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Seine Geschichte

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Dr. Kai Hoffmann
26.04.2021
09.08.2021
7
8.345
4
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26.04.2021 1.010
 
Kapitel 1: Seine Gestalt

Maria und Ina saßen zusammen im Taxi vom Restaurant auf dem Weg ins Kino. Es war kurz nach 21 Uhr und die Vorstellung sollte um 22 Uhr beginnen. Leider mussten sie einen kleinen Umweg einlegen. Maria fiel bei der Bezahlung im Restaurant und bei einem Blick in ihre Handtasche auf, dass sie ihr Handy Zuhause vergessen haben musste. Und so baten sie den Taxifahrer vorher nochmal an Marias Wohnung zu halten. Es war kein bedeutender Umweg. Das Kino würden sie früh genug erreichen. So fuhren sie also durch die Leipziger Altstadt, und bogen wenig später auf die Straße ein, die Maria dem Taxifahrer nannte.

Auf der linken Seite tauchte dann, noch in sicherer Entfernung, zwischen rustikalen industrieangehauchten Backsteingebäuden, ein für Maria mittlerweile vertrautes Gebäude auf. Das Wohnhaus in welchem Sie und Kai zusammen lebten.

Schon aus der Ferne konnte Maria eine dunkle Gestalt vor der Haustür erkennen. Das Taxi hielt auf der gegenüberliegenden Straßenseite ihrer Wohnung. Sie stiegt aus, ging um das Taxi und schaute auf die Gestalt die sich etwas unbeholfen umsah, zwei Schritte in Richtung Haustür machte, sich an der Hauswand festhielt, nach unten blickte und sich suchend und dennoch ziellos umsah. Die Gestalt blickte in Marias Richtung. Maria sah sie an und ihr Gang verlangsamte sich. Sie erkannte ihn. Es war Kai. Er jedoch schien sie kaum wahrgenommen zu haben. Denn er senkte den Blick und machte zwei Schritte zur Seite und sich im Anschluss sofort wieder der Haustür zuzuwenden. Ina, die den umherirrenden Mann nun auch als ihren Ex-Mann erkannte blickte nun auch aufmerksam in seine Richtung.

Maria war nun bei ihm angelangt. Zusammen standen sie vor der Haustür. „Was ist los Kai? Hast du es dir doch anders überlegt und willst mitkommen?“ frage Maria lächelnd und stellte sich neben ihn. Kai wandte sich zu ihrer Seite. Sein Blick schien verschwommen, denn er kniff die Augen zusammen und neigte seinen Oberkörper zurück, so als könne er Maria nur nicht ausreichend Distanz scharf sehen. Kurz darauf verlor er das Gleichgewicht und machte einen stolpernden Schritt nach hinten. Maria sah ihm nun direkt ins Gesicht. „Kai?“ Maria hob ihren linken Arm um ihn zu berühren. „Was hast du denn da gemacht?“ fragte sie gleichzeitig mit einem Blick auf seine Nase. Ein kleiner blutiger Schnitt war deutlich über der Nasenwurzel zu erkennen.

Ina, die alles aus dem Taxi beobachtet hatte, schloss für einen Moment die Augen und senkte den Blick. Sie ahnte was die Ursache für Kais Auftreten war. Sie hoffte jedoch, dass sie falsch lag.

Maria legte ihren Arm auf Kais. Ihr zunächst fragender Gesichtsausdruck wich einer leicht besorgten Miene. „Mensch Kai“. Sie griff mit ihren zweiten Arm an seine Seite und legte ihre Hände auf seine Arme. „Du bist ja klatschnass. Wie lange stehst du denn schon hier?“ Geregnet hatte es vor mehr als einer guten Stunde. Erst seit ein paar Minuten setzte der Regen langsam wieder ein. Und der nassen und eiskalten dunklen Jacke zu urteilen, schien er sich nicht bemüht zu haben ein warmes Plätzchen aufzusuchen oder sich wenigsten unterzustellen.

„Ich brauche nur einen Schlüssel. Hast du ihn.“ Kai schaute Maria nicht an, als er diese Worte sprach. Er blickte auf die Tür, dann wieder auf den Boden, schaute Maria kurz ins Gesicht aber wich ihrem Blick rasch wieder aus. „Was ist denn mit deinem?“ fragte Maria „Hast du einen oder nicht?“ entgegnete Kai schroff. Seine Stimme klang angestrengt, als hätte er keine Geduld für eine Unterhaltung mit ihr. Maria nahm seine Antwort kommentarlos zur Kenntnis und suchte in ihrer Handtasche nach dem Schlüssel. Sie bemerkte nicht wie Kai dabei weiterhin unruhig auf der Stelle trat.

Ina entging dies jedoch nicht. Sie fühle sich in ihrer Vermutung immer mehr bestätigt. Ich hätte es wissen müssen. An so einem Tag. Die Erkenntnis ließ sie fast schon schluchzend einatmen. Bei dem ersten Gedanken, den sie wieder aufnahm wusste sie, dass der Abend nun anders als geplant verlaufen werde. Sobald Maria erkennen würde was mit Kai los ist, würden sie nicht mehr ins Kino fahren können.

Maria hielt Kai derweil ihren Schlüsselbund hin. „Ich komme nochmal kurz mit rein. Ich habe noch was vergessen“ sagte Maria beiläufig in der Erwartung dass Kai ihr den Schlüssel abnehmen und die Tür aufschließen würde. Doch als Kai seine linke Hand nach dem Schlüsselbund ausstreckte, zogen sich Marias Augenbraun zusammen. „Du bist ja verletzt?“ sprach sie ihn mit einem Blick auf sein Handgelenk an. Kai der etwas verzögert, auf die Frage einging und sich sein Handgelenk ansah, zuckte nur mit den Schultern. Maria jedoch griff mit ihrer rechten Hand seine Finger um mit ihrer anderen Hand den Ärmel seiner Jacke nach oben zu schieben. „Wie ist das denn passiert?“ fragte Maria. Sein Handgelenk war geschwollen. Die Handinnenfläche und der Unterarm waren aufgeschürft. Sofort zog Kai die Luft ein und seine Hand aus Marias „Lass das!“ entgegneter er. Es klang jedoch nicht sonderlich bestimmt. Eher gleichgültig. So als ob er die Verletzung gar nicht wahrnehmen würde. Sie musterte ihn nun das erste Mal genauer. Sein Hosensaum war nass und dreckig. Auch der Stoff an den Oberschenkeln ließ erkennen, dass er durch den Regen gegangen sein muss. An dem linken Hosenbein befand sich Dreck. Was hat er nur gemacht? Die Jacke war ebenfalls nass. Die Feuchtigkeit schien schon auf seinen Pullover darunter gesickert zu sein. An seinen Haaren tropfte das Wasser auf seine Stirn. Sein Gesicht war blass, seine Lippen schon blau vor Kälte. Er musste völlig durchgefroren sein. Sein Blick fand kaum einen Punkt welchen er für länger als einige Sekunden fixieren konnte. Wie lange muss er hier gestanden haben?

Kai schien es nichts auszumachen, dass Maria in so genau musterte. Ihm schien es nicht einmal aufzufallen. Erst als sich ihre Blicke für einen Moment trafen, regte er sich wieder. Es schien als wollte er einen Schritt zur Tür machen. Doch stattdessen machte er zwei kleine unbeholfene Schritte zur Seite und stieß leicht gegen die Hauswand. An welcher er nun auch angelehnt blieb. Kai atmete aus und schloss die Augen. Maria sah zunehmend besorgter aus.
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