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Tales of Starlight 1: Anothers Life

Kurzbeschreibung
GeschichteMystery, Schmerz/Trost / P16 / FemSlash
Chibi-Usa / Sailor Chibi Moon / Serenity III Pegasus / Helios Seiya Kou / Sailor Star Fighter Taiki Kou / Sailor Star Maker Usagi "Bunny" Tsukino / Sailor Moon / Serenity II Yaten Kou / Sailor Star Healer
25.04.2021
06.02.2022
46
232.945
9
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Dieses Kapitel
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19.12.2021 6.019
 
„Das ist ja zum Mäuse melken“, schimpfte Netsu als sie Galaxias Thronraum den Rücken kehrte. „Ich habe aber auch kein Glück.“ Irgendwas machte sie falsch. Aber was? Bisher hatte sie immer daneben gelegen. Der echte Sternenkristall ließ auf sich warten. Doch wie sollte sie ihre Opfer auswählen? Woran erkannte sie Träger eines echten Sternenkristalls? Galaxia hätte ihr ja wirklich mal ein paar Hinweise geben können. Einfach so ins kalte Wasser geschmissen zu werden, war nicht sehr schön. Ein wenig bedröppelt latschte Netsu die langen Gänge des Senders Ginga entlang. Sie musst endlich etwas Gutes vorweisen zu können. Ewig würde Galaxia ihre Fehler nicht mehr gutheißen. Ihr stand das Wasser bis zum Hals.
„Erst mal einen Kaffee.“ Netsu machte sich eine Tasse Kaffee. Während sie ihn trank, blätterte sie unmotiviert in einer Musikzeitschrift und las halbherzig die Überschriften. Der hat das getan, das ist Top und das ist Flop, wieder ein Versuch Akane zu interviewen – wie langweilig. Die Erde war voller Menschen, gab es darunter nicht mal welche, die einen gewissen inneren Schein besaßen? Ein Leuchten, dass ihr vielleicht einen Hinweis auf den Sternenkristall gab. „Neuigkeiten aus dem Hause Ongaku. Wie der Chef des Labels 'Sen no Ma' berichtete, arbeitet sich seine Tochter Kikai nach dem Ende ihres Studiums in Sachen Management ein. … Zu ihrem Einstand bringt sie ein Geschenk für alle jungen Mädels in diesem Land mit: drei charmante und talentierte Künstler. Richtig. Kikai Ongaku Entdeckerin und Managerin der Chartstürmer ThreeLights wird wohl auch in Zukunft noch für einige Überraschungen und vor allem frischen Wind in der Musikwelt sorgen. ...“ Netsu stellte nachdenklich ihre Kaffeetasse ab. „Kikai Ongaku.“ Die wachen Augen der jungen Frau leuchteten wie zwei Sterne – voller Euphorie und Lebenskraft. Wenn sich bei ihr kein echter Sternenkristall versteckte, wusste sie auch nicht mehr weiter. „Dann werde ich dir mal einen Besuch abstatten.“ Netsu riss die Seite mit dem Interview heraus und trank ihren Kaffee aus. Jetzt musste sie nur noch herausfinden, wo sich diese Kikai so herumtrieb. Aber das war nichts, was ein guter Journalist nicht hinbekam.

***

„Warum drehen wir unser nächstes Video eigentlich in Yokohama und nicht in Tokyo?“, fragte Seiya interessiert, während sie zu fünft in einem der großen PKW-Busse hockten, die das Label für eben jene Reisen bereitstellte. Kikai saß am Steuer. Yaten daneben. Er hatte bei Schere-Stein-Papier gewonnen und durfte vorne sitzen. Er saß auf einem großen Kissen etwas erhöht. Einen Kindersitz hatten sie leider nicht gehabt. Seiya schmunzelte bei dem Streit, den es vor der Abreise gegeben hatte. Yaten war nun schon nicht groß. In so einem Bus ging er regelrecht unter. Aber wie immer war der Prinzessin nichts gut genug. Taiki und er selbst, saßen in der zweiten Reihe, Len ganz hinten. Dafür, dass er sich selbst mit eingeladen hatte, musste er auf die Rückbank. Es hatte schon etwas von Klassenfahrt. Leider würden sie kaum Zeit haben, sich zu erholen.
„Ganz einfach. An den Knaller 'Search for your Love' anzusetzen und noch so einen Chartstürmer rauszuhauen, müssen wir aus den Vollen schöpfen. 'Todokanu Omoi' kam beim Joined Concert wirklich super an. Das als nächste Single zu bringen, ist ein guter Schachzug. Yokohama ist genauso charmant wie ihr und es gibt hier sehr romantische Orte. Genau das brauchen wir. Vor allem der 'Sankei-en Garden' ist prädistiniert dazu. Wie lautet unser Plan?“, fragte Kikai in die Runde und sah durch den Rückspiegel nach hinten.
„Vier Tage Setarbeit. Tag 1 Besichtigung der Drehorte und letzte Absprachen. Tag 2 Dreh im Sankei-en Garden, Tag 3 Ōsanbashi Pier und Tag 4 Minato Mirai 21“, zählte Taiki aus dem Stehgreif auf.
„Streber“, hustete Seiya, während er aus dem Fenster sah. Taiki hatte immer einen Plan und das war auch gut so. Der Schwarzhaarige bemühte sich zwar sehr um Professionalität, aber alles konnte er sich bei ihrem vollen Terminkalender nicht merken.
„Seid froh, dass ihr Taiki habt“, meinte Kikai nur. „Er hat ganz Recht. Heute lassen wir es noch ruhig angehen. Die nächsten drei Tage müssen wir straff durchziehen. Wir können nicht wochenlang Stadtbereiche sperren, nur weil wir nicht zu Potte kommen. Wenn ihr das geschafft habt, dann habt ihr das Wochenede frei.“
„Wuhuu.“ Freizeit war ein Luxusgut. Aber eigentlich für Seiya auch nichts Neues. Auf Kinmoku hatte er auch nur eine begrenzte Zeit frei. Schule, Palastpflichten und sein Sporttraining. Da blieb am Ende nicht viel über. Auch wenn auf Kinmoku die Tage länger waren. Er musste sich einfach mit allem arrangieren. Außerdem war er ganz froh mal aus ihrer gewohnten Umgebung herauszukommen und wenn es nur 30 Kilometer entfernt war. Meistens hatten sie Aufträge in Tokyo angenommen, einfach damit sie zur Schule gehen konnten. Wie sie es auch machte, Kikai hatte tatsächlich immer alles im Griff. Seiya fand das wirklich sehr bewundernswert.
„Und passt auf, dass ihr das nicht an die große Glocke hängt. Minako hat ihre Ohren überall“, warnte Kikai. „Wenn ihr Pech habt, steht sie bei eurer Rückkehr in die Schule schon in den Startlöchern.“
„Hör bloß auf. So nett sie auch sein mag. Sie nervt“, brummte Yaten. „Hoffentlich reist sie uns nicht nach.“
„Noch ein Grund, warum der Dreh unter der Woche ist-“
„-eure Zielgruppe befindet sich zu dieser Zeit in der Schule“, beendete Len Kikais Satz.
„Was mich zu der Frage bringt, warum du hier bist?“, fragte Yaten und drehte sich zu Len um.
„Och... Ich recherchiere für meine Projektarbeit.“
„Ach was? Was ist das denn für eine Arbeit?“, fragte Taiki mit erhobenen Augenbrauen.
„Familienausflug mal anders“, lachte Len. „Wann hab ich denn schon mal die Chance etwas mit euch zu unternehmen. Oder euch bei der Arbeit zuzusehen. Seht mich als euren Assistenten an.“
„Ich hab es Len erlaubt“, erklärte Kikai. „Denn Len hat recht. Durch Schule, Arbeit und Studium haben wir nicht mehr so viel Zeit wirklich etwas zusammen zu machen. Ich finde das auch schade. Deswegen habe ich Len gefragt, ob er mit will. Als Student hast du … nun ja... gewisse Freiheiten.“
Seiya schwieg. Kikais Worte sorgten für ein mächtig schlechtes Gewissen. Natürlich sahen Kikai und er sich regelmäßig: entweder zur Arbeit oder zu Dingen, wo die anderen definitiv stören würden. Gerade Len blieb da immer etwas auf der Strecke. Eigentlich wollte er das nicht. Ihre gemeinsame Zeit auf der Erde lief gnadenlos ab. Er sollte jede Minute mit seiner Erdenfamilie verbringen. Aber bei all den neuen Eindrücken und der ganzen Arbeit, war es schwer die Prioritäten richtig zusetzen.
„De Muddi, der Papi und die drei kleinen Schweinchen“, lachte Len von der Rückbank aus. Die andern stimmten mit ein.
„Nur damit das klar ist“, gluckste Yaten vom Beifahrersitz. „Sowas dürft auch nur ihr sagen.“
„Deswegen machen wir das doch auch,“ feixte Len.
„Übertreibs aber nicht“, warnte Yaten.
„Seid lieb. Wir sind bald da“, meinte Kikai. „Übrigens: Len und ich teilen uns ein Zimmer, Seiya und Taiki und Yaten hat ein Einzelzimmer.“
„DANKE!“ Yaten lehnte sich entspannt zurück. Seiya fand es schade, dass er sich nicht mit Kikai ein Zimmer teilte. Aber das war wahrscheinlich auch besser so. Je länger sie in Tokyo lebten und arbeiteten, umso mehr verpuffte langsam ihr heile Welt, die er aus Nagasaki kannte. Das lag natürlich auch daran, dass Galaxia ihnen im Nacken saß. Seine Aufmerksamkeit sollte voll und ganz auf seinem Job und seiner Prinzessin liegen. Irgendwann würde der Tag kommen, an dem er nicht mehr neben Kikai einschlafen würde – an dem er überhaupt nicht mehr auf der Erde schlafen würde. Diese Gewissheit tat verdammt weh. Und jedes Mal, wenn er mit Len und Kikai zusammen war, wurde er daran erinnert. Die Zeit lief eindeutig gegen sie. Wahrscheinlich war auch das der Grund, warum er so gerne mit Bunny und den Mädels rumhing. Es lenkte ihn einfach gut ab. Einfach ein paar normale Menschen um sich zu haben, die ihn nicht immer gleich an ihre Mission erinnerten. Ein wenig abwesend spielte Seiya mit einer der lockigen Strähnen Kikais, die über den Vordersitz hingen. Yaten hatte ihn gewarnt, sich nicht auf die Menschen einzulassen. Das hatte er nun davon. Es tat nicht nur ihm weh, sondern auch Kikai und Len. Vor allem Kikai riss sich für sie und ihre Mission den Arsch auf, tat alles damit sie vorankamen. Und wofür? Dafür, dass sie irgendwann einfach verschwanden. Was hatten sie nur getan?
„Seiya, das kitzelt. Lass das bitte“, meinte Kikai von vorne.
„Oh. Tschuldige.“ Seiya wurde bei den Worten erst einmal bewusst, dass er mit den Haaren herumgespielt hatte.
„Du hättest sie wenigstens an die Kopfstütze binden können“, grinste Yaten.
„Giftzwerg, du läufst gleich“, lachte Kikai.
„Ich denke wir sind gleich da?“, fragte Yaten unbeeindruckt.
„Ja. Wir beziehen ersteinmal das Hotel und dann sehen wir uns die Drehorte an“, erklärte Kikai, während sie in Richtung Hafen fuhr.
„Können wir vorher noch was essen?“, fragte Seiya. „Ich habe Hunger.“
„Oh ja. Ich könnte auch etwas zwischen die Beißer gebrauchen“, meinte Len von hinten.
„Dann essen wir vorher. Kein Problem.“
Sie checkten in das Hotel ein. Es wurde sich zwar um Diskretion bemüht, aber allen Anwesenden war natürlich klar, wer sie waren. Noch standen keine Fans vor dem Hotel. Das würde sich spätestens am nächsten Tag geändert haben. Wie immer würde es sich wie ein Lauffeuer verbreiten, wo sie sich gerade befanden. Es war jedes Mal das Gleiche.

Und so war es auch dieses Mal. Ihren kleinen Ausflug konnten sie nicht wirklich genießen, denn irgendjemand erkannte sie immer. An den Filmsets hatten sie Security. Jetzt hatten sie Kikai. Sie war bissiger als sonst und sorgte auf ihre Art für etwas mehr Freiraum. Es kam ganz auf die Situation an, ob sie sich Zeit für Autogramme und Fotos nahmen, oder ob Kikai sie weiterscheuchte. Yokohama war eine schöne und lebendige Stadt. Trotz ihrer Fans genoss Seiya den Ausflug mit seinen Freunden. Len hatte natürlich eine Kamera dabei. Wenigstens einer denkte daran Erinnerungen auf diese Weise festzuhalten. Obwohl Seiya keine Fotos brauchen würde, um sich an das Leben hier und an seine Freunde zu erinnern. Dennoch wusste auch er das zu schätzen. Und das Foto auf dem sich Yaten mit Soße bekleckerte war alle Mal Gold wert. Aber auch da war Kikai wunderbar ausgestattet. Aus ihrer Zaubertasche zückte sie ein Fleckenstift To Go heraus.
„Was hast du denn da alles drin?“, hatte Seiya neugierig gefragt.
„Glaub mir. Das willst du nicht wissen“, gluckste Kikai. „Viele kleine Waffen für den Alltag als Bandmutti.“
„Tu nicht so, als wären wir kleine Kinder“, murrte Yaten.
„Sagt der, der sich gerade mit Soße bekleckert hat“, lachte Len.
„Wenn du noch fünf Zentimeter kleiner wärst, könnten wir dich als Kleinkind durchmogeln und vielleicht einen Kindersitz kriegen, dann kleckerst du vielleicht nicht immer“, lachte Kikai, während sie versuchte Yaten den Fleck zu entfernen.
„Richtig, und den günstigen Kinderteller“, fügte Seiya hinzu.
„Ja, ja. Macht euch nur über meine Körpergröße lustig. Meine Rache wird schrecklich sein“, fauchte Yaten.
„Da habe ich aber Angst“, sagten Seiya und Kikai gleichzeitig. Sie sahen sich an und brachen in Lachen aus.
Seiya genoss diese Momente einfach. Das Jetzt auszukosten war ein kostbares Gut. Diese Möglichkeiten, diese Gegebenheiten kehrten nie wieder. Auch der Filmdreh zu „Todokanu Omoi“ war ein Erlebnis. Natürlich kannte er die Prozedur schon von ihrem Videodreh zu “Search for your Love“, aber das war noch einmal anders. Er merkte seinen Stand in der Musikwelt sofort und das sich das Label diesen auch einiges kosten ließ. Familie Ongaku hatte zwar schon von Anfang an vertrauensvoll in die ThreeLights investiert, aber das setzte noch mal ein ganz anderes Zeichen: das Catering war besser, die Security größer, der Star im Video bekannter. Die hatten doch tatsächlich Ayumi Hasaki verpflichtet. Die Rocksängerin war ebenfalls bei ihrem Label unter Vertrag, war im Gegensatz zu ihnen schon jahrelang erfolgreich auf dem Markt. Auf die Frage nach dem „Warum?“ hatte Kikai ganz einfach geantwortet: „Erstens: Sie ist bekannt und beliebt, zweitens: sie ist süß und eine gute Musikerin, drittens: eure Fans brauchen etwas im Video mit dem sie sich identifizieren können. Und ein süßes Mädel, dem ihr ein Liebeslied widmed, ist Stoff für viele Tagträume. Findest du sie etwa nicht süß, Seiya? Nicht dein Typ?“
Seiya hasste es, wenn Kikai sie mit solchen Fragen triggerte. Aber Ayumi war wirklich süß und einfach nur nett. Anders als solche Leuchten wie Nuriko, die wie die feinsten Püppchen durchs Leben eierten. Da waren solche ruhigen Persönchen wie Ayumi wirklich angenehm. Und Seiya gab es ungern zu, aber sie lernten tatsächlich noch ein wenig von ihr, vor allem was das Schauspiel anging. Er wurde das Gefühl nicht los, dass Kikai das alles genauso geplant hatte und wusste, dass sie mit Ayumi gut arbeiten konnten. Wie auch immer diese Frau es machte, sie kannte sie alle drei so gut, dass es manchmal wirklich gruselig war. Was auch immer passierte, Seiya war sich sicher, dass Kikai in ihrem Job ganz weit aufsteigen würde. Sie war die geborene Managerin. Außerdem kommandierte sie die Leute schon gerne etwas herum.
„Was schmunzelst du?“, fragte Kikai, als sie nach dem letzten Drehtag am abgesperrten Hafen saßen und die Ruhe genossen.
„Ach. Ich musste nur daran denken, dass du uns ganz gut im Griff hast“, antwortet Seiya ehrlich.
„Ja. Das habe ich wohl. Ich bin eben gut.“ Kikai grinste und sah aufs Meer hinaus. Seiya folgte dem Blick. Manchmal wünschte er sich, es könnte für immer so bleiben...

***


„Hab ich dich endlich gefunden, Kikai Ongaku!“ Die Angesprochene drehte sich verwundert um. Sie hatte noch die letzten Sachen im Bus verstaut und war drauf und dran zu den anderen zurückzugehen. Als sich diese kleiner Person ihr in den Weg stellte.
„Wer sind Sie?“ Kikai sah sie ein wenig skeptisch an. „Womit kann ich helfen?“ Sie hatte diesen wandelnden Nadelstreifenanzug schon einmal irgendwo gesehen.
„Ich bin Netsu vom Fernsehsender Ginga. Leider sind mir die Visitenkarten ausgegangen, dass musst du mir jetzt einfach mal glauben“, erklärte Netsu mit süßer Stimme.
„Ähm... und was willst du? Ich gebe keine Interviews außer der Reihe. Tut mir leid. Da müssen wir schon einen Termin machen“, antwortete Kikai bemüht höflich. Nach diesen anstrengenden Tagen hatte sie keine Nerven mehr für aufdringliche Presse.
„Wer hat denn etwas von Interview gesagt“, kicherte Netsu. „Ich will etwas ganz anderes.“
Kikais Augenbrauen wanderten nach oben. „Na was?“
„Ich möchte dein schönes leuchtendes Licht!", säuselte Netsu.
„Hä? Was willste denn mit Seiya? Und NEIN den kriegst du nicht“, blaffte Kikai. Was war das denn für eine Witzfigur? Wenn sie nur wüsste, wo sie den abgebrochenen Stift schon einmal gesehen hatte.
"Ich werde ihn mir jetzt holen."
"Komm nur du Fussel. Ich habe kürzlich Yaten an den Garderobenhaken gehängt, weil er mir den letzten fettfreien Pfirsichjogurt geklaut hat. So nen laufenden Meter wie dich häng ich locker daneben." So langsam hatte Kikai genug. Sie hatte Feierabend. Sie konnte mit Leuten nichts anfangen, die um den heißen Brei herumredeten und sich nicht verständlich ausdrücken konnten. „Was willst du?“
„Hab ich doch gesagt. Ich will deinen Sternenkristall“, rief Netsu und riss sich den Anzug vom Leib.
„Iron Mouse?“ Kikai starrte die kleine Möchtegern-Sailorkriegerin an. Jetzt fiel es ihr natürlich wieder ein. Der Park. Der Dreh mit Alice! Jetzt hatte sie ein Problem.
„Du kennst mich?“, fragte Iron Mouse.
„Ich hab meine Augen und Ohren überall“, erwiederte Kikai locker-flockig, ging aber auf Habachtstellung.
„Sicher? Siehst du dann auch das kommen?“ Iron Mouse hob die Arme, die goldenen Armreife erschienen und ein Augenzwinkern später, schossen die Energiebälle auf Kikai zu. Diese schmiss sich einfach auf den Boden. Sie spürte die Energie über sich hinwegsausen.
„Na warte. Ich krieg dich schon.“ Iron Mouse feuerte weiter. Kikai rollte sich auf die Seite.
„Das war knapp.“ Die goldenen Kreissägen schlugen neben ihr in den Asphalt.
„Du bist ganz schön zäh. Aber es wird dir nichts nützen.“ Iron Mouse hob wieder die Arme.
„Mist.“ Kikai rappelte sich auf. Ob der irgendwann die Munition ausging? Sie konnte darauf nicht warten. „SEIYA!“, schrie Kikai aus voller Kehle. Alleine würde sie hier nicht rauskommen. Sie wusste genau, was ihr blühte. Das durfte nicht passieren. Seiyas Albtraum kam ihr in den Kopf. So weit durfte es nicht kommen.

***


„SEIYA!“ Seiya zuckte zusammen und sprang auf.
„Kikai?“ Auch die anderen horchten auf.
„Irgendwas stimmt nicht.“ Er hatte sich schon gewundert, dass Kikai so lange brauchte. Dieser Schrei verhieß nichts Gutes. Außerdem spürte er eine fremde Energie. Das konnte nicht sein. Das DURFTE nicht sein. „Kikai!“ Seiya zückte seinen Verwandlungsstern und lief los. Die anderen folgten ihm. „Fighter Star Power – Make Up!“ Das konnte sie nicht zulassen. Soweit durfte es nicht kommen. Ihr schlimmster Albtraum. Nicht ihre Kikai.
„Lass sie in Ruhe“, schrie Fighter, als sie in Fullspeed mit ihren Gefährtinnen auf den Parplatz gelaufen kam. Sie sparte sich ihre Ansage und sprang auf Iron Mouse zu, gerade als sie noch eine Salve aussenden wollte. „Krümmst du ihr ein Haar, bringe ich dich um.“
„Mi, mi, mi, mi ,mi“, machte Iron Mouse, drehte sich aus dem Weg und schoss. Die Energiebälle flogen in Kikais Richtung. Healer und Maker stürzten zu ihr, um sie zu schützen, doch sie kamen nicht rechtzeitig. Die Kugeln trafen Kikai in den Oberkörper, als sie sich gerade aufrichtete.
„KIKAI... NEEEIIIN...“ Fighter konnte nur entsetzt mit ansehen, wie die goldgelbe Blüte aus Kikais Brust wuchs und ihren Sternenkristall preisgab. Für einen kurzen Moment trafen sich ihre Blicke. Eigentlich hatte Fighter einen schmerzvollen oder flehenden Blick erwartet, ganz wie in ihrem Traum. Aber Kikais Blick war nur voller Liebe. Das war fast noch schlimmer. Sie schluckte hart. „Du elende Ratte!“ Fighter stürzte sich auf Iron Mouse. Sie wusste schließlich, dass Kikai keinen reinen Sternkristall hatte, sofern sie nicht ein Geheimnis in sich trug. Selbst wenn. Es ging ihr ums Prinzip. NIEMAND griff ihre Partnerin an.
„Maus, du Dummkopf. Ich bin eine Maus!“ Iron Mouse duckte sich weg. „Nun lass mich doch erst einmal gucken. Vielleicht hab ich endlich Glück. Wie schön er funkelt.“
„Vergiss es, Ratte. Der Kristall wird schwarz.“ Als Fighter die Worte aussprach, blieb sie wie angewurzelt stehen. Diese Erkenntniss lähmte sie sofort. Ihre Kikai würde sich in einen Phagen verwandeln. Aber noch leuchtete der Kristall. Ungewöhnlich lange. Aber es konnte nicht möglich sein, dass Kikai eine Sailorkriegerin war. Das hätte sie doch gespürt. Irgendetwas war anders. Der Kristall schimmerte als hätte man ihn in das Licht eines Sonnenaufangs getaucht. „Kikai!“, rief Fighter. Endlich ließen sich ihre Beine wieder in Bewegung setzen. Zeitgleich mit Iron Mouse kam sie bei Kikai an. Iron Mouse stieß sie zur Seite.
„Das ist mein Sternenkristall.“
„Vergiss es.“ Maker kam von der Seite und rammte Iron Mouse ihre Schulter entgegen. Niemand traute sich eine Attacke abzufeuern aus Angst, sie könnten Kikai treffen. Noch war der Sternenkristall nicht schwarz.Doch wie bekamen sie die Blüte in Kikais Körper hinein? War das überhaupt möglich? Gerade als sie zu Kikai springen wollte, wurde der Kristall schwarz.
„NEIN!“, keuchte Fighter und hielt inne. Voll Horror beobachtete sie, wie schwarze Blitze aus dem Kristall schossen und lange Ranken Kikais Körper umschlossen. Fighter drehte sich der Magen um. Sie würgte.
„Wenn du brechen musst, dreh dich mit den Wind.“, rief Healer.
„Schnauze!“ Fighter versuchte ruhig gegen die Übelkeit zu atmen, was gar nicht so einfach war, da sich alles in ihr anspannte.
„Och menno...“, jammerte Iron Mouse. „Wie kann man nur solch ein Pech haben. Na dann. Viel Spaß.“ Nur aus den Augenwinkeln nahm Fighter wahr, wie Iron Mouse in ihrer Telefonzelle verschwand. Sie musste mit ansehen, wie sich die Ranken um Kikai lösten und einen Phagen freigaben.
„Das glaub ich jetzt nicht“, platzte es aus Healer heraus. „Wäre das nicht so schrecklich würde ich lachen... Aber verdammt. Wenn das mal nicht Sailor Clipboard ist.“
„Woher kennst du meinen Namen, du abgebrochener Stift?“, keifte Sailor Clipboard.
„Echt jetzt?“ Healer starrte den Phagen an. „DAS ist dein Name?“
„Das ist doch scheißegal“, schimpfte Fighter. Ihre war es egal, wie sie hieß. Das dort war ihre Kikai, verdammt. Der Phage trug ein warmrotes kurzes Kleid ohne Ärmel. Über ihren Schultern wehte der Sailorkragen in derselben Farbe. Ihre Handschuhe und Stiefel waren aus Papier, die lange Lockenmähne zu einem hohen Pferdeschwanz gebunden, der die spitzen Ohren freigab. Sie stützte sich auf ein Klemmbrett, dass ihr fast bis zu den Schultern ging. Ihre Haut überzog ein zarter Bronzeton. Fighter schluckte. Auch wenn Sailor Clipboard für einen Phagen noch ganz annehmbar aussah, standen sie jetzt vor einem ganz großen Problem. Phage hier. Sailor Moon in Tokyo.
„Was glotzt ihr Löcher in die Luft. Ich habe hier eure To-Do-Liste! IHR SOLLT ARBEITEN. LOS JETZT!“, rief Sailor Clipboard, hob ihr großes Klemmbrett und schwang es, wie einen Fächer, in Fighters und Healers Richtung. Mit einer heftigen Sturmböe lösten sich einige Blätter vom Klemmbrett und schossen auf die Starlights zu.
„Heilige-“, rief Healer, die ein paar Haarspitzen einbüßen musste, als die messerscharfen Blätter an ihr vorbeisurrten. „Alter... das bedeutet Rache.“ Healer funkelte den Phagen böse an.
„Ihr sollt euch nicht vor euren Pflichten drücken“, meckerte Sailor Clipboard und fegte mit einer erneuten Salve Fighter und Maker zu Boden. Die Schwarzhaarige blieb einen Augenblick auf dem Rücken liegen. Sie kneifte sich in den Arm, doch sie wachte nicht auf. Sie wünschte sich nichts mehr, als aus diesem Albtraum zu erwachen. Was hatte sie dem Universum getan, dass sie das mit ansehen musste?
„Nicht pennen. ARBEITEN.“ Plötzlich tauchte Sailor Clipboard über ihr auf und rammte das Klemmbrett nach unten. Fighter rollte sich in letzter Minute weg. Mühsam hievte sie sich auf die Beine. Was sollte sie nur tun? Fighter sprang den messerscharfen Papieren aus dem Weg. Sie konnte einfach nicht auf Kikai schießen. Keine der Starlights konnte es. Sie mussten einen anderen Weg finden, um Kikai zu retten. Zumal Sailor Moon auf sich warten ließ. Fighter brach es das Herz. Je länger sie sich in ihrem wahr gewordenen Albtraum befand, umso verzweifelter wurde sie. Das war ihr Dank, dass sie Kikai da mit hineingezogen hatte? Wie unfair sie doch wahr. Das hatte Kikai nicht verdient. Am liebsten hätte sich Fighter in die nächste Ecke gesetzt und geheult. Aber als Kriegerin war das keine Option. Sie musste etwas tun. Sie würde doch Kikai auch ohne Sailor Moon zurückverwandeln können. Ihre Kikai. Ihre Bande, ihre Gefühle füreinander waren so stark. Sie versuchte Kikai gut zuzureden, sie an ihre gemeinsame Zeit zu erinnern, aber Sailor Clipboard reagierte gar nicht darauf.
"Zeig ihr deine Brüste vielleicht hilfts ja was", hörte sie Healer schreien.
„Das ist nicht witzig. Unser Fuku ist freizügig genug“, blaffte Fighter zurück. Sie sprang dem Klemmbrett aus dem Weg, das auf sie zugesaust kam. Sie spürt wie heiße Tränen in ihr aufstiegen. Das konnte doch alles nicht wahr sein.
"Dann versuch es doch mit einem Kuss“, rief Healer, während sie versuchte Sailor Clipboard in die Kniekehlen zu treten. „Ich habe eine Idee! Gestern Abend kam auf PayTV ein Film da hieß es - und ein Kuss dir lieb gegeben, erwecke dich zu neuem Leben."
"Das war Dornröschen du Blitzbirne!! Den haben wir gemeinsam gesehen“, brummte Fighter zurück.
"Ihr habt PayTv auf Kosten des Labels geschaut?", staunte Len, der sich im Hintergrund hielt und die Kamera beschützte.
„Ist doch jetzt egal“, ging Maker dazwischen. „Wir haben andere Probleme.“
„Ach was?Ihr seid keine große Hilfe!“, meckerte Fighter gereizt.
„Na was sollen wir auch machen? Wir können sie nicht angreifen?“, verteidigte sich Healer. „Das mit dem Küssen habe ich übrigens ernst gemeint!“
„Ich weiß. Das ging mir auch schon durch den Kopf.“ Fighter hatte so langsam die Faxen dicke. Sie wollte sich nicht darauf verlassen, dass Sailor Moon wieder alles richtete. Sie würde das jetzt beenden. In mehrerlei Hinsicht. So sehr es sie auch schmerzte. Sie konnte das einfach nicht mehr. Egal wie viel Kikai ihr bedeutete, sie konnte nicht weiterhin so egoistisch sein und damit Kikai in Gefahr bringen. Sie konnte es ja gerade wunderbar sehen, wie es endete. Ein Teil in ihr gab sich die Schuld an allem, fühlte sich schuldig, Kikai damals mit eingeweiht zu haben, doch ihr Herz bereute es nicht. Ihr Herz wollte Kikai wieder haben, wollte sie vor allen Gefahren und allem Schmerz beschützen. Und in beidem würde sie ihr wehtun müssen. Doch nicht nur ihr. Sailor Clipboard musste Fighter gar nicht mit ihren scharfkantigen Blätter erdolchen, das schaffte sie schon ganz alleine. Wer auch immer ihr diese Messer in die Brust gesteckt hatte, konnte es ihretwegen auch rauszerren.
„Hey Kiki!“ Fighter nutzte den Moment, in dem Sailor Clipboard durch Healer und Maker abgelenkt war und sprang hinter sie. „Star Serious Laser“, sagte sie fast behutsam und schoss Sailor Clipboard das riesige Klemmbrett aus den Händen.
„WIE KANNST DU ES WAGEN“, brüllte Sailor Clipboard. „Mein geliebtes Klemmbrett. Wie soll ich jetzt nur arbeiten, wie soll ich euch antreiben. ICH MUSS ARBEITEN VERDAMMT!“
„Du musst gar nichts“, sagte Fighter bestimmt, packte Sailor Clipboard an der Taille und hielt sie fest. Diese wehrte sich mit Händen und Füßen und trat Fighter gegen das Schienbein.
„Kikai...“, zischte Fighter. Dank ihrer Stiefel spürte sie von dem Tritt nicht so viel. „Bitte Kikai. Tu mir das nicht an.“
„LASS MICH LOS, DU NICHTSNUTZ“
„Es tut mir Leid, okay. Ich hätte besser auf dich aufpassen sollen.“ Fighter schluchzte auf. „Ich hätte dich da nicht mit reinziehen dürfen, aber-“ Fighter ließ sich durch Sailor Clipboards Schläge nicht beirren. Diese hatte sie schließlich verdient. Dennoch wich sie einem Stoß mit dem Ellenbogen aus und drehte den Phagen zu sich herum. „Aber ich kann den Gedanken viel weniger ertragen, dir nicht nahegekommen zu sein. Ich weiß du bist da drin Kikai. Ich weiß du bist eine Kämpferin.“ Langsam wurde Sailor Clipboard müde. Ihre Angriffe verloren an Kraft. „Kikai...“ Sie sah Sailor Clipboard in die Augen. Sie hatte noch das wunderschöne Morgenblau, allerdings fehlte ihnen das neckische Funkeln, dass sie so an ihnen liebte. Sie wollte es zurück.
„Mach weiter Fighter“, rief Maker. „Ich glaube sie reagiert wirklich auf dich!“
„Kikai... kannst du mich hören? Bitte... ich kann die Mission nicht ohne dich zu Ende bringen...“ Als Sailor Clipboard ihren Blick erwiederte, wusste Fighter, dass es funktionieren würde, dass es nur funktionieren würde, weil es Kikai war. Sie brauchte Sailor Moon nicht. Nicht dieses Mal. Die Schwarzhaarige nahm Sailor Clipboards Gesicht in beide Hände und atmete einmal durch. „Ich... Weiß du … Wenn mich je einer fragt, was die erste Liebe bedeutet, wäre dein Name die Antwort darauf." Mit diesen Worten drückte sie ihre Lippen auf die Sailor Clipboards. Anders als erwartet waren sie warm und weich. Wie die Lippen Kikais. Fighter flehte zu allen Göttern der Galaxie, dass das wirkte. Was um sie herum war, kümmerte sie nicht. Sie wünschte sich einfach ihre Kikai zurück.
Für einen Augenblick passierte gar nichts, nur das leise Schluchzen von Len oder Healer konnte sie hören, doch dann spürte sie, wie sich Sailor Clipboards Hände auf ihre Taille legten. Behutsam löste sie den Kuss. „Kikai... hörst du mich?“
„Seiya...“ Sailor Clipboard stieß Fighter von sich und taumelte ein paar Schritte zurück. Sie keuchte und hielt sich den Kopf. Fighter folgte ihr und wollte sie gerade packen, als Sailor Clipboards ganzer Körper sich verkrampfte und sie von einem so hellen Licht umgeben wurde, dass Fighter sich schützend die Arme vor die Augen halten musste. Sie hörte den Phagen schmerzerfüllt schreien – mit Kikais Stimme schreien. Dieser Ton ging ihr durch Mark und Bein. Es brach ihr das Herz.
Doch dann war es vorbei. Sobald das Licht abnahm, nahm Fighter die Arme wieder herunter. Sie sah wie die zurückverwandelte Kikai bewusstlos in sich zusammenfiel. Mit einem Satz war Fighter bei ihr und konnte sie gerade noch auffangen. Sie schlang ihre Arme um Kikai und drückte sie schützend an sich. Egal wie sehr sie versuchte sich zu beherrschen, die Tränen liefen einfach. Sie schluchzte leise. Sofort waren Healer, Maker und Len bei ihr. Len legte tröstend eine Hand auf die bebende Schulter.
„Wir sind doch mit dem Dreh fertig. Flieg mit Kikai heim. Wir kümmern uns um den Rest“, sagte Maker leise.
„Hm... Ich-“ Doch kam sie nicht dazu, ihre Gedanken auszusprechen. Eine ihre bekannte Stimme kam immer näher.
„Starlights! Ist alles in Ordnung?“
„Sailor Moon. Du kommst reichlich spät!“, blaffte Healer die Kriegerin an. Fighter schielte nur kurz über die Schulter. Aber eigentlich interessierte es sie dieses Mal herzlich wenig.
„Na entschuldige mal. Das liegt nicht gerade um die Ecke.“, verteidigte sich Sailor Moon.
„Hätte ich keine Vision gehabt, hätten wir gar nichts gemerkt“, brummte Mars.
„Ist doch egal“, schritt Merkur ein.
„Was ist passiert? Geht's euch gut?“, fragte Jupiter besorgt.
„Das geht euch nichts an!“, knurrte Fighter. Sie nahm Kikai auf die Arme und erhob sich.
„Wie habt ihr sie zurückverwandelt“, wollte Sailor Moon erstaunt wissen. „Wer ist das?
„Kümmert euch um euren eigenen Kram“, erwiederte Healer. „Los geh schon“, flüsterte sie Fighter zu. Diese stieß sich ohne ein weiteres Wort vom Boden ab und stieg mit Kikai auf dem Arm hinauf in die Luft.

Während sie in Richtung ihrer Wohnung flog, kam Kikai zu sich. Als sie merkte, wo sie sich befand, zuckte sie einmal mächtig zusammen.
„Seiya?“, fragte sie verwirrt. Ihre Arme schlangen sich um Fighters Hals, aus Angst fallen zu können.
„Ich lass dich nicht los, keine Angst“, presste Fighter hervor.
„W-was ist passiert?“
„Gleich... Wir sind gleich Zuhause.“ Fighter drückte Kikai etwas näher zu sich und legte einen Zahn zu. Sie war fix und fertig mit der Welt und war froh, als sie das Dach ihres Wohnhauses erreichten. „Kannst du laufen?“, fragte Fighter leise, als sie gelandet war.
„Keine Ahnung. Ich fühle mich echt schlapp...“ Sie spürte Kikais Blick auf sich, doch konnte sie ihn nicht erwiedern. Sie würde nur wieder weinen. Und das wollte sie lieber in die Wohnung verschieben. Stattdessen verwandelte sich die Starlight erst einmal zurück. Anschließend setzte sie Kikai vorsichtig ab. Diese knickte erst einmal weg, weil ihre Beine nachgaben. Sofort fing Seiya sie auf. Sie fischte in ihrer Tasche nach dem Hausschlüssel und drückte diesen Kikai in die Hand.
„Los komm. Huckepack.“ Kikai schien zu spüren, dass etwas passiert war, denn sie fragte nicht weiter. Mit Kikai auf dem Rücken stapfte Seiya zur Tür, die vom Dach führte. Die Klinke drückte sie mit ihrem Fuß herunter und gab der Tür einen solchen Stoß, das diese an die Wand dahinter knallte.
„Seiya...“
„Sorry...“ Sie schlurfte zu ihrer Wohung. Es war zwar ein wenig umständlich, aber mit Teamarbeit konnten sie die Tür problemlos öffenen. Seiya brachte Kikai in ihr Zimmer und legte sie auf dem Bett ab. Geschafft fiel sie neben Kikai rücklings aufs Bett. Einen Augenblick lagen sie schweigend nebeneinander, bis Kikai die Stille brach.
„Möchtest du mir jetzt sagen, was passiert ist?“ Kikai richtete sich etwas auf, um Seiya ansehen zu können. „Ich erinnere mich nur an diese Irone Mouse mit den-“ Kikai brach ab und starrte Seiya geschockt an. Diese erwiederte den Blick. Stumme Tränen liefen ihr über das Gesicht. „Seiya … ich... Oh mein Gott...“
Seiya setzte sich wieder auf und vergrub das Gesicht in den Händen. „Ich wollte das nicht... Es tut mir leid, Kikai. Ich habe dich in all das mit reingezogen und dich in Gefahr gebracht... Hätte ich nur nicht-“
„NICHT! Sag das bitte nicht, Seiya.“ Auch Kikai hatte sich wieder aufgesetzt. „Bitte sieh mich an.“ Seiya rang um Fassung, atmete einmal durch und sah Kikai anschließend an. Kikai sah sie eindringlich an. „Bitte sprich es nicht aus. Hier ist niemand an irgendetwas schuld. Ich bin ganz freiwillig hier. Ich hätte dich auch damals ins Hafenbecken schubsen können, aber ich bin jetzt hier. Ich wollte auch nie, dass dieser Albtraum wahr wird... aber bitte. Stelle unsere Gefühle füreinander nicht in Frage.“
„Genau, dass ist das Problem. Verstehst du Kikai? Ich kann nicht mehr. Es macht alles so schwierig... Es ist nur eine Frage der Zeit, bis unsere Mission beendet ist. Was bleibt dann noch von alledem?“
„Was dann noch bleibt? Das fragst du doch jetzt nicht wirklich?“ Kikai wollte Seiya in den Arm nehmen, hielt aber auf halber Strecke inne. „Freundschaften, Gefühle und Erinnerungen bleiben. Das verschwindet doch nicht einfach alles, nur weil ihr heimkehrt.“ Kikai seufzte und erhob sich etwas schwankend. „Aber ich verstehe schon, was du mir sagen willst. Es ist okay, Seiya...“ Noch bevor Seiya sie aufhalten konnte, war Kikai an der Tür. Doch weiter kam sie nicht. Ihr Kreislauf versagte und sie sackte zusammen.
„Du solltest dich besser hinlegen“, sagte Seiya und bucksierte ihre Freundin wieder zum Bett. Sie schob die Kissen unter Kikais Füße. „Ist dir schlecht?“
„Nein. Nur etwas zittrig.“
„Ich hole dir jetzt erst mal etwas Wasser.“ Ohne eine Antwort abzuwarten, ging Seiya in die Küche. Sie holte eine Flasche Wasser aus dem Vorratsschrank. Dazu nahm sie noch etwas Traubenzucker mit ins Zimmer zurück. Eigentlich hatte sie Kikai nicht so überfallen wollen, aber ihre Emotionen taten im Augenblick was sie wollten. Das verunsicherte sie sehr.
„Alles Mist“, brummte Seiya, bevor sie zurück ins Zimmer ging. Der Anblick brach ihr nur noch mehr das Herz. Mit tränenden Augen starrte Kikai an die Decke. Sie sprach es nicht an. Stattdessen setzte sie sich neben Kikai und half ihr sich etwas aufzusetzen.
„Beantworte mir bitte drei Fragen“, bat Kikai, nachdem sie ihren Durst gestillt hatte.
„Klar.“
„Hat Sailor Moon mich zurückverwandelt?“
„Nein...“
„Was hast du getan, um mich zurückzuverwandeln?“
„Ich habe dich geküsst.“
„Ich weiß du hast davor etwas zu mir gesagt. Was war es?“
Seiya zögerte, ob sie Kikai das wirklich sagen sollte, aber sie wollte ehrlich sein. Nach alldem was passiert war, war es nur fair, Kikai daran teilhaben zu lassen. „Wenn mich je einer fragt was die erste Liebe bedeutet, wäre dein Name die Antwort darauf.“
Für einen kurzen Moment schaute Kikai sie überrascht an. Dann huschte ein sanftes Lächeln über ihre Lippen. „So ist das also. Danke.“ Sie legte sich zurück. „Danke, dass du ehrlich bist. Komm...“ Kikai ruckte auf dem Bett etwas zur Seite, damit sich Seiya zu ihr legen konnte. Die Schwarzhaarige krabbelte neben Kikai aufs Bett. „Es geht immer irgendwie weiter, denke daran Seiya.“ Müde schloss Kikai die Augen. „Wen etwas endet, entsteht immer etwas Neues. Wir müssen einfach weiter machen, egal was noch kommt.“

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Hallo ihr Lieben.
Heute mal kein direkter Tagebucheintrag, sondern eine eigene Folge. Ich habe lange überlegt, wo ich die Folge ansiedle. Ich habe sie jetzt zwischen „Fremde Freunde“ und „Das Ende von Sailor Iron Mouse“ gepackt. Zum einen wollte ich, dass Iron Mouse der Gegner ist, zum anderen die Starlights und Inners ihre Identitäten noch nicht kennen. Und da Netsu ja als letztes Ziel Seiya hat, würde es passen, wenn sie vorher auf Kikai losgeht. Es wäre unlogisch diese beiden Opfer so weit von einander zu trennen.
Und mal ernsthaft: Nachdem Seiya nun schon geträumt hatte, wie Kikai der Sternenkristall gestohlen wird, sollte sie auch mal das Opfer sein. Es ist ein sehr emotionales Kapitel, was mir mein kleines Autorenherz bricht. *schnief* Ehrlich. Es ist einfach schrecklich. Ich liebe Kikai als Charakter. Ich habe sie letzten Endes für Seiya erfunden, bzw für die ThreeLights. Ich brauchte jemanden, der die ThreeLights berühmt machen kann, brauchte jemanden, der Seiya das Schlagzeugspielen beibringt, ich brauchte jemanden, der Seiya mit ihren Gefühlen und Bedürfnissen konfrontieren kann. Wie eigentlich jeder meiner Charaktere, hat sich Kikai ganz von selbst mit jedem Kapitel entwickelt. Zwischen den Zeilen ist sie wie alle anderen lebendig geworden. Es bricht mir wirklich das Herz, aber irgendwann musste ich es tun. Ich hoffe ihr versteht den Tenor zwischen den Zeilen. Es ist ja immer noch eine SeixUsa FF.


Danke an meine SoulSis -EndofJune- für die witzigen Brainstormingabende und natürlich das Spenden einiger Sprüche. Der Satz "Wenn mich je einer fragt, was die erste Liebe bedeutet, wäre dein Name die Antwort darauf" stammt auch von ihr. Ist er nicht schön? :D Will mich ja nicht mit fremden Federn schmücken. Daher: Danke! (Ich habe natürlich die Erlaubnis diese Sprüche zu verwenden)

Die Künstlerin Ayumi Hasaki ist von mir erfunden. Ich würde sie vom Stil her mit der Rocksängerin Ayumi Hamasaki vergleichen. Die gibt es nämlich wirklich. Daher auch der ähnliche Name ;)
Als letztes habe ich für euch wieder eine Illustration. Dieses Mal passend zum Thema: Seiya und Kiki. Schaut doch mal bei Instagram vorbei. :D Seiya und Kikai
Ich wünsche euch einen schönen vierten Advent.
Anki :)
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