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One first Try

GeschichteLiebesgeschichte, Erotik / P18 / Mix
29.04.2021
09.05.2021
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29.04.2021 1.620
 
Mürrisch sah ich an der Fassade des gewaltigen Backsteingebäudes hoch. Hier würde ich das nächste Jahr, wenn nicht gar den Rest meiner Schulzeit absitzen. Das Greystone Internat, nahe der kanadischen Grenze. An und für sich war ein Internat ja nicht das Ende der Welt. Aber dieses Internat war speziell, denn es war ausschließlich für Jungen gedacht. Nur. Jungs! Was hatten sich meine Eltern nur dabei gedacht?
Mein Vater war Profibaseballspieler und hatte einen Vertrag unterschrieben, der ihn in den nächsten Monaten durch die halbe Welt schickte. Meine Mum wollte mit ihm gehen, um ihn zu unterstützen. Was mich wiederum hierher gebracht hatte. Denn ich sollte ja meine schulischen Leistungen nicht aus den Augen verlieren.
Wütend packte ich meine prall gefüllte Reisetasche und schwang sie mir über die Schulter. Den schwarzen Rollkoffer zog ich hinter mir her über das Kopfsteipflaster bis zum ebenerdigen Eingang. Dort wurde ich bereits von einem jungen Mann im Hosenanzug - ja Hosenanzug - erwartet. Er hatte dunkles Haar, das akkurat nach hinten gegeelt war und fast schwarze Augen, die mich an einen bissigen Hund erinnerten. Na wundervoll.
"Nathanael Black? Mein Name ist Salomon McCade, ich bin einer der Betreuer dieser Institution. Bitte folge mir, ich werde dich zu deinem Zimmer bringen." Ohne auf eine Erwiderung meinerseits zu warten, lief er los.
Meine Laune verdüsterte sich schlagartig noch mehr. Netter Kerl. Ich folgte ihm stumm durch das Gebäude und eine lange, gewundene Treppe nach oben in den vierten Stock. Man, wäre ich nicht so gut in Form, würde ich jetzt schon halb sterbend über dem Geländer hängen.
Mr. McCade führte mich den Flur entlang, bis er vor einer der weiß gestrichenen Türen anhielt. Neben der Tür hing ein Schild mit meinem Namen. Das zweite Feld darunter war leer, was mich erleichterte. Ein Zimmer mit einem Mitbewohner teilen? Als der gruselige Aufpasser das Zimmer öffnete, war ich mehr als erstaunt. Das Zimmer war wirklich groß, weiß gestrichen und hatte zwei große Einzelbetten auf jeweils gegenüberliegenden Seiten. Dazu zwei Kleine Schränke und zwei nebeneinander stehende Schreibtische am Fenster mit dazugehörigen Stühlen.
McCade ließ mich eintreten und wandte sich dann mit ernstem Blick mir zu. "Es gibt hier Hausregeln. Schlafenszeit ist um 22 Uhr, spätestens. Wenn ich danach noch etwas höre, wird das Konsequenzen haben. Ausgangssperre ist um 21 Uhr, wer bis dahin nicht wieder im Internat ist wird von der Polizei eingefangen. Frühstück gibt es zwischen 6 und 8 Uhr, Mittagessen zwischen 12 und 14 Uhr. Die Freizeit kann hier oder im nahen Dorf verbracht werden. Abendessen gibt es zwischen 18 und 20 Uhr. Wer zu den richtigen Zeiten nicht anwesend ist, hat Pech gehabt. Der Unterricht beginnt um 8:30 Uhr. Wer zu spät kommt, wird bestraft. Noch Fragen?"
Ich schnaubte. "Wie im Gefängnis."
Der Dunkelhaarige verengte seine Augen ein wenig. "Vorsichtig, junger Mann. Hier wird viel Wert auf Zucht und Ordnung gelegt." Dann verließ er mein Zimmer und schloss die Türe hinter sich.
Missmutig ließ ich mich auf das linke Bett fallen und legte meine Tasche zu meinen Füßen ab. Schön war das Zimmer, ja, aber es war auch kalt und unpersönlich. Wie sollte ich es hier aushalten?
Mein Handy summte in meiner Hosentasche. Noch immer genervt holte ich es heraus. Mein bester Freund Luc hatte mit getextet. Wie es mir gehen würde. Ich schnaubte ungehalten. Wie sollte es mir hier schon gehen? Ich fühlte mich einsam. Ich kannte hier keinen. Meine Freunde waren nicht in der Nähe, ebenso wenig wie meine Eltern, wobei ich denen gerade lieber aus dem Weg ging. Immerhin waren sie an meinem Zustand schuld.
'Ich will hier weg!', schrieb ich zurück
'Kann ich mir denken. Hab gesehen, dass in dem Kaff bei dir in der Nähe ein Club ist.'
Oh, ein Club machte das hier erträglich. Aber ich durfte ja nur bis 21 Uhr nach Draußen. Scheiß drauf. Morgen würde ich mal abchecken, was hier an Aufpassern rum lief und dann würde ich verduften. Party ging vor.
Mit diesem Entschluss packte ich meine Klamotten in den Schrank und die wenigen anderen Sachen auf den linken Schreibtisch. Es war eh hauptsächlich Schulzeug. Blöcke, Ordner, Stifte und sowas. Das hatten sie mir mit dem Annahmeschreiben zukommen lassen, eine Liste mit allen Sachen, die ich mitbringen sollte. Gott, wo war ich hier nur gelandet? Nach einem Blick aus dem Fenster war die Antwort schnell klar: am Arsch der Welt.

Um halb 7 verließ ich mein Zimmer, um mir den Weg zum Speisesaal zu suchen. Dies gestaltete sich schwieriger als gedacht, da ich keine Ahnung hatte wo der war und ich auch keine Wegweiser erkennen konnte. Klar, die Jungs hier brauchten sowas nicht. Die wussten wo der Raum war. Ich lief die vier Stockwerke runter und traf dann tatsächlich auf menschliches Leben. Drei Jungs standen bei einer Säule im Eingangsbereich und lachten.
"Hallo", begrüßte ich sie freundlich.
Sie zuckten zu mir herum und musterten mich gründlich. Innerlich wand ich mich. Ich hasste solche Situationen.
"Kann mir einer von euch sagen, wie ich zum Speisesaal komme?"
Der Kleinste der Gruppe nickte. "Klar, komm mit." Er wandte sich nach links in den Flur hinein. "Ich heiße übrigens Josh."
"Freut mich, ich bin Nathe", erwiderte ich.
"Dachte ich mir", grinste Josh, dabei leuchteten seine hellblauen Augen verschmitzt auf. "Dich haben wir hier noch nie gesehen und einen anderen Neuen gibt es nicht."
Ich schnaubte belustigt. "Und wahrscheinlich kennt hier schon jeder jeden, richtig?", mutmaßte ich.
Josh grinste und bog nach rechts ab. Von weiter Vorne konnte ich schon die Geräuschkulisse einer Mensa aus machen. Mein Fremdenführer trat mit mir in den großen, türenlosen Saal hinein. Zuerst sahen uns nur ein paar wenige Leute an. Dann wurden es immer mehr, je weiter ich in den Raum hinein kam. Aus dem lauten Reden und Lachen wurde leises Gemurmel und Getuschel. Alle Augen folgten mir, als ich mich bei der Essensschlange anstellte. Himmel. Als hätten sie noch nie in ihrem Leben einen Menschen von Draußen gesehen.
Ich nahm mir ein Tablett vom Stapel und legte es auf den Metallschiene  ab, die an der Ausgabe entlang gingen. Hinter mir hörte ich, dass getuschelt wurde, konnte aber nicht verstehen, was geredet wurde. Bevor dummes Gerede über mich in Umlauf geriet, drehte ich mich um. "Hi, ich Nathe, der Neue. Und ihr?", fragte ich höflich.
Sofort verstummten die zwei Jungs hinter mir und sahen mich mit großen Augen an. Der Blonde erholte sich schneller als sein rothaariger Freund und antwortete: "Ich bin Nick und das ist Paul."
"Freut mich", sagte ich und wandte mich dann der Ausgabe zu. "Was sollte ich denn hier auf keinen Fall nehmen?", fragte ich und sah zu Paul. Dieser wurde augenblicklich so rot wie seine Haare und stotterte etwas Unverständliches.
"Der Nudelsalat ist scheußlich", verkündete Josh vor mir und grinste. "Die Nacht nachdem du ihn gegessen hast willst du sterben."
Ich lachte leise. "Und was soll ich unbedingt probieren?", fragte ich weiter.
Nachdenklich musterte er die Speisen. "Das Tunfischsandwich ist klasse, genauso der Vanillepudding", verkündete er.
Ich folgte seinem Vorschlag und setzte mich dann zu ihm an den Tisch. Um und herum war wieder etwas von dem regen Treiben von Vorhin zurück gekehrt. Doch noch immer konnte ich die Blicke auf mir spüren. Ungerührt verputzte ich mein Abendessen und unterhielt mich dabei mit Josh, der mir versprach mich morgen bei meinem Zimmer abzuholen, damit ich meine Klasse fand. Er war wirklich nett. Eine hellbraune Locke fiel ihm in die Stirn. Sein ganzes Gesicht war voller Sommersprossen und er sah jünger aus als er war. Während unseres Gesprächs fand ich heraus, dass er bereits siebzehn war und schon seit seinem zehnten Lebensjahr auf dieses Internat ging. Seine Eltern lebten getrennt und hatten zu viel mit sich selbst zu tun, um sich um ihn zu kümmern. Als ich ihn mitleidig anlächelte wank er ab.
"Bin ich inzwischen gewöhnt."
Nachdem wir beide fertig waren, zeigte er mir noch, wo ich das Tablett abgeben konnte. Die ältere Frau bei der Abgabe lächelte Josh entgegen. "Hast du einen neuen Freund gefunden?", fragte sie und sah ihn liebevoll an.
Josh grinste. "Wer kann mir schon widerstehen?"
Freundlicherweise brachte Josh mich noch zu meinem Zimmer zurück. Ehrlich, ohne ihn hätte ich mich gnadenlos verlaufen und wäre nie und nimmer vor der Schlafenszeit wieder zurück gewesen. Beim Laufen zeigte er mir noch die Gemeinschaftsdusche auf dem Stockwerk und die Toiletten. Als er mein Gesicht sah, musste er lachen.
"Ich hasse solche Duschen", grummelte ich.
"Man gewöhnt sich echt schnell daran. Vor allem muss man sich hier nicht schämen." Josh zuckte mit den Schultern.
Wieder in meinem Zimmer schrieb ich Luc, dass ich bereits die ersten Jungs hier gesehen hatte und wie der Abend bisher verlaufen war. Zurück kamen tausende Lachemojis. Jaja, lach du nur, dachte ich sauer. Genervt ließ ich mein Handy aufs Bett fallen und machte mich für die Nacht fertig. In Jogginghose und weißem T-Shirt lief ich zu dem Raum, den mir Josh als Waschraum vorgestellt hatte und trat ein. Dort reihten sich etwa 10 Waschbecken aneinander. Im hinteren Bereich gab es Pissoirs und Kabinen. Ich putzte mir schnell die Zähne und ging dann zurück in mein Zimmer. So weit so gut.
Ich stöpselte mein Handy ein und stellte mir den Wecker für morgen um 6. Ungehalten verzog ich den Mund. Ich hasste es, früh aufzustehen, aber noch mehr hasste ich es, wenn ich kein Frühstück bekam. Also drehte ich mich mit dem Gesicht zur Wand und sank in tiefen Schlaf.
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