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DEATH IN PARADISE - 01. Doppelfehler

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Krimi / P12 / Gen
Catherine Bordey OC (Own Character) Selwyn Patterson
29.04.2021
01.05.2021
8
31.154
2
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1 Review
 
30.04.2021 5.186
 
4

Polizeiliche Raffinesse


    Als Derrick Faulkner die Polizeistation von Honoré erreichte, stellte er fest, dass Sergeant Dechiles bereits anwesend war. Sie saß am Schreibtisch, rechts der Eingänge, und nahm die Beweismittel des aktuellen Falles in einer Liste auf.
    „Guten Morgen, Sergeant“, grüßte Faulkner, als er hereinkam. Dabei fiel sein Blick auf die Wanduhr. „Sie sind aber bereits sehr früh hier.“
    „Zwangsläufig, Sir“, gab die Frau lächelnd zurück. „Da ich gestern nicht mehr daran gedacht habe, Ihnen einen Schlüssel für die Türen zu geben, bin ich heute etwas eher erschienen, um aufzuschließen. Über Nacht schließen wir nämlich schon ab.“
    Damit erhob sich die Frau geschmeidig, holte einen silberfarbenen Schlüssel aus einer der Schubladen des Schreibtisches, an dem sie saß und reichte ihn ihrem Vorgesetzten.
    „Vielen Dank, Sergeant.“
    Faulkner steckte den Schlüssel in die linke Hosentasche und legte seinen Sportrucksack auf den Schreibtisch, hinter dem er eine Landkarte der Insel entdeckte. Eine zweite Karte, die nur Honoré und die nähere Umgebung davon zeigte, hing darunter.
    Faulkner umrundete den Schreibtisch und warf einen interessierten Blick auf beide Karten. Nach einem Moment fragte er über die Schulter hinweg: „Ich nehme an, das hier ist mein Schreibtisch, Sergeant?“
    „Ja, Sir.“
    Der Inspector holte seinen Laptop samt Netzteil aus dem Rucksack und schloss ihn an. Danach suchte er kurz das Netzwerkkabel, fand es und verband es ebenfalls mit seinem Computer. Anschließend legte er einen kostbar aussehenden Füller, einen silbernen Kugelschreiber, einen Filzschreiber und ein schwarzes Notizbuch auf die polierte Platte des Schreibtisches. Als er nochmal den Filzschreiber nahm und ihn an den beiden anderen Schreibutensilien ausrichtete, hörte er ein unterdrücktes Kichern.
    Fragend sah er zu Sarah Dechiles und seine Untergebene meinte verlegen: „Entschuldigen Sie, Sir, aber ich habe noch nie gesehen, dass jemand seine Stifte so ordentlich, wie zu einer Parade, auf dem Schreibtisch ausrichtet.“
    „Sie haben meine CD-Sammlung noch nicht gesehen“, versetzte der Inspector. „Es mag vielleicht seltsam klingen, doch Ordnung hilft mir dabei, schwierige Situationen in den Griff zu bekommen, oder zumindest sie besser zu verstehen.“
    Derrick Faulkner griff wieder in einen Rucksack und legte weitere Dinge in eine der Schreibtischschubladen, bevor er den Rucksack rechts von sich in der Ecke deponierte. Einen flachen Notizblock steckte er in die Brusttasche seines kurzärmligen, fliederfarbenen Hemdes, während er wieder hinter dem Schreibtisch hervortrat. Er ging zum Whiteboard, an dem er gestern die Zahlen 30:0 notiert hatte. Heute hingen darunter Bilder der drei Angehörigen von Henderson Wayne. Jemand hatte in sehr ordentlicher Schrift die jeweiligen Namen darunter geschrieben.
    „Mir gefällt die Schrift“, meinte Faulkner nach einer Weile und sah sich zu Sarah Dechiles um.
    „Das wird Officer Karr bestimmt freuen zu hören“, gab die Uniformierte fröhlich zurück. „Seine tolle Schrift ist wohl auch der Grund dafür, dass unbedingt er die Namen aufschreiben wollte, Sir.“
    Bevor Faulkner etwas erwidern konnte, kamen Florence Cassell, Officer Karr und zum Schluss der Commissioner in den Raum.
    „Sieht nach einer Royal Saint-Marie Police Vollversammlung aus“, scherzte Faulkner und nickte dem Commissioner zu. „Guten Morgen, Commissioner.“
    Selwyn Pattersons Gesicht blieb verschlossen. Bedächtig seine schwarze Dienstmütze abnehmend und sie Sergeant Dechiles reichend, wünschte er dem Team einen guten Morgen. Langsam schritt er danach zu Faulkner, dessen Lächeln sich langsam verlor.
    Wieder ernsthaft erkundigte sich Faulkner bei seinem Vorgesetzten: „Was kann ich für Sie tun, Commissioner Patterson?“
    Patterson musterte den Detective-Inspector einen Moment lang, bevor er sagte: „Wir haben seit der letzten Woche ein Problem mit einem raffinierten Taschendieb, hier in Honoré. Besonders, wenn Markt ist, so wie heute.“
    „Verstehe, Sir. Wir sollten jedoch zuerst den Mord an Henderson Wayne aufklären.“
    Die Augenlider des Commissioners öffneten sich etwas weiter. „Mord? Aber ich dachte, es wäre ein Unfall gewesen.“
    „Das haben die Hinterbliebenen ausgesagt. Doch keiner will zum Zeitpunkt des Treppensturzes bei Wayne gewesen sein, sodass dies bislang nur eine Annahme ist.“
    Selwyn Patterson kam etwas näher zu Faulkner. „Haben Sie denn Beweise dafür, dass es Mord war, Inspector?“
    Derrick Faulkner gab unumwunden zu: „Nein, Sir. Doch es gibt einige Anhaltspunkte, die den Verdacht nahelegen. Deswegen wollte ich heute nochmal mit Detective-Sergeant Cassell zu der Villa hinausfahren.“
    „Nun, Inspector, von meiner Seite des Schreibtisches sieht es so aus: Nächste Woche haben wir Ostern. Dann werden zahlreiche Touristen die Insel bevölkern. Was gut ist, denn die Hälfte der Inselbewohner lebt vom Tourismus. Was wir ganz zuletzt gebrauchen können, ist eine negative Bewertung unserer Insel, aufgrund eines gewieften Diebes.“
    Faulkner überlegte fieberhaft und entschied dann: „In Ordnung, Commissioner. Ich werde DS Cassell mit Sergeant Dechiles zur Villa schicken und mich dafür persönlich um den Taschendieb kümmern. Im Gegensatz zu meinen drei Kollegen bin ich selbst hier auf der Insel noch relativ unbekannt und gehe vermutlich für den Dieb als Tourist durch. In der Zwischenzeit hält Officer Karr hier die Stellung.“
    Der Commissioner grinste breit. „Ausgezeichnet, dann freue ich mich schon, von Ihren Erfolgen zu hören, Inspector. Bald schon. In beiden Fällen. Team…“
    Der Chef der Polizei auf Saint-Marie wandte sich ab, ließ sich im Vorbeigehen von Sarah Dechiles seine Dienstmütze reichen und schritt zur Tür hinaus.
    Nicht sonderlich glücklich über die Einmischung des Commissioners in sein Tagesgeschäft sah Faulkner zu Florence Cassell, die nur mitleidig blickend die Schultern hob. Offensichtlich kannte sie derlei Auftritte des Commissioners bereits. Sie trug, nachdem sie Zuhause gewesen war, nun schwarze Hotpants und ein stahlblaues Trägertop. Dazu passende, blaue Turnschuhe.
    Sarah Dechiles, die in ihrer Nähe stand, schnupperte in der Luft herum und näherte sich Florence Cassell unmerklich immer mehr an. Dabei atmete sie tief ein und aus und gab ein genießerisches Seufzen von sich.
    Unwillig sah Florence ihre Kollegin an und erkundigte sich, ob deren seltsamen Verhaltens: „Was haben Sie denn, Sergeant?“
    Sarah Dechiles öffnete die Augen, die sie fast geschlossen hatte und sah Florence mit verklärter Miene an. „Es muss am Duft Ihres neuen Duschgels liegen, Detective-Sergeant. Ich finde, es ist so… es ist so…“
    „Provokant?“, half Florence ihrer Kollegin aus.
    Sarah Dechiles machte eine zustimmende Geste und nickte: „Genau das ist das Wort, nach dem ich gesucht hatte.“
    Florence Cassell warf Derrick Faulkner, der die Szene feixend verfolgt hatte, einen giftigen Blick zu und erkundigte sich bei ihm: „Sollen wir sofort zur Villa fahren, Sir?“
    Der Inspector nickte. „Ja, Florence. Ich möchte wissen, wer damals das Auto fuhr, mit dem Wayne verunglückte. Außerdem brauchen wir eine Kopie des Testamentes, sofern es überhaupt eins gibt. Stellen Sie also bitte fest, was der Verstorbene vererbt und wer der oder die Meistbegünstigte ist.“
    Florence Cassell machte sich eilig ein paar Notizen und sah danach wieder zu Faulkner auf. „Ist das alles, Sir?“
    Derrick Faulkner überlegte kurz und meinte dann: „Nicht ganz, Florence. Versuchen Sie herauszubekommen, wie das Verhältnis der drei Hinterbliebenen zu dem Toten vor, während und nach dem Unfall von Henderson Wayne war.“
    „Alles klar, Sir.“
    Florence Cassell steckte den Notizblock in die Handtasche, hängte sie sich um und schritt zu Sarah Dechiles, die sich bereits ihr Dienstkäppi aufgesetzt hatte, das, anders als die Schirmmützen für männliche Uniformierte, eher einem Hut glich.
    Nachdem die beiden Frauen das Revier verlassen hatten, sah Faulkner zu Wellesley Karr und seufzte, gespielt leidend: „Tja, jetzt sind nur noch wir zwei übrig.“
    Der junge Officer sah seinen Vorgesetzten fragend an und Faulkner fügte rasch an: „In Ordnung. Ich werde mich dann gleich auch auf den Weg machen. Haben Sie ein Handy, das sie mir für ein oder zwei Stunden borgen können, damit ich für Sie notfalls erreichbar bin? Ich muss heute erst einmal einen Handyvertrag mit einem lokalen Anbieter abschließen. Schreiben Sie mir doch bitte auf, was Sie mir empfehlen würden und wohin ich mich deswegen wenden kann.“
    Der junge Officer beeilte sich, der Bitte seines Vorgesetzten nachzukommen und schrieb eilig einige Notizen auf einen Zettel. Als er ihn Faulkner reichte, machte der DI ein zufriedenes Gesicht.
    „Ich sagte bereits zum Sergeant, dass ich Ihre Schrift mag, Officer. Vielen Dank.“
    Den Zettel zweimal faltend und in seine Brusttasche steckend nahm er von Karr dessen Handy in Empfang, wobei der Officer meinte: „Aber passen Sie gut darauf auf, Sir. Das Handy ist brandneu.“
    „Keine Sorge, Officer.“
    Derrick Faulkner schritt zur linken Tür. Als er sie fast erreicht hatte umspielte für einen Moment ein amüsiertes Lächeln seine Lippen. Schnell wieder ernst werdend drehte er sich im Türrahmen um und fragte scheinheilig: „Ich nehme an, das Handy ist versichert?“
    Damit verließ der Inspector die Polizeistation und glaubte hinter sich ein leises, resignierendes Seufzen von Officer Wellesley Karr zu hören.

* * *

    Nachdem Faulkner zunächst das Geschäft aufgesucht hatte, dessen Adresse auf dem Zettel stand, machte sich der Polizist auf den Weg zum Markt, auf dem die Händler schon eifrig ihren jeweiligen Geschäften nachgingen.
    Bereits von Weitem hörte Faulkner das geschäftige Stimmengewirr und er blieb für eine Weile stehen, um die Szenerie auf sich wirken zu lassen. Nach einem langen Moment setzte er sich wieder in Bewegung, wobei er seine Geldbörse aus der hinteren, rechten Hosentasche zog, ein paar Geldscheine herausnahm und die Börse dann in die linke vordere Hosentasche zu stecken. Dafür zog er seine Polizeimarke aus der hinteren, linken Hosentasche, legte die Geldscheine zwischen Abzeichen und Dienstausweis. Sofern man nicht genau hinsah, konnte man sie leicht für eine Geldbörse halten. Der Vorteil zu seiner Geldbörse war der, dass das Futteral der Marke einen integrierten GPS-Sender besaß. Er konnte sie jederzeit mit Hilfe der Software auf seinem Laptop oder einer App auf seinem Smartphone orten.
    Ein Freund aus dem Londoner Raubdezernat hatte ihm mal gesagt, dass es Zeitverschwendung sei, einen Dieb zu verfolgen. Er hatte gemeint, es sei besser, ihm so lange Leine zu lassen, dass er sich darin verheddert und selbst zu Fall bringt.
    Nach einigen Metern holte er die Dienstmarke nochmal heraus und entnahm den Dienstausweis, um ihn in seine Hemdtasche zu stecken. Der sollte nicht verloren gehen.
    So vorbereitet mischte Faulkner sich unter die vielen Besucher des Marktes. Bereits nach kurzer Zeit hatte ihn die Atmosphäre des Ortes gefangen. Er spürte förmlich, wie hier das Leben pulsierte. Es war so ganz anders, als das, was er bisher gewohnt war.
    Fast wäre Derrick Faulkner mit einer hochgewachsenen Frau zusammengestoßen. Zu seiner Überraschung sah er in ein bekanntes Gesicht und ihm entfuhr: „Céline? Guten Morgen. Schön, Sie wiederzusehen.“
    Die Frau lächelte ihm zu. „Ja, ich freue mich auch. Machen Sie erste Einkäufe?“
    „Eher zweite Einkäufe“, erwiderte Faulkner unbestimmt. „Was ist mit Ihnen?“
    „Oh, nur das Übliche. Etwas Obst und Gemüse, bevor ich mich wieder in mein Taxi schwinge und zur anderen Seite der Insel fahre. Da legt in einer Stunde ein großer Ausflugsdampfer an und bringt Kundschaft.“
    „Sie lernen bestimmt jede Menge interessanter Leute kennen und hören das ein oder andere. Haben Sie in der letzten Zeit etwas über einen Taschendieb gehört?“
    „Nur, dass mal wieder einer sein Unwesen auf der Insel treiben soll. Ich hoffe, sie werden ihn schnell erwischen.“
    Derrick Faulkner sah die Frau beschwörend an und raunte ihr zu: „Nicht so laut, Céline. Ich bin nämlich im Grunde hierhergekommen, um ihn ausfindig zu machen. Gehen wir zu dem Stand dort drüben. Da ist gerade ein dichtes Gedränge.“
    Gemeinsam schritten sie zu einem der Obststände und Faulkner holte seine Dienstmarke aus der hinteren Hosentasche, um der Mappe auffällig den dort zuvor deponierten Geldschein zu entnehmen. Danach steckte er die Dienstmarke wieder zurück. Als er an der Reihe war und mit der Dollarnote einen Apfel bezahlte, wurde er von der rechten Seite angerempelt. Das junge Mädchen, das sich für einen Augenblick an ihm festhielt, entschuldigte sich sofort bei ihm und tauchte im nächsten Moment in der Menge unter.
    „Dieses kleine Biest hat Sie beklaut, Derrick“, entfuhr es Céline gleich darauf von der anderen Seite und sie rief alarmierend: „Haltet die Diebin!“
    Derrick Faulkners Blick wandte sich schnell nach rechts und sah gerade noch, wie eine schlanke Gestalt um die Ecke eines nahestehenden Hauses verschwand.
    Céline wollte die Verfolgung aufnehmen, doch Faulkner hielt sie am Arm zurück. Dabei sagte er amüsiert. Lassen Sie sie ruhig entkommen. Mein Geld habe ich hier.“
    Damit holte der Inspector sein Portemonnaie hervor und steckte es an seinen üblichen Platz zurück.
    Céline machte ein erstauntes Gesicht. „Was hat die kleine Kröte Ihnen denn dann gestohlen, wenn nicht Ihr Geld, Chief?“
    „Meine Dienstmarke. In deren Schutzmappe ist ein GPS-Sender eingearbeitet. Hinterherlaufen hätte gar keinen Sinn. So schnell, wie das Mädchen verschwand, könnte die vermutlich bei der Olympiade mitlaufen. Hat Usain Bolt übrigens eine kleine Schwester?“
    Céline grinste bei seinen Worten. Dann meinte sie: „Was, wenn sie sofort nachsieht und merkt, was Sache ist. Dann wirft sie die Marke weg und der Trick war vergebens.“
    „Das könnte passieren“, gab Faulkner zu. „Doch ich vermute, dass sie erst einmal weiter ihr Glück versucht und sich die Beute erst später ansieht. Dann kann ich sie später, zusammen mit den Corpus Delicti, überführen. Andernfalls finde ich zumindest schnell meine Polizeimarke wieder. Jetzt können wir erst einmal in Ruhe zu Ende einkaufen, denn die Diebin wird sich vorübergehend eine andere Wirkungsstätte suchen.“

* * *

    Eine Stunde später tauchte Derrick Faulkner wieder in der Polizeistation auf. Dort gab er zunächst Wellesley Karr sein Handy zurück, der es erleichtert in Empfang nahm. Etwas aus seinem Schreibtisch nehmend, verschwand Faulkner kurz in dem Raum, wo die Fundsachen aufbewahrt wurden. Kaum eine Minute später erschien er wieder bei Karr, sich dabei das Hemd zurecht zupfend.
    „Ich brauche ein Paar Handschellen, Officer Karr.“
    Der junge Polizist sah seinen Vorgesetzten fragend an. „Dann hatten Sie bereits Erfolg, was den Dieb angeht, Sir?“
    „Es handelt sich um eine Diebin“, berichtigte ihn der Inspector. „Ob es ein Erfolg wird, muss sich erst noch herausstellen, aber ich bin optimistisch.“
    Faulkner nahm ein Paar Handschellen und den dazugehörigen Schlüssel in Empfang. Die Handschellen seitlich hinter den Gürtel seiner Jeans klemmend holte er sein Smartphone heraus und rief die Verfolgungs-App auf. Dasselbe Programm, das er auch auf seinem Laptop installiert hatte. Mit dem Smartphone in der Hand schritt er zu der Landkarte, die hinter seinem Schreibtisch hing. Immer wieder von dem kleinen Bildschirm zur Karte sehend fragte er schließlich Karr: „Wie weit ist es nach Villeneuve, Officer?“
    „Mit dem Motorrad etwa eine Viertelstunde, Sir.“
    „Können Sie mit dem Ding umgehen?“
    Karr grinste vergnügt. „Ich hatte gehofft, dass Sie mich das fragen würden, Sir.“
    „Dann machen wir uns mal auf den Weg dorthin, Officer. Aber wir fahren nicht direkt in den Ort, sondern stellen das Motorrad vorher so ab, dass man es von dort aus nicht entdecken kann.“
    „Alles klar, Sir“, bestätigte Karr, der froh zu sein schien raus zu kommen.
    Auf dem Weg nach draußen trafen die beiden Polizisten auf ihre Kolleginnen und Faulkner erklärte Florence im Vorbeigehen: „Wir sind in spätestens einer Stunde wieder da. Wir verfolgen eine heiße Spur, zu unserem Taschendieb.“
    DS Cassell bestätigte und begab sich mit Sarah Dechiles ins Innere der Station.
    Sich im Beiwagen der Royal-Enfield einen der beiden schwarzen Helme aufsetzend nahm Faulkner schließlich wieder sein Smartphone zur Hand und sah interessiert auf die Wegverfolgung. Dabei fragte er Karr, der sich dazu bereit machte das Motorrad zu starten: „Liegt die Villa des verstorbenen Tennisstars nicht auf dem Weg nach Villeneuve?“
    Karr bestätigte und Derrick Faulkner murmelte: „Ist schon ein seltsamer Zufall. Ich mag keine seltsamen Zufälle.“
    „Sir?“
    Derrick Faulkner sah fragend zu Karr, der etwas herumdruckste, bevor er sich geradeheraus erkundigte: „War das vorhin ein Messer, das Sie aus Ihrem Schreibtisch genommen haben?“
    Der Inspector lächelte beruhigend: „Ja. Zu Ihrer Beruhigung, ich habe eine Erlaubnis dafür, es in einem Rückenhalfter zu tragen. Schusswaffen offen zu tragen ist Beamten der Polizei von Saint-Marie verboten. Es gibt jedoch eine Gesetzeslücke, durch welche dieses Messer, zur reinen Selbstverteidigung, kein Problem darstellt. Übrigens, auch das zu Ihrer Beruhigung, denke ich nicht, dass ich es hierbei brauchen werde. Aber Vorsicht ist bekanntlich die Mutter der Porzellankiste, sagt man.“
    Wellesley Karr nickte beruhigt und startete die Maschine.
    Während der Fahrt hing Derrick Faulkner seinen eigenen Gedanken nach. Nur hin und wieder sah er auf sein Smartphone. Etwas mehr als eine Meile vor der Villa, in der Henderson Wayne umgekommen war, verlangsamte Wellesley Karr das Motorrad und fuhr es ein Stück in einen schmalen Waldweg hinein.
    Als die Maschine anhielt, stieg Derrick Faulkner behände aus, legte den Helm auf den Sitz des Seitenwagens und wandte sich zu Officer Karr. „Sie warten hier, Officer. Sollte ich in, sagen wir, einer halben Stunde nicht wieder hier sein, dann folgen Sie mir.“
    Karr, der ebenfalls seinen Helm abgenommen hatte, fragte besorgt: „Soll ich nicht vielleicht doch besser mitkommen, Sir?“
    Der Inspector lächelte aufmunternd. „Mit einer Halbwüchsigen komme ich wohl allein zurecht, Officer. Außerdem werde ich vorsichtig sein.“
    Damit wandte sich Derrick Faulkner ab und marschierte zurück zur Straße. Sich anhand der Daten seines Smartphones kurz orientierend wandte er sich nach links und schritt forsch aus. Hinter der Kurve erkannte er zu seiner Linken eine verlassene Hütte, die zwischen zwei verwildert aussehenden Ackerflächen stand. Ein schmaler unbefestigter Weg führte, in einhundert Metern Entfernung, von der Straße aus zu dem windschiefen Gebäude.
    Vorsichtig näherte sich der Inspector dem Gebäude und horchte angestrengt, ob er außer dem leisen Wispern des Passat-Windes noch andere Geräusche wahrnehmen konnte.
    Faulkner hörte nichts und er fragte sich, ob die Verdächtige vielleicht schon wieder in Honoré unterwegs war. Möglicherweise hatte das Mädchen nur die Beute in Sicherheit gebracht. Vielleicht hatte aber auch Céline recht und die Diebin hatte sich nur seiner Dienstmarke entledigt. In diesem Fall war er aufgeflogen und eine weitere Undercover-Aktion seinerseits aussichtslos.
    Faulkner erreichte das Haus. Beinahe lautlos betrat er das Innere des Gebäudes und er hoffte, nicht ganz zu Unrecht, dass der auffrischende Wind, der einen der, zu dieser Jahreszeit typischen, Regenschauer ankündigte, die geringfügigen Geräusche die er nicht völlig vermeiden konnte übertönte.
    Der Polizist stellte fest, dass es sich bei diesem Haus um eine Scheune gehandelt haben musste. Immer noch gab es ein paar halb zerfallene Strohballen hier unten. Etwa in der Mitte des weiten Raumes, in dem auch ein verrosteter Traktor stand, führte eine hölzerne Treppe zu der oberen Ebene der Scheune, die etwa fünf Meter höher lag.
    Als der Inspector die Treppe fast erreicht hatte, hörte er von oben einige leise Geräusche. Erst nach einigen Herzschlägen realisierte er, dass jemand dort oben eine Melodie summte. Die Stimme klang hell. Anscheinend hatte er doch Glück.
    Langsam und geschmeidig die Stufen der Treppe hinauf steigen, wobei er sich fast in Zeitlupe bewegte, schlich sich der Polizist noch oben. Vor dem letzten Teilstück der Treppe duckte er sich und spähte, knapp über dem Bodenniveau zu der Stelle, von der die leise Stimme kam. Er sah sich unbemerkt von dem Mädchen um.
    Links erkannte er, in der Ecke, ein altes, klappriges Metallbett mit einem schmuddeligen Bezug, Decke und Kissen. In der anderen Ecke hatte das Mädchen, mit Hilfe eines fleckigen Sofas und einer Holzkiste, so etwas wie eine Sitzecke eingerichtet. Ein paar Kerzen standen auf der Kiste. Daneben lag ein abgegriffenes Taschenbuch.
    Nachdem Faulkner sich davon überzeugt hatte, dass die Treppe der einzige Weg nach unten war, richtete er sich auf und schritt die letzten fünf Stufen hinauf.
    An der Wand, unter dem Fenster, das im Grunde nur eine rechteckige Aussparung in der Holzwand war, saß das junge Mädchen, das Faulkner auf dem Markt angerempelt hatte, um ihn dabei zu bestehlen. Ihr schulterlanges, schwarzes Haar hatte sie hinter dem Kopf mit einem Haargummi gebändigt. Erst jetzt fiel ihm auf, dass sie recht mager wirkte. Sie trug kurze, zerschlissene Jeans, dazu ein farbiges Trägertopp und an den Füßen billige blassblaue Stoffturnschuhe, die drohten aus dem Leim zu gehen.
    Vor ihr lagen mehrere Geldbörsen, die sie gerade auf deren Inhalt untersuchte.
    Derrick Faulkner räusperte sich leise und sagte mit normaler Lautstärke: „Sie sind also der raffinierte Taschendieb, der seit einer Woche Honoré unsicher macht.“
    Beim Klang seiner sonoren Stimme fuhr das Mädchen erschrocken zusammen und ließ die Geldbörse fallen, die sie in den Händen gehalten hatte. Panisch blickte sie zuerst ihn an und warf dann einen Blick hinter sich.
    „Bitte verzichte darauf aus dem Fenster zu springen, Mädchen. Du würdest dir dabei sämtliche Knochen brechen. Lass uns ganz ruhig und vernünftig bleiben.“
    Das Mädchen erhob sich langsam. Es zitterte am gesamten Leib und noch immer irrte ihr Blick zwischen ihm und dem Fenster hin und her.
    Derrick Faulkner blieb stehen, wo er war. „Hab keine Angst vor mir.“
    Das Mädchen lachte verzweifelt und Tränen schossen ihr in die Augen. „Wie haben Sie mich gefunden? Was wollen Sie? Wollen sie mich… mich ver…“
    „Um Himmels Willen, nein, Mädchen“, sagte Faulkner schnell. „Du kannst beruhigt sein, ich bin Polizist. Okay, ich gebe zu, das war ein schlechter Versuch dich zu beruhigen.“
    Unglaube lag im Blick des zitternden Mädchens und Tränen rannen ihr nun über die schmalen Wangen.
    „Hör zu: Ich bleibe ganz ruhig hier stehen und du suchst meine Dienstmarke zwischen den Geldbörsen heraus, die du mir, statt meines Portemonnaies, auf dem Markt aus meiner Hosentasche gestohlen hast.“
    Das Mädchen kniete sie ab, ohne Faulkner aus den Augen zu lassen. Als sie mehr nach den Börsen tastete, als nach ihnen zu sehen, seufzte der Inspector schwach und schob seine Hände demonstrativ in die hinteren Hosentaschen.
    Etwas weniger panisch, als zuvor, sah das Mädchen jetzt die Geldbörsen durch und wirkte überrascht, als sie seine Polizeimarke aufklappte. Als sie wieder zu Faulkner sah, meinte dieser beruhigend. „In der Mappe der Dienstmarke ist ein GPS-Sender. Über den habe ich dich gefunden. Jetzt ahnst du vermutlich auch, warum ich dich auf dem Markt habe entkommen lassen. Wirf mir die Marke bitte rüber, okay?“
    Der Mann nahm eine Hand aus den Hosentaschen und das Mädchen warf ihm die Dienstmarke zu. Er fing sie aus der Luft und schob seinen Dienstausweis hinter die Klarsichtfolie der ledernen Mappe.
    „Okay und jetzt sammle bitte die Geldbörsen auf und komm her.“
    Das Mädchen sah Derrick Faulkner wieder panisch an und schüttelte nur stumm den Kopf ohne dabei seiner Aufforderung Folge zu leisten.
    Mit ruhiger Stimme fragte der Inspector das Mädchen: „Dir ist schon klar, was Widerstand gegen die Staatsgewalt bedeutet? Falls nicht: Es bedeutet, dass ich dir Handschellen anlegen muss, bevor ich dich abführe. Mir wäre es lieber, wenn du keinen Ärger machst, denn dann muss ich das nicht. Ach und noch eins: Wenn du versuchen solltest zu fliehen und wir dich über die halbe Insel jagen müssen, dann werde ich ganz sauer. Ich habe nämlich nebenbei auch noch einen Mord aufzuklären.“
    Die Dienstmarke hinter den Gürtel seiner Jeans steckend sah er das Mädchen abwartend an. „Übrigens, mein Kollege taucht hier in etwa fünfzehn Minuten auf, falls wir in dieser Zeit nicht bei ihm sind und dann ist der Handel, von wegen keine Handschellen, aber mal sowas vom Tisch.“
    Noch immer etwas eingeschüchtert sagte das Mädchen: „Sie verhalten sich nicht, wie ein Polizist, Mister.“
    Faulkner verdrehte die Augen. „Ach, komm, du hast doch bestimmt noch keinen Polizisten wirklich näher kennengelernt.“
    „Außerdem sind Sie raffinierter, als ein Ganove.“
    „Tja, Berufsrisiko.“
    Derrick Faulkner wartete noch einen Moment und sagte dann ernster: „Meine Geduld ist nicht unendlich, Mädchen. Wenn du nicht mitspielst, dann werden es am Ende doch die Handschellen, fürchte ich.“
    Mürrisch machte sich das Mädchen endlich daran, die gestohlenen Geldbörsen vom Boden aufzusammeln. Danach sah sie den Polizisten fragend an.
    Derrick Faulkner lächelte beruhigend. „Okay, jetzt werde ich zuerst die Treppe hinuntergehen und du kommst ganz brav hinterher.“
    Der Inspector machte damit kehrt. Langsam schritt er die Treppe hinunter. Als er hinter sich die Schritte des Mädchens auf der Treppe hörte, grinste er zufrieden. Noch bevor er unten ankam, fragte er über die Schulter hinweg: „Wie ist dein Name? Ich meine, auf dem Revier kriegen wir das ohnehin heraus, nachdem wir deine Fingerabdrücke genommen haben. Doch es könnte einen Unterschied machen, ob ich bei deiner Verhandlung dem Richter sage, dass du vollumfänglich kooperiert und Reue an den Tag gelegt hast, oder ob ich sage, du hättest dich widersetzt und uneinsichtig gezeigt.“
    „Ich heiße Dayana“, murrte das Mädchen widerwillig. „Dayana Tanguy.“
    Mein Name ist Derrick Faulkner. Offiziell, seit heute Morgen, der Leitende Inspector der Polizei auf Saint-Marie.“
    „Toll, dann bin ich wohl Ihre erste Verhaftung?“
    „Hör jetzt endlich mal auf zu jammern“, versetzte der Inspector. „Sei froh, dass ich nicht zu diesen sturen Beamten gehöre, die nur ihren Job machen. Ich werde versuchen, dir zu helfen, doch du musst mich deinerseits dann auch helfen lassen, okay?“
    Es dauerte einen Moment, bis das Mädchen mit kratziger Stimme erwiderte: „Okay!“
    „Dann sind wir uns einig“, bemerkte der Mann und wartete an der Scheunentür. Höflich hielt er sie dem Mädchen auf, das ihn groß ansah. Offensichtlich hatte Dayana Tanguy bisher nicht viel Erfahrung mit netten Menschen gemacht und der Inspector spürte eine Welle von väterlichen Emotionen in sich aufsteigen. Er riss sich zusammen, atmete tief durch und folgte dem Mädchen dann nach draußen.

* * *

    Nachdem der Inspector mit dem Mädchen bei Officer Wellesley Karr angekommen war, hatte er seinen Untergebenen angewiesen, Verbindung mit dem Revier aufzunehmen und Sergeant Dechiles mit dem Rover hierher zu bestellen.
    Als der Land-Rover bei ihnen anhielt, stieg Sarah Dechiles aus und öffnete automatisch die hintere Tür des Defender-110, als sie das Mädchen neben ihren beiden Kollegen stehen sah.
    Zur Überraschung der Frau meinte Faulkner missbilligend zu ihr: „Wollen Sie etwa ein Kind hinten im Rover einsperren, Sergeant? Sie fahren mit Officer Karr zurück und nehmen so lange die Geldbörsen in Verwahrung.“
    Damit nahm er Sarah Dechiles den Wagenschlüssel aus der Hand, schloss die hintere Wagentür wieder und sah das Mädchen auffordernd an, nachdem es der Polizistin die Geldbörsen übergeben hatte.
    Nachdem das Mädchen auf der Beifahrerseite eingestiegen war, schloss der Inspector die Tür und stieg auf der Fahrerseite ein.
    Als der Wagen schließlich um die Kurve gefahren war und ihrem Blick entschwand, sah Sarah Dechiles zu Wellesley Karr und erkundigte sich fassungslos: „Sag mal, Wes, wer von uns beiden spinnt jetzt? Ich oder der Chief?“
    Der Officer grinste nur, antwortete jedoch nicht auf die Frage.
    Davon bekam Derrick Faulkner nichts mit. Mit dem Mädchen in Richtung Honoré fahrend mutmaßte er: „Du bist noch nicht lange auf Saint-Marie, richtig?“
    Dayana Tanguy nickte und fragte ihrerseits: „Das stimmt. Wie kommen Sie darauf?“
    „War nur so eine Vermutung. Weil die Diebstähle erst vor etwa einer Woche begonnen haben, wie ich von meinem Commissioner erfuhr.“
    Für eine Weile blieb es still bevor der Inspector das Mädchen vorsichtig fragte: „Du bist von Zuhause weggelaufen, habe ich Recht?“
    Das Mädchen wandte den Kopf zur Seite. Nach einem Moment gab Dayana ein leises Schniefen von sich. „Ich will nicht zurück.“
    Der Inspector dachte krampfhaft nach, bei ihren Worten. Er hatte eine Vermutung, weshalb er schließlich leise fragte: „Ich sollte dich wohl besser nicht fragen, wie alt du bist, so wie es den Anschein hat?“
    Das Mädchen nickte schluchzend und verbarg das Gesicht in den Händen.
    „Du könntest mir jedoch sagen, wann du Geburtstag hast.“
    Dayana wischte sich über das Gesicht und sah Derrick Faulkner fragend von der Seite an. Rau sagte sie: „Am vierzehnten Juni, Mister.“
    Der Mann vermied immer noch, nach ihrem Alter zu fragen. Stattdessen bemerkte er: „Also nur noch knapp drei Monate?“
    Dayana verstand und gab zurück: „Das ist richtig. Aber was…“
    „Sage jetzt gar nichts mehr und hör zu: Solange ich dein Alter nicht erfahre und du mir glaubhaft einreden kannst, dass du bereits volljährig bist, kann ich dich, nach bestem Wissen und Gewissen, bereits morgen dem Richter vorführen. Nach der recht eindeutigen Beweislage wird es noch an demselben Tag zu einer Verurteilung kommen. Da du zuvor hier nicht auffällig warst, wird der Richter dir eine Geldstrafe aufbrummen, die du natürlich nicht bezahlen kannst. Also wird diese Geldstrafe vermutlich in etwa drei Monate Sozialdienst umgewandelt werden. Entscheidend ist, dass du diesen Dienst auf Saint-Marie ableisten musst und einmal verurteilt kannst du, rein theoretisch, erst nach Ablauf dieser drei Monate zurückgeschickt werden. Sofern du zu diesem Zeitpunkt nicht volljährig sein solltest.“
    Dayana sah den Mann an ihrer Seite beinahe fassungslos an. Mit einem zaghaften Lächeln fragte sie: „Das würden Sie für mich tun, Mister Faulkner?“
    „Was denn tun?“, fragte der Inspector verschwörerisch. „Diese Unterhaltung hat nie stattgefunden, Dayana. Ich habe nur laut gedacht.“
    „Aber was ist mit der Ermittlung meiner Daten?“
    Faulkner lachte leise. „Hatte ich erwähnt, dass ich der Leiter des Dezernats bin? Ich lege die Reihenfolge der Ermittlungen fest. Und wie ich bereits sagte, wir ermitteln auch in einem Mordfall. Du musst nur den Mund halten, hast du verstanden.“
    „Wieder zaghaft lächelnd erwiderte das Mädchen: „Ja, Mister.“
    „Und stelle gefälligst das zufriedene Lächeln ab, sonst kommen meine Leute doch gleich dahinter, dass etwas im Busch ist. Die sind nicht von gestern. Leider muss ich dich für eine Nacht in eine der Zellen des Reviers einsperren, aber das stehst du wohl durch.“
    Dayana nickte ernsthaft. „Muss ich wohl.“
    Als Derrick Faulkner den Rover vor einem der reservierten Parkplätze, direkt vor der Polizeistation, anhielt, sagte er: „Behalte diesen finsteren Blick bei. Der passt besser zu einer Diebin, die gerade festgenommen wurde. Nur eins noch, bevor wir hineingehen: Was war der Grund dafür, dass du weggelaufen bist?“
    Dayana sah zu Boden. „Meine Eltern sind beide Alkoholiker. Ständig haben sie sich gestritten und sogar gegenseitig geschlagen. Das habe ich zuletzt einfach nicht mehr ausgehalten. Es hat mich zerrissen und ich hatte Angst, auch so zu werden.“
    Derrick Faulkner nickte in Gedanken. „Das tut mir sehr leid, Dayana. Nun komm, bringen wir die Formalitäten hinter uns.“
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