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Sometimes The Heart Sees What Is Invisible To The Eye

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Schmerz/Trost / P12 / Het
Franziska "Franzi" Jung Mattes Seeler Melanie Hansen
28.04.2021
14.01.2022
11
10.526
4
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Dieses Kapitel
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14.01.2022 937
 
Melanie nahm kaum wahr, dass Mattes und Franzi wieder zurück aus dem EKH waren und das PK betraten. Sie tippte vollkommen versunken in ihre Arbeit einen Bericht in ihren Computer und hatte es endlich geschafft, alles um sich herum einmal auszublenden. Trotzdem schlichen sich hin und wieder einige andere Gedanken in ihren Kopf und brachten sie zum Nachdenken.

Wie hatte sie nur zulassen können, dass Mattes ihr so nahekam? Ausgerechnet Mattes. Der Mensch, mit dem sie zurzeit am wenigsten zu tun haben wollte. Sie wusste nicht einmal, warum sie die Fassung verloren hatte. Warum sie geweint hatte. Tränen waren ein Zeichen von Schwäche. Und Melanie hatte nicht vor schwach zu sein. Sie wusste nur, dass sie es hätte verhindern müssen, dass Mattes sie anfasste. Es hatte alles noch schlimmer gemacht. Und das Schlimmste war, dass sie sich in irgendeiner Weise bei seiner Berührung wohlgefühlt hatte. Was war daran eigentlich so schlimm? Bis vor vielleicht etwas mehr als einem Jahr wäre es keine große Sache gewesen, aber jetzt fühlte es sich falsch an, ihn nur zu berühren. Warum nur hatte Haller dem Teamtausch nur nicht zugestimmt? Dieser Egoist tat alles nur zu seinem Vorteil und dachte dabei kein bisschen an seine Teams. Sie wollte nicht mehr bei Mattes sein. Nicht mehr mit ihm arbeiten müssen. Ihn nicht mehr sehen müssen. Seine Stimme nicht mehr hören zu müssen. Ihn nicht mehr berühren zu müssen.

Irgendwie tat es ihr weh, jemandem dem sie einst so nah gewesen war, nun so entfernt zu sein. Und die ganze Sache mit Franzi machte sie einfach nur wütend. Seine Affären hatten sie nie gestört, doch das mit Franzi war…anders… Auch wenn es eigentlich nicht mal ihre Sache war, baute sich weiter Frust in ihr auf. Frustriert hämmerte sie auf die Computertastatur ein und bekam nicht einmal wirklich mit, was sie da überhaupt schrieb. Es ging alles irgendwie automatisch.  

„Hey.“, hörte sie eine Stimme an ihrem Ohr sagen. Mattes. Was wollte er? Wahrscheinlich fragen, ob alles in Ordnung war. Darauf konnte sie getrost verzichten. Sie beschloss einfach nicht zu reagieren und tippte weiter an ihrem Computer herum. Sie hörte, wie er sich einen Stuhl heranzog und nahm aus dem Augenwinkel wahr, wie er sich setzte.
„Alles klar?“ Eine Hand legte sich auf ihren Oberarm und ein unangenehmes Gefühl breitete sich in ihrer Bauchgegend aus.
Sie erstarrte und hörte auf, auf der Tastatur herum zu tippen, drehte jedoch immer noch nicht den Kopf zu ihm. Vielleicht würde er einfach gehen, wenn er merkte, dass sie nicht reden wollte. Doch er ging nicht, sondern blieb weiter sitzen, mit der Hand auf ihrem Oberarm. Das unangenehme Gefühl in ihrem Bauch verstärkte sich.
„Melanie?“

Genervt drehte sie ihm den Kopf zu und blickte in ein Paar grau-blaue Augen. Mattes sah sie einfach an und sie erwiderte den Blick kühl. Es schien, als würde er in ihren Augen nach etwas suchen, es aber nicht finden. Melanie konnte sich nicht erklären was.
„Danke, mir geht’s gut.“, erwiderte sie distanziert und hoffte, dass er seine Hand endlich zurückziehen würde, doch sie verweilte auf ihrem Oberarm.
Nachdem sie seinen Blick noch ein paar Sekunden erwidert hatte, drehte sie den Kopf wieder weg. Aus dem Augenwinkel sah sie, dass er sie noch eine Weile ansah, dann zog er die Hand zurück und stand auf.

Melanie atmete innerlich auf, begann aber noch nicht wieder, auf ihrer Tastatur zu tippen, sondern hob den Blick ein wenig und beobachtete ihren Partner dabei, wie er sich wieder ihr gegenüber an seinen Schreibtisch setzte. Sein Gesicht war ausdruckslos und sie konnte nicht erahnen, was er gerade dachte. Als er ihren Blick bemerkte und ebenfalls aufsah, senkte sie den Blick schnell wieder. Noch einen Blickkontakt würde sie nicht aushalten.

Irgendwann bemerkte sie, wie Mattes aufstand und sich zu den anderen Kollegen gesellte. Melanie warf kurz einen unauffälligen Blick über die Schulter und sah, dass ihr Kollege mal wieder neben Franzi stand. Und mir ihr redete. Und lachte. Wenn er sich in letzter Zeit bei Franzi aufhielt, war er so anders. So nett und hilfsbereit. In irgendeiner Weise aber auch verkrampft und seine natürliche Lockerheit war verschwunden. Es war wie vor ein paar Jahren, nachdem der erste Ausrutscher mit Franzi passiert war. Da hatte er sie genauso angesehen.
Eigentlich hatte Melanie gedacht, Mattes Gefühle für Franzi wären Vergangenheit, doch jetzt schien es, als ob sie wieder Realität geworden waren. Sie wollte es sich kaum eingestehen, doch es schien nicht nur die Tatsache zu sein, dass Franzi einen Mann und eine Familie hatte. Auch etwas anderes nagte an ihr. Es war nicht dieser kleine Funken von Eifersucht, der sie früher manchmal ergriffen hatte, wenn sie Mattes mit einer anderen Frau gesehen hatte. Es war etwas Anderes. Etwas Tiefgründigeres, was sie sich nicht erklären konnte.

Doch es brachte Selbstzweifel in ihr auf. Alle schienen irgendwie genau zu wissen, was sie wollten. Franzi wollte Phillipp. Tarik wollte seinen Sohn Lukas. Claudia wollte ihren Mann. Und Mattes wollte…Franzi? Sie wusste es nicht. Vielleicht war es ja so. Aber er schien zurzeit nicht unglücklich zu wirken, im Gegensatz zu ihr. Was hatte sie? Was wollte sie? Schon so lange war sie auf der Suche nach dem Richtigen und jedes Mal war sie an die Falschen geraten. Langsam stellte sie sich die Frage, ob sie das überhaupt wollte. Beziehung, vielleicht auch Kinder, Familie… Vielleicht war es ja ihre Bestimmung alleine zu bleiben und nur ihrem Beruf nachzugehen. Melanie wandte den Blick von ihren Kollegen ab. Jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt zum Nachdenken. Sie verscheuchte alle Gedanken aus ihrem Kopf, um sich wieder auf das zu konzentrieren, was sie konnte. Arbeiten.
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