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Inner conflicts

von xscullyx
GeschichteRomance, Angst / P12 / Het
Dana Scully Fox Mulder
30.04.2021
12.06.2021
4
4.805
3
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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11.06.2021 1.458
 
In Mulders Armen zu liegen fühlt sich so verdammt richtig an. Warum habe ich das nicht schon viel eher so gemacht? Einfach offen zugeben, dass ich ihn nicht loslassen möchte und seine Nähe genieße? Manchmal könnte das Leben doch viel einfacher sein. Man muss sich nur trauen einen Schritt offener zu sein. So, wie ich nun über meinen Schatten gesprungen bin. Auch, wenn Mulder mir einen Korb geben sollte, wenn ich mich ihm vollkommen offenbare – dennoch habe ich es dann versucht und müsste mich in ein paar Jahren nicht fragen 'was wäre, wenn?'.

Seine rechte Hand streichelt behutsam über meinen unteren Rücken und ich lasse mich fallen, um mich vollends auf dieses Wohlgefühl einzulassen und den Augenblick auszukosten. Sein typischer Muldergeruch hüllt mich ein und lässt mich alles um mich herum vergessen. Völlig fixiert auf ihn lächle ich, zufrieden mit mir selbst.

„Danke, dass du einfach da bist, Mulder“, murmle ich fast schon schüchtern.

„Das ist doch selbstverständlich, Scully. Du weißt, dass ich jederzeit für dich da bin wenn du mich brauchst“, flüstert er und ich bekomme beim Klang seiner weichen Stimme eine Gänsehaut. „Geht es dir etwas besser?“

Das ist mein Mulder. Um mich besorgt und nun keinen Gedanken mehr an sich verschwendend. Bis es mir nicht wieder zu einhundert Prozent gut geht, wird er jeden noch so kleinen Gedanken mir und meiner Gesundheit widmen.

„Wenn du bei mir bist, dann geht es mir wieder besser“, gebe ich zu und halte kurz den Atem an.

Er hebt den Kopf und ich weiß ganz genau, dass er nun überrascht über mein Geständnis ist, denn ich bin wahrlich bislang kein Mensch gewesen, der offen über seine Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse gesprochen hat. Für Mulder möchte ich das jedoch ändern und mich ihm gegenüber ein wenig offener zeigen. Ich muss es ja nicht direkt übertreiben und dieses neue Gebaren bei jedem anderen Menschen auf diesem Planeten anwenden, oder?

„Beruhigend zu wissen“, erwidert er nach einem kurzen Hadern und ich höre ein leichtes Grinsen heraus. „Sonst habe ich eher die umgekehrte Wirkung auf das weibliche Geschlecht.“

Nun runzle ich verwirrt die Stirn. Die gegenteilige Wirkung? Seit wann denn das? Die Damenwelt liegt ihm doch immer zu Füßen. Ich meine, wem kann ich es auch krumm nehmen? Fox Mulder ist charmant, gut aussehend, humorvoll und sogar fürsorglich. Ein Sechser im Lotto plus Zusatzzahl und der Traum jeder Mutter einer Tochter. Und exakt dieser Traumtyp behauptet nun, die Ladies würden sich schlecht in seiner Nähe fühlen? Habe ich was verpasst?

„Mulder?“

„Ja, Scully?“

„Hat dir schon mal jemand gesagt, dass du doof bist?“

„Bitte?“, kommt es erstaunt von ihm.

Mein mühsam unterdrücktes Kichern bricht aus meiner Kehle und mich schüttelt es regelrecht vor Lachen. Mulder greift vorsichtig um meine Schultern und schiebt meinen Oberkörper behutsam etwas von sich weg, um mir ins Gesicht schauen zu können. Seine Augen fixieren mich irritiert und allein dieser Ausdruck bringt mich dazu, noch mehr zu kichern. So ausgelassen hat er mich bis dato noch nicht erlebt und er kommt aus dem Stauen nicht heraus.
„Oh bitte, meinst du nicht das du gerade übertrieben hast? Warum sollte sich eine Frau bei dir nicht wohlfühlen?“, frage ich ihn und bemühe mich dabei wieder ernst zu sein, damit er sich nicht angegriffen oder aufgezogen fühlt.

„Ach, Scully… wenn du wüsstest. Ich bin nicht der Schwiegermuttertyp. Ganz und gar nicht. Allein die Tatsache, dass ich beim FBI arbeite und ich mehr oder minder nie Freizeit habe. Welche Mutter würde sich mich für ihre Tochter wünschen?“

Oh – da würde mir spontan sogar eine Mutter einfallen: nämlich meine! Wenn es nach ihr ginge, wären wir seit Jahren schon ein glückliches Paar und hätten ihr mindestens schon ein Enkelkind geschenkt. Mom hat sich sofort ins Zeug gelegt und immer für ihn Partei ergriffen, wenn sich die Gelegenheit bot. Und das würde sich auch in Zukunft niemals ändern. Mein Partner Fox Mulder ist erste Scullywahl.

„Mir fällt da spontan eine Mutter ein.“

Er zieht skeptisch eine Augenbraue hoch und ich muss mir auf die Innenseite meiner Wagen beißen um nicht zu grinsen. Irgendwie kann ich nachvollziehen, wie es Mulder geht, wenn ich skeptisch schaue, wenn er mir etwas erklärt.

„So eine Aussage kannst du doch nicht einfach in den Raum werfen. Damit kann ich nichts anfangen, Scully. Ich brauche einen Namen, eine Adresse und eine Telefonnummer“, entgegnet er und macht eine extra ernste Mine dazu.

Um meinen Mundwinkeln zuckt ein Grinsen und ich versuche es mit aller Macht zu unterdrücken. Ich sehe wie es in seinen Augen verräterisch blitzt, was seine Belustigung deutlich macht. Gott, ich liebe diese Augen. Ewig darin versinken könnte doch durchaus eines meiner neuesten Hobbies werden, finde ich. Das würde niemals langweilig werden bei dem Spektrum an Emotionen die darin zu sehen sind.

„Margaret Scully. Die Adresse und Telefonnummer besitzt du bereits.“

„Deine Mom?“, kommt es stockend von ihm und Unglaube macht sich in seinen Augen breit.

„Ja, meine Mom. Wenn es nach ihr ginge, dann wärst du bereits seit Jahren ihr liebster Schwiegersohn, Mulder.“

Sein Blick gleitet forschend über mein Gesicht und verhakt sich dann mit meinem Blick, so, als könne er nicht glauben was er soeben gehört hat. Kann er es nicht glauben oder will er es nicht? Unsicherheit breitet sich unangenehm in meinem Brustkorb aus und ich schlucke leicht. Vielleicht hätte ich diese Offenbarung doch nicht aussprechen sollen. Was, wenn es Mulder zu viel Input ist? Und er nun aufsteht und nach Hause fährt? Ohne mit mir zu sprechen. Nun schlägt die Unsicherheit augenblicklich in Panik um und ich versuche mich innerlich zu beruhigen.

„Das… ich… bist du dir sicher?“, fragt er unsicher nach und ich kann einen Sekundenbruchteil lang eine Emotion in seinen Augen aufblitzen sehen. War das etwa gerade Hoffnung, oder bilde ich mir das nur ein?

No risk, no fun.

Tief atme ich durch und sammle mich, bevor ich ihm fest in die Augen schaue und nicke. Und wie ich das ernst meine und mir sicher bin. So oft habe ich eine Grundsatzdiskussion mit meiner Mom geführt. Das er nur mein Partner, mein Arbeitskollege ist. Und mein bester Freund – mein Vertrauter. Und ich diese einzigartige Verbindung nicht mit etwas ‚banalem‘ wie Liebe zerstören will, sollte es – aus welchen Gründen auch immer – nicht funktionieren mit einer romantischen Beziehung zwischen uns. Wie oft hat sie mir gesagt, dass ich auch einmal im Leben etwas riskieren müsse und dabei nur gewinnen könnte. Denn sie ist sich sicher, dass Mulder für mich tiefer gehende Gefühle hegt und mich niemals abweisen würde. Ließe ich es zu, täte er mir die Welt zu Füßen legen. Mom, hoffentlich hast du damit Recht, denn gerade setze ich all in. Alles auf eine Karte – volles Risiko.

„Und was sagt die Tochter zu der Geschichte mit dem Wunschschwiegersohn?“

Mulders Frage schwebt zwischen uns und ich schließe kurz die Augen, um mich zu sammeln. Das, was ich ihm nun sagen werde, fällt mir weiß Gott nicht einfach. Schon immer bin ich ein zurückhaltender Mensch gewesen, was meine Gefühle und Gedanken betrifft. Und heute, hier und jetzt, bin ich das erste Mal dazu bereit, mich einem Menschen vollends zu öffnen. Ehrlich und ohne jede Zurückhaltung. Nicht einmal meinen eigenen Eltern gegenüber habe ich mich jemals so anvertraut und geöffnet. Mutig öffne ich meine Augen langsam und treffe seinen unsicheren Blick erneut.

„Die Tochter hat jahrelang mit ihrer Mutter diskutiert und Erklärungen dafür gesucht, um nicht ihr Innerstes nach außen zu kehren und sich einmal im Leben etwas zu trauen, was sie für ein zu hohes Risiko ansieht. Sie hat bislang immer einen kühlen Kopf bewahrt und abgewogen, was sie sich trauen kann und was zu risikoreich wäre. In diesem einen Fall möchte sie eigentlich auch nichts riskieren – um nicht das zu verlieren, was sie sich zusammen mit diesem einen besonderen Menschen aufgebaut und erarbeitet hat“, fange ich an zu sprechen und kann sehen, wie Unglaube den unsicheren Blick aus seinen wundervollen Augen ablöst. „Aber die Tochter hatte diese Nacht eine Einsicht und möchte gegenüber dem Wunschschwiegersohn ihrer Mutter all in gehen. Ihm sagen, wie viel mehr sie sich wünscht und was ihre Mutter sich seit Jahren erhofft.“

Völlig verdattert blinzelt er ein paar Mal und benetzt seine vermutlich trockenen Lippen mit der Zungenspritze. Sofort folgen meine Augen dieser Bewegung und ich schlucke nervös. Wie es sich wohl anfühlen würde, seine Lippen zu küssen? Fühlen sie sich so an, wie ich sie mir vorstelle? Weich und doch hart zugleich? Manchmal wünsche ich mir tatsächlich ein Sonnenblumenkern zu sein, der von seinen Lippen ummantelt und seinen Zähnen geknackt wird. Räuspernd hebe ich meinen Blick wieder zu seinen Augen und erröte ertappt, denn seine Augen funkeln amüsiert-wissend.

„So so. Und wie sie dieses All in der Tochter aus?“, versucht er mich aus der Reserve zu locken.
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