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Crash and Burn

GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
James T. Kirk Leonard McCoy Spock
27.04.2021
23.10.2021
37
96.433
15
Alle Kapitel
23 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
23.08.2021 4.640
 
Hallo meine Lieben,

sorry für die Verspätung! ( •̀ .̫ •́ )✧

Ich melde mich als Entschädigung für die lange Wartezeit mit einem extra langen Kapitel von meinen Recherchen auf Sickbay zurück.

Schnallt euch an. Es geht gleich los mit viel Drama. Taschentücher und Trostkekse stehen wie immer für euch bereit.

=^=


Familienbande Teil 3

Schwimmen, er musste doch einfach nur schwimmen. Durfte nicht aufhören. Sonst würden sie ihn einholen, die Wellen und ihn unter ihren erdrückenden Massen vergraben. In der Ferne konnte er seine Rettung bereits ausmachen. Eine leuchtende Insel, so vertraut und hell, mit einer wunderbaren Melodie umwebt, rief sie ihn zu sich in den Hafen von sicherer Glückseligkeit.

Er schwamm und mühte sich so hart gegen zähe Masse, dass seine Lungen brannten und seine Muskeln unter Protest über die Anstrengung stachen. Eine neue Welle türmte sich vor ihm auf und rollte sich, schob ihn in eine Tube. Wäre er ein Surfer auf Hawaii, wäre dies der Himmel auf Erden.

Doch dies hier war nicht der Himmel!

Rings um ihn stießen Gesichter von Frank auf ihn zu, prügelten ihn, machten ihn nieder, drangen auf ihn ein. Schließlich schloss sich die Tube und Frank packte seinen Hals und zog ihn in die Tiefe. Dabei schrie er ihm Dinge in den Kopf, die ihn schier zum platzen bringen würden.

„Du bist Schuld, dass sie jetzt so ist!“ kam es von einer Seite.

„Würdest du nicht aussehen wie dein Erzeuger, hätte sie dich lieben können!“ schrie es von einer anderen Seite.

Von oben schrie es in ihn hinein: „Dann hätte sie dich nicht nach Tarsus bringen wollen und auch Sam wäre noch hier!“

„Du bist Schuld, dass sie alle weg sind!“

„Dein Vater!“ - „Deine Mutter!“ - „Dein Bruder!“ - „Sogar die grünen Teufel wollen dich nicht!“

„Du bist allein!“ - „Allein!“ - „Ganz ALLEIN!“ höhnte Franks Fratze schließlich in einem wirbelnden Tanz um ihn herum, während ein seltsamer Sog ihn heftig an den Beinen zerrend nach unten zog.

Jim wandte seinen Gesicht nach unten, um Frank nicht mehr ansehen zu müssen. Mit Entsetzen bemerkte er die Skurrilität seines eigenen Körperbildes. Sein Unterkörper wandelte sich mit zunehmender Schwäche in die Statur seines dreizehn jährigen Egos, während sein Oberkörper noch immer kraftvoll gegen die Widrigkeit anschwamm.

Angst, Panik, Stress, Schmerz fluteten in zunehmendem Maße seine Nerven und zugleich griff aus den dunklen Tiefen dieses Ozeans eine neue Bestie an. Heimtückisch, lauernd, mit schnellenden, nesselnden Fangarmen schlug die Kreatur zu, schoss kleine Harpunen mit Widerhaken nach seinem Kopf, die ihn ausbluten sollten.

Du gehörst mir!“ - „Du kannst mir nicht entkommen!“ - „Ich kriege sie alle!“ zischten die ersten Pfeile um ihn herum und zudem zeitgleich noch die Fratze von Frank mit seinen dröhnenden Worten.

„Verrate mir dein Geheimnis und du bekommst etwas von mir dafür!“

Jim erkannte diese Stimme und ihm krempelten sich seine Gedärme nach außen, Galle schoss nach oben. Er musste hier weg! Nur wie? Er strampelte, zappelte und trat mit den dünnen Teenagerbeinen unter sich, kämpfte und schwamm mit den noch starken Erwachsenenarmen nach oben so gut es ihm möglich schien der Oberfläche entgegen. Nur kurz erreichte er sie und sah für einen winzigen Augenblick in Bones braungrüne Augen. Augen so voller Sorge. Sorge um ihn. Sein Herz schmerzte.

Doch dann zog ihn ein neuer Sog von Frank an seinen Beinen hart nach unten und ein Harpunenpfeil von Kodos traf ihn in seinen Kopf. Schmerz entbrannte, als die Brutalität ihn niederwarf.

„Du entkommst mir nicht! Verrate mir dein Geheimnis! Warum ist dein Geist ungebrochen? Verrate mir wo deine Kinder sind, damit ich dich brechen kann!“

„Nein! Niemals! NEIN!“ warft Jim dem unsichtbaren Feind entgegen und erkämpfte einen neuen Atemzug an der Oberfläche des tobenden Ozeans, nur um von einer weiteren Welle verspottet zu werden, die ihm die Sicht auf seine Rettungsinsel abschnitt.

„Die Bindung wird nicht geduldet! Er ist unerwünscht!“ schlug die Welle ihn nieder.

Kaum ward er unter gedrückt, drängten Schlangenköpfe von allen Seiten auf ihn zu. Sie bissen, rissen und rupften an ihm mit einem Feuer voller Unbarmherzigkeit. Die Stimme von T`Pring durchdrang ihn.

„Ich habe ihn getötet. Spock ist tot!“

Das entzog ihm jegliche Kraft aus den Armen. Seine Arme und Beine verfingen sich in einem Wirrwarr von Tang ? und der Sog der anderen Dämonen zerrte weiter an ihm aus der undurchdringlich dunklen Tiefe. Ihm blieb nichts als zu schreien. Denn er wusste, dass es wahr war.
Er dachte irgendwann würde ihm die Luft ausgehen und er würde bei seinem nächsten Atemzug ertrinken, doch er schrie immerfort.

=^=

Lt. Uhuras Schicht war bereits beendet, aber sie trug noch ihren Feinberger-Empfänger im Ohr, da sie ihrem neuen Schützling Kadett Willow, der nun seit dem Desaster auf der Raumbasis sein Semester Praktikum auf der Brücke Enterprise absolvieren durfte, noch ein paar Anweisungen gab. Sie wollte es gerade ablegen. Doch auf der Konsole leuchteten zwei rote Lichter in hektischem Muster auf und in ihrem Ohr kam ein interner automatischer Notruf aus einem Quartier auf dem Offiziersdeck an. Ein Blick auf den internen Sensor identifizierte die genaue Quelle.

„Moment Kadett Willow! Ich übernehme dies! Computer – was ist die Art des Notfalls?“

„Art des Notfalls nicht näher bezeichnet“, tönte die Stimme leise in ihrem Ohr.

Hurtig huschten ihre Finger über die Konsole und gaben einen Kanal direkt in jenes Quartier frei.

„Captain Kirk, hier spricht Lt. Uhura. Ich empfange ein Notsignal aus Ihrem Quartier. Ist alles in Ordnung?“

„… gghhgrh…“, röchelte es kaum hörbar in ihrem Gerät.

„Captain? - Jim?!“

„ … „

Nichts mehr.

Eine weitere Befehlseingabe auf dem Display der Konsole wurde durchgeführt.

„Brücke ruft Krankenstation! Lt. Uhura an Dr. McCoy! Medizinischer Notfall im Quartier des Captains! Ich wiederhole, dringender medizinischer Notfall im Quartier des Captains!“

„Grundgütiger! Was hat er nun wieder angestellt? Kann ich ihn nicht mal fünf Minuten auf seinem Scgiff ohne Aufsicht lassen, ohne dass er sich einen Splitter einreißt oder beim Rasieren schneidet?“ knurrte ihr Leonard in die Ohren.

„Len beeil dich! Es ist ein automatischer Notruf! Er antwortet nicht und das Baby weint im Hintergrund. Da stimmt was nicht. Er würde ihn nicht schreien lassen. Das passt nicht zu ihm.“

„Mach dir keine Sorgen, Ny. Bin schon auf dem Weg. Schwester Tonya, Sie haben die Medbay! Martin – die Trage und Notfallset! Los!“ donnerten die Befehle des Arztes durch den Empfänger und dann schloss sie die Leitung.

„Viel Glück, Len!“ flüsterte sie.

Natürlich hatte der junge Kadett nun einige Fragen an sie, die sie professionell beantwortete. Und doch war sie dankbar, als sie endlich im Turbolift stand und den Befehl zur Fahrt auf das Offiziersdeck gab. In ihrem Kopf hatte sich der Gedanke geformt, sie könnte vielleicht ihre Hilfe anbieten und sich zumindest um das Kind kümmern.

=^=
Dr. McCoy saß in seinem Büro über der Dokumentation von Spocks OP-Bericht. Der schrille Pfiff des Intercoms riss ihn aus seiner Konzentration. Zunächst mürrisch knurrte er den Anrufer an, nur um bei der Antwort aus dem Raum zu stürmen und seinen Untergebenen Befehle entgegen zu schleudern. Und wie immer wenn es um Jim ging, fragte er sich, warum die Dinger Turbolift hießen, wenn sie doch so langsam fuhren.

Seinen Override hatte er schnell eingetippt. Noch während sich die Tür öffnete, brüllte er dem Computer den Befehl: „Licht auf fünfzig!“ zu und spurtete in langen Schritten in den Schlafraum, aus dem Babygeschrei und ein Gemisch aus rhythmischem Klopfen und grunzend, gurgelnden Lauten drang.

Beängstigend!

Ein erster oberflächlich, überfliegender Blick zur Aufnahme der Situation löste einen verbissenen Fluch aus.

„Beim heiligen Haselnusszwerg, JIM! - Martin! Baby! Bad! Wickelstation!“

„Ja Sir!“ bestätigte der Pfleger die Anordnung seines Chefs. Er hatte sich an die präzisen, knappen Befehle in solchen Situationen durch seinen Vorgesetzten gewöhnt. Bevor er jedoch in die Wiege griff, stellte er die Notfallkoffer von der Schwebetrage direkt neben das Bett des Captains. Sie enthielten alles, was dem Arzt für die Versorgung des Captains im Hausbesuch zu Verfügung stehen sollte. Medikamente, eine mobile Sauerstoffversorgung, ein mobiles Biomonitoring, usw., also fast ein Biobett in Miniformat zum mitnehmen.

McCoy war inzwischen zu seinem Patienten vorgerückt und schützte den Kopf davor, weiter in seinen unkontrollierten, heftigen Zuckungen auf die Nachttischkante zu schlagen. Die Schläge hatten zuweilen eine enorme Beule hervor gebracht und würde sicher bald platzen.

„Jim? Kannst du mich hören?“ überprüfte er die tiefe des Bewusstseins, wie es der Standard vorschrieb. Aber wie zu erwarten, war Jim sehr weit entfernt davon klar zu sein. Dennoch hielt McCoy an seinen Routinen fest. Er war ein gut ausgebildeter und gründlicher Arzt, der sich nicht nur auf die Technik verließ. Er prüfte mit all seinen Sinnen. Nach einer kurzen Runde mit dem medizinischen Scanner über dem Kopf, fanden drei Hypos in rascher Folge den Weg in den Nacken des Captains.

Die Zuckungen hörten auf und die Muskeln des Körpers entspannten sich. Dennoch ließ sich der Arzt davon nicht täuschen und überprüfte die Wirkung mit einem erneuten Scan. Zufrieden nickte McCoy und legte den Tricorder beiseite. Aber dann begann sich der schlaffe Körper erneut zu rollen und er würgte. Mit gekonntem Griff wurde er auf die Seite gerollt und über die Kante seines Bettes gehalten. Die pure Galle erbrach sich über den Boden. Eine Hand rieb beruhigend über den sich krümmenden Rücken.

„So ist es gut mein Junge. Was auch immer du da kämpfst, lass es raus. Der gute alte Bones ist da und hält dich.“

Das Würgen beruhigte sich und Jims Oberkörper hing nun schwer und matt über McCoys Knien. Mit einer feuchten Mullkompresse wischte er ihm vorsichtig den Mund aus, um alle Reste des Erbrochenen zu entfernen. Sanft bettete er den Kranken in seine Kissen zurück und tupfte mit einer frischen, kühlen Kompresse den zarten Schweißfilm von der Stirn. Jims Augen flatterten auf.

„Bones?“ flüsterte er unsicher rufend und dann driftete er gleich wieder davon. In seinen Augen lag so viel tränen schimmernde Angst.

Oder hatte er es sich nur eingebildet?

Ich bin hier Jim! Keine Angst! Ich hab dich!“

Es wurde Zeit, dass er ihn auf die Krankenstation für intensive Tests brachte. Wo zum Kuckuck blieb Martin nur mit dem Kind? Was dauerte denn nur so lange an einem Babyboxenstopp? Er hörte, wie der Pfleger liebevoll mit dem Baby plapperte und wollte nach dem rechten sehen. Jedoch hatte Jim andere Pläne und fing erneut an zu krampfen. Natürlich schlug er seine Beule auf und es blutete abscheulich heftig.

„Verflucht und zugenäht!“

McCoy sprang zu Jim zurück hielt ihn davon ab sich weiter unbewusst in selbstmörderischer Absicht den Schädel am Nachttisch einzuschlagen und drückte die Wunde zunächst nur mit eine Kompresse behelfsmäßig ab. Er verfluchte den Konstrukteur der Inneneinrichtung für die scharfkantigen Ecken. In einem Raumschiff war es doch logisch, dass man mal durcheinander geschüttelt wurde! Wer kam da auf die dämliche Idee, dass harte, gerade Kanten ein tolles Bild ergeben würden?!

Genau diesen Zeitpunkt wählte Nyota um auf der Bildfläche zu erscheinen und ihre Hilfe anzubieten. Erschrocken über all das Blut schlug sie zunächst in ihrer Art die Hände vor den Mund, fasste sich aber schnell wieder. Kopfwunden bluteten nun mal stark. Es sah meist schlimmer aus als es in Wirklichkeit war.

„Wie geht es Kirk?“

„Perfektes Timing Schatz! Ich weiß noch nicht was es auslöst. Geh und sieh mal nach, was der Holzkopf nebenan mit dem Baby macht. Schick ihn hier her, ich glaub hier ist er besser aufgehoben.“

„Na klar mein Brummbär.“

Sie beeilte sich und fand Pfleger Martin im Bad in einem Zustand der liebevollen Verzweiflung vor dem Wickeltisch. Er hielt beide Hände in einem knappen Abstand über den Genitalbereich des Babys, aus dem gerade ein kräftiger Wasserstrahl schoss. Nyota musste sich das Lachen verkneifen.

„Das machst du doch mit Absicht, du kleiner Zwerg! Die erste Windel kackst du voll ehe sie zu ist und jetzt pinkelst du mich an. Du machst dich nicht beliebt bei mir junger Mann! Jetzt muss ich von vorne anfangen. Wenn das so weiter geht, werden wir nie fertig, mein kleiner Spatz“, sprach er in sanfter Stimme zu dem kleinen Wesen vor sich und lächelte es an.

„Pfleger Martin, ich übernehme hier für Sie. Reinigen Sie sich! Der Doktor benötigt Ihre Hilfe beim Captain.“

„Oh, ehm, natürlich. Danke Lieutenant!“

Ein leicht wehmütiger Blick auf das Baby und dann überließ ihr der große stämmige Pfleger das Kind. Er wusch sich rasch die Hände und kehrte zu seiner eigentlichen Aufgabe zurück. Kaum zwei Minuten später verließ auch sie das Bad mit Kind in frischen Tüchern auf dem Arm, um ihm ein Fläschchen aus dem Replikator zu ziehen.

Leonards wütend, schimpfende Stimme hielt sie jedoch auf und sie trat näher an den Eingang des Schlafraums. In einer instinktiv schützenden Geste zog sie den Säugling enger an ihre Brust.

„Oh nein!“ hauchte sie.

Jim lag ausgestreckt auf dem Fußboden, während der Doktor Herzdruckmassage an ihm verübte und der Pfleger die Atemmaske bediente. Bei jedem Druck auf den Brustkorb knurrte er dem Captain seine Wut entgegen.

„Du - bleibst - schön - hier! - Verdammt - Mann! - Mich - mit - Kob-old - und - Kind - allein - in - der - Blech-dose - um-geben - von - Dun-kel-heit - und - Stille - zu-rück-las-sen! - Könnte - dir - so passen! - Martin - Hydrocordrazin!“

McCoy schwitzte. Der geladene Hypopen landete in der offenen Hand des Arztes nicht mal eine Sekunde nach der Aufforderung. Sein ärztlicher Blick prüfte die Dosis und schob den Injektor an die empfindliche Haut am Nacken. Zeitgleich übernahm Martin stillschweigend die Druckmassage für einige Sekunden und wie auf eine geheimes Zeichen seines Chefs stoppte er in seiner Tätigkeit. Der Scanner tanzte über dem Brustkorb. Erleichtertes Aufatmen war die Antwort.

„Das war‘s. Wir haben ihn wieder. Bringen wir ihn lieber schnell zur Krankenstation und finden raus, was das ausgelöst hat.“

Eilig wurde der Captain auf die Schwebetrage verbracht und mit allem drum und dran zur Krankenstation befördert. Zum Glück für ihn befand sich das Schiff noch im Nachtzyklus und somit blieb seine unglückliche Reise dorthin unbemerkt von seiner Crew. Er hasste es einfach, wenn er ohnmächtig durch sein Schiff geschoben und von jedermann angestarrt wurde. Dort angekommen, landete der Captain im Biobett neben Spock und McCoy begann sogleich mit umfangreichen Untersuchungen. Hier und da murmelte er vor sich hin, fragte nach bestimmten Geräten und Instrumenten, entnahm Proben und scheuchte Martin von einer Ecke seiner Krankenstation in die andere.

Am Ende jedoch wirkte er unzufrieden mit den Ergebnissen und rief schließlich mehr als verdrießlich Dr. M`Benga aus seiner Nachtruhe hinzu. Er benötigte eine zweite fachkundige Meinung. Er war mit seinem Latein am Ende, hatte jedoch einen zwingenden Verdacht. Da sein Kollege während seiner Zeit auf Vulcan-Prime einen gewissen Erfahrungsschatz gesammelt hatte, nahm er an, er würde erkennen ob es sich hier um irgend ein Vulcan-Voodoo handelte.

Spock konnte er noch nicht fragen. Der schlief seinen Narkoserausch in der Heiltrance aus. Das hatte er bitter nötig. Seine Verletzungen waren schwerwiegender gewesen als auf den ersten Blick zu erkennen war. Die Trance konnte noch Stunden dauern. Und Sarek?, Sarek hatte das Schiff schon vor Stunden verlassen. Er befand sich irgendwo auf Neu-Vulcan und meditierte sich wahrscheinlich seine spitzen Ohren ins Gehirn. Bevor er sich diesem kühlen Brocken eines Vulcaniers näherte, erkundigte er sich lieber erst bei seinem Kollegen nach dessen Meinung.

M`Benga kam keine sieben Minuten später an und hörte sich geduldig alles an, verfolgte die Aufzeichnungen und Testergebnisse aufmerksam, ehe er schließlich seine fachkundige Meinung äußerte.

„Unter normalen Umständen hätte sich ein Bondmate vor den Auswirkungen des Angriffes durch Abschirmung selbst schützen können. Da der Captain jedoch ein Mensch ist und zudem erst sehr kurz in dem Bewusstsein der Bindung lebt, hat er womöglich noch keine ausreichenden Fähigkeiten dahingehend entwickelt. Commander Spock scheint zum Zeitpunkt des Angriffes seine Schilde gegenüber seinem Bond reduziert zu haben, da er, wie ich vermute, seinem Partner nach der mentalen Befragung durch die Priesterin Trost spenden würde. Er war emotional kompromittiert, was wiederum zu einer fatalen Rückkopplung führte.“

McCoy starrte seinen Kollegen mit finsterem Blick an. M`Benga holte tief Luft und fuhr in seinen Ausführungen fort.

„Das Mittel der Wahl in diesem Fall ist Lexorin. Allerdings blockiert es die Rezeptoren den Bindungszentrums. Für den Captain wirkt sich dies wie der komplette Verlust der Bindung aus. Er kann diesen Zustand weder kontrollieren noch ihm ausweichen. Seine Hirnaktivität gerät ohne Lexorin völlig außer Kontrolle. Doch je mehr er davon erhält, um so mehr schädigt es seine Bindung. Und so lange Commander Spock sich in der Heiltrance befindet, sind uns die Hände gebunden. Wir können Mr. Spock nicht ohne weiteres aus der Trance holen. Vulcanier sind für diese Art von Trance sehr tief in sich versunken.“

„Tja, sag mir was, dass ich nicht weiß!“ murmelte er düster vor sich hin. „Ich habe Spock selbst operiert. Ich weiß um die schwere seiner Verletzungen. Es könnte Tages dauern bis er vorbei kommt!“ blaffte McCoy und warf wütend das PADD auf den Schreibtisch, welches er in den Händen hielt.

M`Benga hatte seine Worte so bedächtig und ruhig ausgesprochen und ihm dennoch solche Bange in die Gedärme geschickt. Auf welchen Vulkan hatte sich das Kind da nur gesetzt? Verdammt auch! Warum musste sich Jim ausgerechnet in den grünblütigen Halbelfen verlieben?

„Ein Heiler wäre eine Option. Er könnte den Captain stabilisieren, bis Mr. Spock aus seiner Trance erwacht“, vervollständigte Dr. M`Benga seine Expertise.

„In Ordnung. Dann werde ich mich sofort mit Botschafter Sarek in Verbindung setzen und ihn um einen Kontakt bitten.“

McCoy wusste wann er den Stab weiter zu reichen hatte. Mit müden Beinen verließ er sein Büro und stieß fast mit Nyota zusammen, die soeben mit dem Baby im Tragetuch zu ihm wollte. Sie Hatte sich Zeit gelassen den kleinen Jungen ausgiebig zu verwöhnen und zu versorgen. Thomas-Jay schlief nun selig in der weichen Mulde des Tuches unter den sanften Bewegungen ihres Ganges. Er träumte wohl von Milch und Schäfchen und bezauberte mit einem zarten kleinen Engelslächeln.

„Perfekt, dich brauche ich gerade. Komm mal mit. Du musst mir eine direkte Kom-Verbindung zu Sarek knüpfen.“

„Wie? Jetzt gleich? Ich bin nicht im Dienst, Kadett Willow wird dich sicher gern verbinden“, säuselte sie und schaukelte das Kind liebevoll betrachtend vor ihrem Bauch.

„Ja, jetzt gleich. Mir egal wer gerade Dienst auf der Brücke hat. Ich will, dass du das machst. Du bist die Beste dafür. Du kommst mit den Spitzohren gut klar. Ich erklär dir auf dem Weg zur Brücke worum es geht.“

Sanft aber bestimmend schob er sie Richtung Ausgang.

„Okay, okay. Dann wollen wir mal Opa Sarek anrufen, was mein kleiner Prinz?“ turtelte sie mit lieblicher Stimme weiter zum schlafenden Baby im Tragetuch. „Ist doch kein Problem, wenn wir ihn kurz mit rauf nehmen, oder?“ erkundigte sich Nyota auf dem Weg zum Turbolift.

„Tritt den Ameisenmist! Ich kann jetzt nicht darauf warten bis ein Babysitter gefunden ist. Die Zeit drängt. Außerdem ist noch Nachtverschiebung. Wer sollte da was dagegen haben?“

Der Lift öffnete sich und sie stiegen ein. McCoy hatte ihr in wenigen Sekunden berichtet. Natürlich war das Ergebnis, dass die Kommunikationsverbindung augenblicklich von ihr bei dem Kadetten auf der Brücke in Auftrag gegeben wurde.

Wenige Sekunden später öffneten sich die Türen und sie brachten das Gespräch direkt auf die Brücke.

„S-Sie meinten jetzt gleich? Aber der Sektor, wo Botschafter Sarek sein Domizil hat, befindet sich mitten im Nachtbereich von Neu-Vulcan“, versuchte sich Kadett Willow etwas verunsichert. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich den Botschafter in seiner Nachtruhe stören kann, Ma`am.“

„Ist das ein Scherz?“

McCoy blickte mit skeptischem Blick auf Uhura.

„Hat er das gerade wirklich gefragt? Er macht sich Gedanken um den Schönheitsschlaf der Spitzohren? Das ist doch ...“, McCoys Gesicht wandelte sich von skeptisch über sauer und dann brach er plötzlich in schallendes Gelächter aus.

Der Kadett errötete und fragte unsicher nach seinem Fehler: „Sir?“


„Ent-hmhm-schul-hmhmhm-digung, hahaha!“

McCoy kämpfte wirklich um seine Beherrschung. Es war so absurd für ihn über so etwas zu lachen, aber der Stress der letzten Tage um seine Freunde brach sich nun hier das Bein.

Uhura sprang ein und klärte den Kadetten in ihrer ruhigen aber belehrenden Art auf.

„Mr. Willow, Ihre Fürsorge für eine ungestörte Nachtruhe des Botschafters in allen Ehren, aber wenn Dr. McCoy eine Verbindung aus medizinisch dringenden Gründen zu diesem Mann braucht, dann führen Sie diesen Befehl aus! Mir ist dabei durchaus bewusst, welche Schwierigkeit Sie durch Ihre negativen Erfahrungen auf Raumbasis Alpha Sigma Sieben mit der Einschätzung von Befehlsgewalt haben haben. Die Durchführungsverantwortung liegt ja in diesem Moment bei Ihnen. Dennoch, das ist, was wir an der Kommunikationsstation tun. Wir führen und verbinden die Befehle unserer Vorgesetzten aus und leiten sie dahin, wo sie erwartet werden, damit das getan werden kann, was getan werden muss. Hier auf der Enterprise sind Sie in einem sicheren Hafen. Lt. Chekov hätte Ihnen mit Sicherheit etwas gesagt, wenn er gegen die Anfrage des Doktors Einwände hätte.“

Sie blickte zum leitenden Brückenoffizier der Nachtverschiebung und er nickte mit einem freundlichen Lächeln aufmunternd dem jungen Kadetten zu.

„Und nun Mr. Willow, rufen Sie Neu-Vulcan und ich demonstriere ich Ihnen, wie man einen hochrangigen Diplomaten aus seinen Kissen schüttelt“, ergänzte sie mit einem weichen Lächeln.

Der Kadett wirkte nun schon nicht mehr so verkrampft und erhob sich erleichtert. Er bewunderte Lt, Uhura für ihre Kompetenz und Führung. Sie hatte sein Vertrauen gewonnen. Von ihr würde er sicher eine Menge lernen.

„Ja Ma‘am!“

Flink schlüpften seine Hände über das Paneel und spickten aus dem Frequenzgitter eine heraus, um die Verbindung zu knüpfen. Lt. Uhura nickte ihm bestätigend zu. Er hatte alles richtig gemacht. Sie hatte inzwischen ihr eigenes Gerät ins Ohr gelegt und übernahm die Gesprächsführung mit der Verbindungszentrale.

„Hier spricht Lt. Uhura vom Raumschiff Enterprise im Auftrag des leitenden medizinischen Offiziers Dr. McCoy. Wir benötigen sofortige audiovisuelle Kommunikationsverbindung zum Sitz des Botschafters Sarek in privater medizinischer Angelegenheit!“ orderte sie in perfektem Vulcanisch. Der Translator übersetzte ihre Anfrage zeitgleich für die Aufnahme des Schiffsprotokolls.

„Enterprise, hier Verbindungszentrale Neu-Vulcan. Freigabe Frequenzlink für Kommunikationsverbindung audiovisuell bestätigt!“ erklang eine kühl wirkende Stimme nur Sekundenbruchteile später als Antwort.

Auf dem Sichtschirm entstand das Clan-Symbol von Spocks Familie vor einem tief weinroten Hintergrund und wurde rasch durch das Gesicht eines recht jung wirkenden Vulcaniers ersetzt.

Lt. Uhura erhob ihre rechte Hand zum traditionellen Ta`al und setzte zum Gruß an. Doch der junge Mann schnitt ihr bereits das jetzt unhöflich das Wort ab.

„Wenn Sie mit Botschafter Sarek zu wünschen sprechen, werden Sie sich gedulden müssen. Er ist zu dringenden Angelegenheiten gerufen worden“, sprach er mit einer eisigen Arroganz, als hätte er sie selbst erfunden.

McCoy kniff sein Gesicht straff zusammen, dass seine Lippen nur noch eine dünne Linie bildeten und sich seine Brauen fast zu berühren schienen. Was dachte sich dieser Jungspund so mit einer Dame zu reden? Das passte auf keine Elefantenhaut!

Uhura blieb jedoch professionell distanziert ob dieses Benehmens.

„Ich bin Lt. Uhura“, stellte sie sich zunächst erst einmal vor. „Wann wird Botschafter Sarek zurück erwartet?“ erkundigte sie sich.

„Diese Information ist unbekannt.“

„Können Sie mir sagen, wo sich der Botschafter jetzt im Moment aufhält?“

„Auch diese Information steht nicht zur Verfügung.“

McCoy schnaufte ungeduldig und zappelte mit seinen Zehen in den Schuhen.

„Besteht die Möglichkeit den Botschafter anderweitig zu kontaktieren?“

Wie konnte Uhura angesichts dieses ungehobelten Schnösels nur so ruhig und geduldig bleiben?

„Ich bin nicht befugt private Kommunikationsfrequenzen des Hauses Sarek an Außenweltler weiter zu reichen.“

Das reichte dem Arzt nun endgültig. So viel Kaltschnäuzigkeit! Grrr!

„Was denkt sich dieser eingebildete Katzenkopf so mit uns umzugehen? Da kriegen Lemminge ja Schluckauf beim gemeinschaftlichen Klippen springen!“, murmelte McCoy brummig vor sich hin.

Dafür erntete er einen erheiternden Gesichtszug von Uhura und dennoch ihm verlangte es danach dem Kerl die Ohren lang zu ziehen. Oder lieber nicht, die waren schon spitz genug.

„Jetzt hören Sie mal zu, Jungchen! Wir sind nicht irgendwer. Ich bin Dr. Leonard McCoy! Leitender medizinischer Offizier der Enterprise. Ich bin behandelnder Arzt des Sohnes und seines Bondmates von Botschafter Sarek und ich brauche für die Sicherstellung des Behandlungserfolges sofortigen Kontakt zu Sarek. Und außerdem haben Sie noch nie was davon gehört, dass man sich vorstellt, wenn man mit einer Dame spricht? Was für eine Kinderstube haben Sie bloß gehabt, Mann. Könnte wetten, Sie sind noch nicht mal erwachsen“, fuhr der Doktor den jungen Mann auf der anderen Seite des Bildschirms an.

Und tatsächlich schien dieser ein wenig einzuschrumpfen. Insgeheim gratulierte sich McCoy zu seiner Beobachtungsgabe. Dieser Vulcanier gab sich erwachsen zählte unter ihnen aber noch nicht als einer. Vermutlich hatte er noch drei, vier oder fünf Jahre bis ihn sein erster richtiger Pon Farr traf.

„Natürlich Sir. Ich entschuldige mich für mein unangemessenes Verhalten. Ich wurde aus der Meditation gerissen und war noch nicht ganz …“, er unterbrach seinen Satz und ein zarter Grünschimmer legte sich über sein Gesicht, als er bemerkte, dass er abschweifte.

„Mein Name ist Sokkar. Ich wurde von Botschafter Sarek vor einem halben Jahr als Student für die Stelle des Adjutanten aufgenommen. Wenn Sie es wünschen, können Sie eine Nachricht hinterlassen und ich werde Sie übergeben, so wie er eintrifft.“

„Danke, aber das könnte zu spät sein. Ich werde mich an die nächste Familieninstanz wenden müssen“, erwiderte McCoy ein wenig besänftigt, aber angesichts der gesamten Lage dennoch verärgert.

„Oh, wenn Sie Elder T`Pau zu sprechen wünschen, kann ich Ihnen weiter helfen. Sie verweilt derzeit hier im Ansitz des Botschafters. Sie blieb nach der Besprechung, die ihren Sohn zu den dringenden Angelegenheiten aus dem Haus brachten, da es ihr für die Heimreise schon zu spät schien.“

„Welch glückliche Fügung!“ rief McCoy erfreut aus. „Bitte, wecken Sie Ihre Hoheit! Es drängt!“

Es dauerte tatsächlich keine drei Minuten und die ältere Dame erschien anmutig in ihrer Robe vor dem Bildschirm.

McCoy versuchte sich am Ta`al und zitterte sich dabei die Sehnen krumm, um sie angemessen zu begrüßen. Sie erwiderte den Gruß und nickte ihm anerkennend zu.

„Ma‘am entschuldigen Sie unser eindringen zu so vorgerückter Stunde. Wir konnten Ihren Sohn, Botschafter Sarek, nicht erreichen. Aber es ist wirklich dringend. Es geht um den Captain, ehm, den Bondmate von Mr. Spock, James Kirk. Sicher wissen Sie, dass Mr. Spock noch in Heiltrance liegt. Es hat sich während des Überfalls auf Mr. Spock etwas ereignet, was den Captain involvierte. Meiner medizinischen Meinung nach und der Expertise meines Kollegen Dr. M`Benga, der noch das Glück hatte auf Vulcan-Prime studieren zu können, bedarf der Captain der Hilfe eines Heilers bis Mr. Spock aus seiner Trance erwacht und die mentale Verbindung wieder öffnen kann.“

T`Pau blickte mit wachen Augen in die Übertragungseinheit. Nur ein winziges Flackern verrieten ihre emotionale Einbindung.

„Ich verstehe. Danke für diese vertrauliche Information. Mein Sohn ist derzeit mit der Befragung weiterer Personen beschäftigt. Agenten des V`Shar konnten ihnen eine Verbindung mit dem Attentat auf meinem Enkel und den Tvelshu d`Vel`nahr nachweisen. Ich werde den Kontakt zu einem geeigneten Heiler indizieren. Erwarten Sie in Kürze meinen Ruf, um uns an Bord zu holen.“

„Der Dank ist auf unserer Seite Ma‘am!“, erwiderte Dr. McCoy mit einer leichten Verbeugung, ganz der Südstaatengentleman.

Als der Bildschirm wieder die Schwärze des Alls zeigte, trat Nyota zu Leonard und lege ihm einen zarten Kuss auf die Lippen. Er errötete dezent, denn bis jetzt hatten sie ihre junge Beziehung noch geheim gehalten. Das würde schnell die Runde machen.

„Wofür war der jetzt?“ fragte er leise mit erhobener Augenbraue und leichtem Schmunzeln nach.

„Dafür, dass du mich vor einem vulcanischen Jugendlichen beschützt hast. Mir gefällt übrigens, wie dein Vokabular seit der Ankunft des Kindes auf dem Schiff drastisch blumig auflebt. Du bist echt süß“, flüsterte Nyota ihm ins Ohr.

„Naja, der Kleine soll doch keine schlechten Wörter lernen. Ich bin zwar der schräge, aber dennoch der liebe Onkel.“

Das entlockte ihr ein fröhlich klingendes Lachen. Sie verließen gemeinsam die Brücke und kehrten zu Jim und Spock auf die Krankenstation zurück.

=^=

Tbc …

¯\_(ツ)_/¯ Tja, schon wieder vorbei. Hoffe es hat euch gefallen.
Was der Heiler mit sich bringt, erfahrt ihr nächsten Samstag.

LLAP
Eure Ti Leyni Miju

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