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Küchentanz

von Schrotti
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Het
Florian David Fitz OC (Own Character)
25.04.2021
20.06.2021
125
153.178
2
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05.05.2021 859
 
Die Prüfungen für das Studium waren nicht so schwer wie ich befürchtet hatte. Ich hatte bereits im Februar eine Mappe mit meinen Arbeiten eingeschickt, und basierend darauf wurde entschieden, ob man zu einem Test zugelassen wird.
Bei der zweitägigen Prüfung wurde getestet, ob man künstlerisches Talent hatte. Man musste nach Aufforderungen was zeichnen, bewegte Bilder, Skizzen, ausgefüllte Zeichnungen, ein Aquarell.
Am nächsten Tag sollten wir etwas aus Ton erstellen. Das fiel mir auch leicht, schon seit dem Kindergartenalter hatte meine Mutter mit mir mit Ton gebastelt.
Abschließend gab es noch ein persönliches Gespräch wo allgemein über Kunst und Kunstgeschichte gesprochen wurde. Das alles bereitete mir keine Schwierigkeiten und ich verließ mit einem guten Gefühl die Uni.
Jetzt musste ich noch zwei Wochen warten bis ich die Ergebnisse bekam und ich mich dann hoffentlich endlich zum Studium einschreiben konnte.  

Zum Glück hatte ich mit dem Catering Job genug Abwechslung, so dass mich die Wartezeit bis zum Ergebnis der Tests und vor allem die Sehnsucht nach Flo nicht total irre machte.
Vor allem Letzteres machte mir zu schaffen.
Nicht mal tagsüber schaffte ich es, ihn länger als ein paar  Minuten aus meinen Gedanken zu kriegen. Was natürlich auch daran lag, dass dieses Filmset mich sehr an die Zeit des Männerherzen Drehs erinnerte.
Viele der Kollegen waren wieder dabei.
Auch Til Schweiger, der in diesem Film die Hauptrolle spielte und der mich sogar wieder erkannte und freundlich grüßte.
Florian war seit meiner Rückkehr nach Berlin ziemlich ruhig. Obwohl er nicht arbeitete, sondern sich vorgenommen hatte, bis zum Drehbeginn von Vincent auszuspannen, meldete er sich wenig bei mir und antwortete auch immer erst ziemlich spät auf Nachrichten, die ich ihm schickte.
Ich hatte keine Ahnung, was er den ganzen Tag so machte, aber immer, wenn ich fragte, ob wir am Abend telefonieren könnten, antwortete er entweder erst viel später, dass er meine Nachricht gerade erst gesehen hätte und jetzt leider keine Zeit hätte oder er schrieb direkt, dass es ihm an diesem Tag nicht passte.
Auch am Tag an dem ich erfuhr, dass ich zum Studium zugelassen war, konnte ich ihn nicht erreichen. Also schrieb ich ihm nur eine Nachricht.
Er rief mich erst am nächsten Morgen, einem Samstag an.
„Herzlichen Glückwunsch!“, sagte er fröhlich.
„Danke.“
„Ein weiterer Schritt ins Gefängnis ist getan.“
Ich ging auf seinen Scherz nicht ein. Langsam ging mir seine Schweigsamkeit auf die Nerven.
„Ich habe gestern versucht, dich zu anzurufen um dir davon zu erzählen. Aber du warst mal wieder nicht erreichbar.“
„Ich bin viel unterwegs im Moment.“
„Was machst du denn so den ganzen Tag?“
„Treffe mich mit Freunden.“
„Ach so.“
Seine vage Antwort verbesserte meine Laune nicht gerade.
„Und wie läufts bei dir? Wie ist die Arbeit?“
„Super.“
„Bist du irgendwie sauer oder so?“, fragte er.
„Nicht sauer, enttäuscht. Du machst dich sehr rar im Moment.“.
„Ja ich weiß, tut mir auch leid. Ich nutze noch die letzten Tage um meine Freunde und Familie zu sehen. Ab demnächst wird es stressig. Erst Vincent, dann muss ich nach Berlin zur Männerherzen Premiere und dann folgt die Kinotour. Außerdem habe ich schon wieder zwei Drehbücher hier liegen für nächstes Jahr, es steht eine Menge an.“
„Und wann in all deinen Plänen sehen wir uns noch mal?“
„Hab ich doch gerade gesagt, ich bin im September in Berlin. Allerdings nur für zwei Tage.“
„Na super.“
„Was soll ich sagen Paula? Wir wussten doch, dass das auf uns zukommt.“
„Ja, aber da wusste ich noch nicht, dass wir auch sonst kaum noch miteinander reden.“
„Ich habe halt wenig Zeit im Moment.“
„Okay, ich sag schon nichts mehr.“
Er stöhnte genervt.
„Wie wäre es, wenn du zur Männerherzen Premiere kommst?“, schlug er dann vor. „Du wirfst dich in ein schickes Kleid, bekommst einen Spitzenplatz, genießt Häppchen und Champagner und anschließend treffen wir uns und gehen feiern. Simon schmeißt eine Party im Hotel. Du kannst auch jemanden mitbringen, Sara oder Colin oder so.“
„Und wen bringst du mit?“
„Niemanden. Ich gehe zu sowas fast immer alleine.“
„Ich denk mal drüber nach.“
Unter normalen Umständen hätte ich mich über sein Angebot gefreut, aber so implizierte es fast, dass wir uns wirklich erst im September wieder sehen würden und Florian gar nicht erst versuchen würde, es vorher möglich zu machen.
„Mach das. Ich weiß nicht, ob ich es morgen schaffe mich zu melden. Ich fahre mit ein paar Freunden nach Berchtesgaden zum wandern, wir bleiben ein paar Tage.“
Ich musste schlucken. Vielleicht war es kindisch, dass mich das so traf. Aber es schien, als hätte er für alle und jeden mehr Zeit als für mich. Er schaffte es ja kaum, eine SMS zu schicken.
„Okay. Viel Spaß.“
„Danke. Wir hören uns.“
Nach dem Telefonat legte ich mich zurück ins Bett. Ich konnte es nicht verhindern, dass mir die Tränen kamen. Er hatte so kalt gewirkt am Telefon, wie auch schon in den letzten Wochen. Als würde er sich jetzt, wo wir uns nicht mehr so oft sahen, von mir lösen.
Dabei hatte es seit meinem Geburtstag doch so gut ausgesehen. In München und Mallorca hatten wir so eine gute Zeit gehabt. Und jetzt schien es, als wäre ich ihm völlig egal.
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