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Wenn die Nacht endet, beginnt der Tag...

GeschichteRomance, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
Eren Jäger Irvin / Erwin Smith Levi Ackermann / Rivaille
30.04.2021
14.10.2021
12
44.156
26
Alle Kapitel
35 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
14.10.2021 5.184
 
Hallo, und willkommen zurück beim vorletzten Kapitel. Es hat etwas länger gedauert, da ich eigentlich mit diesem Kapitel enden wollte. Aber ich glaube, damit wärt ihr nicht zufrieden gewesen, oder? Ein Happy End sollte es schon sein... Naja, und weil ich es umschreiben musste, hat es etwas länger gedauert.^^

Ich würde mich riesig über ein Review freuen. Und nun viel Spaß beim Lesen! :D



Levi:

Levi war froh, als Erwin endlich den Unfall aufgenommen hatte und sie fertig waren. Seine Laune war nun nicht mal mehr im Keller, sondern hatte sich zum Erdmittelpunkt verabschiedet.
Flocke Forster, wie der Unfallverursacher hieß, hatte seine Fahrzeugpapiere dabei gehabt. Levi verstand allerdings noch nicht, warum dieser gelogen hatte. Es wurde ebenfalls ein Alkoholtest gemacht, der auf beiden Seiten negativ ausgefallen war. Es hatte keinen Grund zu dieser Lüge gegeben. Er hätte auch nicht wissen können, dass Erwin den Unfall aufnehmen würde. Es hätte auch jeder x-beliebige andere Polizist sein können. Oder hatte er einen Gedankenfehler? Hier passte etwas nicht zusammen.
Flocke hatte immer wieder nervös auf seiner Unterlippe herumgekaut und in die Richtung gestarrt, in die Eren vor wenigen Minuten verschwunden war. Misstrauisch besah sich Levi den Mann. Nur kam er nicht drauf, wo hier der Fehler lag.
Als plötzlich wütende, schwere Schritte aus der Einfahrt kamen, wurde Flocke total blass um die Nase und auf Erwins Gesicht flackerte etwas wie Freude auf. Levi sah Eren mit verzerrten Gesicht auf sie zulaufen. Allerdings ging er nicht zu ihm, sondern steuerte Erwin an, der breit grinste.
"Was-" wird das hier?, wollte er fragen, doch Eren sah kaum eine Sekunde zu ihm, da schleuderte er bereits etwas aus seiner Hand gegen den Blonden. Levi sah mehrere, wahrscheinlich um die 50, Fotos zu Boden gleiten. Auf jeden war Eren zu sehen. Wenn weitere Personen neben ihm standen oder scheinbar versehentlich im Hintergrund liefen, waren diese mit roter Farbe unkenntlich gemacht.
"Wenn du kranker Bastard glaubst, dass ich mir das weiter gefallen lasse, dann liegst du falsch. Hör endlich auf, mir und meiner Familie nachzustellen. Bist du echt so dumm und glaubst, dass du mich damit wieder zurückgewinnen kannst? Mach dich nicht lächerlich. Hör auf in der Vergangenheit zu leben, denn wie du siehst, denke ich nicht mal mehr dran. Du bist Geschichte." Eren atmete schwer. Kurz war es ruhig, doch Eren schien nicht daran zu denken, dass Gespräch weiter zu führen. Er ging zu Levi.
"Fertig?"
Er nickte nur und wurde dann gleich von Eren Richtung Fahrertür gedrängt.
"Verpiss dich und fang endlich an, mich zu vergessen. Für mich bist du schon längst kein Teil meines Lebens mehr. Merk dir gut: Ich scheiß auf dich.", sagte Eren kühl, betonte beim letzten Satz jede Silbe überdeutlich und setzte sich dann auf den Beifahrersitz. Als er die Tür lauter als nötig geschlossen hatte, atmete er tief durch. "Verdammt, tat das gut.", sagte er und lehnte sich im Sitz zurück.
Levi startete mit einem Schmunzeln den Moto und fuhr, ohne sie eines weiteren Blickes zu würdigen, an den beiden Männern vorbei. Er parkte das Auto wie gewohnt.
Doch statt auszusteigen, blieb Eren ruhig sitzen. Levi drehte seinen Kopf zu ihm.

Eren:

Eren hätte bei den Fotos an der Wohnungstür und der Drohung Angst verspüren sollen, immerhin folgte man ihm auf Schritt und Tripp, aber da war nichts als unbändige Wut gewesen. Sein Verstand hatte sich abgeschaltet und die Wut hatte sein Handeln übernommen.

"Glaubst du, ich habe grade einen Fehler gemacht? Ich meine, du weißt was er machen kann." Das Adrenalin verließ seinen Körper und seine Hände begannen zu zittern. Er brauchte jetzt dringend etwas Süßes. Das ganze war nicht durchdacht gewesen. Doch als er die ganzen Fotos von sich an der Tür hängen sah, da drehte er durch. Er hatte schon eine Weile lang das Gefühl gehabt, dass man ihn beobachtete. Aber er hatte es auf seine dünnen Nerven geschoben. Doch dieses Arschloch hatte es zu weit getrieben. Er hatte die Fotos an Levis Tür geklebt und darauf "Komm zurück, oder..." geschrieben. Die Drohung war nicht zu übersehen. Alle Menschen um ihn herum waren mit roter Farbe übermalt gewesen, die stark an Blut erinnerte. Eren war einfach so wütend gewesen, wie dreist Erwin war. Dachte dieser echt, dass er ihn so wieder zu sich locken konnte? Niemals. Eren würde sich nie wieder so erniedrigen lassen. Er würde nie wieder zu diesem Mann, der vermutlich seine Schwester getötet hatte, zurück gehen. Levi war nun der Mann an seiner Seite. Er war es, der Eren die ganze Zeit unterstützte, der ihn zu nichts Zwang und ihm den Platz zum Leben gab, den er brauchte, der ihm Halt gab und nicht immer weiter in die Tiefe fallen ließ.
"Vielleicht war es notwendig, dass dieser Bastard es mal aus deinem Mund hört. Hast du seine Visage gesehen? Er wusste gar nicht, was er sagen sollte. Und ehrlich...", Eren hörte, wie Levi sich in seinem Sitz bewegte und spürte dann dessen warme Finger an seiner Wange, die seinen Kopf langsam in seine Richtung drehten. Eren musste schwer schlucken, als er einen Funken in Levis dunklen Augen sah. "Ich fand das echt heiß.", flüsterte Levi an Erens Lippen und ihm ging ein wohliges Kribbeln durch den Körper, als der Schwarzhaarige ihn endlich berührte. Warm legten sich Levis Lippen auf seine und er ließ die Hand in das seidige Haar seines Gegenübers wandern, spielte mit den Strähnen, ließ sie durch seine Finger gleiten.
Als Levi seine Zunge über Erens Lippen streifen ließ, drückte er ihn sanft an den Schultern zurück.
"Ich würde nur zu gern weiter machen, aber Ben wartet oben.", sagte er schwer atmend. Levis Blick klärte sich wieder und er strich seine Haare glatt.
Gemeinsam stiegen sie aus dem Auto und gingen zur Wohnung. Eren wollte es nicht, aber konnte nicht anders, als seinen Blick zur Auffahrt wandern zu lassen. Er stauchelte etwas, als er Erwin an der Mauer gelehnt sah. Dieser erdolchte ihn mit seinem Blick und Eren fuhr ein kalter Schauer über den Rücken. Der Blonde hatte sie beide im Auto gesehen. Aber er fühlte sich nicht schlecht. Denn mit Levi fühlte sich alles besser an.
Durch seine neu gewonnene Stärke tat er etwas, dass schon lange nötig gewesen wäre. Er streckte Erwin den Mittelfinger entgegen und folgte Levi dann durch die Tür, sperrte Erwin erneut aus seinem Leben aus. Und dieses Mal endgültig. Er hatte heute das Gefühl, mächtiger als jeder andere zu sein. Am Morgen hatte er sich wegen der Hygienekontrolle noch schlecht gefühlt, aber eigentlich war es nicht seine Schuld gewesen. Eren musste endlich anfangen, sein Leben zu leben. Er durfte sich nicht länger von der Vergangenheit beeinträchtigen lassen. Levi hatte ihm nie das Gefühl gegeben, dass er weniger Wert in ihrer Beziehung hatte oder das er sich kleiner machen musste als er wirklich war. Er wurde zu nichts gedrängt, was er nicht auch wollte. Und Eren rechnete es Levi hoch an, dass dieser auf ihn wartete. Er wusste, dass Levi vor ihrer Zeit ein kleiner Playboy gewesen war, und trotzdem ließ er ihm alle Zeit der Welt. Eren wusste noch immer nicht, womit er einen so tollen Mann verdient hatte, aber er stellte es nicht mehr in Frage. Er genoss ihre gemeinsame kleine Familie. Denn so fühlte sich das Leben mit Ben und Levi an seiner Seite an. Sein persönliches Paradies.

"Fandest du es richtig, alle Fotos wegzuwerfen", frage Levi ihn am Abend, als sie sich ins Bett gelegt hatten. "Wären immerhin Beweise gewesen."
"Mh?" Eren drehte sich auf die Seite und betrachtete das Profil seines Gegenübers. "Wahrscheinlich nicht. Es war eher eine Kurzschlussreaktion, weil ich so wütend war."
Als Levi sich auch auf die Seite gedreht hatte, sahen sie sich kurz im einvernehmlichen Verschweigen an. Eren griff nach die Hand des Schwarzhaarigen und legte seinen Zeigefinger um Levis, verhackte sie miteinander.
"Weißt du, ich bin es Leid, dass Erwin immer noch versucht mein Leben zu kontrollieren, dass er denkt, dass ich durch seine Drohungen wieder zu ihm gelaufen komme. Ich möchte, dass er endlich verschwindet und uns in Ruhe lässt. Der Ex hat nichts mehr in einer neuen Beziehung zu suchen."
Levi sah ihn schweigend an. Unbehaglich wich Eren seinem Blick aus. Hatte er was komisches gesagt? Seit dem unfreiwilligen Treffen mit Erwin sprudelten seine Gefühle haltlos aus ihm heraus und er konnte gar nicht anders, als sie laut auszusprechen.
"Jetzt sag doch was. Sonst wird es peinlich.", schnaubte Eren und wollte seine Hand zurückziehen. Doch als Levi sein Vorhaben durchschaute, schloss er nur seine Finger fester drum. Er führte ihre Hände nahe seines Gesichts und hauchte einen sanften Kuss auf Erens Knöchel. Ihm wurde von dieser kleinen, so untypischen Geste ganz warm.
"Ich liebe dich.", sagte Levi leise und heftete seine stahlgrauen Augen auf Erens Gesicht. Er spürte, wie dieses rot anlief.
"Das... Wie-"
"Nimm es einfach an."
Obwohl diese drei Worte bereits zwischen ihnen ausgesprochen waren, wirkte das ganze viel intimer, wenn sie im Bett lagen, in dem Eren vor wenigen Tagen Levi... Sein Gesicht musste sich noch eine Nuance tiefer färben, als er an die tiefen lustvollen Laute dachte, die er bei Levi hervorgebracht hatte.
"Wir sollten schlafen. Es war ein langer Tag.", sagte Levi. Eren konnte nur nicken und zog langsam seine Hand zurück, die der Schwarzhaarige dieses Mal frei gab.
Eren konnte seine ganzen Gefühle, die in dem Moment in ihm sprudelten, gar nicht in Worte fassen. Da war so viel Dankbarkeit, Geborgenheit und Wärme in ihm. Bevor Levi das Licht ausmachen konnte, stützte Eren sich nochmal auf den Unterarmen ab und drückte seine Lippen auf Levis. Der Kuss war langsam und liebevoll, hatte keine Spur von Erotik oder heißes Verlangen. Eren wollte einfach nur seine unausgesprochenen Gefühle in diesen Kuss legen und hoffte, dass Levi sie verstand.
"Schlaf gut.", nuschelte er gegen die weichen Lippen und legte sich dann zurück in sein Kissen. Levi losch kurz darauf das Licht.
"Du auch"

Levi:

Der Morgen verlief wie jeder andere auch, nur dass es draußen dunkel war und aus vollen Kübeln goß. Der Wetterumschwung im Herbst war schon manchmal heftig. Aber durch die hektische, belebte Stimmung in der Wohnung, zog es Levis Laune nicht in den Keller. Eren versuchte wie so oft Ben in seine Klamotten zu stecken und er saß entspannt am Küchentisch und trank eine Tasse Tee. Das er sich früh die Zeit für so etwas nahm, kam auch erst, nachdem die beiden Chaoten in sein Leben geplatzt waren. Sonst hätte er sich zügig fertig gemacht und wäre zur Arbeit gefahren. Ihm gefiel sein neuer Lebensabschnitt besser, als er sich eingestehen wollte. Er fühlte sich ausgeglichener denn je, obwohl er niemals eine feste Beziehung wollte und erst recht kein Kind. Wie sich die Zeit änderte. Nun hatte er beides.

Als sie beide Ben in der Kita abgesetzt hatten, fuhren sie wie immer ins Cafe. Heute erwarteten sie keine beschmutzten Scheiben, was Levi aufatmen ließ. Nach der gestrigen Aktion hatte er eigentlich mit einer kindischen Reaktion gerechnet. Aber vielleicht hatte Erwin auch nur mal eine konkrete Ansage von Eren gebraucht. Wobei der Tag grade erst angefangen hatte und man diesen ja bekanntlich nicht vor dem Abend loben sollte.
Trotz des Regens waren recht viele Kunden im Cafe. Allerdings nicht so viele, wie wenn die Sonne geschienen hätte. Aber das störte Levi ausnahmsweise nicht, da er dann mit Eren zusammen Feierabend machen konnte, da Petra den Rest alleine geregelt bekam.  
Plötzlich hörte er das Klingeln von Erens Handy und dieser ging sofort ran.
"Jäger?" Kurz war der Braunhaarige leise und dann weiteten sich vor Schreck seine Augen. "Ja, ja. Ich komme sofort vorbei." Eren nickte nochmal tonlos und legte dann auf.
"Was ist passiert?"
"Ben ist wohl beim spielen gestürzt und ich soll ihn abholen. Es geht ihm aber soweit gut."
Levi sah auf die Uhr. Verdammt. Wäre das ganze nur eine halbe Stunde später passiert, würde Petras Schicht anfangen und er hätte Eren fahren können. Aber so musste er laufen. Hoffentlich war Ben nicht zu verletzt. Aber die Kita hatte gemeint, es ginge ihm soweit gut. Was machte er sich da eigentlich solche Sorgen. Irgendwo tief in seiner Magengrube nistete sich ein schlechtes Gefühl ein.
"Ich hole schnell meine Sachen."
Eren verschwand um den Tresen und Richtung Staff-Room. Keine 30 Sekunden später kam er schon wieder raus.
"Dein Handy.", sagte Levi, da Eren es nach seinem überstürtzten Aufbruch beinah vergessen hätte.
"Danke. Ich melde mich, soweit ich genaueres weiß."
Bevor Levi noch etwas sagen konnte, verließ Eren das Cafe und spannte draußen den großen Schirm auf. Er verschwand aus Levis Blickfeld und ein kleiner Stich durchbohrte sein Herz... Er wusste allerdings noch nicht warum.

Eren:

Mit schnellen Schritten ging er durch den Regen. Es waren nicht viele Menschen unterwegs und er musste keine unnötigen Schlängel gehen, um langsamen Passanten auszuweichen. Er wollte grade um die nächste Ecke biegen, als er gegen etwas oder besser jemanden stieß.
"Entschuldigung", sagte er schnell und hob dann den Schirm, nur um in kühle blaue Augen zu blicken. Sofort tat er einen Schritt zurück, brachte Abstand zwischen sie. Er wollte grade an Erwin vorbei gehen, als dieser ihn am Arm packte und aufhielt.
"Lass mich los.", fauchte Eren wütend und riss an seinem Arm, doch der Blonde verstärkte seinen Griff. "Ich hab was wichtiges zu erledigen. Loslassen, hab ich gesagt."
"Ach, wenn du den Anruf aus der Kita meinst: Keine Sorge, Ben geht es gut. Der kam von mir. Ich wollte dich alleine sprechen, ohne dieses Giftzwerg an deiner Seite. Der ist ja wie ein übellauniger Schatten. Ich kann nicht verstehen, was du an dem findest."
Eren hatte kurz das Gefühl, als wäre jeder Atem aus seiner Lunge gepresst worden. Der Anruft kam von Erwin? Auf einer Seite war er erleichtert, dass es Ben gut ging, allerdings hielt dieses Gefühl nur kurz an.
"Lass mich los!", wiederholte Eren nochmal lauter und riss sich nun endgültig aus dem klammernden Griff, rieb sich die schmerzende Stelle.
Er wollte grade an dem Blonden vorbei gehen, als dieser seinen schwarzen Mantel zur Seite zog und eine Waffe entblößte. Eren wurde ganz schlecht, als er die Drohung verstand. Aber er wollte sich nichts anmerken lassen.
"Du wirst mich nicht erschießen.", sagte er entschlossen und sah trotzig in die blauen Augen hinauf.
"Bist du dir da sicher? Du hast doch die Fotos mit deiner Schwester erhalten, oder?"
Eren wich einen Schritt zurück. Wenn er ganz schnell war, könnte er um die Ecke rennen und vielleicht lief da jemand, der ihm helfen konnte. Auf einmal war er sich nämlich nicht mehr so sicher, dass Erwin ihn nicht einfach erschießen würde. Er hatte aus guten Grund Mikasa erwähnt, da Eren wusste, dass er sie auf dem Gewissen hatte.
"Was willst du?", fragte er ruhig und ging einen weiteren Schritt nach hinten.
"So wie immer. Einfach nur reden."
"Okay. Dann sag mir, was du zu sagen hast und lass mich dann in Ruhe."
Ein tiefes Lachen echote durch die leeren Straßen und Eren zuckte ohne sein Wollen zusammen. Zu oft hatte er es gehört. Erinnerungen traten vor seine Augen, die er eigentlich in den letzten Wochen unter Verschluss gehalten hatte.
"Aber wo bleibt da der Spaß? Lass uns was essen gehen."
"Was?" Hatte der Kerl den Verstand verloren? Was dachte er sich bitteschön? Das Eren sich mit ihm an einen Tisch setzten und auf heile Welt machen würde? Allerdings hatte Erwin noch immer seine Hand in Pistolennähe und in einem gut besuchten Lokal würde er sich sicherer fühlen.
Eren zeigte mit einer kleinen Handbewegung, dass Erwin vorangehen sollte. Doch dieser Griff sich wieder Erens Arm, packte ihn grob und delegierte ihn neben sich her. Er wollte protestieren, doch das würde nichts bringen. Denn als sie um die Ecke bogen, waren dort keine Menschen, die ihm hätten helfen können. Erwin ging in eine seitlich zur Hauptstraße liegende Gasse und steuerte dort eine Art Taverne an. Als Eren das runtergekommene Gebäude sah, schwand seine Hoffnung, dass dort viel los sei. Und als Erwin die Tür öffnete und ihm eine starker Biergeruch entgegenkam, wurde seine Befürchtung bestätigt. Es waren lediglich 3 Besucher im inneren und eine Bedienung. Würde Erwin vor den Menschen auf ihn schießen? Ehrlich gesagt, würde Eren es ihm zutrauen.
Der Blonde dirigierte ihn in die hintere Ecke der Taverne und Eren ließ sich auf den Holzstuhl sinken und verschränkte abwehrend die Arme vor der Brust.
"Was möchtest du?, fragte Erwin und nahm sich die Karte vom Tisch.
"Nach Hause.", brummt Eren vor sich hin, als auch schon die Bedienung an ihren Tisch getreten war. Mit leuchtenden Augen sah sie zu Erwin. Wenn die wüsste.
"Was darf ich Ihnen bringen?"
"Zwei Bier und die Pommesplatte." Die Bedienung nickte und verschwand schnell wieder hinter ihrer Bar.
"Ich trinke keinen Alkohol. Schon vergessen?", fragte Eren mürrisch und besah sich den kleinen Raum näher, in dem sie saßen. Vielleicht konnte er den anderen Gästen irgendwie signalisieren, dass er in Gefahr war... Warte? War er denn in Gefahr? Perplex über seine eigenen Gedanken schüttelte er den Kopf. Erwin hatte ihn mit einer Waffe bedroht. Was dachte er nur? Freiwillig wäre er doch nie mit ihm mitgegangen. Außerdem hatte er Ben als vorwand benutzt, um Levi los zu werden und ihn allein auf der Straße abzufangen. Natürlich hatte er auch genau gewusst, welchen Weg er gehen wollte. Erwin hatte gewusst, dass wenn es um Ben ging, Erens Alarmglocken schrillten. Er dachte dann nur an seinen Sohn. Jetzt im nachhinein war es schon komisch, dass es nicht Historia war, die ihn angerufen hatte. Er verdammte sich grade selbst. Wie hatte er so dumm sein können? Andererseits: Wie hätte er wissen sollen, dass Erwin ihn in eine Falle locken würde.
Die Bedienung kam mit ihrer Bestellung zurück und stellte diese lächelnd vor ihnen ab. Erwin trank sofort einen großen Schluck von seinem Bier, während Eren ihn nur verachtend ansehen konnte. Er hatte es immer gehasst, wenn der Blonde trank. Dann war sein Schwelle zur Anwendung von Gewalt drastisch gesunken. Er schluckte schwer.
"Du hast doch sicher Fragen, oder? Zu deiner Schwester.", sagte Erwin in die Stille und stellte sein Glas mit einem lauten Geräusch auf dem Tisch ab. Eren sah ihn skeptisch an. "Na los. Ich habe doch gesagt, ich möchte reden."
"War der Unfall nur vorgetäuscht? Hast du sie umgebracht?" Eigentlich wollte Eren schweigen. Aber die Verlockung auf Antworten war einfach zu groß.
"Nein und ja." Ein plötzlicher Stich ging durch Erens Herzen und verursachte starke Schmerzen. Das, was er sich nur zusammengereimt hatte, was einfach eine Fantasie von ihm seine konnte, war nun Realität geworden. Der Mann, der seine Schwester auf dem Gewissen hatte, saß grade vor ihm und schob sich eine scheiß Pommes in den Mund.
Aus Erens Gesicht musste jegliche Farbe gewichen sein, denn Erwin sprach weiter.
"Um das zu verstehen, muss ich von vorn anfangen-"
"Wieso sollte ich dir glauben?", unterbrach Eren ihn. Immerhin hatte der Blonde keinen Grund, ihm die Wahrheit zu sagen.
"Weil ich dich liebe. Ich werde dich nicht anlügen.", sagte Erwin streng und sah ihm in die Augen. Am liebsten hätte Eren laut aufgelacht. Was für eine Ironie. Aber er schwieg, presste die Lippen aufeinander.
"Eigentlich war es ihre eigene Schuld. Hätte sie mich nicht aus deinen Leben gedrängt, wäre ihr nichts passiert." Eren presste die Finger unter dem Tisch zu Fäusten, bis seine Knöchel weiß hervortraten. Er musste sich beruhigen. Sonst würde er keine Antworten bekommen. Tief atmete er aus.
"Als ich dich das erste mal gesehen habe, wusste ich, dass wir zusammen gehören. Du warst damals noch in der Schule und ich Streifenpolizist. Ich habe dich auf einer meiner Kontrollfahrten gesehen und als du deine grünen Augen auf mich gerichtet hattest, da war es um mich geschehen. Ich habe gespürt, dass du direkt in mein inneres gesehen hast."
"Daran erinnere ich mich nicht."
"Aber ich. Du hast mich sogar kurz angelächelt. Und dann bist du über den Zebrastreifen zu deiner Schwester gegangen."
Eren runzelte die Stirn. Wahrscheinlich hatte er Mikasa zugelächelt und dieser kranke Bastard hatte es so aufgefasst, dass es für ihn bestimmt war.
"Auf jeden Fall gingst du mir nicht mehr aus dem Kopf. Aber ich wusste, dass ich als Erwachsener nichts mit dir anfangen konnte. Also war deine Schwester der einzige Weg, um dir nahe zu sein."
"Du hast sie nie geliebt?"
"Natürlich nicht! Eren, ich liebe nur dich. Und ich weiß, dass es dir mit mir genau so geht. Du brauchst keine Show mehr abzuziehen, wenn der Zwerg nicht da ist."
Eren ignorierte ihn. Erwin ließ nicht mit sich reden. Da konnte er sagen was er wollte.
"Und weiter? Sie hat dich ja scheinbar sitzen lassen."
"Nachdem sie von unserer Beziehung erfahren hat, ist sie ausgerastet, hat dich vor mir ferngehalten."
"Beziehung? Wovon sprichst du?", fragte Eren verwirrt. Ihre gemeinsame Zeit hatte doch erst nach dem Tod von Mikasa begonnen.Vorher hatte er Erwin nicht einmal gesehen.
"Tu nicht so. Ich hab gespürt, wie du mich angesehen hast. Auch deine Signale habe ich wahrgenommen, wenn du dich halbnackt in den Garten gelegt hast."
"Ich habe mich gesonnt!" Eren war sichtlich aufgebracht. Was zur Hölle hatte sich Erwin über all die Jahre eingebildet?
"Du hast dich mir präsentiert, dir mich angeboten, geflirtet, und deine Schwester hat alles kaputt gemacht. Sie war eifersüchtig und hat uns unser Glück nicht gegönnt. Sie wollte sogar mit dir in eine andere Stadt ziehen, daher musste ich etwas unternehmen.  Es war zwar nur ein Zufall, dass ich ihr auf der Landstraße begegnet war, aber das Schicksal wollte, dass wir zusammen sind. Ihren Wagen zu rammen war ganz leicht. Ich hätte auch nicht gedacht, dass sie sofort die Kontrolle verlieren würde und die Klippen hinabstürzt. Sie sollte nur Angst bekommen und uns endlich unseren Frieden geben"
"Aber du sagtest damals, ein betrunkener Geisterfahrer...". Erens Stimme zitterte und er schluckte gegen den Klos in seinem Hals an. Mikasa wollte ihn beschützten und hat dafür mit ihrem Leben bezahlt.
"Es war auch Hannes` Wagen gewesen, nur dass ich am Steuer saß. Ich konnte die Beweise ganz leicht den Fakten anpassen. An dem Tag hatten wir das erste mal miteinander geredet. Nun konnte ich dich unverholen anstarren, ohne dass deine Schwester uns im Nacken saß. Sie ist weg Eren, wir können endlich glücklich werden. Komm zurück, du hast mich nun genug bestraft. Ich habe eingesehen, dass ich einen Fehler gemacht habe. Ich will dich, ich begehre dich, Eren. Sein wieder Mein."
Angewidert sah er den Mann vor sich an. Eren konnte nicht glauben, was er da eben gehört hatte. Erwin berichtete ihm grade, dass er der Mörder seiner Schwester war und wollte im gleichen Atemzug, dass er zu ihm zurück kam? Der Mann war fern von jeglicher Realität.
Während Erwin gesprochen hatte, hatte Eren unauffällig sein Handy aus der Hosentasche gezogen und ohne hinzugucken eine Nachricht an Levi geschrieben. Er hoffte, dass dieser ihn finden würde. Leider hätte er den Namen der Taverne nicht gesehen. Er hoffte, das Wort würde reichen und das es die einzige auf den Weg vom Cafe zur Kita war. Levi würde sicher eins und eins zusammenzählen können.
"Was machst du da?", frage Erwin bedrohlich leise und stand auf, um über den Tisch zu gucken. Eren war nicht schnell genug und konnte das Handy nicht in seine Jackentasche gleiten lassen.
"Her damit.", knurrte der Blonde bedrohlich tief und deutete wieder mit seiner Hand auf die schwarz glänzende Waffe. Eren wurde schlecht. Er sperrte das Display, sodass Erwin die Nachricht nicht lesen konnte und übergab ihm das Stück Plastik, dass hoffentlich seine Rettung sein würde. Bitte, Levi musste sofort auf sein Telefon gucken. Er sandte ein stummes Gebet Richtung Himmel.
"Wenn du mich angeblich so sehr liebst, warum dann die Drohungen und die tote Taube?", fragte er schnell, um Erwin von dem Handy abzulenken.
"Wie sollte ich dich sonst erreichen? Kaum war deine Schwester weg, kam dieser Levi..." Er spuckte den Namen förmlich aus. "...und hat dich mir wieder weggenommen."
"Aber wie? Deine Kollegen haben dich gedeckt."
"Stimmt, ich habe gehört, dass dich dieser Pisser angestiftet hat, mich anzuzeigen. Aber weißt du, ich bin schlauer als er. Flocke war meine Unterstützung. Ich hatte ihn beim dealen erwischt und somit fest an den Eiern. Aber lass doch jetzt mal diese unnötigen Kleinigkeiten. Viel wichtiger ist, das wir uns lieben und zusammen sind."
"Ach ja? Du hattest mich doch die ganze Zeit nur verarscht und belogen. Ich weiß von deiner Affäre. Oder war ich die Affäre?" Eren war so wütend. Eigentlich wollte er das gar nicht ansprechen. Aber es hatte ihn damals echt getroffen, da er an ihre Beziehung festgehalten hatte, trotz der ganzen Misshandlungen.
"Bullshit. Ich habe dich nie betrogen. Du bist der einzige für mich. Ohne dich will ich nicht leben. Du gehörst zu mir, mir ganz allein."
"Hörst du dir eigentlich zu?" Eren war aufgestanden und hatte die Hände auf den Tisch geschlagen. Es war ihm egal, ob die anderen ihr Gespräch belauschen konnten. "Du redest hier von Liebe, aber du siehst mich doch gar nicht als Mensch an. In deinen Augen bin ich ein Ding, welches man besitzen kann. Hast du schon vergessen, was du mir angetan hast? Was glaubst du, von wem ich die ganzen Narben habe?"
"Eren! Setz dich sofort wieder hin."
"Vergiss es!", schrie er ihn an.
"Eren!"
"Das Gespräch ist beendet. Kapiere es endlich: Ich hasse dich! Ich liebe Levi. Du gehörst nicht mehr zu meinem Leben." Eren rückte den Stuhl nach hinten und ging, ohne ein weiteres Wort zu sagen. Das hätte er sofort tun sollen. Zwar hatte er jetzt seine Antworten, aber er fühlte sich ausgelaugt und miserabel. Selbst sein Handy, das Erwin noch in der Hand hatte, war ihm egal. Er wollte nur noch hier weg und zu Levi. Hatte dieser seine Nachricht schon gelesen?
"Stop!", schrie Erwin hinter ihm wütend auf und er hörte ein leisen knacken. Die restlichen Gäste kreischten panisch und versteckten sich unter ihren Tischen. Wie erstarrt blieb Eren stehen und drehte sich dann langsam um. Erwin stand mit entsicherter Waffe vor ihm und streckte sie so aus, dass der Lauf auf Eren zeigte.
"Du wirst mich nicht erschießen, wenn du mich wirklich liebst.", sagte Eren etwas ruhiger und ging langsam auf den Blonden zu, die Hände leicht nach ihm ausgestreckt.
"Ich liebe dich, ja. Aber wenn du nicht bei mir bleiben willst, sehe ich keine Zukunft mehr. Ich kann ohne dich nicht leben. Wenn ich dich nicht haben kann, dann soll es niemand. Im Tod werden wir auf immer zusammen sein."
"Nicht-" Eren hörte den Schuss gar nicht. Das Blut rauschte viel zu laut in seinen Ohren und übertönte jedes Geräusch. Er wollte nicht sterben. Nicht an so einem Ort und schon gar nicht allein.
Seine Beine sackten unter seinem Gewicht zusammen und als er auf den dreckigen Boden traf, spürte er nun auch die höllischen Schmerzen im Bauch, wo ihn die Kugel getroffen hatte. Er schmeckte den metallischen Geschmack von Blut auf seiner Zunge und spürte, wie die Luft sich aus seinen Lungen presste.
Levi würde diesen dreckigen Schuppen niemals betreten. Und Ben würde von dem Staub niesen müssen.
Das waren seine letzten Gedanken, bevor alles um ihn herum schwarz und still wurde. Warme Tränen rannen seine Wangen hinunter und er wollte die Augen öffnen, wollte, nein musste wach bleiben, doch er war so unglaublich müde.

Levi:

Als das Ladentelefon klingelte, nahm er mürrisch den Hörer ab.
"Ackermann?" Den Rest seiner Begrüßung sparte er sich.
"Hallo, hier ist Historia. Ich wollte fragen, wann Ben heute abgeholt wird? Eren hatte nicht erwähnt, dass er heute länger bleiben würde." Die helle Stimme der Blonden am anderen Ende der Leitung versetzte Levi einen Schlag in die Magengrube. Das konnte nicht sein.
"Ich dachte, Ben hätte einen Unfall gehabt. Eren ist vor einer halben Stunde los, um ihn zu holen."
"Was? Nein, Ben geht es ausgezeichnet."
Levi schluckte schwer. Was war hier los? Das ungute Gefühl von vorhin, stach nun schmerzhaft in seine Magengrube.
"Wer?-"
"Ich komme sofort.", unterbrach Levi die Frau und legte auf. Er schnappte sich sein Handy aus der Hosentasche. Eren hatte ihm weder geschrieben noch angerufen. Er wählte seinen Kontakt, doch es ging niemand ran.
Schnell gab er Petra bescheid, dass er los müsse und saß bereits eine Minute später hinter dem Steuer seines Wagens und fedelte sich in den Verkehr ein. In Rekordzeit fuhr er den Weg zur Kita, sah sich aber dabei suchend nach Eren um. Doch wegen des anhaltenden Regens waren kaum Menschen unterwegs. Als er an der Kita ankam, stand Historia bereits im Eingang und Ben lief auf ihn zu.
"Levi!", freute sich Ben und umarmte seine Beine.
"Es sieht Eren nicht üblich, dass er den Kleinen nicht rechtzeitig abholt.", gab Histori besorgt von sich.
Levi griff nochmals zu seinem Handy und drückte auf Wahlwiederholung. Die Freizeichen ertönten dreimal, bis sich eine weibliche Stimme am anderen Ende der Leitung meldete.

Eine (noch) Unbekannte:

Die Polizei und der Rettungswagen parkten vor der kleinen Taverne und Männer und Frauen liefen gehetzt durcheinander. Es war nur Zufall, dass sie das Handy des Jungen auf dem Boden liegend sah und grade in dem Moment ein Anruf einging. Ohne drüber nachzudenken, griff sie danach und drückte auf den grünen Hörer.
"Eren verdammt-"
"Eren? So hieß er?" Sie hatte den Namen gar nicht mitbekommen. Obwohl der Blonde öfter geschrien hatte. Aber alles wirrer Mist. Das der Typ nicht ganz richtig im Kopf war, hatte sie in dem Moment erkannt, als er mit seiner Waffe auf den Jungen gezielt hatte und fern jeglicher Realität durcheinander gesprochen hatte. Irgendein total wirres Zeug, dass keinen Sinn ergeben hatte.
"Wo ist Eren?", knurrte die männliche Stimme am anderen Ende der Leitung. Sie seufzte. Hätte sie das Handy doch nur ignoriert.
"Wenn Eren ein junger Mann, etwa 20 mit braunen Haaren ist, dann wird dieser grade vom RTW ins Krankenhaus gebracht."
"Was?"
"Er wurde angeschossen, aber genaueres weiß ich nicht. Ich gebe das Handy der Polizei. Tschüss."
"Wart-" Sie legte auf. Annie wollte keine Fragen beantworten, auf die sie sowieso keine Antworten wusste.
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