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When love takes over

GeschichteDrama, Romance / P18 / Het
Borussia Dortmund
27.04.2021
15.06.2021
17
45.296
12
Alle Kapitel
73 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
11.06.2021 2.254
 
Meine Murmel tanzt die halbe Nacht in meinem Bauch herum und hält mich dadurch wach. Mittlerweile habe ich mitbekommen, dass Julian abends bzw. nachts immer relativ lange wach ist, weswegen ich mich nicht noch einmal traue das Zimmer zu verlassen. Ich will ihm, nach der Situation vorhin nicht ein weiteres Mal begegnen. Die Situation war absolut neu für mich. Seitdem ich Julian kenne, ist aber eh alles absolut neu für mich. Ich habe mich noch nie bei einem Mann so gefühlt. So als wäre ich aus Wachs, ich habe zittrige Knie und alles an mir reagiert auf ihn. Das macht mir Angst. Aber nichts hat mir jemals solche Angst gemacht, als das Gefühl von Geborgenheit in der Nacht, als ich nach unserm One Night Stand aufgewacht bin. Außer vielleicht das Gefühl vorhin. Seine Hände auf meinem Bauch waren... Ich weiß es nicht, aber es hat sich unglaublich gut angefühlt. Zumal sich mein Murmelchen noch nie so heftig bewegt hat. Das war schon aufregend genug und dann noch seine Hände...

Schnaubend schüttele ich meinen Kopf und versuche dann noch einmal zu schlafen. Aber als das nicht klappt, mache ich den Fernseher an und ich schaue irgendeinem Film dabei zu, wie er abläuft.

Irgendwann muss ich dann doch eingeschlafen sein, denn am nächsten Morgen werde ich gegen neun wach und fühle mich wie gerädert. Ein Blick in den Spiegel bestätigt meine Vermutung: Ich sehe genauso mies aus, wie ich mich fühle.

Also steige ich erst unter die Dusche und suche dann meine Wäsche zusammen, um sie in die Waschmaschine zu packen. Am Montag kommt zwar Erna zum Putzen und Wäsche waschen vorbei, aber jetzt wo ich ein paar leichte Dinge wieder selbst machen darf, will ich zumindest das selbst machen. Es ist für mich ein Schritt zurück zur Normalität.

Ich habe gerade die Maschine angestellt, als die Wohnungstür aufgeht. Julian kann es nicht sein, denn der ist heute den ganzen Tag beim BVB und er kommt dann auch erst spät nach dem Spiel heute Abend zurück. Daher bleibt nur Jannis übrig. Meine Hände verkrampfen sich für einen Moment, aber dann atme ich tief durch und gehe aus dem Abstellraum raus in die Küche.

„Morgen Stella", Jannis tritt schon wieder von einem Bein auf das andere. Verwirrt erwidere ich die Begrüßung, während ich zum Kühlschrank gehe und dort mein Müsli vorfinde. Ehrlich gesagt habe ich nach der komischen Situation gestern nicht damit gerechnet und ich halte die Schüssel einen Moment in der Hand und starre darauf.

„Nur weils gestern komisch war, würde Julian niemals dein Müsli vergessen oder es absichtlich nicht machen. Mein Bruder ist ein guter Kerl, weißt du...", Jannis schiebt hinter mir deine Hände in die Hosentaschen und sieht mir dann in die Augen. „Ein guter Kerl, der sich von mir ausnutzen lässt. Schon klar Jannis...", damit drehe ich mich um und will zurück in mein Zimmer gehen, denn für weitere Anschuldigungen habe ich zu schlecht geschlafen. Aber Jannis stellt sich mir in den Weg: „Vielleicht... also... Ich weiß aktuell nicht mehr was ich glauben soll. Nicht nach der Sache mit den Fotos."

Ich hebe meinen Blick von der Schüssel in meinen Händen und sehe ihn konfus an. „Ich weiß, dass kommt jetzt plötzlich aber... vielleicht bist ja doch nicht die geldgeile Tussi, die meinen Bruder ein Kind anhängen will... ich... keine Ahnung..."

„Dann sag Bescheid, wenn du es weißt", ich will an ihm vorbei gehen, aber der kleine Brand legt eine Hand auf meinen Arm. „Du könntest auch mit mir hier essen und wir..." „... wir tun was, Jannis? Wir reden? Wie normale Menschen? Tut mir leid, wenn ich dir das aktuell nicht glauben kann... Die letzten paar Male liefen ziemlich mies und ich bin... nach der Sache mit den Fotos und dem Arzttermin gestern... Also... würde ich mein Müsli lieber im Gästezimmer essen. Alleine..."

Ich schiebe mich einfach an ihm vorbei und atme erst wieder aus, als ich die Tür zu meinem Zimmer hinter mir geschlossen habe. So gern wie ich ein gutes Verhältnis zu Jannis aufbauen möchte, aber aktuell ist die Angst einfach zu groß, dass er mir wieder Vorwürfe macht und das... kann ich heute nicht ertragen. Nicht nach den letzten Tagen und einer Nacht fast ohne Schlaf.

Da ich nicht weiß wohin mit mir, spreche ich für die Mädels eine Sprachnachricht ein und schicke sie ab. Ich brauche ein bisschen... Zuspruch. Da Samstag ist, rufen mich die Mädels per Video Chat, keine zehn Minuten später, zurück. Lea ist leider nicht dabei, aber sie wird sich dann später hoffentlich melden. Wir reden eine ganze Weile einfach nur. Ich erzähle von dem Arzttermin, gestern Abend und Jannis heute morgen... Alle hören still zu, bevor Caro sich zu Wort meldet: „Ich weiß, dass sich die Brandt Familie in den letzten Wochen nicht mit Rum bekleckert hat... Aber überleg doch mal wie schwierig es für dich in den ersten Wochen war... Du warst verwirrt und durcheinander... musstest dich erstmal an die Situation gewöhnen. Vielleicht ist das hier auch der Fall? Sie gewöhnen sich alle daran und wollen jetzt das gut machen, was sie vermasselt haben? Ich weiß, dass es blöd und naiv ist, aber... vielleicht solltest du nochmal mit Jannis reden? Und auch mit Julian? Redet, lernt euch besser kennen und dann seht ihr was daraus wird..." „Caro hat Recht, Lalala", Isa mischt sich ebenfalls ein, „Und wenn sich die beiden dann weiterhin wie Neandertaler verhalten, kann ich immer noch vorbei kommen und sie zusammen falten. Aber was wenn ihr euch versteht? Du wolltest für deine Murmel doch immer eine richtige Familie bzw. du wolltest, dass er oder sie irgendwann mal den Papa kennen lernt. Die Chance ist jetzt da und das solltest du nutzen. Glaub mir, ich weiß wie es ist, wenn der eine nicht mit dem anderen Teil der Familie spricht und die sich aus dem Weg gehen. Das ist nicht schön und man steht immer in der Mitte und fühlt sich dabei so... zerrissen... Also wenn du die Möglichkeit hat, diese Lücke zu schließen, bevor die Murmel auf die Welt kommt, dann solltest du es versuchen... Wie gesagt... den Jungs den Hintern aufreißen kann ich dann auch später noch. Das rennt ja nicht weg."

Mara fängt daraufhin an zu lachen und wir anderen folgen. Ich kann mir das ganze gerade bildlich vorstellen. Isa kann eine Furie sein, wenn sie will und das wünsche ich niemandem. Sie kann aber auch unglaublich nervig sein, was bedeutet, dass ihrem Vorschlag nach weiteren zehn Minuten zustimme. Sie gibt ja doch nicht auf.

Da meine Wäsche mittlerweile auch fertig sein müsste, stehe ich, nachdem ich mich von den Mädels verabschiedet habe, wieder auf und mache mich auf den Weg zum Abstelltraum. Mit einem Blick zum Küchentisch stelle ich fest, dass Jannis immer noch da sitzt und auf seine Hände vor sich starrt, aber ich gehe im ersten Moment einfach an ihm vorbei.

Den Wäschekorb fülle ich nur zur Hälfte und gehe dann raus auf die Terrasse, um die Wäsche dort aufzuhängen. Nach zwei weiteren Runden hängt alles und ich gehe wieder rein. Eigentlich will ich direkt wieder zurück in mein Zimmer gehen, aber ich habe Isas Worte im Kopf, daher mache ich mich auf den Weg zur Kaffeemaschine. Während mein Latte raus läuft, frage ich an Jannis gerichtet, ob er auch einen möchte. Der sieht mich erst irritiert an, nickt dann aber.

Als ich mich mit meinem Glas gegenüber von ihm an den Tisch setze, sind wir beide glaube ich unglaublich nervös. Jannis tippelt mit den Beinen auf dem Boden herum und ich weiß nicht wohin mit mir, also lege ich meine Hände einfach um das Glas. Vielleicht sollte einer von uns mal etwas sagen, aber... wir wissen beide nicht so recht was. Nach ein paar Minuten springt Jannis aber dann vom Stuhl auf, fährt sich durch die Haare und lächelt mich dann vorsichtig an. „Julian meinte, du müsstest noch zwei weitere Wochen hier bleiben... also... brauchst du noch ein paar neue Sachen? Ich... könnte dich kurz zu dir fahren und wir holen noch was?" Total perplex von der Frage starre ich ihn einfach nur ein paar Momente lang an. Was das ernst gemeint? Wirklich? Oder setzt er mich dann irgendwo aus?

„Also... du musst nicht... du kannst auch weiterhin... hier die anziehen und... war nur ein Vorschlag", Jannis Stimme wird zum Schluss immer leiser und entlockt mir ein kleines Lächeln. „Ich... könnte noch ein paar Sachen gebrauchen, ja. Wenn du mich also fahren würdest... wäre das sehr nett."

Erleichtert sieht mich mein Gegenüber an und erwidert mein Lächeln unsicher. „Schön... willst du... gleich los oder dich erst nochmal hinlegen, dann warte ich solange... Ich will nur nicht, dass du..." „Schon in Ordnung, Jannis. Du hast bestimmt noch was vor heute, also können wir auch gleich fahren."

Jannis wartet auf mich, während ich mir etwas straßentaugliches anziehe. Ich fühle mich absolut nicht wohl hierbei, aber wenn ich auch nur eine halbwegs normale Beziehung zu Jannis haben will, dann muss ich da jetzt durch. Egal wie unwohl ich mich fühle, es geht hier um mein Murmelchen und nur das zählt.

Auf der Fahrt zu meiner Wohnung schweigen wir beide komplett. Ich merke zwar, dass Jannis versucht ein Gesprächsthema zu finden, aber er ist wohl genauso unsicher wie ich. Irgendwie auch kein Wunder, denn wenn wir uns bisher unterhalten haben, dann... dann ist das eher nicht so gut ausgegangen bzw. Jannis hat mich angeschrien. Also ist Schweigen doch auch ein guter Anfang. Schweigen heißt immerhin, wir streiten gerade nicht.

Wir sind fast bei mir, als Jannis Handy klingelt. Er sieht mich von der Seite her fragend an und will wohl wissen, ob es für mich in Ordnung ist, wenn er ran geht. Mit einer Handbewegung zeige euch an, dass er ruhig telefonieren kann, was er dann auch direkt tut.

„Hey Bruderherz. Solltest du dich nicht auf das Spiel vorbereiten?" „Eigentlich ja, aber... Wo bist du?" „Ich sitze gerade mit Stella im Auto und hab den Lautsprecher an. Wir fahren kurz zu ihr und holen ein paar Sachen. Wie du vorgeschlagen..." „Dreht sofort um!", Julians Stimme wird lauter. „Was? Aber...?", Jannis ist verwirrt, wird aber direkt wieder von Julian unterbrochen. „Jannis, dreh sofort um und fahr Stella zurück! Die Presse kennt seit heute ihren Namen. Sie wissen wer sie ist und warten möglicherweise sogar schon vor ihrer Wohnung auf euch." „Aber woher sollten die denn wissen...?", Jannis unterbricht sich selbst, als wir in meine Straße einbiegen. Vor unserem Haus stehen eine Menge Autos und ich kann selbst von hier Menschen mit Kameras sehen. Jannis tritt sofort auf die Bremse. „Jannis? Was ist los verdammt? Drehst du schon? Jannis?!"

Aber Jannis reagiert nicht, denn er schaut mindestens genauso geschockt auf das Schauspiel vor mir. „Oh Gott", murmele ich leise, bevor ich, ohne dass ich es will, anfange zu zittern. Das darf nicht sein. Nein, nein, nein! Bitte nicht. Genau das wollte ich nie. Sie wissen wer ich bin, sie wissen wo ich wohne und sie werden keine Ruhe geben, bis sie die Wahrheit kennen. Ich will das nicht... ich... ich...

„... Stella? Hey Stella? Hörst du mich? Stella?", Jannis versucht mit mir zu sprechen, aber seine Stimme ist so weit weg, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich es mir nicht doch einbilde. „Jannis was ist bei euch los?", Julian. Oh Gott! Sie werden mich in der Luft zerreißen, Dinge schreiben, die so nicht wahr sind, sie werden unser Baby... Oh nein!

„Wir waren fast vor Stellas Haus. Ich hab gerade gedreht, Julian. Aber Stella... Ich... weißt du wie ein Schock aussieht? Ich glaube Stella hat einen. Ich... Ich such einen Parkplatz und melde mich dann gleich nochmal."

Ich habe keine Ahnung was los ist und warum ich gerade so gar nichts fühle. Es ist einfach leer.Vielleicht habe ich wirklich einen Schock, aber ich... Was mache ich denn jetzt? Ich meine ich kann nicht zurück nach Hause, ich kann nicht... Aber ich will doch nur... Ich will doch nur ein normales Leben für mich und das Kleine. Ich...

Das Auto hält ruckartig an, aber ich reagiere immer noch nicht. Meine Hände legen sich einfach auf meinen Bauch und ich streiche einfach immer wieder darüber. Es beruhigt mich. Nichts kann mich so beruhigen. Deshalb kann Jannis auch gerade absolut nichts tun. Das merkt er auch, deshalb steigt er jetzt aus und kommt um das Auto herum. Er öffnet die Beifahrertür. „Stella? Stella geht's dir gut? Hörst du mich? Rede bitte mit mir! Stella? Lala?", seine Stimme klingt langsam wirklich verzweifelt, aber als er meinen Spitznamen sagt, sehe ich ihn zum ersten Mal seit ein paar Minuten an. Jannis Gesicht spiegelt alles und nichts wieder, aber als er die Tränen in meinen Augen sieht, denkt er nicht weiter nach und umarmt mich einfach fest. Sobald er mich an sich drückt, weine ich einfach los. So wie es aussieht wird das meine neue Lieblingsbeschäftigung, aber es tut gut einfach alles rauslassen zu können.

Ich weine und weine, während Jannis mich nicht loslässt und mir über den Rücken streicht. Als ich mich etwas beruhigt habe und nur noch vereinzelt schluchzen muss, murmelt er leise: „Es tut mir so leid... wirklich... Du wolltest das alles nicht... dass ist mir jetzt auch klar und... Bitte entschuldige, Lala."


****
Stellas Mädels versuchen sich erfolgreich als Vermittler... eine gute Idee?

Und Jannis zeigt sich hier von einer ganz neuen Seite... Eure Meinung dazu?

Liebste Grüße
Ani
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