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Gondor hilft Westeros - Band 2: Der Sohn des Feuers

Kurzbeschreibung
CrossoverAbenteuer, Fantasy / P16 / Het
Brienne von Tarth Eddard "Ned" Stark Robb Stark Sansa Stark Stannis Baratheon Theon Graufreud
01.05.2021
26.06.2022
32
51.042
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"Also gut. Dann warten wir eben noch einige Augenblicke", bemerkte Olenna mürrisch und setzte sich auf den angebotenen Stuhl. Ihre beiden Leibwächter postierten sich neben ihr. Olenna war mit ihnen in die Gemächer von König Elessar gekommen und hatte den Wunsch geäußert, mit dem König zu sprechen. Ein Offizier, der sich als Hauptmann Túrin vorgestellt hatte, hatte sie um Geduld gebeten und war darauf ins Solar des Königs gegangen.

Nachdenklich blickte Olenna zur Tür, die ins Solar führte. Was für ein Mensch ist dieser König Elessar? Sie hatte ihn einmal gesehen, als ihre Familie von Stannis im Thronsaal empfangen worden war. Olenna war nicht leicht zu beeindrucken, doch Elessar war ihr stattlich und weitaus königlicher als Stannis vorgekommen. Sicher ist er mehr als nur ein Anführer von Söldnern.

Während sie wartete, dachte sie an ihre Familie, die gerade versuchte, Verbündete im Roten Bergfried zu gewinnen. Maes, Alerie und Margaery waren dazu in den Turm der Hand gegangen, um mit den Starks zu sprechen. Hoffentlich verdirbt Lord Hornochse es nicht ohne mich. Na gut, die Mädchen werden schon auf ihn aufpassen.

Hauptmann Túrin trat aus dem Solar und blickte zu Olenna. "Seine Gnaden wird Euch jetzt empfangen, Mylady", erklärte der Offizier.

"Na, endlich!", murrte Olenna ungeduldig und erhob sich. Zwar hatte sie wohl nicht allzu lange in dem Vorraum zu König Elessars Solar gesessen, doch sie wartete ungern. Ihre beiden Leibwächter wollten sie ins Gemach des Königs geleiten, doch Hauptmann Túrin stellte sich vor die Tür.

"Der König wird Euch empfangen, Lady Olenna!", sagte er. "Aber nicht Eure Leibwächter!"

"Schon gut! Links, Rechts – ihr wartet hier! Dieser König wird schon nicht über mich herfallen", bemerkte sie spöttisch und schritt an Túrin vorbei ins Solar.

König Elessar saß hinter dem Tisch, auf dem eine Karaffe und zwei Kelche standen. Außer dem König war noch ein junger Diener im Raum.

Elessar erhob sich. "Willkommen, Lady Olenna!", begrüßte er sie. "Nehmt doch bitte Platz. Darf ich Euch einen Kelch Wein anbieten?"

"Vielen Dank, Euer Gnaden", sagte sie und setzte sich auf den angebotenen Stuhl. "Einen Schluck Wein kann ich immer vertragen." Der Diener goss darauf Wein aus der Karaffe in beide Kelche. Auf einen Wink seines Königs verließ er das Solar.

"Weshalb wollt Ihr mich sprechen, Mylady?", fragte Elessar, nachdem er wieder Platz genommen hatte.

"Ich wollte Euch kennenlernen, Euer Gnaden", antwortete Olenna. "All die großen Häuser der sieben Königslande, die das Spiel um Throne spielen, kenne ich. Doch über Euch weiß ich nur sehr wenig. Es heißt, Euer Reich läge in einer anderen Welt und die Götter hätten Euch nach Westeros geschickt - wobei mir nicht klar ist, welche der Götter. Die Sieben? Die alten Götter? Oder etwa der Herr des Lichts, den Stannis mittlerweile verehrt?" Olenna hielt dieses Gerede zwar für völligen Unsinn, doch sie wollte sich zunächst dumm stellen.

"In der Weite verehrt man die Sieben, nicht wahr?", erwiderte Elessar. "Mir ist ihm Traume der Vater, wie Ihr ihn nennt, erschienen und hat mir den Auftrag erteilt in Eure Welt zu kommen."

Olenna blickte Elessar prüfend an und fragte sich, ob sie es mit einem Verrückten oder einem besonders begabten Lügner zu tun hatte. "Der Vater?", fragte sie skeptisch. "Er soll Euch gesagt haben, dass Ihr in unserer Welt im Spiel der Throne Stannis Baratheon unterstützen sollt, womit wir einen König auf dem Eisernen Thron haben, der nicht die Sieben, sondern den Herrn des Lichts verehrt?"

"Nicht direkt", räumte Elessar ein. "Unser eigentlicher Auftrag besteht darin, den Menschen von Westeros im bevorstehenden Krieg gegen die Anderen beizustehen. Doch ich habe im Traume auch erfahren, dass zunächst die sieben Königslande unter einer rechtmäßigen Herrschaft vereint werden müssten, um gegen den wahren Feind zu bestehen."

"Die Anderen?", rief Olenna und verhehlte nicht länger, dass sie Elessar nicht glaubte. "Das sind doch nur Märchengestalten aus alten Mythen des Nordens!"

"Ich wünschte, es wäre so", erwiderte Elessar, "doch wir haben die Anderen im Träumen gesehen, Lady Olenna. Nicht nur ich, sondern die meisten meiner Männer in ein und derselben Nacht."

"Ja, von diesem Vorfall habe ich gehört", erinnerte sich Olenna. Als sie die Gerüchte von den angeblichen Alpträumen der Männer aus einer anderen Welt vernommen hatte, hatte sie dies von Anfang an für ein inszeniertes Schauspiel gehalten. Genau das hätte sie Elessar gerne ins Gesicht gesagt, doch da sie das für sinnlos erachtete, entschied sie sich stattdessen dafür, ihm kritische Fragen zu stellen:

"Haben Träume in Eurer Welt immer so viel zu bedeuten, Euer Gnaden? Außerdem frage ich mich, warum die Götter ausgerechnet Euch in unsere Welt geschickt haben sollen, um das Spiel um Throne zu verändern."

"Auch bei uns haben die meisten Träume nichts zu bedeuten", antwortete Elessar, "doch bei einigen ist es offensichtlich, dass sie von höheren Mächten sind. Wir wurden in Eure Welt geschickt, da wir Erfahrung im Kampf gegen das Böse haben. Allerdings war es auch für uns sehr überraschend, wie wir in jene Machtkämpfe verstrickt wurden, die Ihr ein Spiel nennt."

"Sehr überraschend, fürwahr!", schnaubte Olenna verächtlich. "Eure Hand soll Lord Stark mit seinem Bruder verwechselt haben!"

"Das hat sich tatsächlich so zugetragen", bestätigte Elessar. "Ich war selbst mehr als überrascht, als ich Eddard Stark zum ersten Mal erblickte, denn ich kannte Fürst Faramirs Bruder Boromir sehr gut und Lord Stark sieht ihm wirklich verblüffend ähnlich. Auch wenn Fürst Faramir nicht wusste, wen er da rettete, so werdet Ihr mir doch zustimmen, dass ein guter und ehrenwerter Mann vor der Ermordung durch einen abscheulichen Thronräuber gerettet wurde."

"Seid Ihr sicher, dass Joffrey tatsächlich ein Thronräuber und nicht Roberts Sohn war, Euer Gnaden?", fragte Olenna, auch wenn sie ahnte, welche Antwort Elessar ihr geben würde.

"Ich bin mir sicher", antwortete Elessar, "denn ich habe keinen Grund, an Lord Starks Worten zu zweifeln. Wenn Ihr noch Zweifel habt, Lady Olenna, solltet Ihr den Prozess gegen Cersei und Jaime Lannister verfolgen."

"Das werde ich wohl müssen", seufzte Olenna. "Auch wenn anderes für mich wichtiger wäre."

"So etwa, Verbündete in Eurem Spiel um Throne zu gewinnen, Lady Olenna?", bemerkte Elessar sarkastisch. "Aus diesem Grunde seid Ihr, die wahre Herrscherin der Weite, doch hier, nicht wahr?"

"Das mag schon sein", räumte Olenna ein. "Ihr scheint ja einiges über uns zu wissen."

"Ich habe mich kundig gemacht", erklärte Elessar. "Die Tyrells beherrschen die Weite, die fruchtbarste Region von Westeros, seit sie sie während Aegons Eroberung als ehemalige Haushofmeister der Gärtnerkönige Rosengarten kampflos an den Eroberer übergeben haben. Die Oberherrschaft der Tyrells missfällt den Florents, die sich für altehrwürdiger und näher verwandt mit den Gärtnerkönigen von einst erachten. Nun fürchtet Ihr um Eure Herrschaft, da die Florents durch Stannis an Macht gewonnen haben und der König auch sonst wenig Grund hat, Euren Sohn zu lieben, wegen dem er während Roberts Rebellion fast verhungert wäre."

Olenna hielt Männer im Allgemeinen für leicht manipulierbare Dummköpfe, doch sie ahnte, dass Elessar kein solcher Dummkopf war. Nein, dies ist ein sehr gefährlicher Mann!

"Ihr wisst ziemlich viel", sagte sie anerkennend.  "Und was haltet Ihr von alldem?"

Elessar blickte sie ernst an. "Diese Machtspiele und Intrigen sind angesichts der Gefahr, die Westeros droht, völlig belanglos. Ich schätze mich glücklich, dass ich nach dem Prozess gegen die Lannisters diesen Hof, der einer Schlangengrube gleicht, verlassen kann. Aber bevor ich nach Norden abreise, könnte ich bei Stannis ein gutes Wort für Euren Sohn einlegen, auf dass er Oberster Lehnsherr der Weite bleibt und in den Kleinen Rat aufgenommen wird. Genau das wollt Ihr doch, Lady Olenna?"

"Ja, in der Tat", gab sie zu und war von Elessars Scharfsinn beeindruckt. "Welche Gegenleistung erwartet Ihr dafür, Euer Gnaden? Ihr habt Euch gewiss auch etwas davon erhofft, dass Ihr mich empfangen habt?"

"Gewiss, das habe ich", antwortete Elessar. "Wie gesagt, ich werde die Stadt bald mit meinen Streitkräften verlassen, um in einen Krieg zu ziehen, der wichtiger ist als das unbedeutende Spiel um Throne. Für diesen Feldzug benötige ich Vorräte."

"Vorräte für wie viele Männer?"

"Für zehntausend Mann auf fünfzig Schiffen."

Olenna schnaubte verächtlich. "Bei allem Respekt, Euer Gnaden. Aber ein 'gutes Wort' bei Stannis erscheint mir etwas wenig als Bezahlung von Vorräten für fünfzig Schiffe."

Elessar lachte. "Ihr braucht erst liefern, wenn Euer Sohn tatsächlich in den Kleinen Rat aufgenommen wurde. Doch das braucht nicht die einzige Bezahlung zu bleiben. Bisher haben alle, die mit uns verbündet sind, davon sehr profitiert: Eddard Stark wurde das Leben gerettet und Stannis Baratheon hat den Eisernen Thron errungen. Vielleicht wird uns eines Tages auch das Haus Tyrell dankbar sein."

"Vielleicht…", wiederholte Olenna. Einen so gefährlichen und scharfsinnigen Mann sollte man besser zum Verbündeten als zum Feind haben. Auch wenn ich immer noch nicht verstehe, was dieser ganze Unsinn eines Kriegs gegen die Anderen soll.

"Also gut", sagte sie schließlich. "Ich werde dafür sorgen, dass Ihr Eure Vorräte bekommt, wenn Maes im Kleinen Rat sitzt. Aber dafür erwarte ich, dass auch Ihr dankbar seid und nicht vergesst, wem Ihr Eure Vorräte verdankt, Euer Gnaden!"

"Das werde ich gewiss nie vergessen", versicherte Elessar. "Doch ich rate Euch auch, nicht nur uns mit Vorräten zu versorgen, sondern noch große Lagerbestände für den kommenden Winter und den Krieg gegen die Anderen anzulegen."

"Daran braucht Ihr mich nicht zu erinnern", erwiderte Olenna. "Wir sind für einen harten und langen Winter gerüstet." Sie sprach wie üblich in einem selbstsicheren Ton, doch zumindest für einen Augenblick fragte sie sich, ob das Gerede über eine Gefahr durch die Anderen vielleicht doch kein Unsinn war. Wenn das alles stimmt, dann sollte man diesen König nicht nur als Verbündeten haben, sondern ihn an unsere Familie binden!

"Seid Ihr verheiratet, Euer Gnaden?", fragte sie schließlich.

"Ja, das bin ich", antwortete Elessar. "Meine Königin besitzt mehr Weisheit als so manch kluger Mann und sie ist lieblich wie die Sterne einer wolkenlosen Nacht. Es tut mir leid, wenn ich Euch enttäuschen muss, Mylady."

"Ich bin nicht enttäuscht, Euer Gnaden", behauptete Olenna. "Ich war nur neugierig, bitte um Vergebung!" Na, vielleicht ist es besser so – Margaery hat ja schon andere Pläne!
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