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What's Next: Lemon Law

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Romance / P12 / MaleSlash
Chris Fehn Corey Taylor James Root Joey Jordison Mick Thompson OC (Own Character)
26.04.2021
04.06.2021
9
15.142
1
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Dieses Kapitel
1 Review
 
 
26.04.2021 1.402
 
Prolog


„Soll das jetzt also heißen, ich werde zum Bassisten degradiert?!“, fragte James und blickte Corey von seinem Hocker fassungslos an. „Degradiert ist so ein problematisches Wort … willst du damit andeuten, Bass sei ein minderwertiges Instrument?“, fragte Corey zurück. „Alter, komm mir jetzt nicht auch noch mit altklugen Sprüchen.“ James verdrehte genervt die Augen. „Ich will ja nur sagen, dass du es anders sehen musst. Nicht so negativ. Du spielst doch Bass, oder? Ich dachte, ne kleine Abwechslung würde dir vielleicht gefallen.“ „Ja, alles klar. Der große Bandleader hat entschieden. Über die Köpfe aller hinweg. Ich wüsste nicht, wie man das groß anders sehen kann.“ James verschränkte die Arme vor der Brust.

„Seht ihr das etwa alle so?“, fragte Corey in die Runde. Unterschwelliges zustimmendes Gemurmel und angedeutetes Nicken. „Verstehe“, der Sänger atmete hörbar aus, „aber wir waren uns doch einig, dass wir nach Pauls Tod die Band etwas umstrukturieren wollen. Und ich halte es so für das Beste. Ein bisschen frischer Wind, ein neuer kreativer Kopf, das wird uns in unserem Schaffensprozess guttun.“ „Es mag ja sein, dass du Recht hast. Aber du hättest wenigstens mit uns darüber sprechen können, bevor du Nägel mit Köpfen machst“, sagte Joey, etwas sanfter als sein Vorredner, aber hörbar enttäuscht. „Ihr seid doch sonst nicht so empfindlich“, schüttelte der Sänger den Kopf, „wie auch immer. So ist es nun mal und es lässt sich auch nicht mehr ändern, also akzeptiert es lieber gleich. Unser Neuzuwachs kann jeden Moment hier sein. Und ich werde ihn nach dem langen Flug sicher nicht wieder nach Japan zurückschicken, so viel steht fest.“

„Muss man auch ausgerechnet einen Gitarristen aus Japan einfliegen? Als ob es in Des Moines keine talentierten Musiker gäbe“, murmelte Mick bissig und unterstrich seine Worte mit einem gekonnten schrillen und kurzen Riff. „Du wirst schon noch sehen, was ich meine, wenn Otoya hier ist“, sagte Corey eindringlich, „als ich ihn seinerzeit in Japan bei diesem Konzert gesehen hab ... ich hab euch doch damals davon erzählt, wisst ihr noch? Diese Band, Green Leviathan, hatte so eine Leidenschaft auf der Bühne, richtig inspirierend war das. Und er, also Otoya, war das Herzstück des Ganzen. Dann hab ich letztens zufällig gehört, dass die Jungs ihre Auflösung bekanntgegeben haben. Und BAM! Es war einfach wie ne Eingebung in meinem Kopf, versteht ihr?“ „Hast du dir noch keine Gedanken darüber gemacht, dass wir keinen zweiten Frontmann brauchen?“, wollte Chris wissen, „pass lieber auf, dass dir der Neue nicht die Butter vom Brot nimmt.“ „Ach was“, wischte Corey die Bedenken weg, „er wird ja nur Gitarre spielen, vielleicht mal’n paar Backgroundvocals. Das war’s.“

Es war 2011. Ein hartes Jahr lag hinter der Band Slipknot. Ihre Mitglieder versuchten gerade, sich vom Tod ihres Bassisten Paul Gray zu erholen. Emotional und kreativ. Sie wollten die Fans und sich selbst davon überzeugen, dass es sie noch gab, dass sie nicht am Ende ihrer Kreativität und Produktivität waren. Sie wollten mit ihrem Schaffen für alle eine musikalische Konstante schaffen, die ihnen über diese schwere Zeit hinweghalf. Doch dieser zusätzliche Druck hatte schon öfter zu kleinen internen Reibereien geführt. Am Ende waren sie zu dem Schluss gekommen, dass die Lücke, die Paul hinterlassen hatte, nicht einfach verschwinden würde. Dass sie immer präsent war, solange sie nicht einige grundliegende Strukturen änderten. So war die Idee entstanden, die Band ein wenig neu aufzustellen, Parts neu aufzuteilen, flexibler in der Besetzung zu werden.

Corey hatte den Eindruck gehabt, dass drastische Situationen nach drastischen Maßnahmen verlangten. Er hatte es stets als seine Mission angesehen, die Band zusammenzuhalten. Er war der Klebstoff, der dieses Gewebe geschmeidig hielt. Und die anderen würden ihre Skepsis schon noch über Bord werfen, wenn sie den neuen Gitarristen kennenlernten, den er angeheuert hatte, da war er sich ziemlich sicher.

Vor dem Proberaum hielt jetzt ein Taxi und alle horchten auf. „Da! Das wird er sein! Er wollte direkt von seinem Hotel herkommen“, Corey klatschte einmal motivierend in die Hände. Aus dem Fahrzeug schwebte nun eine kleine, zierliche Gestalt mit einem Gigbag auf dem Rücken. Das erste, was der Band auffiel, als der junge Mann selbstbewusst auf den Proberaum zuschritt, war die Farbe seines Haars. Ein provokantes Gifrgrün. Das zweite war seine extravagante Kleidung, die einen visuell fast erschlug. Musste irgend so ein verrückter Stil aus seinem Heimatland sein. Der Japaner wirkte jung, vielleicht 25 oder 30, womöglich auch schon 35, sein genaues Alter konnte niemand von ihnen schätzen. „Verdammt, es stimmt. Asiaten sind wirklich die absoluten Hobbits. Wie du, Joey“, rutschte es Mick kichernd heraus. Corey warf ihm einen warnenden Blick zu. „Halt besser die Klappe mit solchen Sprüchen, wenn der Neue gleich hier ist, klar?“ „Aye, aye“, frotzelte Mick.

Trotz seiner geringen Körpergröße strahlte der neue Gitarrist etwas aus, das die Band dazu bewog, ihm ihre volle Aufmerksamkeit zu schenken, und in ihnen den Wunsch hervorrief, einen guten Eindruck zu hinterlassen. Corey konnte aus dem Augenwinkel wahrnehmen, wie der ein oder andere seine Haltung korrigierte, den Rücken straffte oder das Hemd oder Shirt glattstrich.

Dann öffnete sich die Tür und der junge Mann sah sich mit leicht überheblichem Gesichtsausdruck prüfend im Raum um. „Hi, hier sieht es nach musikalischer Kreativität aus. Scheinbar hab ich die richtige Adresse erwischt“, sagte er und sein Englisch hatte einen lustigen, aber melodischen Akzent, „schätze, ich bin derjenige, der eure Band retten soll.“ Er zwinkerte den anderen Mitgliedern schelmisch zu, die ihn einfach nur weiter stumm anstarrten, während Corey nun an seine Seite trat. „Darf ich vorstellen? Limono Otoya, Ex-Frontmann der J-Rock-Band Green Leviathan.“ Von Seiten der Bandmitglieder kam nun ein kollektiv gemurmeltes „Hi“. Limono legte amüsiert den Kopf schief. „Normalerweise werde ich begeisterter aufgenommen. Keine Angst. Es hat mir gereicht, eine Band in den Ruin zu treiben. Nochmal habe ich das nicht vor.“

Dann schritt er langsam alle Bandmitglieder der Reihe nach ab. Diese saßen noch immer auf ihren Stühlen und Hockern und rührten sich nicht vom Fleck. Der ein oder andere rutschte unter Limonos eindringlichem Blick etwas unruhig auf seiner Sitzgelegenheit hin und her. Bei jedem blieb der Japaner einen Augenblick lang stehen, bis er schließlich bei James angelangt war. Er ließ seinen Blick musternd an ihm nach unten gleiten, dann sagte er schließlich mit einem Schmunzeln: „Du bist wohl derjenige, der seinen Posten für mich räumen muss. Kein böses Blut deswegen, hoffe ich doch?“ Seine Stimme klang dabei geschmeidig, wie die Bewegungen einer Raubkatze. James hielt dem Blick einen Augenblick lang schweigend Stand, bevor er entgegnete, ohne auf die Bemerkung einzugehen: „Kommt jemand so Kleines wie du überhaupt mit einer Erwachsenengitarre zurecht? Ich glaube, ich habe zu Hause noch eine Half-Size, die ich dir borgen könnte.“

„Kecke Worte, dafür, dass du nur Rhythmusgitarrist bist“, konterte Limono, „keine Sorge. Für das bisschen Strumming, was du sonst so machst, reicht es dann grade noch.“ „Reden kann man viel“, gab James mit stoischer Ruhe zurück, „aber nur Taten zählen.“ Limono lachte amüsiert auf. „Ihr lasst mich den ganzen Weg einfliegen, nur um mich dann erst mal ein Casting durchlaufen zu lassen?“ „Natürlich nicht!“, sagte Corey beschwichtigend, „dein Vertrag ist ja längst unterschrieben. Das war nur ein blöder Spruch von James.“ „War es das?“, fragte James provokativ. „Ich seh schon“, seufzte Limono, legte seinen Gigbag ab und holte daraus seine Telecaster hervor, „ganz wie ihr wollt. Kein großes Problem.“  Er stöpselte das Instrument ein, ließ es kurz aufheulen und spielte ein virtuoses Riff.

Die Bandmitglieder tauschten untereinander intensive Blicke. „Und, hab ich bestanden?“, fragte Limono und zog die Augenbraue nach oben. „Ist das jetzt der Moment, wo wir alle beteuern müssen, dass es uns umgehauen hat und dass wir unsere Skepsis gegen kultartige Huldigungen eintauschen?“, fragte Chris mit einem schiefen Grinsen auf den Lippen. „War okay“, nickte James in Limonos Richtung. Corey ließ ein lautes Lachen vernehmen. „Haha, klassisch Jim! Du wirst seinen Humor noch besser kennenlernen. Du wirst wirklich eine große Bereicherung für die Band sein, Otoya. Ehrlich, das muss mal gesagt sein! Du hast was drauf! Ich bin jedenfalls dein Fan!“, er klopfte Limono auf die Schulter, was diesem sichtbar missfiel. Joey ließ bei Coreys Worten ein pikiertes Schnauben vernehmen.

„Okay“, versuchte der Sänger nun, die Situation aufzulockern, „Damit wäre ja alles klar. Ich bin sicher, unser Neuzugang möchte sich jetzt erst mal von der Anreise erholen. Wie wär‘s, Otoya? Ich zeige dir gerne, wo man hier gut essen kann.“ „Dieses Angebot schlage ich sicher nicht aus“, sagte Limono charmant.
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