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Alex‘ Albtraum

GeschichteAngst, Schmerz/Trost / P12 / Mix
Alex Fierro Magnus Chase
01.05.2021
07.05.2021
4
2.019
1
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07.05.2021 563
 
„Die Verzweiflung wuchs immer mehr, da ich mich einfach nicht verteidigen konnte. Keine Waffe, keine Fähigkeiten, nichts. Ich brach zusammen. Mit letzter Kraft hielte ich die Tränen zurück, die sich schon eine ganze Weile in mir sammelten und fragte mich wieso ich das durchstehen muss, wieso mir keiner hilft. Skurrilerweise rief ich sogar nach Hilfe, in der Hoffnung, dass es endlich vorbei wäre, nach Vater und nach Mutter, ..." Ja, dieser Gedanke ist sehr, sehr skurril, bestätige ich Alex' Worte im Stillen. „... nach Hilfe! Aber es passierte einfach nichts. Ich wurde weiter getreten und geschlagen. Ein zusammengekrümmtes Häuflein Elend, mit Armen und Beinen vorm Körper so verschränkt, dass es möglichst wenig Angriffsfläche gab. Zu mehr war ich nicht fähig. Und es hörte einfach nicht auf. Es hörte nicht auf. Mein Körper fühlte sich an wie ein Sandsack, taub und nachgiebig."
Hat das irgendwann auch ein Ende? Ich mache mir ernsthaft Sorgen um Alex' psychischen Zustand. Ihre Stimme klingt jetzt matt und sehr zerbrechlich.
„Die Schüler schrien plötzlich auf und ich hörte ihre Schritte davon rennen. Ein paar liefen über mich drüber, aber das fühlte sich nicht schlimmer an, als alles bisher. Dann war es ruhig. Ich traute dem Frieden erstmal nicht, aber dann wusste ich plötzlich dass es vorbei war. Und da brach endlich alles hervor. Ich rollte mich auf den Rücken und schrie. Schrie in den Himmel und..."
Alex drückt ihr Gesicht in meinen Brustkorb. Verständlich. Sie hat es die ganz Zeit zurückgehalten. Sie hatte nicht mal vorgehabt es mit mir oder irgendwem zu teilen. Ich spüre ihre lautlosen Tränen auf meiner Haut, drücke sie noch fester an mich und streiche ihr vorsichtig über den Rücken. Unsicher ob sie jetzt Trostworte hören will oder einfach nur Ruhe braucht, beginne ich eine Melodi zu Summen, so als Zwischenlösung.
Alex wird recht schnell wieder ruhig, was mich freut, aber mir auch die Frage aufwirft, ob das wieder eine Art Rückzug ist.
„Bist du jetzt zufrieden?" mault sie mich plötzlich an.
„Was? Wieso?" falle ich aus allen Wolken über diese plötzliche Anfuhr.
„Na, weil ich dir von meinem Traum erzählt habe."
„Hm, ja. Also ja! Danke, dass du mir vertraust."
„Hm." darauf hat sie nicht viel zu antworten. Als sie dann doch wieder spricht, klingt Alex' Stimme anders.
„Dir ist bewusst, dass Du jetzt mehr über die Dinge in mir weißt, als sonst jemand zuvor. Deshalb ... !" Ich zögere keine Sekunde. „Ehrensache Alex. Dass du dir über sowas überhaupt Sorgen machst. Ich kann schweigen, wie ein Grab."
„Besser für dich, sonst landest du dort schneller als dir lieb ist, endgültig."
Ich lache verhalten. Das meint Alex hoffentlich nicht ernst.
Wobei ich nie ihr - jetzt sein - Vertrauen missbrauchen würde. Und dass sollte Alex sich hinter die Ohren schreiben. Vielleicht schreibe ich es einfach selber dort hin?
Ich grübele noch eine Weile darüber, wieviel dieser ganzen Situation Alex real so erlebt haben könnte und wieviel seine inneren Ängste wohl eine reale Situation verschlimmert hatten. Aber Alex auch noch danach fragen, würde ich sicher nicht, jedenfalls nicht in nächster Zeit.
Ich strich ihm zärtlich durch das wuschelige Haar und genoß seine Gegenwart.
„Irgendwie hat es gut getan, darüber zu reden." murmelt er in meiner Halsbeuge. Über diese Aussage muss ich jetzt doch sehr schmunzeln.

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Vielen Dank für die Empfehlung Mister/Misses unbekannt ;)
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