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Flucht

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 / Het
Katie Bell Marcus Flint
29.04.2021
16.09.2021
16
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15.09.2021 1.876
 
Gelangweilt drehte Katie eine Strähne ihres Haars um ihre Finger. Sie wusste einfach nichts mit sich anzufangen. So langweilig war ihr noch nie gewesen. Nicht nach all der Zeit, in der sie mit Marcus alleine unterwegs war. Aber dieses Zimmer engte sie ein. Manchmal dachte sie, die Wände kämen auf sie zu und würden sie noch dazu auslachen.

Der Fernseher war schon lange aus. Sie hatte einmal durchgezappt, doch als Marcus das Zimmer verließ, direkt ausgeschaltet. Seitdem lag sie hier auf dem viel zu kleinen Bett und blies Trübsal.

Einmal hatte sie aus der Reisetasche ihr Notizblock herausgeholt und ein bisschen gekritzelt. Nicht das Übliche. Sie malte einfach drauf los und am Ende stellte sie selbst fest, dass sie das Quidditchfeld in Hogwarts gezeichnet hatte. Wie sie Quidditch vermisste. Vor allem das Fliegen. Es hatte ihr immer ein Gefühl von Freiheit vermittelt, was ihr gerade jetzt extrem fehlte. In dem Anwesen von Marcus Ferienhaus hatte sie wenigstens noch sich frei bewegen können.
Was hier sicherlich nicht der Fall war. Marcus hatte ihr zwar nicht verboten, das Zimmer zu verlassen, aber was sollte sie draußen bloß machen? Löcher in die Luft starren konnte sie auch hier und der Lärm draußen auf der Hauptstraße zu zuhören war jetzt auch nicht ihre Obsession.

Mit einem Ruck öffnete sich die Tür und sie sah abrupt auf.

„Sorry, dass ich so lange gebraucht habe. Ich hab einfach kein Chinarestaurant in der Nähe gefunden.“, schnaufte der Schwarzhaarige und stellte eine Plastiktüte auf einen Tisch ab, „Bin fast bis ans andere Ende des Dorfes gelaufen.“

Katie lächelte, obwohl ihr ganz anders war. Sie war vielleicht nicht immer auf der Höhe, aber das hieß noch lange nicht, dass sie blöd war. Er hatte also keinen Chinesen gefunden? Sie war der Meinung gewesen, dass sie vorhin an einem vorbei gekommen waren, bevor sie hier eincheckten. Der musste in irgendeiner Seitenstraße gewesen sein. Dennoch erwähnte sie es nicht und machte gute Miene, zum bösen Spiel.

„Hauptsache du hast meine Ente.“, sagte sie daher.

Er drehte sich grinsend zu ihr um, nachdem er eine Papierschachtel aus der Tüte nahm und es ihr reichte.

„Klar. Sogar mit deinem Extrawunsch.“, sagte er und nahm nun auch seine Portion aus der Tüte, bevor er sich neben sie aufs Bett setzte.

Marcus reichte ihr die Stäbchen und beide begannen zu essen. Es war ziemlich still im Raum. Er sagte absolut kein Wort, bis er plötzlich doch seine Stäbchen herabsinken ließ.

„Sag mal,... deine Mum hat doch einen ihrer Kollegen über dich drüber schauen lassen, oder?“

„Ja.“, sagte sie leise und sah zu ihrer rechten, um ihn anzusehen, „Warum fragst du?“

„Du... weißt nicht zufällig, was dabei rum kam?“

„Nein. Mum hat alles von mir ferngehalten. Ich... ich wollt's auch nicht wissen.“

„Verstehe...“

Irgendwie fand sie es merkwürdig, dass er danach so plötzlich fragte. Sie sah in ihre Papierschachtel und auf einmal war ihr der Appetit vergangen. Katie seufzte und stellte das Essen beiseite. Sie sah erneut zu ihm rüber, wie er eine Frühlingsrolle nach der anderen hinunterschlang, bis sie es nicht mehr aushielt den Mund zu halten.

„Wo warst du wirklich?“

„Wo war ich wann?“, kam prompt die Gegenfrage.

Die Dunkelblonde stellte ihre Essenschachtel auf ihren Nachttisch ab und sah mit ernster Miene nun zu ihm rüber.

„Vielleicht bin ich winzig,... aber nicht dumm. Du verheimlichst mir was, dabei hast du versprochen, dass du mir alles erzählst.“

„Das weiß ich doch...“, murmelte er und fing nun an in seinem Essen herumzustochern.

„Also... wo warst du so lange?“

Er seufzte schwer, bevor auch er seine Schachtel sinken ließ.

„Na gut, ich wollte es dir sowieso erzählen... nachdem Essen.“

„Mir was erzählen?“

„Ich weiß nicht, was du weißt, aber ich hab... keine Ahnung was die in Hogwarts über dich diagnostiziert hatten. Deine Mutter hat mir nie deine genaue Diagnose vorgestellt. Und du sagst nicht, was dich so beschäftigt. Da... da hab ich nach einer Lösung gesucht, um mehr zu erfahren.“

„Mum hat dir nie... hast du denn nie nachgefragt?“, zog sie eine Augenbraue nach oben.

„Doch schon. Aber sie ist dem Thema immer ausgewichen. Sie hat nur erzählt, was passiert war im Groben. Aber nie, was die genauen Umstände waren, oder was es mit dir gemacht hatte.“

„Und... wo warst du, weil über das ganze Dorf bist du nicht fürs Essen gelaufen. Bind mir keinen Hippogreif auf die Nase!“

„Ich hab... McGonagall kontaktiert.“

„Du hast was?!“, fuhr sie hoch und sprang vom Bett, „Wie kamst du denn auf diese bescheuerte Idee?!“

„So bescheuert war das gar nicht. Wenigstens hab ich von ihr die Informationen bekommen, die ich von deiner Familie nie erhalten hätte.“, sagte er nun auch aufgebrachter, doch seine Stimme fuhr sanft wieder herunter, „Ich wollte doch nur wissen, was Poppy festgestellt hatte. Mehr nicht. Bitte setz dich wieder, ich erzähl dir auch alles, wenn du es wissen willst.“

Auch wenn Katie es nicht verstehen konnte, wieso er ihr wieder einmal etwas verschwiegen hatte, setzte sie sich wieder an seine Seite.

„Was hat sie gesagt?“

„Sie hat mir nur deine Krankenakte widergespiegelt und... wir haben über deine Ausbrüche geredet und... deine Alpträume. Ich-“, sagte er und stoppte, um eine Pause zu machen, „Ich versuch nur dir irgendwie zu helfen. Mir zu helfen, ich fühl mich machtlos, weil du seit Tagen nicht richtig schläfst.“

„Wie hast du sie erreicht?“, hauchte sie neugierig.

„Patronuszauber.“

„Du kannst den Patronus?“, fragte sie überrascht nach.

„Von Können kann keine Rede sein. Es ist nur ein Faden gewesen, aber es hatte ausgereicht.“, seufzte er abermals, „Bist du sauer? Weil... ich dir nichts gesagt habe?“

Zuerst war sie wirklich wütend gewesen darüber, dass er ihr schon wieder etwas verheimlicht hatte. Aber ihre Wut verrauschte sofort wieder. Irgendwie... konnte sie ihn ja verstehen. Sie trug nicht wirklich dazu bei, ihr Problem anzugehen. Da war es nur verständlich, dass er nach anderen Wegen suchte. Aber dass er tatsächlich ihre alte Hauslehrerin kontaktierte. Diesen Schritt hatte sie ihm nicht zugetraut.

„Nein. Schon gut.“, kam es ehrlich über ihre Lippen und sie lehnte sich an ihn, „Aber... ab jetzt wirklich.“, sagte sie ernst und sah zu ihm hoch, „Keine Geheimnisse mehr. Ich reiß dir schon nicht den Kopf ab.“

„Als ob du das könntest.“, grinste er und sie konnte nicht anders, als mit ihrem Ellenbogen auszuholen und ihm diesen in die Seite zu rammen.

„Aua! Für was war-“, zischte er und wandte gerade seinen Kopf zu ihrem Gesicht.

Doch den Satz konnte er nicht mehr beenden, da sie sich ein wenig erhoben hatte und einfach ihre Lippen auf die seine setzte. Sie merkte, wie sichtlich überrascht er darüber war, wohingegen sie sich nichts anmerken ließ und den Kuss vertiefte. Kurz darauf spürte sie seine eine Hand in ihrem Nacken und es fühlte sie so an wie früher.

Marcus löste sich als Erster und sie hörte ihn nur flüstern, da sie ihre Augen immer noch geschlossen hatte.

„Bist du schon müde?“

„Nein.“, hauchte sie zugleich.

„Hast du Lust auszugehen?“

Im nu öffnete sie nun doch ihre braunen Augen und sah in seine grünen.

„Ausgehen? Bist du sicher, dass das so eine gute Idee ist? Immerhin... sind wir auf der Flucht und-“

„Scheiß drauf. Einen Abend mal nicht daran denken, Katie.“

„Und... wo willst du hin? Wir kennen uns hier überhaupt nicht aus.“

„Auf dem Weg zurück, bin ich an einem Dorffest vorbei gekommen. Da könnten wir hin. Ich find sicherlich den Weg wieder.“, sah sie ihn grinsen und auch wenn es wahrlich keine gute Idee war, dachte sie im Moment wohl dasselbe, wie er.

Scheiß drauf.




Marcus hätte nicht gedacht, wie leicht sie sich überreden ließ. Die Idee war ihm einfach durch den Kopf geschossen, als er sich daran erinnerte, dass McGonagall meinte, etwas mit ihr zu unternehmen, was sie glücklich stimmen könnte. Normalität war das was sie brauchte. Kein Käfig, in der sie ihre Ängste nur noch mehr füttern könnte.

Es brauchte nur eine halbe Stunde, als sie auf dem Fest angekommen waren. Neugierig beobachtete er sie, wie sie sich sichtlich angetan umschaute. Überall waren kleinere Läden aufgebaut worden, in dem man etwas kaufen konnte. Von Essbarem bis hin zu Dekoartikel. Rund herum waren Tische und Stühle aufgebaut, welches gut belegt war von Einheimischen oder Durchreisende, wie sie beide. In der Mitte der Sitzgelegenheiten waren Menschen, jung und alt am tanzen, zu einer fröhlichen, gelassenen Musik.

Katie hatte sich mittlerweile einem bestimmten Laden zugewandt, worauf sie ihn kurz am Ärmel zu sich zog.

„Schau mal. Kommt dem Gemeiner Walisischer Grünling ziemlich nahe, oder?“, fragte sie leise, als er seine Augen auf einen grünliche Drachenfigur lenkte.

„Stimmt. Nur, dass der Echte nicht glitzert.“, sagte er lächelnd und er sah, wie sie die Augen rollte.

Es war wirklich erstaunlich, wie nahe diese Statue dem Original ähnelte. Sicherlich hatten Muggel eine Affinität zu mystischen Dingen, aber eben entsprang dies alles nur aus ihrer Fantasie. Daher wohl auch das Glitzern. Es sah schöner aus. Wenn sich Marcus an das Bild in seinem Monsterbuch der Monster erinnerte, war der Gemeiner Walisischer Grünling eben grasgrün, mit stechenden gelben Augen. Die Figur hatte fast einen gefährlichen Blick, doch der Echte war dagegen eher friedfertig und ernährte sich ausschließlich von Schafen. Den Kontakt zu Menschen mied er im übrigen und griff nur an, wenn er sich bedroht fühlte.

Minutenlange starrte Katie die Figur an, doch als er sie fragte, ob sie die Drachenfigur haben wollte, schüttelte sie den Kopf, winkte ab und ging einfach weiter.
Marcus sah ihr hinterher, schaute noch einmal zu der Figur zurück, bevor er ihr dann doch hinterher ging.

Die Stimmung war irgendwie geknickt, auch wenn er sah, dass ihr der Ausflug gefiel. Irgendwie... musste er sie aus diesem Trotz rausholen und er hatte da schon eine weitere Idee. Der Schwarzhaarige holte sie ein.

„Hey... was hältst du davon,... wenn wir uns unter die Leute mischen.“

„Und dann?“, fragte sie, doch sah ihn nicht dabei an.

„Lass uns tanzen.“

Abrupt sah sie zu seiner Seite hoch.

„Tanzen? Hast du mich mal angeguckt?!“, kam es empört aus ihrem Mund, „Ich trag Hoodie und eine ausgefranste Jeans. Ich falle doch da total auf!“

„Ich schau dich jeden Tag genau an.“, lächelte er und stellte sich vor ihr, bevor er ihr die Hand reichte, „Bitte. Ich hatte schon nicht die Chance, dich zu meinem Abschlussball an meiner Seite zu haben. Das will ich nachholen.“

„Marcus...“

„Nur ein Tanz, Katie.“

Sie seufzte, doch zögerlich legte sie dennoch ihre Hand in die seine.

„Das Argument, dass ich eine absolute Niete im Tanzen bin, zählt nicht?“

„Du hast Recht. Zählt nicht.“, lachte er und zog sie auf die Tanzfläche.

Unumstritten war Katie keine Tanz Fee gewesen, aber es war ihm egal. Es reichte ihm aus, sie im Arm zu haben und mit ihr zusammen im Takt der Musik hin und her zu schwingen. Das beste an der Sache war jedoch, dass sie endlich wieder anfing zu lächeln. Ihr auf dieser Weise wieder nah zu sein, tat so verdammt gut. Einmal nicht daran zu denken, dass sie vom englischen Ministerium gejagt wurden, oder über Katies Erkrankung nur einen Gedanken zu verschwenden.

Sie lachte wieder. Alles was für ihn zählte.


Marcus und Katie völlig versunken in ihrer Zweisamkeit, bemerkten nicht, wie sich ein Patronus Faden unter einem der Tische manifestierte. Ein kleines Babykätzchen setzte sich und hatte die zwei fest im Blick...
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