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Crash and Burn

GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
James T. Kirk Leonard McCoy Spock
27.04.2021
23.10.2021
37
96.433
15
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Dieses Kapitel
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27.08.2021 3.257
 
Hallo meine Lieben,

so schnell vergeht die Zeit. Auf Neu-Vulcan ist schon Samstag und somit Zeit für mich euch zu berichten, was der Heiler bei Jim auszurichten vermag. In Kursiv sind wieder die Ereignisse in Jims Bewusstseinswelt dargestellt.

Um euch nicht allzu sehr mit Sakana-Vulcan zu ärgern, habe ich diesmal jedoch bis auf besonders emotionale Teilstücke darauf bestanden, dass unsere Charaktere in Standard kommunizieren.

Und nun wünsche ich euch viel Spaß!

Eure Ti Leyni Miju



=^=


Der Heiler

Das leise Surren des Transporterfeldes ebbte ab und gab die beiden Vulcanier frei.

Dr. McCoy trat einen Schritt näher und versuchte sich erneut daran seine Finger in den Ta`al zu zwingen. Verdammt, er war ein talentierter Chirurg, der die feinsten Nerven operieren konnte und er brachte diese so simpel aussehende Bewegung nicht zustande, ohne dass sich seine Hand hinterher anfühlte, als hätte er Tauziehen mit einem Capellanischen Leberwurm.

Für Uhura schien das irgendwie kein Problem zu sein. Mit lockerer Geschmeidigkeit zauberte ihre zarte rechte Hand einen formvollendeten Gruß. Oh wie bewunderte er doch diese Frau neben sich, und dass nicht nur für ihre Schönheit und Intelligenz. Ein kleiner Teil von ihm fand es noch immer mehr als erstaunlich, dass sie einen festen Beziehungsstatus mit ihm suchte.

„My Lady, das ist Lt. Uhura, leitende Kommunikationsoffizierin der Enterprise und wenn man so sagen kann, Patentante des Adoptivkindes des Captains“, stellte Dr. McCoy Uhura und das Baby der Elder T`Pau vor.

Sie nickte anerkennend, stellte den Heiler mit Namen vor und warf einen kurzen, warmen Blick auf das Tragetuch, indem noch immer der kleine Thomas-Jay friedlich schlief.

„Wir sollten keine Zeit verlieren“, erklang die angenehme Stimme des Heilers. Er drängte zum Aufbruch.

Wenige Minuten später betrachtete der Heiler mit einem weichen Schimmer in den Augen das Gesicht des sedierten Captains. T`Pau sandte während dessen sondierende mentale Spinnenfäden durch die familiäre Bindung ihres Enkels, um zu klären, wie tief er noch in Trance lag. Ein kurzer Blick für den Heiler mit der Andeutung einer Verneinung genügte.

Der Vulcanier streckte darauf seine Hände nach den Schlüsselpositionen auf beiden Gesichtshälften des schlafenden Menschen aus. Es würde nicht ausreichen sich dem Geist von nur einer Seite zu nähern. Die Verschmelzung musste tief und allumfassend sein. Er fand einen Vorteil darin, diesen Geist nicht zum ersten Mal zu betreten. Einst hatte er entgegen den Forderungen des Botschafters Sarek gehandelt und das Bond blockiert und versteckt, anstelle es zu brechen.

James Geist hatte ihn damals in seiner einzigartigen Dynamik, mit seiner Energie, vor allem aber mit der Komplexität des Mindspace überrascht, in dem die Bindung ihren Kern fand, einer seltenen T`hy`la-Bindung. Dies zu zerstören, war für ihn eine Unmöglichkeit gewesen.

Heute jedoch fand er sich nicht dieser farbenfrohen, lebendigen Welt gegenüber. Er wurde regelrecht hineingezogen in düstere, dunkle, graue Nebelschwaden in denen gelegentlich kleine helle Kugeln um ihn herum flogen. Diese wurden jedes mal von Schlangen ? attackiert und gebissen. Aus ihnen rieselten sodann Splitter von farbigen Erinnerungsengrammen, die dann zu rostbraunem Stein erstarrten. Er erkannte, dass es sich hier um die Echos eines kürzlich stattgefundenen Traumas handelte.

Der Heiler drückte tiefer, kletterte über die Schatten von zerschmetterten Erinnerungsengrammen, die blutende Rinnsale aus Schmerz und Qualen zu einem stetig ansteigenden Strom zusammen schlossen und in eine Richtung flossen.

Er folgte diesem nassen Pfad durch die dunklen Nebel. Sein geistiger Avatar watete bald hüfttief darin, strauchelte und fiel in diese schwere Masse. Jedoch, er war ein erfahrener Heiler, blieb ruhig und fand den Grund wieder. Als er sich aufrichtete, strich ein Schlick- oder Tangstreifen durch sein mentale Hand. Jeder andere mochte sich vor Schreck geschüttelt und es abgeworfen haben, doch er hielt daran fest. Denn es enthielt eine pulsierende Note.

Jetzt hatte er einen Wegweiser gefunden und hangelte sich daran entlang, bis er tatsächlich auf Jims geistige Präsenz stieß. Doch sie war schwach und ein dicker dichter Ball aus schwammigen Strängen hüllte ihn ein, der vom stetigen Zufluss aus den quälenden Rinnsalen genährt wurde. Er drohte darin zu ersticken.

Mühsam schälte der Heiler eine Schicht nach der anderen des abscheulichen Gewirkes herunter, bis sich endlich – endlich eine winzige Lücke auftat. Aus ihr strömte helles Licht und ein endloser Schrei brüllte ihm daraus entgegen. Die Emotionen, die ihm mit diesem Schrei entgegenfluteten, waren ein Monstrum eines Hurrikanes, der ihn aus der Verschmelzung zu sprengen drohte. Jedoch war er nicht Machtlos und griff nun seinerseits verstärkt von mehreren Seiten dieses Gebilde an. Es entstanden mehr Löcher in seiner Oberfläche und ließen die angestaute Energie frei ohne ihn selbst zu beeinträchtigen.

Schließlich verblasste der Schrei zu einem Wimmern. Es war geschafft. Er hatte ihn in seinem Geist aufgespürt. Der Weg war frei.

=^=

Er hatte geschrien, einen mentalen, endlos, anhaltenden Schrei, ohne Wiederkehr von Luft in seinen Lungen. Der Tang und Schlick um ihn hatte sich immer weiter verdichtet und zu einem undurchdringlich festen Kokon verwirkt. Er war verloren in einem Gefängnis seiner Dämonen. Ohne Aussicht auf Rettung, ohne Hoffnung. Er war allein. Spock war fort, tot, von ihm gerissen durch einen gewaltsamen, rachsüchtigen Akt seiner einst vorbestimmten Gefährtin. Sie hatte ihm alles genommen wofür er sein Leben liebte. Spock! Was war denn sein Schiff und sein Leben ohne Spock an seiner Seite?

Der Druck des Verlustes um seine Bindung war schier übermächtig und würde ihn in dieser Kugel sicher bald zerquetschen. Er wusste nicht, ob er es verabscheuen oder willkommen heißen würde.
Sein eigener unablässiger Schrei war betäubend und Kraft raubend zugleich.

Wozu noch weiter gehen?

Dies war sein eigenes Kobayashi-Maru, ein Leben ohne Spock. Die vage Frage formte sich allmählich zu Gewissheit. Er würde Spock folgen, wo auch immer er gerade sein mochte. Vielleicht noch ein letzter Atemzug? Und ein Lebewohl an Bones?

Bones, guter, bester Freund, den er je hatte. Bones würde es verstehen. Er würde trauern und darüber hinwegkommen. Nyota ist an seiner Seite.

Verzeih mir mein Freund!

Doch plötzlich schuf sich der Druck und Schmerz ein Ventil aus seinem engen Kokon. Erst an einer winzigen Stelle und dann an immer mehr um ihn herum entstanden Löcher. Entließen seinen Schrei, der letztendlich in einem kindlichen, haltlosen Wimmern verebbte. Am Ende seiner Kräfte fühlte er sich angezogen von einer beruhigenden Energie, die ihn einzulullen begann.

Er horchte auf, unfähig sich zu rühren, als ihn eine Stimme anrief. Eine Stimme, die er verloren wusste, seit dem Tag als Vulcan unterging. Die Stimme starb mit Vulcan. Es konnte nicht sein. Er hatte sich alle Listen der Überlebenden beschafft und durchgesehen. Sonakh war nicht darunter, er war gestorben wie Millionen andere Vulcanier.

„James, sieh auf!“ forderte die Stimme sanft.

Warum quälte ihn sein Geist jetzt? War Sonakh da um ihn abzuholen?

„Jay, mein Sohn! Sieh auf!“ verlangte Sonakh mit elterlicher Autorität und Jim gehorchte diesmal.

„Sa-mekh? Qual se tu?“ (Vater? Bist du es?)

„Ja, Jay. Ich bin es wirklich, mein Sohn.“

Eine Welle aufgeregter Freude eilte durch Jims Geist. Er entschied sich Sonakh auf Standard zu antworten, da sein Ziehvater ihn in Standard ansprach, warum auch immer. Es war wohl eine Sache des Geistes.

„Sag, was machst du hier sa-mekh?“

„Ich bin hier, um dich zu halten bis Spock soweit ist einen Kontakt zu initiieren.“

Ungläubig schüttelte Jims Avatar in kindlicher Erscheinung seinen Kopf und schrumpfte wieder in sich zusammen.

„Nein. Wenn du wirklich echt wärst, wüsstest du es. Spock ist tot. T`Pring hat ihn getötet, ihn aus meinem Kopf gerissen. Die - die Bindung, sie ist weg.“

„Jay du irrst dich. Spock lebt. Er befindet sich in Heiltrance. Erinnere dich! Er wurde angegriffen und schwer verletzt.“

Jim sah auf, Wellen voller Schmerz und Wut fluteten Sonakh entgegen.

„Ich kann nicht. Sieh dich doch um! Es ist nichts mehr da!“ schrie er Sonakh in seiner tiefen Verzweiflung entgegen.

„Du kannst es. Du bist verwirrt, weil dein Arzt dir ein Medikament gespritzt hat, um die Rückkopplung zu dir während des Angriffes auf Spock zu unterbinden. Deshalb spürst du ihn ihn nicht.“

„Wie soll ich ihn finden oder er mich, wenn ich die Verbindung verloren habe? Er ist fort! Verstehst du nicht? T`Pring hat es mir ins Gehirn geschrien. Er ist gestorben, genau wie du. Ich bin allein! Alla-ha-hein!“ heulte Jim auf und krümmte sich erneut zusammen.

„Nein Jay! Komm und sieh genau hin!“ forderte Sonakh mit Strenger Güte. „Schau was du in deinen mentalen Fingern hältst! Fühle es! Spüre es! Bemerkst du das leichte Pulsieren? Es ist dein Wegweiser zum Zentrum eures gemeinsamen Bewusstseins, eures Mindspace.“

„Was ist das?“

„Dein Band mit Spock, mein Sohn.“

„Es fühlt sich schwach und kraftlos an. Es leuchtet nicht.“ erwiderte Jim fast schon wieder resigniert.

„Nein, tut es gerade nicht. Du wurdest von T`Pring telepathisch verwüstet, während Spocks Angriff mit Lexorin betäubt und dein Bondmate befindet sich, entfremdet von dir, in der Heiltrance. Deshalb bin ich hier, um dir beizustehen. Hab Vertrauen! Spock wird dich aufsuchen, so wie er erwacht. Bis dahin stabilisiere und heile ich deine mentalen Wunden, wenn du es zulässt.“

Jims kleiner Avatar nickte zunächst zögerlich, lehnte sich dann aber doch an Sonakh an. Hier in der Verschmelzung gab es keine Täuschung. Das spürte, das wusste er instinktiv und er fühlte, dass so alles richtig war. Sonakh, sein Ziehvater, war tatsächlich zu ihm zurückgekehrt. Er hatte ihn gefunden, als er Hoffnungslos und am Abgrund stand, schon bereit zu gehen. Und jetzt gab er ihm Halt, Unterstützung, Heilung, lenkte ihn durch die Felder voller Krater und Ruinen von zerfetzten, zerrissenen und gesprengten Erinnerungsengrammen. Die eingefrorenen Erscheinungen muteten bizarr und grausam an und mochten womöglich jeden fremder Betrachter die Augen in Abneigung erblinden lassen. Aber dies war für den Moment nebensächlich. Jetzt ging es nur darum Jim zum Kern ihrer Bindung zu bringen, damit er Spocks Erwachen spüren könnte.

Sonakh schob Jim, den er mit seinem kindlichen Erscheinungsbild als Jay ansprach, entlang der verschmutzten, klebrigen Leinenstruktur in seiner Hand. Zunächst waren Jims Schritte noch zögerlich, doch je weiter sie vorwärts strebten, um so dicker und kräftiger wurde die Struktur in Jims Hand. Schließlich erkannte er sie als das was es war, - ein Wurzelstrang ihres gemeinsamen Lebensbaumes. Noch etwas veränderte sich, je mehr sie voran kamen, so höher stiegen sie, um so mehr wuchs Jims Präsentation eines kindlichen Avatars in das eines jungen Erwachsenen hinein.

Jim zog sich immer kräftiger und schneller werdend an dem Strang entlang, bis er sich aus dem Morast hievte und endlich mit beiden Füßen auf der Insel stand, die er vor gefühlten Tagen im Sturm aus der Ferne gesehen hatte. Es herrschte Dunkelheit und Stille ringsum. Kleine, zart und zerbrechlich wirkende, blaue Blüten schimmerten schwach am Boden und wiesen kaum den Weg zu einem größeren Objekt, das er im Nebel nicht genau ausmachen konnte.

Nebel? Hier gab es noch nie Nebel! In all den Jahren, in denen er diese Oase des Friedens, Trostes und Geborgenheit aufgesucht hatte, hatte es hier nie Nebel gegeben. War er wirklich am richtigen Ort? Skeptisch blickte er auf Sonakh.

„Und nun? Was soll ich jetzt machen?“

„Lass deine Zweifel und Ängste fallen und dein Geist wird dich führen! Ich bin nur dein Begleiter. Dies ist dein Zuhause. Sei frei dich zu bewegen.“

„Ühm, okaaay.“ antwortete Jim gedehnt, drehte sich in Richtung der kleinen Blumen und betrat die Insel mit zurückhaltender Vorsicht.

Etwas in ihm hieß ihn sich dem Gebilde, dem Schatten zu nähern. Dann stand er nur Zentimeter davor. Wie magisch angezogen hoben sich seine Hände und legten sich auf die Oberfläche. Ein kräftiger, wärmender, elektrisierender Impuls durchströmte ihn und schleuderte eine Energiewelle über ihm aus, die die Nebelschwaden aus dem unmittelbaren Umfeld mit einem grellen Blitz fort stieß. Augenblicklich erkannte er wo er sich befand und Ruhe kehrte in seinem Bewusstsein ein. Erschöpft sank er unter dem Baum in seiner Lieblingsmulde nieder und schloss die Augen.

„Danke sa-mekh!“

„Du bist in Ordnung. Ruh dich aus! Ich werde inzwischen dein Wunden heilen. Wenn du mich brauchst, - ich bin nicht weit.“

Sonakh schenkte dem nun wieder erwachsenen Avatar seines Ziehkindes ein sanft anmutendes Lächeln und ließ ihn in der Sicherheit der Erkenntnis um das Fortbestehen seiner Bindung zu Spock schlafend zurück.

Er machte sich an seine Aufgabe, bedeckte Jims Wunden oberflächlich mit heilendem Balsam, hinderte sie am Ausbluten, tat das, was Spock schon vor einigen Tagen mit ihm gemacht hatte. Der Unterschied lag jedoch in der Erfahrung, im Geschick und in der Intensität der Behandlung. Dennoch, es würden nachfolgende Sitzungen von Nöten sein, um sicher zu stellen, dass sich unter den Narben keine eiternden Geschwüre bilden würden.

=^=

McCoy beobachte die Anzeigen von Jims Biomonitor genau. Er war mehr als nervös. Sonakh war nun schon fast drei Stunden in Jims Kopf versunken. Schon zwei mal hatte T`Pau ihn nur knapp davor zurückhalten können diese Verschmelzung zu unterbrechen, weil er sich um Jims Werte sorgte. Sie waren zwischendurch ein höllisches auf und ab gewesen. Letztendlich hatte er aber eingesehen, dass Sonakh die einzige Chance war Jim durchzubringen. Und dafür hatte er ihn ja auch hier an Bord geholt.

Um sich nicht ganz unnütz zu fühlen überprüfte er mit seinem kleinen Scanner zum wiederholten Male wie tief Spock noch in Trance lag. Er wünschte sich Spock würde sich beeilen. Wann spürte der Kobold endlich wie schlecht es seinem Mann ging? Verdammt! Nyota hatte sich mit dem Baby für dessen Pflege schon vor einer ganzen Weile zurückgezogen und bot ihm somit auch keine Ablenkung mehr.

T`Pau hingegen schien, nach ihrer Mimik zu urteilen, von all dem wenig beeindruckt und stand in meditativer Stille, mit vor dem Oberkörper gefalteten Händen, auf Spock starrend, neben dem Biobett ihres Enkels. Allerdings hatte McCoy die Vermutung, dass da mehr im Gange war. Denn bei genauerer Betrachtung stellte er fest, dass die Älteste Spock mit ihrem Blick regelrecht zu durchbohren schien. Er bemerkte, dass er starrte, als ein erneuter Alarm an Jims Biomonitor seinen Fokus von der Vulcanierin fort zog.

„Verdammt, beim Jupiter! Ich kann das nicht länger tolerieren. Was auch immer ihr Landsmann da in seinem Kopf tut, ich muss Jim diese Medikamente spritzen um seinen Kreislauf zu stabilisieren. Sonst ist bald nichts mehr da, was er mit seinem Voodoo behandeln kann“, murmelt er frustriert in Richtung T`Paus.

Sie sah ihn als Antwort scharf an.

„Sonakh ist ein erfahrener Heiler. Sie werden nicht eingreifen! Zügeln Sie Ihre Ungeduld! Wäre der Captain in tatsächlicher Lebensgefahr durch den Verschmelzungsprozess, würden Sie als erster davon erfahren, da sich Sonakh in diesem Falle ausklinken würde.“

McCoy leckte nervös über seine vor Aufregung trockenen Lippen. Beim heiligen Gänseblümchen, diese Frau machte ihm mit ihrem Blick wirklich Angst. Trotzdem! Er war Jims Arzt und kannte Jims Körperfunktionen wahrscheinlich besser als Jim selbst. Jim benötigte dringend etwas für seinen Kreislauf und wenn es nur ein kleiner Booster wäre.

„Himmel, Arsch und Wolkenbruch! Entschuldigung Ma‘am, aber Ihnen ist schon bewusst, dass es sich beim Captain um einen Menschen handelt?“

Fuck! Hatte er das jetzt wirklich an die oberste Führerin der Vulcanier gefragt? Er würde in die Hölle kommen. Natürlich wusste sie, dass Jim ein Mensch war und somit seine körperlichen Funktionen einem völlig anderen Kontrollmechanismus unterworfen waren. Was hatte er sich nur dabei gedacht sie herauszufordern?

T`Pau hob ob der unlogischen Frage lediglich eine Augenbraue und starrte ihn weiter finster an.

Andererseits, vielleicht hatte er ja Glück und T`Pau hatte nicht wirklich eine Ahnung wie der menschliche Organismus zu arbeiten pflegte. Doch diese Wahrscheinlichkeit lag mit Sicherheit im untersten Prozentbereich unter eins.

„Wenn Sie eingreifen, könnten Sie das Gefüge der Verschmelzung gefährlich stören. Sie setzen damit nicht nur ihren Captain einer unvorhersehbaren Reaktion aus, die sie am Ende bereuen würden. Ich gehe doch recht in der Annahme, dass der Captain derzeit nicht unter akuter Dehydration zu verenden droht?!“

In ihm schien sich ein Ball voller Wut zusammen zu knoten. Aber er musste höflich bleiben. Er versuchte mit mehr oder weniger großem Erfolg seinen Sarkasmus nicht in der Antwort mitklingen zu lassen. „Nein Ma‘am, denn er ist ja, wie sie sehen können, an eine Infusion angeschlossen“, erwiderte er deshalb im gleichen straffen Tonfall den sie an ihn gerichtet hatte.

„Dann lassen Sie Meister Sonakh seine Arbeit erledigen und sein Sie still!“

Er war versucht sie anzubrüllen: „Was sonst? Schmeißen Sie mich sonst aus meiner Station?“, doch ein kleines Geräusch hielt ihn davon ab.

Spock hatte gestöhnt. Ein erstes untrügliches Zeichen, dass er zu sich kam. Rasch entfernte sich McCoy von Jims Bett und kam zu Spock herüber, den Hypopen mit dem Kreislaufstabilisator noch in der Hand. Er war bereit dem Mann die erweckenden Ohrfeigen zu geben. Doch zuvor schob er noch einmal seinen Scanner über den Commander, nur zur Sicherheit. Die Knochen waren perfekt von neuer Struktur umgeben und würden in den nächsten Tagen an Festigkeit gewinnen. Spock hatte eine erstaunliche Heilrate bei seinen Nerven hervor gebracht. Trotzdem würde er sich wund fühlen, noch mehrere Tage Schonung und Therapie benötigen.

McCoy warf einen weiteren skalierenden Blick auf Jims Biowerte. Sie hatten sich tatsächlich, wie von T`Pau vorher gesagt, von allein beruhigt. Ungeduldig zappelte er in seinen Schuhen vor und zurück. Dann war es endlich soweit. Spocks Lider flatterten und öffneten sich Hilfe suchend.

„Hallo großer Kerl! Willkommen zurück! Ich setze dich langsam auf und du bekommst deine Tracht“, begrüßte McCoy seinen vulcanischen Freund.

Kaum war das Rückenteil des Bettes angehoben, krachten auch schon die ersten derben Schläge in das Gesicht des Commanders. Er benötigte genau neun an der Zahl, ehe er endlich seine Hand hob und abwehren konnte.

„Danke Doktor! Das war sehr hilfreich.“

„Wie fühlst du dich?“ erkundigte sich der Mediziner.

„Meine Beine fühlen sich etwas taub an. Dennoch denke ich, ich bin akzeptabel“, sagte er langsam und McCoy wusste, dass er sich gerade an die Ereignisse der vergangen Stunden zu erinnern versuchte. „Wann werde ich Einsatzfähig sein?“

„Ja, du bist in Ordnung. Aber es gibt da noch etwas ...“, McCoy unterbrach seinen Satz und sah zu T`Pau hinüber.

Spocks Blick wanderte von McCoy zu seiner Großmutter. Sie nickte ihm verständnisvoll zu. In ihren Augen war ein Schimmer der Erleichterung für Spock zu erkennen.

„T`Pau, ich grüße dich und danke für deine Unterstützung während meiner Trance!“

Spock hatte ihre Anwesenheit deutlich gespürt und sich auf die unterstützenden Übertragungen von ihrer Seite eingelassen. Jetzt bot ihr wie üblich den Ta`al dar.

„Ein Dank ist nicht erwähnenswert. Ich tat nur, was getan werden musste. Die Zeit drängt!“

„Zeit wofür?“ hinterfragte Spock die Andeutung seiner Großmutter.

„Jim! Es ist Jim, Spock. Ich musste ihn während des Angriffs auf dich mit Lexorin betäuben“, erklärte McCoy

Spocks Gesicht zeigte nun deutliche Zeichen des Unwohlseins. Scham, Schmerz, Sorge, Wut und noch vieles mehr tauchte in seinen plötzlich sehr schwarzen Augen auf. Er wusste wofür Lexorin angewendet wurde. Ein schwerer Atemzug rang sich aus seiner Brust.

„Ich denke es wird Zeit, dass du dich mit ihm verbindest. Sonakh hält ihn derzeit stabil. Öffne dich weit! Senke alle deine Schilde! Mach dich auf alles gefasst! Sei umsichtig und bedacht!“ beharrte T`Pau warnend.

„Dein Rat ist akzeptabel und willkommen. Welchen Weg hältst du für angebracht?“

„Meine Empfehlung ist der traditionelle Weg eines Paares“ , erwiderte die erfahrene Vulcanierin.

Spock nickte und schob seine halbtauben Beine über den Bettrand. Als er aufstand, schwankte er ein wenig und wurde sofort von McCoy unterstützend am Oberarm gepackt.

„Hey, mach langsam Kobold! Jim hat keine Zeit für weitere kleine Kapriolen“, raunte er gutmütig.

McCoy hatte das Sichtschutzfeld bereits gesenkt und Spock warf einen ersten Blick auf Jim. Seinen Jim! Jim, der so viel durchmachen musste und nun hier von Sonakh gehalten werden musste, damit er nicht unter dem Gefühl des vermeintlichen Verlustes ihrer Bindung zerbrach. Das alles war seine Schuld! Er musste das wieder reparieren, in Ordnung bringen, es für Jim gut werden lassen!

=^=

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