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Crash and Burn

GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
James T. Kirk Leonard McCoy Spock
27.04.2021
23.10.2021
37
96.433
15
Alle Kapitel
23 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
11.08.2021 3.423
 
Hallo meine Lieben,

bereit für ein bisschen mehr von dem aufregenden Stoff? Na dann los.

Aber zuerst noch einen lieben Dank an SeraMis und SylvFan 71 für ihre lieben Reviews.
Ihr spornt durch eure Kommentare meine kreative Ecke zu mehr Hirnleistung an. (‾◡◝)

So und nun schnell rein in die Materie und schauen was mit Spock geschehen ist.

=^=


Familienbande Teil2

„Bleib ruhig liegen! Du wurdest angegriffen. Du bist womöglich lebensgefährlich verletzt. Medizinische Hilfe ist unterwegs. Die Täter entkamen auf einem Hoverbike. Sie haben dich hiermit niedergeschlagen“, sprach ein älterer Vulcanier auf ihn ein und hielt ihn für den Bruchteil einer Sekunde mit seiner durch seinen Robenärmel bedeckten Hand unten.

Spock wehrte sich nicht gegen den bestimmenden Druck und fixierte seinen Blick auf den verschwommenen Gegenstand vor seinen Augen. Der ältere Vulcanier zeigte ihm einen zerbrochenen, dicken Schlagstock. Schließlich erkannte er darin das Äquivalent eines irdischen Baseballschlägers. Darauf war am dicken Ende ein Symbol eingebrannt.

Das Symbol zeigte einen Drachen mit einem durch den Kopf gestoßenen Säbel und wurde von einer kleinen, kaum bekannten radikalen Gruppe als Emblem verwendet, welche die absolute Reinheit der vulcanischen Rasse aufs äußerste einforderte. Sie nannten sich die Tvelshu d`Vel`nahr, was man in etwa mit die einzige Entscheidung für Vulcan übersetzen konnte. Ihre Anführerin war natürlich keine geringere Person als T`Pring.

=^=

Nyota saß mit Leonard auf dem kleinen Zweisitzer im Wohnzimmer von Sareks Haus und betrachtete den Captain, wie dieser jetzt friedlich ausgestreckt dalag und mit seinem neuen Sohn kuschelte. Sanft hob und senkte sich sein Brustkorb und die Hand wurde immer träger, die zärtlich über den kleinen Rücken strich.

Als Len ihn vor nicht ganz einer viertel Stunde her gebracht hatte, war er nur ein zitterndes Häufchen Elend gewesen. Die Hypo mit der er vom Arzt geschlagen wurde und die sanfte Ermahnung sich hinzulegen, hatten kaum ausgereicht seinen inneren Aufruhr zu besänftigen. Er zappelte schier unaufhörlich.

Sie hatte ihm etwas von Spocks Tee gebracht und dann einfach das schlafende Baby auf den Bauch gelegt. Erst damit fuhr sein System runter und er beruhigte sich.

„Das hast du gut gemacht“, raunte ihr Len ins Ohr und drückte ihr einen flüchtigen Kuss auf die Schläfe.

„Ich denke das war nicht allein mein Verdienst“, flüsterte sie mit einem lieblichen Lächeln auf den Lippen zurück und lehnte sich wieder in die gemütliche Umarmung ihres Freundes.

Es war eine einträchtige Stille, beinahe schon zu friedlich, fand sie. Und da passierte es.

Jim schreckte keuchend auf.

„Spock!“ hauchte er mit starr geweiteten Augen und eine seiner Hände fuhr in die Leere über sich, während die andere den schlafenden Säugling im Reflex fester an sich drückte.

Leonard und Nyota waren sofort bei ihm. Sie nahm das Baby von seiner Brust und er schob mit kryptischer Miene den medizinischen Tricorder zur Datengewinnung über ihn.

„Jim?!“

„Mir geht es gut. Es ist Spock. Bones schnapp dein Zeug! Wir müssen zu ihm. Er – arrgh … Fuck!“

Kaum war Jim aufgestanden, fiel er zu Boden und unsagbar starke Schmerzen schossen über das Band in seinem Kopf durch seinen Rücken hinab. Er drückte seine Fäuste so fest auf die Augen, dass er meinte sie könnten patzen. Doch der Schmerz – Es tat so weh! - Spock tat so weh!

„Verdammter Vulcan-Voodoo! Was ist mit Spock? Wo finde ich ihn? - JIM! Konzentriere dich Junge! Hilf mir, damit ich ihm helfen kann!“ drängte Bones mit dröhnender Stimme auf seine Ohren ein.

„Ruf Scotty!“ knirschte Jim zwischen zusammen gepressten Kiefern hervor.

Ein kühles Hypospray entlud sich in seinem Nacken.

„Aaahww...“, heulte Jim auf und Tränen rannen zwischen seinen fingern hervor.

„Komm schon, wird gleich besser. Ich habe dir eine winzige Dosis Lexorin verpasst. Das sollte die Übertragung von Spock ein wenig drücken, bis er sich wieder kontrollieren kann.“

Jim zog seine Beine an seinen Körper, schlang seine Arme darum und stützte seine Kopf auf den Knien ab. Sein Atem fing an gleichmäßiger zu fließen und fand schließlich wieder zu seinem normalen Rhythmus, während Bones ihm auf dem Rücken beruhigende Kreise rieb.

„Hast du‘s?“

Jim hob den Kopf und blickte ihn dankbar und zugleich der Verzweiflung nahe mit einem so starken Blau aus geröteten Augen entgegen. Er nickte kaum merklich.

„Ruf Scotty! Er soll Spocks Kommunikator anfunken und uns dort hin beamen. Schnell!“

Nyota stand verloren daneben, schaukelte den kleinen Jungen und sah zu wie die beiden Sekunden später im Transporternebel verschwanden. Sie seufzte leise und setzte sich wieder auf den Zweisitzer.

„Da wäre wir wieder allein“, murmelte sie leise und rückte sich das Kind auf dem Arm zurecht. Ihre Gedanken aber wanderten zu Spock. Was mochte ihm nur geschehen sein?

=^=

Es hatten sich inzwischen einige Leute um den verletzten Mann versammelt und beratschlagten über die logische Vorgehensweise die Täter ausfindig zu machen, da die medizinische Versorgung in wenigen Minuten eintreffen würde. Einer der anwesenden Vulcanier nahm gerade die Aussage eines Zeugen zum Vorfall auf, als das Rettungsmobil eintraf. Zwei Sanitäter entstiegen dem Gefährt mit einer Schwebetrage und traten mit einer arrogant, gähnenden Ruhe heran. Man könnte als entfernt stehender Betrachter fast den Eindruck gewinnen, ihnen würde beim Gehen Efeu in die Schuhe wachsen.

Sie winkten die Umstehenden gelassen auseinander. Offenbar besaßen Vulcanier einen großen Hang für Sensationslust, auch wenn sie dies öffentlich negieren und in diesem Fall logischer weise mit politisch notwendigem Interesse abtun würden. Die oberflächliche Erstuntersuchung fiel nur sehr spärlich mit einem Tricorder aus, der kaum über Spock gezogen und gleich wieder eingesteckt wurde.

„Wir müssen dich mitnehmen, Spock“, sagte einer der Sanitäter.

„Sie werden ihn nirgendwo hin mitnehmen!“ donnerte das eine Stimme laut durch die Menge.

Die Augen des Sanitäters zuckten kurz und er erhob sich aus seiner hockenden Position.

„Wenn Sie erlauben Mister ? ...“ hob der Vulcanier an.

„Ich erlaube gar nichts. Dieser Mann ist Offizier der Sternenflotte und untersteht meinem Kommando. - Bones kümmere dich um Spock! - Niemand fasst ihn an!“

Er gehorchte und kniete sich rasch zu Spock. Sein Tricorder tanze sorgfältig über ihn.

„Spock, ich bereite dich zum Transport vor. Halte dich so ruhig wie du kannst. Mehrere deiner Wirbel sind zertrümmert. Aber dein Rückenmark ist noch durchgängig. Wir haben noch eine Chance“, klärte er ihn leise auf, während Jim vor ihm mit den beiden Sanitätern stritt.

„Wenn er nicht von uns behandelt wird, könnten dauerhafte Schäden zurückbleiben“, versuchte der Sanitäter erneut die Macht über Spocks Behandlung zu erlangen.

„Vergiss es! Mein Bondmate wird von meinem CMO, seinem Arzt behandelt. Und nun zieh Leine!“ zischte Jim.

„Ich glaube nicht Captain Kirk!“ erwiderte nun der zweite Sanitäter und zog aus der Medizintasche einen geladenen Phaser hervor.

„Jetzt Scotty!“ rief Bones in den noch immer offenen Kanal.

Die umstehenden Vulcanier wichen entsetzt einige Schritte zurück. Doch da lösten sich die Offiziere der Enterprise bereits in ihre Moleküle auf. Die zwei als Sanitäter verkleideten Vulcanier schauten sich für einen Moment verdattert an und drehten sich dann auf ihren Absätzen um, um zu verschwinden. Jedoch lösten auch sie sich nur wenige Augenblicke später im Transporternebel auf und fanden sich ohne ihre Waffen in der Brigg der Enterprise wieder, wo sie von einem grimmig aussehenden Offizier begrüßt wurden.

=^=

Spock, Jim und Bones materialisierten direkt im OP.

„Jim du muss dich jetzt verabschieden!“ befahl Bones und rief aus der Tür bereits nach Christines helfender Hand.

„Christine! Not-OP!“

Schon kam sie ohne weitere Fragen gerannt.

„Spock, ich bin bei dir. Ich warte gleich hier vor der Tür auf dich. Ich liebe dich!“ flüsterte Jim.

Ein kurzer Kuss auf die geschlossenen Augen und eine leichte Bürste über die kühle Haut der rechten Hand und dann wurde er von Christine bestimmt aus dem Raum geschoben.

Jim sank vor der Tür auf den Boden und zog seine Beine an seinen Körper, umschlang sie mit seinen Armen, um seinen Kopf auf den Knien auszuruhen. Er sehnte sich jetzt nach einer Reaktion ihres Bandes, doch durch das Lexorin konnte er Spock gerade nicht fühlen. Es war betäubt, lag beängstigend still. Der Baum im Mindspace schwieg in vollkommener Stille. Kein Lüftchen rührte ein Blatt. Das Atmen fiel bedrückend ihm schwer. Noch vor wenigen Minuten hatte er hier das totale Glück erlebt. Und nun ? - Was fühlte er nun? - Totale Einsamkeit und - Stille? - Angst? - Verzweiflung?

Oh bitte! Verlass mich nicht! Bitte! - T`hy`la – verlass mich nicht!“

Ein Körper, der neben ihn rutschte, und der Duft von Kaffee holten ihn zurück ihn die wirkliche Welt. Es war Nyota, die ihm einen Becher des schwarzen Gebräus unter die Nase hielt.

Woah, was? Hey du bist es nur.“

„Hier Kirk, trink! Hab gedacht du könntest den brauchen. Du sitzt hier schon seit sieben Stunden ohne dich zu bewegen.

„Danke. Wo ist Thommy-Jay?“

„Keine Sorge. Ihm geht es gut. Sein Großvater Sarek kümmert sich gerade liebevoll um ihn. Er war sehr bestürzt, als er von dem erneuten Attentat erfuhr. Er ist mit ihm in meinem Quartier.“

Skeptisch verzog Jim sein Gesicht. Sarek und liebevoll kümmern? Das konnte er sich irgendwie gerade nicht so wirklich vorstellen. Andererseits würde er mit einem Säugling umzugehen wissen. Immerhin war er ja Vater von zwei Söhnen und einer Ziehtochter. Ja gut, Michael zählte nicht wirklich, da sie schon aus den Windeln war als er sie in seine Familie aufnahm.

T`Pau hat die Täter in der Brigg aufgesucht und bereits befragt“, berichtete Nyota weiter. „Sie wollte sie gleich mitnehmen und der vulcanischen Gerichtsbarkeit zuführen. Giotto will sie aber erst frei geben, wenn du dein Okay dazu gibst.

Das entlockte Jim wiederum ein dezentes Grinsen. Sein Sicherheitschef ging gegen das Oberhaupt von Vulcan. Respekt!

„Echt jetzt?“

Sie nickte mit einem breiten Lächeln.

„Hat es mir selbst erzählt. T`Pau war zwar nicht gerade ...“

In dem Moment öffnete sich die Tür zum OP-Raum und Bones trat heraus. Er sah völlig erschöpft aus. Jim sprang regelrecht vom Boden hoch. Den Kaffee und das Gespräch mit Nyota gerieten dabei total in Vergessenheit.

„Bones, wie – wie geht es ihm? Ist er …? Wird er …? Ist er okay?“

„War `ne dicke Pille. Er braucht jetzt Ruhe und `ne Menge von seinem Vulcan-Hokuspokus. Der Knochenstricker arbeitet noch ein paar Risse über seinen Rippen aus ihm. Du kannst ihn für fünf Minuten sehen und dann kümmerst du dich erst mal um deine Bedürfnisse. Du siehst grauenvoll aus, gerades so, als wärst du aus der letzten Gosse gekrochen“, murrte Bones ihn an und ließ ihn mit einem freundschaftlichen Schulterklopfer passieren.

Jim setzte sich auf den Hocker, den Christine ihm hinschob. Ganz zaghaft strich er ihm eine verirrte Strähne aus der Stirn und betrachtete den sanft grünlichen Teint seines Mannes. Wie hatte er ihn doch vermisst und tat es eigentlich immer noch!

„Bones? Ist er noch …?“

„Nein, er ist direkt von der Narkose in Heiltrance übergegangen. M`Benga hat gesagt, das passiert bei solch schwerwiegenden Eingriffen schon mal. Du sollst dir keine Gedanken machen, wenn es in deinem Kopf gerade recht ruhig ist. Du merkst schon wenn er aufwacht.“

Das medizinische Gerät gab einen Signalton von sich und kündigte den Abschluss der Prozedur an.

„So Jim. Jetzt mach, dass du hier raus kommst. Ich hab noch eine Menge mit dem Kobold zu erledigen. Geh duschen und iss was! Kümmere dich um euer Kind! Geh schlafen oder was auch immer! Vor morgen 0800 will ich dich hier nicht sehen!“

„Oh Bonsey, kann ich nicht hier bleiben?“ bettelte er.

„Nein, raus mit dir! Ich hab zu tun. Du würdest dabei nur im Wege stehen.“

„Du bist gemein“, murrte Jim und trabte von dannen.

„Ich liebe dich auch, Junge!“

Jim hatte das Gefühl, als würde sich die Tür hinter ihm heute extra schnell schließen um ihn von Spock zu trennen. Er stand für Augenblick einfach nur da und starrte finster auf dieses geschlossenen graue Teil. Dann zupfte ihn jemand am Ärmel.

„Komm schon Kirk, sonst schlägt dich Len mit einer Hypo, wenn er dich hier findet wie du seine Türen nieder starrst“, neckte Nyota sanft. „Ich glaube Thommy ist gleich mit der nächsten Flasche fällig. Das willst du doch bestimmt selbst machen, oder?“

„Eh, ja. Thommy-Jay. Natürlich. Richtig. - Ich, ich sollte ihn füttern gehen“, stammelte Jim verlegen und folgte ihr mit langsam trottenden Schritten in Gedanken trotzdem bei Spock verweilend.

Er hatte gerade nicht wirklich Lust auf seinen Schwiegervater zu treffen. Die wenigen Minuten vom frühen Morgen hatten bei weitem nicht ausgereicht sich vernünftig gegenüber zutreten und die Unannehmlichkeit aus dem Weg zu schaffen, die ihre letzte Begegnung hinterlassen hatte. Wieder huschte für einen Augenblick ein Gedankenfetzen vor seinem inneren Auge vorbei. Sarek rief Spock auf der Brücke scharf an, weil er ihn im Würgegriff über einer Konsole zu liegen hatte, da er ihn mit dem Tot seiner Mutter aus der Reserve gekitzelt hatte. Er fragte sich, ob er wohl jemals diesen hässlichsten, schändlichsten Augenblick seines Lebens überwinden würde oder ob er für immer dafür vor Spock und seinen Angehörigen zu Kreuze kriechen würde. Ungewollt entwich ihm ein schweres Seufzen.

Sie bogen in den Korridor von Uhuras Quartier und hörten bereits lautes Babyschreien durch die verschlossene Tür dringen. Wenn es hier bereits zu hören war, was mochte es dann bloß den empfindlichen Vulcanierohren antun? Jim beschleunigte seine Schritte und war in Sekunden da. Der Anblick traf ihn wirklich. Sareks sonst so ruhig sortierte Miene sprach Bände von Verzweiflung. Kaum dass sich die Tür geöffnet hatte, schoss er ihm entgegen und drückte ihm das kleine schreiende Etwas in die Arme. Erleichtert, von der Verantwortung befreit zu sein, nahm er einen so tiefen Atemzug und seufzte schwer beim Auslassen der Luft.

„Es ist mir ein Rätsel, wie es menschliche Eltern fertig bringen, ihren Nachwuchs durch diese, ich würde es fast barbarisch nennen, Zeit zu bringen. Sie sind unglaublich laut. Wie können sie wissen was ihr Kind bedarf? Vulcanische Kinder haben bereits vor der Geburt eine mentale Bindung zu ihren Eltern aufgebaut und kommunizieren ihre Bedürfnisse ohne zu schreien.“

Kirk lächelte ihn nachsichtig an und drapierte den Kleinen in seinem Spezialgriff. Natürlich beruhigte sich Thommy in wenigen Sekunden und erstaunte den Botschafter um so mehr. Er gab ihm einen kleinen Einblick in Babys kommunikative Fähigkeiten.

„Wissen Sie Botschafter Sarek, menschliche Säuglinge entwickeln recht schnell mit ihren Eltern eine Kommunikation mit Hilfe des Schreiens. Jedes Schreien klingt dabei anders. Das was er gerade gemacht hat, dieses Hngäh-Hngäh, hört sich fast so an wie Hunger-Hunger, bedeutet nichts anderes als er braucht Nahrung. Wenn ihm ein Pups weh täte, würde sich sein Schreien in die Länge ziehen, etwa so Huwääääh! und dabei könnte seinen kleiner Mund entsetzlich zittern und sein Körper würde sich abwechselnd steif machen und die Beinchen dann wiederum strampeln. So gibt es für jedes Problem ein Schreimuster. Säuglinge sind eigentlich einfach zu befriedigen. Sie müssen nur hinhören und hinsehen, das Kind als ganzes Paket betrachten und danach handeln. Es gibt nichts falsch zu machen, außer es liegen und schreien zu lassen. Säuglinge sind Traglinge. Sie brauchen den körperlichen Kontakt für ihr Urvertrauen. Das Schreien wandelt sich in andere Laute und in einigen Monaten entstehen daraus Silben und Worte.“

Jim grinste freundlich und reichte den jetzt völlig ruhigen, aufmerksamen Thommy an den Botschafter zurück und drückte ihm die Flasche in die Hand, die Nyota soeben brachte. Sie verließ gleich darauf ihr Quartier, da ihre zweite Teilschicht in wenigen Minuten begann.

„Ich muss gestehen, ich bin beeindruckt von Ihren Fähigkeiten Mr. Kirk. Von Spocks Nestlingszeit habe ich nicht viel mitbekommen. Damals war ich in schwierige Verhandlungen eingebunden und musste Amanda bereits vier Tage nach der Geburt unseres Sohnes verlassen. Ich kam erst wieder als er bereits ein Jahr und zwei Monate alt war. Unsere Verbindung war demzufolge von Beginn an allenfalls spärlich. Meine Arbeit führte mich oftmals fort und so verstand ich seine mentalen Schwierigkeiten mit seinem dualen Erbe nicht, da ich es nicht sah. Unsere Beziehung blieb bestenfalls angespannt. Bis zu jenem Tag, als Vulcan unterging.“

Sarek schwieg nun und betrachtete, wie Thommy genüsslich an seiner Flasche nuckelte.

Jim schluckte trocken. Da war er wieder. Der Schandfleck seines Lebens. Er schlug beschämt die Augen nieder.

„Sir, ich...Es tut mir leid was ich damals auf der Brücke sagte. Spock, er, natürlich hat er seine Mutter geliebt. Es war nur, ich musste etwas tun, um ihn dazu zu bringen seine Kompromittierung öffentlich zuzugeben. Der Tag war die Hölle. Nero durfte doch nicht noch einen Planeten in den Tot schicken. Sich mit der Flotte im Laurentianischen System zutreffen wäre der falsche Weg gewesen. Ich entschuldige mich hiermit offiziell bei Ihnen für die öffentliche Bloßstellung Ihres Sohnes vor versammelter Brückencrew und bin bereit jede Strafe von Ihnen als Konsequenz für meine Überschreitung in Spocks Privatsphäre zu akzeptieren.“

„Danke für Ihre aufrichtigen Worte. Nun gut, James Kirk. Ich denke, auch ich bin Ihnen eine Entschuldigung schuldig. Dass Sie als Kind von Vulcan zur Erde zurückgeschickt wurden, ist mein Verschulden. Als mir von Sonakh die zufällig entstandene Bindung an ein Menschenkind mitgeteilt wurde, sah ich keinen anderen Weg als ihn aufzufordern diese Bindung sofort wieder zu trennen.“

Jim horchte auf und seine blauen Augen bohrten sich nun mit einem nicht gerade kleinen Anteil von Wut tief in die fast schwarz glühenden Iriden des Botschafters. Aber er hielt sich zurück, wollte dem Vater von Spock die gleiche Chance einräumen, die er soeben auch bekommen hatte. So hörte er weiter zu und öffnete und schloss stattdessen in hastiger Eile seine Rechte Faust, die in seiner linken Hand ruhte.

„Amanda hat mir seinerzeit deswegen wirklich die Hölle einfrieren lassen. Ich verspüre in der Tat jedoch Erleichterung, dass sich Sonakh meiner Anweisung widersetzt hat und sich die Bindung zu gegebener Zeit vervollständigen konnte. Auch meiner Mutter bin ich in dieser Angelegenheit wohl zu tiefstem Dank verpflichtet, hielt ich doch Spocks störrische Art in jener Nacht für die Nachwirkung der vermeintlich erneuten Trennung eines Bondings. Ich erkenne jetzt, wie falsch ich damals lag. Und möchte sagen, ich bin stolz, dich James, als starken Partner meines Sohnes in der Familie Willkommen zu heißen. Amanda wäre sicher stolz und erfreut darüber.“

Sarek hatte ihm nach irdischer Art das ‘Du‘ angeboten. Unter Vulcaniern gab es solch eine Abgrenzung eigentlich nicht. Und das was er hier gerade ausgeplaudert hatte, war soweit aus der Komfortzone eines stolzen Vulcaniers wie Sarek. Da konnte Jim nicht anders, als seine Wut einzupacken und irgendwo in sich zu verstecken. Das konnte er gut. Damit konnte er umgehen. Das war sein Leben.

„Ühm, ich denke mal, Danke?“ erwiderte Jim ein wenig unsicher und erleichtert zugleich.

Thomas-Jay hatte seine Flasche beendet und wand sich nun unruhig auf dem Arm des Botschafters, fing an zu ningeln und verzog unglücklich sein Gesichtchen.

„Was hat er?“ fragte Sarek irritiert.

„Er muss aufstoßen. Einfach aufrecht nehmen und leicht auf den Rücken klopfen“, tänzelte Jim geschickt um die persönliche Anrede herum.

Er half Sarek den Säugling in der richtigen Position anzuordnen und dann dauerte es auch nicht lange und der Erfolg stellte sich fast von selbst ein. An beiden Enden. Sarek rümpfte dezent pikiert die Nase. Seine Geruchsnerven waren nun mal wesentlich empfindlicher als die eines Menschen.

„Okay, ich nehme das Goldkind mal lieber und bringe es in trockene Tücher. Das mache ich aber nicht im Quartier meiner Kommunikationsoffizierin. Sie nimmt ihn zwar mal für `ne halbe Stunde, aber das hier erledige ich bei uns oder in der Kinderstube auf der Krankenstation“, erklärte Jim höflich.

„Dann will ich dich nicht weiter von deiner Aufgabe abhalten, Sohn. Ich werde mich noch nach Spocks Zustand erkundigen und dann nach Neu-Vulcan beamen. Danke für das Gespräch. T`Pau und ich erwarten euch sobald Spock sich erholt hat.“

Sarek bot ihm einen formvollendeten Ta`al mit besten Wünschen für eine ausgeglichene Nachtruhe, den Jim ohne zögern erwiderte.

„Natürlich Sarek. Ich wünsche Ihnen, - ähm, dir eine geruhsame Nachtruhe“, versuchte er sich zum ersten Mal an der persönlichen Anrede und bemerkte, dass es sich gar nicht so falsch anfühlte.

Dann trennten sich ihre Wege.

In seinem Quartier versorgte er den Kleinen und brachte ihn in sein Bettchen. Er selbst fühlte sich auch ausgelaugt. Der Tag hatte sich so endlos angefühlt, obwohl er eigentlich nichts wertvolles geschaffen hatte. Der Morgen in der Halle des Hohen Rates war die Hölle für ihn und kurz danach war es nach einem Moment des Friedens, als ob ihm der Boden des Lebens erneut unter den Füßen entrissen würde. Selbst jetzt konnte er noch immer nicht die Verbindung zu Spock in seinem Kopf spüren. Er wälzte sich unruhig in seinem Bett von einer Seite auf die andere und machte sich langsam Sorgen, ob das Lexorin der Bindung geschadet hatte. Obwohl sein Magen knurrte, stand er nicht auf um etwas zu essen, Spocks Wärme fehlte ihm dazu einfach in Geist und Körper. Irgendwann fiel er schließlich in einen unruhigen Schlaf voller dunkler, schwerer Träume.

=^=

Tbc …

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