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Tales of Starlight 1: Anothers Life

Kurzbeschreibung
GeschichteMystery, Schmerz/Trost / P16 / FemSlash
Chibi-Usa / Sailor Chibi Moon / Serenity III Pegasus / Helios Seiya Kou / Sailor Star Fighter Taiki Kou / Sailor Star Maker Usagi "Bunny" Tsukino / Sailor Moon / Serenity II Yaten Kou / Sailor Star Healer
25.04.2021
06.02.2022
46
232.945
9
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Dieses Kapitel
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05.12.2021 3.602
 
Tokyo, ein paar Wochen später


Seiya war kaum aus dem Flieger raus, da hörte er die Fans schon schreien. Sie standen kreischend und aufgeregt auf und ab hüpfend hinter der Absperrung. Er stöhnte. Eigentlich mochte er seine Fans und war auch wirklich glücklich, dass es sie gab. Denn wo würden sie ohne ihre Fans stehen? Aber auf diese Weise zu fliegen, schlauchte ganz schön. Der ganze Luftdruck war anders, als wenn sie als Senshi fliegen würden. Es hatte auch nicht dabei geholfen, dass sie in den frühen Morgenstunden aufgebrochen waren. Eigentlich wollte Seiya nur noch seine Ruhe. Aber da musste er jetzt wohl durch. Er setzte seine Sonnenbrille auf und machte sich auf den Weg. Kikai wartete bereits. Sie hatte in Rekordgeschwindigkeit alles in Tokyo für sie geregelt. Das Goldstück hatte sich sogar um ihr Gepäck gekümmert. Seiya atmete einmal tief durch und strebte die Rolltreppen an. An dieses Gefühl würde er sich wohl nie gewöhnen. Fahrende Treppen! Die spinnten doch, die Erdlinge. Und diese gruseligen Treppen, brachten ihn direkt in die Arme seiner Fans. Kikai hatte doch recht gehabt. Sie waren an einem Punkt angekommen, an dem sie in bestimmten Situationen definitiv Security gebrauchen konnten. Bisher hatten sie sich wehement dagegen gewehrt. In Nagasaki war das auch nicht nötig gewesen. Da waren sie ihren Fans selten in so einem großen Pulk begegnet. Doch Tokyo war um einiges größer als Nagasaki. Das bedeuete auch mehr Fans. Und diese kreischten ihm direkt ins Ohr. Alter, ich finde mich ja auch toll, aber muss das sein?, dachte sich Seiya genervt. Das war ihm heute definitiv zu viel. Ansonsten nahm er sich immer Zeit für seine Fans. Aber nicht heute. Nicht wenn er seine vertraute Umgebung verließ und nach Tokyo zog. Nicht wenn sie alles zurücklassen mussten, was sie in den letzten Monaten so lieb gewonnen hatten. Nicht nach Shinkos Tod. Eigentlich bräuchte er ein paar Tage Urlaub, um sich von alldem zu erholen. Aber diese Zeit hatten sie nicht. Sie waren nun so weit gekommen. Sie waren mittlerweile so bekannt, dass ihre Botschaften gehört wurden, dass sie zu Kakyuu durchdringen müssten. Sie mussten ihre Prinzessin finden, alles andere war nur ein Mittel zum Zweck.
„Aus dem Weg. Lasst uns doch vorbei, bitte!“, bat er energisch. Er wollte nicht auch noch schreien. Doch wie erwartet, drang seine Stimme nicht zu ihnen durch. Sie schrien nur noch lauter, was seinen Kopfschmerzen nicht sonderlich dienlich war. Seiya bahnte sich seinen Weg durch die Fans, schob sie vorsichtig beiseite. Erleichtert stellte er fest, dass sie ihm nicht folgten. Vielleicht hatte sich Taiki aber auch einfach nur erweichen lassen, ein paar Autogramme zu schreiben. Dafür hatte er heute einfach keinen Nerv mehr. Er hoffte, dass Yaten und Taiki das verstehen konnten.
Nachdem er der Fantraube entkommen war, war der Flughafen angenehm leer. Einige Reisende waren unterwegs, aber diese nahmen keine Notiz von ihm. Umso besser. Ihm kam ein junges Pärchen entgegen. Die Blonde mit der Knotenfrisur hing wie eine Klette am Arm ihres Freundes. Der arme Kerl. Seiya war wirklich froh, dass er sowas nicht ertragen musste. Kikai war da ähnlich wie er selbst: ganz pragmatisch und eigenständig. Sie hatten zwar auch ihre Momente, an denen sie einfach die Finger nicht voneinander lassen konnte, aber ansonsten verhielten sich sich ganz normal. Vielleicht lag es daran, dass Kikai so viel älter war. Was es auch immer war, Seiya wollte es nicht anders haben. Aber den Kerl schien das nicht zu stören und irgendwie sah der Mamoru irgendwie ähnlich. Wäre natürlich logisch, denn Mamoru wollte nach Amerika. Und dahin würde er bestimmt nicht schwimmen. Je näher er kam, umsso sicherer war er. Das war Mamoru, aber er achtete nicht auf ihn. Auch gut. Umso besser. Nur schnell weg hier.
Als Seiya mit dem Paar gleich auf war, lief ihm ein mächtiger Schauer über den Körper. Sein Herz begann zu rasen und in seiner Magengegend kribbelte es merkwürdig. Für einen Augenblick schien die Welt stillzustehen. Dieses Gefühl! Er kannte es. Es war dasselbe warme Gefühl, dass er immer in Kakyuus Nähe verspürte. Dieses starke und tröstende Licht. Er würde es immer wieder erkennen. Es füllte seinen gesamten Körper. Es war wie das Licht seiner Prinzessin und doch irgendwie anders. Ganz durch den Wind, drehte er sich um und sah dem Paar nach. Die Blonde hatte sich ebenfalls umgedreht. Ihre Augen trafen sich. Es lag Neugierde darin, aber kein Wiedererkennen. Seiya wusste gar nicht, wo ihm der Kopf stand. Konnte es wirklich sein, dass Kakyuu sich auch in einer anderen Gestalt tarnte? Aber was machte sie dann bei Mamoru? Das ergab alles keinen Sinn. Womöglich spielten ihm seine überreizten Nerven wieder mal einen Streich? Wie hoch wahr die Wahrscheinlichkeit, dass Kakyuu sich ebenfalls verkleidet hatte und bei Mamoru untergekommen war? Richtig, gleich null. Es war eine zu abstruse Idee. Warum sollte sie sich in eine blonde Schülerin verwandeln? Da musste er wohl mal Len fragen, ob Mamoru eine Freundin hatte und wer diese war. Seiya atmete einmal tief durch. Der Schwarzhaarige konnte sich nicht helfen. Er sah ihnen noch nach, als sie schon lange wieder verschwunden waren. Er starrte einfach vor sich hin bis die liebliche Stimme Yatens ihn in die Gegenwart zurückholte.
„Hey, Seiya, träum nicht!“, murrte Yaten. Auch er sah sehr genervt aus. „Lass uns verschwinden, bevor noch eine Horde kommt.“
„Hm?“ Seiya sah seine Gefährten verwundert an.
„Was ist denn mit dir los? Du siehst aus, als hast du einen Geist gesehen.“ Taiki sah Seiya über seine runden Brillengläser fragend an.
„Nee, alles gut. Ich hab nur Kopfschmerzen.“ Seiya seufzte und wandte sich zum Gehen. Er würde Yaten und Taiki erst einmal nicht von dieser Begegnung erzählen, von der er nicht einmal sicher war, was da wirklich geschehen war. Er war einfach fertig mit der Welt.
„Da seid ihr ja“, rief Kikai. Sie lehnte lässig an einem Wagen mit dem Logo der ThreeLights drauf. Seiya seufzte. Unauffälliger ging wohl nicht. Aber schick war er schon. Schnell rutschte er auf die Rückbank. Erst dann nahm er seine Sonnenbrille ab.
„Ich habe alles erledigt. Ihr müsst nur noch ankommen.“ Kikai setzte sich hinters Lenkrad. „War der Flug okay? Ich schätze ihr wärt lieber selbst geflogen.“
„Oh ja“, stöhnte Seiya und fuhr sich über die schmerzende Stirn.
„War okay“, antwortete Taiki. „Am Flughafen hatten zwar ein paar Fans gewartet, aber wir haben es überlebt.“
„Danke für deine Hilfe Kikai“, sagte Seiya, während er müde seinen Kopf gegen die Scheibe lehnte.
„Ach was. Mal ganz abgesehen davon, dass es mein Job ist, mach ich das für euch doch gerne.“ Sie sah die Jungs ein wenig mitleidig durch den Rückspiegel an. Dann startete sie den Wagen und fuhr los. Die Fahrt verlief sehr schweigsam. Keinem der ThreeLights war wirklich nach einem Gespräch zumute. Das schien auch Kikai zu merken, denn sie schwieg ebenfalls. Das mochte Seiya so sehr an ihr. Kikai hatte ein unglaublich gutes Gespür dafür, wie es den ThreeLights gerade ging und deswegen konnten sich Taiki und Yaten – so sehr sie es auch versuchten – ihr nicht entziehen. Sie wusste genau, welche Knöpfe sie bei welchem ThreeLight drücken musste. Kikai fuhr sie zu ihrer Wohnung, die sich über einem Club befand und half ihr Gepäck nach oben zu tragen.
„Danke dir“, sagte Seiya lächelnd, während er sich in seine weibliche Form zurückverwandelte. Yaten und Taiki taten es ihr gleich.
„Ah, endlich wieder ich selbst.“ Yaten streckte sich einmal ausgiebig. „Ich glaube bevor ich auspacke, mache ich erst einmal ein Nickerchen.“
„Tu das.“ Taiki nickte. „Heute haben wir ja noch frei. Rufst du Len an, Seiya?“, fragte Taiki die den Kühlschrank inspizierte. „Super. Hast du für uns eingekauft, Kikai?“
„Natürlich.“ Kikai grinte.
„Sehr gut. Das reicht für die nächsten Tage. Perfekt.“ Seiya nickte. „Und ja, ich rufe gleich Len an. Bleibst du zum Essen, Kikai?“
„Ich denke nicht. Da habt ihr eure Ruhe.“ Kikai sah lächelnd in die Runde. „Ihr seht echt fertig aus. Außerdem habe ich noch bissel was zu tun.“
„Sehr rücksichtsvoll.“ Yaten schnappte sich eine Wasserflasche und zog sich zurück. „Holt mich, wenn es Essen gibt. Tschö, Kikai und danke!“
„Natürlich.“ Normalerweise würden sie Yaten dafür aufziehen, dass sie sich nur vorm Kochen drückte wollte. Aber heute hatten sie nicht einmal mehr Energie zum stänkern. Taiki nahm sich einen Apfel. „Ich werde erst mal Duschen. Ich fühle mich irgendwie schmutzig.“
„Nach der Reise, verstehe ich das. Das werde ich nachher auch noch machen nachdem ich Len angerufen habe. Doch vorerst...“ Seiya trat zu Kikai, nachdem sich Taiki zurückgezogen hatte. „Du musst nicht gehen. Wir mögen deine Gesellschaft. Und ich na ja... du weißt schon.“
„Alls gut, Seiya. Ich habe eh noch ein bisschen was zu erledigen. Ruht euch einfach aus.“ Sie stupste Seiya sanft mit der Hüfte an.
„Na schön. Pass auf dich auf.“ Seiya begleitete Kikai noch zu Tür. Dort blieben sie einen Augenblick unschlüssig stehen.
„Wenn etwas ist, melde dich einfach ja? Adresse und Nummer hab ich an den Kühlschrank gepinnt. Selbst wenn du nur reden willst oder irgendetwas anderes.“ Sie zwinkerte Seiya zu.
„Hör schon auf. Aber wahrscheinlich komme ich darauf zurück.“ Seiya lachte leise. Kikai war einfach auf ihre ganz eigene Art charmant. Seiya wollte Kikai zu sich ziehen und küssen, als ihr die Begegnung am Flughafen wieder in den Sinn kam. Die Gedanken an Kakyuu hatten ihr wieder einmal vor Augen geführt, dass das alles hier ein Ablaufdatum hatte. Die ThreeLights, die Musik, Len und Kikai. Ihre Zeit mit Shinko war bereits abgelaufen und das brach ihr jedes Mal das Herz. Was tat sie sich hier eigentlich an?
„Ist alles okay?“, fragte Kikai verwundert, dass Seiya auf halber Strecke angehalten hatte.
„Ja... Ich bin nur durch für heute.“
„Na schön. Dann ruhe dich aus.“ Sie legte Seiya kurz eine Hand an die Wange und ging dann. Seiya sah ihr ein wenig geknickt nach. Warum wusste sie selbst nicht. Sie hatte das Bedürfnis sich bei Kikai entschuldigen zu müssen. Aber wofür? Dass sie Kikai da mit hineingezogen und dass sie Kikai in Gefahr gebracht hatte? Von ihren Gefühlen ganz zu schweigen. Was würde bleiben, wenn das alles vorbei war? Seiya verstand sich einmal wieder selbst nicht. Aber eines wusste sie genau, dass sie Kikai nicht einfach so gehen lassen konnte.
„Kikai!“, rief Seiya, bevor die Braunhaarige über das Treppenhaus verschwinden konnte.
„Ja?“ Die Angesprochene drehte sich um und sah Seiya fragend an.
„Du hast was vergessen...“ Seiya deutete auf ihre Lippen und machte einen Knutschmund. Kikai schüttelte nur lächelnd den Kopf und kam zurückgeschlendert.
„Ich dachte du willst nicht...“, murmelte Kikai gegen Seiya Lippen.
„Ich bin ein Teenie und ein Gefühlschaot.‟ Seiya seufzte. „Tut mir leid.‟
„Ist jetzt egal...‟, flüsterte Kikai bevor sie Seiyas Lippen mit ihren verschloss und somit Seiya eine weitere Antwort ersparte. Wobei der Kuss schon Antwort genug war.

Sie hatte Len versprochen, sich sofort zu melden, wenn sie in Tokyo angekommen waren. Außerdem brannte Seiya darauf Len von ihrer Begegnung am Flughafen zu erzählen. Len war jemand, der ihre Gedanken ernst nahm, egal um was es sich handelte. Und da auch Kikai Thema sein würde, konnte sie sich ihrer Freundin dieses Mal nicht anvertrauen. Taiki und Yaten schon mal gar nicht. Sie waren von vorneherein gegen jedwede Ablenkung von ihrer Mission. Len hingegen erinnerte sie immer daran, dass sie ihr Ziel auch erreichten, wenn sie nicht so verbissen an die Sache heran gingen, sich auch mal eine Pause gönnten. Und diese würde sich Seiya auch nehmen. Den nächsten Termin hatten sie Übermorgen, also hatten sie noch einen Tag, um wirklich anzukommen. In letzter Zeit war Freizeit ein seltener Luxus geworden. Aber sie hatten es ja so gewollt und konnten sich glücklich schätzen, dass sie Menschen begegnet waren, die das möglich gemacht hatten.
Seiya kramte Lens Telefonnummer raus, schnappte sich das schnurlose Telefon und machte es sich auf ihrem Bett bequem. Sie wählte die Nummer. Nach wenigen Freizeichen nahm jemand den Höhrer ab.
„Ja, hallo?“, meldete sich Lens Stimme am anderen Ende der Leitung.
„Hey, Len, hier ist Seiya.“
„Seiya!“, rief Len erfreut. Seiya konnte sein strahlendes Gesicht regelrecht vor ihrem inneren Auge sehen. Schlagartig vermisste sie den Rothaarigen, der ihr Leben mächtig aufgewirbelt hatte, dabei hatten sie sich heute Morgen noch gesehen. „Seid ihr gut angekommen?“
„Ja. Auch wenn es sehr anstrengend gewesen war.“ Seiya streckte ein wenig die müden Glieder. Sie musste dringend wieder mehr Sport treiben. In letzter Zeit hatten sie so viel gearbeitet, dass sie das vernachlässigt hatte. Das rächte sich nun.
„Aufdringliche Fans?“, riet Len.
„Ja, auch. Ich fliege wirklich lieber selbst. Dann muss ich auch nicht durch einen Flughafen latschen, in dem ich sofort von Fans umringt bin. Oh und hab ich erwähnt, dass ich diese komischen fahrenden Treppen echt gruselig finde.“ Seiya musste über sich selbst lachen. Sie wusste, dass es albern war, den Rolltreppen so viel Beachtung zu schenken, doch es fühlte sich für sie einfach komisch an. Auf Kinmoku gab es sowas nicht. Sie hatten nicht einmal Fahrstühle. Noch sowas, an dass sie sich hatte gewöhnen müssen.
„Rolltreppen?“ Auch Len lachte. „Ach Süße!“
„Ich bin nicht süß!“
„Doch bist du. Ich kenne keinen, der Angst vor Rolltreppen hat.“
„Hey. Ich bin ein Alien, du erinnerst dich? Außerdem habe ich nicht gesagt, dass ich Angst habe, ich finde sie nur suspekt“, stellte Seiya noch einmal klar.
„Ja, natürlich. Wie konnte ich DAS vergessen“, meinte Len sarkastisch.
„Siehste. Na jedenfalls können wir jetzt ein wenig runterkommen.“
„Das habt ihr euch auch verdient, Seiya. Ihr habt so hart gearbeitet.“
„Richtig.“ Seiya gähnte. „Tschuldige.“
„Schon okay.“
„Ich muss dir noch was erzählen, Len“, platzte es plötzlich aus Seiya heraus. Wenn sie nur daran dachte tat ihr nicht nur der Kopf noch mehr weh, sondern wurde auch ihr Herz schwer.
„Ich bin ganz Ohr“, antwortete dieser. Am liebsten hätte Seiya Len durch den Hörer gezogen, damit sie zusammen auf dem Bett lümmeln konnten. Und damit sie vor allem Len Gesichtsregungen sehen konnte.
„Ich bin am Flughafen Mamoru über den Weg gelaufen. Er hat mich nicht wahrgenommen, aber ich bin mir sicher, dass er es war‟, sagte Seiya ohne Umschweife.
„Hm.‟ Len schwieg kurz. „Das könnte passen. Er hatte er mir erzählt, dass er heute fliegen würde. Nimms nicht persönlich, dass er dich nicht erkannt hat. Er war wahrscheinlich schon im Flieger.‟
„Das ist mir eigentlich auch egal. Zumal ein blondes Mädchen an seinem Arm hing. Sag Len. Weißt du, ob Mamoru eine Freundin hat?‟
„Ehrlich... keine Ahnung. Wir haben nie viel gesprochen und schon gar nicht über sowas. Und auf der Beerdigung hatten wir andere Sorgen. Das Einzige worüber wir im Privaten gesprochen haben, war Helios und dass er Grannys Seele weggebracht hatte.‟
„Oh. Kennt Mamoru Helios denn?‟, fragte Seiya nun doch ein wenig aufgeregt. In diesem mystischen Bild fehlten schließlich noch ein paar Puzzleteile.
„Ja. Als Prinz der Erde haben sie damals zusammen in Elysion gelebt. Mamoru meinte, dass Grannys Seele womöglich dort auf ihre Wiedergeburt wartet. Allerdings war auch ihm schleierhaft, warum auch ich ihn hatte sehen können.‟
„Durch die starke Verbindung zu Shinko vielleicht?‟, mutmaßte Seiya.
„Genau, dass habe ich ihm auch gesagt. Als wir Totenwache gehalten habe und meine Schwester schlief, habe ich Mamoru dann vom Mitternachtsstern erzählt. Aber auch er erinnerte sich nicht an irgendwelche Schicksalssterne. Ihm schien es, als sei seine Erinnerung trotz allem noch unvollständig. Auch dass er Granny im Traum getroffen hatte, wusste er nicht mehr. Ähnlich wie bei dir.‟
„Ohje. Da liegt noch viel im Nebel. Wenn selbst Mamoru nichts weiter weiß...‟ Seiya gähnte herzhaft. „Aber vielleicht ist das alles nur zu unserem eigenen Schutz.‟
„Kann sein. Womöglich ist jetzt noch nicht der passende Moment für die Wahrheit.‟ Len seufzte. „Aber um auf deine Frage zurückzukommen: wieso sollte Mamoru keine Freundin haben? Warum willst du das wissen?‟
„Na ja...‟ Seiya erzählte Len von ihren Gefühlen und die starke Energie, die sie gespürt hatte, auch von ihrer Vermutung, dass Kakyuu sich auch tarnen könnte. Jetzt so im Nachhinein klang das in ihren Ohren alles sehr weit hergeholt und unwahrscheinlich.
„Puh … Seiya … ich habe keine Ahnung. Ich kann deinem Gedankengang folgen, aber hätte Kakyuu dann nicht auch deine Energie gespürt?‟
„Na ja... unsere Blicke hatten sich ganz kurz getroffen. Jetzt mit etwas Abstand, bin ich mir selbst nicht mal mehr sicher.‟ Seiya raufte sich geschafft die Haare. Langsam reichte es an Geheimnissen.
„Und wenn du Mamorus Energie gespürt hast? Die des Erdenprinzen...‟ Len lachte. „Ich werde mich wohl nur langsam an diesen Fakt gewöhnen.‟
„Keine Ahnung. Ich bin verwirrt. Auch mein Instinkt macht gerade ein Nickerchen...‟ Seiya stöhnte entnervt auf. „Allerdings hat mir der Gedanke an Kakyuu wieder vor Augen gehalten, dass das hier alles irgendwann zuende sein wird, dass wir euch wieder verlassen müssen, … dass...‟ Seiya schluckte. „Ich frage mich ernsthaft, warum ich das mir und vor allem Kikai antue. Weißt du was ich meine? Das hat sie nicht verdient.‟
„Ach Mensch... Süße...‟
Das Thema ging Seiya so nahe, dass sie ganz vergaß Len zu berichtigen. „Ich weiß nicht was ich tun soll.‟
„Du hast drei Möglichkeiten, Seiya. Du sprichst mit Kikai und beendest das – wie auch immer ihr das zwischen euch nennt. Du spirchst mit ihr und ihr nutzt einfach die Zeit, die euch bleibt. Oder, du sprichst nicht mit ihr darüber und machst weiter wie bisher. Diese Entscheidung kann ich dir nicht abnehmen.‟
„Das habe ich befürchtet...‟
„Seiya... Kikai und du steht euch so nahe. Ihr müsst nicht jetzt sofort darüber reden. Aber klären solltet ihr das trotzdem. Was auch immer euch verbindet und anzieht, es hat euch nicht ohne Grund zueinander geführt. Carpe Diem, Seiya.‟
„Was?‟ Seiyas müder Geist war gerade nicht für solche Weiheiten zu haben.
„Das bedeutet: nutze den Tag. Ich bin mir sicher, dass dir das auch deine Prinzessin sagen würde.‟
„Meinst du?‟ Seiya war sich in diesem Moment über gar nichts mehr sicher.
„Ich kann es zwar sehen... aber antworte mir mal ganz ehrlich Seiya... liebst du Kikai?‟
„Ja.‟ Wenigstens diese Frage konnte sie mit Sicherheit beantworten. „Es ist das eingetreten, was ich am meisten gefürchtet habe...‟
„Ach das ist Quark, Seiya. Ja. Jemanden zu lieben gibt einem eine Schwäche, aber es sorgt auf für ganz viel neue Kraft. Das ist ein ganz großer Antreiber. Das ist die Liebe immer, egal in welcher Verbindung, sei es Mutter-Tochter-Liebe oder die liebe zwischen Geschwistern, zwischen Freunden oder in der Familie. Weiß das Kikai eigentlich?‟
„Nein... ich habe es ihr nicht gesagt.‟ Len hatte wie immer Recht, mit dem was er sagte. Dennoch war ihr müder Geist gerade nicht wirklich in der Lage, das alles anständig zu ordnen.
„Dann überlege mal, ob du es ihr nicht sagen willst. Es ist doch wohl offensichtlich, dass auch sie so fühlt. Damit reinen Tisch zu machen, klärt vielleicht deine Gedanken etwas mehr. Und was deine Prinzessin angeht: du selbst warst es, die mir erzählt hat, dass sie sich immer für Liebe und Gerechtigkeit stark macht. Also... was in Zukunft passiert, liegt in deiner Hand. Du alleine entscheidest, wie diese aussieht. Wenn du also merkst, dass dir Kikai als Gefährtin dahingehend hilft und es dir Kraft gibt, solltest du das nicht verteufeln. Ja, alles endet irgendwann, aber ist es deswegen nicht umso wichtiger die Zeit, die wir gemeinsam haben, auszukosten?‟
„Ach Len...‟ Seiya schloss müde die Augen. „Du hast ja recht. Und nur damit wir uns richtig verstehen: du bist mir auch verdammt wichtig.‟
„Das weiß ich doch, ansonsten würdest du dich mir nicht so anvertrauen.‟ Len lachte leise. „Und wenn du mir das sagen kannst, dann kannst du es auch bei Kikai. Versteife dich nicht so auf deine Bedenken, denn mit was willst du eventuelle schlechte Zeiten aufwiegen, wenn du nur grübelst und die schönen Momente an die vorbeiziehen lässt? Denke mal darüber nach, Süße.‟
„Ich bin nicht süß.‟
„Oh doch.‟ Len lachte. „Seiya ist verlihieeeebt!‟
„Ach sei still Len!‟
„Nö! Ich finde das bezaubernd.‟ Len kicherte. „Und ich weiß du wirst die richtigen Entscheidungen treffen. Lass dich von alldem nicht so sehr verunsichern.‟
„Das ist alles nicht so einfach.‟ Seiya rieb sich die Schläfe. Ihre Kopfschmerzen würden wohl erst nach einer Mütze voll Schlaf besser werden.
„Wer hat dir denn gesagt, dass das Leben leicht ist. Egal wer du bist, oder woher du kommst, du musst für das kämpfen was du liebst und was du erreichen möchtest. Und du, Seiya, bist eine Kämpferin. Wir müssen dich nur immer mal daran erinnern.‟
„Ach Len...‟ Da hatte Len was gesagt. Sie wusste, dass Len recht hatte. Wer wusste schon, was als nächstes passierte? Die Zukunft lag in ihrer Hand und sie musste dafür kämpfen – egal in welcher Hinsicht. „Dazu kann ich nur noch eins sagen: Hallelujah, Len!“
„Hallelujah, Süße!‟


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Hallo ihr Lieben,

ich wünsche euch einen schönen zweiten Advent. :D
Nun sind wir in Tokyo und die 5. Staffel beginnt. Wer sich wundert, warum Seiya denkt, dass in Bunny Kakyuu steckt, möge bitte die Wikieinträge zu Seiya Kou lesen. Darin steht immer, dass sich Seiya in erster Linie in Bunny verliebt, weil sie Seiya an Kakyuu erinnert. Was für mich bedeutet, dass Seiya eigentlich schon mehr Gefühle für Kakyuu hat. Mehr habe ich in die Szene auch nie reininterpretiert. Deswegen behalte ich es auch so bei. In diesem ersten Moment, erkennt Seiya nur diese starke helle Energie. Erst nach und nach wird das alles sacken.

Morgen ist Nikolaus! Und als kleines Bonbon gibt es morgen schon das nächste Kapitel. Wuhu!
Es geht also noch etwas weiter hier im ersten Teil!
Auch ich werde als Überleitung zum zweiten Teil der Trilogie ein wenig auf die 5. Staffel eingehen. Oder anders gesagt: nicht ich, sondern unsere liebste Kikai. Wie, was und wo wird euch dann ab morgen brühwarm von Kikai aufgetischt. :D

Habt einen schönen Sonntag und bis morgen.
Hohoho!

Eure Anke
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