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Foulspiel

von Quiana
KurzgeschichteAllgemein / P18 / Het
Katie Bell Marcus Flint
01.05.2021
16.05.2021
10
13.768
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04.05.2021 1.839
 
Kapitel 2

Missmutig betrachte ich das handgroße Hämatom auf der rechten Seite meines Brustkorbes. Es ist lila, blau und grün. Einzelne Stellen haben auch einen ekelhaften gelblichen Ton angenommen. Dieses Arschloch! Seufzend greife ich nach der Salbe, die mir meine Mutter aus unserer Hausapotheke für solche Fälle mitgegeben hat und verteile einen Klecks davon auf meiner Haut. Zumindest die Schmerzen werden so ein wenig gelindert. Verdammter Mistkerl! Das einzige, was mich ein bisschen Milde stimmt, ist die Tatsache, dass Flint mich auf den Gängen wütend an funkelt und ich daraus schließe, dass er auch die ein oder andere Verzierung mit sich herum trägt. Trotzdem, der Tritt, der mir diesen Farbfleck beschert hat, war richtig mies und hat mir kurzzeitig die Luft zum Atmen geraubt. Ich hatte einen Moment schon befürchtet, dass mit schwarz vor Augen werden würde und ich vom Besen segeln würde. Das ist dann zum Glück doch nicht passiert. Stattdessen bin ich durch die Luft getaumelt und mit meiner Schulter gegen einen Torring geknallt. Ich vermute, Flint hatte beabsichtigt, dass ich den Quaffel vorher schon fallen lasse aber tatsächlich hat er sich erst bei meinem Zusammenstoß mit dem Ring aus meinem Griff gelöst und hat schöne zehn Punkte erbracht. Das war dann doch etwas befriedigend.
Seufzend ziehe ich meine Bluse wieder nach unten und stopfe den Saum in meinen Rock. Mit einem letzten Blick in den Spiegel verlasse ich das Badezimmer und mache mich auf den Weg zum Frühstück.
Die Halle ist schon gut besetzt, aber ich kann Leanne weiter vorne ausmachen und es sieht so aus, als hätte sie mir einen Platz freigehalten.
„Bell“, spricht mich Wood an, als ich an ihm vorbeigehe. Ich halte auf meinem Weg zu Leanne inne und wende mich ihm zu. „Flint hat mich angesprochen. Die Slytherins haben heute Training und da wir letztes Mal unser Training für dieses Testspiel gekürzt haben, hat Hooch wohl vorgeschlagen, dass wir heute Abend die Zeit von den Slytherins für ein weiteres nutzen. Sei also pünktlich, ja?“ Er sieht mich kurz freundlich an und wendet sich dann wieder an seinen Freund, um mit ihm über irgendeinen Zaubertrank zu diskutieren, den sie wohl gerade im Unterricht besprechen. Okay. Klar. Mein Körper ist ja auch so gut wie wieder hergestellt. Seufzend gehe ich weiter und setze mich neben Leanne. Mein Blick schweift durch die Halle und bleibt an Flint hängen, der mich wohl schon ne Weile beobachtet. Als er merkt, dass ich zu ihm sehe, grinst er breit. Oh nein. Es wird Blutergüsse regnen. Der Typ will sich definitiv rächen.


„WOOD!“, brüllt Flint über das ganze Spielfeld, nachdem ich ihm einen besonders miesen Tritt direkt under die Rippen verpasst habe. „Deine Jägerin foult ohne Ende! Willst du dazu nicht mal was sagen?“
„Weichei!“, rufe ich dazwischen. „Außerdem hast du doch damit angefangen! Kann ich ja nichts dafür, dass du es einfach nicht drauf hast!“ Einen Wimpernschlag später schwebt Flint direkt vor mir, sein Gesicht ganz nah an meinem.
„Dass ich es nicht drauf habe?“, spottet er kalt. „Vor nicht allzu langer Zeit warst du noch davon überzeugt, dass ich es sehr gut drauf habe.“ Ich zucke zurück, meine Wangen brennen und meine Lippen kleben aufeinander. Flints Grinsen wird wieder breiter und gewinnt an Selbstsicherheit. Verdammt! Das hier ist Quidditch! Hier hat dieses Thema wirklich nichts verloren. Wütend kneife ich meine Augen zusammen, beuge mich vor, um zu beschleunigen und trete ihm im Vorbeifliegen gegen sein Schienbein.
„Bell“, ruft Wood da auch schon. Der Abstand zwischen uns hat sich bedeutend verringert und scheinbar hat er sich die Situation aus der Nähe angeguckt. Mahnend sieht er mich an. „Das war unnötig. Aus dem Foul hast du keinen Vorteil gewonnen. Wenn Hooch hier wäre, hätte Flint jetzt einen Freiwurf gewonnen. Ich muss dir ja wohl nicht erklären, dass das nicht unsere Spielweise ist, oder?“ Eine Erwiderung wartet er gar nicht erst ab, er fliegt wieder zurück zu seinen Torringen, die er kurz verlassen hat, um mir die Leviten zu lesen. Aber Angelina und Alicia passen sich gerade sowieso den Quaffel zu. Mit einem Blick erfasse ich das Manöver, dass sie gerade fliegen und glieder mich dann nahtlos ein. Zumindest war das mein Plan. Ich bin keine zehn Meter geflogen, als mir etwas meinen Kopf wegschießt. So fühlt es sich jedenfalls an.


„Bell, wenn du nicht jetzt sofort deine Augen öffnest, verpasse ich dir eine!“
„Bestimmt eine super Idee, wenn man bedenkt, dass sie gerade einen KLATSCHER AN DEN SCHÄDEL BEKOMMEN HAT!“
„Sowas nennt man Schmerzreiz, Spinnet!“
„DEN SETZT MAN ABER WOANDERS!“
„Soll ich deine Freundin vielleicht ausziehen, um an ihr Brustbein zu kommen?“
„Bitte nicht“, gebe ich schwach von mir. Blinzelnd öffne ich meine Augen und kneife sie dann direkt wieder zusammen. Warum zur Hölle ist das erste, was ich sehe, Flints Gesicht? Das ist ja wohl ein schlechter Scherz!
„Bell, ist dir übel?“ Das ist doch wohl nicht etwa seine Stimme, oder? Vorsichtig öffne ich wieder meine Augen, aber das Bild bleibt das Gleiche.
„Bei deinem Anblick auf jeden Fall“, murre ich unzufrieden und versuche mich auf die Seite zu drehen. Ein Arm schiebt sich unter meine Schultern und hilft mir dabei, mich aufzurichten.
„Katie, geht‘s?“, fragt mich Alicia. Ihr Gesicht ist vor Besorgnis getrübt. Neben meinem Ohr ertönt ein Schnauben.
„Sie sieht aus, als hätte sie die falschen Bertie Bott‘s Bohnen gegessen. Was denkst du denn?“ Alicias Gesicht verzieht sich in Antipathie. Kann ich nur allzu gut verstehen. „Komm Bell, ich bring dich mal besser in den Krankenflügel.“
„Was?“, gebe ich verzweifelt von mir. „Warum bringst du mich denn?“ Flint legt sich meinen Arm um die Schultern und schlingt seinen um meine Taille. So zieht er mich auf die Füße.
„Dann fehlt in jedem Team ein Jäger. So können die anderen noch weiter Trainieren.“ Okay, das ist tatsächlich ein logisches Argument. Flint wartet kurz, bis ich mein Gleichgewicht gefunden habe, bevor er langsam losgeht.
„Ich seh später nach dir, ja?“, ruft Alicia uns nach, bevor sie sich wieder in die Lüfte schwingt. Ich würde mich wirklich gerne von Flint entfernen, leider brauche ich seine Stütze mehr als mir gefällt. Je näher wir dem Schloss kommen, desto mehr hänge ich in seinem Arm, als dass ich mich selber aufrecht halte.
„Sorry“, murmel ich verlegen und beiße mir dafür direkt auf die Lippe. Was soll das denn jetzt werden?
„Hm?“
„Vergiss es“, gebe ich beißend von mir. Wir gehen gerade durchs Schlossportal und ich nutze die Gelegenheit, mich von ihm zu lösen und anstatt seiner die Wand als Stütze zu nehmen. Ein paar Schritte sieht Flint sich das Spektakel mit verschränkten Armen an. Meine Beine zittern unter meinem Gewicht und meine Sicht verschwimmt. Flint schnaubt und bevor mein Körper sich dazu entschließen kann, dass jetzt doch eine gute Gelegenheit wäre, einfach nochmal mit dem Boden zu kollidieren, hat Flint mich schon wieder fest im Griff.
„Sei doch nicht so albern“, meint er zu mir und zieht mich mit sanfter Gewalt weiter. Wir haben die erste Treppe hinter uns gebracht, als ich zum wiederholten Male in meinen Knien einsacke.
„Okay, das wird dir jetzt nicht gefallen“, warnt Flint mich vor und im nächsten Moment hebt er mich hoch, einen Arm unter meinen Schultern, den anderen in meinen Kniekehlen. Und er hat recht. Das gefällt mir ganz und gar nicht. Aber ich habe keine Kraft mehr, zu protestieren. Also lasse ich zu, dass mein Kopf gegen seine Brust fällt. Auf meiner Stirn steht der kalte Schweiß, der von der Anstrengung zeugt, die es mich gekostet hat, bis hier her zu laufen und lässt mich erschaudern.
„Was los?“, fragt mich Flint seltsam sanft.
„Ich glaube, mir geht‘s nicht so gut“, bringe ich über meine Lippen. Flint hält kurz inne, bevor er trocken auflacht. Oder schnaubt. So ganz kann ich das nicht erkennen. Zu meinem Glück sind wir wenige Minuten später im Krankenflügel. Ächzend legt Flint mich auf dem ersten Bett ab.
„Bei Merlin, für so eine halbe Person bist du ganz schön schwer“, meint Flint und grinst auf mich herab.
„Das sind alles Muskeln“, behaupte ich und strecke ihm die Zunge raus. Belustigt schüttelt Flint seinen Kopf. Dann sieht er sich suchend um.
„Ich seh mal nach, wo die Meckerhexe steckt. Kommst du ne halbe Minute alleine klar?“ Ich nicke träge und Flint verschwindet aus meinem Sichtfeld. Gegen jede Vernunft richte ich mich im Bett auf und versuche, meinen Quidditchunhang auszuziehen. Ungeduldig zerre ich an den Schüren vorne, bis sich die Schleife schließlich löst. Als ich mir den Umhang über den Kopf streifen will, bleibe ich irgendwo hängen. Frustriert wedel ich mit meinen Armen, in der Hoffnung, so wenigstens die Ärmel loszuwerden.
„Du bist echt ein hoffnungsloser Fall“, ertönt Flints Stimme neben mir. Als sich irgendwelche Hände an meiner Robe zu schaffen machen, schlage ich wild um mich. „Jetzt hör doch mal auf, ich versuche, dich hier zu befreien.“ Auch wenn es gegen meine Natur spricht, halte ich still und begnüge mich damit, Flint frostig anzusehen, sobald mein Gesicht wieder frei von Stoff ist.
„Miss Bell“, spricht mich Mme Pomfrey freundlich an. „Mister Flint erzählte, sie hätten einen Klatscher bei Training abbekommen?“ Sie sieht mich fragend an, aber was soll ich ihr schon groß erzählen? Ich habe dabei schließlich nicht zugesehen. „Okay, ich werde mir das mal ansehen“, sagt sie schließlich, als ich nicht reagiere. Mme Pomfrey zückt ihren Zauberstab und geht ans Kopfende, sodass sie außerhalb meiner Sichtweite ist. Flint bleibt am Fußende stehen und sieht dabei zu, wie die Hexe mir immer mal wieder Anweisungen gibt, wie ich meinen Kopf zu halten habe. Seine Gesichtszüge sind hart und seine Augen wirken undurchdringlich. Ich verstehe nicht, was er hier noch will, aber ich habe beim besten Willen nicht mehr die Kraft, mich damit weiter zu beschäftigen. Geschweige denn, ihn damit zu konfrontieren. Ich blinzel irritiert, als auf einmal Mme Pomfreys Hand mit einem kleinen Becher vor meinem Gesicht schwebt.
„Miss Bell, ich habe Sie soweit versorgt. Jetzt müssen Sie nur noch diesen Trank zu sich nehmen, damit ihr Körper den Rest von selber heilen kann. Von dem Trank werden Sie wahrscheinlich sehr müde. Also legen Sie sich besser wieder hin.“ Sie hilft mir dabei, mich unter die Decke zu legen und zieht mir noch meine Schuhe aus. Dann überwacht sie noch die Medikamenteneinnahme und zieht sich dann zurück. Ich drehe mich auf die Seite, umarme mein Kissen und schließe meine Augen. Keine Ahnung, ob Flint jetzt endlich die Biege macht, aber es ist mir auch egal. Ich will einfach nur noch schlafen.

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Hallo ihr Lieben!
Kurze Anmerkung: Es gibt durchaus noch andere Möglichkeiten, einen Schmerzreiz zu setzen, als mit den Fingerknöcheln über das Brustbein zu reiben. Eine Ohrfeige gehört definitiv nicht dazu. Ich gehe davon aus, dass ihr das alle wisst, aber ich möchte eigentlich nur zeigen, dass ich an manchen Stellen doch intelligenter bin, als die Charaktere in meiner Geschichte. Alternativ kann man in die Innenseite des Oberarms kneifen oder in den Nasenrücken oder das Nasenseptum zwicken. VOn den letzten beiden bin ich persönlich weniger überzeugt, aber naja.
Ich hoffe, euch hat das Kapitel gefallen!
Liebe Grüße, Quiana
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