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Im Zeichen der Zeit mit Rat und Tat bereit

Kurzbeschreibung
Chat/Interview/QuizFreundschaft / P12 / Gen
29.04.2021
29.04.2021
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die Spinatwachteln haben geladen, ich habe es erhört ^^

Hier ist mein Beitrag zum Wettbewerb "Für andere unsichtbar"

gewidmet ist es einer guten Seele, die ich genau sehe, auch eine Handvoll andere, aber für die Meisten im näheren Umfeld ist sie tatsächlich unsichtbar. Lassen Sie sich drücken, Frau M.

Es ist ein fiktiver Chat! Alle handelnden Personen sind frei erfunden und bilden auch nicht die Meinung der Allgemeinheit wieder! Ähnlichkeiten zu realexistierenden Menschen sind weder geplant noch beabsichtigt. Parallele sind zu entschuldigen.

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Im Zeichen der Zeit mit Rat und Tat bereit

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Clara 19:02
Es tut mir leid, dass ich euch immer noch keine guten Nachrichten mitteilen kann und wir ein weiteres Mal über den Chat interagieren müssen. Das Treffen in den Räumlichkeiten ist auch weiterhin nicht möglich, da man Bedenken zum Abstand und ähnliches hat. Es freut mich, dass es trotz der Lage so gut angenommen wird und es ist auch nachvollziehbar, dass das Videochatten nicht jedermanns Sache ist. Aber bitte vergesst nicht: wenn ihr dennoch mit Jens oder mir über Facetime reden wollt, meldet euch bitte. Es wird niemand abgewiesen, zu keiner Tages- oder Nachtzeit. Wir sind für euch da. Von den Meisten war aber der Chat gewünscht, daher erst mal so. Hier haben wir genauso ein offenes Ohr, traut euch


Putzi 19:04
Es ist besser als nichts, auch wenn mir unsere Kreise echt fehlen. Aber was zum Geier denken die denn, dass sich da 20 Leute versammeln? Als würden Selbsthilfegruppen so überrannt werden.

Warenschubse 19:06
Geht mir genauso, aber was will man machen? Die langen Reden der Obrigkeiten gehen mir langsam auf die Nerven. Infektionslage hin oder her, aber wer profitiert von der Panikmache am meisten? Die Durchhalteparolen sind so abgedroschen, kaufen kann man sich von den Lobeshymnen auf Supermarktkräfte und die Pflege auch nichts und die, die wirklich ackern, werden vergessen. Wer achtet da schon auf die, die die Regale füllen oder die Waren überhaupt in die Märkte bekommen -.-

Fin 19:07
Die Sache ist aber nun mal echt!!!!!
Da gibt es kein Hin oder Her! Seid glücklich, wenn es euch noch nicht erwischt hat. Ich wäre auch froh, wenn es einen Riesenbogen um mich gemacht hätte und mein Leben nicht für eine ganze Weile auf der Kippe stand. Und ich werde noch eine ganze Weile damit zu tun haben.

Lieferjunge 19:10
@Warenschubse: Echt jetzt? Darüber regst du dich noch auf? Ich arbeite in einer dieser Branchen und natürlich kann ich vom Klatschen keine Rechnungen bezahlen, auch nicht von der vermeintlichen Ehrung in die Medien. Dennoch achtet man beim Schichtplan genau drauf, dass es nicht zu Mehrarbeit und Überstunden kommt, auch wenn wir chronisch unterbesetzt sind und die aktuelle Lage nicht gerade dafür sorgt, dass die Leute uns für einen Job die Tür einrennen. Es ist und bleibt nun mal ein Knochenjob und die meisten Klienten erinnern sich auch nicht an unsere Namen oder gar, dass wir uns schon eine Weile um sie kümmern. Aber wir werden nach Tarif bezahlt, ein wenig Urlaubsgeld ist auch drin und ich versauere nicht zu Hause.
@Fin: Ich hoffe, du kannst die Folgen eines Tages hinter dir lassen <3

Jens 19:13
Hi, Leute. Entschuldigt die Verspätung, ich musste etwas länger in der Schicht bleiben, die Ablöse hat verschlafen. Aber jetzt bin ich da und schließe mich Clara an. Wer allein reden möchte, kann sich direkt melden. Leider kann ich es euch auf Grund meiner Beschäftigung aber nicht zu jeder Zeit versprechen.


Clara 19:13
Bitte beruhigt euch wieder. Ich verstehe den Frust von euch und teile ihn. Es gibt so viele Jobs, die trotz Pandemie gemacht werden müssen, doch Anerkennung gibt es keine, weil man es als Selbstverständlichkeit sieht. Und es gibt solche Jobs wie meine, die man eben einfach mal aus dem Büro ins Homeoffice verbannt, ungeachtet, dass auch nebenbei noch die Kinderbetreuung angesagt ist. Aber bisher geht es uns damit gut und wir werden weiter alles geben, damit es so bleibt. Nicht jeder hat so viel Glück wie Fin.


Lieferjunge 19:14
@Jens: Alles gut. Du bist ja in den Geschehnissen mehr oder weniger mitten drin dabei. Pass gut auf dich auf, als Rettungsdienstler könnte ich im Moment nicht arbeiten. Es macht mich schon vollkommen fertig, dass ich meine Mutter nicht besuchen darf. Es gab wieder aktive Virusfälle im Heim, sie haben das ganze Haus dicht gemacht.

Putzi 19:16
@Lieferjunge: Mein Beileid. Ich bin fast schon froh, dass meine Eltern das ganze nicht mehr miterleben.
Das einzig Gute an der Lage ist bei mir nur, dass die Zeitarbeitsbude meinen Vertrag verlängert hat und ich nicht wieder Zuhause die Wände anstarren muss. Die Erlösung ist es nicht, aber ich kann davon leben, auch wenn ich nur den Leuten hinterherputze. Immerhin habe ich da auch meine Ruhe und niemand sieht mir dabei zu. Ich sehe es als meine unsichtbare Superkraft :-)

Clara 19:19
So geht es leider vielen anderen Menschen da draußen. Man nimmt dem Arbeitsvertrag hin und hat so was zu tun und ist auch versichert und es wird für später was eingezahlt. Aber wenn es da Probleme gibt, es nicht den Lohnbestimmungen und Arbeitszeiten entspricht, meldet es uns. Keiner muss sich für Nichts zu Tode schinden lassen. Deswegen auch noch mal ein Danke an alle, die sich der Gruppe angeschlossen haben und über all das Reden, was sie beschäftigt. Es hilft, auch wenn es im ersten Moment nicht so scheint. Niemand ist allein und gerade in der jetzigen Zeit ist das Wichtiger, als bisher.


Jens 19:19
Jeder Job ist wichtig. Egal, ob man da einen Namen hat oder nur eine Nummer. Wir sind deswegen trotzdem da und nur weil manche uns vielleicht nicht sehen, sind wir noch lange nicht unsichtbar. Genau diese Jobs sind es, die alles am Laufen halten. Und das dürft ihr in all den Frust nicht vergessen.


Warenschubse 19:23
@Jens: deine Worte in Gottes Gehörgang.

Lenkerking 19:23
Sorry, Leute. Ich stand im Stau und musste noch den Bus in die Waschstraße fahren. Im Moment dürfen wir noch fahren, aber wenn die Wirklich alles runterfahren wollen, habe ich keine Ahnung, was ich machen soll. Eine Entlassung kann ich mir genauso wenig leisten, wie Kurzarbeit. Homeoffice fällt ja aus bei einem Busfahrer.

Clara 19:25
Alles gut, es freut uns, dass du es trotzdem zu unserer Runde geschafft hast. Ich wünsche dir von Herzen, dass es nicht soweit kommt. Kurzarbeit wäre immer noch besser als Entlassung, ich kann dir da auch gern helfen, Aufstockungen zu beantragen.


Lieferjunge 19:26
Ich werde bei der Arbeit wahrgenommen und kann mich da nicht beschweren. Man hat zwar nicht unbedingt mein Gesicht dabei auf dem Plan, aber wenn die Post mal nicht kommt, wissen die Leute sich ja auch zu beschweren :-)

Putzi 19:27
@Lieferjunge: Kunststück, als Postbote ist es ja im Moment nicht so, als müsstest du dir einen Kopf drum machen, demnächst daheim zu sitzen. Das Versandgeschäft boomt ja regelrecht, weil alle online bestellen und die Läden für den Kundenkontakt dicht bleiben müssen.

Lieferjunge 19:29
@Putzi: Ganz genau, POSTBOTE!
Das sind in erster Linie immer noch Briefe und kleine Sendungen, die in den Briefkasten passen. Ich bin kein PAKETBOTE!

Warenschubse 19:30
Jungs, muss das sein?

Jens 19:31
Warenschubse hat recht, wir sitzen alle im gleichen Boot und da ist es egal, ob wir da Regenjacke, Schwesterntracht oder Buisnessanzug tragen. Jedes Mal, wenn mein Pager losgeht, bete ich zu den Engeln, dass unser Einsatzglimpflich ausgeht, egal, wer unser Patient ist. In dieser Pandemie ist es härter und es haben schon einige Kollegen hingeschmissen, aber ich sehe es immer noch als meine Berufung, egal, ob man in den umliegenden Krankenhäusern meinen Namen kennt oder ich nur der riesige Sani bin.


Lieferjunge 19:32
Sorry, aber der Verallgemeinerungen geht mir die Hutschnur hoch. Für viele bin ich nur eine durch die Straßen huschende Gestalt in Gelb, die entweder gern gesehen wird oder eben auch verhasst ist, weil ich nun mal die Post bringe. Aber solange die Kinder wissen, dass die Briefe nicht von Eulen kommen, bin ich nicht unsichtbar.

Lenkerking 19:34
Bei uns ist es der kollegiale Zusammenhalt, auch während der Fahrt, die mich nicht vollkommen durchdrehen lassen. Und es ist fast schon tröstend zu wissen, dass nicht nur mein Chef keine Ahnung hat, wie die Leute unter ihm heißen.

Clara 19:36
Ganz genau, sehr gut, Lenkerking. Wir halten trotz der ganzen Entwicklung zusammen und sind damit weniger allein. Und es ist einfach wunderschön zu lesen, dass ihr drüber redet. Das ihr es euch von der Seele schreibt und nicht in euch hineinfresst oder mit Alkohol ertränken wollt. Das ist verdammt wichtig und wer das Gefühl hat, dass es aber genau in die Richtung läuft, meldet sich bitte sofort! Jeder hier hat schon was hinter sich, wodurch wir überhaupt zusammengekommen sind und Jeder hat geschafft, nicht in einem dunklen Loch zu versinken. Das lassen wir auch eine Pandemie nicht schaffen. Bitte, denkt immer dran, NIEMAND ist unsichtbar oder gar allein.


Warenschubse 19:40
@Clara: du sitzt jetzt aber bitte nicht wieder heulend vor dem Handy? Ich spreche sicher für alle, wenn ich sage, dass es Jens und Dein verdienst ist, das es für uns eben nicht so endete. Das ihr uns eine Möglichkeit gegeben habt, eben nicht in das Loch zu fallen.

Fin 19:40
@Clara: Es ist Balsam für die Seele, dass es auch jemand liest und versteht und dabei Hilfe leistet. Beim Psychiater wäre man auch nur eine Nummer, die die Praxis finanziert und mit Pillen ruhig gestellt wird.

Jens 19:41
Der regelmäßige Austausch ist auch mir sehr wichtig geworden, um die Erdung niemals zu verlieren. Und mein Job bringt einiges mit sich, was man nicht so schnell wieder vergessen kann und der Ruf des Alkohols mit jedem verlorenen Kampf verlockender wird. Daher auch von mir ein riesiges Dankeschön :-) Es zeigt einfach wunderbar, dass keiner allein sein muss.


Putzi 19:42
Ich hatte auch nie gedacht, dass es nach meinem Schlaganfall überhaupt eine Möglichkeit gibt, wieder in der Arbeitswelt Fuß zu fassen. Nur die Worte von euch haben mich weitergehen lassen, und ich bin dafür von Herzen dankbar. Da kann ich es auch verkraften, wenn ich nur eine Nummer in der Personalabteilung bin. Wenn ich bei der Arbeit mal zehn Minuten Pause mache, um nicht aus der Puste zu kommen, da sagt man auch nichts. Solange wie ich es trotzdem in einem vernünftigen Rahmen fertigbekomme.

Lieferjunge 19:42
Mich lenkt es auch sehr gut ab, nicht in der Arbeit zu ertrinken. Und dass ich auch die Tage nicht hasse, die mal nicht so gut laufen und die Tour wegen kranker Kollegen länger wird.

Warenschubse 19:43
Ich bin auch sehr dankbar für die Stunden in unserer Runde. Es hat mir gezeigt, dass die Arbeit nach dem Tod meines Mannes nicht das Einzige ist, was es gibt. Mein Sozialverhalten hat sich gebessert, ich schufte mich nicht mehr bis zur Bewusstlosigkeit und Alkohol gibt es nur noch in winzigen Maßen zu Geburtstagen, nicht tagelang als alleiniges Nahrungsmittel.

Clara 19:45
Es freut mich ungemein, dass wir an der Stelle so gut helfen konnten.
Leider muss ich mich für diese Stunde auch schon wieder verabschieden, ich muss das Massaker meiner Kleinen im Badezimmer verhindern. Aber ihr könnt mir jederzeit privat schreiben, lasst euch nicht davon abschrecken, dass ich zwei Kinder habe. Meine Nummer haben alle?


Putzi 19:47
Ja, wenn nicht, geben wir sie weiter. Passt auf euch auf und viel Spaß mit den Rackern.

Clara 19:48
Danke :-) so viel Spaß man bei geschlossener Kita und Homeoffice haben kann. Wir lesen uns dann in einer Woche wieder. Sollten wir bis dahin den Raum im Gemeindezentrum doch wieder bekommen, sagen wir euch bescheid. Passt auf euch auf!


Jens 19:49
Ich bin noch eine Weile hier, also nur raus mit den Fragen.


Lenkerking 19:50
Nichts gegen das Angebot, aber ich will nach dem Tag einfach nur noch eine Dusche, was zu beißen und dann ins Bett. Noch habe ich für die nächsten Tage einen Fahrplan, an den ich mich klammern kann und nicht bei dem ganzen Wahnsinn vollkommen durchdrehen. Bis nächste Woche, laut Dienstplan bin ich auch pünktlicher da.

Fin 19:51
Ich mache auch Schluss und schlucke mal meine ganzen Pillen. Ein paar Übungen haben ich auch noch von meinem Pneumologen, in der Hoffnung, dass die Überreste der Erkrankung abnehmen. Passt auf euch auf.

Warenschubse 19:53
Ich würde für nächste Woche sehr gern eine Kollegin mit in die Runde einladen. Sie traut sich nicht so wirklich, hat aber definitiv Bedarf und muss sich alles mal von der Seele reden. Bevor die Raucherpausen noch den Chef auf den Plan rufen.

Jens 19:53
Sehr gern. Das gilt für alle: Wenn ihr jemanden kennt, wo wir zeigen können, dass er oder sie nicht allein ist, holt sie mit rein. KEINER ist allein. NIEMAND muss sich unbeachtet fühlen und es mit sich selbst ausmachen. Wir sind da, wir hören zu und können vielleicht an der ein oder anderen Stelle helfen.


Putzi 19:55
Ist notiert :-) aber es wäre schon schön, wenn wir uns wieder von Angesicht zu Angesicht sehen könnten. Ich vermisse die Kekse von Agnes. Bis nächste Woche.

Lieferjunge 19:55
Ich werde es nächste Woche vielleicht nicht schaffen. Die Räder werden aufgerüstet und müssen dann gleich zur Fahrtauglichkeitskontrolle, oder wie immer das heißen will. Mein Lieferbezirk ist aufgrund der Postleitzahl einer der Letzten -.- und keiner weiß, wie lange es dauert, die Räder wiederzubekommen. Ich kann aber schlecht den Tag drauf alles tragen.

Jens 19:57
Ist gut. Aber vergesst bitte auch nicht, dass es freiwillige Termine sind. Wer mal keine Lust zum Reden hat, ist uns keinerlei Rechenschaft schuldig. Aber ich freue mich, wenn viele wieder dabei sind. Und wie es Clara schon geschrieben hat, wir bemühen uns um die Wiederfreigabe des eigentlichen Treffpunkts. Passt auf euch auf und meldet euch, wenn Bedarf ist. Zusammen schaffen wir das, da kann sich keine noch so realistische Pandemie dazwischen stellen.


Warenschubse 19:58
Bis dann! <3
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