönlich, aber er hatte ein Projekt im Labor am Laufen.
"Er ist den Rest des Tages im Labor."
Ich lächelte und legte die Padds auf den Schreibtisch.


Kathryn
Als ich Amals Stimme vernahm hob ich den Kopf.
"Crewman."
Ich legte das Padd beiseite und nickte als Amal sich erklärte.
"Danke."
Um die Padds würde ich mich anschließend kümmern. Und dann war Feierabend.
Ich griff nach meiner Kaffeetasse und nippte daran.
"Danke für die Berichte."


Amal
Ich nickte und kratzte mich dann im Nacken.
"Ähm... Ist gerade viel zu tun? Oder hättest du kurz Zeit?"
Ich hatte heute Mittag ein merkwürdiges Erlebnis im Kasino. Und das beschäftigte mich.
"Es hat sich heute was ergeben. Zufällig. Und ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll."


Kathryn
Eigentlich hatte ich direkt weiter arbeiten wollen als Amal wohl doch noch ein Anliegen hatte. Ich legte das Padd beiseite und wies auf den Besucherstuhl vor mir.
"Worum geht es?"
Ein Blick auf den Chronometer signalisierte mir, dass es bis zum Abendessen noch genügend Zeit für Amals Audienz gab. Ich wollte meine Kinder nicht enttäuschen. Nein ... nein das könnte ich nicht ertragen. Der Gedanke ließ mich kurz wanken, ehe ich ihn verbannte und Amal meine Aufmerksamkeit schenkte.


Amal
Ich setzte mich.
"Ich wollte heute Mittag bei Neelix essen. Als ich das Kasino betrat, saß eine Gruppe Crewmitglieder an einem Tisch und sie verstummen als ich rein kam. Und während ich zum Tresen ging, konnte ich förmlich spüren, dass sie mich anstarrten", begann ich zu erzählen.
"Ich habe kehrt gemacht, mich an den Tisch zu ihnen gesetzt und gefragt, ob es ein Problem gäbe."
Die Gesichter waren filmreif gewesen, denn damit hatte wohl niemand gerechnet.
"Erst herrschte... wie heißt das... Schweigen im Walde?"
So langsam lernte ich Toms Floskeln.
"Dann aber fragte mich einer, ob es stimmt, dass ich sowas wie dein psychologischer Berater bin. Also vom Captain."
Die Crew war ja nicht blöd. Es war mittlerweile bekannt an Bord, was mit der Terra Nova damals passiert war, und offensichtlich war es auch aufgefallen, dass Kathryn und ich in den letzten Tagen oft zusammen gesehen wurden.


Kathryn
Ich schwankte innerlich zwischen Wut und Überraschung. Psychologischer Berater? Das klang als hätte ich einen an der Klatsche!
"Und was hast du darauf geantwortet?"
Ich fühlte mich unbehaglich. Hatte mein Fels in der Brandung Imagekratzer erhalten? Verlor ich das Vertrauen der Crew?


Amal
Ich lehnte mich zurück.
"Ich habe es mal mit Diplomatie versucht."
Nicht gerade meine Stärke.
"Erst habe ich gefragt, wie sie darauf kommen, dass du einen psychologischen Berater brauchst. Und dann habe ich gesagt, dass ein psychologischer Berater entweder ein Arzt oder ein Counselor sein muss und ich keiner von beiden bin."
Ich erhob mich.
"Darf ich Kaffee?"
Ich holte mir einen am Replikator.
"Erst war wieder Ruhe, aber dann sagte ein Lieutenant, dass... ich zitiere 'man lange genug an Bord sei, um zu wissen, dass es seinem Captain nicht gut geht und man sich Sorgen um sie mache'. Das war ein Gespräch für mich. Allein dieses Umhergeeiere mit dem Wort 'man'. Ein Blick in die Gesichter der Gruppe hat gereicht, um zu sehen, dass nicht 'man', sondern sie allesamt sich Sorgen machen."
Ich nahm den Kaffee und setzte mich wieder.
"Und dann wurde mir erzählt, dass 'man' uns oft zusammen reden sieht."
Okay, das taten wir tatsächlich. Und das nicht in einem bestimmten Raum, weil das wirklich an einen psychologische Sitzung erinnerte, sondern im Kasino, auf dem Gang beim Spaziergang, auf dem Holodeck oder eben sonst wo an Bord, wo wir uns beide nicht wie in einer Psychiaterpraxis fühlten.


Kathryn
Ich hörte Amal aufmerksam zu und trippelte mit den Fingern auf der Schreibtischkante herum.
"Wir sollten unsere Gespräche nicht mehr öffentlich führe."
Ich hielt mit den Fingern inne
"Ich möchte kein Gerede an Bord."
Und dass die Crew sich Sorgen machte... Es ist mein Job, mir um die Crew Sorgen zu machen und nicht anders herum.
"Damit sollten sich die Sorgen der Crew zerstreuen."
Ja, der Plan klang gut. Normalität. Ich sehnte mich nach Stabilität und meinem Leben bevor die Blockaden entfernt wurden. Es tat so weh ... so schrecklich weh!


Amal
Ich hob leicht meine Augenbrauen.
"Ist doch gut, wenn die Crew sich um dich Sorgen macht. Ich würde mir Sorgen machen, wenn es umgekehrt wäre und es ihnen egal ist, wie es dir geht."
Und so einfach würde sich die Crew auch nicht ruhigstellen lassen!
"Ich habe das alles kommentarlos hingenommen und nur fragend in die Runde geschaut. Weil ich nicht die geringste Ahnung hatte, was die von mir wollten."
Ich nippte am Kaffee.
"Als keiner was sagt, wollte ich aufstehen, aber dann sah mich eines der Crewmitglieder an und fragte mich, ob wir uns nicht mal treffen könnten. Auf ein Bier im 'Chez Sandrine'", erzählte ich weiter.
"In dem Moment war bestimmt mein Gesicht filmreif."
Mich hatte noch nie ein Crewmitglied an Bord auf ein Bier eingeladen! Ich hatte zwar großteils keine Berührungsängste mehr mit anderen und spätestens seit dem Holodeck-Ausflug an den Strand mit Phoe wusste so ziemlich jeder an Bord, dass ich nicht nur auf den Armen Narben habe... Aber einen direkten, privaten Kontakt mit anderen Crewmitgliedern hatte ich noch nie.
"Ich dachte wirklich, dass der sich einen Spaß mit mir erlaubt. Aber dann sah ich Neelix hinter den Tresen treten. Er starrte mich an und nickte, als ich zu ihm sah."
Ich lehnte mich zurück.
"Das Ganze war mehr als merkwürdig. Durch Neelix habe ich letztendlich zugestimmt und gesagt, dass ich mich melden würde, wenn ich Zeit dafür hätte."
Ich nippte erneut am Kaffee und kratzte mich dann im Nacken, denn das war noch nicht das Ende der Geschichte.


Kathryn
Ich erhob mich und holte mir am Replikator ebenfalls einen frischen Kaffee. Es machte den Anschein, dass das hier eine weitgreifende Geschichte wurde. Zumindest berichtete Amal sehr ausführlich.
"Natürlich rührt es mich, dass die Crew sich Sorgen macht. Das braucht sie aber nicht. Es geht mir viel besser."
Das war nicht einmal gelogen. Auch wenn es hart war und schmerzte ... es riss mich nicht so aus dem Leben wie damals.
"Es freut mich, dass du Anschluss findest."
Tat es wirklich. Amal war ein guter Kerl.
"Und gerade Neelix macht es einem sehr einfach. Ich konnte ihm nicht einmal ausschlagen, meinen privaten Speiseraum als Kombüse umzufunktionieren. Nicht einmal sein ... Kaffeeersatz bringt mich dazu, negative Gefühle in Neelix Richtung zu empfinden."
Der Talaxianer brach jedes Eis - sogar Tuvok bezeichnete ihn als Freund. Und dass ein Vulkanier jemanden als Freund bezeichnet, ist eine Seltenheit.


Amal
Ich räusperte mich.
"Naja, sagen wir eher, Anschluss wird gesucht."
Ich bin ja nicht auf die Crewmitglieder zugegangen, sondern sie auf mich.
"Und das auch noch auf eine Art und Weise, die ich so nicht erwartet hätte."
Ich stellte meine Tasse beiseite und legte meinen rechten Fuß auf mein linkes Knie.
"Nachdem sich die Runde aufgelöst hatte, bin ich zu Neelix gegangen und habe ihn gefragt, was das Ganze sollte. Es kam mir einfach alles... suspekt vor. Ich hatte das Gefühl, dass ich in einer Situation mitspielen musste, in die ich von Anfang an eingeplant gewesen war, aber von nichts eine Ahnung hatte."
Was ja auch so war...
"Neelix hat mich mit in die Kombüse genommen und hat mir dort erklärt, dass es Crewmitglieder an Bord gibt, die persönliche Probleme haben. Er meinte, dass er das als Moraloffizier spürt, aber nicht an diese Crewmitglieder heran kommt. Weil sie nicht darüber reden wollen. Weder mit ihm, noch mit Führungsoffizieren und schon gar nicht mit Bob."
Das kam mir bekannt vor.
"Neelix meinte, dass er mitbekommen hat, dass die Crew mitbekommen hat, dass du... also der Captain mit MIR redet. Und wenn der Captain mit mir redet, dann müsse ich wohl jemand sein, mit dem man reden kann."
Ich rollte leicht mit den Augen. Ich mochte Neelix, aber er eierte auch immer viel herum.
"Heißt im Klartext, dass du mich für einen guten Seelenklemptner hältst und ich somit einer bin", fasste ich zusammen.
"Der Lieutenant, der mich zum Bier eingeladen hat, ist, laut Neelix, einer von diesen Crewmitgliedern mit Problemen. Er will mit mir reden. Neelix hatte das vermutet und mir deswegen zugenickt."
Das alles erklärte dann auch die suspekte Situation.
"Was mache ich jetzt? Ich bin kein Seelenklemptner. Ich bin auch kein Arzt, kein Psychologe und kein Counselor."
Letzteres kann man nur werden, wenn man Psychologe ist!


Kathryn
Ich hörte mir Amals Ausführungen an und begann leise zu lachen.
"Oh Amal", schmunzelte ich.
Mein armer Schwager sah ziemlich überfordert aus. Und ein bedröppelter Amal heiterte sogleich meine Stimmung auf. Weil es einfach zu komisch war!
"Was du jetzt machst? Nun ... was möchtest du denn machen?", wollte ich wissen und nippte am Kaffee.
"Du hast in deiner Vergangenheit mehr Grausamkeiten erlebt als jeder andere an Bord - mich eingeschlossen. Und diese Vergangenheit ermöglicht es dir, dich in die Situation eines anderen sehr präzise zu versetzen."
Eigentlich logisch, dass die Crew auf Amal zu ging. Ich lehnte mich zurück.
"Vielleicht muss ich ein wenig ausholen. Normalerweise befindet sich an Bord eines jeden Raumschiffes ein ausgebildeter Psychologe, also ein Counselor. Wir haben keinen, weil unsere Mission nur ein paar Tage dauern sollte. Seit wir hier im Delta-Quadranten sind gibt es niemanden, der für die psychologische Gesundheit der Crew sorgt."
Ich stellte meine Kaffeetasse ab und schlug die Beine übereinander.
"Ich selbst meide jeden Arzt - egal ob für die Psyche oder den Körper. Und so scheint es nicht nur mir zu gehen! Neelix ist einfach zu fröhlich. Er kann mit tiefer Trauer nicht entsprechend umgehen. Weil er viel zu herzlich und optimistisch ist. Und der Doktor ist - auch wenn er sich entwickelt hat - ein Hologramm. Eine Projektion, kein fühlendes Wesen. Für ihn zählen Fakten. Und einfühlsam ist er bei weitem nicht. Du siehst - es gab an Bord keinen geeigneten Kandidaten. Bis jetzt."


Amal
Ich brummte leise.
"Das ist nicht zum Lachen."
Ich hielt kurz inne und schmunzelte.
"Also eigentlich schon, aber nicht für die betroffenen Crewmitglieder. Es hat mich ehrlich gesagt für einen Moment sprachlos gemacht, als mir bewusst wurde, was sich da im Kasino abgespielt hatte."
Ich nickte verstehend, als Kathryn mir die Situation an Bord erklärte.
"Es freut mich ja, dass ich helfen kann. Und meine Vergangenheit letztendlich zu was gut ist. Und ich würde auch mit diesen Crewmitgliedern reden, wenn sie damit zu mir kommen. Aber ich muss ihnen doch vorab sagen, dass ich keine professionelle Hilfe geben kann. Wenn ich was versaue... So wie bei dir mit dem Triggern... Bob würde mich hochkant rausschmeißen, wenn ich seine Station mit Patienten fülle. Von dir als Captain rede ich erst gar nicht. Ich werde bald Ersatzvater und habe keine Zeit tagelang Jefferies-Röhren mit der Zahnbürste zu schrubben."
Oder einen Freiflug aus dem Torpedorohr zu machen!
"Und um Counselor zu werden, brauche muss ich laut Sternenflotten-Regularium Psychologe sein, der eine Ausbildung bei einem Counselor gemacht hat. Klingt zwar reizvoll, aber ich werde 53. Bis ich die Voraussetzungen habe, sind wir auf der Erde."


Kathryn
Ich richtete meinen Blick für einen Moment auf den Schirm meines Schreibtischcomputers, ehe ich wieder zu Amal sah.
"Das mit mir vergiss mal lieber gleich wieder, Amal. Es war nicht deine Schuld. Du konntest nicht ahnen, wie sehr mich das noch immer belastet. Weil ich nicht mit dir gesprochen habe."
Mein Schwager hatte zwar einen Fehler gemacht, aber nicht in Funktion eines Seelsorgers.
"Ich habe in meiner Ausbildung mehr als einen schwerwiegenden Fehler gemacht. Und dennoch bin ich Captain geworden."
Ich scrollte auf dem Tischcomputer.
"Nun, ... die Regularien hin und her. Wir haben hier keinen Counselor. Und keine Option, einen an Bord zu holen. Wenn die Crew schon auf dich zugeht ... ich bin als Captain für das Wohl meiner Mannschaft verantwortlich."
Ich sah Amal ernst an.
"Wenn du das wirklich willst, dann werden wir das schon hinbiegen."
Das war mein Ernst. Die Odyssee hinterließ ihre Spuren. Und lieber ein unausgebildeter Counselor, der sich alle Mühe gab, als eine psychisch kranke Crew.


Amal
Ich dachte über Kathryns Worte nach.
"Glaubst du ehrlich, dass ich das kann? Ich meine... Wir beide sind eine Familie, kennen uns und haben ein Grundvertrauen ineinander. Für den Rest der Crew bin ich ein Fremder."
Anderseits hat mich diese Gruppe angesprochen und ein Crewmitglied wollte sich sogar mit mir treffen. Womit das Bier vorgeschoben war, denn er wollte ja was von mir, aber das störte mich irgendwie gar nicht. Weil er Hilfe suchte. Bei mir.
"Ich hätte Interesse daran. Sollte es aber noch mit Phoebe besprechen. Wenn ich solche Gespräche führe, dann wäre es außerhalb der Dienstzeit."
Und derzeit genoss ich jede dienstfreie Minute mit Phoebe!


Kathryn
Ich nickte.
"Ja, ich bin mir sicher, dass du das kannst", ermutigte ich ihn.
"Manchmal ist es einfacher, mit einem Fremden zu sprechen."
So ging es mir auch. Es war einfacher, vor Amal Schwäche zuzugeben, als vor der Crew, der ich vor Jahren ein Versprechen gegeben hatte. Amal erwartete nichts von mir.
"Wenn du dich dafür entscheidest, setze dich mit Chakotay zusammen. Wir passen deinen Dienstplan dementsprechend an."
Aktuell gab es kaum etwas zu tun auf der Krankenstation. Und anstatt Zeit abzusitzen, konnte mein Schwager etwas Sinnvolles tun.
"Gib mir Bescheid, wenn ihr eine Entscheidung getroffen habt. Ich spreche mit Chakotay und über 'Briefing mit Neelix' können wir die Crew in Kenntnis setzen."
Mein Blick huschte zum Chronometer.
"Ich werfe dich nur ungern raus, aber ich muss pünktlich zum Essen erscheinen und muss vorher noch mit dem Doktor ein Gespräch führen."
Auch wenn er in seine Laborarbeit vertieft war. Was ich fragen musste, duldete keinen Aufschub.


Amal
Okaaay, jetzt hatte ich noch mehr zum Nachdenken.
"Wenn, dann wäre es mir lieber, wenn die Mundpropaganda arbeitet. Je Offizieller es wird, desto professioneller klingt es und das hätte dann wieder einen Touch von Seelenklemptner."
Und der wollte ich nicht sein. Ich leerte meine Tasse.
"Ich gebe dir Bescheid."
Ich erhob mich und recycelte meine leere Tasse.
"Und Danke, für dein Vertrauen. In jederlei Hinsicht."
Privat und dienstlich, sollte ich mich dafür entscheiden.
"Es ist eine große Verantwortung, sich um solche Belange einer Raumschiff-Crew zu kümmern."
Und ein bisschen Stolz war ich jetzt schon, dass es Crewmitglieder gab, die es überhaupt in Erwägung zogen, mich wegen so etwas zu konsultieren. Von Kathryn ganz zu Schweigen!
"Aber selbst wenn ich mich dafür entscheide... Und auch dann, wenn das Baby da ist... Ich bin immer für dich da, okay? Danke für das Gespräch."
Ich lächelte und verließ dann den Bereitschaftsraum, um meinen Feierabend anzutreten.


Kathryn
Ich verabschiedete Amal und sah ihm einen Moment lang nach. Ja, ich hatte es im Gefühl. Das würde funktionieren. Amal hätte dann zudem eine Aufgabe, mit der er wachsen konnte. Und das hatte er sich verdient.
Nach einem leisen Seufzen deaktivierte ich den Tischcomputer und machte mich auf den Weg zum Doktor.
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