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Crash and Burn

GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
James T. Kirk Leonard McCoy Spock
27.04.2021
20.09.2021
35
92.450
12
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14.07.2021 4.067
 
=^=

Lamettaträger

Die Konferenz um 0900 begann mit einem großen „Hallo“ indem alle anwesenden Führungsoffiziere natürlich erst einmal ihre Freude darüber ausdrückten, dass der Captain nun wieder wohlbehalten auf dem Schiff zurück war und ihre Glückwünsche zur Genesung der beiden loswerden mussten.

Nachdem dann endlich Ruhe einkehrte, brachte Scotty sie auf den neuesten Stand und klärte den Captain und den Commander über die Gefangenen und ein paar Details über ihre Inobhutnahme auf. Anschließend berichtete er, was sie bereits von ihren Leuten über die Zustände auf der Raumstation Alpha Sigma Sieben in Erfahrung bringen konnten und was sie zu erwarten hatten. Kirk erfuhr nun die genauen Hintergründe, warum sie überhaupt Leute dort lassen gelassen hatten.

Die einzelnen Abteilungsleiter lieferten danach ihren Statusbericht wie üblich ab und damit war die Sitzung auch schon nach einer Stunde beendet. Alle bis auf Kirk, Spock und McCoy verließen den Raum.

Jim war nicht sehr erfreut über die Aussicht in zwei Prozessen anwesend sein zu müssen. Zum einen betraf es ihn weniger, da es eher Spock zu verantworten hatte und er die Sache mit der Interimsmannschaft für die Station ausgehandelt hatte. Doch die andere Sache ging ihm schon jetzt ziemlich unter die Haut. Laut Uhura war die Saratoga mit Admiral Komak und Admiral Barnett höchstpersönlich vor zwei Tagen dort eingetroffen und sie erwarteten explizite Aussagen von ihm als auch von Kevin zu Dr. Draven alias Kodos dem Henker von Tarsus IV.


„Jim, alles in Ordnung?“, fragte Leonard an, dem die tiefen Sorgenfalten auf der Stirn seines besten Freundes nicht entgangen waren.

„Nope, ich muss mit Riley sprechen. VERDAMMTER BULLSHIT!“, brauste er plötzlich voller Wut auf und schlug mit beiden Fäusten hart auf den Tisch. Er zitterte und seine Lungen pressten die Luft in eiligen Zügen zischend zwischen seinen Zähnen hin und her. Er wollte nicht darüber reden und schon gar nicht wollte er das letzte seiner Kinder unter dem Druck der Admiralität brechen sehen, wenn längst begrabene Erinnerungen durch Verhöre wieder belebt wurden.

McCoy zuckte unter diesem Ausbruch buchstäblich zusammen. Er hatte etwas einfaches erwartet, eine Geste, eine flachsige Bemerkung, aber nicht eine so starke Gefühlsäußerung. Jim litt ganz offensichtlich unter den Auswirkungen seiner Entführung und projizierte womöglich auf den jungen Fähnrich. Denn er selbst hatte den jungen Mann als selbstbewusst, unerschütterlich und sehr stark kennen gelernt. Was also sollte es ihm ausmachen über seine Aktivität bei der Rettung des Captains auszusagen?

Er zückte ein Hypo und drückte es Jim sanft in den Nacken. Jim beschwerte sich nicht einmal, als Leonard über die Haut den Injektion rieb. Allmählich ließ das Zittern nach und Jims Blick klärte sich, die Atmung beruhigte sich, die Panik ließ nach. Spock schob ihm ein Glas mit Wasser vor die Nase und hielt eine seiner Fäuste reibend, damit sie sich lockerte.

„Was...? Was ist mit mir los? Warum bin ich hier? Spock ich fühl mich nicht gut. Bring mich bitte runter!“, murmelte Jim und rutschte halb aus dem Stuhl.

„Ist schon gut Ashayam. Du hattest einen kleinen Blackout. Leonard hat dir was gegeben. Es sollte dir gleich besser gehen. Ich bringe dich in dein Quartier“, sprach Spock über den mentalen Äther und hob ihn mühelos in seine Arme.

McCoy nahm die Gehhilfen und ging voran. Bedauernde Blicke folgten ihnen auf den Gängen, hatten doch alle von der glücklichen Rettung und Genesung des Captains gehört und doch sahen nun einige, dass es wohl noch nicht ganz an dem war. Im Schiffsklatsch würde dies sicher schnell die Runde machen.

Jim würde es hassen, definitiv.

Schlagzeile: „Erster Offizier trägt Captain bewusstlos im Brautstil durchs Schiff!“

Finster erwiderte der Arzt deshalb die Blicke derer, denen sie begegneten und deutete damit an, sie sollten es ja nicht wagen irgendwelche Gerüchte in die Klatschpresse des Schiffes zu setzen, sonst würde ihre nächste Physische besonders ausgiebig und schmerzhaft sein. Es schien zu funktionieren, denn sie senkten beschämt ihre Augen oder huschten eilig zur Seite, geschäftig tuend.

Im Quartier angekommen, legte Spock seinen Partner behutsam auf dem Bett ab und Leonard befahl ihm bei ihm zu bleiben. Die Beruhigung würde nicht lange anhalten. Jim würde höchstens für ein, zwei Stunden schlafen und er wollte, dass Jim nicht allein war wenn er wieder zu sich kam. Er hielt es für sinnvoller, dass Spock bei ihm wäre, da er sicher sauer auf ihn sein würde, da er ihn mit einer Hypo raus genommen hatte. Schließlich kannte er Jim gut genug. Spock würde ihn zu nehmen wissen.

Er wies ihn noch an, Jim solle dann ordentlich zu Mittag essen und könne dann zur Physiotherapie auf die Krankenstation kommen. Es wäre dafür noch genug Zeit bis sie gegen 17.23 auf der Raumbasis eintreffen würden. Für heute wäre er noch vom Brückendienst freigestellt. Fähnrich Riley würde er derweil schon instruieren und Jim somit diese eine Aufgabe abnehmen. Damit verließ er Spock und sein Dornröschen und kehrte auf seine Station zurück.

Spock kehrte zu Jim zurück und entfernte die Schuhe, sowie die Hose und Unifrom-Shirt ohne ihn zu wecken. Behutsam deckte er ihn zur Hälfte mit der leichten Decke zu und gab ihm den Hauch eines Kusses auf die Haare. Dann wandte er sich ab und setzte sich an den Schreibtisch, öffnete den Arbeitsbereich am PC und meldete sich mit seinen Zugangsdaten an. Er arbeitete liegen gebliebene Arbeit von zwei Wochen auf und machte sich dann an die Berichte, die sein Captain für gewöhnlich durcharbeiten würde, die er in Eigenschaft eines Commander aber genauso gut entgegennehmen und abzeichnen durfte.

Gelegentlich schweifte sein Fokus ab und er horchte auf die sanft pulsierenden Schwingungen der Bindung wenn Jim im Schlaf stöhnte oder sich unruhig hin und her zu wälzen begann. Eine zarte Berührung von Jims Geist reichte aus um ihn sofort zu beruhigen und friedlich weiter schlafen zu lassen. Er konnte es wahrlich gebrauchen, bei dem was in den letzten Tagen auf ihn eingestürmt war.

Nach exakt zwei Stunden konzentrierter Arbeit hatte Spock alle Rückstände eingeholt und die bürokratischen Angelegenheiten waren wieder auf dem neuesten Stand. Er bat bei Uhura leise nach dem Status auf der Brücke, erhob sich anschließend, genehmigte sich eine Streckung seiner steifen Glieder, leerte sein Wasserglas und kehrte dann befriedigt an Jims Seite zurück. Jim bemerkt nur unterbewusst wie die Matratze neben ihm einsank und kuschelte sich vor seinen Traumdämonen Schutz suchend an diese, wie aus dem Nichts aufgetauchte, wunderbare Wärmequelle]und seufzte kaum hörbar.

Spock lächelte dezent über diesen winzigen Laut und zog Jim enger an sich heran, bot Komfort und streichelte in weichen, sanften Zügen über den Rücken und Haaransatz seines Partners. Dabei ließ er sich in eine leichte Meditation sinken und dachte darüber nach, wie er zu diesem wundervollen Mann an seiner Seite gekommen war.

Nicht ganz eine Stunde später holte ihn das leise Zirpen seines Kommunikators aus den Gedankenströmen seiner Meditation. Jim stöhnte und zog sich sichtlich gestört von dem Geräusch
die Decke über den Kopf. Spock entstieg dem gemütlichen Nest und nahm den Ruf entgegen.

„Spock hier!“

„Commander, hier Dr. McCoy. Hat der Captain schon zu Mittag gegessen? Es ist bereits halb zwei durch und die Verteiler geben seine Codierung noch nicht preis.“

„Nein, er schläft immer noch.“

Es setzte sich neben Jim auf das Bett und begann ihm wieder über den Rücken zu streichen.

„Hmpf! Weck ihn auf, fütter ihn und dann bring ihn her! Er muss mit seinem Training beginnen.“

„Och Bones, kann ich nicht noch liegen bleiben? S‘is grad so schön gemütlich hier“, murmelte Jim verschlafen unter seiner Decke hervor.

„Nein man, du stehst jetzt auf, isst was und kommst gefälligst her! Jungchen, du hast ein gewaltiges Programm vor dir und in nicht mal vier Stunden sind wir bereits mit den Lamettaträgern verabredet. Also komm in die Hufe, sonst komm ich rauf und mach dir persönlich flinke Füße“, tönte Leonards Stimme in seiner brummigen Art durch den Kommunikator.

„Is ja schon gut Papi“, flachste Jim, rollte sich gerade auf den Rücken und räkelte sich genüsslich „Ich steh gleich auf. Bis dann.“

=^=

Etwas später maulte Jim unter den Anstrengungen der therapeutischen Übungen. Er litt Schmerzen unter der Stimulation den Nerven und ihm war unwohl bei der Aussicht auf das bevorstehende Treffen mit der Admiralität. Als er dann auch noch zu Boden stürzte und von Bones mit einem Hypo bedacht wurde, reichte es ihm und er schimpfte seinen besten Freund ungnädig und schlecht gelaunt aus.

„Du zeigst heute echt eine sadistische Art mit deinem Lieblingspatienten umzugehen. Schalte endlich diese Folterwaffe an meinem Bein ab! Das Ding grillt mich sonst noch. Fuck, ich bin doch kein Brathühnchen.“

„Sei kein Baby! Siebenunddreißig Milliampere sind eine normale Stärke für einen Impulsgeber. Schau nur wie gut sich dein Fuß mit der Verstärkung deiner winzigen elektrischen Eigenaktivität hebt. Du wirst das in den nächsten Tagen stundenweise tragen und die Zeitspanne die du es trägst vergrößern. Es verbessert insgesamt dein Gangbild und die Leitfähigkeit deiner neu gebildeten Nerven. Wenn du schön brav bist, brauchst du als kleines Bonbon währenddessen die Gehstützen nicht benutzen.“

„Oh wie großzügig von dir“, scherzte Jim trocken und tat sich trotzdem leid. Er hasste diese unscheinbare, dünne Manschette, die ihm bei jedem Schritt einen Stromschlag seitlich, außen in den Wadenmuskel feuerte und damit den Fuß hob. Aber er musste Bones zugleich Recht geben, solange dieses Teil an ihm haftete, war er nicht ein einziges Mal gestolpert und der Fuß lief völlig normal. Damit würde er im Nu wieder zu voller Leistung auflaufen können. Also Augen zu und durch!

=^=

Das problemlose Andockmanöver hatte der Captain und sein Commander von der Brücke aus verfolgt und wie es sich gehörte vorschriftsmäßig im Logbuch vermerkt. Ein Check-Out für die Crew was zunächst nicht geplant, bis die Widrigkeiten der mangelhaften Stationsführung geklärt waren. Somit war es ein schneller Weg für Jim und Spock zur Andockschleuse, wo Bones bereits mit seinem Medkit auf sie wartete. Jim verdrehte nicht mal die Augen, als er das Paket sah. Er wusste, sein Freund würde noch die nächsten Wochen wie eine Glucke um ihn sein.

Die Luke öffnete sich und sie wurden von einer Corporal mittleren Alters und zwei jüngeren Sicherheitsmännern von der Enterprisecrew in Empfang genommen. Sie grüßten natürlich sehr erfreut ihren Captain zu sehen. Ein Techniker machte sich gerade an der Abdeckung einer Konsole zu schaffen, aber auch er unterbrach und grüßte ebenfalls die Ranghöheren Offiziere wie es sich gehörte.

„Captain Kirk, Commander Spock, ...“, sie warf einen kurzen Blick auf die Rangabzeichen der Galauniform des dritten Mannes vor sich und erkannte darin die Ausweisung eines CMO. Leonard missfiel diese kurze Musterung seiner selbst. „ … und ich nehme an Dr. McCoy!?“

Ja klar gibt es denn sonst noch einen anderen CMO auf diesem Schiff?

„Willkommen auf Station Alpha Sigma Sieben. Ich bin Corporal Faye Andrews, persönlicher Yeoman von Admiral Barnett. Wenn Sie mir bitte folgen möchten? Ich habe Anweisung Sie zum Konferenzraum II zu geleiten. Sie werden dort bereits erwartet.“

Sie salutierte wie die Wachmänner vor dem Captain des Flaggschiffes.

„Nach Ihnen!“, bat Jim mit seinem noch immer jung wirkenden charmanten Lächeln.

Die Strecke von der Andockschleuse bis zum Konferenzraum im Inneren der Raumbasis belief sich auf eine Dauer von fast zehn Gehminuten, unterbrochen von zwei kurzen Sequenzen in einem Turbolift, in denen sich der Captain leger an die Wand lehnte und seine Arme locker vor der Brust verschränkte. Er versuchte den Anschein von Langeweile zu erzeugen und gab sich mit seinem Commander und CMO einem belanglosen Gespräch hin. Jedoch konnte er die beiden nicht darüber hinwegtäuschen, wie anstrengend die Reise für ihn tatsächlich war. Sie kannten ihn einfach zu gut, hatten sich einen bestätigenden Blick zugeworfen und waren ihm subtil näher gerutscht, um ihm bei Bedarf die notwendige Stütze bieten zu können.

Dann erreichten sie endlich das Deck, auf welchem sich ihr Zielort befand. Corporal Faye Andrews betätigte den Summer und kündigte somit ihre Ankunft an. Auch hier öffneten sich die Türen mit dem typisch leisen Zischen. Die Yeoman ließ den Führungsoffizieren der Enterprise mit einer weisenden Geste den Vortritt in den Raum. Die Admirals, eben noch in einem innigen Gespräch vertieft, unterbrachen dieses, erhoben sich von ihren Sitzplätzen und kamen um den großen Tisch herum um sie zu empfangen.

„Captain Kirk! Commander Spock! Oh - und Doktor McCoy, Sie haben wir heute zwar nicht berufen, aber Willkommen!“ begrüßte Barnett die Ankömmlinge zuerst.

Ohne zu zögern trat McCoy vor und stellte sich in einer schützenden Position vor seine beiden Freunde.

„Bei allem Respekt Admiral Barnett, diese Männer...“, er deutete mit dem Daumen seiner geschlossenen Faust über seine Schulter „… sind dem Tode gerade nochmal eine Nasenlänge voraus von der Klippe gesprungen. Und mein Captain befindet sich nach seiner Tortur durch die Entführung noch mitten in der Rekonvaleszenz, da glauben Sie doch nicht allen Ernstes, dass ich meine Pflicht als CMO nicht kenne und die beiden aus meinen Augen lasse, um sie vor sich selbst und retrograden mentalen Belastungen zu schützen?!“

McCoys finsterer Blick war eine ehrliche, harte, ärztliche Kampfansage an den Admiral und hatte diesen beeindruckt, schockiert zurückweichen lassen. Die Einsatzbereitschaft dieses Arztes für das Wohl seiner Patienten war schließlich bis in die obersten Etagen der Flotte bekannt. An der empfangenden Leitung seines Grolls zu stehen war nicht wirklich empfehlenswert und fühlte sich gruselig an.

„Sie können sich entspannen Doktor. Ich bin nicht daran interessiert Sie an der Ausübung Ihrer Pflicht zu hindern.“ bot er darum versöhnlich an.

„Ich werde Sie beim Wort nehmen, Sir! Und denken Sie nicht, dass ich es nicht tun werde, denn ich schwöre, dass ich es in der ersten Sekunde tun werde, wenn ich denke, dass Sie die beiden zu sehr anstrengen...“, er verschränkte seine Arme demonstrativ vor der Brust, sah sehr verärgert aus, nahm einen kräftigen Atemzug um weiter zu wettern, wurde aber von Jim unterbrochen.

„Bones, lass gut sein. Ich würde mich wirklich langsam gern hinsetzten.“

Den Worten des Captains haftete eine subtile Note von Verzweiflung an. Verzweiflung darüber vor seinen Vorgesetzten in die Knie sinken zu müssen und zugleich, dass Bones sich in Schwierigkeiten bringen könnte. Doch weit gefehlt. Mit seinem knappen Befehl an seinen Freund erreichte er lediglich, dass dieser ein prüfendes Auge auf ihn warf und seine Hand über seinem Medkit schweben ließ. Jim schüttelte nur unmerklich mit dem Kopf, als eindeutiges Zeichen, ihm gehe es noch gut und er solle sich keine Mühe machen.

Aber Bones ließ sich nicht auf dieses Spiel ein und schon tanzte der Scanner seines Tricorders vor der Brust des Captains in kleinen Kreisen umher. Denn er hatte sehr wohl die stützende Hand von Spock bemerkt und auch die übermäßige Blässe, sowie der dezente Schweißschimmer auf seiner Stirn. Er kam nicht umhin ihm eine kleine Kopfnuss zu verpassen, als er die Werte vom Tricorder abgenommen hatte und erntete dafür ein leises Grollen von Spock.

Bones hob eine Hand an sein Gesicht und rieb sich die Nasenwurzel. Imaginäre Kopfschmerzen überfielen ihn gerade, Kopfschmerzen einer speziellen Sorte. Eine Art, die nur einmal im Universum auftrat. Ein Kopfschmerz namens Spirk . Mit nur der Hälfte des Paares zu streiten war manchmal schon eine Herausforderung. Aber mit beiden gleichzeitig vor den Admirälen zu tanzen, war einfach unmöglich. „Bleib ruhig Kobold, sonst fängst du dir auch eine ein! Ich rede jetzt mit dem Captain“, schnappte er leise hinter sich und zog dabei seinen ärztlichen Rang über beide. Spock schwieg tatsächlich und zog sich nur wenige Millimeter, kaum sichtbar zurück. Der imaginäre Kopfschmerz verwandelte sich in ein leichtes Kribbeln und ließ Bones für einen winzigen Moment grinsen.

Doch dann wandte er sich wieder mit gespielt finsterer Miene seinem akut bedrohten Patienten zu. „Jim, verdammt du bist total unterzuckert. Hast du vorhin nach deinem Training überhaupt gegessen wie ich es angeordnet hatte und eine Ruhepause eingelegt?“

„Ich hab einen Apfel gehabt und ich habe auch etwas gelegen. Du kannst Spock fragen. Ich war bei ihm. Er hat gut auf mich aufgepasst.“

Jim grinste neckisch und blickte zu Spock hinüber, welcher lediglich eine Augenbraue lupfte und seinen Kopf ein wenig neigte.

Leonard schüttelte missbilligend mit dem Kopf. Ein Hypospray sauste unsanft in Jims Nacken und ließ ihn leise jammern und mit der Hand über die unlieb behandelte Haut reiben.

„Sei nicht so ein Baby, du Holzkopf! Hättest du dich an meine Anweisung gehalten, deinen angereicherten Protein-Kohlehydrat-Drink getrunken und den horizontalen Tango nach der Trainingseinheit in der Physiotherapie weggelassen, wäre das jetzt nicht nötig gewesen. In ein, zwei Minuten geht es dir wieder gut“, schimpfte Bones ihn mürrisch aus.

Die Herren Admirals hielten sich taktvoll ein wenig zurück, bis der Doktor den Weg frei gab und sich neben seinen Captain auf dem nächsten freien Stuhl nieder ließ. Auch Spock nahm nun Platz und harrte der Dinge, die die Obersten von ihnen zu erfahren warteten.

„Captain Kirk, zunächst einmal ...“, hob Admiral Komak an„möchte ich Ihnen zu Ihrer beeindruckenden Crew gratulieren. Sie haben sich in einer außergewöhnlich prekären Situation als besonders fähig und belastbar erwiesen. Wir haben natürlich die Einsatzprotokolle und angefertigten Berichte der vergangenen Tage genau durchgesehen und erkennen den Wert der Arbeit Ihrer Männer und Frauen. Sie erhalten dafür umgehend in ihren jeweiligen Dienstakten eine Belobigung. Ihre Leute erhielten vor zwei Tagen Unterstützung durch die angeforderte Ablösung.“

Komak wählte diesen Moment für eine kurze gedankliche Verschnaufpause, atmete durch und riskierte einen kleinen Seitenblick auf den noch immer mürrisch drein schauenden CMO ehe er fortfuhr.

„Morgen um 08.00 beginnt der Prozess gegen die Angeklagten Mr. Vraxx, Mr. Mudd und einiger anderer Beteiligter in den folgenden Tagen. Alle verdächtigen Sternenflottenangehörigen wurden derweil bis auf weiteres vom Dienst suspendiert und ihrer jeweiligen Dienstgrade enthoben. Sie sind von Ihren Leuten sicher unter Arrest gestellt worden. Captain Kirk, wir benötigen Sie als vierten Vorsitzenden des Verfahrens! Commander Spock, Sie werden gebeten vor dem Tribunal zu erscheinen und gegebenenfalls Stellung zu beziehen, warum Sie die Entscheidung fällten nicht selbst vor Ort zu bleiben und die Angelegenheit persönlich zu untersuchen!“

McCoy schnaufte empört auf und auch Kirk schnappte hörbar nach Luft.

„Da hört sich ja wohl alles auf!“ plautzte der Arzt sauer raus. „Wir befanden uns schließlich auf einer Rettungs- und Suchaktion nach unserem Captain und Sie verlangen da tatsächlich von ihm, er sollte einfach nur hier sitzen, Katz und Maus mit irgendwelchen Idioten spielen und ...“

„Doktor McCoy!“ schlug nun der Admiral verbal zurück. „Es handelt sich lediglich um eine kleine Formalität für Commander Spock der Vollständigkeit halber, da wir seine Befehle bezüglich seines Vorgehens Crewmitglieder abzusenden abgesegnet hatten. Also zügeln Sie Ihr Mundwerk!“

„Ja Sir!“ knurrte er zerknirscht „Verzeihung Admiral, mein Temperament geht gern mit mir durch, wenn es um den Captain und den Commander geht.“

„In Ordnung. Kein Schaden genommen. Fahren wir also fort“, erwiderte er gelassen, als sei nichts geschehen. „Wenn diese Sachlage abgearbeitet ist, werden Admiral Barnett und ich zu Ihnen auf die Enterprise kommen und wir werden auf dem Rückweg zur Erde mit Ihnen die Abwicklung Ihrer Gefangenen erörtern. Es wäre von Vorteil, wenn Sie die zugehörigen Berichte bis spätestens Übermorgen 16.00 an Corporal Andrews übermitteln würden, damit wir uns schon mal ein Bild über die Gesamtsituation machen können.“

Jim sackte ein wenig in sich zusammen und Spock atmete hörbar einen tiefen Atemzug ein.

„Sir, wenn ich kurz sprechen dürfte?“

„Natürlich Commander.“

Admiral Komak lehnte sich in seinem Stuhl mit einer einladenden Geste zurück, stützte seinen Ellenbogen auf der Armlehne ab und rieb sich sodann skeptisch sein Kinn. Seine Körpersprache zeigte deutlich die Widersprüchlichkeit zu seinen Worten. Denn sie deutete ganz offensichtlich - er erwartete nun einen längeren trockenen Vortrag etwas in der Art, wie ein irdisches Gänseblümchen mit Romulan Ale getränkt, mit Amphetaminen gedüngt und dessen biologische Molekularstruktur mit andorianischen Napfschnecken gekreuzt in der Neuvulcanischen Stein-Wüste ausgesetzt würde, um dort einen Apfelbaum zum blühen zubringen, der lila Birnen tragen würde.

In seiner üblich stoisch, vulcanischen Art übernahm der Commander das Wort mit einem leichten Nicken, als Zeichen der Anerkennung.

„Unter den Gefangenen befindet sich eine vulcanische Bürgerin, deren Verurteilung gemäß der Vereinbarungen des Unionsvertrages der UVP mit dem Hohen Rat von Vulcan, aus dem Gründungsjahr 2161, nach Judikativ-Klausel 237, Absatz 35, Unterziffer 4b, allein dem Hohen Rat von Vulcan und der geschädigten Partei zu überantworten ist. Exekutiv-Klausel 237, Absatz 35, Unterziffer 4c beinhaltet dem gemäß, dass die geschädigte Partei nach Feststellung der Gültigkeit des Verbrechens das Strafmaß festlegt und ausführt oder ausführen lässt.“

Bis hier hielt der Commander sein Stimme ruhig und neutral, aber nun nahmen seine Augen einen gefährlichen Schimmer an. Eine deutliche Warnung an jeden ihm in dieser Sache nicht in die Quere zu kommen.

„Die Vulcanierin gehört mir!“ zischte er leise und jagte jedem Anwesenden einen Schauer über den Rücken.

Für einen Moment schwieg der Admiral. Doch er konnte nicht umhin die eine Frage zu stellen.

„Erlauben Sie mir eine Frage Commander. Die Inhaftierte war an der Entführung von Captain Kirk beteiligt. Sie mag zwar Vulcanierin sein, doch er ist ein Sternenflottencaptain und Angehöriger der terranischen Rasse. In welcher Weise berechtigt es Sie die Klausel 237 in Anspruch zu nehmen?“

„Das erklärt sich von selbst. Er ist ein Mitglied meines Clans seit 2245 und er gilt nun auch legal vor dem vulcanischen Gesetz als mein Bondmate. Dadurch, dass sie ihn angriff, griff sie auch mich an und somit steht mir und Jim dieses Recht uneingeschränkt zu.“

Admiral Komak blickte ihn mit dezent zusammengezogenen Augenbrauen taxierend an. Ließ sich offenbar die eben gehörten Worte genau durch den Kopf gehen und fasste seine gewonnenen Erkenntnis zusammen, brachte zugleich aber seine Bedenken auf den Tisch.

„Sie, ähm – Sie wollen also sagen, dass Sie und Captain Kirk liiert sind? Uns war diese Information bis jetzt nicht zugänglich. Wann haben Sie die notwendigen Papiere über Ihren Beziehungsstatus öffentlich beim Oberkommando eingereicht? Außerdem, wie Sie wissen, Captain Kirk und Commander Spock, die Sternenflotte sieht es nicht gern, wenn Führungsoffiziere unter dem gleichen Kommando anbändeln. Gerade wenn es sich um Ränge Ihrer Positionen handelt, sind Gewissenskonflikte in der Befehlskette dann nicht ausgeschlossen. Die Option ist die Versetzung von einem Offizier auf eine anderes Kommando der Flotte.“

„Vulcanische Bondmates dürfen nicht getrennt werden. Schlagen Sie nach unter Klausel 223 des Unionsvertrages, Absatz 2, Unterziffer 7c“, knurrte er leise und lehnte sich auf seinem Stuhl warnend vor.

Der Vulcanier biss seine Kiefer hart aufeinander und malte mit den Knochen, dass sie knirschten und womöglich gleich brechen würden, wäre er ein Mensch. Seine linke Hand ballte und öffnete sich in einem schnellen Wechsel unter der Tischplatte, während er die andere fest auf seinen Oberschenkel presste.

Die Energie im Raum hatte sich praktisch in Sekundenbruchteilen bedrohlich statisch aufgeladen. Und jeder konnte spüren, dass hier jeden Moment etwas unfassbares passieren konnte, wenn der Sturm losgelassen würde.

Unter der Tischkante konnte Jim nicht anders, als zwei seiner Finger beruhigend sanft über die ausgestreckte Hand auf dem Oberschenkel seines Mannes zu streichen. Er spürte über ihre Verbindung, welche Mühe es ihn kostete tatsächlich ruhig zu bleiben und nicht seine Fäuste wütend auf den Tisch zu schlagen oder irgendetwas zu zertrümmern. Es mochte wohl daran liegen, dass sein Pon Farr erst so kurz vorüber war.

Mit kritischem Blick hatte der Arzt seinen Kopf zu seinen Freunden gedreht und dachte soeben noch bei sich: Typisch für dieses spitzohrige wandelnde Lexikon, kennt natürlich jeden Paragraphen dieses Vertrages Auswendig.

Doch auch er nahm die bedrohliche Veränderung des Commanders und die Besorgnis seines Captains mit all seinen geschärften Antennen für seine Freunde wahr, als er zu ihm und Spock hinüber blickte, hatte er doch nicht damit gerechnet, dass das Spitzohr so schnell mit seiner Hochzeit hausieren ging. Unter Spocks Oberfläche brodelte förmlich im sprichwörtlichen Sinne ein Vulkan und sollte er nicht ausbrechen, musste er etwas unternehmen. Er reagierte abrupt.

„Die Herren Admirals, ich muss hier sofort unterbrechen. Ich ziehe die rote Karte. Es war ein anstrengender und langer Tag. Der Captain und der Commander benötigen dringend noch etwas Erholung bevor morgen der große Rummel beginnt. Wenn Sie uns nun entschuldigen würden!“

Er formulierte es nicht als höfliche Frage, sondern ließ es als medizinische Bestellung mit seiner mürrischen Art erklingen.

Tatsächlich erhoben sich die beiden Admirals ohne nennenswerten Widerstand zu leisten und gaben sich für den Moment geschlagen. Sie waren entlassen.

=^=

Tbc …

Tja meine Lieben, das war mal wieder ein ziemlich langes Kapitel.
Aber mehr wird es diese Woche leider auch nicht werden, da mir das Leben gerade viel zu tun gibt.
Es gilt das gleiche wie immer. Bleibt gesund und schaut nächste Woche einfach wieder rein.
Bis dann.

LLAP Eure Ti Leyni Miju

PS: Die Tags zur Textauszeichnung waren diesmal beim Hochladen wieder ein echter Krampf im A... Die Dinger machen manchmal was sie wollen. Aber ich habs geschafft. ( ̄︶ ̄)↗
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