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Bis in 365 Tagen

KurzgeschichteFreundschaft / P12 / Gen
Osamu Dazai Sakunosuke Oda
26.04.2021
26.04.2021
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,,Freundschaft ist,                                
wenn man beim ersten Wiedersehen nach langer Zeit das Gefühl hat,
sich gerade erst gestern gesehen zu haben"




Ein weiteres Jahr ging vorbei.
Weitere 365 Tage verflogen, wie ein Blatt das vom Baum fiel.
Dazai wusste nicht einmal wohin die Zeit so rapide verschwand. Er hatte sich vermutlich im ersten Jahr in der Detektei so schnell gewöhnen können, sodass es sich anschließend so anfühlte, als ob er schon seit Jahren dort arbeiten würde.
So benahm sich der Braunhaarige allerdings auch gerne, ganz nach dem Motto „Fühl dich wie Zuhause“. Oftmals brachte er damit Kunikida um den Verstand oder nervte hin und wieder auch den kleinen Atsushi (obwohl er wohlgemerkt seine Arbeit verrichtete).

Oh ja, der Eintritt in die Detektei war das beste, was ihm hätte passieren können. Sie waren sein Lichtblick gewesen, der Lichtblick auf den sein bester Freund ihn geführt hatte.

Die Zeiten der Mafia hatte er gekonnt hinter sich gelassen und aus seinem Leben praktisch verbannt. Er hatte sich den Wunsch seines besten Freundes zu herzen genommen und um ihn dies weiß zu machen, kam er wie die letzten Jahre, hier her zurück.

Zu seinem Grabstein.

Der Wind huschte durch seine Haare, als er den Friedhof Yokohamas betrat.
Er ließ sein Blick über das Grundstück wandern.
Zu viele tote Menschen die hier verweilen. Die Grabsteine hatten nicht mal einen Meter Platz zwischen sich und dem nächsten.
Immer wenn Dazai hierher zurück kam, musste er daran denken, dass er zwar Menschenleben rettete, jedoch auch jeden Tag welche versäumte zu retten. Auch die Tode von Nobuko Sasaki und Rokuzou Taguchi
sind dabei keine Ausnahmen.
Jedes mal, sah er voraus, was passieren würde.
Sah voraus, wer an diesem Tag sterben würde und wer nicht.
Im Prinzip hätte er sie retten können, aber sein rationaler Gedankengang überzeugte ihn jedes mal, dass es so hätte kommen müssen.

Der Braunhaarige seufzte und schüttelte den Kopf. Brachte doch nichts darüber nachzudenken, sie waren Tod, genauso wie sein bester Freund. Obwohl es bei ihm, nur mehr oder weniger zutraf.
Denn heute war ein besonderer Tag!

Neben dem Todestag seines besten Freundes, war auch der Tag der Toten in Japan. Ein eigentlich nicht mehr weit verbreiteter Feiertag und hätte Dazai ihn nicht zu spüren bekommen, hätte auch er sich kein Stück dafür interessiert.
Aber nun schätzte er diesen Tag, sehr sogar. Mehr als alles andere.
Er wüsste nicht, wie er sonst mit der Leere in sich hätte umgehen sollen.

Dazai wagte den ersten Schritt, gefolgt von vielen anderen, die ihn zum Grab seines besten Freundes brachten.
Ganz Intuitiv steuerte er diesen kleinen Weg an, er brauchte dafür keinen großen Gedankengang verschwenden.
Während die Sonne langsam hinter den Horizont verschwand, fing für ihn der Tag erst richtig an.

Wenn die Sonne erst einmal verschwunden war und der Mond sich über den Himmel erstreckte, würde sein schöner Tag erst beginnen.
Während er für viele andere, vermutlich gerade zu ende ging.
Der ehemalige Mafiose setzte ein Lächeln auf, ein warmes und wirklich herzlichstes Lächeln, was nur selten bei ihm zu sehen war.

Er mochte manchmal mit seinen irren Spielchen ein wenig übertreiben, genauso wie mit seinen Psycho Spielchen, aber sobald er bei ihm war, konnte er herunterfahren.

Einmal im Jahr abschalten und über Gott und die Welt quatschen und vor allem: Ihn stolz machen. Ihm stolz von seinen guten Taten beichten.

Langsam setzte Dazai sein Tempo ab, schlenderte nur noch über den kühlen Steinboden. Sein Kopf bewegte sich hoch zum Himmel, welcher mittlerweile in ein kaltes blau mit vielen Sternen getunkt war. Der Mond erstreckte sich wie vermutet am Himmel, über den Abendhimmel und erhellte Yokohama zusätzlich mit seinem wunderschönen Schein. Kurz schloss Dazai seine Augen, ließ die kühle Brise durch sein Gesicht wehen, ehe er sie wieder öffnete und vor sich blickte.

Mit den Händen in den Taschen blickte er nach vorne. Auf den genannten Grabstein, seines toten besten Freundes.
Auf welchen der besagte mit einem sanften Lächeln gemütlich vor sich hin saß.

Das Lächeln von Dazai wurde noch breiter, als er Odasaku dort sitzen sah. Der Rothaarige erhob sich von seinem eigenen Grabstein, kam dem Braunhaarigen näher und gab ihm erst einmal eine kräftige Umarmung.

„Ich hab dich vermisst, Kumpel“, wisperte Dazai und erwiderte direkt die herzliche Geste.

„Ich dich auch, Dazai“.

Sie setzten sich gemeinsam an den naheliegenden Baum und taten das, was sie die letzten Jahre an diesem Tag auch gemacht hatten.

Reden.

Odasaku freute sich immer wieder riesig zu hören, wie sehr sich sein bester Freund zum positiven verändert hatte. Dass er ihn auf so einen guten Weg hatte bringen können.

Dazai war beim sprechen aber auch nicht aufzuhalten, er redete wie ein Wasserfall. Pausenlos über die Detektei und seine neuen Freunde, was Odasaku immer herzlich zuhörte.

Der Abend ging langsam dahin, während Dazai erzählte und erzählte und Odasaku zuhörte.


Ein Klimpern holte den Rothaarigen, aus seiner Hörphase heraus. Er folgte seinem Gehör und erspähte hinter Dazai einen kleinen Beutel, welchen er auf den ersten Blick noch gar nicht wahrgenommen hatte.

„Was hast du denn da mitgebracht?“.

Zu erst erschrak Dazai, über die ungewohnte Unterbrechung seiner Erzählung, folgte kurzzeitig jedoch Odasaku´s Blick und setzte direkt wieder ein Grinsen auf.

„Na ich kann unseren kleinen Abend doch nicht-“

Er fasste in seinen Beutel und zog daraufhin zwei Whiskygläser und das zugehörige Getränk hinaus.

„- ohne Alkohol ausklingen lassen!“

Der Rotschopf lachte nur flach und schüttelte leicht den Kopf, er hätte sich denken können, dass der Braunhaarige an so etwas dachte.
Er hatte das Getränk ja sogar beinahe schon vermisst.

Zu Schade das er in dieser Zwischenwelt, nicht alle seiner fünf Sinne benutzten konnte. Bedeutete, er konnte weder schmecken, noch fühlen oder riechen.
Nur das sehen und hören blieb ihm noch, was er Dazai natürlich nicht verriet. Er würde den Bourbon nicht schmecken können und er wollte diesen besonderen Moment mit Dazai nicht zerstören.
Er würde sie, wie immer einfach überspielen. Diese Sinne blieben ihm ja noch in alter Erinnerungen.

Mit einem Lächeln, beobachtete der Rotschopf wie sein lebender Freund mehr schlecht als Recht, die Gläser befüllte. Einige Schlucke verfehlten das Glas zwar und trafen sein Trenchcote, diese paar Flecken ignorierte der Braunhaarige jedoch gekonnt.
Zufrieden reichte er eines der Gläser Odasaku und nach einem kurzen Anstoßen, tranken beide Männer gleichzeitig.

Immer wieder erstaunte es Dazai, dass der Rotschopf trotz nicht wirklich realen Daseins, etwas festhalten und zu sich nehme konnte.
Ihm war mehr als bewusst, dass sein bester Freund tot war und nicht mehr in seiner Welt verweilte.
Durch den Todestag, dem traditionellen Tag der Toten und dem Mondlicht, scheint der Geist von Odasaku für einige Stunden zurückfinden zu können.
Der eigentliche Realist, hatte keine logische Erklärung dafür. Zumindest keine, die man wissenschaftlich erklären konnte.
Beim ersten mal hatte er selbst nicht einmal daran geglaubt, dass so etwas möglich war. Als er Odasaku das erste mal an seinem Todestag traf, hatte er echt geglaubt er hätte was falsches zu sich genommen. Würde halluzinieren oder ähnliches.
Er hatte den Moment damals einfach genossen.
Danach das Jahr, passierte das gleiche.
Sein bester Freund erschien ihm, als er sein Grab besuchte und nachdem die Sonne komplett hinterm Horizont verschwunden war.
Mittlerweile war es für ihn normal geworden.
Lange hatte er nach Antworten für dieses Phänomen gesucht, hatte jedoch nur wenige Details durch Mythen herausfinden können.
Dazai vermutete, dass es an der Kombi vom Todestag seines Freundes und dem Tag der Toten zusammenhing.
Egal woran es lag, er wollte nichts davon ändern.
Sogar Odasaku selber hatte keine Erklärung dafür. Er hatte erzählt, dass er nach diesen Treffen nichts mehr zu spüren bekam. Er verschwand von dieser Welt wieder und fand sich in einer Art Schlaf wieder. Sobald er wieder erwachte, sah er Dazai schon wieder.
Für den Rothaarigen sind das immer nur Augenblicke, die bis zu den nächsten Treffen vergehen, für Dazai dagegen immer ein ganzes Jahr.

Zeit war also relativ, sobald man Tod war.

Aber auch Odasaku war mehr als Dankbar für diese Möglichkeit, auch wenn er ebenfalls keine Erklärung dafür fand.
Er nahm es hin und hinterfragte es nicht weiter, denn er wollte es nur genießen.

Für den Moment, seinen Bourbon wie in alten Zeiten einfach nur in den Händen halten und Dazai von seinem Leben sprechen zuhören, bis der Braunhaarige im nächsten Jahr mit neuen Erzählungen wiederkam.

Bei solchen Treffen, blieben tieferliegende Gedanken natürlich nicht aus.
Natürlich war Dazai ein ziemlich Intelligenter und gerissener Mensch, der bekommt was er will. Nicht mal Odasaku, konnte 100% durchblicken, welche Zweige der Bandagenträger in seinem Hirn durchschaute.
Er war nur einer der einzigen, der ihn wirklich verstand, ohne alles an ihm zu hinterfragen.
Dazai tat nur immer gern so, als würde Odasaku alles besser wissen und holt sich steht´s gern Rat vom Rotschopf.

„Ich hab Atsushi wirklich gern, ich gebe mir wirklich Mühe, den Kleinen auf den richtigen Weg zu führen. Aber manchmal habe ich Angst, etwas falsch zu machen. Du weißt schon, wie bei Akutagawa!“, sprach Dazai ehrlich aus.

Odasaku wusste natürlich wer Atsushi war. Selber kennenlernen durfte er den Weretiger leider nicht, aber wie Dazai ihn beschrieb, war er ein sehr Herzens guter Mensch.

„Keine Sorge Dazai, wie du mir ihn beschrieben und eure Abenteuer erzählt hast, bist du auf einem guten Weg. Ich glaube er schätzt dich sehr!“, antwortete der Rotschopf.

Der Detektiv erwiderte daraufhin ein Lächeln.
Er hatte sich die Antwort schon selbst ausmalen können, es von ihm persönlich zu hören, war jedoch steht´s ein gutes Gefühl.

Und so verlief der Abend weiter.
Sie redeten über Gott und die Welt.
Ja sogar auf Chuuya kamen die beiden noch zusprechen.

Es wurde viel geredet und auch viel gelacht.
Sodass der Abend viel zu schnell, für deren Geschmack vorbei ging.
Dazai zückte sein Smartphone hervor und checkte die Uhrzeit. Die digitale Uhr zeigte ihm 23:55 Uhr an.
Etwas zu schnell zog er die Luft ein, als er die Uhrzeit erblickte. Odasaku erschrak bei seiner Reaktion ebenfalls und klopfte ihm, während eines kleinen Hustenanfalls, auf den Rücken.

„Dazai, was ist los?“

„Unsere Zeit ist gleich leider wieder vorbei, mein Freund“. Er hatte sich derweil wieder beruhigt.
Sein Lächeln noch immer aufgesetzt, nur dieses mal mit leicht traurigen Zügen.
Der Rothaarige schaute zuversichtlich zu seinem Freund.

„Mach dir keine Sorgen Dazai, nächstes Jahr sehen wir uns wieder!“

Der Braunhaarige nickte nur. Er hatte Recht, er würde ihn wiedersehen.
In 365 Tagen würden sie hier erneut sitzen und genau das selbe tun. Odasaku erhob ein letztes mal sein Glas und setzte an, mit Dazai anzustoßen. Dieser erhob ebenfalls schnell sein Glas.

„Auf die Stray Dogs“, entkam ihnen synchron ehe sie ihre Gläser einander stießen.
Ein Klirren entkam durch den Zusammenstoß, ehe das Glas des Rothaarigen zu Boden fiel, samt Flüssigkeit.

Die Uhr hatte 00:00 Uhr geschlagen. Der Tag der Toten und der Todestag von Odasaku waren vorbei.
Er war wieder verschwunden, ins Reich der Toten zurückgekehrt oder wohin auch immer die Toten hingingen.

Ein Seufzen entkam Dazai, ehe er seinen letzten Schluck in einen Zug auf trank.
„To the stray dogs mein Freund“, murmelte er erneut und packte die Gläser und die mittlerweile leere Flasche zurück in den Beutel.

Etwas schwerwiegend erhob sich der Braunhaarige wieder und schob seine Hände zurück in die Taschen.

So schnell ging der Tag auch schon wieder vorbei und die Nacht brach an. Der Wind fühlte sich kälter an und blies nun stärker durch die Haare des Detektiven.

Das Lächeln des Braunhaarigen sollte jedoch nicht aus seinem Gesicht verschwinden. Sein Blick fiel auf den Grabstein von Odasaku.

„Bis in 365 Tagen“, erwiderte Dazai in die kalte Nachtluft ehe er sich umdrehte und den Friedhof wieder verließ.

Zurück in das echte Leben, ohne Odasaku, ohne mit dem Gewissen zu Leben, mit einem Toten sprechen zu können. Bis er ihn wieder sah!

In einem Jahr.


Ein bisschen zu viel Bungou stray dogs und Vampire Diaries und es passiert so etwas hier. Für die, die die Serie kennen, sollte das Phänomen evtl. ein wenig bekannt vor kommen. Ich habe mich davon jedenfalls gut inspirieren lassen. Generell empfinde ich die Idee, die Toten auf irgendeine Weise nochmal wiederzusehen, als äußerst interessant und da wir diese Möglichkeit (bis jetzt) nicht im Anime/Manga bekamen, wollte ich dies, mit diesem kleinen Oneshot nachholen.

zuhochgeflogen
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