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Aim for the Kill

GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Riku Rajamaa Samu Haber
27.04.2021
14.05.2021
6
10.409
9
Alle Kapitel
26 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
04.05.2021 2.124
 
Ich bin vollkommen sprachlos :-O Ihr seid der Wahnsinn meine Lieben :) Ich freue mich hier wie eine Schneekönigin <3 Vielen, vielen Dank für die vielen Klicks, die Favos, die Empfehlungen und vor allem für die zahlreichen Reviews <3 Ich könnt euch gerade wirklich alle knuddeln :)

Dann geht es hier jetzt mal weiter...mal sehen, was ihr sagt o.O Ich bin sehr gespannt...

Ich wünsche euch einen schönen Abend
LG Daniela1988
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-Riku-

Unruhig wälzte ich mich auch in dieser Nacht erneut herum. Ich konnte mir nicht erklären, wieso ich in den letzten Wochen derart unruhig schlief und häufig gar nicht erst in den Schlaf fand.
Ein frustriertes Seufzen kam über meine Lippen während ich mitten in der Nacht beschloss, aufzustehen. Leise schob ich die Bettdecke beiseite und schlich aus dem Schlafzimmer heraus, in welchem Laura noch immer friedlich schlief. Ich zog die Schlafzimmertür leise hinter mir zu und ging ins Wohnzimmer.
Obwohl ich kein Licht eingeschaltet hatte, war es hell. Wir hatten Vollmond. Vielleicht war das der Grund, aus welchem ich nicht schlafen konnte. Belustigt schüttelte ich meinen Kopf, noch nie hatte ich Probleme damit gehabt. Wieso sollte ich auf einmal Mondfühlig werden? Ich ließ mich auf unser Sofa sacken, suchte die Fernbedienung und schaltete den Fernseher ein. Es war halb vier am Morgen und genau das merkte ich auch dem Programm an. Es lief nichts und so zappte ich mich durch die schier unendlich scheinenden Programme, von welchem mich keines fesselte.
Nur kurze Zeit später schaltete ich das Gerät wieder aus und griff nach meinem Handy, welches noch auf dem Wohnzimmertisch lag. Ich öffnete Instagram, Facebook und surfte anschließend ein wenig im Netz herum, in der Hoffnung, es würde mich ermüden und ich könnte wieder zurück ins Bett. Doch entgegen meiner Erwartung schien ich im Anschluss noch wacher zu sein als zuvor.
Frustriert stöhnte ich auf und ließ meinen Blick erneut auf die Uhr gleiten. Nun war es beinahe halb sechs, immerhin hatte ich es geschafft, zumindest zwei Stunden irgendwie zu überbrücken. Es war Samstag, Laura hatte frei und die Kinder mussten auch nicht aufstehen. Kurzentschlossen ging ich in unseren kleinen Fitnessraum und suchte meine Laufsachen zusammen. Wenn ich schon nicht schlafen konnte, konnte ich mich zumindest körperlich ein wenig betätigen. Ich hinterließ Laura eine Nachricht, schnappte meine Schlüssel und schloss die Tür leise hinter mir.
Obwohl es noch so früh am Morgen war, begann es bereits zu dämmern. Ich liebte es, um diese Uhrzeit laufen zu gehen. Ich lief dem Sonnenaufgang entgegen und es schien, als würde es mit jedem Meter, welchen ich lief, heller werden. Helsinki erwachte langsam, die Straßen wurden voller, immer mehr Rollos wurden an den Fenstern in die Höhe gezogen und auch die ersten Bäckereien öffneten.
Gerade hörte ich die Foo Fighters mit Best of you und ich spürte, wie sich mein Tempo nochmals beschleunigte. Ich hatte keine Ahnung, wie lange ich gelaufen war, doch als ich am Strand vorbeilief und in den Horizont blickte, begann mein Herz plötzlich zu stechen. Einen Augenblick blieb ich stehen und sah hinaus auf das weite Meer. Ich konnte nichts daran ändern, dass mich das Meer, und vor allem der Strand hier in Helsinki, an Samu erinnerten.
Ein kurzes Lächeln legte sich auf meine Lippen als ich daran dachte, wie gern er hier gesessen und auf das Meer hinausgesehen hatte. Immer wenn ich ihn fragte, was er dort machte, sagte er, er würde nichts tun. Er wollte den Kopf frei bekommen und weg vom Lärm und Stress seines Lebens.
Erneut durchzog ein Stich mein Herz. Schon lange war er nicht mehr der Mann, der er einmal gewesen war und noch immer wusste ich nicht, wieso. Nach diesem Urlaub, auf welchen er sich so sehr gefreut und den er sich so verdient hatte, war alles anders gewesen.
Natürlich kannte ich die Eckdaten, denn Ellas überstürzte Rückkehr war nicht grundlos. Ich wusste noch genau, wie sie weinend vor mir stand und mit erzählte, dass Samu entführt worden war. Dieser Moment war einer der schlimmsten in meinem Leben und kaum konnte ich das Gefühl beschreiben, welches mich in diesem Moment ergriff. Tage und Wochen ohne auch nur einen kleinen Anhaltspunkt vergingen und niemand fand eine Spur. Die Behörden waren bereits kurz davor, ihn aufzugeben. Immerhin war er zu diesem Zeitpunkt bereits beinahe zwei Monate verschwunden und sie wollten die Sondereinsatzkommandos zurückrufen, welche nach ihm suchten. Nur mit viel Druck und mehrfacher Betonung dessen, dass dies alles in Europa an die Presse gehen würde, suchten sie weiter nach ihm.
Tränen bildeten sich in meinen Augen, als ich daran zurückdachte. In diesen Wochen war ich kurz davor gewesen, durchzudrehen. Und seitdem gab es den Mann nicht mehr, welcher einst mein bester Freund war.
Auch wenn er es nicht wollte, jeden von sich stieß, so versuchte ich in regelmäßigen Abständen bei ihm vorbeizusehen. Ich wusste, dass er es hasste, wenn ich kam und dennoch unternahm er nichts dagegen. Zumeist beachtete er mich nicht und sobald ich überzeugt war, dass es ihm einigermaßen gut ging, verschwand ich wieder. Inständig hoffte ich noch immer, dass irgendwann der Knoten platzen würde und er wieder einen Weg zurück ins Leben finden würde. Für mich war klar, dass ich ihn nicht fallen lassen würde. Ich würde immer wieder nach ihm sehen, ihm meine Hilfe anbieten.
Nach all den Gedanken, welche mich ereilt hatten, hatte ich auch an diesem Morgen das Bedürfnis, nach ihm zusehen. Ich weitete meine Laufrunde einfach ein wenig aus und nur eine viertel Stunde später stand ich vor Samus Haus. Er hatte mir irgendwann einmal einen Ersatzschlüssel gegeben, welcher sich noch immer an meinem eigenen Hausschlüssel befand und somit gelang es mir auch an diesem Morgen, mir zutritt durch die Haustür zu verschaffen. Gut gelaunt kam mir Samus Nachbarin Frau Virtanen entgegen.

„Guten Morgen, Herr Rajamaa. Um diese Uhrzeit schon so sportlich?“ ein Lächeln legte sich auf meine Lippen, als ich die alte Dame sah. Wie so oft schon kam sie mir mit einem Wäschekorb entgegen.

„Guten Morgen, Frau Virtanen. Man muss ja fit bleiben, nicht wahr? Kann ich Ihnen helfen?“ skeptisch beobachtete ich, wie sich die beinahe achtzigjährige Dame mit dem Korb die Treppe herunterkämpfte.

„Das wäre ja noch schöner. Danke, für Ihr Angebot, aber das schaffe ich schon. Wer rastet, der rostet“ lächelte sie mich an und mir fehlten die Worte.

„Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag“ verabschiedete ich mich von mir.

„Danke, das wünsche ich Ihnen auch. Und bestellen sie Samu liebe Grüße. Ich habe ihn schon so lange nicht gesehen. Ich hoffe, es geht ihm gut?“ schwer schluckte ich und zwang mich zu einem Lächeln.

„Nichts, was man nicht wieder hinbekommt“ ich wendete mich von ihr ab und nahm die letzten Stufen, bis ich endlich Samus Haustür erreicht hatte.

Es war still, sicher würde er noch immer im Bett liegen. Einen Moment haderte ich mit mir selbst, ob ich reingehen sollte oder nicht, entschied mich dann aber trotz der frühen Uhrzeit dafür, nach dem Rechten zu sehen. Immerhin war ich nun hier, also konnte ich einmal kurz nachsehen. Leise schob ich den Schlüssel ins Schloss und drehte ihn drei Mal herum, bevor sich die Tür öffnete.Auch dies hatte er nie gemacht. Samu war nie ein Mensch gewesen, der sich übermäßig fürchtete, doch seit er wieder zurück war, schloss er sich panisch überall ein.
Schwer schluckte ich, als ich in die dunkle Wohnung eintrat. Es war still, alles sprach in diesem Moment dafür, dass Samu noch schlief.
Mein erster Weg führte mich in die Küche. Sie war aufgeräumt, lediglich ein Stift und mehrere Zettel lagen auf dem Tisch. Ich wagte einen Blick in seine Schränke und den Kühlschrank, doch in allen fand ich gähnende Leere. Wenn ich später mit Laura einkaufen ging, würde ich auch seine Vorräte wieder auffüllen. Ich hatte zwar nicht den Glauben, dass er etwas essen würde, aber vielleicht würde er mich ja überraschen.
Kurz ließ ich meinen Blick ins Schlafzimmer gleiten, nachdem ich die Küche verlassen hatte. Die Tür hatte aufgestanden, doch Samu war nicht im Bett. Verwundert fuhr ich mit meiner Hand durch meine Haare und sah im Wohnzimmer nach. Auch hier fand sich keine Spur von ihm.
Mein Herz begann unangenehm schnell zu schlagen. Ich verließ das Wohnzimmer, sah an sein Schlüsselbrett, doch sein Hausschlüssel war noch da. Er konnte also nicht weg sein. Vielleicht war er im Bad? Er war sicherlich gerade duschen.

„Samu? Bist du im Bad?“ rief ich und klopfte an die angelehnte Tür. Auch nach nochmaligem Klopfen meldete er sich nicht, sodass ich vorsichtig die Tür öffnete und eintrat.

„Ach du Scheiße, Samu“ mein Herz begann panisch zu rasen als ich meinen besten Freund blutüberströmt in der Wanne liegen sah.

„Samu! Samu, hörst du mich!?“ ich hatte mich neben die Wanne gekniet, ihm mehrfach ins Gesicht geschlagen, doch rührte er sich nicht.

Während ich mit der einen Hand nach meinem Handy suchte und den Notruf wählte, suchte meine andere Hand automatisch nach seinem Puls an der Halsschlagader.

„Feuerwehr Helsinki. Was ist passiert?“ ich war mittlerweile panisch.

„Rajamaa hier. Schicken sie sofort einen Notarzt. Mein Freund. Er...“

„Beruhigen Sie sich. Was ist passiert?“

„Ich weiß es nicht. Mein Freund... er liegt blutüberströmt in der Wanne. Ich...“

„Atmen Sie tief durch. Ich habe soeben einen Rettungswagen mit Notarzt zu Ihnen geschickt. Sehen Sie den Blutungsursprung?“ der Mann aus der Leistelle sprach beruhigend auf mich ein.

„Ja, am... am Unterarm“

„Okay. Sehen Sie, ob es eine sickernde oder eine pulsierende Blutung ist?“ ich sah auf Samus rechten Arm, doch verschwamm alles vor meinen Augen.

„Ich... ich...ich weiß es nicht, er...“

„Alles klar. Atmen Sie bitte einmal tief durch“ ich tat, was der Mann mir sagte.

„Haben Sie den Puls geastet?“

„Mein Finger liegt auf seinem Hals“ antwortete ich.

„Okay. Was tasten Sie?“

„Ich weiß es nicht...“ ich war vollkommen verunsichert.

„Halten Sie ihren Finger zum Vergleich einmal an Ihren Hals“  

„Okay. Bei mir kann ich es besser tasten“ gab ich zurück.

„Aber Sie fühlen etwas am Hals Ihres Freundes?“

„Ja, sehr schwach, aber ich fühle den Puls“

„Haben Sie irgendetwas bei sich, womit Sie Druck auf die Wunde ausüben können?“ ich sah mich um.

„Hier liegt ein Shirt“

„Nicht optimal, aber wir versuchen es. Legen Sie es Ihrem Freund um die blutende Wunde und versuchen, Druck beim Wickeln aufzubauen“ nervös befolgte ich das, was der mir fremde Mann mir sagte.

„Okay“

„Ist es stramm?“

„Ich denke schon, ja...“

„Gut. Öffnen Sie bitte nun die Türe und kommen Sie zurück“ auch das erledigte ich, so schnell ich konnte. Sowohl die Haustür als auch die Wohnungstür waren offen.

„Wie lange dauert es denn noch? Er wird immer blasser. Bitte, er darf nicht sterben“

„Es dauert nicht mehr lange. Solange bis meine Kollegen da sind, werden wir nun unser Bestes geben, Ihrem Freund das Leben zu retten, okay?“ ich atmete hörbar schwer aus und nickte. Das Blut begann bereits, durch das Shirt zu sickern.

„Okay, weiter geht’s. Können Sie den Arm Ihres Freundes leicht anheben?“

„Ja...“

„Gut. Am Übergang zwischen Achsel und Bizeps läuft die Schlagader. Schaffen Sie es, sie zu drücken?“ mein Kopf schwirrte und augenblicklich konnte ich nicht einmal sagen ob ich es schaffte, auf meinen eigenen Beinen zu stehen.

„Sie schaffen das. Sie machen das gut“ sprach mir der Mann gut zu. Ich zog den T-Shirt Ärmel hoch und tastete nach der Stelle, doch der rote Fleck wurde immer größer.

„Es bringt nichts, er blutet weiter“

„Korrigieren Sie Ihre Position ein bisschen weiter in Richtung seines Armes und drücken ein wenig fester zu“ erneut tat ich das, was er mir sagte.

„Es klappt“ deutlich war die Erleichterung in meiner Stimme zu hören.

„Gut. Lassen Sie nicht los, okay? Meine Kollegen sind gleich bei Ihnen“

„Okay“ nur Momente darauf hörte ich bereits die Sirenen.

„Sie sind da“

„Okay. Sie kommen jetzt gleich hoch. Sie haben das wirklich gut gemacht. Sie haben ihm wahrscheinlich sein Leben gerettet“ mit diesen Worten verabschiedete er sich von mir und kurz darauf hörte ich bereits die schweren Schritte der Sicherheitsschuhe auf den Stufen. Einen Moment sah ich Samu an, der leichenblass war und aus dessen Körper die Lebensgeister zu weichen schienen.

„Halt durch, Samu...“ flüsterte ich und erschrak, als sich seine Augen kurz öffneten.

„Riku...“ seine Stimme war nur ein Flüstern, kaum zu hören.

„Ich bin da. Ich lasse dich nicht hängen“ sprach ich noch zu ihm bevor die Sanitäter samt Notarzt ins Bad kamen und übernahmen.

„Sie haben wirklich großartige Vorarbeit geleistet. Wir kommen gleich noch einmal auf Sie zu“ mit diesen Worten wurde ich aus dem Bad geschoben und ließ den Fachleuten den Platz, den sie brauchten.

Mit zittrigen Beinen schlich ich durch den Flur zur Küche und noch bevor ich den Stuhl erreicht hatte, brach mein Kreislauf zusammen und ich sackte auf den Boden.
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